Kreative Kaste - Amerika, du hast es besser

Veröffentlicht am 30. November 2006 um 10:24 Uhr von Mark Pohlmann

Da ich gerade dabei bin, meine Präsentation zu überarbeiten, hier mal zwei Zahlen, die mich beeindrucken: 50 Mio. Menschen haben in Amerika bereits "ins Internet reingeschrieben" (Quelle: PEW 2006), jede dritte der Top-30-Websites bietet die Möglichkeit, selbst Inhalte zu ergänzen (im Chart grün gefärbt). Würde man nicht nach Reichweite, sondern nach Zeit messen, so wie das im TV üblich ist, wären Myspace & Co. noch weiter vorne.

Neidisch kann man ob der Zahlen über den Teich blicken. Dabei gibt es gar gerade knapp dreimal soviele Amerikaner wie Deutschsprachige (300 vs. 110 Mio.) Wo sind also unsere 17 Mio. Content-Aggregatoren?

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StudiVZ und die Konsequenzen für uns alle

Veröffentlicht am 28. November 2006 um 10:17 Uhr von Mark Pohlmann

Man kann mit Sicherheit sagen, dass StudiVZ [...] beitragen [wird], dass Social Networks in Deutschland wesentlich stärker auf Datenschutz und besseren Support achten.

Robert Basic beleuchtet in seiner Liste der größten durch Blogger verursachten Skandale leider nur die Positivseite bei StudiVZ. Sicher, das ein oder andere Start-up wird sensibilisiert sein. Schlimmer jedoch ist, daß die nicht enden wollende Liste der Peinlichkeiten die Trumpfkarte der Haderer und Zauderer ist, sich eben nicht mit Social Software zu beschäftigen. Und dieser Flurschaden geht weit über das Wirkungsfeld von StudiVZ hinaus.

StudiVZ beweist, daß ein unkontrolliertes Ausnutzen der technischen Möglichkeiten des Internets schnell zu Mißbrauch führt. Nicht nur die paar hundert Studenten brauchen Kontrolle, wenn sie sich zwecks Anmache zusammenrotten. Auch die Gründer brauchen Kontrolle, wenn sie selbst um Aufnahme in den Stalker-Klub bitten. Jedenfalls bei einem kommerziell ambitionierten und nach außen mit weißer Weste auftretenden Unternehmen wie StudiVZ.

Funktionieren Communities nicht ohne Kontrolle? Die Crux ist: Kontrolle ist Gift für die Entfaltung einer Community, die weder von drei Gründer-Naseweisen gegängelt werden will, noch von der Wirtschaft, der GEZ oder sonstigen selbsternannten Erziehungsberechtigten. Communities sind auch Fluchträume aus der gesellschaftlichen Kontrolle und ohne Wildwuchs nur noch die Hälfte wert.

An dieser Stelle übt sich StudiVZ übrigens plötzlich im Schulterschluß mit Napster, Youtube und Myspace. Ihrer aller Faszination nährt sich aus der Regel- und Zügellosigkeit. Sind erstmal die Hauptstraßen planiert, macht sich Langeweile breit.

Die Konsequenz für uns alle ist, daß jedes Unternehmen - ganz gleich, ob Start-up oder nicht - mit seiner eigenen Community immer auch beweisen muß, daß es anders ist als StudiVZ. Das ist eine große Bürde, die dazu verführen könnte, es gar nicht erst zu versuchen. Denn das Risiko, trotz bester Absichten Müll in welcher Form auch immer bei sich zu sammeln, bleibt natürlich bestehen.

Für mich besteht jedoch kein Zweifel: Die Leichtfertigkeit der Gründer im Umgang mit ihrem eigenen System hat das Entstehen von Stalker-Gruppen erleichtert. Die jetzt am Pranger stehenden 800 Studenten haben gewußt, daß StudiVZ ein geeigneter Ort für ihre Ambtionen ist. Es ist kein Wunder, daß vergleichbares bei OpenBC noch nicht zu vermelden gewesen ist. Hier kümmert sich ein professionelles Team rund um die Uhr um die soziale Hygiene des Systems. Das Ergebnis ist zwar weniger Rock´n Roll, aber mehr Nachhaltigkeit.

