Züchtet Kleinvieh!

Veröffentlicht am 30. März 2007 um 12:38 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

Heute frisch in der Post: GDI IMPULS Frühling 2007, Wissensmagazin für Wirtschaft, Gesellschaft, Handel. Der Titel: "Züchtet Kleinvieh! Warum Sie mit Nischenprodukten größeren Erfolg haben als mit Massenware."

Im Artikel "Der Kunde als Produktvorteil" erklärt Mark Pohlmann, wie Unternehmen mit Mavens, einer Mischung aus Experten und Meinungsführern, die Meinungshoheit über ihre Marken wiedergewinnen können.

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Ferien auf dem Themenblog

Veröffentlicht am 27. März 2007 um 11:06 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

Meldung in eigener Sache:

Die Sonne scheint - und der Themenblog macht eine Woche Pause.

Ab 2. April starten wir wieder durch.

Bis dahin beste Grüße von den Themenbloggern!

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Warum man Mist treu bleibt. Heute: Nokia e61

Veröffentlicht am 21. März 2007 um 10:51 Uhr von Mark Pohlmann

nokiae61.jpg

Ehrlich gesagt, das Nokia E61 ist wirklich nicht gut. Mist sozusagen. Aber ich werde es dennoch behalten. Warum, steht ganz unten. Hier erstmal die Pros und Cons.

Was nicht funktioniert:
- Akkulaufzeit. Bei intensiver Nutzung (Mail, Telefon, Internet) unter sechs Stunden.
- keine konstante Blackberry-Funktion. Irgendwann lädt das Gerät keine Mails mehr, obwohl die Funktion eingeschaltet ist. Da hilft nur Neustart.
- schlechte Telefonfunktionen: Die Liste der "Anrufe, die nicht angenommen wurden" wird unzverlässig gepflegt. Wenn ich wissen will, wer angerufen hat, muß ich meine Mailbox abrufen.
- Aufnahme-Taste. Wie oft komme ich gegen diese Taste am Tag? Fünfmal? Zehnmal?
- Grottenschlechte Dateiverwaltung. Ich habe ein paar Dateien mal auf das Gerät geladen und nie wiedergefunden. Weg.
- Überhaupt schlechte Software & Bedienfreundlichkeit. Meine Erwartung, daß Symbian ausgereift ist erweist sich als schlichtweg falsch.
- Nochmal: Ganz schlechter Software-Mix. Nokia, Symbian, T-Mobile und Blackberry - da kann nur Mist rauskommen. Und so ist es auch. Wie kann ich die W-Lan-Funktion einstellen? Keine Ahnung. Wo die Schnellstartsymbole für den Desktop ändern? Einmal erklärt bekommen, gemacht und nie wiedergefunden.
- Kein USB, kein Kopfhörereingang. Immer dieser proprietäre Murks. Ich hasse es.
- Labberiger Joystick. Man gewöhnt sich dran. Aber schön ist was anderes.
- Das glaubt niemand, der das Gerät nicht kennt: Es gibt KEINE AUTOMATISCHE Tastatursperre! Ein Nokia ohne automatische Tastatursperre hat es das letzte mal glaube ich kurz vor der Maueröffnung gegeben.

Was gut funktioniert
- Formfaktor. Das schönste, flachste und funktionalste Gadget-Design für ein Tastaturhandy. Genau richtig. Das Backblechgefühl am Ohr war nach zwei Tagen vorbei. Paßt in die Hosentasche und ins Sakko. Faßt sich gut an.
- Das riesige, helle und scharfe Display. 480x320 Pixel. Und jetzt kommst du.
- Gnadenlos guter Browser. Ich blogge damit, mache Online-Banking und lese Wikipedia.
- Funktioniert via Bluetooth und Kabel als UMTS-Modem für das Notebook. Und es geht wirklich - wenn man erstmal mit dem Telekom-Service telefoniert hat.
- Es ist kein Blackberry. Unsexiest ever.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich sehe kein besseres da draußen. Oder bin ich blind?

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Du weißt, dein Blog-Programm ist schlecht ...

Veröffentlicht am 19. März 2007 um 20:41 Uhr von Mark Pohlmann

.. wenn es täglich tausende Spam-Kommentare nicht erkennt, du deine eigenen Kommentare dafür immer wieder freischalten mußt, weil sie im Spam-Filter landen.

