Erlösströme, Teil 2: Für den Nutzer als Partner

Veröffentlicht am 31. Januar 2007 um 19:43 Uhr von Janina Dobrzynski

Panjea macht’s vor: beim amerikanischen Videoportal mit dem Namen eines utopischen Planeten verdienen Nutzer auf drei verschiedenen Wegen.

Die erste Möglichkeit: jeder kann eigene Musik und Videos verkaufen und erhält 80 Prozent des Umsatzes. Die Preise setzt der Verkäufer selbst fest, ausgezahlt wird monatlich über PayPal. Wer auf Geld verzichten will, bekommt „Panjea Points“, die wieder gegen andere Inhalte getauscht oder für gute Zwecke gespendet werden können.

Auch für die bloße Aktivität werden „Panjea Points“ gutgeschrieben. Die ersten 100 Bonuspunkte gibt es für die Registrierung, weitere fürs Dateien hochladen, Freunde einladen und Nachrichten schreiben über den Panjea-Messenger.

Dritter Erlösstrom bei Panjea ist die Beteiligung an Werbeeinnahmen. Je nach Traffic auf seinem Profil bekommt der Nutzer 50 bis 85 Prozent der Erlöse.

Wenn in Zukunft noch eine Superdistribution wie bei Revver oder dem Potato-System in das Bonusprogramm eingebaut würde, wäre der Deal perfekt! Wie schön, dass man das sogar vorschlagen kann.

Ingesamt wirkt Panjea unglaublich sympathisch. Die Mission:

To unite and empower creative people across the globe by providing them with new tools to express their views and earn a living from their talents and ideas.


Eben! Die wenigsten Künstler wollen nämlich die Ergebnisse ihrer Arbeit verschenken. Sie brauchen nur endlich die richtigen Wege, ohne Konzernabhängigkeiten daran zu verdienen.

Da kann ich nur ganz viel Erfolg wünschen, zum Mitmachen aufrufen und mir in den A… beißen, diese Idee nicht selbst umgesetzt zu haben.

Danke an Axel Postinett für den Hinweis im Handelsblatt.

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Neue Erlösströme: Freiwillig, aber bezahlt

Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 13:24 Uhr von Mark Pohlmann

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Es wird Zeit, daß partizipative Dienste den Nutzer am geschaffenen Mehrwert beteiligen. Teilhabe heißt: Geld statt guter Worte.

Ein gutes Beispiel für die Web-1.0-Denke ("Der Staat bin ich") im Web-2.0-Gewand ("Wir sind das Volk") ist Xing, vormals OpenBC.

Der Eintrag in das digitale Telefonbuch Xing ist kostenlos. Der Premium-Account, der überhaupt erst eine sinnvolle Nutzung bietet, also vor allem die Suche im Verzeichnis, kostet 66 Euro im Jahr. Soweit, so bekannt.

Seit Monaten läuft auf jedem Xing-Profil folgendes Werbeprogramm: Für 10 neu geworbene Mitglieder erhält man einen Monat lang den Premium-Account. Ein von mir in das System hineingeholter Kontakt ist Xing also 55 Eurocent wert.

Nun ist Xing frisch an die Börse gegangen. Die Börse bewertete die 1.5 Mio. Mitglieder zum IPO vor drei Monaten mit 160 Mio. Euro. Hier hat jedes Mitglied plötzlich also einen Wert von rund 100 Euro. Knapp das 200-fache dessen, was es im Einkauf kostet. Sicher, die hohe Börsenbewertung baut auf die zahlenden Kunden: rund jeder Achte zahlt die 66 Euro im Jahr für seinen Premiumaccount. Das sind angeblich derzeit 13 Prozent, also geschätzte 0,2 Mio. Mitglieder. Nimmt man nur sie in die Rechnung hinein, ergibt sich ein Wert von 800 Euro je Premium-Account. Jetzt spätestens darf mal gefragt werden, warum es keine intelligenten Alternativen zu proprietären Diensten wie Xing gibt und warum die Premiummitglieder soviel zahlen, wenn sie soviel bringen.

Aber bitteschön, Lars Hinrichs hat das Unternehmen mit viel Weitsicht und Wagemut vor gut drei Jahren unter widrigsten Konjunkturbedingungen gegründet und erfolgreich einen hilfreichen und viel genutzten Dienst geschaffen. Wo also soll der Frevel sein? Nirgends. Vom unternehmerischen Standpunkt hat alles seinen vollkommene Ordnung. Ich gratuliere dem Gründer und seinem Team zu dem Erfolg. Nur habe ich als Nutzer nichts davon.

Schließlich wächst der Wert des Systems mit meiner Aktivität. Doch Aktivität wird nicht belohnt sondern mit der Notwendigkeit der Premiummitgliedschaft bestraft. Das ist, so mag man vollkommen zu recht einwenden, ja nun auch das Geschäftsmodell, und keiner wird gezwungen.

Und dennoch: Ich habe diese Einseitigkeit nicht gewollt. Daß ich 800 Euro wert bin und nichts dafür bekomme. Ich fühle mich doppelt ausgenommen. Vom Abo-Modell wie von der Börsenbewertung. Ich behaupte, daß keiner der 1,5 Mio. Mitglieder das so gewollt hat. Daß ein einziger mit meinen Daten reich wird. Doch wir haben derzeit keine Alternative, deswegen sind wir alle bei Xing.

Ich behaupte weiter, daß derartige Geschäftsmodelle nicht mehr lange funktionieren. Die Infrastruktur für kollaborative Inhalte wird zum Allgemeingut, ist es heute schon. Woanders können wir kostenlos auf Infrastrukturdienstleistungen zugreifen: nutzererstellte Telefonbücher (LinkedIN, StudiVZ, Facebook), genauso wie auf nutzererstelle Enzyklopädie (Wikipedia) oder nutzererstellte Stadtmagazine (Qype).

