Blogger: Kreative Selbstdarsteller

Veröffentlicht am 31. Juli 2006 um 12:40 Uhr von Mark Pohlmann

Da haben wirs: Blogger sind gar keine Tagebuchschreiber, sondern Selbstdarsteller. Sagt Holger Schmidt in der FAZ.

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Thesen für Netzstimmen-Interview

Veröffentlicht am 28. Juli 2006 um 12:51 Uhr von Mark Pohlmann

Oliver Gassner hat mal wieder ein neues Blog: Netzstimmen. Die ersten Stimmen gehören Lyssa und Ibrahim Evsan von Sevenload, genannt Ibo). Oliver hat mich ebenfalls zu einem Interview eingeladen, und ich habe ihm versprochen, vorab ein paar steile Thesen zu proklamieren, über die sich dann hoffentlich trefflich streiten läßt.

Nun muß ich mir natürlich vorher nochmal überlegen, worüber eigentlich. In meiner Brust schlagen viele Herzen. Man könnte über E-Commerce, PR, Web 2.0 im Allgemeinen oder die Blogger im Speziellen parlieren.

Am meisten treibt mich aber aktuell die Frage um, warum Web 2.0 sich so schwer tut in Deutschland. Und wie Unternehmen auf die Herausforderung, dem Wunsch ihrer Kunden nach Partizipation, reagieren können. Ich denke, mit diesem Fragenkomplex wird Oliver sehr einverstanden sein.

Wohlan, hier sind sie:


Web 2.0 wird erst eine Massenbewegung, wenn das Internet auf das Handy überspringt.


Bei uns ist der Computer immer noch Arbeits- und kein Freizeitgerät. Nicht ohne Grund ist Deutschland E-Commerce-Weltmeister, aber Web-2.0-Anfänger. Beispiel: Trotz des ganzen Hypes um Blogs gibt es nur ein einziges mit Reichweite (Bildblog. Das ist aber gar kein Blog im Sinne eines Dialogangebotes, sondern nur zufällig ein Blog, weil Blogs eben auch ein gutes CMS sind.)

Kommunikation (im Sinne von Aufmerksamkeit für eine Marke, für einen Absender) wird in Zukunft derart kleinteilig werden, daß die heutigen Major Player das Spiel unter ihren bestehenden Regeln gar nicht gewinnen können. Sony, Bertelsmann, Adidas oder BMW - sie alle leben von Reichweite.

Das Ergebnis: Vielfalt. Und ein dramatischer Bedeutungsverlust großer Marken.

Marken und Medien werden sich in Folge stärker solidarisieren, journalistische Unabhängigkeit immer seltener. "Branded Content" heißt die letzte mögliche Ausbaustufe der aktuellen Mediengesellschaft.

Was dann kommt, ist ein tiefgreifender Paradigmenwechsel, der das Instant-Marketing, das wir heute kennen, hinfortspült. Und mit ihm wahrscheinlich auch seine Protagonisten. Man darf nicht vergessen, daß hinter dem Kulturkampf um Web 2.0 auch ein Kampf der Biographien steht!

Empfehlungsmarketing ist das Marketing der Zukunft. Wir werden es noch erleben: Konsumenten werben für Firmen. Die Marke fällt tatsächlich in die Hände derer, die ihre Existenz überhaupt ermöglichen.

Welche Form der Werbung bleibt den Herstellern selbst? Ihre Konsumenten und Multiplikatoren zu vermarkten. Das Ergebnis: E-Commerce wird Personenmarketing.

Wer heute Web 2.0 im Sinn hat, sollte sich auf zwei Zielgruppen konzentrieren: Teens und Geeks.

Oliver, ich freue mich auf das Interview - und Kommentare, Ergänzungen und Interviewanweisungen sind natürlich herzlich willkommen!

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Beim Arbeiten

Veröffentlicht am 25. Juli 2006 um 18:32 Uhr von Mark Pohlmann

Redakteur: Wir planen gerade eine Web-2.0-Strecke, da würden Sie gut reinpassen.
Ich: Wir [hier: Qype] sind so Web 2.0, daß wir da ungerne reinwürden.
Redakteur: Wie, keine Lust auf Busfahren?

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Wir brechen heute eine Lanze für turi2

Veröffentlicht am 24. Juli 2006 um 18:35 Uhr von Mark Pohlmann

Es ist an der Zeit...

.... eine Lanze für turi2 zu brechen. Denn Peter Turi und sein schon im Titel selbstreferentieller Branchendienst sind besser als anfangs gedacht.

turi2.gif

Wer oder was ist turi2?

1. Peter Turi war mal Verleger des Mediendienstes Kress Report und versuchte sich kurz nach der Jahrtausendwende daran, das Internetmagazin Net-Business zu reanimieren, nachdem die Milchstraße das Projekt genauso gegen die Wand gefahren hatte, wie die anvisierte Zielgruppe ihre Start-ups. Nach drei Ausgaben war dann glaube ich Schluß.

