Beschränkte Bilderflut

Veröffentlicht am 28. Februar 2007 um 12:27 Uhr von Janina Dobrzynski

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Es haben leider immer noch nicht alle verstanden, dass Kontrolle im Web 2.0 kontraproduktiv wirkt. Die Academy verbietet auf YouTube gesendete Oscar Clips und merkt nicht, dass sie sich damit auch aus Köpfen und Gesprächen aussperrt. Zumindest langfristig.

Pete Cashmore von Mashable dazu:

This is bad for consumers and ultimately bad for the Oscars, which is, after all, a brand. Lock the clips away, and nobody will bother talking about the brand anymore. In fact, as the LATimes pointed out this week, it seems that YouTube and MySpace have already stolen Hollywood’s crown, with consumers more interested in their own celebrity status, and more concerned with the day-to-day lives of celebs than the movies they promote. Here’s the problem for you, content providers: you’re no longer in charge. The consumer is. And they’ll watch your content where and when they want, or they won’t bother watching it at all.

Sehen wir es positiv: Weniger Content gleich weniger Überforderung. Bleibt mehr Zeit für wirklich interessante Inhalte.

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Helden im Zeitalter der unbegrenzten Selbstdarstellung

Veröffentlicht am 28. Februar 2007 um 11:52 Uhr von Janina Dobrzynski

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In der aktuellen Ausgabe der Zeit wird festgestellt, dass die Antwort auf die Frage, wer uns heute Werte und Moral vermittelt, im Bilderkonsum zu finden ist. Die These lautet, dass wir unsere Helden und Vorbilder vor lauter Sternchen und Prominenten in der wachsenden Anzahl der Kommunikationskanäle verloren haben. Orientiert wird sich deshalb an der direkten Umgebung oder an unserer eigenen Person, die wir stets von neuem hinterfragen. Doch vermisst wird „eine Maxime für richtiges Handeln, die eher aus uns selbst kommt als aus einer abstrakten Idee“.

Folgendes sang Judith Holofernes mit ihrer Band bereits 2003:

Willkommen in der Zeit Helden sind bereit seid ihr soweit
Heldenzeit Heldenzeit seid ihr soweit
Hat irgendwer gesagt es wäre Zeit für Helden?
Heldenzeit
Willkommen in der Zeit Helden sind bereit seid ihr soweit
Heldenzeit Heldenzeit seid ihr soweit
Wir kommen um die anderen Helden abzumelden

Die Helden trafen damit ins Schwarze und wurden Stars, die mit ihrem Hit Denkmal gleichzeitig zu verstehen gaben, dass sie vom Starkult nicht viel halten. Sie riefen damit zu einer Veränderung auf, in der wir heute mittendrin stecken: Das eigene Handeln steht im Mittelpunkt, doch es ist uns lieber, wenn andere mitmachen, statt uns für das Erreichte zu bejubeln. Wir können heute mehr denn je unsere eigenen Helden sein, und zwar in unseren selbst gewählten Netzwerken. Die Mitglieder dieser Communities benutzen dieselben Kommunikationskanäle, hören ähnliche Musik, schauen ähnliche Filme und verfolgen ähnliche Ziele. Wir schaffen uns mithilfe unserer Medienauswahl dieselbe Lebenswelt, greifen deshalb beim Smalltalk auf dieselben Themen zurück, urteilen vor einem ähnlichen Erfahrungs- und Wissenshintergrund.

Diese Art gemeinsamer Kultur schafften in der Vergangenheit Mainstream, öffentlich-rechtliches Fernsehen und Religion. Doch seit die Programmauswahl in jeder Hinsicht unüberschaubar und Glaubensfreiheit Realität geworden ist, wird der Werteverfall beklagt. Richtig. Denn mit einem gemeinsamen Informationshintergrund, der von allen bei allen zur gleichen Zeit erwartet werden konnte, gab es feste gemeinsame Regeln. Diese Informationskanäle können wir heute frei wählen, uns unsere bevorzugte Sicht der Dinge aus dem Angebot herauspicken. Das verunsichert zunächst und wir wissen nicht mehr, welche der vielen Meinungen denn nun die richtige ist. Und während der Suche nach dem, womit es uns am besten geht und worin wir uns wiederfinden, schauen wir in so manche Nische rein. Von Vorteil, denn durch das Erkennen von Unterschieden lernen wir uns und unsere Gemeinsamkeiten kennen.

Wir leben nahezu problemlos in verschiedenen Welten und Identitäten. Doch auf Dauer wird das ständige Wechseln zwischen Teilpersönlichkeiten zu anstrengend. Wir suchen unsere eigene Identität und andere, die tun, was sie wollen.

Hilfreich fürs Finden gemeinsamer Werte (natürlich neben dem Abgleich der subjektiven ewigen Helden) ist ein Blick in die Konsumgewohnheiten der neuen Bekannten: Mag ich die Inhalte, die der Unbekannte empfiehlt? Können wir gemeinsam Fernsehen, Musik hören oder Filme schauen und dasselbe verstehen? Marks letzte Empfehlung ist bei mir jedenfalls gut angekommen.

