Faszination als Sicherheit

Veröffentlicht am 29. August 2006 um 10:51 Uhr von Mark Pohlmann


Bernd Eichinger im FAZ-Interview über sein Filmprojekt "Das Parfum"
:

Die Leser von 1985 sind heute zwanzig Jahre älter. Besteht da nicht die Gefahr, einen Film für ein Publikum zu machen, das gar nicht mehr da ist?

Das darf einen nicht interessieren. Man kann beim Filmemachen [An dieser Stelle jede andere Tätigkeit einsetzen, die einem am Herzen liegt] nicht über Eck spielen. Die eigene Faszination ist die einzige Sicherheit, die man hat. Dann muß man loslegen. Wenn man allerdings merkt, daß man den Kontakt zur Zeit verloren hat und das, was einen selbst interessiert, nicht mehr ans Publikum rankommt, dann muß man aufhören. Aber man kann nicht gegen die eigene Überzeugung Filme [An dieser Stelle jeden anderen Beruf einsetzen] machen.

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Mein Fotoalbum und der Weltkonzern

Veröffentlicht am 28. August 2006 um 10:07 Uhr von Mark Pohlmann

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"Die T-Community ist eine intelligente Kommunikationsplattform. Und ich lade Sie ein, ganz neue Möglichkeiten für sich zu entdecken. Hier finden Sie neue Kontakte, Experten oder Bekannte. Sie können Erfahrungen und Interessen mit anderen Mitgliedern austauschen. Und das Beste: Die T-Community dient gleichzeitig als multimediale Kommunikationsplattform." (O-Ton aus dem T-Community-Werbefilm)

Ich sach´ es mal so. Wenn die Telekom auf einen Trend aufspringt, ist das wie mit einem Taxifahrer, der einem ungefragt Aktientipps gibt: Höchste Zeit, auszusteigen. (Ok, ok. Nur weil ein Vergleich hinkt, muß er noch lange nicht stimmen.)

Und warum eigentlich? Hat die Telekom nicht ausnahmsweise alles richtig gemacht? Ich teile die Einschätzung, daß Communities in naher Zukunft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind. Wer sich und seine Kunden nicht vernetzt, dem entgehen in einer Welt zersplitterter Zielmärkte wichtige Multiplikatoreneffekte.

Doch die T-Community ist, anders als die neue Sony-Community, nicht um die eigene Produktwelt herum gebaut, sondern begreift sich als markenunabhängiges "Portal", auf dem "jeder alles kostenlos und rund um die Uhr" kommunizieren und publizieren kann.

Es ist jetzt schon abzusehen: der Plattform fehlt die Initialzündung für ein echtes Eigenleben. Wer soll sie nutzen? Die Werbung spricht alle an. Also niemanden. Wer soll sich hierfür begeistern, wer hier Gleichgesinnte finden? Der Telekom-Kunde? Die Nicht-Kunden? Für was? Tagebücher? Für Bauhaus-Sparmodelle? Tierfotografie? Hochzeitsviedaos? Die Infrastruktur, so ausgereift sie auch sein mag, macht nicht den Unterschied. Es sind die Menschen, die dieser Infrastruktur einen Sinn geben. Und das jeden Tag wieder. Bei aller Marktmacht wird diese Plattform wahrscheinlich nicht aus dem irrelevanten Me-too-Umfeld von Flickr, Myspace & Co hinauskommen.

Denn die haben alle am Anfang etwas Entscheidendes richtig gemacht: Sie haben ihre Angebote um eine (von oben gesehen) sehr kleine, sehr scharf umrissene Zielgruppe herum gebaut, die mit wachsender Nutzung für immer weitere Zielgruppen interessant wurden. Myspace war zu Beginn - und ist bis heute - ein Marketingtool für Bands, Flickr für Hobby-Fotografen, Facebook für amerikanische Studenten an B-Class-Unis, OpenBc für Medienmenschen... die Liste ließe sich beliebig weiterführen. Nichts davon aber hätte der Telekom gereicht. Mit dem Ergebnis, daß sie jetzt nichts in den Händen hält.