Kostenlos, also werbefinanziert, ist nur der Anfang. Partizipation heißt, daß ich kostenlos Content erstelle, aber an der Wertschöpfung für jeden öffentlich nachvollziehbar beteiligt werde. Je mehr ich tue, umso mehr profitiere ich. Und jeder soll es sehen.

Ich wünsche mir deshalb Unternehmer, die wissen, was sie ihren Kunden zu verdanken haben und sie dies auch spüren lassen. Craig Newmark gehört dazu. Sein Dienst ist kostenfrei, er verzichtet auf viele Millionen Werbedollars und bietet Privatnutzern die gesamte Plattform kostenlos an. Weil er weiß, daß den gewerblichen Kunden einen Mehrwert bietet, den diese zu zahlen bereit sind. Hiervon profitieren beide Seiten.

YouTube bastelt wohl auch an deratigen Modellen, Details sind leider noch nicht bekannt. Es wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, daß besonders oft abgerufene Inhalte an den Werbeumsätzen, die sich rechts und links der Videoeinblendungen abschöpfen, beteiligt werden. Das finde ich intelligent und fair: Belohne die, die dich groß machen! lautet die Logik der nächsten Generation Geschäftsmodell. Und das Mitmach-Web ist sein ideales Werkzeug. Jetzt braucht es nur noch visionäre Unternehmer. Menschen, die an ihre Kunden glauben. Und nicht nur an das Geld, das sie mit ihren Kunden verdienen.

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Ich kaufe ein Glied

Veröffentlicht am 26. Januar 2007 um 15:49 Uhr von Mark Pohlmann

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Erschütternde Wahrheiten erfuhr ich gestern weit nach Feierabend von einem investigativen Journalisten, der berichtete, daß die SecondLife-Avatare (die selbstgestalteten Spielfiguren, mit denen man durch diese Simulation läuft) ohne Geschlecht auf die Welt kommen, man sich die Teile des Geschlechtes aber KAUFEN kann. So definiert man in Amerika Jugendschutz, weil für den Kauf eine Kreditkarte notwendig ist. Ich war beeindruckt.

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PR-Blog-Karneval

Veröffentlicht am 25. Januar 2007 um 12:21 Uhr von Janina Dobrzynski

Hier eine Einladung zum Blog-Karneval mit dem Thema "erfolgreiche PR- und Medienarbeit". Die Seite könnte hübscher sein, Idee und Ziel sind allerdings toll. Jörg Petermann und Sven Lehmann sammeln zum zweiten Mal Beiträge von Business-Bloggern, um das Wissen dann als PDF kleinen Unternehmen und anderen, die es gebrauchen können, kostenlos abrufbar zur Verfügung zu stellen. Unterstützenswert. Da werde ich auch mitmachen.

Der Startschuss für das kollektive Geblogge fällt am 29. Januar um 8.00 Uhr, Texte können bis 18. Februar um 20.00 Uhr eingereicht werden.

Janina Dobrzynski

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Size does Matter

Veröffentlicht am 25. Januar 2007 um 9:42 Uhr von Mark Pohlmann

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Über den DLD ist ja eigentlich schon alles gesagt. Ich verweise hier gerne und vor allem auf Felix Schwenzel, seine Betrachtungen und alle dortigen Links.

Wir war´s? Nun, ich bin in der Beurteilung befangen. Wir sind mitten in der Vorbeitung unserer Neuauflage der Next10Years, der Next07, mehr Details dazu in wenigen Tagen. Ich bin natürlich sehr beeindruckt von dem DLD-Kongreß als Gesamtinszenierung. Besser kann man das, was Burda erreichen wollte, nicht ausführen. Die Referenten, die Betreuung, die Themen, die Gäste, die Atmosphäre: Alles perfekt. Wirklich. Glückwunsch an alle Macher & Beteiligten.

Deswegen versuche ich hier auch gar nicht das Haar in der Suppe zu finden, sondern auf etwas einzugehen, was ich woanders nicht zufriedenstellend beantwortet bekommen habe: Was sagt die Konferenz über die Internetszene aus, welche Stimmung schwang in den Referaten, Gesprächen und Auftritten mit? Um was ging es eigentlich?

Die einfache Antwort: Um Größe. Heuer zählt nicht mehr die Idee, sondern nur der Erfolg.

Es ist wie folgt: Seit zwei Jahren ist ein cleverer, seismographisch sehr feinfühliger Trupp unterwegs auf der Suche nach den richtigen Geschäftsmodellen für das Web 2.0. Jezt sind die Geschütze positioniert, dutzende vielversprechender Websites gelauncht. Die Großen sind noch nicht online mit ihren Communities oder "User Generated Content", aber sie werden es bald sein. Denn jetzt soll "es" passieren: Her mit der Million! Eine Million Nutzer. Oder Klicks. Vielleicht auch Einträge. Am besten: Umsatz. Sie selbst erwarten es, und das Umfeld auch. Schließlich werden die Success-Stories seit einem Jahr immer wieder erzählt. Jeder, der in dieser Branche etwas werden will, muß sicht jetzt die frisch gemachten und schon zur Ewigkeit verdammten Goldjungs vor Augen halten lassen: Youtube, Flickr, Myspace, StudiVZ, Xing.

Aus mehr als der Sucht nach Millionen scheint die Welt nicht zu bestehen. Denn schon längst geht es nicht mehr um die Idee, etwas wirklich Neues aus der Möglichkeit des Mitmachens entstehen zu lassen, das eigene Geschäft mit den Mitteln des Internets neu zu erfinden. Es geht wieder einmal vor allem darum, die Gründer reich zu machen. Und wenn nicht reich, dann wenigstens berühmt. Diese Haltung fand man auf den Podien wie im Publikum vor.