Es ist also alles noch da. Die Welt dreht sich immer noch, wir laufen drauf rum und die Vergangenheit bleibt gültig. Keine Panik also!

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Gründergespräch Social Commerce

Veröffentlicht am 27. Februar 2007 um 15:15 Uhr von Mark Pohlmann

... damit der geneigte themenblog-Leser mal etwas davon mitbekommt, was wir hier so arbeiten und warum der Informationsfluß ein wenig ins Stocken geraten ist: unter anderem wegen Veranstaltungen wie dieser hier.

Dieses Event adressiert Journalisten. Wer sich dieser Berufsgruppe angehörig fühlt und berechtigtes Interesse hat, kann sich gerne noch um einen der wenigen verbliebenden Plätze bewerben per Mail an: presse at sinnerschrader punkt de.

Gründergespräch Social Commerce

Social Commerce, der personalisierte Handel, ist die kreative Antwort auf den Massenmarkt. Und das Internet, oder eben das Web 2.0, ist sein zeitgemäßes Werkzeug. Allein die Antwort darauf, wie funktionierende Geschäftsmodelle aussehen, läßt auf sich warten. SinnerSchrader möchte anhand einer kleinen Veranstaltung Licht in das Dunkel bringen und Ihnen die vielversprechendsten Modelle vorstellen. Wir laden Sie ganz herzlich ein zum Gründergespräch "Social Commerce"

am 2. März 2007
bei SinnerSchrader, Völckersstraße 38, in Hamburg

In knapp 2 Stunden zeigen wir Ihnen, wo Mikromärkte nicht nur möglich, sondern auch profitabel und sogar reichweitenstark sein können.

Lernen Sie vier der interessantesten Web-2.0-Gründer und ihre Geschäftsmodelle kennen, sprechen Sie mit einem der erfolgreichsten Investoren des Web 2.0, und erfahren Sie vom ersten deutschen Social-Commerce-Experten, warum der handelnde Mensch spannender als das Produkt selbst sein kann.

Die Referenten
- Lukasz Gadwoski, Gründer der Kreativplattform Spreadshirt und
Web-2.0-Investor (www.spreadshirt.com)
- Claudia Helming und Michael Pütz, Gründer des Marktplatzes für Unikate und Handgearbeitetes Dawanda (www.dawanda.com)
- Jan Miczaika, Gründer der Tauschbörse Hitflip
(www.hitflip.de)
- Jochen Krisch, freier Berater (www.excitingcommerce.de)

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Personal Branding Checklist

Veröffentlicht am 22. Februar 2007 um 18:01 Uhr von Mark Pohlmann

Ich finde allerdings, man sollte die Liste von hinten lesen.

1. Know what you want: Identify what you want, and start walking toward it.
2. Be able to articulate what you do: When someone asks what you do, answer them immediately with a clear, concise, and confident response.
3. Elevator pitch: Be able to describe who you are and what you do in the time it takes to ride an elevator.
4. Be positive: Be positive.
5. Business card: A 3x5 piece of paper or mini-CD that has your personal contact information clearly printed on it.
6. Have a blog / Website / MySpace, or other online presence: Get your brand online.
7. Multiple e-mail addresses: Get more than one e-mail address.
8. Phone: Get a phone.
9. Signature: Your signature is who you are, your title, and your contact information. You should put this on everything you touch.
10. Logo: A visual image that positively identifies your brand.
11. Personal goals: Set goals for yourself that help you reach what you want.
12. More than one resume: Customize your resume to the potential employer or client.
13. Mentor: Find a guru and have them teach you.
14. Networking outlets / contacts: Continually develop your network by attending industry meetings and conferences.
15. Wardrobe style: When you are going to be near people who you wish to sell your brand to, dress to impress.
16. Multiple IM accounts: Get more than one IM account.
17. Alias: Obtain a positive nickname.
18. Mantra: Collect sayings that enforce your brand.
19. Speaking and PowerPoint template: Speak about what you do and have a hot-looking PowerPoint template to show.
20. Passion: Love what you do.

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Jens Kunath bloggt

Veröffentlicht am 21. Februar 2007 um 12:25 Uhr von Mark Pohlmann

Jens Kunath ist ein bekannter Kämpe des Web 1.0 (u.a. Geschäftsführer bei Dino-Online und Freenet, Gründer Orangemedia) der aber mittlerweile voll im hier & jetzt angekommen ist. Unter anderem als Investor und Berater und mit sehr interessanten Einsichten:

Das Internet hat den Umgang mit Kunden entscheidend verändert. Der Nutzer ist mündig geworden. Hat man sich früher über den Abschluß des Bertelsmann Buchclub geärgert, wurde das im kleinen Familien- und Freundeskreis oder am Stammtisch ausdiskutiert. Heute ist es in Windeseile in Foren, auf Blogs oder auf Produktbewertungsseiten. Es ist wichtig geworden mit dem Kunden zu kommunizieren. Schafft man es nicht den direkten Dialog mit dem Kunden zu finden, sucht er sich seine Plattform im Internet und das ist für das Unternehmen am wenigsten zu kontrollieren.