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Schönes neues Schlagwort

Veröffentlicht am 19. März 2007 um 15:36 Uhr von Mark Pohlmann

Karma Kapitalismus

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Mitgliederblähungen

Veröffentlicht am 19. März 2007 um 10:13 Uhr von Mark Pohlmann

Wenn ich einen Artikel wie diesen lese, weiß ich, daß das Web 2.0 Blähungen hat. Es wird kommen wie im Web 1.0: Eine wirklich gute Idee wird erst dann richtig gut, wenn die ganzen Übertreiber sich wieder einen anderen Spielplatz zum Austoben gesucht haben, und die, die an die Sache glauben, in Ruhe ihren Job machen können. Wir sind noch weit davon entfernt, daß das Mitmachweb ein Massenweb ist, in Deuschland noch viel mehr als in Amerika. Noch sind wir im Info-Elite-Web. (Siehe dazu auch die DLD-Schlußbetrachtung)

Whew. Looks like the popular claim that MySpace has 100,000,000 users is hot air. More than 50% can’t even bother to visit again after a month. Based on assuming that type 5 and type 6 are the real ‘users’ of MySpace, it turns out that MySpace really has roughly 43,000,000 users. Very unscientific? Yep. More accurate than the 100,000,000 myth? Damn straight. The 100,000,000 number is inflated by 133%. Weiterlesen
(Link gefunden bei Indiskretionen Ehrensache)

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Zweitleben für Ewiggestrige

Veröffentlicht am 16. März 2007 um 18:05 Uhr von Mark Pohlmann

Wie sagt man so schön? "Couldn't agree more." Mario Sixtus´ Einschätzung zu Second Life.


"... Das Auftauchen von Second Life muss zu einem kollektiven Aufatmen in den Marketing-Abteilungen dieses Planeten geführt haben. Endlich kann man auch im Internet so weitermachen, wie in der guten alten Zeit vor dem Internet. Man kann Plakate aufstellen, Filialen eröffnen, Werbespots auf riesigen Leinwänden ausstrahlen und sogar Verkaufspartys veranstalten. Toll. Ganz, wie damals. Das beste: Sogar die Presse hat man endlich wieder auf seiner Seite. Die Eröffnung eines Zeitschriftenladens in Bad Salzuflen ist wahrscheinlich noch nicht mal der dortigen Lokalzeitung eine Notiz wert, stellt "Vanity Fair" hingegen einen einsamen Zeitungskiosk in Second Life auf, verbreiten die Agenturen das brav als Nachricht – selbstverständlich inklusive Bild, das ebenso selbstverständlich nicht auf die allgegenwärtigen, vollbusigen Avatar-Statistinnen verzichtet.


Das einzig Dumme an der Sache: Second Life befindet sich ebenso wenig "im Internet", wie Bad Salzuflen. Second Life ist ein Biotop, eine abgeschlossene Blase, die das Netz lediglich als Datentransportweg nutzt. Man könnte meinen, der Betreiber Linden Labs hätte Second Life als Beruhigungsmittel für Zukunftsscheue entwickelt: Zu guter Letzt ist das Leben im Netz auch für jene zu begreifen, die das Netz selbst nie begriffen haben. Second Life ist somit die letzte Bastion des 20-ten Jahrhunderts. Ein Asyl für Ewiggestrige und Veränderungsverweigerer. Die Zukunft sieht anders aus."
(Gefunden bei turi2)

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Symbolmarketingkampagnen

Veröffentlicht am 16. März 2007 um 9:59 Uhr von Mark Pohlmann

Nur 3 Prozent vom Umsatz gibt Kärcher für Marketing aus, und davon wieder fließt das wenigste in klassische Werbung. Stattdessen schickt Kärcher regelmäßig Putztruppen zu den historischen Monumenten in aller Herren Länder. Die Christusstatue in Rio de Janeiro wurde bereits vom Schmutz befreit, die Säulen am Petersplatz in Rom und die Köpfe amerikanischer Präsidenten am Mount Rushmore - und stets fanden die Aktionen internationales Medienecho.

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Corporate Blogging ist tot?