Es gibt aber ein Problem, das weitestgehend totgeschwiegen wurde: Der Markt ist nur sehr punktuell bereits ein Massenmarkt. Obwohl Abermillionen im Internet sind und einige Millionen Menschen Kontakt zum Web-2.0-haben, wird es noch einige Jahre dauern, bis das digitale Mitmachen so selbstverständlich ist wie das elektronische Einkaufen. Das mag in Amerika schon anders sein. In Deutschland sind wir noch nicht so weit. Es ist traurig anzusehen, wie die Kuh schon wieder gemolken werden soll, obwohl sie noch ein Kälbchen ist.

Das heißt auch: Neue Ideen waren Mangelware auf dem DLD. Das ist auch nicht unbedingt die Funktion dieser Veranstaltung. Überraschend ist es trotzdem. Entgegen des ersten Eindrucks begeistert mich BurdaStyle nicht wie erwartet, das auf dem DLD gelauncht wurde. Es atmet schon den konservativen Geist, der für den Erfolg nichts riskiert, was woanders nicht schon dutzendfach funktioniert. Wagemut, Visionen, Leichtigkeit oder auch Besessenheit: Auch sonst Mangelware auf dem DLD. Nicht, daß es nicht emotional war. Aber die Emotionen gelten nur dem geschäftlichen Erfolg, nicht der Kühnheit der eigenen Idee. Das alles ist legitim und an sich überhaupt nicht kritisierenswert. Aber es ist schon erstaunlich zu beobachten, wie schnell die Faszination fürs Mitmachen in die Sackgasse des Geldverdienens gerät.

Wäre da nicht Craig Newmark gewesen (Craigslist), der den ganzen Jungspunden in einem Satz gezeigt hat, daß es da draußen in der Welt noch mehr gibt als Kohle zu scheffeln: Eine Gesinnung. Gefragt, was seine Verkaufsstrategie ist, antwortete er:

"My exit strategy is basically death."

Yeah.

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Wir schalten kurz um zum DLD

Veröffentlicht am 22. Januar 2007 um 15:17 Uhr von Mark Pohlmann

Nur ganz kurz meine Eindrücke vom DLD: Hubert Burda geht es gut. Er erzählt von den Erwartungen seiner Mutter an ihn, schweift gutgelaunt in Raissa Gorbatschow-Geschichten ab und singt jetzt schon das zweite Lied auf der Bühne ("Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus" und "Gloria, Gloria Halleluja"), anstatt gemeinsam mit Marissa Mayer einfach wie geplant Caterina Fake von Flickr einen Award für vorbildliches Unternehmertum zu verleihen. Entspannte Stimmung also. Und voll. Wirklich sehr voll. Catering, Organisation: perfekt. Gutes Auditorium, allerdings noch nicht die bahnbrechenden Referate. Aber, bitte an dieser Stelle nicht vergessen: DLD, das ist "Digital. Life. Design", es geht also eher um Unterhaltung gemischt mit der gegenseitigen Bestätigung eines Lebensgefühls, es geht um sehen und gesehen werden und die Gewißheit, zu einer aktuell rund 1.000köpfigen (soviel sind geschätzt vor Ort) Elite zu gehören. Wobei: der gefühlte Investorenanteil liegt bei über 20 Prozent.

DLD, das ist der Bambi für die Internetgeneration. Also fällt nahrhaftes eher zufällig ab, trotz der prominenten Namen auf der Rednerliste.

Jetzt gerade wird BurdaStyle vorgestellt, die Fortführung von Etsy mit den Mitteln eines Modesverlages (der Burda ja eigentlich mal war). Wenn ich das richtig sehe, bildet Burdastyle.com erstmal auf dem amerikanischen Markt die Wertschöpfung im Handarbeitssektor ab: Ein bunter Mix aus Schnitten, Community-Elementen und Abverkauf. Ich mag ja sowas und glaube ja an die Wiederentdeckung der Heimarbeit über Plattformen wie diese.

Jetzt macht Till Brönner erstmal Musi. Na, ob hier wirklich noch was Produktives passiert? Würde mich nicht wundern, wenn sie gleich die Hefegläser hervorzaubern. Ob wir Hamburger von den Münchnern was lernen können?

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Neues vom DLD

Veröffentlicht am 22. Januar 2007 um 11:11 Uhr von Janina Dobrzynski

Wer nicht mttendrin ist, kann doch dabei sein beim DLD in München, wo sich seit gestern das Who is Who der Internetszene trifft.

Veranstalter Hubert Burda Media begeistert mit "super Orga" (O-Ton Mark, der hier normalerweise bloggt) und liefert für die Daheimgebliebenen bewegte Bilder im Live Stream sowie ausgewählte Eindrücke im Media Aggregator. Den "beeindruckenden Auftritt" (findet Mark und ist damit nicht allein) von Nicholas Negroponte gibt es dort allerdings nicht zu sehen. Schade. Dafür haben andere ihre Kamera in den richtigen Momenten gezückt und noch mehr Videos gesammelt.

Berichte zur Eröffnungsdiskussion "The Future of the Future" mit Caterina Fake, Niklas Zennström und Thierry Antinori gibt es hier und hier, weitere Enttäuschung über Gäste und fehlende Neuigkeiten hier.

Janina Dobrzynski

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Apple verzichtet auf Mavens

Veröffentlicht am 21. Januar 2007 um 20:56 Uhr von Mark Pohlmann

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Mein Beitrag zur Apple-Mania: Das iPhone ist ein schönes Gadget, das einen schwerwiegenderen Konstruktions- und damit strategischen Fehler hat: Es taugt nur zur Abfrage von Inhalten, nicht zum erstellen. Wer schöner surfen, glotzen oder musikhören will: bitteschön. Menschen mit Meinung werden sich weiter nach etwas mit Tastatur umsehen. Eine Informationseingabe ist nicht möglich (Bitte verschont mich mit virtuellen Tastaturen oder Handschriftlichem). Erstaunlich, daß Apple so kompromißlos auf Passivnutzer setzt. Und eine Offenbarung für das Streben des Unternehmens. Sie wollen halt werden wie Sony und Microsoft. Und SO schaffen sie es auch.