Und das ist die vielleicht wichtigste Botschaft aus den StudiVZ-Stories für alle, die sich mit dem Aufbau von Community-Systemen beschäftigen: Die Qualität eines Netzwerkes bezieht sich einzig aus der Qualität ihrer Mitglieder. Nutzerzahlen, so schön sie auch im wöchentlichen Mitteilungen zu instrumentalisieren sind, sind allenfalls ein Kriterium für Investoren, nicht für die Mitglieder selbst. Communities leben davon, Gleichgesinnte zusammenzubringen, nicht alle mit allen irgendwie zu vernetzen. Der wirkliche Erfolgsfaktor einer Community ist, wie gut die neuen Mitglieder sind, die von den Bestandsmitgliedern angezogen werden. Hier ist weniger Wachstum immer besseres Wachstum. An dieser Stelle ein letzter Rat an Start-ups: Träumt vom Quick-Flip, aber redet nicht darüber.

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Ab heute ein echter Fonero

Veröffentlicht am 28. November 2006 um 9:42 Uhr von Mark Pohlmann

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Angekündigt hatte ich es bereits. Am ersten Tag der Fon-Gratis-Offerte ließ ich mich dazu hinreißen, gegen Erhalt eines W-Lan-Routers die wahrscheinlich erste privat-öffentliche W-Lan-Station in Nienstedten zu eröffnen. Jedes Fonera-Mitglied kann damit meinen Internetzugang ebenfalls (kostenlos? gegen eine geringe Gebühr?) nutzen.

Fünf Wochen später ist das Set angekommen. Ein kleine Kartönchen mit einem noch kleinerem Kästchen. Wow, ein iPod, war mein erster Gedanke. Man beachte bitte auch das stylische Ethernetkabel in platt. Das Anschließen und Betreiben ist entgegen ersten Befürchtungen kinderleicht. Das Geheimnis des Gerätes ist, daß es ZWEI parallele Signale aussendet, ein öffentliches und ein privates. Damit komme ich ins Internet wie vorher auch, wie die Welt da draußen es macht, werde ich bald mal in einem Selbstversuch ausprobieren (wer lädt mich ein zum Fonera-Erfahrungsaustausch?) Bis hierhin kann ich Fonera nur empfehlen. Es kommt alles wie versprochen, die Hardware ist schnell und aktuell und das ganze Konzept auf Einfachheit ausgelegt.

Ich sehe gerade: Gratis war gestern. Das Bündel kostet jetzt 30 Euro.

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Blogs beeinflussen Kaufentscheidungen

Veröffentlicht am 23. November 2006 um 17:59 Uhr von Mark Pohlmann

Ein paar Zahlen aus einem Artikel von Robert Basic, auch der Rest ist sehr lesenswert.

- 55% der deutschen Webuser haben bereits von Weblogs gehört (ca. 19 Mio!)
- 15% haben Weblogs bereits gelesen (ca. 5 Mio)
- 1% haben ein Weblog (ca. 0,35 Mio)
- 2% haben kommentiert (ca. 0.7 Mio)
- 44% vertrauen der Presse
- 23% der Weblog-Leser vertrauen Produktmeinungen auf Weblogs
- 11% vertrauen den Aussagen des Firmenchefs zu irgendwelchen Diensten/Produkten
- 48% haben schon mal im Web was gekauft
- ca. 50% kaufen eher etwas, wenn sie was Nettes zum Produkt im Web lesen
- ca. 40% kaufen eher nicht, wenn sie was Negatives zum Produkt im Web lesen
- ca. 25% ändern ihre Meinung, wenn sie was zum Unternehmen via Weblogs lesen
- ca. 25% denken schlechter vom Unternehmen, wenn sie was dazu in Weblogs gelesen haben
(Quelle: IPSOS 2006)

Dazu passend noch eine ähnliche, vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie aus Deutschland.

