Todesurteil für das Must Have von Amazon

Veröffentlicht am 28. November 2007 um 21:02 Uhr von Mark Pohlmann

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Amazon hat eine gute PR-Maschinerie, die die letzten Tage dafür gesorgt hat, dass das digitale Lesegerät namens "Kindle" derzeit rauf und runter besprochen wird. Platz in der Aufmerksamkeitsökonomie ist da, u.a., weil das letzte Must-Have-Gadget, das iPhone, in Amerika hinlänglich eingeführt ist und die technikverliebte Öffentlichkeit bereit für das nächste ist.

Und jetzt hat Robert Scoble, ein sogenannter "Tech Evangelist" und einflußreicher Blogger in den USA, sein Urteil gesprochen.

Would I buy it? Yes, but I’m a geek. I can’t really recommend this to other people yet. Sorry. It’s obvious that they never had this device in their hands when they were designing it. Whoever designed this should be fired and the team should start over.

Wer will schon ein Gerät, das Scoble uncool findet?

Boom. You're dead.

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Mavens.de ist online!

Veröffentlicht am 26. November 2007 um 7:40 Uhr von Mark Pohlmann

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So, mit rund dreimonatiger Verspätung kann ich den Launch meiner eigenen Corporate-Website verkünden: Mavens Dialog, die von mir im September 2007 gegründete Agentur für Empfehlungsmarketing, ist ab sofort unter mavens.de erreichbar. Der Themenblog ist zwar "powered by SinnerSchrader" für mich als Blogautor gilt das jedoch nur eingeschränkt. SinnerSchrader und mich verbindet nicht nur eine ruhmreiche Vergangenheit, sondern vor allem auch eine intensive Zusammenarbeit bei der Ausrichtung der nächsten Next am 15. Mai 2008. Alle Details hinter dem Link.

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Wie StudiVZ 750 Mio. Dollar vergeigte...

Veröffentlicht am 24. November 2007 um 13:42 Uhr von Mark Pohlmann

... erzählt Holger Schmidt in seinem FAZ-Blog "Netzökonom": "Die Geschichte ist zu schön, um sie nicht zu erzählen", leitet er ein. In der Tat. Wenn die Geschichte stimmt, dann hat ein größenwahnsinniges StudiVZ-Management den Einstieg von Facebook und damit eine viel höhere Bewertung vergeigt. Zur ganzen Geschichte geht`s hier lang.

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Gruppendynamik

Veröffentlicht am 22. November 2007 um 10:03 Uhr von Mark Pohlmann

Wußten Sie schon, dass...

- an amerikanischen Unis ein Paar erst dann offiziell zusammen ist, wenn beide auf Facebook sich als "in einer festen Beziehung" markieren?
- ich den Abgang von Müntefering zuerst in meinem Twitter-Feed gelesen habe?
- US-Jugendliche, wenn sie 15 min. Zeit haben, mehrheitlich ihren Myspace-Account kontrollieren?
- heutzutage schon Fünfjährige eigene Communities haben (beispiel: Stardoll)?
- und auf Stardoll Mädchen ihre digitalen Identitäten besonders gerne mit Tatoos verzieren - sich aber für abziehbare und keine "echten" entscheiden?
- von 9 Mio. Schweden 2 Mio. beim Dating-Service Match.com angemeldet sind, was die Wahrscheinlichkeit, ein Blind-Date mit einem Bekannten oder Verwandten zu haben, drastisch erhöht?
- das mal als Studentennetzwerk gestartete Facebook 45 Mio. Nutzer hat, davon 18 Mio. in Amerika, 7 Mio. in UK, 7 Mio. in Kanada, 2 Mio. in Australien - und 1,6 Mio. in der Türkei, davon fast die Hälfte Frauen /(46 Prozent) und der Altersdurchschnitt bei Ende 30 liegt?
- das deutsche Studentenportal StudiVZ die mit deutlichem Abstand meistgeklickte, ivw überprüfte Website ist (was bspw. Google und Yahoo nicht sind). Und danach SchuelerVZ kommt? Und auf Platz 5 das Freundenetzwerk Lokalisten?
- Internetnutzer in nur dreieinhalb Jahren 2 Mrd. Photos auf Flickr.com veröffentlicht haben und dies damit das größte öffentliche und kostenlose Bildarchiv der Erde ist?
- der Gruppenzwang im Internet so dynamisch ist, dass der Aufstieg & Fall einer marktführenden Community wie SixDegrees und Friendster jeweils nur rund 12 Monate dauert?
regionale Communities viel wichtiger als globale sind? Dass QQ (China), Orkut (Brasilien und Indien), and Hi5 (Zentralamerika) gleich groß oder größer als Myspace sind, aber eben nicht in angloamerikanischen Ländern - und deswegen kaum wahrgenommen werden?