Veröffentlicht am 15. März 2007 um 11:13 Uhr von Mark Pohlmann

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Auf dem Bild: nugg.ad-Gründer Stephan Noller in seinem ersten Leben.

Robert Basic hatte sich vor einigen Wochen bereits mit dem Thema beschäftigt, daß bloggende Unternehmen schnell frustriert davon sind, daß Aufwand und Reichweite in keinem vernünftigen Verhältnis stehen. Wer wochenlang liebevoll Artikel um Artikel schreibt und dabei vielleicht ein, zwei Dutzend Leser am Tag gewinnt, der fragt sich schon, ob er die Zeit nicht sinnvoller investieren kann.

Solange handwerkliche Regeln berücksichtigt werden (die wichtigste: Es bloggen immer Menschen, nie Unternehmen), gibt es aber keine Alternative zum Bloggen. Nirgendwo sonst im Corporate-Publishing-Universum kann eine solche inhaltliche Intensität wie in einem Blog hergestellt werden. Verarbschieden muß man sich allerdings vom Traum einer großen Reichweite. Nicht möglichst viele, sondern genau die Richtigen zu bedienen ist das Ziel eines Blogs. Und wenn das 50 Personen sind, und diese den Blog lesen, ist alles erreicht. Wer es anders sieht, wird nicht lange durchhalten. Oder muß Horst Schlämmer engagieren.

Jetzt findet der Behavorial-Targeting-Dienstleister nugg.ad (Achtung, nugg.ad ist zwar Kunde von uns, aber gerade in dieser Sache vollkommen selbständig agierend) eine adäquate Antwort auf das Problem.

Das neue nugg.ad Blog wird also Abschied nehmen von redaktionellen Prozessen und Publikationsplänen sowie überhaupt von jeglicher Form der Kontrolle. Ein paar nugg.ads werden also in Zukunft über den Alltag in einem spannenden Startup, der Homebase der weltbesten Relevanzmaschine berichten.

Herzlichen Glückwunsch von meiner Seite. Genau DAS ist Corporate Blogging.

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In der Nische gibt es keine Gewinner

Veröffentlicht am 14. März 2007 um 20:08 Uhr von Mark Pohlmann

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Must read: Frank Patalong auf Spiegel Online über die Zukunft des Journalismus im Zeichen des Internets.

In einem immer weiter zersplitterten Markt verlieren fast alle Konkurrenten an Reichweite, Einfluss und Umsatzmöglichkeiten. Zumindest in den USA scheint die Zeit vorbei, über einzelne mediale Kanäle noch Massen erreichen zu können. Wo die Hörer-/Nutzer-/Leser-/Zuschauerzahlen nicht sinken, stagnieren sie zumindest - Online eingeschlossen.

Für die Medienhäuser ergeben sich aus all dem weit reichende Konsequenzen. Die Verwerfung des Medienmarktes ist - zumindest in den USA - vor allem eine Umverteilung, bei der es keine Gewinner gibt. Nische ersetzt Masse, und tatsächlich sind die einzigen Medien, die in jeder Hinsicht boomen, echte Nischenangebote: Spanische Zeitungen zum Beispiel. Den Traum, durch massive Investments neue Märkte okkupieren zu können, geben die großen Medienhäuser offenbar auf. Statt große Megamarken aufzubauen, basteln sie an kleinen Lösungen für ein vielfältig zersplittertes Publikum.

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Auf dem Weg

Veröffentlicht am 14. März 2007 um 10:03 Uhr von Mark Pohlmann

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Bei den Verlagsangeboten im Internet kristallisiert sich der Paradigmenwechsel zwischen alter und neuer Wirtschaft zuerst - kaum ein anderes Produkt ist so gut digitalisierbar wie eine Nachricht. Und die Medienwelt nimmt den Fehdehandschuh des "Mitmach-Webs" derzeit entschlossen auf. Indem sie selbst ausführlichst darüber berichtet, über die Konsequenzen von Blogs & Co. öffentlich nachdenkt und die partizipativen Möglichkeiten des Mediuems Stück für Stück selbst integriert. Wie auch im TAZ-Interview mit Katharina Borchert und Stefan Niggemeier deutlich geworden ist: Nicht einmal Blogger selbst sehen sich als Alternative zum Medienbetrieb, sondern als eine komplementäre Erweiterung.