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Die Sache mit der Mundpropaganda und den selbstgenähten Buchstaben

Veröffentlicht am 22. November 2006 um 10:10 Uhr von Mark Pohlmann

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DaWanda ist ein ganz frisch gestarteter Social-Commerce-Dienst (übersetzt etwa: "Ein Ort, an dem Handel, Kreativität und Kollaboration zusammenfinden". Zur genaueren Deutung bitte Jochen Krisch von Exciting Commerce bemühen) aus Berlin, der sich eine sehr hübsche, zum Produkt passende Variante der Mundpropaganda ausgedacht hat.

(An dieser Stelle eine neuerliche kurze Exkusion, dieses Mal zu den Worten "Virales Marketing" und "Word of Mouth", die ansonsten gerne bemüht werden. Ich mag beide nicht, ist ersteres doch der Pathologie entlehnt und zweites nur ein schlichter Anglizismus, der auch nicht mehr sagt als das deutsche Mundpropaganda. Kunden hingegen hören das deutsche Wort nicht so gerne, weil sie finden, daß das Wort Nazi-verseucht ist. Ich mag das Wort trotzdem, erstens ist sehr ausdrucksvoll und zweitens ist gerade die Mundpropaganda nichts, womit die Nazis jetzt großartig hantiert haben, im Gegenteil, haben sie doch die Massenpropaganda zur Perfektion getrieben.)

Zurück zum Thema: DaWanda hat Buchstaben selbstgebastelt und an einige Blogger geschickt zwecks Mundpropaganda. Nun mögen sich Gelehrte darüber streiten, ob die freundlich-harmlose Aktion der Gipfel der kommunikativen Kunst ist, kreativ und vor allem: persönlich ist sie allemal. Umso mehr verwundert die irritierte Distanz der Bedachten, die sich bei Robert Basic hier und hier zusammenfindet.

Was läßt sich daraus lernen? Blogger sind als Multiplikatoren nur bedingt instrumentalisierbar, weil Blogger nunmal in erster Linie die Welt aus ihrer Sicht sehen. Das wichtigste Selbstverständnis sog. "A-Blogger" ist, eine Meinung zu haben und Themen nach ihrer eigenen Agenda einzuschätzen. Dagegen ist übrigens auch gar nichts zu sagen, schließlich ist sowohl das Schreiben als auch das Lesen eines Blogs vollkommen kostenfrei und obliegt dementsprechend beidseitig vollkommener Freiwilligkeit, man kann auch Lustfaktor dazu sagen, die nur eben für Dritte schwer berechnebar sind.

In nachhinein ließe sich der Rat aussprechen, sich genauer anzusehen, wen man anschreibt. Reichweitenstarke und schreibaktive A-Blogger haben oft nicht den passenden Zugang zu den eigenen Themen. Werden sie dennoch angesprochen, dräuen schon Irritationen. Wenn die Lust am Thema schon vor der Kontaktaufnahme ersichtlich ist, sind die Aussichten auf positive Resonanzen deutlich erhöht, um es einmal diplomatisch auszudrücken.

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Die neuen Spießer

Veröffentlicht am 22. November 2006 um 9:46 Uhr von Mark Pohlmann

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Hier mal was in eigener Sache: Christian Rickens, seines Zeichens Redakteur beim Manager Magazin, hat ein Buch geschrieben über "Die neuen Spießer", und es ist das erste Buch überhaupt weltweit, in dessen Danksagung ich auftauche. Danke dafür! Also eine dringende Kaufempfehlung von meiner Seite.

Worum gehts? Kurz gesagt: um Leute wie mich. Hier der Klappentext, frisch aus Amazon kopiert.

Familie, Glaube, Vaterland: Gebetsmühlenhaft posaunen die Vertreter der 'Neuen Bürgerlichkeit' ihre konservativen Ansichten und Bedürfnisse ins Land - und niemand hält dagegen. Bis jetzt. Eine fällige Abrechnung.

