Ein Tag in der Coca-Cola-WG

Veröffentlicht am 30. Juni 2006 um 12:49 Uhr von Mark Pohlmann

weallspeak.gif
hier lesen, wie´s war.

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Wie Verlage denken: Pointoo

Veröffentlicht am 27. Juni 2006 um 10:21 Uhr von Mark Pohlmann

pointoo.gif Wir haben gelernt: Zeitungsverlage sehen ihr Geschäftsmodell durch die Selbstorganisation der Nutzer bedroht. Und sowieso erwartet die Welt nach der MySpace-Murdoch-Aktion eine Springflut aufsehenerregender Übernahmen und Neugründungen in Sachen Web 2.0 Nicht zuletzt deswegen hat die Verlagsgruppe Holtzbrinck ein eigenes E-Lab ins Leben gerufen (über das so gut wie gar nichts in Erfahrung zu bringen ist). Und jetzt purzeln die fertigen Produkte in kurzer Schlagzahl fröhlich ans Licht.

Nach blog.handelsblatt, kiwoo und Germanblogs nun also Pointoo. Was Pointoo sein will, ist im Pointoo-Blog und bei Alexander Hüsing zu lesen - oder bei ElviraZwei:

Pointoo ist ein universelles Tool zur Generierung, Verwaltung und Nutzung von selbsterstellten georeferenzierten Inhalten und stammt aus dem Hause Holtzbrinck eLab. Der Nutzer findet im Webservice Web 2.0-Elemente (Mash-Up Google Map, Empfehlungs- und Austauschfunktionen etc.). Über die Handy-Applikation Pointoo Mobile kann man einen persönlichen Ort Geo-Taggen. Die Ortung via GSM-Zellinfo oder GPS-Empfänger ist kostenlos. Zusätzlich ist eine Umkreissuche im eigenen Account oder über gesamt Pointoo nach Stichworten („Tags“) und / oder Namen möglich. Schnittstellen zu mobilen Navigationsanbietern (TomTom, Navigon, Medion etc.) sind natürlich mit an Bord.

Hmmm. Jetzt mal ehrlich: Versteht das jemand? Vermutlich geht es um einen Mix aus Plazes und Qype und darum, sich persönliche Stadtpläne zu basteln, um sie dann wie Fußballer-Bildchen mit anderen zu tauschen. Eine nette Idee, aber offensichtlich auch kompliziert umzusetzen.

Am wahrscheinlichsten ist, daß Holtzbrinck einfach ausprobiert. Gratulation dazu, das ist sowieso der einzig fruchtbare Weg. Aber glaubt man in Verlagen wie Holtzbrinck wirklich, auf Märkten, auf denen bereits interessante Anwendungen existieren, sinnvolle Alternativen zu schaffen, die sich durchsetzen? Wir erinnern uns hier an das Start-up Mantra: "Mache etwas nur, wenn du überzeugt bist, es zehmal besser als Yahoo und Google zu machen". Und das, mit Verlaub, ist den Verlagen in den ersten zehn Jahren des Internets noch nicht gelungen (ich lasse mich an dieser Stelle gerne eines besseren belehren).

Sehnlichst wartet die Welt warte ich stattdessen auf Antworten auf die ureigenen Verlagsprobleme: Wie löst ihr das Wegbrechen des Kleinanzeigenmarktes durch Ebay? Was ist mit dem oft versprochenen Dialog mit den Lesern? Mit Citizen-Journalism? Wie soll die Effizienz und Meßbarkeit von Offline-Werbung mittelfristig gegen Online-Werbung bestehen? Was ist mit Paid Content? Medienkonvergenz? Interaktivem Fernsehen? Wie sammelt ihr eure atomisierten Zielgruppen ein?

Pointoo löst euer Problem einfach nicht.

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(Meine) Termine diese Woche

Veröffentlicht am 26. Juni 2006 um 15:10 Uhr von Mark Pohlmann

28. Juni: DMMK in Berlin
Da ich als Themenblog-Blogger akkreditiert bin, werde ich auch ein paar Zeilen bloggen. Aber wahrscheinlich nicht live, sondern erst am Tag danach. Die Kollegen Martin Recke, Malte Blumenthal, Monic Meisel und Matthias Schrader sind auch da.