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Mavens auf dem DLD

Veröffentlicht am 21. Januar 2007 um 13:19 Uhr von Mark Pohlmann

Hal Faber, seit Jahren für das Wahre im Web bei Heise zuständig, entdeckt Mavens. Im Themenblog.

"Sollte die superwindempfindliche neue Schnellbahntrasse nach München frei sein, wäre ein Abstecher zu Digital, Life, Design möglich, wo Homini Davosiensii ein paar erleuchtende Keynotes abliefern, ehe es in die Schweizer Berge geht. Dieses Treffen beginnt schon heute und gibt sich schwer Web-2.0-lastig: Laptops sind erlaubt, Lederhosen verboten. Märkte sind Konversationen, geleitet von Mavens".

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Ist wirklich alles in den Medien inszeniert?

Veröffentlicht am 17. Januar 2007 um 15:45 Uhr von Mark Pohlmann

Klaus Kocks sagt: Ja, sicher. Kocks ist eitel, klug und unterhaltsam. Eine gute Mischung für den Job in der PR, wie ich finde. Es selbst nennt sich "der käufliche Intellektuelle". Auch gut. Und gutes Spiegel-Interview. Außerordentlich gut sogar. Für einen PRler.

"Aber Inszenierung heißt nicht, dass es immer einen Regisseur gibt. Warum ist denn auf den Titeln der verschiedenen Zeitungen häufig das gleiche zu sehen? Geht es um die objektive Relevanz der Nachrichten? Nein, denn die objektive Relevanz lässt sich bei der täglichen Meldungsflut nicht prüfen. Es geht um etwas ganz anderes, es geht darum, ob eine Meldung bereits eine Geschichte andeutet. Einen Sinnzusammenhang. Danach wird selektiert. Also bin ich Geschichtenhändler, ich verkaufe Geschichten. Journalisten und PR-Leute benutzen die gleiche Fähigkeit zu verschiedenen Zwecken. So gesehen haben Sie und ich denselben Job. Aber wehe, das spricht jemand offen aus. Das ist dann der Punkt, wo bei den Journalisten die berufsethischen Alarmglocken läuten."

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TUI mit Mut zur Meinung

Veröffentlicht am 17. Januar 2007 um 14:26 Uhr von Mark Pohlmann

"Die Reiseveranstalter entdecken das Web 2.0", kommentiert Heise das neue TUI-Angebot, eigene Reisen zu bewerten. In Wahrheit ist es wohl umgekehrt. Die Kunden haben längst das Web 2.0 entdeckt. Jetzt müssen eben auch die Veranstalter selbst ran ans Thema. Schön, daß sie jetzt von Authentizität schwärmen. Warum haben sie die Macht der Meinung entdeckt? Weil ihnen sonst Holidaycheck das Thema ganz wegschnappt.

"Wir suchen Menschen, die uns erzählen, was sie in London, Berlin oder auf Ibiza erlebt haben", sagt Michael Ohm, Geschäftsführer von TUI interactive in Hannover. Angst vor zu vielen kritischen Einträgen hat er nicht: "Die Zahl derer, die meckern, ist kleiner als die, die etwas gut finden." Was eine gute und was eine schlechte Bewertung ist, sei schließlich auch subjektiv: "Wenn einer über ein Hotel auf Mallorca schreibt, es sei laut, chaotisch, und die ganze Nacht war Alarm, schreckt die einen das ab, die anderen wollen genau deswegen dahin." Entscheidend sei die authentische Einschätzung.

Daß es mit der Authentizität nicht weit her sein könnte, vermutet hingegen Professor Wilfried Kaminski von der FH Köln im gleichen Artikel:

Für Online-Urlaubsberichte bedeute das, dass die Objektivität dort ihre Grenzen finde, wo Interessen des Unternehmens berührt sind.

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Obiger Screenshot zeigt, daß durchaus Kritik möglich ist - allerdings nicht am Anbieter, sondern an den Berichterstattern. Zum Verständnis: Die Sterne bewerten den Beitrag und nicht das Hotel oder den Veranstalter (wie ich zuerst dachte).

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Neu entdeckt

Veröffentlicht am 16. Januar 2007 um 16:30 Uhr von Mark Pohlmann

Wem ist das noch aufgefallen? Rainer Meyer, vulgo Don Alphonso, einst militanter Hasser auf alles, was beruflich erfolgreicher als er ist - und das sind viele - ist seit der Jahreswende so handzahm, ja fast journalistisch geworden. Ob´s einen Grund gibt?

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Das Spiel mit der Fiktion

Veröffentlicht am 15. Januar 2007 um 15:30 Uhr von Janina Dobrzynski

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Gesellschaftssimulationen sind die Communities von morgen. Doch sage niemand, wir würden uns nicht viele Probleme ins Haus holen.

Beispielsweise der Mafiaboss, der in der Zeit von seinem größten Erfolgserlebnis berichtet: Er hat einen Clan innerhalb von zwei Tagen komplett ausgelöscht. Für einen Auftragsmord nimmt er bis zu 15.000 Dollar, je nach Risiko.

Dass sich darüber niemand aufregt, liegt daran, dass es sich um Morde in Second Life handelt, dem 2003 von Linden Lab entwickelten virtuellen Wirtschaftswunderland. Hinter dem digitalen Avatar sitzt ein ganz realer Mensch und spricht über seine Taten, die ihn ganz reale Zeit gekostet haben und mit denen er ganz reales Geld verdient.

Wo ist die Grenze zwischen wirklichem Leben und virtueller Realität? Die ausradierte Second-Life-Familie hat ihren Machern Zeit, Geld und Energie gekostet, die in den Aufbau ihrer virtuellen Identitäten gesteckt wurden. Sie haben den Schaden, aber keiner beschwert sich. Ist doch alles nur fiktiv. Doch gerade die Spieler selbst behaupten, daß virtuelle Welten eben kein Spiel sind und Avatare keine programmierten leblosen Figuren. Denn sie funktionieren nicht ohne den Menschen, der sie lenkt.