In den letzten Wochen haben u.a. Die Welt, Süddeutsche und Focus ihre Online-Ableger aktualisiert. Bei allen stand im Mittelpunkt, den hauseigenen Journalismus zu stärken und gleichzeitig das veränderte Medienverhalten zu integrieren. Leser wollen mehr Mitmachen, so die vorherrschende Einsicht. Von partizipativen Medien ist man bei allen Dreien aber noch ein Stück entfernt.

Ein kurzer Blick auf den meiner Ansicht nach gelungensten Relaunch, der von Focus, zeigt, was Verlage sich derzeit trauen - oder eben auch nicht. (hier werden alle Änderungen vorgestellt.) Die Optik und Struktur wurde schon an anderer Stelle gelobt, dem schließe ich mich gerne an. Vielleicht doch eine kleine Mäkelei: Wie oben auf dem Screenshot zu sehen, wirkt die Werbefläche bei Rundum-Anzeigen (sogenannte "Wallpaper" oder "Hockey-Sticks") zu dominant. Aber was hilft´s, hier wird das Geld verdient, das Lesen ist für den Leser eben kostenlos.

Bleibt das Thema Mitmachen. Allem voran: Ja, zu jedem Artikel sind Kommentare zugelassen, und ihre Anzahl prangt direkt neben der Überschrift. Doch ist immer nur ein Kommentar je Artikel sichtbar. Sind es mehr, werden sie per Link weit aus dem journalistischen Bereich ausgelagert. "Über unsere Themen sprechen, immer gerne, auch gerne bei uns im System, aber bitte nicht direkt bei unseren Texten", schallt es einem entgegen. Das finde ich sehr schade, weil es die Dynamik einer Meldung bremst, und gerade die Diskursqualitäten bei Verlagen eigentlich gut aufgehängt sein sollten. Mehr Mut an dieser Stelle bitte.

Blogs sind bei Focus Ehrensache, derzeit sind es 11 Blogs von Politikern wie Oswald Metzger, Silvana Koch-Mehrin und einigen Focus-Redakteuren. Bei einigen wird durchaus rege kommentiert, die Schlagzahl der Publikationen kann als regelmäßig bezeichnet werden.

Wichtigste inhaltliche Änderung an dieser Stelle ist, daß das Schlagwort "Community" durch den Relaunch jetzt in jeder der 12 (!) Rubriken auftaucht, der Klick darauf aber nicht zu einer zentralen Hauptgemeinschaft führt, sondern zu einem Kommentarbereich innerhalb des vorab gewählten Ressorts. Hier werden auch die Promi-Blogs einsortiert. Ebenso findet sich zu jedem Thema (meist werberelevantes wie Gesundheit, Finanzen oder Auto) ein eigenes Forum, in dem die Leserschar wieder unter sich ist und über Handy-Tarife oder Autotuning spricht, je nachdem, wo man sich gerade inhaltlich aufhält. Diese Segmentierung ist durchaus gelungen, macht das Angebot selbst aber auch wieder unübersichtlich, weil ein und derselbe Inhalt mehrfach auftaucht. Das war's auch schon in Sachen Partizipation, oder habe ich etwas übersehen?

Zusammenfassend bleibt für mich der Eindruck, daß die großen Print-Verlage wie SZ, Burda und Springer durchaus verstehen, worauf es für sie in Zukunft ankommt, sie sich aber Zeit lassen, bis sie sich voll auf partizipative Medien einlassen. Diese Vorsicht mag man aus Gründen des Unternhaltungswertes bedauern, sie nährt sich aber aus dem verständlichen Mißtrauen gegenüber der chaotischen Welt da draußen.

An dieser Stelle endet dann aber auch mein Verständnis. Neben der Lust am eigenen Inhalt beginnt im Zeitalter des Web 2.0 eben auch die Sorge um den von außen beigesteuerten. Zum eigenen Wohl. In einer Welt millionenfacher Informationsquellen ist nicht mehr der Content, sondern der Context der große Differenziator. Hier können die richtigen Nutzer Verlagen einen entscheidenden Mehrwert schaffen, der schon aus ressourcegründen intern nicht zu bewältigen ist. Und wir werde es erleben: Schon bald geht es nicht mehr nur darum, die spannendsten Köpfe des Landes zu portraitieren, sondern diese gleich sinnvoll in das eigene Ökosystem einzubauen. Der Kampf um die besten Talente ist auch einer für die Verlage. Und nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch bei den Lesern und damit bei potentiellen Co-Autoren.