29.-30. Juni: CocaCola-WM-WG
Am Tag danach sind Martin und ich zu Gast bei weallspeakfootball.com. Auch hier wird es eine Berichterstattung geben, wenn ich auch die Hoffnungen Befürchtungen enttäuschen muß, daß man BigBrother-mäßig mit Live-Cams auf das Privatleben der freiwilligen WG-Versuchskaninchen zugreifen kann.

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Und immer wieder: Storytelling

Veröffentlicht am 26. Juni 2006 um 10:41 Uhr von Mark Pohlmann

Gerade fordert Stephan Uhrebacher im Qype-Blog auf darüber zu berichten, wie Qype als lokale Suche so im realen Leben funktioniert, da flattert mir die aktuelle WiWo-Ausgabe auf den Tisch mit einem Riesenportrait über OpenBC (besonders lesenswert das Lars-Hinrichs-Interview, das es nur online gibt). Der Aufhänger des Portraits: Wie Menschen mit OpenBC ihre Geschäfte organisieren. Vier Seiten eine einzige Hymne auf OpenBC (Herzlichen Glückwunsch, Daniela!)

Der Hebel heißt: Storytelling.

Konkret geht es um das Erzählen von Geschichten und um aktives Zuhören. Wichtig ist, dass der Zuhörer in die erzählte Geschichte eingebunden wird. Dadurch wird der Inhalt der Geschichte nicht nur „gehört“, sondern auch „erlebt“. Das hat den Vorteil, dass das zu transportierende Wissen eher verstanden wird und sich zudem verfestigt.
Erst duch die Geschichten der Nutzer ist die WiWo willens, vier Seiten für ein Unternehmen zu opfern. Der Dreh lautet, einen Mehrwert in eine Erzählung zu verpacken, der immer gleich aussieht und doch 1.000 Varianten kennt: Wie aus einem häßlichen Entlein ein von allen bewunderter Schwan wird. In den Hauptrollen: Der Kunde, das Unternehmen und das Produkt.

Storytelling ist kostenlos, schnell und effizient. Das Tor steht jedem Unternehmen offen. Leider gehen nur wenige durch. Weil viele nicht bereit sind, sich selbst durch die Augen ihrer Kunden zu sehen? Ich weiß es nicht.

Das Internet bietet übrigens die beste Vorbereitung zum Selbsttest. Einfach mal über eine Blogsuche wie technorati nach dem eigenen Unternehmen suchen und lesen / zuhören, was andere über einen erzählen. Oder wie Stephan die Kunden dazu affordern.

Zuhören ist überhaupt ein guter Anfang. Sagt auch Lars Hinrichs:

WirtschaftsWoche: Der Versuch, mit OpenBC-Ablegern im Inland zu wachsen, ist gescheitert.

Ja, das war eine bittere Erfahrung. Wir haben den Markt falsch eingeschätzt und das Wichtigste vergessen: Den Nutzer. Der hat nämlich keine Lust, sich zwei oder dreimal zu registrieren. Aber jeder kann sich irren. Es geht nur darum, mehr richtige als falsche Entscheidungen zu treffen. Und die falschen nicht zu wiederholen. Deshalb haben wir das Produkt eingestampft und machen jetzt daraus Untergruppen auf OpenBC, zum Beispiel für Accenture oder für die Uni Hamburg. Das neue Produkt kommt deutlich besser an.

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Jetzt auch Autofahrer: Es ist das Internet, Dummkopf

Veröffentlicht am 19. Juni 2006 um 15:30 Uhr von Mark Pohlmann

Auch wenn die Information vom Ferdinand Dudenhöffer stammt. ("Der Autopapst" genannt. Der Spiegel zerlegt ihn in seiner aktuellen Ausgabe gerade gepflegt, weil er als vorgeblich unabhängiger Professor von DaimlerChrysler bezahlt wird). Die Aussage wird die Automobilbranche noch bewegen.

Das Internet ist die wichtigste Informationsquelle für potenzielle Autokäufer und hat damit zum ersten Mal Familie und Freunde oder auch den herstellergebundenen Händler abgelöst.