2. Turi2 startete offiziell am 1. April 2006 als digitale Wiedergeburt dessen, was sich Peter Turi als zeitgemäßen 1-Mann-Branchendienst vorstellt. Zur Verwirrung kam es bei mir, weil der Dienst die Unterzeile "Branchendienst für die digitale Welt" enthielt, aber anfangs selten bis gar nicht über die digitale Welt schrieb, sondern stattdessen Tittenbilder aus dem Playboy brachte, über die Attraktivität der Pressechefin von Bertelsmann Jasmine Bohan philosophierte und sogar SAP für spannender als das hielt, was online passiert.

Aber, erstens versteht Turi etwas von dem, worüber er schreibt. (Vom Fauxpas zu Burdas Bloggerambitionen einmal abgesehen. Und bei seinen Zotenthemen will ich es gar nicht wissen). Und zweitens kann er Dinge auf den Punkt bringen. Und drittens entwickelt er sich tatsächlich mit Riesenschritten auf die Online-Welt zu.

Denn trotz dem "Ich-schreib-hier-mal-hinter-jeden-Begriff-eine-2"-Wahn (dem auch der Themenblog stellenweise erliegt) - turi2 ist heute erstaunlicherweise die tatsächlich einzige Site, die zuverlässig jeden Tag wieder alles Wichtige aus der Schnittstelle zwischen Print und Online zusammenstellt, dabei kleinteilig genug ist und hie und da interessante Namen vorstellt und insgesamt nicht langweilig wird.

Da nimmt einer seinen Job ernst und geht den harten Weg. Was soll ich sagen? Ich lese Turi mittlerweile richtig gerne.

Wer sollte ihn sonst noch lesen?

Im Prinzip ist Turi immer noch ein Ex-Printer, der vor allem für Noch-Printer schreibt.

Ursprünglich mal am liebsten über die große Welt von Burda oder Bertelsmann, über Herren in grauen Anzügen und klangvollen Namen wie Döpfner, Keese, Thielen oder Mohn. Aber wie gesagt, er bessert sich.

Was nervt an Turi2. Wirklich nervt.

So billig kommt er mir natürlich nicht davon. Lieber Herr Turi, was Sie dringend ändern sollten:

- Ihre Nibelungentreue zu Playboy aufgeben.
- Kochrezepte bitte im Kochblog belassen.
- So unverhohlen für Ihren Hoster werben. Das riecht gewaltig nach Provision oder Affiliate.
- Sie werden kein zweiter Myspace - Ihre Blog-Leiste mit "Freunden" finde ich unpassend.
- dieses ständige Verweise auf die Kress-Köpfe-Datenbank. Ich weiß, die eigenen Projekte kann man schwer loslassen. Aber was Kress-Köpfe gestern waren, ist heute OpenBC!
- Und herrje, ja, "Chiara Fiori ist eine junge, hübsche Frau". Aber das muß man doch nicht DREIMAL auf einer Seite wiederholen. Das ist ja schon manisch!

In diesem Sinne wünsche ich Peter Turi viel Erfolg. Und irgendwann auch mal die Reichweiten, die einen vor sich selbst legitmieren, soviel Zeit (und Geld) in ein Projekt wie dieses zu investieren.

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Skype-TV

Veröffentlicht am 12. Juli 2006 um 11:58 Uhr von Mark Pohlmann

skype_tv.jpg

Dieser Packshot wird noch Karriere machen. Als Killer der IP-TV-Distributionsträume von Providern und Sendern. Der kleine, rund 60 Euro teure USB-Stick überträgt TV via Skype an jeden beliebigen anderen Skype-Nutzer. Weltweit. Kostenlos. (Via engadget.com)

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DMMK-Wunschzettel

Veröffentlicht am 5. Juli 2006 um 12:46 Uhr von Mark Pohlmann

Ein kurzer Nachklapp auf den Internetkongress DMMK am 28. Juni in Berlin.

Wer oder was ist der DMMK? Der DMMK wird zusammen von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg und dem BVDW Bundesverband Digitale Wirtschaft veranstaltet.

In der Praxis heißt dies: Knapp 500 Teilnehmer, zwei Slots (Marketing / IT), perfekt organisiert und ein luxuriöses Ambiente in der ständigen Vertretung des beteiligten Landes in Berlin, einem postklassizistischen Bombast-Bunker im Stile des Kanzleramtes, neben dem sogar die angrenzende indische Botschaft klein wirkt.

Ich gehe seit Jahren gerne auf den DMMK, wir sind mit SinnerSchrader im letzen Jahr sogar Hauptsponsor gewesen (und hatten einen Hau-den-Lukas im Garten aufgebaut, an dem man sich einen Job bei den Studios erhauen konnte). Der Grund: Gute Kontakte, Kontinuität auch in schlechten Zeiten. Hier wird Zuversicht verbreitet.

