PR: Meister der Verdrehung

Veröffentlicht am 02. August 2006 von Mark Pohlmann

… nennt der Spiegel seine aktuelle Reportage über die Welt der PR. 40 Prozent aller Medieninformationen basierten bereits auf PR.

“Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit” lautet ein bekanntes Bonmot. Und Krieg gibt es nicht nur im Krieg, sondern auch in der Wirtschaft. Auch hier geht es ums Gewinnen und Überleben, glücklicherweise fließt meist kein Blut. Aber so ist es nunmal: Information ist immer auch Desinformation. Für die PR ist beides alltägliches Handwerkszeug. Sie arbeitet mit Auslassungen, Verharmlosungen, Inszenierungen, was weiß ich. Das muß aber auch so sein. Schließlich ist sie bezahlte Auftragsarbeit und folgt einem dem Auftraggeber präzise zuordbarem Interesse. Wichtig bei PR ist lediglich, daß der Absender deutlich erkennbar ist. Dann ist PR ein ganz normales Kommunikationsinstrument. Nur eines sollten wir alle beharrlich verweigern: zu lügen.

Was mich stört an Artikeln wie dem des Spiegel ist nicht, PRlern ihre Verfehlungen vorzuhalten. Sondern die Annahme, daß nur die eine Seite, die PR, so funktioniert. Die Journalisten sitzen im gleichen Boot. Ohne sie funktioniert das Spiel der PR nicht. Auch hier geht es ums Geld, um Interessen, um Aufmerksamkeit und Meinungsmache. Manchmal haben Journalisten die gleichen Ziele wie die PR. Dann kommen Lobeshymnen dabei heraus, manchmal nicht. Dann ist die Wirtschaft / Politik / Gesellschaft das Kontrastmittel zum Guten, sprich: zur Auflagensteigerung. Noch kann kein Medium ohne Anzeigenkunden überleben. (Viel schlimmer: Die Öffentlich-Rechtlichen, die diese Unabhängigkeit wenigstens gegenüber der Wirtschaft haben könnten, werfen sich dieser mit der gleichen Vervé an den Hals wie die Privaten. Weil auch sie den Hals nicht vollbekommen können – siehe Tour de France)

Unabhängigkeit existiert in Medien einfach nicht. Das sollte man wissen und sich seine kritische Distanz erhalten. Dann ist die Enttäuschung auch nicht so groß.

Nachtrag 4.8.2006
Der Haltungsturner wies mich soeben darauf hin, daß in der Brand eins-Community von OpenBC eine hitzige Diskussion um den Spiegel-Artikel entbrannt ist. Ich zitiere hier mal Edelman-Deutschland Chefin Cornelia Kunze, die in dem Artikel mehrfach erwähnt worden ist:

Ich jedenfalls glaube weiter an wahrhaftige, offene und kritische Auseinandersetzung – und daran, dass Unternehmen ihre Meinung vertreten dürfen und sogar müssen, um ihre Aufgaben wahrzunehmen und um Mehrwert zu schaffen.

Wer mitdiskutieren möchte, ist dort also bestens aufgehoben.

6 Antworten zu “PR: Meister der Verdrehung”

  1. Markus

    Ich versteh dann aber nicht, warum du glaubst, dass der Spiegel von sich selbst die Annahme hat, dass nur die PR so funktioniert. Es gehört halt zum Spiel des Spiegels *so zu tun als ob* – der Absender ist dabei ja klar erkennbar. Journalismus ist dann ein ganz normales Kommunikationsinstrument wie die PR zu dem man seine kritische Distanz erhalten kann und also die Enttäuschung dann nicht so groß ist.

  2. INJELEA

    Fragen, Glauben, Denken

    Der Artikel "PR: Meister der Verdrehung" im Themenblog ist f

  3. Daniel

    Muss sagen, dass sehe ich ähnlich wie Markus. Das ganze ist in dem Sinne doch relativ leicht durchschaubar auch wenn es jetzt schon ein paar Tage her ist, dass ich den Artikel gelesen habe.

  4. Mark Pohlmann

    Warum aber heißt der Artikel dann nicht: “PR – Meister der Vorarbeit für unsere Verdrehung”?

  5. George

    replica watches

  6. Robert

    motorcycle boots