Schüler unterrichten Intel-Vorstand

Veröffentlicht am 31. März 2005 um 9:36 Uhr von

Intel_barretDie Meldung selbst ist langweilig, auch wenn sie durch alle Ticker lief. 

In Deutschland haben sich bereits 300.000 Lehrer an einem Fortbildungsprogramm zum Umgang mit Computer und Internet beteiligt. 

Interessant wird sie dadurch, dass Intel-Chef Craig Barret sich aus diesem Anlaß von deutschen Schülern neue Technologien erklären läßt. "Mann beißt Hund", ein zuverlässiger Dreh, aus öden Fakten spannende Themen zu zaubern. Wie hier in der FAZ:

Uwe Treske hat sein Abiturzeugnis noch nicht in der Tasche, erst in vier Wochen ist es soweit. Treske wird seinen Abschluß schaffen, daran gibt es keinen Zweifel. Neben ihm steht Craig Barrett, Vorstandsvorsitzender von Intel, des größten Chipherstellers der Welt. (...) Treske hatte Barrett in nahezu fehlerfreiem, flüssigen Englisch soeben die Funktionsweise eines vom ihm selbst entwickelten Rastertunnelmikroskops erklärt, hochleistungsfähig, gebaut aus sehr preiswerten Teilen. Der promovierte Materialkundler Barrett ist begeistert.

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Nutte oder Nanotechnologie?

Veröffentlicht am 30. März 2005 um 14:29 Uhr von

Eine gelungene kleine Runde in Hamburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, interessante Referenten einzuladen, die den eigenen Horizont erweitern, weil sie über Dinge reden, die nichts mit dem Tagesgeschäft zu tun haben. Gestern war beispielsweise Prof. Dr. Hellmuth Karasek zu Gast. Nicht immer sind die Namen so klangvoll wie gestern, spannende Gespräche ergeben sich trotzdem jedesmal. Diskutiert wurde bereits mit Hamburger Pastoren, polnischen Botschaftern und amerikanischen Irak-Veteranen.

Im kleinen Kreis wurden die kommenden Themen diskutiert. Nanotechnologie, die Flugzeugindustrie, Kommerz im Fußball und Venture Capital für den Mittelstand waren im Gespräch. Alles große Themen, sicherlich. Aber in ihrer Größe auch wieder sehr unverbindlich. Und dann schlug einer vor, eine Prostituierte einzuladen. Die Idee ist großartig.

Gebrochene Biographien, Probleme mit Kunden oder Mitarbeitern, gefallene Unternehmer, die wieder aufstehen, oder Menschen, die sich neu erfinden, berühren in ihrer Ambivalenz viel stärker als jemand, der mal eben in 30 Minuten die Neuordnung der Welt verhandelt. Sicher ist es interessant zu hören, wo es mit der Nanotechnologie hingeht. Aber was ist das gegen ein Gespräch mit einer Frau, der ich nicht in die Augen zu schauen traue, wenn sie mir in ihrer Arbeitskleidung an der Davidwache gegenübersteht?

Leider kam zu dem Vorschlag nichts Konstruktives zustande.

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Soziale Unterschiede nutzen

Veröffentlicht am 29. März 2005 um 16:58 Uhr von

Soziale Reizthemen werden in den USA ungeniert für kommerzielle Interessen genutzt und beworben. In Kooperation mit dem Verlag Berlitz bietet AOL Latino allen Mitgliedern kostenlosen Englischunterricht an, natürlich online (Quelle: ZDNET.com). AOL gibt an, 78 Prozent der Angesprochenen seien interessiert - was nichts anderes heißt, als daß in diesem Kundensegment massive Sprachbarrieren eher die Regel als die Ausnahme sind. Folgerichtig bietet AOL spanischsprachige Bankdienste, Telefonkarten und einen "optimierten" PC an - was auch immer das heißt.

