Wie Blogs und Co. den US-Wahlkampf verändern

Veröffentlicht am 29. August 2008 um 13:59 Uhr von Anna Friedrich

Always on und zwar auf dem gesamten Globus - das sind zur Zeit auch die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain. Nie waren Diskussionen zu Politikern so präsent in Weblogs, Foren und Netzwerken wie in den aktuellen Wahlen in den Vereinigten Staaten.

Die Wahlkampfmanager setzen eifrigst Web 2.0-Anwendungen als Kommunikationsmöglichkeit mit den Wählern ein. Gleichzeitig sehen sie sich durch die nutzergenerierten Webinhalte konfrontiert mit einer vorher nie da gewesenen Macht von Wählern, die ihre Meinung online in Blogs und Co. kund tun. Digitale Mundpropaganda von Tagebuchschreibern beeinflusst die Stimmung sehr viel stärker als die Berichterstattung - vermeintlich neutraler - klassischer Journalisten. US-Wähler informieren sich bevorzugt über "inoffizielle" Quellen, die Meinung der Anderen im Web. Das ist bei den Wahlkampfstrategen angekommen.

Auf dem Parteitag in Denver beispielsweise wurde eigens für Blogger ein Zentrum errichtet. Ein Symbol für das Ausmaß der Macht der Blogschreiber, aber auch für die Legitimierung des Mediums "Blog" für die Berichterstattung. Einer der ersten und einflussreichsten Blogs in den USA ist POLITICAL WIRE. Weitere politische US-Blogger sind unter anderem Amanda Michel, Mayhill Fowler oder Adam Doster. Auch in Deutschland schenkt man den beiden US-Kandidaten reichlich Beachtung im Netz. Dass das ZDF für den amerikanischen Wahlkampf einen Blog eingerichtet hat, ist nur eines von vielen Beispielen.

Die Marktforscher von Ethority haben das Phänomen "US-Wahlkampf 2.0" in ihrer aktuellen Analyse genauer unter die Lupe genommen. Dazu haben sie etwa 90.000 Nutzermeinungen zu den beiden US-Kandidaten im Web untersucht. Sie wollten wissen, wie Wahlkampfthemen in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wahrgenommen und reflektiert werden und wie hoch das Gesamtgesprächsaufkommen, der Buzz, je Kandidat ist. Auch analysierten sie, ob die Personen Barack und McCain sowie deren Inhalte in diversen Sprachräumen unterschiedlich wahrgenommen werden.

Demokrat Obama wird, so die Ergebnisse der Untersuchung, in Weblogs, Online-Foren und Newssites aus dem deutsch-, englisch- und spanischsprachigen Raum stärker diskutiert als sein Konkurrent, Republikaner John McCain. Was die Tonalität der Gespräche angeht, so liegt McCain unter den Deutsch- und Spanischsprachigen nur geringfügig hinter Obama. Anders bei den Angelsachsen: sie sehen beide potentielle US-Präsidenten positiver.

buzzundtonalität.jpg

Insgesamt finden die digitalen Kommunikationskanäle für politische Diskussionen zur US-Präsidentschaftswahl vor allem in den USA Anklang, doch auch der deutsch- und Spanischsprachige Raum setzt die Web 2.0 Tools intensiv ein. Sicherlich werden deutsche Wahlkampfstrategien sich zukünftig stärker an nutzergenerierten Kommunikationskanälen orientieren müssen, um ihre Zielgruppen zu erreichen. Mehr zu den Ergebnissen berichtet die FTD.

Die USA liefern ein gutes Exempel für den Anbruch einer neuen Ära: der Einsatz von Weblogs, Online-Foren und Newssites schafft neue, vorher nicht da gewesene Partizipationsmöglichkeiten. Neutrale Berichterstattung wird zum Beiwerk bei politischen Diskussionen. Die "neue" Art Wahlkampf und die Einstellung der Wähler wird getrieben von nutzergenierten Meinungenn und Inhalten im Netz. Ethority-Sprecher David Nelles erklärt weiter:

Internetnutzer bewegen sich heute jenseits der Reichweitengrenzen klassischer Medien wie Print oder TV. War es in der Zeit vor dieser digitalen Kommunikation nur sehr schwer außerhalb klassischen Medien, Familie und Freundeskreis seine politische Meinung zu bilden, erweitert sich das willensbildende Forum durch YouTube & Co. exponentiell.