Durch diese Veränderungen muss das Unternehmen den Dialog mit unzufriedenen Kunden suchen und für Transparenz sorgen. Natürlich muss ein Unternehmen in erster Linie bestrebt sein, dass es keine oder nur wenige unzufriedenen Kunden gibt. Aber jeder Unternehmer weiß, dass das Illusion ist. Es gibt immer einen gewissen Prozentsatz, der mit allem unzufrieden ist. Wichtig ist nur, wie man mit diesen Kunden umgeht.

Im Falle bonus.net war der größte Fehler, die Kunden die unzufrieden waren oder behaupteten sie hätten sich nicht angemeldet, trotzdem in den Inkassovorgang zu geben. Heute weiß ich, dass Kunden die nicht zahlen wollen auch Wege finden um nicht zu zahlen. Und diese unzufriedenen Kunden machen viel mehr kaputt, als es Wert wäre die offenen Forderungen von ihnen einzutreiben. Weiterlesen

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Pro-Mavens

Veröffentlicht am 19. Februar 2007 um 15:42 Uhr von Mark Pohlmann

Die Amerikaner nennen sie etwas pathetisch Evangelisten, aber die Rolle dürfte auch in Deutschland bald bei vielen Unternehmen zu besetzen sein: Menschen, die ihre Begeisterung für ein Thema in einem wichtigen Zielgruppensegment so überzeugend vertreten, daß sie es sich leisten können, dafür bezahlt zu werden.

In Amerika ist dies längst gängige Praxis, wie der "Brand Evengelist" Michael Gartenberg beweist. Er liefert auch gleich die Stellenbeschreibung bei seinem neuen Arbeitgeber Microsoft nach.


What is an enthusiast evangelist? Our job is to find, engage and work with enthusiasts and other influencers and show them all the cool stuff that Microsoft is doing. In short, it’s our job to act as the bridge between Microsoft and end users.

Seine Glaubwürdigkeit leidet nicht unter dem Profi-Status. Im Gegenteil, sie erhöht seinen Status. Gartenberg ist als bezahlter Evangelist das "öffentliche Bloggesicht" von Microsoft für die Webgemeinde. Fortan gilt: Wer als Kunde wahrgenommen werden möchte, tue dies gerne über ihn. Denn nicht nur was er selbst erzählt, wird beachtet, sondern auch die Diskussionen in seinem Umfeld. Mit Gartenberg steigt auch der sich bei ihm artikulierende Endkunde in der Hierarchie um Aufmerksamkeit ein kleines Stück nach oben. Evangelisten-Marketing ist Arbeit mit Mavens. Man könnte auch ganz ohne Denglisch sagen: Die Zukunft der Werbung sind persönliche Empfehlungen.

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Einer für alle

Veröffentlicht am 15. Februar 2007 um 22:33 Uhr von Janina Dobrzynski

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Günter Mast brauchte keine Berater, um zu wissen, dass er seinen Kunden etwas geben muss, damit sie ihm treu sind und über seine Marke sprechen. Der Vorzeige-Unternehmer ohne Vorzimmer, 45 Jahre lang oberster Jägermeister und Chef der Mast-Jägermeister AG, brauchte keinen der ihm sagte, dass er authentisch sein soll, um zu verkaufen. Er gab von selbst und war einfach echt, in dem was er tat. Er wollte nach vorne und ging geradeaus. So schwer ist das nicht. Mast hat früh verstanden, dass ein positiv überraschter Kunde viele zufriedene nach sich zieht. Einen großen Fehler machte er allerdings: er verklagte Ernst Volland für sein „subvertisement“ (oben zu sehen) im Satiremagazin pardon, statt ihn dafür zu bezahlen. Denn in vielen Kreisen sorgte genau dieses Plakat dafür, nun erst recht Jägermeister zu trinken. Und von jüngeren wird es sogar im Nachhinein als gekonntes Guerilla-Marketing verstanden. Heute sehen Werbespots im Netz sogar so aus. Eine klare Aussage, verbunden mit deutlichem Zeigen des Produktvorteils und einer guten Portion Witz. Das hat sich damals noch niemand getraut. Die Möglichkeiten, einzelne Gruppen so wie heute ganz direkt in ihren Nischen anzusprechen oder vergleichbares Viralmarketing im Netz zu betreiben, waren auch technisch noch nicht gegeben. Was Mast wohl heute tun würde, um seine Kunden zu erreichen?

Jägermeister ist Kult, war einmal Alt-Männer-Getränk. Die Jägermeister-Zielgruppe umfasst 18- bis 80-Jährige, Männer wie Frauen, Raver, Rocker, Popper, Punks, Prolls, Fußballer, Motorsportler, einsame wie gesellige Trinker und natürlich Jäger – alle stehen auf den bitteren Schlehenschnaps, sehen ihn als das Getränk ihrer Community. Und keine der Gruppen stört sich daran, dass die anderen das auch tun. Eine Marke die verbindet, statt abzugrenzen, dabei ihre verschiedenen Konsumentengruppen dort trifft, wo sie gerne sind. Jede einzelne für sich. Jägermeister schafft es, bei allem Mainstream seine Coolness nicht zu verlieren.