... und dass es für all das keine adäquaten Werbemodelle gibt?

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Xing oder Marge versus Wachstum

Veröffentlicht am 21. November 2007 um 15:12 Uhr von Mark Pohlmann

Schöne Geschäftszahlen liefert heute Xing, ehemals OpenBC. Knapp 5 Mio. Euro Umsatz im letzten Quartel, gut 13 Mio. Euro für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahrens. Derzeit nutzen 4,25 Mio. Nutzer Xing, davon 325.000 zahlende mit Pro-Account, also jeder 13. oder sieben Prozent. Die sieben Prozent sorgen für ein dickes Plus auf dem Konto. Das operative Ergebnis EBITDA (böse formuliert: Gewinn vor Kosten, also vor Steuern und Abschreibungen) beträgt 2 Mio. Euro im 3. Quartal 2007 oder 40 Prozent vom Umsatz. Das ist ... phantastisch.

Gleichzeitig reicht das dem Gründer Lars Hinrichs nicht, denn er bietet ab sofort auch Werbung an. Hört sich ein bisschen an wie die Öffentlich-Rechtlichen, die ja viel Geld von ihren Nutzern bekommen und dennoch auf Werbung pochen. (kleiner Scherz, Xing ist zwar auch Monopolist in Deutschland, aber eben einer aus eigener Kraft und kein staatlich geförderter. Ein großer Unterschied.)

Es wird wohl eher so sein, dass Xing seinem eigenen Geschäftsmodell nicht mehr so recht traut auf lange Sicht. Das finde ich sehr weise. Denn die Konkurrenz ist leistungsstärker, hipper und, vor allem: billiger. Aber Xing hat ein großes Plus: Vor allem in Deutschland sind sie alle auf Xing. Und nicht auf Facebook. Xing wird auch von außen als DAS europäische Netzwerk gesehen. Wer in Asien oder Amerika Kontakte nach Zentraleuropa sucht, gründet einen Xing-Account.

Umgekehrt verläßt niemand sein Heimatnetzwerk, um sich auf Facebook oder anderen neu zu formieren. Vielfalt ist der Faktor. Erst wird der Pro-Account in einen kostenlosen umgewandelt, dann die Nutzung langsam verlagert. Ich beispielsweise bekomme in der Woche etwa fünf Anfragen auf Facebook von Kontakten, die bereits über Xing bestehen. Das eine tun und das andere nicht lassen lautet die Devise. Die Kündigungen der Pro-Accouns wird Xing heute schon spüren, nur sind sie in den Wachstumszahlen nicht so leicht zu sehen, oder besser: leichter zu verstecken.

Es ist gut für Xing, dass sie sich um ihre Vermarktungsfähigkeit kümmern. Dies sichert ihre Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig stärker als eine Marge von 40 Prozent. Geld ist schön. Die Währung für Xing sind aber lebendige Kontakte. Wenn jetzt noch die Kostenpflicht für Trivialitäten wie eine vernünftige Suche fällt, hat Xing das Zeug, gegen Facebook und alle anderen zu bestehen.

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FAZ Relaunch

Veröffentlicht am 21. November 2007 um 12:53 Uhr von Mark Pohlmann

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In kurzen Worten: FAZ.net findet Gefallen am derzeitigen Zeitgeschmack, wie ihn Spiegel Online prägt und an dem sich auch Focus, Stern, sueddeutsche sowie DerWesten orientieren. Und mir gefällt er auch, weil Ästhetik UND Funktionalität damit auf der Höhe der Zeit sind. Wer allerdings Erwartungen in Richtung Web 2.0 und Partizipation hatte, wird enttäuscht. Die FAZ bleibt online das, was sie auch im Print ist: Ein Nachrichten- und kein Kommuniktionsmedium. Aber der Reihe nach.