Die neuen Spießer sind auf dem Vormarsch. Sie wollen uns erzählen, dass der Zeitgeist konservativ sei und eine Rückkehr zu bürgerlichen Werten und Tugenden zwingend - nur so könne man Deutschlands Niedergang aufhalten. Doch was ist dran an den Thesen der 'Neuen Bürgerlichkeit'? Was ist Provokation, was irrationale Schwarzmalerei? Wo irren Schirrmacher, Hahne & Co.? Mit analytischer Schärfe und Klarsicht hinterfragt Christian Rickens erstmals die Ideen und Positionen der neubürgerlichen Propheten und räumt mit deren Vorurteilen, Mythen und Denkfehlern auf. Denn in Wahrheit handelt es sich bei dem Phänomen der neuen Spießer um den untauglichen Versuch, die Probleme von heute mit Rezepten von vorgestern zu lösen.

Achja, ich wollte ja, daß er das Buch "Ich geb´ Gas, ich will Spaß" nennt - hätte der Wertediskussion, die er anstößt wie ich finde zu mehr Ehrlichkeit verholfen ;-)

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Kurz mal weg

Veröffentlicht am 14. November 2006 um 21:38 Uhr von Mark Pohlmann

Die nächsten Tage bin ich hier, hier und hier. Kurze Pause.

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Ihr Einsatz bitte...

Veröffentlicht am 14. November 2006 um 21:31 Uhr von Mark Pohlmann

... für 2007! Es wird Zeit. Zum Aufbruch gemahnt der Community Program Manager der Microsoft Corp, Alex Barnett, der die besten Ausblicke für die Techies und Online-Media-Auguren gesammelt hat. Lesenswert (und hier geklaut). Mein Liebling:

"You should iterate, not pontificate."

Damit ist wohl alles gesagt. Zu 2007. (Es wird irgendwie...gut)


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Kreative Kaste

Veröffentlicht am 10. November 2006 um 16:45 Uhr von Mark Pohlmann

Eine Community wollen viele, doch kaum einer wird sie bekommen. Warum eigentlich nicht?

Aufmerksamkeitsökonomie
Aufmerksamkeit gibt es nur bei Konzentration von Ressourcen. Communities bilden sich dort, wo mehr Wissen, Leben, "Content" oder sonstwas vorhanden ist als sonst auf der Welt. Das zu erschaffen ist die Voraussetzung, ohne gibt es keine Community.

Das ganze Bild
Hersteller sind eigentlich prädestiniert für eigene Communities. Hier können sie einen umfassendsten wie lebendigen Einblick in ihr Sortiment anbieten. Kulturell ist die Überwindung jedoch groß, geht es doch um nichts weniger als zu den eigenen Ansichten auch die komplementären bereitzuhalten. Und die Angst vor dem agilen Mob ist groß. Meist spielt es keine Rolle, wie begründet diese ist.

Entdeckergeist
Die meisten Communities entstehen auf der grünen Wiese. Sie erschaffen sich quasi selbst, indem man sie einfach zuläßt, ihnen einen Platz zum entfalten gibt. Das Zauberwort heißt "entdecken". Menschen wollen Orte, an denen sie sich austauschen können, selbst entdecken und nicht zugeordnet bekommen. Communities bilden sich um engagierte, kompetente und meinungsführende Menschen, die Themen und Meinungen organisieren und so eine Sogwirkung aufbauen. Sie sind der Nukleus, ohne den keine Zellbildung stattfindet. Ein schönes aktuelles Beispiel sind die Lokalisten, die viel Traffic haben ohne große Öffentlichkeit zu erlangen, weil sie vorerst auf den Münchnerraum konzentriert sind. Auch hier hat eine kleine Gruppe angefangen, sich online zu organisieren, aus der nach und nach eine echte Bewegung wurde, die davon zehrt, daß sie eine Gegenbewegung zu kommerziellen Angeboten ist. Auch Myspace lebt vom Status der Gegenöffentlichkeit. Hier ist mit der Größe gleich das Scheitern angelegt: wenn zu weite Teile der Öffentlichkeit organisiert sind, gibt es nichts mehr zu entdecken und die Community verliert ihre sinnstiftenden Zellkerne, weil diese an neue Orte abwandern.