Es ist noch nicht lange her, dass ich mit zwei Herren von der Konkurrenz böse versackt bin. Wir kannten uns vorher nicht, Sympathie war aber ausreichend vorhanden. Sehr schnell war klar, was uns außer unseren beruflichen Interessen verbindet und uns an diesen Tisch gebracht hat: Rave. Was folgte, war ein Kneipenwechsel, denn in dem Laden, in dem wir uns befanden, fehlte das passende Getränk zum darauf Anstoßen: Jägermeister!

Das Zeug schmeckt nicht besser als andere Kräuterliköre, das sagen die meisten, die es trinken. Natürlich trinkt auch jeder zwischendurch Beck’s, Coca Cola und andere überall erhältliche Sachen. Doch ich habe noch nie eine Gruppe erlebt, die ein Gefühl der Zusammengehörigkeit über Coca-Cola-Trinken ausdrückt, nie jemanden gesehen, der sich seinen Wagen unbedingt in Coke-rot oder Pepsi-blau lackiert, sich zur wandelnden Werbefigur für eine weltbekannte Marke macht, ohne sich dadurch als Voll-Horst zu outen. Die Merchandising-Artikel mit Hirschgeweih in knall-orange jedoch sind beliebt, sogar im eher linken, oft marketingfeindlichen Techno-Underground, der seine Unabhängigkeit liebt, mit Mainstream, Establishment und normalerweise ganz sicher nichts mit Produkten zu tun haben will, für deren Namen indirekt Hermann Göring verantwortlich ist. All dies trifft auf Jägermeister zu und stört kein bisschen. Das ist das beste Zeichen, dass bei der Markenverjüngung vieles richtig gemacht wurde.

Schon lange bevor die Agenturen Mavens und Meinungsführer für sich entdeckt hatten, war Günter Mast ganz nah an ihnen dran. Mast ist verantwortlich für den Kult, wenn auch nun schon seit zehn Jahren nicht mehr an Bord des Unternehmens. Er erfand die Trikotwerbung, kleidete die Kicker der Eintracht Braunschweig in leuchtend orange Trainingsanzüge, sponsorte den Motorsport, eroberte nach dem Mauerfall schnell die ostdeutschen Schnapsregale. Er trat selbst für das ein, was er für richtig hielt und machte schon früh das, was von Agenturen heute empfohlen wird: er gab seiner Marke durch Zuhören und Verstehen eine besondere Persönlichkeit, gab viel von sich mit hinein, immer mit direktem Blick in die Augen seiner Kunden. Er textete selbst alle Werbeanzeigen, die mit „Ich trinke Jägermeister, weil...“ begannen, verschenkte am Grenzübergang höchstpersönlich Begrüßungspakete mit Zwanzigmarkscheinen und diskutierte selbst, als Kritik an der Nazivergangenheit des Unternehmens laut wurde. Persönlich sein und in der Öffentlichkeit über sich schmunzeln konnte Mast außerdem, wie er mit dem Claim „Ich trinke Jägermeister, weil ich die Jagd auf meinen Nachfolger eröffne“ bewies. Seine Kunden und Mitarbeiter kauften ihm ab, dass er es stets gut mit ihnen meinte. Und kaufen weltweit immer mehr Jägermeister.

Auch ohne Mast ist Jägermeister ein Paradebeispiel für die Orientierung am und Interaktion mit dem Kunden; dafür, dass gewinnt, wer gibt. Ob Band-Support, Rock-Liga, Jägerettes, gesponsorte Parties: Der Kunde gibt ein bisschen und bekommt erst mal viel zurück. In Wolfenbüttel klingeln dafür nachhaltig die Kassen.

Darauf einen Jägi. Prost!

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Blogger sind keine Journalisten?

Veröffentlicht am 14. Februar 2007 um 10:27 Uhr von Mark Pohlmann

Pah.

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Chief Customer Officer

Veröffentlicht am 14. Februar 2007 um 10:03 Uhr von Mark Pohlmann

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Ein ganz, ganz wunderbares FAZ- Interview mit meinem großen Internetidol Craig Newmark, Gründer von Craigslist, den ich so richtig erst auf dem DLD07 für mich entdeckt habe.

Schon die Aussage, wir hätten ein Geschäftsmodell, ist eine Unterstellung. Wir verstehen uns als Dienstleister für unsere Community. Vor sechs Jahren haben wir die Mitglieder unserer Community gefragt, welche Dienstleistung kostenpflichtig werden solle. Das Ergebnis war: Wir sollten Stellen- und Immobilienanzeigen kostenpflichtig machen. Heute verlangen wir Geld für Stellenanzeigen in sieben Städten und für Immobilienanzeigen in New York. Die dortigen Makler haben uns darum gebeten, damit die Qualität der Anzeigen steigt. Das ist unser Geschäftsmodell, wenn Sie so wollen. Wir haben etwa 1 Prozent der Internetseite monetarisiert. Wir haben kein Interesse, viel mehr zu Geld zu machen. Zwar haben wir kürzlich noch in vier Städten Gebühren für Stellenanzeigen eingeführt, aber nur, um Spam-Anzeigen herauszuhalten.