Strukturell hat sich viel verbessert. Das Wichtigste: Die Site ist jetzt 1.000 Pixel breit und zweispaltig. Die alte Version, die lange Zeit sehr modern war, war es durch ihre Dreispaltigkeit und 800 Pixelbreite aber dann irgendwann doch nicht mehr. Weil jetzt mehr Platz ist, sind die Weißräume schöner aufgeteilt. Noch besser als die Home gefallen mir dabei die Unterseiten. Klar ist aber auch - wie im Print: Mehr weiß heißt weniger Inhalt pro Quadratzentimeter. FAZ.net wird wie das Printprodukt schon immer feuilletonistischer, gefälliger. Seiten für Newsjunkies sehen anders aus.

Die obere Navigation ist jetzt zweizeilig, die vier wichtigen Ressorts oben und die weniger wichtigen eine Zeile darunter. Das finde ich keine wirkliche Verbesserung, aber da braucht man vielleicht auch nur ein paar Takte, um reinzukommen. Es gibt jetzt rechts wie im Blatt immer einen Kommentar, ja, richtig, auch hier ohne Fraktur. Alle Artikel und Ressorts werden über die volle redaktionelle Breite angeteasert, aufgelockert durch mehrspaltige Teaser für Videos und Bilderstrecken. Das ist Standard, aber ein schöner. Scrollen gehört zum Nachrichtengeschäft. Die Zeiten, in denen sich alles auf 800x600 Pixeln abspielen sollte, sind längst vorbei.

Funktional hat sich nicht allzuviel getan. Durch die Rubrikenüberschriften kann man sich schon auf der Home durchklicken. Das ist eine nette Idee. Und man kann die Nachrichtenfolge wohl personalisieren, mir ist intuitiv jedoch nicht klar geworden, wie. Deswegen habe ich es auch nicht gemacht. Personalisierung ist ja ein ganz altes 90er-Jahre-Thema von Nachrichtenportalen, bislang hat sich aber noch nichts durchsetzen können. Und auch die FAZ wirkt mir jetzt nicht so, als wenn sie da neue Standards setzen würde. Personalisierung muss man wohl vorerst Anbietern wie iGoogle oder Pageflakes überlassen. Angeblich sind da jetzt auch Leserkommentare auf der Homepage, ich konnte keine finden. Ok, da ist ein Kasten links. Aber hey, da gehören sie eben nicht hin, sondern direkt unter den entsprechenden Artikel. Und es gibt einen Nachrichtenticker, der aber unsinnigerweise erst nach Scrollen sichtbar wird.

Die Dauerumfragen auf der rechten Seite wurden behalten: Erst kommt ein riesiger Eigenwerbebanner und dann eine Frage wie: "Edeka will die ganze Nacht lang öffnen. Wie finden Sie das?" Ich finde schon die Frage doof.

Wirklich lästig: die FAZ ist die einzige Site, die es schafft, regelmäßig meinen Pop-up-Blocker zu überwinden. Wer seinen Leser zwingt, seinen Schreibtisch nach dem Besuch der Website von Bannern für Zeitschriftenabos aufzuräumen, verbessert die Leserbindung nicht zwingend. Klar ist aber auch: Es muss Geld verdient werden. Warum dann allerdings so wenig Werbung zu sehen ist? Bei meinem letzten Besuch war kein einziger Banner auf der Homepge zu sehen. Verdächtig. Dass da Usability-Gründe eine Rolle gespielt haben können, mag ich ja nicht so richtig glauben.

Insgesamt eine grundsolide Erneuerung in die richtige Richtung. So sieht klassischer Journalismus heute eben aus. An Sachen wie Leserpartizipation oder neue Angriffe in Sachen Diskursqualität hat man aber nicht gedacht und gedenkt es auch nicht zu tun:

Perspektivisch
Mit neuen Formaten, mehr Multimedia-Anwendungen und einer deutlich verstärkten Internetredaktion bieten wir den Nutzern künftig eine noch bessere Orientierung in der anschwellenden Nachrichtenflut.