Gegenseitigkeit
Selbst Communities, die als solche bezeichnet werden, sind oft keine. So sind YouTube und Xing keine Communities sondern eher Datenbanken - die eine für Personen, die andere für Filmchen, beide schöpfen ihren Wert aus der Quantität, weniger aus der Qualität - hauptsache, alles ist an einem Ort. Kommunikation ist Nebensache.

Communities leben aber von Vernetzung und Gegenseitigkeit. Aber wer hat schon feste Bezugspunkte unter den Content-Aggregatoren bei YouTube, wer hält sich in den Xing-Foren auf oder ist ein Networker, der ständig Menschen miteinander in Kontakt bringt?

Kreativität
Das ist der Punkt, auf den ich eigentlich hinauswill: Communities brauchen Schaffende, kreative Menschen, die etwas entstehen lassen, sei es Information, Gespräche oder Kontext.

Kreativität meint Aggregation. Schon das Hochladen eines Artikels für Digg.com ist ein hochkreativer und wertschöpfender Akt, zu dem nur einer von hundert in der Lage UND willens ist. Von einem eigenen Meinungsartikel bei Qype, einen Fachbeitrag auf Wikipedia oder dem Foto auf Flickr ganz zu schweigen. Es gibt diese Menschen, aber diese Ressource ist endlich.

Nur, wer diese Kreativität bei seinen Nutzern entfaltet, schafft eine Community, die einen Wert darstellt. Die Aufgabe lautet deswegen, diese kreative Klasse in seinem Umfeld zu finden und zu aktivieren. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Und hier liegt auch der Schlüssel für den Mißerfolg der meisten: Es gibt schlicht nur eine begrenzte Anzahl von Menschen, die für diese Rolle taugen. Der Kampf um diese kreative Kaste hat schon längst begonnen, wir werden ihn erleben, den Veitstanz um diejenigen, durch die diese Communities leben - und ohne untergehen.

In diesem Sinne, wird Andy Warhol nicht recht behalten. Es geht nicht um "15 Minutes of Fame", sondern um "Famous for 15 People“.

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Meinungen sind Tatsachen

Veröffentlicht am 7. November 2006 um 11:51 Uhr von Mark Pohlmann

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"Dreißig Prozent der deutschen Internetnutzer haben bereits ein Produkt nicht gekauft, weil sie negative Kommentare von anderen Nutzern im Internet gelesen haben. Im Gegenzug geben 56 Prozent an, sich von positven Kommentaren beeinflussen zu lassen." Robert Kerschensteiner, Hotwire in FAZ vom 6.11.2006

Man kann es auf eine einfache Formel bringen: Käufer sind in der Selbstorganisation den Anbietern um Lichtjahre voraus. Während hüben noch darüber sinniert wird, was das alles bedeuten könnte, vernetzen sich die Konsumenten munter drauflos.

Worauf ich an dieser Stelle kurz hinweisen möchte (weil ich ein längeres Pamphlet dazu bereits in Arbeit habe): Blogs sind es nicht (unbedingt). Ja, Blogger beeinflussen Meinungen, sind bestens vernetzt und sehr gut recherchierbar. Aber hier werden selten bis gar nicht Kaufentscheidungen über Autos, Fotoapparate, Kinderwagen, Restaurants oder Kosmetikartikel gefällt. Das passiert eher in den hunderten Foren, die einem erfahrenen Marketier Augenkrebs schon vom Hinschauen verursachen. Doch es hilft nichts: Hier erhält jeder, der eine echte Meinung oder tatsächliche Erfahrung zu einem Produkt sucht, meist innerhalb weniger Minuten (und immer kostenlos), und das auch am Sonntagabend, eine fundierte, ehrliche Antwort. Über die sich diskutieren läßt, was dann auch meistens geschieht. Am Ende sind alle klüger - klüger vor allem als der von seinem Hersteller meist vollkommen falsch geschulte Verkäufer, der einem ob der oft exzellent informierten Kaufinteressenten schon fast leid tun kann.

