Reboot Your Mind

Veröffentlicht am 31. Mai 2007 um 10:12 Uhr von Mark Pohlmann

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(Das Bild habe ich gerade auf Flickr gefunden - mit mir selbst drauf. Ich bin übrigens der Herr im blauen Hemd neben dem orangen Polohemd. Sein Träger heißt Florian Wilken und ist Gründer von Mokono, den Betreibern von Blog.de)

Herrlich. Der Web-Kongreß Reboot in Kopenhagen ist immer auch Belohnung für den Streß, den die Ausrichtung der eigenen Veranstaltung drei Wochen zuvor gekostet hat. Vor allem ist die Reboot Avantgarde. So etwas wie ein Programm gibt es erst seit zwei Tagen, es ist auch bei Beginn noch nicht final, und dennoch sind die 500 Plätze seit Wochen ausverkauft. Woran liegt das? Erst einmal natürlich daran, daß in Kopenhagen Ende Mai zuverlässig herrlichstes Wetter ist, was die Stadt zum schier wundervollsten Ort der Welt macht. Die alte Industriehalle hier, die Ansammlung all dieser jungen, hoffnungsfrohen und gut ausgebildeten Menschen, der Optimismus und das Vertrauen in die Technologie Internet tun ihr übriges.

Wer aktuell die Intro spricht, habe ich verpaßt. Jedenfalls weist er darauf hin, daß Gefühle viel effizienter als Rechenkapazität ist, ein Grund, warum der Headtop nicht so heiß wird wie der Laptop. Gerade steht auf dem Chart: Save the World und get sex. Im nächsten Panel geht es dann um die Frage, welche Naturgesetze dem Vertrauen zugrundeliegen und wie diese Gesetze auch im Internet funktionieren. Es spricht Robert Paterson (nie gehört). Wie man sieht, wir werden hier eine Menge Spaß haben die nächsten zwei Tage.

Die Reboot inspiriert uns auch bei dem Ziel, die nächste Next interaktiver zu machen - einer der ganz großen eigenen Kritikpunkte an unserer Veranstaltung. Auf der Reboot ist die Resonanz der Teilnehmer mehrfach eingebaut. Jeder kann auch kurzfristig noch eigene Vorträge einreichen. Auf der Website zeigen, welchen Vortrag er besucht. Auf der sog. "Guest Wall", weißen Plakaten, darf sich jeder selbst analog beschreiben und Feedback erhalten. Es wurden kleine Notizbücher ausgegeben, die man am Ende der Veranstaltung vollgeschrieben mit all seinen Gedanken abgeben und gegen ein neues eintauschen soll. Was damit geschehen soll, werde ich nochmal in Erfahrung bringen.

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Das Versagen der AGOF

Veröffentlicht am 29. Mai 2007 um 11:41 Uhr von Mark Pohlmann

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Mit jeder Erhebung der "Arbeitsgemeinschaft Online Forschung" (AGOF) wird das Problem mit dem Reichweitenmeßinstrument der AGOF deutlicher. Gemessen werden nur die Seiten, die auch von Vermarktern betreut werden. Websites, auf denen keine Werbung der großen Vermarkternetzwerke geschaltet werden kann, existieren nicht. Google? Web 2.0? Shopping, Reisen, Netzwerke? Nichts gesehen, nichts gemessen, nichts erwähnt. Nur zu einem taugen sie: Zu erklären, wie wenig die von Werbenetzwerken betreuten Websites am Internetboom teilhaben. Denn rund um die bekannten Werberiesen explodiert die Nutzung. Was bringt es mir da zu wissen, ob T-Online Nutzer verliert, wenn ich nicht gleichzeitig erfahre, wo außerhalb dieses Zirkels die Millionen neuen Nutzer entstanden sind? Da muß man schon so etwas wie Nielsen Netratings hinzuziehen, um das wahre Dilemma zu sehen. Wie dies heute die FAZ tut.

