Kommunikationskongreß: Anmerkungen eines Unbeteiligten

Veröffentlicht am 27. September 2005 um 18:26 Uhr von

Der umtriebige Pressesprecherverband ist derzeit in Sachen Eigenvermarktung von Verbänden das Maß aller Dinge. Nicht nur, daß wohl 1.700 Experten teilnahmen; auf der Referentenliste findet sich die gesamte selbsternannte Kommunikationselite dieses Landes. (Vor allem die Keynote von Paul Kirchhof hätte ein ganz großes Ding werden können, wenn...)

Als Nicht-Teilnehmer am meisten überrascht hat mich a) die bloße Existenz und b) die Qualität der Live-Übertragung im Internet. Da Programm, Ton und Bilder sehr gut waren, habe ich neben meiner Arbeit zwei Tage lang den Kongreß an meinem PC verfolgen können. Gratulation und Dankeschön hierfür - ich habe den Glauben an Live-Streamings über das Internet wiedergefunden.

Zum Inhaltlichen nur kurze Anmerkungen: Die von mir verfolgen Vorträge waren gut, die Diskussionsrunden weniger spannend. Generell lästig war die Selbstreferenatialität der Akteure. Pressesprecher geben sich gegenseitig Auskunft, wie ihr Job so ist. Einige nahmen die Chance wahr, sich selbst in ihrer Virtuosität zu bestätigen. Legende sind eingespielte Interviews von sich selbst mit dem Fernsehen. Toll.

Ein Redakteur eines Marketing-Fachblattes erzählte von einem Panel mit dem Sprecher eines Touristentransportunternehmens, der süffisant seine PR-Praktiken ausbreitete: Dieser bringe das Anzeigenvolumen seines Unternehmens in die Gespräche mit der Redaktion ein und rühme sich, Chefredakteure von dieser Argumentation überzeugt zu haben. Das Publikum feixte angeblich. Warum wurde mit solchen Taten geprahlt, statt sie auf die Agenda zu setzen? Stattdessen durften die Teilnehmer über die Frage "Dürfen Pressesprecher lügen" sinnieren. Großer Tenor: Nein, aber...

Interessanter waren da die Ergebnisse der Studie über das Wesen des Pressesprechers. Vor allem zwei Zahlen haben es mir angetan: 93 Prozent sagen von sich selbst, sie hätten ein gutes Verhältnis zu Journalisten. Dies konnten in einer früheren Studie aber nur 5 Prozent der Redakteure bestätigen. Und auch das kam heraus: PRler leiden am meisten unter der mangelnden Fachkompetenzder Journalisten. Daß in der Besserung dieses Zustandes eine ihrer Hauptaufgaben liegen könnte, wurde offenbar nicht thematisiert.

Womit wir bei der kleinen Bilanz des Unbeteiligten angelangt sind. Zu sehen war ein Berufsstand in seine vollen Reife, vielleicht schön späten Blüte. Wie die kommenden Probleme und Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeiter zu meistern sind, habe ich hier nicht erfahren. Aber das wäre wohl auch ein bißchen viel verlangt - schließlich sind Kongresse wie dieser vor allem zum Networken da.

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Was Microsoft anders macht als S&J

Veröffentlicht am 21. September 2005 um 15:03 Uhr von

Microsoft und Springer & Jacoby. Zwei Unternehmen, die nichts als der Zwang zur Restrukturierung verbindet. Was mir bei der heute kommunizierten Repositionierung von Microsoft besser gefällt als bei der S&J-Meldung vor wenigen Tagen: MS benennt den Feind. "Grund für die Umstrukturierung ist die wachsende Konkurrenz von Internetunternehmen wie Google und der zunehmende Erfolg des Linux-Betriebssystems", so die Meldung im Wall Street Journal, über die heute u.a. das Handelsblatt berichtet.

Was bewegt S&J? Zu geringe Umsätze, zu teure Honorarmodelle, zu aufwendige Awards. Wo ist der Unterschied? Der eine blickt nach vorne, der andere nach hinten. Für den einen steht der Feind außen, für den anderen innen.

Lesenswert zu S&J auch die Betrachtungen von Werbewunderland.

Nachtrag: Meldung auf horizont.net

Mercedes-Benz stellt Springer & Jacoby ein Ultimatum
Schlechte Nachricht für die Hamburger Agentur Springer & Jacoby: Stammkunde Mercedes-Benz ist offenbar nicht einverstanden mit dem Umbau bei seinem langjährigen Etathalter und stellt der Agentur ein Ultimatum.