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Tschüß Word

Veröffentlicht am 13. Februar 2007 um 11:55 Uhr von Mark Pohlmann

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Der kommende Internetbrowser Firefox 3 wird Offline-Anwendungen unterstützen. So läßt sich beispielsweise Gmail von Google, die Textverarbeitung Google Docs oder die Tabellenkalkulation Spreadsheet auch dann benutzen, wenn der Rechner gerade nicht online ist. Quelle.

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Medien als religiöse Tragödie

Veröffentlicht am 12. Februar 2007 um 18:37 Uhr von Mark Pohlmann

Der französische Philosoph Michel Serres, in der FAZ zitiert aus dem Magazin Médias.

"Das Wesen der Show ist die Tragödie, wir wissen das seit Aristoteles." Das Fernsehen inszeniert das ewige "Erschrecken und Erbarmen". Leichen beleben den Bildschirm. "Wenn man sich an Millionen von Menschen wendet, kann es nur um Gewalt gehen." Serres meint die sakrifizielle Gewalt der primitiven Gesellschaften: "Die Medien schaffen den Monotheismus ab und werden zu einer polytheistischen, heidnischen Religion. Diese beruht auf dem Menschenopfer." Menschen werden - meist auch noch freiwillig - geopfert und verehrt.

"Dieses Ritual bringt die Einschaltquoten", es wird von der Talkshow und dem Reality-TV gepflegt. Und "die Tagesschau ist das Gebet des Abendlandes. Die Menschen halten inne und versammeln sich vor einem Altar. Unsere Gesellschaft ist durch und durch religiös - so, wie es die Antike war: Mit unserer Spitzentechnologie reproduzieren wir primitive - ursprüngliche - Inhalte, die drei- bis viertausend Jahre alt sind."

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Die 1-Euro-Elite

Veröffentlicht am 8. Februar 2007 um 14:06 Uhr von Mark Pohlmann

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Ich muß hier kurz mal meinen Frust mit der deutschen Verlagskultur loswerden. Bernd Runges Interview mit der FAZ zum Launch der deutschen Vanity Fair ist von einer solchen inhaltsleeren Arroganz durchzogen, daß durchaus Zweifel an der Zukunftsfähigkeit von Magazinen aufkommen können. Und mir mal wieder beweist, wie gerne sich diese in der Rolle als Gesellschaftsversteher gefallen - und damit durchfallen. Bernd Runge ist übrigens "Vizechef des internationalen Zweigs des amerikanischen Verlags Condé Nast" und führt die Geschäfte in Deutschland. Und ist verantwortlich für den Launch des Lifestyle-Magazins Vanity Fair in Deutschland.

Steigen wir ein ins Interview. Runge will sich mit dem Blatt an Eliten wenden. Klar, deswegen ist ja auch Til Schweiger auf dem Titel!

Frage: Aber gibt es diese „Elite“ überhaupt?

Runge: "Man kann diese Elite nicht eng fassen. Unsere Untersuchungen zeigen, dass es diese Menschen, die wir ansprechen wollen, gibt. Und, dass sie oftmals keine regelmäßigen, im besten Fall eher gelegentliche Nutzer von Wochenzeitschriften sind. Das liegt aber nicht an mangelndem Interesse, sondern an der Darbietung."

Eine Elite, die "man nicht zu eng faßt", ist keine mehr. Und wie schön, daß er Eliten über die Marktforschung sucht, die keine Magazine lesen. Das könnte Gründe haben, lieber Herr R.

Sie hatten einen Werbespruch, der handelte von einem Magazin für ein „neues Deutschland“. Das klang wie das alte „Neue Deutschland“.

"Unser Spruch, oder besser - Anspruch - lautet, das neue Magazin für Deutschland zu sein."

Eliten mögen diese Art der Unverbindlichkeit. Das Etikett "neu für Deutschland" ist so ziemlich das inhaltsloseste, was man zum Launch eines deutschen Blattes in deutscher Sprache sagen kann.

Gibt es denn Figuren, die dieses „neue Deutschland“ repräsentieren?

"Prinzipiell ist „Vanity Fair“ ein General-Interest-Magazin. Wir sind nicht festgelegt, auf das, was man „People“- oder „Celebrity-Journalismus“ nennt. Wir wollen interessante Menschen und Prozesse über Menschen zeigen. Nehmen Sie zum Beispiel die sogenannte „Green Issue“ von „Vanity Fair“ in Amerika. Da geht es um Ökologie und Klimawandel, um Al Gore und Julia Roberts. Mit einer solchen Mischung gelingt es „Vanity Fair“ bei der handelnden Gesellschaftsschicht Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wir haben jetzt die Möglichkeit, das in Berlin zu kreieren. Es gibt das Streben, sich zu orientieren und sich zu engagieren. Ganz verschiedene Individuen nehmen plötzlich zentrale Rollen ein, die sogenannten „role models“. Die tauchen bei uns auf."

"Prinzipiell" hat der Herr also keine Prinzipien, und wenn, dann finden die sich beim "Engagieren", "Kreieren" und in der Nähe von "Role Models". Soviel Wollen macht schon Eindruck auf die Elite. Ich sehe sie schon dichtgedrängt am Kiosk stehen. Und - wem ist es aufgefallen? Er hat die Frage nach deutschen Vorbildern mit amerikanischen beantwortet!! Und bringt dann - man kann es nicht oft genug wiederholen TIL SCHWEIGER als Vorbild für die deutsche ELITE auf den Titel.