Quelle: Stern.de
Ich persönlich warte ja darauf, daß die Hersteller und Händler begreifen, daß mit "dem Internet" nicht zwangsläufig ihre Konfiguratoren gemeint sind, sondern vor allem Foren, Magazine und Preisvergleiche.

Gefragt sind Erfahrungsberichte, Hintergründe und unabhängige Meinungen. Wäre dem nicht so, würde das Internet nicht so eine große Rolle spielen. Dem läßt sich dann nicht mehr mit Verkäuferschulungen, ganzseitigen Anzeigen und ein paar viralen Filmchen begegnen. Diese befriedigen höchstens den Selbstdarstellungstrieb der Hersteller.

Ich verstehe nicht so ganz, warum die Hersteller nicht selbst auf die Idee kommen, diesen Informationsbedarf zu kanalisieren, indem sie selbst die beste (im Sinne von lebendig, reichhaltig, hochwertig und objektiv) Kommunikationsplattform zu ihren Produkten anbieten. Und diese nicht einem Verlag oder, schlimmer noch, einer Privatperson überlassen.

Im Mittelpunkt der Angst steht die Sorge vor Kritik. Und es stimmt: Meinungen zuzulassen bedeutet immer Kontrollverlust. Was das heißen kann, macht Opel gerade vor (Siehe: Interview mit Felix Schwenzel). Aber nur auf der eigenen Website ist es dem Hersteller überhaupt möglich, adäquat auf Meinungen einzugehen und selbst zu argumentieren. Die CEO-Blogs (wie "Fastlane" von General Motors-Vorständen) sind allenfalls ein Anfang. Der Kunde wünscht sich vielmehr produktbezogene Informationen, die ihm im Kaufprozess helfen. Hier sind die gängigen Websites viel zu statisch und unreflektiert.

Sie auch: Die Welt hinter dem Internet: Foren

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Wegners Thesen zum Journalismus

Veröffentlicht am 14. Juni 2006 um 16:38 Uhr von Mark Pohlmann

Peter Turi veröffentlicht die Thesen von Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus Online als Warm-up für ein noch zu führendes Interview. (Heute um 18.00 Uhr sagt er. Ob es ein Live-Interview ist? Ob er sich damit gegen die WM wird durchsetzen können?)

1. Die Zukunft des Journalismus wird an seinen Rändern erfunden.
2. Die Grenzen zwischen Mediennutzern und -Produzenten verschwinden.
3. Die Produktionskosten von Medien sind nicht mehr die entscheidende Hürde.
4. Die Menge an Talent ist unendlich.
5. Die Menge an Aufmerksamkeit ist endlich.
6. Was guter Content ist, entzieht sich einer klassischen statischen Definition - Mediennutzer und -Produzenten handeln dies in einem ständigen Dialog aus.
7. Guter Content findet seinen Markt.
8. Medien sind der Kristallisationskeim von Gemeinschaften.
9. Der Bedarf an Qualitätsjournalismus wird wachsen.
10. Qualitätsjournalismus wird zunehmend direkt durch Unternehmen finanziert.

Lesen sich weder visionär noch provokant, sonden ein wenig wie die Einführung zum Proseminar "Gesellschaft. Medien. Mediengesellschaft". Und der Punkt 10 bestätigt einen ganz alten Verdacht von mir: Die wenigsten Journalisten begreifen akzeptieren, daß sie dafür bezahlt werden, die Rückseiten von Werbung vollzuschreiben. Ein passendes Zitat, das ich Ex-RTL-Chef Helmuth Thoma zuschreibe: "Die Werbung ist das Programm". Von daher laufen auch die meisten Erregungsversuche von Journalisten über die Einfllußnahme der PR ins Leere. Sie ist faktisch vorhanden. Es geht jetzt um den richtigen, sprich offenen, Umgang mit ihr.