Die großen Internetunternehmen T-Online, Yahoo, MSN und AOL haben im vergangenen Jahr an Reichweite im Internet verloren, vor allem gegen Web-2.0-Anbieter wie Wikipedia, Myvideo oder StudiVZ. Nach der jüngsten Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (Agof) sank die Reichweite von T-Online zwischen Ende 2005 und Ende 2006 um 500.000 Nutzer,. (...) Der Aufschwung der Web-2.0-Seiten lässt sich inzwischen gut messen. 54 Prozent der deutschen Internetnutzer besuchten im Februar 2007 Web-2.0-Seiten, hat das Marktforschungsinstitut NielsenNetratings ermittelt. Damit sind diese Seiten fast so beliebt wie Finanzangebote (57 Prozent Reichweite) und die Reiseseiten (53 Prozent). Die Zahl der Nutzer auf diesen Seiten kletterte zwischen Februar 2006 und Februar 2007 um 32 Prozent auf 19,7 Millionen.

Es ist nichts dagegen zu sagen, daß die Vermarkterlandschaft sich ein eigenes Vermarktungsinstrument baut. Aber sie soll bitte nicht so tun, als würde sie damit den Markt repräsentieren. Hier mal die sechs offensichtlichsten Probleme der AGOF:

1. Die AGOF vertritt rund 85 Prozent des ivw-geprüften Werbemarktes. Portale und Verlagsangebote sind aber nur ein Bruchteil der tatsächlich genutzten Internets. Was wir brauchen, ist eine Totalerhebung aller von deutschen Haushalten genutzten Internetseiten. Hier ist der BVDW als Mitträger des AGOF gefordert. Nielsen unternimmt dies bereits in Ansätzen, publiziert die Daten aber nur in homöopathischen Dosen (Beispielsweise in Kooperation mit der Lebensmittelzeitung zu den reichweitenstärksten E-Commerce-Anbietern).

2. Die von der AGOF für diese Websites deklarierten Werbeumsätze werden ausschließlich in Brutto-Beträgen ausgewiesen. Diese Summen existieren nur in der Phantasie der Vermarkter, da sie Mengenrabatte, Restplatzvermarktung, Barter-Deals (Tauschgeschäfte) oder CPC-Deals (bezahlt wird nur, wenn der Nutzer die Werbung auch klickt) nicht berücksichtigen.

3. Das Verhältnis zwischen dem Markt für Textanzeigen in Suchmaschinen (SEM) und auf nichtvermarkteten Websites zu der AGOF-Welt wird systematisch schöngerechnet. Wenn man die Umsätze von Google in Deutschland als Basis nimmt, ist der SEM-Markt in Deutschland (an dem Google über 90 Prozent Anteil hält) deutlich größer als der für reichweitenbasierte Werbung. Es ist keine übertriebene Schätzung, daß in diesem Jahr weit über 1 Mrd. Euro für Textlinks ausgegeben werden. Klassisch vermarktete Werbung profitiert nicht annähernd so stark vom Internetboom wie selbstvermarktete.

4. Die Qualität der AGOF-Zahlen darf man ebenfalls hinterfragen, da sie nicht auf unabhängigen Messungen oder Markterhebungen basiert, wie die Selbstbenamsumg der Studie ("Erhebung") suggeriert, sondern auf den freiwilligen Meldungen der angeschlossenen Netzwerke. Technisch liefert jeder Vermarkter ein von ihm kontrolliertes Abbild seines Nutzungsverhaltens an die AGOF. Das ist ein bißchen wie bei Robert Lemke "Wieviel Umsatz hätten´s denn gern?".