Was hier noch folgt, sind vollkommen überflüssige Schmähungen des ebenfalls vor wenigen Tagen frisch gelaunchten Titels "Park Avenue". Ob wir wirklich immer die Magazine bekommen, die wir verdienen? Ich hoffe nicht.

Schlußendlich bleibt das Bild eines großen Trauerspiels. Zu einem Abverkaufspreis von 1 Euro will Condé Nast mit Till Schweiger die neue Elite des neuen Deutschland erreichen. Viel Erfolg dabei!

Den Konkurrenten Park Avenue übrigens kann man gegen einen 60-Euro-Gutschein für 60 Euro im Jahr abonnieren. Magazinjournalismus braucht sich nicht länger mit kostenlosem Content im Internet selbst zu kannibalisieren. Die verschenken ihr Produkt jetzt auch in Blattform.

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Gemeinsam

Veröffentlicht am 8. Februar 2007 um 9:35 Uhr von Mark Pohlmann

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Immer wieder: Apple. Aber was hilft´s? Dieses Unternehmen, selbst mit dem Geburtsfehler eines nicht offenen Systems ausgestattet, zeigt fast wöchentlich dem Rest der Welt, wie Solidarkampagnen funktionieren. Und sie funktionieren immer nach demselben Prinzip. Sich mit den Kunden gemein machen.

Diese Woche im Angebot: Apple verbündet sich mit seinen Kunden gegen die böse Musikindustrie und verlangt das Ende kopiergeschützter Musikdateien ("DRM"). Der firmeneigene Internet-Musikshop iTunes ist der mit Abstand absatzstärkste weltweit. Bis Ende 2006 sind 2 Milliarden Songs, 50 Millionen Folgen von TV-Serien und 1,3 Millionen komplette Filme heruntergeladen beziehungsweise verkauft worden (Quelle: heise.de). Es geht also um was.

Die Argumentation gegen DRM tut an dieser Stelle nichts zur Sache, hier geht es um Kommunikation. Und die setzt immer wieder auf Steve Jobs. Gestern noch als Toastmaster einer eineinhalbstündigen Apple-Show, heute in einem ausführlichen Brandbrief an die Musikindustrie, der publikumswirksam auch auf Apple.com prangt. Und es so in einfach alle tagesaktuellen Medien schafft.

Warum schafft Jobs, was andere nicht schaffen? Weil Jobs das Risiko einer offenen Diskussion eingeht, deren Ausgang niemand kennt. Und wenn er sie kennt, so ist die Ungewißheit jedenfalls pefekt simuliert. Denn niemand weiß, ob die Musikindustrie jemals bereit sein wird, auf den Rettungsanker DRM zu verzichten. Nach allem, was uns auf dieser Bühne bislang vorgespielt wurde, sieht es dafür eher schlecht aus.

Jobs legt sich also mit seinen Lieferanten an und spricht damit seinen Kunden aus der Seele. Das hat nicht nur Unterhaltungswert, sondern ist der Schlüssel für eine unvergleichliche Loyalität seiner Kunden und den Neid der Besitzlosen.

Das alles würde nicht nur bei Steve Jobs und nicht nur bei Computern, Musikabspielern und Online-Shops funktionieren. Wer hätte überhaupt gedacht, daß es auch nur in einem dieser Segmente funktioniert? Es funktioniert, weil Apple Jobs hat, und Jobs Apple ist. Weil hier ein Unternehmen gründergeführt ist, der Chef sich mit seinem Laden und seinen Kunden identifiziert. Und diese Botschaft zu artikulieren versteht.

In der Wirtschaftsberichterstattung menschelt es nicht anders als in Vorabendserien. Das Zeug dazu hätten viele. Es gehört nur das bißchen Mut dazu, mit seinem Gesicht vor dem Wettbewerb zu stehen. Seit langem ein Kandidat wäre E-Plus. Der Mobilfunkanbieter zeigt seit zwei Jahren, wie verbraucherfreundliche Produkte aussehen. Allein, es fehlt das Gesicht dazu.

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Die besten Geschichten schreibt...

Veröffentlicht am 7. Februar 2007 um 15:38 Uhr von Mark Pohlmann

... das Internet. Oder die Neon über das Internet (aber nur im Heft).

Und zwar eine Familiengeschichte darüber, wie ein erfolgreicher Sohn seinen arbeitslosen, hochqualifizierten Vater einstellt. Es ist die Geschichte von Vater Jan Gadowski und seinem Sohn Lukasz unter dem Titel “Wer ist hier der Boss?”.

“In den Achtzigern war Jan Gadowski, 56, Mitglied der polnischen Arbeiterbewegung »Solidarnosc«. Als er keine Stelle fand, die seiner Ausbildung als Diplomingenieur angemessen war, floh er nach Deutschland. Seine Frau und die Kinder kamen nach. In Kassel arbeitete er sich hoch, wurde Abteilungsleiter in einem Betrieb für Dämmstofftechnik.