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Interview mit Felix Schwenzel zum Astra-Test: „Aufregen ist eine Triebfeder des Bloggens“

Veröffentlicht am 14. Juni 2006 um 10:01 Uhr von Mark Pohlmann

Mark Pohlmann: Felix, vielen Dank für die Möglichkeit, mit Dir über das Astra.Blogg zu sprechen. Du und drei weitere Blogger haben vier Wochen jeweils einen Opel Astra zum Testen bekommen. Als Gegenleistung habt Ihr über Eure Erfahrungen gebloggt. Wie Du den Wagen findest, kann man hier ausführlich nachlesen. Wie zufrieden bist Du selbst mit dem Autotest?
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Felix Schwenzel: Insgesamt bin ich zufrieden, denn ich habe ein Auto und Sprit kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen und ein Thema zum Schreiben. Andererseits hasse ich das Autofahren. Don Dahlmann hat das schön zusammengefaßt: Lauter gehetzte Irre auf den Autobahnen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin an Orte gefahren, an denen ich schon lange nicht mehr war und wo ich schon länger mal wieder hin wollte. Das war befriedigend. Der Alltag mit dem Auto in Berlin und Hamburg war weniger befriedigend.

Wie zufrieden ist Opel mit dem Test?

Keine Ahnung. Ich habe mir auch von Anfang an vorgenommen, mir darüber keine Gedanken zu machen. Auch wenn das hier und da steif und fest behauptet wird - ich blogge nicht für Opel, sondern, so wie immer, für irgendwen, irgendwelche Leute die ich zum großen Teil nicht kenne und die mein Blog lesen. Offensichtlich ist also noch Raum für weitere Interviews: mit Orangemedia, mit UniversalMcCann und Opel.

Viele Blogger und Leser haben sehr emotional auf euer Engagement reagiert. Kritisiert wurde, wie schnell Ihr als unabhängige Blogger zu käuflichen Werbeträgern mutiert seid. Du und Deine schreibenden Co-Tester mußten sich als "korrumpierte Rosettenlutscher" beschimpfen lassen. War Euch bewußt, wie stark ihr mit eurer Aktion polarisiert? Oder war dies Teil des Konzeptes?

Das Wort „Rosettenlecker“ kam ursprünglich von der Schwadroneuse. Ich habe die Beschreibung dankbar aufgegriffen für Leute, die sich ohne den geringsten originellen Gedanken an die Polemik von Herrn Poodle dranhängen. Den Poodle-Text habe ich übrigens eher sportlich gesehen. Abgesehen davon habe ich Verständnis für solche Wut-Postings, in denen man etwas, was einen richtig aufregt, kräftig runtermacht. Mir ist ein ordentlicher, ehrlicher Wutausbruch sehr viel lieber als kryptisches Rumformulieren oder dieses ewige Hinterhergelaufe hinter irgendwelchen vermeintlichen Vorbildern, in der Hoffnung, etwas von deren Karma oder deren Fähigkeit zu denken abzubekommen und sich so die eigenen Gedanken zu sparen.

Daß wir „korrumpiert“, „instrumentalisiert“ und „unglaubwürdig“ seien, haben wir uns eine Weile anhören müssen. Allerdings hat das, nachdem auch ein paar Texte zur Aktion online standen, ziemlich stark nachgelassen. Daß die Aktion polarisiert, war zu erwarten. Allerdings hat niemand mit dieser Heftigkeit gerechnet. Davon war im übrigen auch der Herr Poodle überrascht. Ich war aber auch wieder überrascht, wie wenig Resonanz die bekannten Trittbrettfahrer und Selbstdarsteller bekommen haben.

Was würdest Du Opel und der Agentur fürs nächste Mal empfehlen?

Ich würde MC Winkel keinen 250-PS-Renner versprechen, um ihm dann `nen Diesel-Kombi hinzustellen. Mir wurden auch 30 PS weniger als versprochen geliefert. Blogger reagieren auf zurückgezogene Versprechen bekanntlich schnell pampig. Andererseits habe ich Verständnis für die vielfältigen Schwierigkeiten beim Organisieren einer solchen Aktion. Nur eins sollte jedem klar sein, der sich mit Bloggern einläßt: die schreiben (fast) alles sofort auf. Da öffnen sich ganz schnell ungeschützte Flanken, in denen dann von Außen mit Zahnstochern rumgebohrt wird. Nichts gegen freundschaftlichen, kumpelhaften Umgang. Aber das, was kommuniziert wird, sollte wasserdicht sein.