Diese Verschiebung in der Medienlandschaft, das Wichtigerwerden von nutzergenerierten Inhalten, könnte einen Wandel in der Demokratie bewirken. Die Leiterin des Instituts für Politik, Demokratie und Internet an der George-Washington-Universität, Julie Germany unterstreicht gegenüber dem ZDF:


Viele Spezialisten glauben, dass das Internet den politischen Prozess weiter demokratisiert, indem es den Wählern erlaubt, mit den Kandidaten zu kommunizieren, sich selbst einzubinden und ohne Mittelsmänner an Informationen zu kommen.

An diese Veränderung müssen sich die Wahlkampfstrategien und die Kandidaten - auch in Deutschland - anpassen, um bei ihren Wählern anzukommen. Allem voran geht SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der im Namen seiner Partei für neue Standards im Online-Wahlkampf sorgen will. Deshalb ist er eigens zum Parteitag nach Denver angereist, um über Twitter seine ganz persönliche Berichterstattung abzuliefern. Innerhalb der letzten vier Tage stieg die Anzahl seiner Follower von 12 auf 927! Daran zeigt sich doch, dass wir sie auch höeren wollen, diese indiskreten Kommentare von den Großen der Politik.

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Word of Mouth Manual II

Veröffentlicht am 22. August 2008 um 12:06 Uhr von Anna Friedrich

Dave Balter, Geschäftsführer von BzzAgent, bietet sein Buch "The Word of Mouth Manual, Volume II" hier kostenlos zum Download an. Gemäß seiner eigenen Prämisse vermarktet er sein Werk nur über Mundpropaganda - zur Verbreitung arbeitet er mit 20 US-Top-Bloggern und kommt dadurch schnell ins Gespräch.

Balter gibt in seinem Handbuch preis, warum Mundpropaganda so mächtig ist. Zahlreiche Studien und Beispiele zeigen, wie Marketiers die "Mund-zu-Mund"-Werbung sinnvoll für ihre Produkte einsetzen können. Einen wichtiger Punkt des BzzAgent-Gründers ist, dass Unternehmen direkt mit ihren Kunden interagieren:


As a result, the emerging word of mouth phenomenon produces incredibly rich and authentic conversations. Conversations that matter to others, that help them make decisions about what is really worth buying. It may be more accelerated than the word
of mouth of old, but it's still full of the authenticity that makes it so powerful.

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2. Woche iPhone: die große Enttäuschung

Veröffentlicht am 20. August 2008 um 9:39 Uhr von Mark Pohlmann

Die Hoffnung, mit dem iPhone die gewohnte Qualität von Apple Betriebssystemen auch für das Handy zu bekommen, hat sich nicht erfüllt.

- Besonderen Ärger macht das Update auf die Version 2.02 von gestern. Drittanbietersoftware startet nicht mehr: kein Facebook, kein Twitterific, kein NYT-Reader.
- Immer wieder friert das iPhone für 10-20 Sekunden beim Wechsel der Programme ein
- die automatische Worterkennung ist ein großes Übel, weil sie schlecht und aufdringlich ist. Das Schlimmst aber: das iPhone übernimmt automatisch den eigenen Gegenvorschlag. Wer also nicht ständig die Vorschläge im Blick hat und sie ggf. wegdrückt, hat am Ende nur Wortmüll stehen.
- Die Mail-Funktion holt zuverlässig alle Überschriften meiner Mails auf das iPhone, hat aber häufiger Probleme, den Inhalt dann auch anzuzeigen. Der Header ist da, der Inhaltsbereich bleibt grau.
- mein Home-WLAN wird zwar angezeigt und angenommen, es findet aber keine Datenverbindung statt.
- die kostenpflichtige Apple-Hotline, auf die T-Mobile verweist, glänzt mit Wartezeiten von 15 Minuten. Dagegen ist die Telekom ein Serviceparadies!