Hierzulande finden sich ähnliche Probleme, aber keine vergleichbaren Lösungen. Unternehmen scheuen kulturelle Unterschiede. Dazu muß man gar nicht an koschere Burger oder kyrillische Tastaturen denken. Schon die eigenständige ostdeutsche Kultur wird entweder ignoriert oder albern verklärt. Deutschlands Werbung erwartet von ihren Rezipienten eine westdeutsche Sozialisation mit Abitur, soliden Familienverhältnissen und festem Arbeitsplatz. Schade um die schönen Geschichten und  Biographien, die für das differenzierte Antlitz der Unternehmen so hilfreich sein könnten, aber ungenutzt brachliegen.

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Wandel kommunizieren immer nur Agenturen

Veröffentlicht am 22. März 2005 um 20:52 Uhr von

Change Management ist eines der Lieblingsthemen von Kommunikatoren. Ja, auch ich bekenne, mich sanft hingezogen zu fühlen zu Veränderungsprozessen. Das liegt ganz einfach daran, daß PR-Menschen berufsbedingt anfällig für Normabweichungen sind. Der Gipfel der Verheißung ist da Change Management. Hier geht es um alles, hier müssen Mann und Maschine auf neue Zeiten eingestellt werden und alles anders werden, damit es so bleibt wie es ist. Wir oder die. Hier ist alles Kommunikation, Information, Überzeugungsarbeit.

Zurück zum Thema. Public Relations im Change Management krankt an einer entscheidenden Stelle: Niemals, wirklich niemals ist mir zu Ohren gekommen, daß mit Change betraute Manager aktiv mit Öffentlichkeitsarbeitern zusammenarbeiten. Weder intern noch extern. Denn PR bringt die dezente operative Arbeit dieser mobilen Eingreiftruppe in Gefahr. Kommunikation wird zwar als immens wichtig betrachtet, aber vor allem wird darauf geachtet, daß sie NICHT stattfindet. Ich schwöre: Wenn eine PR-Agentur mal der Idee verfallen würde, Unterstützung bei der Vermeidung von Kommunikation anzubieten, sie hätte bessere Chancen.

Was im Change für PR immer geht: Jegliche Art von vollzogener Veränderung nachträglich als Erfolg zu verkaufen. Aber das ist es natürlich nicht, was die PR-Strategen wollen. Sie wollen als gleichberechtigte Entscheider mit an den Prozessen zuppeln und ihren Lauf so lenken, daß sie sich positiv anfühlen und entsprechend an die Betroffenen verkaufen lassen. Vermarktungsgerechte Szenarien entwickeln.

Auf das Thema gestoßen hat mich eine Publikation aus dem Hause Fischer-Appelt. Dort hat der Chefstratege Bernhard Fischer-Appelt ein Buch geschrieben, ach was, eine Vision zu Papier gebracht. Es geht um nichts weniger als "Die Moses-Methode". Sie wird wie folgt beworben:

Die Moses-Methode liefert eine Bestandsaufnahme bahnbrechenden Wandels in der deutschen Wirtschaft und hilft, Veränderung systematisch zu steuern – durch Kommunikation. Bernhard Fischer-Appelt hat dafür die Moses-Geschichte als kulturelles Muster entdeckt und daraus eine Methode entwickelt. Die These: Für bahnbrechenden Wandel brauchen Unternehmen eine Wanderkultur, in der die Fähigkeit zur Bewegung stärker ist als der Wunsch anzukommen.

Ohne hier darauf einzugehen, ob diese Metapher wirklich alltagstauglich ist, kann ich der These aus eigener Erfahrung (die Jahre 2001 bis 2004 subsumiere ich mal für ein börsennotiertes  IT-Unternehmen als Phase des Wandels) nicht viel abgewinnen. Wandel ist Belastung, nicht Verheißung. Jederzeit und für jeden. Wenn Wandel unvermeidbar wird, muß jemand die Richtung vorgeben, entschlossen handeln und dabei halbwegs überzeugen. Kommunikation kann den Trend herausarbeiten. Beeinflussen oder gar herbeireden kann sie ihn nicht.