Nochmal zurück zu den Reaktionen aus dem Blog-Umfeld. Kann man sagen, daß viele so reagiert haben, wie sie immer reagieren? Sie regen sich auf? Dieses mal halt vor dem Hintergrund eines Autotestes?

Aufregen ist eine Triebfeder des Bloggens. Man darf das emotionale Moment nicht unterschätzen. Aber im Gegenteil zu mancher Theorie des aufgepeitschten blinden Blogmobs, der Unschuldige niedermacht, glaube ich daran, daß die meisten ganz gut merken, ob ihre Aufregung Substanz hat oder nicht. Viele halten die Blogger ja für blöde Herdentiere, was aber mit Ausnahme einiger "Rosettenlutscher / Applausheinis" vorne und hinten nicht stimmt.


Kraftausdrücke scheinen Dir zu liegen, Du benutzt sie oft und gerne. Es war absehbar, daß Opel durch Dich und Deine Leser mittenrein kommen würde in den Strudel der Wortkraftmeierei. Hätte man Opel nicht warnen müssen? Hättest Du selbst Opel nicht vor Dir schützen müssen?

Wie bereits gesagt: mich interessiert es nicht, wo für Opel der Nutzen liegt. Ich verstehe nicht, wie solche Unternehmen ticken. Sonst wäre ich wohl Werbefuzzi oder PR-Tante geworden. Wenn man mir gesagt hätte, was man gerne für Texte von mir hätte, was ich tun und was ich lassen sollte, hätte ich nicht mitgemacht oder wäre nur das Auto gefahren und hätte nix geschrieben. Offenbar ist man bereit, nicht nur Journalisten Autos zum Testen zu geben, ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Sondern man ist auch bereit, dieses Risiko bei Bloggern einzugehen. Das finde ich erstmal gut. Und das Risiko sehe ich bei Opel und den beteiligten Agenturen. Ich hatte ja nichts zu verlieren.

Was glaubst Du: wo war für Opel der Nutzen, Dir, Deinen Lesern und der Blogosphäre diesen Test zuzumuten?

Zumuten muß sich mein Weblog wirklich niemand. Mir hat das Bloggen schon Spaß gemacht, als ich nur 100 Leser hatte und niemand meinte mir Glaubwürdigkeit, Moral oder Mangel daran attestieren zu müssen. Hinter meinem Blog steht nur eine kleine Idee, auf die ich sogar ein bißchen stolz bin: Ich schreibe, was ich will. Daß ich ein paar Leser gefunden habe, obwohl ich gegen alle gutgemeinten Ratschläge und Regeln des guten Geschmacks, der Verdaulichkeit, der Rechtschreibung und Zeichensetzung verstoße, freut mich ungemein.

Hat die Aktion Dein Bild von Opel verändert?

Der letzte Opel, den ich fuhr, zitterte am ganzen Leib, wenn ich schneller als 140 fuhr. Der Opel heute fährt dagegen wie auf Schienen, auch bei 210. Das Bild der Autos wurde sozusagen geupdated. Um zu sagen, ob mein Bild von Opel verändert wurde, müßte ich mich fragen, was ich vorher für ein Bild hatte. Und ich stelle erschreckt fest: fast gar keins. Jetzt habe ich zumindest ein kleines Bild von Opel.

Felix, Danke für das Gespräch.
(Per E-Mail aufgezeichnet)

Siehe auch: Blogger vorm Werbekarren

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Selbstkritisierende Unternehmen

Veröffentlicht am 12. Juni 2006 um 15:25 Uhr von Mark Pohlmann

Im Orignal viel schöner getitelt mit "I Like companies That Say: We Suck", beschreibt Edelmans Edel-Blogger Steve Rubel, wie sehr er es schätzt, wenn Manager zu Selbstkritik in der Lage sind.

"Now that conversation is king it's critical that companies begin to have these honest discussions with their customers and do it out in the open."

In diesem Fall Yahoo360°-Manager Ernie Hsiung, der in seinem Blog über "Five things that bug me about Yahoo! 360t" schreibt. Der Schönste: Nicht einmal die eigenen Mitarbeiter nutzen die MySpace-Kopie von Yahoo.