Soso. Leser sind also Nutzer im dauernden Kampf mit der Nachrichtenflut. Wenn das die selbst auferlegte Kernverpflichtung der FAZ für ihr Internetengagement umschreibt, dann darf ich mir an dieser Stelle Sorgen machen, dass die inhaltliche Konzeption der FAZ schneller veralten wird als ihr Layout.

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Menschen beeinflussen Menschen. Und Werbung.

Veröffentlicht am 20. November 2007 um 10:30 Uhr von Mark Pohlmann

"People influence People".

Das so schlichte wie schöne Zitat steht im Economist und stammt von Mark Zuckerberg, der 23-jährige Gründer und Vorstand von Facebook als derzeit angesagteste Community. Was er damit meint, ist, dass Werbung nicht von selbst wirkt. Menschen müssen Werbebotschaften aufnehmen und weitertragen. Werbung ohne sozialen Kontext ist irrelevant. Von wegen "Eyeballs" (denglisch für "Sichtkontakte").

Dieser Aspekt ist zwar nicht neu, aber insofern erwähnenswert, als dass er zwei wichtige Konsequenzen für das Marketing andeutet, deren Bedeutung immer noch nicht ausreichend wahrgenommen wird.

1. Wir hören auf Menschen. Nicht auf Werbung.

Es gibt keinen "Massenmarkt". Es gibt keine "Zielgruppe". Gab es noch nie. Jeder Markt ist die Summe von Individuen. Schon immer. Nur weil man bislang nicht nachverfolgen konnte, dass eine Marke erst im Gespräch sein muß, um sich überhaupt zu bilden, nur weil man die Wechselwirkungen aus Begehrlichkeit, Angebot und Botschaften nicht sieht, die sich durch Millionen Kleinst-Konversationen mäandern, heißt es nicht, dass es nicht schon immer so gelaufen ist. Ist es aber. Erst, wenn sich die richtigen Multiplikatoren auf die richtigen Marken und Produkte einlassen, entsteht das, was wir "Markenimage" nennen. Erst wenn eine Marke auch ein Image hat, ein Profil, ist es eine Marke. Vorher sind Logos Pixelhaufen. Menschen sind die Projektionsflächen. Markets are Conversations. Und das Internet macht diese jetzt transparent.

2. Das Web 2.0 ist das Ende der Reichweite.

In der Transparenz des Mediums liegt die eigentliche Revolution für das Marketing. Endlich werden die Gespräche sichtbar, für jeden nachvollziehbar, integrierbar, beeinflussbar. Das alte Kräfteverhältnis der Werbung ("ich sende, du hörst zu") hört auf zu wirken, und das neue ("wer mir zuhört, dem höre ich auch zu") ist erst dabei, sich zu bilden.

Die Konsequenzen: Marken unterhalten sich.

“For the last hundred years media has been pushed out to people,” he said, “but now marketers are going to be a part of the conversation.”

Zuckerbergs These (und die vieler anderer) lautet jetzt also, daß die Marke Teil der Gespräche werden muss. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Und mit den alten Werbeformaten schon gar nicht zu machen. Mit den alten Werbekonzepten auch nicht. Niemand will ja mit den Konsumenten reden, das kostet Zeit und Geld und führt zu Erkenntnissen, die bestenfalls unbequem sind.

Was also tun? Zuckerberg (und viele andere) wollen auf die vielen heute schon real existierenden Werbemilliarden nicht ganz verzichten, bevor die neuen sich etabliert haben - die heute noch niemand richtig kennt. Denn ein ein beliebig skalierbarer Mechanismus hat sich noch nicht herausgebildet. Wichtig ist vor allem aber erstmal zu erkennen, dass es zwei Dinge für das braucht, was ich "Empfehlungsmarketing" nenne: 1. einen Ort, an dem die Gespräche stattfinden, und 2. Menschen, die die Botschaften glaubwürdig verbreiten.