Kontrolle und Zensur hemmen eine Online-Community. Dennoch geht es nicht ohne. Bis zu einer gewissen Gruppengröße mag die soziale Kontrolle durch gemeinsam Werte funktionieren, so wie ein Freundeskreis funktioniert. Treffen aber Tausende von Menschen bzw. virtuellen Identitäten im Netz aufeinander, brauchen sie ein gemeinsames Regelwerk, auf das sie sich beziehen und aufgrund dessen bei Regelverstoß zum Schutz aller Nutzer sanktioniert werden kann und muss. Diese Regeln existieren in Second Life. Nur schert sich darum niemand.

Der schmale Grat zwischen Freiheit, Datenschutz und Sicherheit ist die größte Herausforderung für den Betreiber einer virtuellen Welt und für den Gesetzgeber. Wie wird in Zukunft mit virtuellen Verbrechen von 17jährigen Highschool-Paten umgegangen? Der Cyberspace bietet die Chance, alles auszuprobieren und anders zu machen. Immer wieder aufs Neue, denn wenn alles gegen die Wand gefahren ist, im schlimmsten Fall Mord und Totschlag regieren, bleibt die letzte Lösung: abschalten und ein neues Land bauen.

Wie gut, dass dann doch nicht alles so real ist.

Janina Dobrzynski

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Ökonomie der Inhaltsobsession

Veröffentlicht am 15. Januar 2007 um 11:41 Uhr von Mark Pohlmann

Inhaltsobsession. Ein schönes Wort aus der Tastatur eines mir bis Dato vollkommen unbekannten Medientheoretikers, der von der Netzzeitung interviewt wurde (oder besser: Mit ihm gemailt wurde. Heute schreibt man Interviews per E-Mail. Wahrscheinlich wegen der Spontaneität.)

Inhaltsobssession. Gute Inhalte gibt es vielerorts, erst der von Autoren und Nutzern geschaffenen Kontext macht ihn im Internet einzigartig. Ohne Content kein Kontext. Der Wortschöpfer Geert Lovink hält nur gar nichts von Inhalten oder Obsession.

"Wenn Sie etwas von der Internetökonomie verstehen wollen, müssen Sie erstmal von Ihrer Inhaltsobsession wegkommen. Die Herstellung von Inhalten kostet gar nichts mehr"

Es geht also um die Ökonomie des Kostenlosen. Klar steckt in kollektiv gesammeltem Wissen ein Riesenpotential - doch kostenfrei erstelltes Wissen ist eben vor allem eines: Interessengelenkt. Die qualitativen Positivbeispiele lassen sich mit einer Hand abzählen. Wikipedia zeigt wie es geht, und an vielen anderen Stellen klappt es auch. Bei den Buchrezensionen von Amazon. Bei den Anbieterbewertungen von Qype. Diese Anbieter bekommen zwar kostenlosen Content von den Gastautoren, für die Aggregation und Distribution sind sie aber weiter auf Erlösströme angewiesen. Aus dem Marketing beispielsweise. Oder dem harten Abverkauf von Produkten. Oder durch Spenden wie bei Wikipedia.

Meine Gegenfrage wäre an dieser Stelle: Was ist denn wichtiger als der Inhalt? Aber weiter im Text.

"Das heißt, die Kosten sind privatisiert und unsichtbar gemacht, jetzt im Moment kommuniziere auch ich kostenfrei."

Ja klar, ist ja auch Eigenwerbung. Für die eigene Person, für das demnächst erscheinende Buch. Ich bin beeindruckt von dieser altruistischen Gesinnung, vor allem, wenn sie so zelebriert wird.

Tatsache ist: Niemand arbeitet gerne kostenlos, wobei es nicht automatisch darum geht, Geld zu verdienen. Oft viel wichtigere Motivationen sind Anerkennung, Öffentlichkeit oder einfach gegeinseitiges lernen oder Austausch. Das alles ist schon oft beschrieben, aber schon lange nicht mehr so platt ignoriert worden wie von Herrn Lovink.

"Inhalte werden zum großen Teil entweder von den alten Medien erzeugt – nehmen Sie «Spiegel»-Online - oder von einzelnen Benutzern produziert und umsonst ins Netz gestellt."
Ist ja im Prinzip richtig, nur sind Blogger keine Journalisten - ich gehe jetzt mal davon aus, daß Herr Lovink diese im Visier hatte, als er den Satz so formulierte. Was Blogger bloggen, ersetzt nie und nimmer die Medienöffentlichkeit, und soll dies meist auch nicht - mir ist auf jeden Fall kein so größenwahnisinniger Blogger bekannt, der es als unbezahlter Schreiberling mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Funktion der Spiegel-Redaktion aufnehmen möchte. Aber Blogger - und andere - definieren sich sehr wohl als Gegenöffentlichkeit, und als solche haben sie eine wichtige Funktion. Hier werden also ganz verschiedene Formen von Inhalt fröhlich auf eine Stufe gestellt, damit die restliche Argumentation flutschiger wird.
"Eine kollektive und vernetzte Herstellung von Inhalten ist Ausdruck eines sozialen Wandels, den wir Alteuropäer nun mal nicht kapieren wollen."

Einspruch, Euer Ehren. Ich kapiere das. Und Millionen andere auch. Wenn Sie meinen, daß wir's nicht kapieren, weil wir noch keine Ökonomie geschaffen haben, wäre ich bei Ihnen. Aber die interessiert sie ja sowieso nicht besonders.

Der Großteil des Wissens ist schlicht und einfach da, er kann in digitaler Form problemlos reproduziert werden.