Getreu dem Motto der Bild-Zeitung "Wer etwas wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Sätze", habe ich auch nicht erlebt, daß die Kommunikationsabteilung auf das Wie oder Was des Wandels großen Einfluß nimmt. Ich wünsche allen Agenturen viel Glück, an die verlockenden Etattöpfe heranzukommen. Leicht ist es nicht.

Wer Autor und Thema live erleben möchte: Es gibt eine Buch-Präsetation im Murmann-Verlag in Hamburg. Am 6. April 2005 um 17:30 Uhr präsentiert Bernhard Fischer-Appelt seine Methode im Gespräch mit Harald Ehren, Redakteur der Financial Times Deutschland.

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Managergehälter oder: Die Unfähigkeit der Wirtschaft zum Politischen

Veröffentlicht am 14. März 2005 um 7:01 Uhr von

Boerse_5_2Getrennt marschieren, vereint schlagen? Jedenfallls die DAX30-Unternehmen haben hiervon noch nie etwas gehört. Auch in der Diskussion um die Offenlegung von Managergehältern verliert sich die Betroffenenseite im Klein-klein. Die Unfähigkeit, konzertiert politisch verfehlte Forderungen an die Wirtschaft zu kontern, hat System. Ob es das Diskriminierungsgesetz ist, Unternehmensbesteuerung, Sozialabgaben, Ausbildungspakt, Bündnis für Arbeit oder das Bankgeheimnis: Interessenarbeit ist Lobbyarbeit ist unsichtbar, basta. Bloß nichts öffentlich diskutieren, bloß kein Versuch, die Öffentlichkeit mit Argumenten zu überzeugen. Mit Sympathien für ihre entschlossen mutlose Haltung können die Unternehmen jedenfalls nicht rechnen.

Mich verwundert, warum die Konzerne den Spieß nicht umdrehen. Statt schmollend im Verdacht persönlicher Bereichung stehenzubleiben, wäre jetzt genau die richtige Zeit für eine Initiative gegen die Einmischung der Politik in Privatunternehmen. Denn das ist sehr wohl im Interesse der Aktionäre und Mitarbeiter: dass Parteien nicht auf ihre Kosten einen zentralistischen Gleichheitsfanatismus entfalten. Wenn hier jemand über die Offenlegung der Gehälter entscheidet, dann die Aktionäre, nicht Berlin. Es wäre ein leichtes für die DAX-Unternehmen, sich darüber abzustimmen, dieses auf die Agenda ihrer kommenden Hauptversammlungen zu stellen. Allein, es fehlt der Mut zur kollektiven Selbstbefreiung.

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Blogs als PR-GAU

Veröffentlicht am 10. März 2005 um 9:40 Uhr von

Warum CEO-Blogs scheitern? Weil Manager nicht schreiben können.

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Metamorphosen eines Hypes

Veröffentlicht am 6. März 2005 um 21:32 Uhr von

Amerika_feier_1Ein Hype durchläuft Stadien. Nach dem (1) Startschuss, in dem die Innovation erstmals das Licht der Öffentlichkeit erblickt, wächst (2) die Erwartung durch die massive Medienpräsenz so stark, dass es (3) zwangsläufig zu einer Desillusionierung kommt. Das Thema bleibt präsent, ist aber problembehaftet. Dieses Stadium wird erst (4) durchbrochen, wenn eine Versachlichung die Verbesserung der Innovation zuläßt. Jetzt ist (5) der Weg frei zur Produktivität. (Quelle: Daniel Sieb, Das nächste große Ding im Handel, GDI_Impuls 4.04).

Mir sind die Phasen bestens aus dem E-Business-Hype bekannt. Eine Wiederholung, wenn auch im kleineren Rahmen, steht bei den Blogs bevor. Sind wir noch in 1 oder schon in 2?