Für Zuckerberg, der den Ort ja schon hat, ist der nächste Schritt die Personalisierung der werbenden Marke. Er gibt ihnen eine digitale Identität. Vorreiter war Myspace. In dem Netzwerk haben viele hundert Marken wie eine Person eine eigene Profilseite. Hier können andere dann Freundschaften mit der Marke schließen und sich mit anderen Fans unterhalten. Das funktioniert so leidlich.

Das kann man auf Facebook jetzt auch. Und ein bisschen mehr. Der Economist nennt Sprite als Beispiel, deren Avatar man sich auf seine eigene Profilseite holen und ein bisschen damit rumspielen kann. Mmmh. Das hört sich für mich ehrlich gesagt ziemlich gequält und infantil an.

Viel interessenter ist eine andere Funktion: Die eigene Portraitseite soll mittelfristig die eigenen Einkaufsaktivitäten abbilden, so dass die Shoppingtouren quasi Teil der eigenen Identität sind - die Liste würde all diejenigen Produkte abbilden, mit denen sich der einzelne identifiziert. Aber auch hier: Die Idee ist gut, ob sie tatsächlich zu einem Multiplikationseffekt führt, ist unsicher. Wir erinnern uns: der Wert der Gespräche ist der unmittelbare Nutzen für den einzelnen. Werden Gespräche skaliert, sollen sie massentauglich werden, verlieren sie ihre Einzigartigkeit. Und damit ihren Nutzen.

Das Problem ist auch die mangelnde Qualität der großen Netzwerke. Die wenigen guten Inhalte verlieren sich auf Facebook und Myspace in einem Heer von Irrelevanz. "Signal versus Noise" lautet das im "Wörterbuch der schönsten Web-2.0-Metaphern". Es braucht Mechanismen, Qualität zu fördern, hervorzuheben. In der Entwicklung dieser Mechanismen liegt die Verantwortung der Netzwerke selbst.

Ich persönlich glaube auch nicht an die Zukunft großer Netzwerkmoloche wie Facebook. Für mich liegt die Zukunft im genauen Gegenteil: In der noch viel weiter fortschreitenden Atomisierung von Zielgruppen. Die Zukunft gehört der Nische. Die überlebenswichtige Frage für die Werbewirtschaft ist, wie sich die Millionen Nischen sinnvoll zu wirtschaftlich ansprechbaren Zielgruppen aggregieren lassen.

Das ist das Spannende am Hier und Jetzt: Es muß sich alles ändern, damit es bleibt wie es ist. In diesem Sinne: Entdecker gesucht.

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Kontinentaldrift

Veröffentlicht am 15. November 2007 um 9:11 Uhr von Mark Pohlmann

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Kommunikatoren wandeln zwischen den Welten. Sie vermitteln zwischen Interessengruppen, wecken Verständnis. Und Neugierde. Als ein solcher Mediator bin ich derzeit viel auf Kongressen und sehe anderen beim Ringen um den Sinn partizipativer Medien zu.

Doch die Diskussionen ändern sich. Während wir noch vor 12 Monaten alle vereint am Steg saßen und staunend die Möglichkeiten bewunderten, die sich da dunstig am Horizont bildeten, sind die einen längst in ihren kleinen Booten aufgebrochen. Die anderen blieben zurück und hadern seitdem damit, auf welcher Seite des Ozeans das Gras grüner ist.

Genauso spielen sich auch die Diskussionen auf den Konferenzen ab. Während auf Veranstaltungen wie den Medientagen München vor allem die Rechtfertigung im Vordergrund steht, warum es richtig ist, nicht jetzt schon aufzubrechen, dazu noch in so kleinen Booten und wahrscheinlich ohne Ahnung, in welche Richtung es zu paddeln gilt, beginnen die, die auf Kongressen wie der Sime in Stockholm (auf dem ich derzeit gerade weile) rumschippern, die Zurückgebliebenen zu vergessen. Die Tektonik der Kommunikation verändert sich. Nicht nur für die, die sich auf das Neue einlassen. Es findet ein Kontinentaldrift statt, den die nicht merken, die auf der wegtreibenden Platte stehen.