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Warum sich Geschichte (im Internet) nicht wiederholt

Veröffentlicht am 12. März 2007 um 17:25 Uhr von Mark Pohlmann

Ein vor der Wiederholung von Fehlern mahnender Paulus Neef veranlaßt mich dazu, doch nochmal die Unterschiede zwischen Hype 1.0 (die Erstkommerzialisierung des Internets 1996-2001) und Web 2.0 (die zweite Welle seit 2004) aufzulisten.

1. Vom Technologieträger zum Infrastrukturmedium
Vor 10 Jahren waren rund 3 Prozent der Bevölkerung online, heute sind es um die 70. Die Nutzungzeit hat sich seither verzehnfacht. Das Internet wird pragmatisch für die eigenen Interessen genutzt und nicht fassungslos angegeglotzt. Eine Technik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

2. Gründer statt Berater
Vor zehn Jahren verließen Konzernmanager und Unternehmensberater ihre gutdotierten Posten und gründeten eigene Internet-Start-ups. Die meisten von ihnen hatten nur den Börsengang im Sinn, verdammt viele schafften ihn, werkelten dann noch ein paar Jahre vor sich hin und überließen die Verantwortung anderen. Die wichtigsten Gründer im Web 2.0 haben alle zu Zeiten gegründet, als keiner einen Pfifferling mehr gab für Internetunternehmen. Sie haben sich den Erfolg nicht an der Börse erkauft, sondern am Markt erarbeitet. Die meisten haben erst sehr spät Finanzierungsrunden bekommen, einfach, weil es ihnen anfangs schlicht an Masse fehlte.

3. Investoren statt Kleinanleger

Den atemberaubenden Kurszuwächsen konnten Millionen Kleinanleger nicht widerstehen - und versäumten, rechtzeitig aus den hoch bewerteteten Aktien des Neuen Marktes auszusteigen. Das Geld hat jetzt ein anderer. Heute werden Start-ups mehrheitlich von geschlossenen Fonds oder Unternehmen finanziert, die das Risiko besser einschätzen können und einen viel direkteren Zugriff auf Strategie und Management eines Start-ups haben. Der Finanzmarkt ist für Gründer viel weniger öffentlich inszeniert als noch vor einigen Jahren.

4. Verzicht auf teure Werbung
Erinnern Sie sich noch an 500-Seiten-dicke Magazine vor der CeBIT? Darin wurde das Anzeigengeld der New-Economy versenkt. Heute gilt der Spruch: Wenn es Werbung braucht, ist es kein Web 2.0. Alle erfolgreichen Geschäftsmodelle im Web 2.0 haben sich viral durchgesetzt, nicht durch Anzeigenstrecken.

5. Funktionierende Geschäftsmodelle

Ach, wo wir gerade beim Geld sind. Auch Anwendungen ohne eigenes Erlösmodell haben eine knallharte Währung: Reichweite und Aufmerksamkeit von klar strukturierbaren Zielgruppen, oder simpel ausgedrückt: Werberelevanz. Werbung als Geschäftsmodell funktioniert im Web 2.0 genauso wie Abomodelle. Und anders als vor 10 Jahren besteht der Kern der eigenen Wertschöpfung in der Kundenbindung ganzer Milieus (die Hälfte aller Studenten ist in StudiVZ organisiert), nicht im Abverkauf von austauschbaren Produkten.

6. Flexibilität
Die E-Commerce-Systeme der ersten Generation waren die Dickschiffe des Internets. Heute sind Internetsysteme zu einem Bruchteil der Kosten und in signifikant kürzerer Zeit errichtet, die Weiterentwicklung offener. Wenn sich der Markt ändert, verändern sich die Anwendungen einfach mit. Technik und Budget sind keine limitierenden Faktoren mehr.