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Demokratisierungstendenzen

Veröffentlicht am 19. August 2008 um 18:02 Uhr von Mark Pohlmann

wirres_maffay.jpg

"peinlichkeit wird durch das internet sicherlich demokratisiert."
(Felix Schwenzel, wirres.net)
Wie wahr!

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Web 2.0 als Erfolgsstrategie: Kleine Unternehmen folgen Technologietrends am schnellsten

Veröffentlicht am 18. August 2008 um 19:31 Uhr von Anna Friedrich

Das amerikanische Business-Magazin Inc. hat seine Inc. 500-Studie aus dem Jahr 2007 in diesem Jahr wiederholt. Die Untersuchung erforscht, wie sich die am schnellsten wachsenden US-Firmen, genannt Inc. 500, an digitale Kommunikationsmittel anpassen.

Wie bereits im Vorjahr wurden die Unternehmen nach ihrem Nutzerverhalten und ihrer Vertrautheit mit Sozialen Medien befragt. Dabei stellte Gartner Fragen zu den sechs wichtigsten Medien: Blogs, Podcasts, Online Videos, Soziale Netzwerke und Wikis. Die Ergebnisse sind eindeutig:

Vertrautheit mit sozialen Medien

Soziale Medien haben in der Tat bereits Teile der US-Wirtschaft erfasst - und das mit einer enormen Geschwindigkeit. Laut Studie hat sich die Bekanntheit von sozialen Medien in den Inc. 500 Unternehmen im Laufe der letzten 12 Monate fast verdoppelt. Noch 2007 lagen Wikis ganz hinten, was die Vertrautheit angeht - in diesem Jahr überholen sie die Podcasts.

socmediaadoption1.png

Strategische Rolle von Web 2.0-Technologien in Unternehmen

Je vertrauter Organisationen mit den Applikationen sind, desto häufiger setzen sie sie logischerweise ein. 44 Prozent der 209 der befragten Inc. 500 Firmen sehen die sozialen Medien als zentralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie und damit als entscheidenden Erfolgsfaktor. Das sind 25 Prozent mehr als im letzten Jahr. Soziale Netzwerkseiten wurden, wie bereits im vorangegangenen Jahr, als die am häufigsten genutzte Anwendung genannt.

socmediaadoption3.png

Von der Vertrautheit hin zur Anwendung
Rund 40 Prozent der teilnehmenden Unternehmen betreiben Blogs - wohingegen nur 10 Prozent der Fortune 500 Unternehmen dies tun. Insgesamt bloggen rund 20 Prozent mehr Inc. 500-Firmen als im Jahr 2007 (Quelle: NYT). Selbst Podcasts, die das am wenigsten vertraute Medium sind, werden von 21 Prozent der Befragten eingesetzt. Insgesamt werden alle sechs Formen der sozialen Medien sehr viel häufiger eingesetzt und zwar zu 77 Prozent verglichen mit den Ergebnissen aus 2007.

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Der Hype-Zyklus neuer Technologien

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Gartner beschäftigt sich mit dem Hype-Zyklus neuer Technologien. Wenn die Ergebnisse die Geschäftsstimmung richtig widerspiegeln, dann ist die Einführung von Web 2.0-Anwendungen nicht gleichzustellen mit der Zufriedenheit.

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Die Gartner-Forscher sagen 27 Technolgietrends voraus, die sich in den nächsten zwei bis fünf Jahren in Organisationen etablieren werden. Acht davon sollen sich besonders stark auf Unternehmen auswirken. Dazu gehören unter anderem: Green IT, Web 2.0, Cloud Computing, Virtuelle Welten, Soziale Netzwerke, Videokonferenzen und Microblogging. Mehr dazu lesen Sie hier.