Die Auswirkungen sind verheerend. Denn wir hören in diesen Tagen auf, die selbe Sprache zu sprechen. Während in den wankenden Booten gestaunt wird, wie gut Wikipedia schon ist, wird an Land vor allem wahrgenommen, wie riskant es ist. Nicht nur die Wirtschaft selbst spaltet sich in digitale und analoge Apologeten. Auch die Kommunikationswirtschaft spaltet sich in zwei Lager: Die einen begreifen die durch die Digitalisierung entstandene Partizipation an der Ressource Aufmerksamkeit als Chance, die anderen als Krise. So einfach ist das. Wir haben Mutige und Ängstliche.

Die Angst führt zu absurden Verweigerungshaltungen, wie die von Agentur-Chef Lars Cords, der seine gesamte Agentur mit einem Denkverbot in Sachen Mitmach-Medien belegt hat ("99,99% des Inhalts im Web 2.0 ist das Ergebnis von egozentrischen Selbstreflektierern und hat das Niveau von Teenager-Tagebüchern" Quelle). Gut, Herr Cords äußert damit nur das, was seine Kunden denken. Die Kunden, die in Reichweite denken und Umsatz von der Kommunikation verlangen.

Diese Menschen übersehen, wie weit die Kunden ihrer Kunden schon sind. Das Mitmachen ist längst Teil des Alltages. Hier ist jeder Kunde Teil der Aufmerksamkeitsökonomie, jeder steht selbst im Mittelpunkt seines eigenen Interesses. Hier sind Menschen die Epizentren, nicht die Unternehmen.

Die Mutigen unter den Kommunikatoren fragen nicht mehr nach dem Nutzen von einzelnen Tools. Die Diskussion dreht sich schon längst nicht mehr um die Frage, ob ein Corporate Blog Sinn macht oder nicht. Wir Kommunikatoren haben heute eine weite Palette unterschiedlichster Technologien zur Verfügung. Jede hat ihre Stärken, ihre Grenzen. Es hängt von den Zielen ab, von der Kultur eines Unternehmens, was wo zum Einsatz kommt. Wir müssen den Kunden folgen, das ist alles. Ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, darf gerne bezweifelt werden. Nur die Alternative bietet sich nicht. Denn dort, wo die Unternehmen ihre Instant-Kommunikation plazieren, sind eben keine - oder nicht mehr ausreichend- Kunden.

Thomas Knüwer erzählte jüngst die Geschichte eines Franchise-Unternehmens, das ein internes Wiki einsetzt, in dem alles niedergeschrieben wird, was für die angeschlossenen Händler von Belang ist. Jeder kann alles ändern, auch die Formulierungen der Konditionen, ja, sogar die Konditionen selbst. Das tat die Auszubildende: Sie vereinfachte kurzerhand das Margensystem, und alle fanden es besser danach. Sicher, eine Geschichte, die sich anhört aus 1001 Nacht. Aber diese Geschichten gibt es tausendfach. Alles wird besser, wenn wir miteinander reden.

Twitter ist so ein Ding, das auch niemand verstehen will, der es nicht kennt. Öffentliche Kurznachrichten in der Länge einer SMS, die jeder abonnieren kann. Seitdem ich Twitter nutze, halte ich einen kleinteiligen und alltäglichen Kontakt zu rund 80 Menschen aus meinem Bekanntenkreis. Jeder kann meine "Tweets" lesen und so mitverfolgen, wo ich bin, was ich mache und was ich denke. Derzeit lesen rund 1.500 Personen regelmäßig diesen Blog, knapp 80 verfolgen meine Twitter-Einträge. Sie alle, darunter Journalisten, Kunden und andere Multiplikatoren, interessieren sich aus eigenem Antrieb für meine Themen. Sie werden nicht gezwungen, sie werden nicht bezahlt. Diese Form der Kommunikation ist längst effizienter geworden als das Verfassen einer Mail oder Pressemitteilung. Nur verstehen das die Menschen auf der wunderbar langsam umherdriftenden Kontinentalplatte nicht mehr. Erst wollten sie es nicht verstehen. Nun können sie nicht mehr.