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Chemie als Entertainment

Veröffentlicht am 5. März 2005 um 23:28 Uhr von

Elementedeslebens2Die Chemische Industrie, ansonsten nicht als Experte für Unterhaltung bekannt, betreibt eine wirklich vorzeigbare Kampagne. Vom spröden Titel "Chemie. Element unseres Lebens" sollte man sich nicht lange irritieren lassen, denn die Texte der Website sind durchgängig lesenswert (Agentur: Ogilvy Interactive). Vor allem aber die Content-Integration der Kampagne auf Spiegel Online ist so gelungen, dass deren Werbecharakter wirklich erst auf den zweiten Blick auffällt.

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Zweitverwertung einer Kündigung

Veröffentlicht am 4. März 2005 um 17:58 Uhr von

Kann Software die Verbreitung von Meinungen verhindern? Clearswift ist genau dieser Meinung und schmeißt sich mit Wucht in die Bloggerwelle, um ihre Security-Lösungen zu verkaufen. Der öffentlich stark beachtete Rausschmiß eines über Firmeninterna bloggenden Google-Mitarbeiters (ver)führt die Firma zu folgender Erkenntnis:

"Unzufriedene, nachlässige oder sogar feindlich gesinnte Mitarbeiter können ihre Meinungen sowie vertrauliche Unternehmensinformationen über diesen neuen Kommunikationsweg (Anm.: Weblogs) nahezu unkontrolliert verbreiten.

Die Lösung
Mit MIMEsweeper for Web, der Web-Content Security-Lösung von Clearswift, kann ein Unternehmen den Zugang zu unerwünschten Websites wie den Weblogs blockieren oder die Posting-Funktionalität sperren.

Liebe Clearswift-PR!
Für das Themenmanagement bekommt Ihr von mir ein Plus. Blogs sind ein Hype, und Hypes soll man nutzen. Für den sachlichen Aufhänger und die Umsetzung bekommt Ihr ein Minus. Die Software verhindert vielleicht einen Aufruf von Internetseiten über ein Firmennetz. Sie verhindert keinesfalls, daß ein Mitarbeiter einen Blog betreibt. Genau dies suggeriert Ihr. Die Fadenscheinigkeit der Argumentation ist so offensichtlich, daß ich Euch folgendes prophezeie: Die Meldung versandet ungedruckt, stattdessen dürft Ihr Euch wochenlang mit aufgebrachten Bloggern rumplagen. Ich bin nur der Anfang ;-)

Noch ein konstruktiver Tipp: Holt euch den geschaßten und von euch namentlich genannten Google-Mitarbeiter (habt Ihr für seine Verwendung eine Freigabe?) und diskutiert mit ihm, wie man bloggende Mitarbieter unterbindet. Das wäre PR!

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Thema treiben in einer Holding

Veröffentlicht am 4. März 2005 um 16:50 Uhr von

Themenmanagement in komplexen Unternehmen ist immer politisch. Bei SinnerSchrader existieren zwei Fronten: die AG ist Holding und Dachmarke und damit Taktgeber für die Identität des Unternehmens. Die operativen GmbHs sind für sich selbst verantwortlich und machen deswegen ihr eigenes Themenmagement.

Die Kunst der AG besteht darin, Fachthemen so aufzusetzen, daß sie den inhaltlichen Freiram der GmbHs fördern und nicht eingrenzen. Bei SinnerSchrader gilt die Arbeitsteilung, mit der AG meinungsfreudig aufzutreten, Branchentrends aufzunehmen und den GmbHs ein fachliches Forum aufzubauen. Das funktioniert, solange absolute Klarheit über die Identität jedes Unternehmensteils herrscht. Ich kann PR-Verantwortlichen an dieser Stelle nur dazu raten, das Thema "Identität der operativen Einheiten" regelmäßig auf die Agenda zu setzen, da die Wahrnehmung der Beteiligten über den eigenen Wirkungskreis nicht in Stein gemeißelt ist.

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