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In eigener Sache: Die Sache mit der Qualität der Medienarbeit

Veröffentlicht am 20. September 2005 um 11:53 Uhr von

Einladung

Wirtschaftsjournalisten diskutieren einen Tag lang mit Unternehmen neue Wege der PR

"Anspruch und Wirklichkeit in der Pressearbeit" lautet das Thema einer neuen Seminarreihe, die der Interactive-Dienstleister SinnerSchrader in Kooperation mit dem Bundesverband Digitale Wirtschaft veranstaltet. Zwei Wirtschaftsjournalisten, Christian Rickens vom Manager Magazin und Volker Müller von der Financial Times Deutschland (FTD), stellen sich in drei Städten jeweils einen Tag der Diskussion mit Führungskräften und PR-Profis.

Der Dialog ist dringend nötig, denn PR schadet nach Einschätzung der Journalisten oft mehr, als sie nützt. Während Kommunikationschefs und Agenturen gerne ihren strategischen Anspruch unterstreichen, leiden die Redaktionen täglich unter einer Flut irrelevanter Unternehmensinformationen. Die Folge: Das Interesse an PR-Themen ist so gering wie nie zuvor. Den Schaden haben die Auftraggeber. Diese Beobachtung trifft nicht nur auf kleine Agenturen oder dem vermeintlich medienunerfahrenen Mittelstand zu. Selbst DAX-30-Unternehmen werden im alltäglichen Umgang nicht unbedingt den Anforderungen der Journalisten gerecht.

Volker Müller kennt als Redakteur der FTD und ehemaliger Bitkom-Sprecher beide Seiten des Schreibtisches. Vieles scheitere schon an handwerklichen Fehlern. "Kommunikatoren kommen oft nicht auf den Punkt", urteilt Müller. Er fordert auch von marktführenden Unternehmen, sich stärker mit dem Wettbewerb auseinanderzusetzen und die Unterschiede zu akzentuieren. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, findet auch Christian Rickens vom Manager Magazin: "Öffentlichkeitsarbeiter müssen lernen, sich in die Denkweise von Journalisten hineinzuversetzen.“ Die Unternehmen betreiben seiner Ansicht nach zu viel Nabelschau und sind oft nicht in der Lage, verwertbare Fakten zusammenzustellen.

Die Seminarreihe will den Unternehmen helfen, ihre Pressearbeit auf inhaltlicher und handwerklicher Ebene kritisch zu überprüfen. Die Referenten geben detaillierte Einblicke in Arbeitsweise, Ansprüche und Zwänge großer Wirtschaftsredaktionen. Fallbeispiele vermitteln pragmatische Tipps, wie die Pressearbeit mit einfachen Mitteln zu verbessern ist. Moderiert wird das Seminar von Mark Pohlmann, Unternehmenssprecher SinnerSchrader Aktiengesellschaft.

Veranstalter ist SinnerSchrader in Kooperation mit dem Bundesverband Digitale Wirtschaft, dem rund 1.000 Unternehmen aus IT und Medien angehören.

Die Termine:
28. Oktober in Hamburg
11. November in Frankfurt
25. November in München
Jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr.

Die Teilnahmekosten betragen 375 Euro inkl. Verpflegung. Mehr Informationen hier oder über Mark Pohlmann, 040/398855-180

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"Die goldenen Zeiten sind vorbei" oder: Wir erfinden uns neu

Veröffentlicht am 15. September 2005 um 18:49 Uhr von

Die Hamburger Werber Springer & Jacoby sortieren sich neu. Probleme machen zunehmend diversifizierte Werbekanäle mit geringerer Reichweite (vulgo: mehr Arbeit für weniger Geld) und ein fortschreitender Preisverfall, oder: lästiger Wettbewerb.

Als Reaktion wird das Projektgeschäft fortan in "klassische Dienstleistung" und einen "Effizienztarif" unterteilt. Letzterer bietet weniger Arbeitsstufen, straffere Abläufe und standardisierte Briefings und soll deutlich günstiger sein. Kurz: Wer sich auf einen festen Projektablauf einläßt, zahlt weniger. Wer das volle Programm alltäglichen Agenturwahnsinns will, bekommt die dementsprechende Rechnung. Dazu kommen eine neue interne Struktur, neue Geschäftsführer, der Verzicht auf imageträchtige, aber kostspielige Teilnahme an Awards.

Klingt doch irgendwie vernünftig. Wurde aber schlecht aufgenommen. Der Höhepunkt war heute die FAZ, die "Springer & Jacoby ist auf Abwegen" titelt und urteilt: "Auf eine gesunde Entwicklung deutet das nicht hin."

Warum die Ablehnung? Einige vage Erklärungsversuche aus der Außenperspektive. 

1. In dem Pressegespräch wurde offenbar die aktuelle wirtschaftliche Situation nicht wirklich ausformuliert dargestellt - jedenfalls fehlen jegliche Fakten in der Berichterstattung. Keine Zahlen, keine Herleitungen, das läßt Raum für Spekulation und Zweifel. Der Verweis auf die Börsenregeln für den Haupteigner Interpublic zeigt nur, daß dieses Kommunikationsproblem zwar gesehen, aber nicht gelöst wurde.