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Erfolg ist relativ

Veröffentlicht am 9. November 2007 um 10:00 Uhr von Mark Pohlmann


Da will man zur Web-2.0-Expo nach Berlin, um ein Panel über Behavioral Targeting zu moderieren, und die Bahn schafft es nicht, einen auch nur annähernd pünktlich dorthin zu bringen. Anderntags versucht man es dann als Gast und wird mit einer Spontanmoderation über Advertising 2.0 beauftragt. Und da die ungeplanten Dinge immer noch am besten sind, wurde es eine (aus meiner Sicht) wunderbare Session über Sinn und Unsinn alternativer Werbeformate, inhaltlich gefüllt von Axel Schmiegelow in seiner Rolle als Geschäftsführer der Videoplattform Sevenload und Nate Elliott, Senior Analyst bei JupiterResearch.

Interessant vor allem die Ausführungen des Analysten - wahrscheinlich, weil mir Sevenload bereits vertraut ist. Er sah in alternativen Werbeformen (alles, was nicht Banner oder Werbemail ist, also virale Kampagnen, Branded Entertainment, Werbe-Weblogs u.ä.) nicht das Paradies für Marken. Denn erstens würden 85 Prozent aller Kampagnen scheitern. Das glaube ich ihm gerne, und ich würde sogar eine Quote von 95 Prozent glauben. Und zweitens würde die Werbewirksamkeit einfach zu schlecht nachvollziehabar sein, denn die zählbaren Klickströme finden außerhalb der eigenen Kontrollmöglichkeiten statt.

Ja, so ist das, liebe Werber. Und wenn man noch die Äußerungen von Axel Schmiegelow hinzunimmt, dass die Zielgruppengenauigkeit viel höher ist, die Reichweite dafür aber auf drei- bis vierstellige Kontakte runtergeht, dann wird es auch nicht besser. Aber wahrscheinlich ist diese 15-Prozentige Erfolgschance schon viel besser als das alte Modell, das man entweder gar nicht richtig messen konnte (Print / TV) oder unliebsame Daten bekam und mit Klickraten unterhalb der Promillegrenze nur noch auf die “imagebildende Wirkung” von Bannern pochen konnte. Der alte Werberspruch “die Hälfte jedes Werbe-Euros ist rausgeschmissenes Geld. Die Frage ist nur, welche” ist natürlich grober Unsinn. Es sind nur ein paar Cent, die wirklich wirken. Aber man braucht derzeit noch die Euros, um diese Cent überhaupt zu besitzen.

Dieses Panal war ein wunderbarer Beweis dafür, dass niemand weiß, welche Formate in Zukunft funktionieren. Was wir aber wissen, ist, dass die alten Formate nicht mehr funktionieren. Nicht mehr jedenfalls in den neuen Zeiten, in denen der Nutzer mehr als die Hälfte ihrer Online-Zeit mit dem Austausch personalisierter Informationen verbringt. Wir wissen, dass es dort aufwendiger, weniger vorhersehbar und wahrscheinlich teurer wird, die gleiche Aufmerksamkeit zu erzeugen, als wir das bislang gewohnt sind. Aber wir wissen nicht, wie, sie aussehen, die Formate der Zukunft.

Folgerichtig machte auf der Expo dann das Wort von “Gute Werbung ist Information” die Runde. Das wiederum ist auch nur die halbe Wahrheit. Werbung ist immer auch Emotion. Information, beispielsweise über die Qualität des Essens von McDonalds, interessiert diese Klientel nicht. Sie will Spaß ohne Reue und nicht belästigt werden von überflüssigen Informationen. Das Leben ist kompliziert genug.

Was also machen? Werbung wirkt wahrscheinlich dann am besten, wenn sie nicht als Appendix, sondern als elementarer Bestandteil des Produktes wahrgenommen wird. Dann ist Werbung aber Kommunikation, ein Gespräch. So wie bei Apple. Mal wieder. Wunderbar bei Spiegel Online aus dem Time Magazine zitiert:

“Klar, 2007 habe es rein technisch innovativere Produkte gegeben, aber: Das Verdienst des iPhone sei es, dass es “die Leute zum Reden” bringe. Dito die “New York Times”: Vor dem US-Verkaufsstart zog sie das Fazit, das Gerät sei einfach eine Revolution - trotz ein paar kleiner Nachteile. Und wie spaßig das Ding doch zu benutzen sei!”