7. Wettbewerb statt Monopol
Der vielleicht wichtigste Punkt: Der Markt ist reif für innovative Anwendungen, weil die kritische Masse erfahrener Nutzer längst erreicht ist. Jeder kann sich mit seiner Idee ausprobieren. Möge der Beste gewinnen, nicht der mit dem meisten Geld. Die Nutzer wollen intelligente, radikale Services, keine Monopolisten mehr. Die Kehrseite: Spreadshirt-Gründer und Investor Lukasz Gadowski sprach bei dem Gründergespräch Social Commerce bereits vom "Geschäftsidee-Spam".

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Öffentliche Bekenntnisse eines Web-1.0-Stars

Veröffentlicht am 12. März 2007 um 16:11 Uhr von Mark Pohlmann

Der erste Internetstar hierzulande war ein Berater - ich glaube, schon das wäre heute gar nicht mehr möglich. Jetzt "packt er aus". In der letzten Brandeins (die mit einem Monat Verzug jetzt kostenfrei online abrufbar ist).

Das bisherige Wirken in einem Satz: Er war früh dran, spielte schnell mit den Mächtigen des Landes, hat zuerst viel Geld verdient und zuletzt viel Geld verbrannt, lief danach lange als Visionär ziemlich unbeachtet durch die Gegend und erfährt heuer dank seiner Offenheit seine erste große öffentliche Rehabilitierung. Weil er warnen möchte. Vor Schicksalen wie seinem. Denn der Berater und Börsenstar war eigentlich Opfer seiner (Finanz-)berater. Sein Name: Paulus Neef. Aber lesen Sie selbst.

Sechs Jahre später war Neef ihr Sündenbock. Und was damals geschah, sagt er heute, „wiederholt sich gerade: Es werden Fehler auf allen Ebenen im Web 2.0 wieder gemacht. Der Kapitalmarkt ist extrem und unfassbar. Die, die damals ,Increase your market share!‘ geschrien haben, sind heute wieder da“. Wer das ist? „Die ganzen sogenannten seriösen Triple-A-Banken, die am ersten Hype prächtig verdient haben und jetzt den zweiten Knall vorbereiten. Und sich wieder zeitgerecht aus dem Staub machen.“ So wie 2001.

Neef erzählt, wie seriöse Banker und Manager ihn, den Musterknaben der Branche, dazu drängten, privates Kapital für schnell zusammengeschusterte Internet-Klitschen aufzutreiben. Neef gab dem Druck nach. Er überzeugte Kapitalgeber, viele davon Freunde, alte Bekannte, Geschäftspartner. Dann standen die Start-ups: „Das hatten wir geschafft – und als der Laden fertig war, kam einer dieser seriösen Banker zu mir und sagte: ,Paulus, wir haben eine neue Policy: Get out!‘ Ich dachte, mich trifft der Schlag: Ich hatte Freunde und Bekannte monatelang dazu überredet, mitzumachen, und dann kommt der Kerl und sagt, wir gehen raus, ganz ruhig, wir ziehen jetzt ab.“

Abgesehen davon, daß es im Web 2.0 fast keine Börsengänge, sprich Kleinanlegers Geld für Start-ups gibt, mag ja vieles von Neefs Einsichten stimmen. Aber für mich unvergessen ist vor allem die 12 Seiten lange Anzeigenstrecke im Spiegel wenige Tage vor dem Börsengang von Pixelpark. Dort wurden die ruhmreichen ersten fünf Jahre von Pixelpark (zur Erinnerung: wir schreiben das Jahr 1999) Revue passiert und so das Finale, die zwölfte Seite, vorbereitet, auf der folgender Satz prangte, hineingeschrieben in einen gemalten Seeadler über einem tosenden Atlantik (so siehts jedenfalls in meiner Erinnerung aus, hat jemand das Original?)

"Ja, ich kann mir vorstellen nach Amerika zu gehen" (Pixelpark-Gründer Paulus Neef, 1999).

Ja, und das tat er, er verbrannte hüben wie drüben viel Geld - und scheiterte. Warum auch immer, das soll hier nicht die Frage sein. Nur daß er jetzt als unschuldiges Opfer seines eigenen Expansionsdrangs dargestellt wird, geht mir zu weit. Im Web 1.0 war einfach viel zu viel Großmannsucht dabei, als daß sich jetzt das Scheitern auf die Finanziers der Blase reduzieren ließe.

