Krisenkommunikation

Veröffentlicht am 28. Februar 2008 um 11:00 Uhr von Mark Pohlmann

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Oder doch nicht? StudiVZ schafft es jedenfalls, seine Nutzerschaft ständig neu zu verunsichern. Heuer geht es um Kifferbilder, die angeblich der Polizei gemeldet werden. Oder eben doch nicht. Hier eine von StudiVZ auf der eigenen Website publizierte Antwort auf ein Spiegel-Interview des Geschäftsführers Markus Riecke. Interessant ist nicht nur die hausinterne Sicht, was denn jetzt alles so meldepflichtig ist oder nicht, sondern auch, wie sich StudiVZ in die Opferrolle konstruiert. Von einer offensichtlichen Verhamlosung von Drogen ganz zu schweigen.

Liebe Community,

einige von Euch haben es sicher mitbekommen und waren – wie auch wir - geschockt. In der Online-Ausgabe eines Nachrichtenmagazins mit professionellem Image wurde unser Geschäftsführer Marcus Riecke falsch zitiert.
Auf der beständigen Jagd nach einem neuen Skandal im Hause studiVZ wurden mal wieder Zusammenhänge aus unserer Sicht mutwillig falsch dargestellt.

In diesem Artikel hieß es zum Beispiel, dass wir Euch - salopp formuliert - an die Polizei verpetzen wenn wir Bilder von Euch beim Konsum von Cannabis sehen.
Diese Schlagzeile wurde eine halbe Stunde nach Veröffentlichung und einer Aufforderung zur Richtigstellung durch uns zwar abgemildert, was die Weiterverbreitung über andere Medien aber nicht verhindert hat.

Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sauer wir über diese Art der Berichterstattung sind.

An dieser Stelle möchten wir Klarheit schaffen:

Fakt ist: Ihr möchtet Sicherheit.
Niemand möchte nationalsozialistische Parolen im studiVZ sehen oder der rechten Szene einen Nährboden bieten. Niemand will belästigt, bloßgestellt, bedroht oder verleumdet werden.
Um Euch eine sichere Plattform zu garantieren, haben sich alle Beteiligten an einige wichtige Regeln zu halten. Diese stammen nicht von uns, sondern sind für alle gültige und bindende Paragraphen der deutschen Gesetzgebung, wie zum Beispiel der Jugendschutz und das Strafrecht.

Dass wir Daten an Strafverfolgungsbehörden - also Polizei und Staatsanwaltschaft - herausgeben müssen, wenn diese uns ein schriftliches Auskunftsersuchen zukommen lassen, ist weder neu noch unseriös, sondern dient letztlich Eurem Schutz.
Es geht hier um Morddrohungen, radikales Gedankengut, Verleumdungen, schwere Beleidigungen und weitere heftige Dinge, welche in unserem Land genauso wie im studiVZ eine klare und zu ahndende Straftat darstellen.
Ein Auskunftsersuchen ist immer mit einer Anzeige verbunden, die von den Geschädigten erstattet wurde, zum Beispiel einem Nutzer aus Euren Reihen.
Das wird überall genauso gehandhabt und hat nichts mit Spionage zu tun!

Dass wir Bilder und Daten an die Polizei geben, weil Ihr Euch darauf ein gemütliches Tütchen ansteckt, ist komplett erfunden und gelogen.
So etwas tun wir nicht!
Das betrifft nicht nur das von der Presse bewusst gewählte und wunderbar plakative Beispiel Cannabis. Nebenbei gesagt gab es noch nie eine Anfrage zu Cannabiskonsum.

Wir bitten Euch, solchem Journalismus keinen Nährboden zu geben - er schadet nicht nur uns, sondern ist eine gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Veröffentlichung falscher Informationen.

Euer
Samir

Samir veröffentlicht diesen Klartext stellvertretend für die gesamte studiVZ-Belegschaft.
Wir lassen uns so etwas nicht mehr gefallen!

Quelle: StudiVZ

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Die Welt ist bunt

Veröffentlicht am 28. Februar 2008 um 9:39 Uhr von Mark Pohlmann

Myspace und Facebook dominieren die Welt. Ja, aber nur die westliche. Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch für Social Networks, wie Le Monde eindrucksvoll herausarbeitet.

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Kostenlos als Business-Modell

Veröffentlicht am 25. Februar 2008 um 9:30 Uhr von Mark Pohlmann

Ich stolpere gerade über einen sehr schön plakativ-visionären Artikel von Chris Anderson, Wired-Autor und Erfinder des Begriffes "Long Tail" für Kleinstzielgruppen. Er wirbt für "Freeconomics", eine Kostenlos-Kultur, nicht, weil es einem sozialistischen Grundverständnis folgt, sondern weil der eigentliche Wert der Zugang zu Kundengruppen und die daraus resultierende Aufmerksamkeit ist.