So schön schonungslos geht es im ängstlichen Manager-Deutschland noch nicht zu. Aber es gibt Lichtblicke. Arena-Geschäftsführer Christoph Bellmer warnt bereits jetzt davon, daß der Senderstart nicht reibungslos laufen könnte (Quelle: FAS, hier zitiert aus heise.de). Bei 500.000 Neukunden in nicht ganz acht Wochen läßt sich natürlich auch gelassener mit Problemchen umgehen, die in der Zukunft liegen. Mal sehen, wie arena sich verhält, wenn beim Bundesliga-Anpfiff wirklich was schiefgehen sollte.

Vielleicht gibt das hiesige Wirtschaftsleben ja noch prägnantere Beispiele her?

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Reboot: Das Internet ist größer als wir

Veröffentlicht am 7. Juni 2006 um 18:26 Uhr von Mark Pohlmann

Thomas Madsen-Mygdal raubte mir schon nach zwei Minuten alle Illusionen: This is no Web-2.0-Event!

Ok, dann also nicht - wobei die für die Reboot gesetzten Tags eigentlich eine andere Sprache sprachen.

reboot8_tagwolke.gif

Was dann? Die Reboot-Macher wollen dazu anstoßen, Technik als Ausdruck sozialer Verantwortung einzusetzen. Das ist natürlich auch ein schöner, inspirierender Ansatz, dem sich für zwei Tage herrlich folgen ließ. Und so ließ ich alle geschäftsgerechte Aufmerksamkeit dahinfließen, öffnete Herz und Verstand für eine ganze Reihe soziologischer Proseminare, die mich flugs in meine Studentenzeit zurückversetzten, und gab mich vielen interessanten Menschen und Gesprächen vor Ort hin. Happening trifft es wohl am besten.

Dennoch: In erster Linie war die Reboot ein sehr gut organisierter Kongress. Untergebracht in einer tollen ehemaligen Fabrikhalle (heute Sporthalle), beherrschte die Notebook-auf-dem-Schoß-Fraktion (Live-Bloggen! Chatten mit dem Nachbarn! Mails! Arbeiten!) die Reihen. (Sobald die Videos online sind, werde ich an dieser Stelle noch einmal die sehenswerten Vortrage nachtragen.)

Was bei der Reboot rumkam. Eine kleine Gedankensammlung

- Die Reboot, das sind 450 Internet-Geeks. Im Umkehrschluß hieß das: Unternehmen haben die Reboot noch nicht als Thinktank entdeckt. Sünde!

- Die Reboot ist ein Beweis dafür, daß Europa eine eigene Webkultur hat. Schon alleine, um die kulturellen Unterschiede aufzuspüren (Vielfalt! Verantwortung! Reflexion! Wurzeln!), ist sie einen Besuch wert.

- Große Namen verkörpern selten große Themen. Das gilt auch für die Reboot. Die Zahl der Referenten, die ihr Thema nicht gestemmt bekamen, war ungefähr genauso hoch wie auf unserer Veranstaltung. Gut wurde es immer, wenn es wild wurde (von allen in den Himmel gehoben: Ben Hammersley (leider noch kein Link), der Mann im Kilt und der Frage "How to be a Renaissance Man")

- Welcher Gedanke eint 450 Social Software-Avantgardisten? Vielleicht dieser: Das Herz des Internets ist unkommerziell. Wir haben gerade erst angefangen, mit Technik das zu machen, was nur Technik vermag: Jedem Individuum da draußen eine Stimme, seine Stimme zu geben.

- Web 2.0 mangelt es als Gegenentwurf des Web 1.0 aktuell noch erheblich an wirtschaftlicher Substanz. Die Frage, wie sich der gemeinsame Austausch monetarisieren läßt, widerspricht dem Versprechen freien Austauschs. Hier half auch Marx nicht weiter, der laut Adam Arvidsson
ermahnt, die Gemeinschaft als monetären Wert wiederzuentdecken.

- Das Leitthema hieß "Renaissance" und kulminierte für mich in dem schönen, abschließenden Vortrag: There's something going on here that is bigger than any of us. Für die Gäste der Reboot bleibt es wohl vorerst - das Internet.

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