Genauso lang ist die Liste ehrgeizig gestarteter und vorerst gescheiterter Communities:Yahoo 360°. Google Talk. AOL Aktiv. Allesamt Giganten im Web, aber eben ohne spezifische Ansprache, ohne Stallgeruch. Gleichgesinnte treffen heißt aber eben: Sich Zuhause fühlen. Kleinteiligkeit. Unperfektion. Wissen, wer der andere ist. Daran hapert es bei den Weltmarken eben gewaltig. Sie haben keine Zeit, Dinge entstehen zu lassen, sondern akzeptieren nur große Tore für ein Millionenpublikum. Murdoch war gut beraten, das Chaos bei Myspace weitestgehend zu belassen. 80 Millionen Menschen, die sich Myspace als ihre Plattform ausgesucht haben, haben dies getan, weil sie von außen weder gestört noch belehrt werden wollen.

Dementsprechend verständlich ist die Kritik an der Sony-Strategie, die die Video-Community Grouper gekauft haben. Nicht, um eine eigene Community zu haben, sondern um dort das eigene Programm zu versenden. Aber, hey, laut New York Times hat Grouper 430.000 User im Juli gehabt. Die haben schneller eine Alternative gefunden, als Sony senden kann.

Mein Wunsch an die Marken dieser Welt: Macht es selbst. Behandelt eure Kunden als das, was sie sind: Etwas Besonderers. Hört ihnen zu, entdeckt die Sehnsüchte, die sie haben und versucht, Antworten hierauf zu finden. Gebt ihnen Platz, sich zu entfalten. Sprecht mit ihnen. Lobt sie. Schlagt ihnen was vor, unternehmt etwas zusammen. Unter eurem Namen, auf euren Websites. Das braucht wenig Geld, nur Zeit, ist aber wahrscheinlich der einzige Weg, etwas Bleibendes aufzubauen, für das euch eure Kunden auch noch lieben.

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Kontrollierter Kontrollverlust

Veröffentlicht am 25. August 2006 um 10:19 Uhr von Mark Pohlmann

Zur freundlichen Kenntnisnahme - vielleicht sieht man sich? Nach mir spricht übrigens Lukasz Gadowski über Long Tail. Könnte also wirklich ein interessanter Tag werden ;-)

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Fernsehzeit klauen

Veröffentlicht am 23. August 2006 um 11:23 Uhr von Mark Pohlmann

Ibo Evsan von Sevenload bringt es auf den Punkt:

Wenn man bedenkt, dass bei sevenload innerhalb von nur 4 Wochen über 5 Millionen Videos ausgestrahlt wurden… Bei einer Durchschnittsdauer von ca. 2 Minuten pro Video macht das zusammen knapp 10 Millionen Minuten, die wir effektiv den herkömmlichen TV-Sendern weggenommen haben. 10.000.000 Minuten. Eine interessante Vorstellung, nicht wahr?

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Web 2.0, das ist eben auch ein Kampf um die Vorherrschaft der Mediennutzung. Derzeit liegt sie bei 10 Stunden am Tag. Sie wird allerdings induziert durch eine Parallelnutzung klassischer und interaktiver Medien. Doch vergessen wir nicht: Der Konsum von Medieninhalten über das Internet verlangt eine ganz andere Aufmerksamkeit, weil ständig neue Interaktionen erforderlich sind - schließlich sind in asynchronen Medien Konsumenten mindestens auch Programmchefs, wenn nicht gleich Mit-Akteure. Das heißt: Ganz gleich, was in der Glotze nebenan läuft: Sie wird nur sporadisch wahrgenommen. Und wer starrt noch auf sieben Minuten lange Werbeblöcke, wenn man in der Zeit ein paar Kurzvideos anschauen kann? Aus einer Auswahl bei Google, YouTube, Myvideo oder Sevenload, die wahrscheinlich jetzt schon die Sendeleistung aller TV-Stationen für ein Jahr übersteigt.

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Das wahrscheinlich längste Interview der Welt

Veröffentlicht am 21. August 2006 um 11:14 Uhr von Mark Pohlmann

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Kongresse & europäische Identität

Veröffentlicht am 15. August 2006 um 11:16 Uhr von Mark Pohlmann

Ich möchte an dieser Stelle kurz auf zwei interessante Kongresse aufmerksam machen, auf denen jeweils Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher spricht. Zum einen ist dies der Mammut-Web-2.0-Kongress der auch genauso heißt (ohne Mammut). Er geht über vier Tage (9.-12. Oktober 2006), wovon die Tag 3+4 aus Workshops bestehen. Wer auf den Next10Years war, wird hier einige bekannte Gesichter wiedersehen.