Achja: Der Artikel in der Brandeins heißt "Elementarteilchen", stammt aus der Feder von Wolf Lotter, und ist wie immer, wenn sich die Brandeins über die Zukunft des Digitalen ausläßt, trotz (oder wegen) derartiger Parteinahmen überaus lesenswert.

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Next07: Vielfalt ist kein Selbstzweck

Veröffentlicht am 7. März 2007 um 22:10 Uhr von Mark Pohlmann

Es gibt so viele Trends im Web 2.0, daß einer fast aus dem Fokus geraten ist: Der Trend zu mehr Qualität. Wann aber verbessern Partizipation, Self-Media und Mash-ups eigentlich ein Produkt? Die Antwort kann nur heißen: Wenn es hierdurch professioneller wird.

Web 2.0 heißt in seiner Konsequenz dann aber eben nicht "jeder darf mal", sondern "viele machen viel mehr möglich". Die Erwartung an Qualität ordnet sich dennoch nicht der Beliebigkeit derjenigen unter, die gerade Lust haben mitzumachen. Daß alle mitmachen können bedeutet noch lange nicht, daß sie das auch sollen. Vielfalt ist kein Selbstzweck.

Was ist der Mehrwert der Partizipation, was ist ihr Preis? Diese Frage wird uns am 3. Mai 2007 beschäftigen, wenn wir zum zweiten Mal unsere Web-2.0-Konferenz Next07 ausrichten. Hier wird es darum gehen, wann Partizipation das Vorhandene zuverlässig verbessert anstatt, wie von vielen befürchtet, den Schnitt zu senken. Wir alle, die wir an Mitmachprojekten arbeiten, kommen um den unbedingten Willen zur Qualität (was auch immer diese nun wieder sein mag) nicht vorbei, denn am Ende der Verwertungskette steht immer ein Endkunde mit der vollen Auswahl: Zum Mitmachen, Konsumieren oder Wegzappen.

Und wir sind wirklich stolz, einige der interessantesten Vordenker der digitalen Wirtschaft gewonnen zu haben, um Antworten auf unsere Fragen zu finden (und die Referentenliste ist noch nicht am Ende, es kommen noch ein paar dazu.). Mit dabei werden auf jeden Fall sein:

Philipp Schindler (Google)
Norbert Bolz (TU Berlin)
Bernd M. Michael (Grey)
Katharina Borchert (WAZ)
Tobias Trosse (Televised Revolution)
Andreas Gerber (X-aitment)
Rowan Barnett (Avastar)
Stefan Glaenzer (LastFM)
Lukasz Gadowski (Spreadshirt)
Nils Müller (trendone)

Alle Details zu den Referenten hier. Das genaue Programm, Zeiten und die Titel der Vorträge werden wir in den nächsten Tagen vorstellen.

Ich jedenfalls freue mich schonmal auf einen kontroversen Tag!

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Stille Post

Veröffentlicht am 7. März 2007 um 13:05 Uhr von Mark Pohlmann

Oft genug weitererzählt, wird aus einem Dienstleister schnell ein Teilhaber. So geschehen in der aktuellen Internet World zum Holtzbrinck-Dawanda-Deal. Das ist die richtige Originalmeldung auf excitingcommerce.de:

Für DaWanda läuft es gerade mehr als prächtig: Nach SinnerSchrader für die PR und Spreadshirt als strategischen Partner konnten die beiden Gründer Claudia Helming und Michael Pütz nun Holtzbrinck Ventures als Investoren gewinnen. Das hat Martin Weber von Holtzbrinck Ventures mittlerweile gegenüber ibusiness bestätigt.

Und das hat die Redaktion der Internet World aus der Information gemacht:

Selbstgemachtes kommt an: Nach Spreadshirt und Sinner Schrader hat sich nun auch Holtzbrinck Ventures an der Berliner Dawanda beteiligt. Über Dawanda verkaufen Künstlrer, aber auch Privatleute Selbstgemachtes. Während Spreadshirt seine vergleichbare Plattform sozeug.net in Dawanda einbrachte, beteiligte sich Holtzbrinck Ventures (...)

Ich konstatiere hiermit: SinnerSchrader ist nicht an Dawanda beteiligt, sondern wir (SinnerSchrader Online Conversations) machen die PR für Dawanda. Und das auch sehr gerne!