5. Selbst wenn T-Online, Web.de und 1&1 soviele Klicks haben wie sie angeben: Ein hoher Anteil kann man als "unfreiwilligen Traffic" bezeichnen: Millionen Menschen surfen mit vorkonfigurierten Browsern, die feste Startseiten haben. Ein T-Online-Kunde, der immer erst auf die rosarote Website muß, bevor er mit seiner Recherche starten darf, ist zwar technisch gesehen ein Nutzer, mit Werbung aber kaum ansprechbar. Genauso verhält es sich mit den den Millionen E-Mail-Accounts bei den großen Providern, die selbstverständlich dem Portalverkehr zugeschustert werden. Ins Auge fallen die Zahlen von Prosieben.de und RTL. Glaubt jemand wirklich, daß sich jeden Monat halb Deutschland auf die Websites der TV-Sender macht, um Hintergründe zu Sendungen wie Frauentausch oder Raab Total zu recherchieren? Die Anbieter verwischen die wahren Reichweiten der angeschlossenen Websites, um ihre Kernmarken besser zu verkaufen. Dabei gehen ein Gutteil der deklarierten Klicks auf formell untergeordnete Seiten, die aber faktisch eigenständig sind.

6. Klicks sind keine zuverlässige Währung mehr im Internet. Die Technologien moderner Websites funktionieren nicht mehr nach dem altvertrauten Seitenabrufsystem. Im Web 2.0 erneueren sich immer nur einzelne Inhalte-Container, keine ganzen Websites. Das alles ignoriert die AGOF tapfer.

Zusammenfassung: Wir brauchen dringend Transparanz am Werbemarkt (laut Selbstbeschreibung die Aufgabe der AGOF) und damit eine eine funktionierende Reichweitenmessung. Und keine Werbebroschüre, die nicht mit den aktuellen Entwicklungen Schritt halten kann. Wenn die Werbewirtschaft das selbst nicht schafft, weiß ich jemand, der gerne hilft: Google.

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Digitale Strategien

Veröffentlicht am 28. Mai 2007 um 9:02 Uhr von Mark Pohlmann

Und dann hört man noch von einem Vorstand eines großen deutschen Verlagshauses, der jüngst auf einer Mitarbeiterversammlung ankündigte, keine Printtitel mehr entwickeln zu wollen, sondern bei neuen Formaten nur noch auf Online zu setzen. Zudem riet er all jenen unter der versammelten Redakteursmannschaft, die das 60. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, zukünftig auch online zu schreiben.

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Begriffsdefinition Social Commerce

Veröffentlicht am 25. Mai 2007 um 14:38 Uhr von Mark Pohlmann

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Starkes Zitat. Mehr zum Thema "Hacker zu Stricklieseln" bei Spiegel Online*.

"Das Web hat meine Arbeit nicht verändert, sondern sie überhaupt erst möglich gemacht", sagte Kathrin Pöhlmann. Die Mittzwanzigerin, die in Unterfranken in einem ländlichen Idyll lebt, ist die Gründerin von "Nähzimmer". Das Familienunternehmen stellt Produkte für den individuellen Geschmack her - zum Beispiel Wickeltaschen für junge Mütter. Pöhlmann verkauft ihre Waren über das Internet. Und zwar inzwischen nicht mehr über ihre eigene Webseite, sondern über ein Angebot namens Dawanda.

Disclaimer: DaWanda ist Kunde der SinnerSchrader Online Conversations.

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Menschel Media

Veröffentlicht am 25. Mai 2007 um 10:05 Uhr von Mark Pohlmann

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Seit zwei Tagen ist das Redesign von Qype online. Qype veröffentlicht von Nutzern geschriebene Empfehlungen für die besten Adressen einer Stadt. Dessen Gründer Stephan Uhrenbacher selbst schwärmt vor allem von den Verbesserungen in der Optik und Nutzerführung, die den Relaunch nötig machten. In der Tat ist die Seite viel aufgeräumter und funktionaler als die alte. Für mich (Disclaimer: Qype ist Kunde der SinnerSchrader Online Conversations) findet die Revolution aber an ganz anderer Stelle statt. Qype ist auf dem besten Wege, neben den besten Adressen auch die interessanten Menschen der Stadt zu einen. Denn mit dem Relaunch ist es endlich genauso einfach, Personen wie Plätze zu finden. Jeder sieht sofort, wer hinter einer positiven oder negativen Bewertung steht. Und wer kann interessanter sein für mich selbst, als derjenige, der die gleichen Interessen und Ansichten hegt und idealerweise gleich um die Ecke wohnt? Hier ist viel Phantasie für weitere Evolutionsschritte enthalten. Zu wissen, wer eine Bewertung schreibt, ist im übrigen auch der einzige wirksame Weg zu erkennen, wie aussagekräftig diese für mich persönlich ist.