Stephan nimmt sich folgendes Thema vor:
"Between Signal and Noise: Strukturierte und unstrukturierte Kommunikation"

Der zweite heißt "Upload 2007", findet im Februar 2007 in London statt und versammelt so ziemlich alles, was im Web 2.0 Rang und Namen hat. Stephan wird voraussichtlich darüber sprechen, was die europäische Internetkultur von der amerikanischen unterscheidet.

Da ich ihn dabei unterstüzte, hieraus ein rundes Thesenpaket zu machen, gebe ich die Frage mal an die Runde weiter: Was funktioniert hier nicht, was in Amiland funktioniert und umgekehrt? Seht ihr einen kulturellen Unterschied, und worin ist dieser begründet?

Ich freue mich auf die Diskussion!

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Die Sache mit dem Geld

Veröffentlicht am 8. August 2006 um 12:20 Uhr von Mark Pohlmann

Über nichts erregt es sich so schön wie über die Frage, womit in der wolkigen Web-2.0-Stratosphäre das Geld zu verdienen sei. (die letzte neuerliche Anregung kommt von Martin Röll und Mario Sixtus). Die bei der Online-Avantgarde oft zu findende Überzeugung ist, daß das Herz des Internets unkommerziell sei - dementsprechend nicht alles, was funktioniet, unbedingt auch mit Geld zu tun haben muß.

Dennoch muß die Frage nach einem Geschäftsmodell gestellt werden. Erst das schnöde Geld deckt die großartige Wertschöpfung, die Effizienz und Qualität des Mediums auf. Und es ist vollkommen legitim, mit dem Medium Geld verdienen zu wollen. Ohne Geld gäbe es entweder gar keine Medien oder nur staatliche.

Was also ist monetarisierbar?

1. Traffic

Wer seinen originären Content nicht verkauft bekommt, verkauft das Gesamterlebnis Website. Oder kurz: Anzeigenplatz. So war es, so wird es immer bleiben. Verlage, "Portale" (das Wort kommt mir so veraltet vor, ich kann es nur noch in Anführungsstriche setzen) und Millionen Special-Interest-Angebote machen es vor.

Vorteil: das Jedermann-Geschäftsmodell spätestens seit Adsense
Nachteil: wie viele Klicks sind es zum Millionär? Milliarden?
Urteil: Banner sind für Schnullies

2. Mehrwert
Schon komplizierter. Ab wann ist etwas soviel wert, daß jemand ein Abo kauft oder seine Kreditkartennummer eingibt, wo doch wahrscheinlich um die Ecke schon wieder all das in kostenlos lauert. Die Verlage jedenfalls, obwohl mit schönstem eigenen Wert ausgestattet, schaffen es nicht. Dafür zieht OpenBC jeden Monat Millionen für eine winzige Suchfunktion ein - diese hier: Wer hat meine Seite aufgerufen?

Vorteil: Skalierbar. Wirklich skalierbar. Ob 1 Euro oder 1 Million am Tag - der Aufwand bleibt ziemlich gleich.
Nachteil: Unerbittlich. Was es nicht schafft, verpufft.
Urteil: Großartige Sache. Meine ganze Hochachtung den Gewinnern (E-Bay, OpenBC, Basecamp, Flickr, Six Apart, etc.)

3. Umsatz
Ganz alte Nummer und nicht weiter erklärungsbedürftig. Umsatzbeteiligung, Affiliate, CPO - am Ende des Tages dürften sich hier jede Menge hoffnungsvoll gestarteter Web-2.0-Modelle wiederfinden. Neu im Angebot ist Empfehlungsmarketing.

Vorteil: Es gibt keine härtere Währung als echten Umsatz
Nachteil: Es geht immer noch billiger.
Urteil: Hidden Champion. Auf den ersten Blick unattraktiv, auf den zweiten grenzenlos.


4. Markenwert

Terra Inkognita. Aber wir werden es erleben: Marken erfinden sich über digitale Dienste neu. Wegweisend beispielsweise NIKE PLUS.

Die zweite Achse beim Thema Markenwert: Die Vernetzung der Kunden untereinander. Im Idealfall werden aus Konsumenten aktive Multiplikatoren der eigenen Botschaft. Nichts ist glaubwürdiger, nichts ist reichweitenstärker. In Zukunft entscheidet nicht nur die Qualität des Produktes, sondern auch die der eigenen Kunden über die Präsenz und damit den Erfolg einer Marke.