2. Reorganisationen werden immer als Krisenzeichen wahrgenommen. Warum hat man nicht früher reagiert? Woher kommt die Gewißheit, daß die bedienten Hebel die richtigen sind? Am Ende richtet sich das Timing immer gegen den Akteur, der beweisen muß, daß jetzt die richtige Zeit zum Handeln ist. Hier scheint es bis auf die Kündigungen keinen plausiblen Anker gegeben zu haben. Zitate wie "Die goldenen Zeiten sind vorbei" (laut FAZ) sorgen da eher für Endzeitstimmung.

3. Konsequenz der PR-Aktion: die Fachgazetten sind voll, aber auf www.sj.com ist kein Sterbenswörtchen zu lesen. Die letzte News im Pressebereich ist von Mai 2005. Das wirkt nicht vorbereitet. Was ist mit Kunden, Mitarbeitern, Partnern, Ehemaligen, Assoziierten, Freunden & Bekannten? Wurden alle vorab informiert, so daß jegliche allgemeine Information überflüssig ist? Oder haben sie es aus der Presse erfahren? Dann werden sie sich jedenfalls nicht bevorzugt behandelt fühlen. Journalisten zuerst zu informieren heißt, Prioritäten gegen die zu setzen, von denen das Unternehmen lebt.

4. Ein Dienstleister soll sich um den Kunden kümmern, nicht um sich. Wer über die eigene Effizienz redet und Awardeinreichungen abschafft, bestraft den Kunden. Beides sind nicht die richtigen Ausgangspunkte für ein Gefühl des Aufschwungs.

in

Interview Kai Dieckmann über Kampaigning

Veröffentlicht am 14. September 2005 um 18:17 Uhr von

Wenn alle großen Sender dasselbe Programm zeigen, ist das Fernsehen für einen Moment tatsächlich wieder Massenmedium. Aber diese nordkoreanische Programmvielfalt ist nicht der Normalfall.

Noch was zum unter die Bettdecke legen. Quelle: FAZ.net

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Storytelling alá Steve Jobs

Veröffentlicht am 6. September 2005 um 15:48 Uhr von

Steve Jobs redet über sein Leben, seine Schicksalsschläge, seine Motivation, die Kraft von Fehlern, und, schlußendlich: über den übergeordneten Sinn des Ganzen. Die Botschaft: Nur durch persönliche Irrungen und Wirrungen war die Entstehung von Apple möglich. Im Ergebnis ist jeder iPod ein Produkt einer einzigartigen Biographie und eine persönliche Botschaft vom Jobs. Unbedingt lesen. Und jeder, der sich mit Personenmarketing beschäftigt: Über´s  Bett hängen. Oder unter das Kopfkissen legen.

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Internetportal beteiligt sich an Demonstration

Veröffentlicht am 2. September 2005 um 10:10 Uhr von

Rentner demonstrieren vor dem ARD-Studio in Berlin gegen das Ende der Talkshow "Fliege", mit dabei die Initiative Internetportal „Generation 50plus“, schreibt heute die SZ. Mein erster Gedanke: Hut ab, das ist Engagement. Schnell mal gegoogelt und diese Seite gefunden: www.50plus-ans-netz.de. Dann die Ernüchterung: Das Internetportal ist eine vom Staat geförderte Initiative. Nun frage ich mich wirklich, ob es dessen Aufgabe ist, Bundesbürger zu mobilisieren, gegen die wirtschaftlich nicht ganz unbegründeten Entscheidungen einer anderen öffentlichen Einrichtung zu demonstrieren, oder ob man sich nicht eher wieder um das eigentliche Ziel kümmern sollte: Senioren ans Netz zu bekommen. Was das mit der Rettung der Fernsehehre von Ex-Pastor Fliege zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

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Für frittierte Stäbchen rocken

Veröffentlicht am 1. September 2005 um 18:04 Uhr von

Coqroq_1Burger King macht in Amerika mit einer neuen viralen Online-Kampagne von sich reden. Die neuen Hühnchenprodukte werden der Zielgruppe der 14-19jährigen von einer eigenen Rockband serviert: den „CoqRoqs“. Die Microsite erzählt vom idealtypischen Leben eines Rockstars: Musik, Sex und frittierte Burger-Produkte, die man an seine Fans verfüttert. Songtext und Video sind eine einzige Anspielung auf die Mahlzeiten des Hauses. Die Kampagne zieht mit Musikvideo, Klingeltönen, MP3-Downloads und TV-Spots auf MTV alle multimedialen Register.

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