»Ich habe sehr viel Respekt vor meinem Vater, er ist ein mutiger Mann«, sagt Lukasz Gadowski. Der 28-Jährige kommt gerade von einer Geschäftsreise aus Amerika. 50 Angestellte hat seine Firma »Spreadshirt« dort, noch einmal 150 in Taucha und Leipzig. »Spreadshirt « bedruckt T-Shirts, die die Kunden im Internet selbst designen dürfen. Sie schreiben »FBI – Federal Beauty Inspector« oder »FC Schmalkalden« darauf. Das Geschäft läuft phänomenal.

Vor einem Jahr war Jan Gadowski arbeitslos, sein Sohn Lukasz rief aus Kentucky an. Was macht die Weiterbildung, fragte der Jüngere. Ein Job in Aussicht? Nein, aber viele Bewerbungen. Wie viele? Bestimmt sechzig, mein Sohn. Vater, willst du für mich arbeiten?”
Hier gefunden: First Media-Blog

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Das Geld fließt

Veröffentlicht am 6. Februar 2007 um 9:33 Uhr von Mark Pohlmann

Gestern war so ein Tag, wie ihn jeder PRler haßt: Der eigenen Meldung gesellen sich in wenigen Minuten munter ähnlich interessante hinzu. In diesem Falle sind alleine gestern drei Investitionen im Web 2.0-Umfeld bekanntgegeben worden. Die erste stammt von unserem Kunden Dawanda, für die beiden anderen können wir nichts ;-)

Spreadshirt beteiligt sich an DaWanda
Spreadshirt, die weltweite Kreativplattform für Kleidung, erwirbt eine Minderheitsbeteiligung am Online-Marktplatz DaWanda. DaWanda ist ein im Herbst 2006 gestarteter Internetdienst, über den professionelle Kunsthandwerker und ambitionierte Privatpersonen selbst gefertigte Produkte vertreiben. Der Einstieg sichert Dawanda den Zugang zu derzeit 160.000 aktiven Shoppartnern von Spreadshirt. Unter Sozeug.net betreibt Spreadshirt ein ähnliches Projekt. Spreadshirt gibt Sozeug auf und bietet den dortigen Händlern an, zu DaWanda zu wechseln.
Interview mit Dawanda-Gründerin Claudia Helming

European Startup Plazes Raises €2.7 million
Plazes, which is based in Zurich and Berlin, is announcing its first institutional round of financing this morning. They raised €2.7 million, or about $3.5 million, from Doughty Hanson Technology Ventures.
Quelle: Techcrunch


Hitflip übernimmt britische Tauschbörse

Die Online-Tauschbörse für Medienprodukte Hitflip, Marktführer in Deutschland und Österreich, übernimmt mit sofortiger Wirkung das britische Tauschportal für CDs, DVDs und Games SWOPEX. Nach dem organischen Markteintritt in Österreich gelingt Hitflip damit erstmals die gezielte Übernahme eines Wettbewerbers.
Quelle: Businessportal24

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Google: Soziale Netzwerke bleiben "heiß"

Veröffentlicht am 5. Februar 2007 um 14:07 Uhr von Mark Pohlmann

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Marissa Mayer, fotografiert von HBM Marcom auf dem DLD07

Wohl der Branche, die eine Marissa Mayer hat. Klug, ehrgeizig, eloquent, visionär. Und jung. Und hübsch. Und gut, daß sie bei Google ist. Und daß sie so kluge Sachen wie folgende der FAZ erzählt.

Soziale Netzwerke bleiben beste Idee im Netz

Google orientiere sich daher auch an der Arbeitsweise der Start-ups. "Die Mehrheit der guten Ideen kommt zurzeit von den Start-ups. Wir haben darauf reagiert. Unsere Entwicklerteams sind sehr klein und sollen wie ein Start-up arbeiten. Sie fühlen sich auch so. Und wir haben viel mehr Teams als früher. Meine Arbeit ist aber etwa gleich geblieben - Produkte früh und oft zu launchen", sagt Mayer.

Die heißeste Idee im Internet sind für sie weiterhin die sozialen Netzwerke. Von mobilen Anwendungen ist die dagegen enttäuscht. "Welche wirkliche Innovation gab es in den vergangenen Jahren auf dem Mobiltelefon? Im Internet gab es MySpace oder Youtube, ein Dutzend großer Ideen. Große Geschichten auf dem Handy gab es nur wenige. Erst die Satellitennavigation GPS wird einen Innovationsschub bringen. Oder das Apple iPhone", erwartet Mayer.

Mein Reden: Das Internet ist ein Massenmedium, das funktioniert. Und zwar am besten dann, wenn man dessen Möglichkeiten im besten Sinne seiner Kunden einsetzt. Hierfür sind große Teams weniger nötig als kompromißloses Dienstleisterdenken. Wie gut, daß Marissa Mayer den richtigen Ton für diese Wahrheit findet. Und natürlich sehr interessant zu sehen, daß Google dort seine Zukunft sieht, wo es selbst die größten Schwächen hat: Bei der Abbildung sozialer Beziehungen. Goolge kann vielleicht Suche, Anzeigen, Mails, Bilder und jetzt auch Videos ganz toll ausliefern. Aber der Human Touch, der fehlt noch.