Wie und warum jetzt, wo die Reproduktionsmittel da sind, das Wissen problemlos der Weltöffentlichkeit zugänglich wird, verrät er nicht. Irgendwie auch egal, wer wo wieviel Aufwand hatte, Wissen zu produzieren, jetzt, wo alles, selbst seine Meinung, kostenlos wird.

Ich würde an dieser Stelle mal kühn behaupten: Problemlos reproduziert werden kann nur eines: Das Allgemeinwissen der Copy & Paste-Gesellschaft. Und schon das ist dringend nötig und revolutionär, und hierfür sind Wikipedia und andere wichtige Botschafter. Wie aber nun gelangt originäres und einzigartiges Wissen durch alleinige Anwendung von Kollaboration an die Öffentlichkeit? Und wie ist dieses Phänomen dann als Internetökonomie zu verstehen? Ich bitte um Aufklärung.

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Mitstreiter gesucht

Veröffentlicht am 12. Januar 2007 um 14:23 Uhr von Mark Pohlmann

Liebe PR-Professionals unter den Themenblog-Lesern: Wir suchen Mitstreiter für die Revolution, die da heißt "Zuhören". Ich verspreche anspruchsvolle und aufregende Projekte, einen wundervollen Arbeitsplatz, phantastische Kollegen und viel Gelegenheit, sein Netzwerk auszubauen. Ich erwarte Profession und Passion. Alles weitere nach einer Mail an mich unter mark at sinnerschrader.de

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Karriere 2.0 - keine Schere im Kopf

Veröffentlicht am 12. Januar 2007 um 12:51 Uhr von Janina Dobrzynski

Martin Langkau schreibt in der letzten W&V über digitale Reputation und Karriereaussichten:

Im Interesse der eigenen beruflichen Laufbahn werden die meisten Nutzer nur noch unverfängliche Inhalte veröffentlichen, die der Karriere nicht schaden. Gerade die heutigen Aushängeschilder des Web 2.0 wie MySpace, MyVideo oder YouTube leben von den recht freizügigen Beiträgen ihrer Mitglieder. Deren künftige Selbstzensur droht nun aber gerade diesen USP des neuen Internets zunichte zu machen

Lieber Herr Langkau: Falls Sie jemanden wie mich damit meinen, internetaffin, Berufseinsteiger und Mitte Zwanzig, dann haben Sie ein Phänomen zwar als Problem verstanden, nicht aber als Kraft, die dem Problem entgegensteht. Für Menschen auf dem Weg vom Privat- zum Berufsleben ist das Web 2.0 ein Instrument zur eigenen Identität. Es erlaubt ein freies und selbstbestimmtes Leben ohne Kontrolle von Außen. Freiheit ist, wie wir seit dem Gemeinschaftskundeunterricht wissen, mit Verantwortung verbunden. Das ist etwas, was sie mit dem Erwachsenwerden gemeinsam hat.

Was hilft´s also, das Web? Mit seiner Hilfe stellen wir uns dar, wir zeigen, wie wir sein wollen, und wir finden einfacher diejenigen, die unsere Werte und Interessen teilen und uns stärken in unserem Denken und Handeln. Das ist dann unser erstes nicht ortsgebundenes Netzwerk.

Mit Unseresgleichen unterhalten wir uns, wir lernen und arbeiten zusammen, und wir verfolgen gemeinsame Ziele. Wir bestärken uns gegenseitig, uns nicht verbiegen zu lassen und suchen Wege, ernst genommen zu werden. Gleichgesinnte finden wir am besten, wenn wir uns artikulieren, wenn wir Selbstbewußtsein zeigen. Deshalb darf und soll auch unser Arbeitgeber wissen wer wir sind. Und deshalb faken wir nicht.

Im Zuge einer neuen Orientierung an den Bedürfnissen ihrer Kunden werden Unternehmen diese Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt schätzen lernen. Sie werden verstärkt nach selbstbewussten, authentischen Mitarbeitern suchen, denn diese sind das Bindeglied zum Kunden, der Menschlichkeit und eine individuelle Betreuung erwartet.

Die von Ihnen prophezeite Selbstzensur hingegen weckt in mir Assoziationen mit den 50er-Jahren: Hauptsache, der Schein stimmt. Das wollen wir nicht mehr.

Janina Dobrzynski

Ergänzung: Auch die FAZ beschäftigt sich mit dem Thema

Karrieresprung: Googledigoo - und raus bist du
Auch Arbeitgeber und Personalberater haben Internetanschluss - und nutzen es zunehmend, um sich über Stellenbewerber zu informieren. Daher ist bei allen Online-Aktivitäten, gerade auch auf Businessplattformen, Vorsicht geboten. Es gilt, Angriffspunkte zu vermeiden.

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Chatten ist nicht bloggen

Veröffentlicht am 12. Januar 2007 um 12:46 Uhr von Mark Pohlmann

Katharina Borchert sucht für ihr Projekt Westeins Blogger mit Blogerfahrung und beherrscht, ganz wie in ihrem früheren Leben, auch unter der WAZ-Flagge die Kunst der Diplomatie

Und weil wir schon dazu gelernt haben: Ein Hinweis auf Ihre bisherigen Internetaktivitäten wäre natürlich hilfreich (und nein, ein schlichtes "habe meine Frau beim Chatten kennengelernt" reicht noch nicht ganz aus).

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Just say Hello

Veröffentlicht am 11. Januar 2007 um 18:02 Uhr von Mark Pohlmann

jandob_2007.jpg
Ich freue mich, an dieser Stelle die erste offizielle Mitarbeiterin der vor wenigen Wochen aus der Taufe gehobenen SinnerSchrader Online Conversations vorzustellen: Janina Dobrzynski. Janina hat zuvor bei der T-Community mitgewirkt, Events für Tim Renner organisiert, für ein Stadtmagazin in Trier geschrieben und ist Gründungsmitglied der Medienberater der TU Berlin.