Qype hat im ersten Jahr seines Bestehens ein wahrhaft erstaunliches Wachstum hingelegt: Im März 2006 gestartet, bietet es derzeit Zugang zu 50.000 von Nutzern geschriebene lokale Emfpehlungen und 35.000 registrierte Mitglieder. Damit ist Qype jetzt schon das größte Empfehlungsnetzwerk in Europa.

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Was wird mit den Blogs?

Veröffentlicht am 24. Mai 2007 um 12:37 Uhr von Mark Pohlmann

Tschuldigung. Ist was länger geworden.

Das Wachstum der Blogs verlangsamt sich erstmals. Derzeit werden laut Blogsuchdienst Technorati täglich 175.000 Blogs neu eingestellt. Bis 2006 habe sich ihre Anzahl noch alle fünf bis sieben Monate verdoppelt. Das sei mit den aktuellen Zahlen nicht mehr einzuhalten. Dazu kommt, daß nur jeder fünfte Blog überhaupt regelmäßig aktualisiert werde. Derzeit zählt Technorati 81 Mio. Blogs, davon sind also rund 16 Millionen aktiv.

Angesichts dieser Zahlen davon zu reden, die Blogs hätten ihren "Zenit überschritten", wie dies die FAZ am Montag tat, ist vielleicht noch ein wenig übertrieben. Aber es lohnt sich durchaus einen Blick zu riskieren,was Blogs sind und was nicht.

1. Blogs sind Eigenmarketing
Blogs haben genausowenig wie andere Medien einen übergeordneten sozialen Auftrag. Sie sind unmittelbar zweckgebunden. Sie helfen dem Autor. Und da mir keine Handvoll Blogger bekannt ist, die mit ihrem Tun ausreichendes Geld verdienen, jedenfalls nicht in Deutschland, kann der bare Gegenwert nur Aufmerksamkeit bedeuten.

Dies wiederum funktioniert mehr schlecht als recht. Schon Menschen, die sich mit Hingabe dem Phänomen Social Media (also alles rund um Blogs, Wikis, Foren) zuwenden, tun sich schwer, mehr als eine handvoll wirklich relevanter Blogger zu nennen. Wobei relevant nicht gut oder schlecht meint, sondern einfach reichweitenstark und meinungsbildend. In der deutschen Blogszene gilt eine A-, B- und C-Klasse. Blogger mit einem A am Anfang haben mehr als 1.000 Leser, B über 100 und C darunter. Auf mehr als 10.000 Leser kommen meines wissens höchstens zwei Blogs (Bildblog und Spreeblick, vielleicht auch noch Robert Basic), über 5.000 vielleicht noch einmal fünf, mehr als 1.000 Leser am Tag haben vielleicht 10-20 Blogs. Bei geschätzten 100.000 deutschen Blogs ist die Spitze also arg dünn besetzt. Der Fischmarkt als zentraler Corporate-Blog von SinnerSchrader kommt auf rund 700 Visits am Tag, der Themenblog hat rund 300. Dazu kommen 2.500 resp 1.000 Feedleser am Tag, die die Texte nicht auf der Original-Website betrachten, sondern auf einer Sammelseite, die Texte unterschiedlichster Blogs individuell bündelt. Die Nutzerzahlen sind natürlich starken Schwankungen unterworfen. Kleine Anekdote am Rande: Es hat mehrere Monate gebraucht, bis wir auf dem Fischmarkt täglich mehr Besucher als die Agentur Mitarbeiter hatten (160). Die Propheten im eigenen Lande gelten halt nichts....