Jedes erfolgreiche Unternehmen - zumindest, wenn man sich im Web umschaut - hat seine Dienste erst vollkommen kostenlos gemacht und ist dann groß geworden. Das sei auch der Grund, warum sogenannte "Micropayments", also ein paar Cent für einen Artikel oder eine Information, scheitern mußten: Weil es einen riesigen Unterschied macht, ob man wenig oder gar nichts bezahlt. Wahrscheinlich hat er recht.

Seine Antwort, wie denn nun sich diese Kostenlos-Wirtschaft finanziert, ist allerdings nicht das derzeit omnipräsente Wörtchen "Werbung". Es ist der Gedanke des Sponsoring oder Cross-Selling. Im Mittelpunkt steht der Zugang zu Kundengruppen. Wer diesen hat, hat die Macht. Wer etwas kostenlos anbietet, möchte an anderer Stelle Kasse machen. Jede Freiheit hat also ihren Preis, mit dem Kernmerkmal, dass der Kunde immer wieder neu ausprobieren kann, was es in der Überfülle für ihn so gibt.

Beispiele gibt es genug, er selbst nennt kostenlose Handies und teure Mobilfunkverträge, Rasierer und Klingen, mir fallen noch die berühmten Öllampen ein, die sonst in diesen Fällen immer herhalten müssen. Immer geht es um das Prinzip: Billig anfüttern, später Kasse machen.

Soweit, so bekannt. Interessant wird der Artikel in der zweiten Hälfte. Hier geht es um das Phänomen der Überfülle, so wie sich das Web - und auch viele andere Wirtschaftsbereiche heute darstellen. Überfluß heißt in seiner Konsequenz: Verschwendung. Aber das ist für Anderson nichts schlechtes, es ist schön. Denn erst wenn etwas in Überfülle vorhanden ist, können wir uns von seinen Einschränkungen befreuen. Er malt das Bild einer Wirtschaft, iin der Strom nicht nur nichts kostet, sondern vollkommen natürlich hergestellt werden kann. Alles würde besser werden!, behauptet er. Was dann wäre, kommt dem sozialistischen Weltfrieden ziemlich nahe. Alle hätten Wohnungen, Essen, Wasser.

Wo ich ihm recht gebe: dass Technologien wie das Internet erst unlimitierten Zugang brauchen, um eine eigene Effizienz zu entwickeln. Erst, wenn möglichst viele ständig auf alle Informationen zugreifen können, werden alternative Kanäle überflüssig. Dass kostenlos nicht schlecht heißen muß, zeigen tausende Dienste, allen voran Wikipedia, tagtäglich. Dass Überfluss aber auch Geringschätzung heißen kann, erwähnt Anderson nicht. Mir fallen da immer die überhitzten, weil kostenlos heizbaren Wohnungen in der DDR ein, oder die Brote, die dort so billig waren, dass sie an die Schweine verfüttert wurden, weil Tierfutter zu teuer war.

Wie auch immer. Übertreibungen dienen der Verständlichkeit. Was beim Lesen solch radikaler Artikel auffällt, ist, dass man diese immer nur im englischsprachigen Raum geschrieben werden. Wo sind die deutschen Vordenker? In desem Sinne: Lesen.

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Anzeigenkrise in Frankreich

Veröffentlicht am 14. Februar 2008 um 10:45 Uhr von Mark Pohlmann

"Für die Werbung sind Tageszeitungen kein lukratives Medium mehr."
Generaldirektor des Figaro, Francis Morel. Quelle: FR. Gefunden bei Turi2.

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Communities verstehen Nutzer nicht

Veröffentlicht am 14. Februar 2008 um 9:27 Uhr von Mark Pohlmann

So ungefähr kann man eine Studie der FH Bonn-Rhein-Sieg zusammenfassen, die zusammen mit Freundliche Netzwerke, Beitreiber der Ranking-Community woobby, erstellt wurde. Befragt wurden 46 Community-Betreiber und 172 Community-Nutzer, 14 Netzwerke à la MySpace analysiert. Keine große Datenbasis, ehrlich gesagt, aber immerhin. Der Spiegel stellt die Ergebnisse vor.

Thomas Goette bringt schön auf den Punkt, worum es geht.

"Alles, was den Nutzer unmittelbar betrifft, erregt seine Aufmerksamkeit"

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Google liebt das Chaos mehr als Audi

Veröffentlicht am 13. Februar 2008 um 9:50 Uhr von Mark Pohlmann

Weder Verlagsangebote noch die Hersteller tauchen noch bei Google bei einer Suche nach "Audi A4 Erfahrungsbericht" auf. Alle zehn gelisteten Treffer verweisen auf nutzererstellte Inhalte aus Foren und Communities. Google liebt die Meinung mehr als jede Werbung, und hier kann man es sehen. Ob man sich in den Management-Etagen über diesen Hoheitsverlust im Klaren ist?