Doch es ist viel passiert in diesem einen Jahr. Dem Medium, der Internetwirtschaft und nicht zuletzt SinnerSchrader geht es viel, viel besser als noch vor 12 Monaten. Neue Themen beflügeln Phantasie und Projekte. Der "Kampf um Talente" fängt von Neuem an. Die nächste Start-up-Generation marschiert. Und dazwischen demonstriert der DMMK stoisch eine Branche, die es zwar noch gibt, der aber nicht mehr die Zukunft gehört: All die Online-Marketing-Erklärer, Shop-Aufbauer, Heim-Vernetzer und Mein-Portal-ist-das-beste-Apologeten. Sie interessieren nicht mehr, weil sie nichts erzählen, was sie nicht schon seit vielen Jahren erzählen.

Macht Platz für die, die keine Antworten haben, sondern die richtigen Fragen stellen! Das ist mein Rat und mein Wunsch an die Veranstalter. Auch solche Referenten gab es. Sören Stamer von CoreMedia beispielsweise. Überraschenderweise. Denn er und seine Software leben DRM. Aber er erklärt, daß DRM viel besser sein kann als derzeit. Dass es dem Konsumenten helfen könnte, Musik wirklich nur einmal zu bezahlen und überall zu hören - ganz gleich, wo und auf welchem Gerät.

Aber darum geht es nicht. Wichtiger ist: Er hat einer insgesamt wirtschaftskonservativen Klientel das Gefühl vermittelt, daß sich viel bewegt, aber niemand weiß, wohin die Reise geht. Daß die Chancen gleichzeitig die Risiken sind. Was passiert mit unserer Online-Biographie? Wie schützen wir uns vor Mißbrauch, vor der digitalen Vernichtung unserer Identität? Wer ist schonmal bei der Google-Bildersuche nach "My Ex-Girlfriend" ganz oben aufgetaucht?

Solche Fragen werden uns stärker und länger beschäftigen als die hundertachtzigste Aussage dazu, was oder wer Myspace und Murdoch nochmal sind. Von Menschen, die noch nichtmal ihre eigenen OpenBC-Kontakte offen zur Schau zu stellen wagen.

Bitte mehr von solchen Fragen. Und bitte mehr Mut bei den Referenten und den Themen. Und: Bis zum nächsten Jahr!

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Die Liebe zum Gerät

Veröffentlicht am 5. Juli 2006 um 11:38 Uhr von Mark Pohlmann

Bei alledem, was viele von uns heute am Internet begeistert, wird eines gern vergessen: Es ist ein technisches Medium. Ohne PC geht gar nichts. All jene, die heute einen Großteil ihrer Kommunikation auf das Digitale verlegen, tun dies, weil sie ein positives Verhältnis zu ihrem technischen Gerät haben und es für sie keine Hürde darstellt - um es mal diplomatisch auszudrücken. Dieses Gefühl ist längst nicht mehrheitsfähig.

Das heißt im Umkehrschluß, daß erst eine Massenbewegung aus dem Web 2.0 werden kann, wenn die Mehrheit ihren PC liebt oder wenn schon heute vielgeliebte technische Geräte wie das Handy oder der Fernseher für die Mehrheit die Funktionen übernehmen, die heute für eine Minderheit das Notebook übernimmt. Wir sind auf dem Weg. Aber längst nicht angekommen.

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Mediennutzung zur Selbstervermarktung

Veröffentlicht am 5. Juli 2006 um 11:20 Uhr von Mark Pohlmann

Bekanntlich liegt die Mediennutzung bei rund 10 Stunden am Tag (wenn auch mit viel Parallelkonsum). Zeit, die heute verkonsumiert wird, morgen aber aktives Eigenmarketing wird. So jedenfalls macht es heute schon eine kleine Truppe von Meinungsbildnern, die Blogger und Myspacer. Und morgen werden es alle machen: Sich nur noch mit Medieninhalten / Werbung beschäftigen, wenn man selbst Teil von ihnen ist. Medien mutieren zu Projektionsflächen des eigenen Egos. Darauf werden sich auch Werber einstellen dürfen, wenn sie wollen, daß ihre teuren Kampagnen von vorlauten, selbsternannten Werbeexperten nicht zerredet werden.

Die einzige, schmerzhafte Lösung heißt: Partizipation. Laßt die Leute mitmachen und sie sich dafür begeistern, in ihrem Umfeld meinungsführender Teil einer großen Bewegung zu sein. Aktuell wunderschön zu verfolgen bei der Umsetzung der Internetpläne einer großen westdeutschen Zeitungsgruppe. Gut gemacht & viel Erfolg!

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Verhältnismäßigkeiten

Veröffentlicht am 3. Juli 2006 um 9:33 Uhr von Mark Pohlmann

"Weltmeister sind wir vor drei Tagen geworden. Jetzt können wir auch noch Europameister werden"
Bundestrainerassistent Joachim Löw

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