2. Woher kommt die geringe Reichweite?
Blogger bewegen sich nicht in großen gesellschaftspolitischen Themengebieten. Sie schreiben nicht über Bush und Hartz IV oder das Für und Wider eines Türkeibeitritts. Sie beleben eigene Themen und schreiben über das, was sie in ihrem Lebensumfeld direkt beschäftigt. Blogs sind eben auch fünf Jahre nach ihrer medialen Erstentdeckung eine weiter kleinteilige Gegenbewegung zu den kommerzialisierten Massenmedien. Sie sind kein Ersatz, sondern Ergänzung. Das heißt eben aber auch, daß das, was in Massenmedien stattdindet, häufig kommentiert wird. Nachrichten selbst zu machen sind nicht Sache der Blogs. An dieser Stelle wird ein großer Unterschied zu Amerika sichtbar. Anders als hierzulande fehlt es dort an vielen Stellen an einer publizistischen Vielfalt. Die Notwendigkeit, diese zu erschaffen, treibt die Zahl und Bedeutung der Blogs.

3. Corporate Blogs funktionieren nur schwer
Eine alte Erkenntnis: Blogs werden von Personen geschrieben, nicht von Unternehmen. Das ist ganz wunderbar. Gleichzeitig ist es eine Schande, daß diese Form der Öffentlichkeit noch nicht von mehr Menschen für ihr Eigenmarketing genutzt wird.

Gerade für Mitarbeiter ist es eine grandiose Chance, ihr Wissen nach Außen zu tragen, sich zu vernetzen, Interessenten an das Unternehmen zu binden und so den Ruhm aller zu mehren. Merkwürdigerweise betreiben nicht nur sehr wenige Firmen Blogs. Und wenn, dann oft nur halbherzig, quasi als zweite Abwurfstelle für Pressemitteilungen, und es gelingt ihnen deswegen auch kaum, die an sich selbst gestellten Erwartungen zu erfüllen. Aufwand und Ertrag (im Sinne von Reichweite und Resonanz) stehen in einem oft unbefriedigenden Verhältnis. Dennoch bin ich überzeugt, daß Blogs gerade im professionellen Umfeld eine große Zukunft vor sich haben. Innovative Unternehmen habe längst entdeckt, daß sie mit den Gesprächen, die sie über Blogs führen, eine viel relevantere Kommunikation erzeugen als mit statischen Broschürematerial. Aber es muß die Kultur im Unternehmen stimmen, sonst klappt es nicht. Und auch wenn das Wollen vorhanden ist, braucht es jeden Tag wieder aufs Neue Menschen, die den Dialogen Leben einhauchen. Aufmerksamkeit mit allen im Unternehmen zu teilen ist für Vorstand und Corporate Communications ein tiefgreifender Wandel, der von vielen Professionals zwar interessiert beobachtet, aber zu oft als Bedrohung und nicht als Chance angesehen wird. Dennoch ist meine Prognose, daß die nächste Generation Corporate Websites wenigstens technisch und strukturell komplett blogbasiert wird. Nicht zuletzt, weil Websites ohne Kommentarfunktion weniger vertrauenswürdig wirken.

4. Blogs bleiben unkommerziell
Siehe oben - es gibt keinen Paid Content im Internet. Mangels Reichweite fällt Bannerwerbung für die meisten ebenfalls flach, auch wenn Anbieter wie Adical derzeit dabei sind, dies zu ändern. Bezeichnenderweise mußte Adical schnell von seinem Anfangs-Paradigma abweichen, nur Blogs mit mindestens vierstelliger täglicher Besucherzahl aufzunehmen. (Sascha Lobo weist mich darauf hin, daß es dieses Paradigma nie gegeben habe. Kleine Blogs gehörten von Anfang an mit dazu. Auch, um ein möglichst breites Zielgruppensegment abdecken zu können. Noch eine Anmerkung: Die aktuelle adical-Kampagne für Casio, bei der von Bloggern geschossene Fotos in den Werbeanzeigen auftauchen und kommentiert werden können, zeigt, was auf Werbekunden und Nutzer zukommt. Glückwunsch an dieser Stelle für das wohlgeratene Zweitlingswerk!).