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Körperkontakt

Veröffentlicht am 7. November 2007 um 13:18 Uhr von Mark Pohlmann

Es passiert soviel, es gäbe soviel zu schreiben... Facebook, Open Social, gPhone, Qype, Docinsider, DerWesten, Dawanda, Carmondo - überall geht es voran, werden Pläne geschmiedet, Erfahrungen in Produkte gegossen. Es ist eine schöne Zeit und eine gute Sache, mit dabei zu sein.

Gleichzeitig leidet dieser Blog, fehlt nach wie vor eine neue Website und vieles mehr, das Reflexion erfordert, kommt zu kurz. Verführerischerwise hat die Welt stattdessen beschlossen, ihr Leben auf dem Konferenzkarussel zu verbringen, das sich immer weiterdreht: Nach dem IWK / München, Versandhandelskongres / Wiesbaden diese Woche die Web-2.0-Konferenz in Berlin, Münchner Medientage und nächste Woche SIME in Stockholm. Und immer wieder vertraute Gesichter, vertraute Themen, aber eben auch: neue Kontakte, neue Gedanken, neuer Tatendrang. Jeder kennt jeden aus dem Internet: Der eine bloggt, die da hat einen Online-Shop, hier ist die Start-up Fraktion. Dennoch ist das physische Treffen in digitalen Zeiten so wichtig wie nie. Erst im Angesicht entscheidet sich, ob aus einem losen Umeinander Wissen ein fester Knotenpunkt im eigenen Netzwerk wird. Ob aus Interesse Vertrauen wird.

Wie stark die Netzwerke durch das Internet beschleunigt werden, wie gut Offline und Online harmonieren, beweist mir eine seit langen Jahren vertraute Person, die sich für eine lange Zeit aus dem Internetgeschäft verabschiedet hat, geschrieben hat, sich im Theater verdingt hat und erst zaghaft und recht lustlos über kleinere Projekt den Weg zurück in die Internetwirtschaft gefunden hat.

Diese Person kennt innerhalb der Internetwirtschaft heute jeder, der sich mit der Dynamik von Netzwerken auskennt. Denn diese Person publiziert in einem Blog und über Twitter. Sie ist innerhalb von rund vier Monaten zu einer festen Komponente dieser Szene geworden, sie spricht auf Konferenzen, erhält Aufträge und lebt ihre Lust an der Vernetzung für alle Beteiligten gewinnbringend aus. Vier Monate reichen heute, um ein Netzwerk von rund 200 Personen zu errichten, die alle wissen, wer diese Person ist, was sie denkt, was sie kann, wen sie schätzt und: wo sie gerade ist. Nur wenige werden sagen, dass sie mit dieser Person befreundet sind, aber sie alle freuen sich, sie zu sehen.

Deswegen ist das Internet so faszinierend: Weil es heute Kontakte knüpft, wo gestern keine waren und weil es die realen Aufeinandertreffen intensiviert. Weil man über digitale, halböffentliche Systeme Teil einer Gruppe ist, in der der einzelne als Individuum wahrgenommen, wertgeschätzt wird. Weil man immer dabei ist, auch wenn man nicht da ist. Und weil man sich kennt, wenn man sich sieht.

Eigentlich ist es so wie immer: Die Gruppe ist die wohl mächtigste Institution der Menschheit. Wir werden hier noch viel erleben, auch online. Und nicht alles wird so harmlos und heiter bleiben, wie es derzeit ist. Genießen wir den digitalen "Summer of Love", wie Tim O'Reilly es in Berlin nannte, aber nicht verstanden wissen will. Für ihn ist das Web 2.0 eine riesige Effizienzmaschine. Aber die meiste Effizienz wird wohl wirklich auf der emotionalen Ebene geschaffen. Wer hätte das diesen häßlich-beigen Kisten jemals zugetraut?

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