Bei den Online Conversations übernimmt Janina vor allem die Event-Organisation. Und natürlich wird sie auch auf dem Themenblog bloggen! Wer in den nächsten Tagen von ihr eine Mail bekommt, hat übrigens gute Chancen, als Referent unserer nächsten Next07 eingeladen zu werden ;-)

Ich freue mich sehr, daß Janina mit an Bord ist und wünsche ihr eine spannende, lehrreiche und erfüllte Zeit bei uns im Team.

Herzlich willkommen!

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Was ist Storytelling?

Veröffentlicht am 9. Januar 2007 um 21:01 Uhr von Mark Pohlmann

DAS ist Storytelling

Following Jobs' demonstration of how the iPhone works with Google Maps -- he searched for Starbucks, zoomed in to a location and called, then jokingly ordered 4,000 cafe lattes to go.

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Was StudiVZ teuer macht

Veröffentlicht am 9. Januar 2007 um 9:14 Uhr von Mark Pohlmann

Nochmal FAZ. Heute ist StudiVZ der Aufmacher des Feuilletons. Wer hätte das noch vor vier Wochen gedacht? Der Titel: Was StudiVZ teuer macht.

Nicht nur, daß der Titel online anders ausfällt. Der Artikel erklärt alles, nur nicht, warum Holtzbrinck die kolportierten 85 Mio. Euro bezahlt. Denn, so denkt sich der Feuilletonschreiber, Werbung funktioniert (noch) nicht auf StudiVZ, an Gebühren ist bei Studenten gar nicht zu denken. Sind es also vielleicht doch die Kundendaten, sprich, die Abermillionen privaten Daten über Konsum- und Freizeitinteressen?

Wohl eher nicht. Nach allem, was ich über Webmining bislang im wahren Leben gelernt habe, sind weltweit nur eine Handvoll Unternehmen in der Lage, Datenströme so intelligent zu nutzen, daß sie deswegen tatsächlich mehr Geld verdienen als mit einem schnöden TKP-Modell.

Was also dann? Der Autor Jürgen Kaube gibt seine Ratlosigkeit offen zu, wenn er behauptet: "Es klingt ein bisschen wie Erzählungen vom Neuen Markt um das Jahr 2000 herum: Wir wissen nicht, was das Produkt ist, aber die Preise steigen."

Ganz so schlimm ist es dann wohl doch nicht. Hier mal ein paar Erklärungsversuche, die sich alle auf einen Nenner bringen lassen: Investition. Und die ist immer in die Zukunft gerichtet. Und muß sich nicht immer dem erschließen, der nicht investiert. Sondern am Ende aufgehen. Und das kalkulierte Ende werden wohl eher 5 Jahre als 1 Jahr sein.

1. StudiVZ hat heute schon das Netzwerkmonopol bei den 20-25-Jährigen. Dies läßt sich in alle Richtungen ausbauen - wer sagt, daß aus StudiVZ nicht das OpenBC der nächsten Generation wird? Schließlich sinkt mit jedem neuen Kontakt die Lust, sein Netzwerk woanders nochmal neu aufzubauen. Jetzt, wo den Gründern das Ruder aus der Hand genommen ist, ist auch wieder Platz für fundierte Visionen.

2. Es ist genug Platz für gigantische Zusatzgeschäfte, von StudiVZ-Kreditkarten, StudiVZ-Handykarten bis zur StudiVZ-Berufsunfähigkeitsversicherung. Studenten haben nichts und brauchen alles.

3. Aus der einen Million Studenten rekrutiert sich schlicht die nächste Lesergeneration des Verlages.

4. Auch wenn es noch nicht läuft: Mit der klassischen Bannerwerbung kann es nur besser werden. Schließlich lebt Holtzbrinck heute schon vom Werbemarkt, die verstehen etwas davon - jedenfalls mehr als die Gründer.

5. Neue Werbeformen, sogenannte "Me-Shops" machen schon bald die Nutzer von StudiVZ u.ä. nicht mehr zu den Zielen von Werbung, sondern selbst zu Werbetreibenden. Dann sind es die StudiVZler, die selbst dafür sorgen, daß die Werbeumsätze in die Plattform spülen. Die Studenten werden geldhungrig genug sein.

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Der nächste Börsengang?

Veröffentlicht am 8. Januar 2007 um 17:06 Uhr von Mark Pohlmann

gadowski_jongleur.jpg Wie nervend mit FAZ.net, wenn sie die wichtigen Printartikel immer nur häppchenweise online stellen. Jetzt aber: Das Lukasz-Gadowski-Portrait mit dem zentralen Satz:

Oliver Samwer betrachtet Spreadshirt als eine Firma, die an die Börse gehen könnte.

Nachtrag 9.1.07: Wo sind die Millionen?
Es stimmt, im Online-Artikel fehlt die nicht ganz unwichtige Angabe, daß der Spreadshirt-Gründer aus 5.000 Euro in nur 12 Monaten 2 Mio. Euro gemacht hat. Ob der späten Streichung vom Untergang des Abendlandes zu reden halte ich allerdings für übertrieben, schließlich kennt niemand den Grund für das Weglassen dieser Information. Daß L.G. als Mitinitiator finanziell vom Exit profitieren würde, war dagegen schon länger klar. Und ich muß gestehen, daß ich seinen Anteil für höher gehalten hätte.

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Der Hype, das Geld, der Samwer und StudiVZ

Veröffentlicht am 8. Januar 2007 um 15:48 Uhr von Mark Pohlmann

Viel Wahres und ein bißchen Selbstgefälliges, jedenfalls kurz und prägnant: Das Oliver Samwer-Interview in der FAZ Print, seit wenigen Stunden auch online.

"Web 2.0 steht für virales Marketing, Nutzer werben Nutzer, das kostet nichts. Dafür braucht man natürlich erst mal Nutzer. Deswegen ist es wichtig, sich zuerst darauf zu konzentrieren, die Leute zu bekommen.