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Verlage als Diskursmaschine

Veröffentlicht am 6. März 2007 um 9:50 Uhr von Mark Pohlmann

Verlage, die ihre Nutzer nicht in die Erstellung, Einordnung und Bewertung ihrer digitalen Angebote einbinden, verlieren auf Dauer an Reichweite im Internet (...) Inzwischen hätte Web 2.0 gravierende Auswirkungen auf die Wertschöpfung der Medienunternehmen, da sich Softwarelösungen für die Erstellung der Inhalte (Wikis, Foto- und Video-Plattformen oder Blogs), die Einordnung der Inhalte (Tagging) und die Bewertung etabliert hätten. Damit sei es immer einfacher, größere Teile ursprünglich redaktioneller Aufgaben von den Nutzern erledigen zu lassen.

So zitiert Holger Schmidt eine Studie der Unternehmensberatung Timelabs in der FAZ von gestern.

"Wenige Medienunternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und sich an Web-2.0-Unternehmen beteiligt, zum Beispiel Holtzbrinck an StudiVZ oder Pro Sieben Sat.1 an MyVideo. Doch die strategisch gesündere - wenn auch unbequemere - Variante besteht in der Einbindung der Nutzer in die eigene Wertschöpfung", sagt Marc Ziegler, einer der Autoren der Studie.

In diesem kurzen Artikel steckt viel Sprengstoff für die Verlage. Die ersten Versuche, den Nutzer in das eigene Portal einzubinden, wirken noch sehr halbherzig. Keiner kann als Erfolg bezeichnet werden. Mir fallen da "diskutieren-Sie-mit-Formate" wie im Spiegel-Forum, Blogs alá Focus, Stern und Freundin ein und, schon besser, die Foto-Communitiy Stern View sowie die Readers-Edition, ehemals ein Projekt der Netzeitung.

Was noch überhaupt nicht stattfindet, ist die Einbeziehung der Leser in die Nachrichtenlage, man könnte auch neudeutsch von einem fehlenden Verständnis für Schwarmintelligenz reden. Noch immer sind die Formate fein säuberlich getrennt: Hier die Beiträge der Journalisten, dort die Meinungselemente via Blogs, ein Klick weiter das Graswurzelangebot für Jedermann. Mal eine zaghafte Integration von Lesers Meinung in der Kommentarfunktion der FAZ.net. Dabei sind Leser ein unendlicher Pool an Wissen und Vernetzung, die aus jeder trivialen Agenturtickermeldung einen Einstieg in eine Wissenswelt machen könnten - wenn man sie nur ließe. Amerikanischen Zeitungen beginnen wenigstens, Artikel direkt sichtbar kommentierbar zu halten, wie die Washington Post (Registrierung notwendig).

Aber eigentlich geht es auch gar nicht ums Kommentieren, sondern um sinnvolle Kollaboration. Mißverständlicherweise fürchtet man wohl vorrangig den besserwisserischen und beckmesserischen Studienrat, der die Redaktion in seiner Freizeit als Hobbyjournalist und militanter Leserbriefschreiber traktiert.

Vielleicht sollte man einfach mal in der Zusammenarbeit mit dem Leser ein wenig mehr Professionalität anstreben: Es gibt in jedem Themengebiet seriöse Stimmen, nennen wir sie Experten, die vielleicht sogar selbst publizistisch tätig sind. Sie gilt es an das eigene Angebot zu binden. Nicht unbedingt als regelmäßige Kolumnenschreiber, sondern eben nur dann, wenn es was zu sagen gibt. Das geht aber nur, wenn echte Partizipation herrscht: Inhalt gegen Aufmerksamkeit, vielleicht auch gegen Bezahlung.

Inhaltlich geht es bei der Partizipation darum, die Webangebote von Verlagen als Diskursmaschine zu etablieren, in der jeder eigene Artikel den Weg zu anderen Meinungen und Informationen eröffnet. Keine starren Pamphlete, sondern lebendige Dokumente in Arbeit, wie ein Wiki-Eintrag geschrieben und ergänzt von vielen. Eigentlich müßten sich Redaktionen mit dieser Rolle des Thementreibers doch anfreunden können. Wo ist das Problem?

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