Kurzum: Wer es bislang noch nicht wahrhaben wollte, wie stark das Web 2.0 bereits in den elitären Trotzburgen des Marketings marodiert, für den sollte die der Aussage zugrundeliegende Hotwire-Studie ein Weckruf sein. Die Freiheit der Selbstinformation ist gerade im Konsumumfeld ein so wertvolles Gut, daß niemand, der davon genossen, dies freiwillig wieder aus der Hand gibt.

Passend dazu ein Erfahrungsbericht zu Hotlines
"Die Angst des Kunden vor der Hotline ist allgegenwärtig. Selten gibt es hilfreiche Antworten, häufig kostet ein Anruf mehr als ein Euro pro Minute."

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Corporate Blogs - das rät Robert Scoble

Veröffentlicht am 3. November 2006 um 10:03 Uhr von Mark Pohlmann

Auch wenn andere schneller waren - hier findet sich eine sehr gute Zusammenfassung eines Vortrages von Robert Scoble zu der Frage, was beim Corporate Bloggen so alles zu beachten ist. Insgesamt 15 Punkte, die man allesamt auch in folgender Losung zusammenfassen kann: Verstehe dich als Schnittstelle und sinnvolle Ergänzung bereits existierender Diskussionen.

Ich kann noch ergänzen, was für mich der "Sweet Spot" des Bloggens ist: Jeder Eintrag ist ein erneuertes Gesprächsangebot für die Welt da draußen.

Die Punkte im einzelnen:

1. Blog because you want to
2. Read other blogs
3. Pick a niche you can own (be different)
4. Link to other blogs
5. Admit mistakes
6. Write good headlines
7. Use other media
8. Have a voice
9. Get outside the blogosphere
10. Market yourself
11. Write well
12. Expose yourself
13. Help other people blog
14. Engage with commenters
15. Keep your integrity

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Mit Dove über Magersucht diskutieren

Veröffentlicht am 1. November 2006 um 10:44 Uhr von Mark Pohlmann

Wieder einmal ist es die Marke Dove von Lever-Faberge, die ihr selbstgewähltes gesellschaftspolitisches Thema geschickt instrumentalisiert ohne sich anzubiedern und damit eine echte Diskussion initiiert. Dieser virale Spot geht ähnlich wie die Cinderella-Kampagne von Otto den Wunsch vieler Frauen nach, schön zu sein, blickt aber mehr hinter die Kulissen: Was braucht es, um aus jeder Frau eine Schönheitskönigin zu machen? Viele Visagisten - und Photoshop.

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Viel interessanter ist aber das, was sich hinter dem Spot im schlichten Forum abspielt: Frauen erzählen von ihrer Magersucht und anderen Problemen rund um den Schönheitswahn. Daß der Hersteller das falsche Spiel mit der Inszenierung von Schönheit geschickt nutzt, um selbst Schönheitsprodukte zu verkaufen, stört nicht, im Gegenteil. Die Kampagne ist in sich schlüssig, eine eigene Stiftung begleitet die wechselnden Themen seit vielen Jahren und sorgt so für Vertrauen und Präsenz. Gratulation, geschickter kann man es als Hersteller von Seifen und Cremes nicht machen.

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Bloggen hilft

Veröffentlicht am 1. November 2006 um 10:27 Uhr von Mark Pohlmann

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Das ist das Schöne am Bloggen - und so schwer zu verstehen, wenn man es selbst nicht macht: Interessenten für die eigenen Themen finden von selbst hierhin, jede Kontaktaufnahme fällt fortan viel leichter, weil das Gegenüber über den Blog schon viel mehr über die eigene Expertise weiß, als man in den längsten Telefonaten, Meetings, Websites oder Pressepublikationen je hätte erzählen können.

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