Vorteil:digitale Dienste machen austauschbare Produkte einzigartig
Nachteil:Da Vorbilder fehlen, wird neues Denken vorausgesetzt. Ohne Mut zum Risiko geht es also nicht.
Urteil: Hier geht um nichts weniger als eine Revolution im Marketing. Die Schlacht wird geschlagen werden, nur wann das sein wird - man weiß es nicht.

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FAZ: neue alte Geschäftsmodelle dringend gesucht

Veröffentlicht am 7. August 2006 um 10:21 Uhr von Mark Pohlmann

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Ganzseitige Eigenanzeige für Content-Kooperationen in der FAZ

Prolog
Neue, andere, bessere Geschäftsmodelle sind der Treibstoff des Internets. Viele haben gute Ideen aber kaum jemand eine Ahnung, wie sie monetarisieren. Umso größer sind Neid und Mißgunst für den Fall, daß einer a) eine tolle Idee hatte, sie b) gut umgesetzt hat und c) stinkreich wird. (Das Intro ist eine Art Vorwarnung, daß ich hierzu gerade ein kleineres Pamphlet vorbereite. Mehr dazu die Tage.)
...
Verlage haben ein Geschäftsmodell, das theoretisch voll online-kompatibel ist. Nur dummerweise haben sie sich bei dem ersten lauen Lüftchen, das ihnen aus der Internetwelt entgegenblies, dazu entschieden, weite Teile ihrer Wertschöpfung, die Berichterstattung, im Web kostenlos abzugeben. Das war im letzten Jahrtausend, vor der Währungsreform und gar kein Problem, weil damals nur eine Minderheit willens war, hochwertige Artikel auf minderwertigen Bildschirmen anzuschauen.

Heute ist das anders. Heute haben viele Redaktionen online eine höhere Reichweite als im Print. Und auch wenn sicher etwas dran ist an der Überzeugug, daß der Webauftritt eine Rampe zum Print-Abo ist: Einen einmal auf kostenlosen Inhalt konditionierten Konsumenten konvertiert man schwer zum 31-Euro-Zahler (so teuer ist beispielsweise das FAZ-Abo im Monat.)

Wo also das Geld hernehmen, das im Verlag dank der teuren Erstellung und kostenlosen Abgabe verbrannt wird und kaum duch minderwertige Bannerwerbung zu kompensieren ist? Die FAZ bietet, durchaus logisch, ihren Content Unternehmen für die Zweitverwertung an. So die ganzseitige Eigenanzeige der FAZ von heute. Und in der Tat: Warum sollen nicht andere dafür zahlen, was man selbst kostenlos abgibt? Aus verlegerischer Sicht sicher eine gute Idee. Und so sieht das Angebot auch aus

Themen und Formen nach Wahl
Wir bieten Ihnen unterschiedliche Bezugsformen:
Content Feed - zielgruppengerechte Auswahl von Beiträgen aus dem gesamten Spektrum, wie Sozialpolitik, Unternehmensberichte, Buchrezensionen, Sportreportagen.
Themendossiers - Strukturierte Hintergrundinformationen zu ausgewählten Themen.
Terminvorschau - wöchentliche Übersicht wichtiger Ereignisse in Politik und Wirtschaft.
RSS-Feed für Profis - ständig frische News per RSS auf Ihre Website.
Themenarchive - automatisch aktualisierte Artikelauslese zu Schwerpunktthemen mit direkter Einbindung
Quelle: FAZ Archiv

Nur, es wird nicht funktionieren. Weil a) Internetnutzer originäre Inhalte suchen, gerade bei Unternehmen. Weil b) es keinen Mangel an redaktionellen Inhalten im Web gibt, auch nicht an hochwertigen, auch nicht bei den kostenlosen. Und weil c) FAZ-Artikel zu keinem mir bekannten "Portal" kompatibel sind, die mir als Anwender noch am ehesten in den Sinn kommen. Eigentlich sind jetzt schon alle relevanten Portale in der Hand der Verlage. Verlagsunabhängige betreiben nur noch Telcos. Und die, vielmehr ihre Nutzer, dürften schwerlich mit FAZ-Content zu ködern sein.

Viel spannender für die Zweitverwertung wären Long-Tail-Modelle, bei denen sich Unternehmen das Recht an der tatsächlichen Nutzung von Clippings kaufen, beispielsweise für jene, in denen sie selbst erwähnt sind. So würde man jeden interessanten FAZ-Artikel auf die eigene Website stellen und danach bezahlen, wie oft die eigenen User diesen aufrufen.