Wir glauben, dass Video noch viel größer wird, als je jemand gedacht hat. Fernsehen wird demokratischer durch das Internet. Der Fernseher wird überflüssig, der Computer stattdessen aufgemotzt." Weiterlesen ...

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Das Who is Who der Internetszene

Veröffentlicht am 8. Januar 2007 um 9:19 Uhr von Mark Pohlmann

... findet sich auf der Gästeliste des DLD07. Die deutsche Internetwirtschaft und -kultur ist ziemlich geschlossen vertreten. Die Eingeflogenen haben zumeist Promi-Status. Respekt. Auch wenn man Burda heißt, muß man diese Liste erstmal hinbekommen. Und das geht natürlich nur, wenn man das Thema glaubwürdig vertritt. Und da erwarte ich von Burda großes in diesem Jahr in Sachen Social Commerce, wenn schon die Macher selbst nicht mehr die Füße still halten können.

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Mavens in der Praxis

Veröffentlicht am 5. Januar 2007 um 16:03 Uhr von Mark Pohlmann

Es gibt sie, und man kann ganz normal mit ihnen arbeiten - jedenfalls drüben. Und sicher bald auch hier. (Beispielsweise in der Richtung, wie TRND es bereits macht.) Hier ein sehr lesenswerter Artikel aus der Businessweek (Link hier gefunden)

Selling clothing dreamt up by customers is just one facet of a business model that brings customers so far into Karmaloop's DNA that they have become, in effect, extensions of the company's sales, marketing, and product development teams. Karmaloop has an 8,000-strong army of customers who proselytize the brand and get discounts or cash when they, or someone they've referred, make a purchase. Members of this "street team," called reps, also upload images, photos, or artwork to Karmaloop's site to make company stickers or banners other reps can download. "The reps are evangelists for our site," says Selkoe. And they're doing their job: Fewer than 1% of Karmaloop's customers are reps, but their purchases and those they inspire account for 15% of sales. Weiterlesen

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Was bringt 2007?

Veröffentlicht am 3. Januar 2007 um 15:40 Uhr von Mark Pohlmann

Nachdem meine kleine angekündigte Jahresend-Serie bereits nach der ersten Ausgabe abrupt endete (nicht dem Web 2.0 hingewendete Personen könnten dazu auch innerfamiliäres Blog- und Internetverbot sagen, dem ich aber für die 10 Tage sehr gerne nachgekommen bin), stattdessen jetzt nun der Blick nach vorne.

Auf meiner Web 2.0-Agenda 2007 stehen drei große Stichpunkte.

1. Mavens. Natürlich. Wir werden in diesem Jahr die ersten meinungsmächtigen Web-2.0-Promis sehen, die auch außerhalb der Blogosphere bekannt sind - und das länger als für einen Tag. Und ich prophezeie, daß dies keine Blogger sind (wobei deren Wunsch nach Öffentlichkeit nur zu begrüßen ist), sondern: Kreative / Künstler. Am naheliegendsten sind wohl Musiker oder Schriftsteller, die sich über das Internet dem Zugriff der klassischen Vermarkter entziehen und alles selbst steuern.

Auch wenn es diese Art der Selbstvermarktung bereits gibt: Neu wird sein, daß diese Personen a) ihre Bekanntheit über das Internet lenken b) hierfür Sponsoren finden oder von diesen Marken überhaupt erst geschaffen werden und c) auch außerhalb des Digitalen Bekanntheit erlangen. Mal sehen.

2007 wird jedenfalls das Jahr, in dem das Internet in vielen Mediensegmenten (eben vor allem: der Unterhaltungsindustrie) durch ebendiese Mavens zum kreativen Führungsmedium wird.

Die Mavens aus der Politik werden wir wahrscheinlich erst zur nächsten Bundestagswahl 2009 begrüßen dürfen.

2. Video. Ich erwarte, daß sich das Internet in seiner Formatentwicklung weiter dem Fernsehen annähert. (Und ich gestehe, daß wir hier an Video-Formaten arbeiten, u.a. für Qype...). Die millionenfachen Schrubbelvideos und Raubkopien auf Youtube sind allerdings höchstens der Startschuß. Wahrscheinlich ist, daß, ähnlich wie bei Blogs, bald eine Vielzahl kleinerer Sendeformate unendlich viele Nischen erschaffen. Auch wenn das Fernsehen 100 Sender hat: Das Internet wird so kreatives Fernsehen zeigen, daß sich das alte Medium in dem neuen nochmal neu erfindet (wenn an dieser Stelle noch jemand folgen kann) - das Internet wird zur Leihmutter von RTL & Co. Denn auch daran darf kein Zweifel bestehen: Das Geld sitzt immer noch bei den Sendern, nicht bei den Machern. Was auf dem Monitor funktioniert, wird in der Röhre zweitverwertet.

3. Social Commerce. An dieser Stelle könnte ich gleich an Jochen Krisch / Exitingcommerce abgeben, deswegen nur soviel: Der produzierende Mensch hinter dem Produkt wird zum Kauffaktor, und das Internet zu einem gigantischen mikroökonomischen Vermittlungsmarkt für Angebot und Nachfrage. Wir erleben 2007 die Renaissance der Heimarbeit, Etsy, Dawanda & Co. sind die Vorreiter einer neuen Dimension dezentralisierter Arbeitsformen.

Ich habe mir vorgenommen, den Trend, gleich ganze Gesellschaften in Spielen nochmal neu zu erfinden, so lang es geht zu ignorieren. Für mich haben Wirklichkeitssimulationen alá Second Life die gleiche Verheißungskraft wie der zweite Arbeitsmarkt: Das sind Trostangebote für Wirklichkeitsverlierer. Ich halte mich erstmal an mein erstes Leben, bevor ich es mit dem zweiten versuche.

In diesem Sinne: Allen Lesern, Mitstreitern und Sympathisanten ein erfolgreiches, ein glückliches und im besten Sinne aufregendes Jahr 2007 ;-)

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