Das ganze Portrait lesen

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Die Zukunft des Marketings: Brandroom

Veröffentlicht am 2. Februar 2007 um 10:03 Uhr von Mark Pohlmann

Anfang der Woche lud das Gottlieb Duttweiler Institut aus Zürich ein paar kluge Köpfe ein, um gemeinsam über die Zukuft des Marketings nachzudenken. Das Ergebnis ist eine Mindmap, die demnächst in einer Sonderausgabe des auch ansonsten grandiosen GDI Impuls vorgestellt wird. Meine Eitelkeit kann an dieser Stelle nicht verhehlen, daß auch ich dieser Runde beiwohnte.

Hier habe ich das erste mal von Brandrooms erfahren. Mit ihnen werden Unternehmen den stark steigenden Anforderungen an Echtzeit-Kommunikation begegnen.

Brandrooms sind die Antwort auf die Newsrooms der tagesaktuellen Medien. In Newsrooms sitzen alle Redakteure aus allen Ressorts und Formaten in einem großen Raum. Neue Themen werden nach Aktualität und Aufwand vergeben. Es gibt keine Print- oder Online-Redakteure mehr. Alle bedienen alle Kanäle. Das heißt, daß ein und derselbe Redakteur erst eine kurze Nachricht im Online-Ticker absetzt, bevor er sich an das Verfassen eines ausführlicheren Berichtes für die "Dead-Tree-Edition" (vulgo: Zeitung) macht. In Zukunft, wenn der Bürgerjournalismus eine Rolle spielt, werden in die Nachrichtendynamik auch externe Quellen wie Blogs oder Foren einbezogen. Das heißt, der Redakteur wird vor allem an der Qualität seiner Beiträge gemessen und weniger an seiner Zugriffshoheit zu den Publikationskanälen. "The Medium is the Message" gilt dann nicht mehr. Wir haben das Ende eines fast hundert Jahre währenden Paradigmas vor uns.

Auf das Marketing übersetzt heißt das: In einem Brandroom kontrollieren nicht mehr die klassischen Markenkommunikateure mit dem Zugriff auf siebenstellige Budgets die Themen, sondern die Welt da draußen: Kunden, Medien, Mavens. Im Brandroom laufen alle Informationen zusammen: Der Erfolg einer TV-Kampagne, die Umsatzzahlen, die Nachrichtenlage, das Monitoring von Blogs und Wettbewerb. Wenn nötig, kann aus dem Brandroom heraus sofort auf aktuelle Anforderungen reagiert werden: Wenn der Börsenkurs sinkt, das Produkt des Konkurrenten am Pranger steht oder Blogger den eigenen CEO in aller Öffentlichkeit sezieren. Erstmals spielt auch hier nicht mehr die Hoheit über einen Medienkanal, sondern die fachliche Kompetenz im Mittelpunkt. Hier werden wahrscheinlich erstmals Art-Direktoren, Community-Manager, Produkt-Manager und Presseleute wirklich zusammenarbeiten. Der Brandroom ist das architektonische Aus des seit Generationen praktizierten Silodenkens.

Das bedeutet aber auch, daß Unternehmen zuerst verstehen müssen, daß Kampagnen nicht länger mehr aus der Führungsetage planbar sind. Auf dem GDI-Workshop war diese Erkenntnis zwar nicht sonderlich beliebt, aber das erwartete Zukunftszenario. Nicht mehr die Frage, ob wir den Kontrollverlust wollen steht zur Diskussion - dies haben die Kunden beantwortet, indem sie lieber auf Myspace chatten als RTL zu schauen. Es geht darum, wie man ein Mindestmaß an Kontrolle in diesen Kontrollverlust hineinbekommt. Erst wer in der Lage ist, die Themenhoheit loszulassen, wird auch wieder in den Ich-Universen der Kunden wahrgenommen.

Die Idee der Brandrooms kam übrigens von Christopher Peterka von der Markenberatung Gannaca. Ich bin gespannt, wann wir die ersten wirklichen Brandrooms und ihre Wirksamkeit zu sehen bekommen.

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Ich hätte gerne die neue Pohlmann...

Veröffentlicht am 1. Februar 2007 um 18:05 Uhr von Mark Pohlmann

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Ist schon komisch, bei Saturn zu stehen und zu fragen, "wo ist denn die neue Pohlmann"?

Nein, wir sind weder verwandt noch verschwägert, aber so eine Namensverwandtheit weckt natürlich solidarische Gefühle. Und wenn man dann eine CD von einem Sänger gleichen Namens kauft fühlt man sich in etwa so wie ein Manager, der die CDs seines Schützlings kauft, um die Scheibe in den Charts nach oben zu bringen.

Was ich eigentlich sagen wollte: Mir gibt es ja zu denken, daß man es überhaupt mit diesem Nachnamen ins Showbiz bringen kann. Aber wenn Kylie geht, warum nicht auch Pohlmann? Und der Vorname (Ingo) macht die Sache ja auch erst so richtig rund.

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