Die Wahl fällt deswegen in der Regel auf Google Adsense. Hierbei erlaubt man dem Suchdienst, Textanzeigen auf der eigenen Website zu schalten, von denen Google glaubt, daß sie in einem vermutlichen Kontext zu den Beiträgen stehen. Das funktioniert mehr schlecht als recht. Zum einen wirkt Werbung gerade in Blogs als Fremdkörper, zum anderen sind Anzeigen in Blogbeiträgen weitaus weniger wirksam als neben einer Suchanfrage. Und Blogleser sind eben auch nur selten Menschen, die auf eine Textanzeige klicken. Die Einnahmen sind also in der Regel eher spärlich.

Das nährt bei vielen die Vermutung, Blogautoren seien käuflich oder anders manipulierbar. Ich will das gar nicht in Abrede stellen. Inszenierte Produktlobpreisungen würden schnell auffallen. Das meiste basiert auf Sympathie für Personen oder Produkten und wird eher befeuert durch die Aussicht, über Kooperationen zu neuen Kontakten zu kommen. Was phantasievolle Formen der Bezahlung angeht, haben wir mit Sicherheit noch eine Menge Überraschungen vor uns.


5. Blogs mangelt es an journalistischen Standards

Öffentlichkeit ist das, was jeder Blog-Autor sucht. Die beiden einzigen mir bekannten deutschen Blogs mit nachweislicher Wirkung außerhalb der Bloggerszene sind Bildblog und Spreeblick. Beide treten eher wie eine Online-Redaktion als wie ein klassischer Blog auf: Eine hohe Schlagzahl an Themen, mehrere Autoren und ein festes redaktionelles Konzept zeigen, wie professionell beide eben aber auch vorgehen. Redaktionelle Qualität ist nicht nur in klassischen, sondern auch bei sozialen Medien der Schlüssel zum Erfolg. Diese Evolutionsstufe wird dringend benötigt.

6. Warten auf Fachblogs
Was fehlt zur Qualität, sind Fachblogs. Sieht man sich die Blogcharts derzeit an, so schreiben zu viele Internetenthusiasten für Internetenthusiasten über das Internet. Und so wird es für Außenstehende wahnsinnig schnell öde, wenn sich immer die gleichen über die selben Themen echauffieren. Bitte nicht mißverstehen: Jeder soll schreiben, was er für richtig und wichtig hält. Ich wünsche mir aber mehr Außenwirkung für die Gattung Blogs. Und solange sich die Internetgemeinde ihrer selbst genügt, funktioniert das nicht.

Was wir brauchen, sind Blogautoren, die ihr Wissen einbringen, zum Diskurs animieren und so Menschen miteinander zusammenbringen, die ohne diese digitalen Gesprächsangebote nicht zueinander gefunden hätten. Hier geht es auch um journalistische Kompetenzen, aber eben nicht nur. Hier geht es um Menschen mit einer Passion und einer Botschaft.

7. Warten auf die nächste Blogwelle
Wo sind all die Menschen, denen ein Blog als kostengünstiges, vielfältiges, einfach bedienbares und leicht auffindbares Kommunikationsinstrument dienen kann? Menschen, die etwas zu sagen haben? All die wortgewandten Wissenschaftler, Spezialisten, Theologen, Künstler, Intellektuellen, Autoren, Politologen, Weltverbesserer, Medienmenschen, Aktionisten, Visionäre und sonstigen Kapazitäten?

Das Marketinginstrument, das ihr für euer Tun benötigt, ist längst da. Hört auf, euch in eurer analogen Arroganz und digitalen Ignoranz zu gefallen. Nutzt die Mittel, die bestehen. Sie funktionieren.

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Hamburg-Reboot-Hamburg

Veröffentlicht am 23. Mai 2007 um 15:26 Uhr von Mark Pohlmann

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Nächste Woche ist Reboot. Das ist eiin schöner, vielfältiger und noch immer kaum von kommerziellen Interessen geleiteter Internetkongress, der bereits das neunte Mal stattfindet und das Web 2.0 bereits thematisiert hat, als es noch gar nicht so hieß. Schon die Reise nach Kopenhagen ist ein Traum, solange man den Weg per Bahn wählt jedenfalls. Denn nicht nur ist die ganze Strecke ab Hamburg eine Fahrt durch malerische Gegenden, wie zufällig eingestreut ist eine rund einstündige Passage auf einer Fähre mit eingebautem Sonnenuntergang und Besuch im Duty-Free-Shop.