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Verlagshumor

Veröffentlicht am 11. Februar 2008 um 12:57 Uhr von Mark Pohlmann

"Wir sind stehend K.O. Aber zum Umfallen sind unsere Renditen zu gut"

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Das Ende eines Experimentes: Drei Monate SZ

Veröffentlicht am 10. Februar 2008 um 21:39 Uhr von Mark Pohlmann

Seitdem es Zeitungen gibt, gibt es empörte Abonnenten, die wegen Anlässen, die anderen auf ewig verborgen bleiben, empört kündigen, nicht ohne vorher nochmal richtig beleidigt durch die Gegend zu wettern. Ich habe vor drei Monaten mit der FAZ gebrochen, als sie mit einem nicht ungeschriebenen, aber vielzitierten Gesetz brach: Keine Bilder auf Seite eins. Damit, und mit ein paar anderen Details, die mit diesem Tabubruch einhergingen, endete für mich eine rund fünfzehnjährige unverbrüchliche Treue zu "Deutschlands führender Tageszeitung" (die sie schon längst nicht mehr ist). Ich schrieb keinen Leserbrief, ich bloggte. Und kündigte.

Es war mehr als dieses dusselige Bild, das mich enttäuschte. Aber schon das: Haben wir nicht genug Bilder, und zwar überall? Und gleich das erste, am ersten Tag des Tabubruchs: ein zehn Jahre altes Portrait des verstorbenen Walter Kempowski. Schlechter hätte man die bebilderte Sinnlosigkeit nicht exekutieren können. Ein Bild eines Lebenden als Erinnerung an einen Toten, so wie jeder bei Google es hätte hundertfach finden können. Es gibt, so sprach das Bild, keinen Grund für den Abdruck, keine Aussage, außer der, dass es auch alle anderen tun. Die Angst vor der sinkenden Auflage. Angst vor Reichweitenverlust war der Motor für den Relaunch. Mutlosigkeit das Ergebnis. Sein Symbol: Das Bild auf Seite 1.

Verändert wurde mehr als das Bild auf Seite eins. Die neue FAZ hat nun einen lichteren Satzspiegel, größeren Zeilenabstand und bekämpft die unterstellte Bleischwere des alten Blattes insgesamt sehr erfolgreich. Ja super, sowas wie die Welt gibt es schon, die muß man nicht nochmal neu erfinden, erst recht nicht von Frankfurt aus. Der Relaunch gibt gefühlte 20 Prozent des Inhalts zugunsten der Ästhetik des Zeitgeistes auf. Ein schlechter Deal.

Jetzt also die SZ. Wenigstens drei Monate, denn solange ging das Probeabo, das ich nicht verlängern werde. Wie waren die 90 Tage also in der süddeutschen Diaspora?

Um es kurz zu machen: Ich kann nichts schlechtes sagen. Begeistert hat es mich trotzdem nicht, was aber wohl eher mir als der Zeitung zuzuschreiben ist.

Neben dem sichtbar chaotischeren, wahrscheinlich liebenswerten Layout der Zeitung (alleine vier Schrifttypen im Kopf) am auffallendsten ist der sprachliche Unterschied. Die SZ hat einen sehr schönen Sprachstil und ist dazu orthographisch fehlerfreier als die FAZ. Nicht umsonst steht das Streiflicht an erster Stelle. Es setzt die rhetorische Messlatte des ganzen Blattes. Die SZ ist heiter-reflektiert mit menschlich- wie umsichtig verantwortungsvollem Unterton. Man hat studiert bei der SZ. Unglücke aller Art werden gerne und umfassend beschrieben, aber niemals ohne Hinweis auf ihre Ungerechtigkeit. Die SZ kümmert sich gerne um Menschen aus der zweiten Reihe. Gefallene Helden. Menschen, die nicht klagen, sondern machen. Toll sind das SZ-Magazin am Freitag und die New-York-Times-Kurzausgabe am Montag. Während die Themenauswahl des Feuilletons insgesamt erfrischte, kann der Wirtschaftsteil nur schwer als solcher bezeichnet werden. Angeblich hat die SZ diesen gerade überarbeitet, was ich aber nicht gemerkt habe. Zu stark wendet man sich hier an den privaten Konsumenten statt an die Wirtschaftswelt.

Als Hamburger erschwerend für den Genuß der SZ kommt die regionale Einfärbung der Münchner Lokalzeitung hinzu. Geradezu Sünde ist es, die SZ auch hier oben mit dem dortigen Lokalteil auszuliefern. Und nach drei Monaten SZ glaube auch ich, dass es nur einen Fußballverein mit Bedeutung gibt. Bayern München. Wen sonst.

Wahrscheinlich bin ich aber nur ungerecht und von der FAZ falsch erzogen. Ich werde trotzdem zurück. Nicht weil sie die bessere Zeitung ist. Sondern die vertrautere. Ich habe es nicht besser verdient.

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