Doch noch kauft man die Rechte so, als übernähme man hiermit auch die Rentenzahlungen an den Autor.

So hat SinnerSchrader der FAZ unlängst knapp 1.000 Euro für vier (!) online-publizierte Artikel überwiesen - und das war schon mit Rabatt. Solche Summen kommen schnell zusammen, schließlich liegt die kleinste von der FAZ vorgesehene Abnahmeeinheit bei rund 20.000 Nutzern, für Artikel wohlgemerkt, die in Wahrheit und im besten Falle ein paar Dutzend Mal im Jahr angesehen werden - so oft eben, wie sich Nutzer in das Archiv der Presseabteilung unserer Website verlaufen. Und dann sind die Rechte an der Nutzung natürlich weiter zeitlich limitiert. Das Ergebnis: Wir haben keine FAZ-Artikel mehr in unserem Archiv = nie wieder Geld für die FAZ.

Sollten Verlage von diesem selbstherrlichen Gebaren abrücken, könnten sie zu der Überzeugung kommen, mit CPC-Modellen mehr zu verdienen als mit der Rasenmähermethode. Allein, der Glaube fehlt mir, daß diese Einsicht schon stattgefunden hat.

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PR: Meister der Verdrehung

Veröffentlicht am 2. August 2006 um 11:29 Uhr von Mark Pohlmann

... nennt der Spiegel seine aktuelle Reportage über die Welt der PR. 40 Prozent aller Medieninformationen basierten bereits auf PR.

"Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit" lautet ein bekanntes Bonmot. Und Krieg gibt es nicht nur im Krieg, sondern auch in der Wirtschaft. Auch hier geht es ums Gewinnen und Überleben, glücklicherweise fließt meist kein Blut. Aber so ist es nunmal: Information ist immer auch Desinformation. Für die PR ist beides alltägliches Handwerkszeug. Sie arbeitet mit Auslassungen, Verharmlosungen, Inszenierungen, was weiß ich. Das muß aber auch so sein. Schließlich ist sie bezahlte Auftragsarbeit und folgt einem dem Auftraggeber präzise zuordbarem Interesse. Wichtig bei PR ist lediglich, daß der Absender deutlich erkennbar ist. Dann ist PR ein ganz normales Kommunikationsinstrument. Nur eines sollten wir alle beharrlich verweigern: zu lügen.

Was mich stört an Artikeln wie dem des Spiegel ist nicht, PRlern ihre Verfehlungen vorzuhalten. Sondern die Annahme, daß nur die eine Seite, die PR, so funktioniert. Die Journalisten sitzen im gleichen Boot. Ohne sie funktioniert das Spiel der PR nicht. Auch hier geht es ums Geld, um Interessen, um Aufmerksamkeit und Meinungsmache. Manchmal haben Journalisten die gleichen Ziele wie die PR. Dann kommen Lobeshymnen dabei heraus, manchmal nicht. Dann ist die Wirtschaft / Politik / Gesellschaft das Kontrastmittel zum Guten, sprich: zur Auflagensteigerung. Noch kann kein Medium ohne Anzeigenkunden überleben. (Viel schlimmer: Die Öffentlich-Rechtlichen, die diese Unabhängigkeit wenigstens gegenüber der Wirtschaft haben könnten, werfen sich dieser mit der gleichen Vervé an den Hals wie die Privaten. Weil auch sie den Hals nicht vollbekommen können - siehe Tour de France)

Unabhängigkeit existiert in Medien einfach nicht. Das sollte man wissen und sich seine kritische Distanz erhalten. Dann ist die Enttäuschung auch nicht so groß.

Nachtrag 4.8.2006
Der Haltungsturner wies mich soeben darauf hin, daß in der Brand eins-Community von OpenBC eine hitzige Diskussion um den Spiegel-Artikel entbrannt ist. Ich zitiere hier mal Edelman-Deutschland Chefin Cornelia Kunze, die in dem Artikel mehrfach erwähnt worden ist:

Ich jedenfalls glaube weiter an wahrhaftige, offene und kritische Auseinandersetzung - und daran, dass Unternehmen ihre Meinung vertreten dürfen und sogar müssen, um ihre Aufgaben wahrzunehmen und um Mehrwert zu schaffen.

Wer mitdiskutieren möchte, ist dort also bestens aufgehoben.

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