Wer sich also am kommenden Mittwoch bereits auf den Weg per Zug Richtung Reboot macht:Laßt uns Banden bilden und eine kleine Reisegruppe organisieren!

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Die Zehn-Prozent-Regel

Veröffentlicht am 15. Mai 2007 um 15:43 Uhr von Mark Pohlmann

Und da wundere sich noch jemand, warum sich Verlage schwer tun mit dem digitalen Zeitalter.

Print-Zeitungen setzen pro Abonnent und Jahr zwischen 500 und 900 Dollar um.
Online-Zeitungen setzen pro Unique Visitor und Jahr zwischen 5 und 10 Dollar um.
Quelle: WSJ
, gefunden bei Blogrolle.

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Traumberuf PR

Veröffentlicht am 15. Mai 2007 um 14:11 Uhr von Mark Pohlmann

Gastblogger. Mein erstes Mal. Bei der Axel Springer Journalistenakademie.

Traumberuf PR

Als Gastblogger möchte man ja den Ruhm des Mutterblogs mehren helfen. Nur: Was kann ich da tun? Schließlich habe ich nie eine Journalistenschule von innen gesehen. Ich gehöre noch zur Generation Autodidakt, der gesagt wurde, dass man alles studieren könne, bloß keinen Journalismus. Und dann studierte ich halt was anderes, nur um Journalist zu werden, was ich dann auch prompt nicht geworden bin. So war das damals. Weiterlesen

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Der lange Schwanz

Veröffentlicht am 14. Mai 2007 um 15:49 Uhr von Mark Pohlmann

Es doch immer wieder schön, wenn sich das Wahre und Einfache durchsetzen kann. Und wie sonst hätte man die Bibel des Web 2.0 "The Long Tail: Why the Future of Business Is Selling Less of More" besser übersetzen können?

Wie auch immer. Für alle, die der Faszination des Mitmach-Mediums erliegen, ist es schlicht Pflichtlektüre. Mehr Karmapunkte gibt natürlich das Original.

langeschwanz.jpg longtail.jpg

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Alles Spitzke

Veröffentlicht am 11. Mai 2007 um 8:41 Uhr von Mark Pohlmann

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Ein kurzer, typischer Eintrag für Riesenmaschine. Aber was für eine Wirkung. Bislang 223 von den Lesern des Weblogs der "Zentralen Intelligenz Agentur" ohne jede Aufforderung entstandene Werbereime sind die Antwort auf Sascha Lobos alle weiteren Arbeiten inspirierendes Vorwerk:

"Deine Bahnen fahren leise, nimmst Du Spitzkes Spitzen-Gleise!"

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Das Wissen dieser Welt

Veröffentlicht am 9. Mai 2007 um 16:46 Uhr von Mark Pohlmann

liegt in Google. Wissen wir. Was der Suchdienst nicht ausspuckt, "das googelt nicht" (läßt sich also nicht verifizieren). Schöne Phrase.

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Next07: Wie war´s denn?

Veröffentlicht am 7. Mai 2007 um 17:24 Uhr von Mark Pohlmann

Martin Oetting sacht: Anschauen.


Link: sevenload.com

Und das sagt die FAZ.

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Aufräumen

Veröffentlicht am 7. Mai 2007 um 17:04 Uhr von Mark Pohlmann

Nach großen Wegpunkten überkommt mich immer so eine Lust auf Neuanfang. Das erste Opfer: Outlook. Mir juckt es schon den ganzen Tag in den Fingern, meine ganze Inbox (~ 1.300 nicht wegsortierte Mails seit Januar 07) zu markieren und zu löschen. Mit den ungelesenen Mails, die älter als 7 Tage sind, habe ich das schon gemacht. Soll ich?

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