Viele der Technologien kommen allerdings erst bei den Endkonsumenten an, bevor sie im Unternehmen angewendet werden, dies prognostiziert Jackie Fenn. Die Vizepräsidentin des Marktforschungsinstitutes glaubt an das Platzen der Web 2.0-Blase. Trotzdem sieht sie, dass diese Technologien im Unternehmen einen immer höheren Stellenwert erlangen. Firmen sammeln Erfahrung im Einsatz der Technologien, spüren den Erfolg und die kulturellen Auswirkungen spüren werden. Sie kommentiert die weitere Entwicklung wie folgt:


Later -- in between two and five years -- cloud computing and service-oriented architecture (SOA), which is moving up the Slope of Enlightenment, will deliver transformation in terms of driving deep changes in the role and capabilities of IT. Finally, public virtual worlds, which are suffering from disillusionment after their peak of hype in 2007, will in the long term represent an important media channel to support and build broader communities of interest.

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Networking-Event für Profis und Privatanleger: 1. AktienCamp in München

Veröffentlicht am 18. August 2008 um 11:22 Uhr von Mark Pohlmann

Stockflock veranstaltet am 18. Oktober das 1. AktienCamp in München. Ziel der ersten offenen Netzwerkveranstaltung für Börsenprofis und Privatanleger ist es, eine neue Kultur der Inspiration und Vernetzung in die Finanzszene zu tragen. Einen Tag lang präsentieren Experten und Hobbyanleger ihr Fachwissen. Das AktienCamp steht in der Tradition der BarCamps. Die Vorträge und Diskussionsrunden werden durch die Teilnehmer selbst koordiniert. Alle Teilnehmer sind aufgefordert, selbst einen Vortrag zu halten oder Referenten und Themen vorzuschlagen. Organisiert wird das AktienCamp von der Aktiencommunity Stockflock.de, die von der Sixt e-ventures GmbH betrieben wird. Die Teilnahme ist kostenlos, aber auf 100 Plätze begrenzt.

Nach dem Motto "Von den Besten lernen, Neues entdecken" geben als Auftakt vier Finanzmarktprofis Einblicke in ihre Anlagestrategien. Erich Sixt, Vorstandsvorsitzender der Sixt AG spricht zu der Frage: "Wie macht man seine erste Million?" Venture Capitalist Christian Leybold von BV Capital behandelt das Thema Unternehmensbewertung. Der als Börsenbauer bekannte Johann Schmalhofer erläutert die technische Analyse anhand von Rohstoffwerten. Christian Wietoska, Vorsitzender des Bundesverbandes der Börsenvereine an deutschen Hochschulen (BVH), widmet sich der Portfolio-Optimierung für Privatanleger.

Bis zu zehn weitere Vorträgsplätze stehen allen AktienCamp-Teilnehmern offen. Sie können die aus ihrer Sicht interessantesten Investments, Analysemethoden oder Anlagestrategien vorstellen. Teilnehmer, die selbst präsentieren wollen, reichen ihre Beiträge im Forum von www.aktiencamp.de ein.

Hierzu registrieren Sie sich bitte erst als Mitglied auf www.aktiencamp.de und melden sich dann für die Teilnahme am 18. Oktober 2008 in München an.

Disclaimer: Mavens Dialog organisiert das AktienCamp für Stockflock.de

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1 Woche iPhone

Veröffentlicht am 15. August 2008 um 13:09 Uhr von Mark Pohlmann

Vier Wochen nach der Bestellung am erstmöglichen Tag (11. Juli morgens um 8.45 Uhr) bekam auch ich meines. Die Zuteilung roch nach sozialistischer Planungswirtschaft, aber was soll's.

Das meiste ist zum iPhone schon gesagt, deswegen halte ich mich kurz:

- Die Benutzeroberfläche ist rund zwei Generationen weiter als alles, was ich von allen klassischen Handy-Herstellern jemals in den Händen hatte. Wer was auch immer von Nokia & Co erwartet: Das wird nicht vor 2010 der Fall sein. Apple-Hasser, die solange nicht warten wollen, sollten ihre Hoffnungen auf die Android-Modelle verlegen. Das Betriebssystem wird von Google mitentwickelt. Vor allem: Vergesst das Betriebssystem Symbian. Das ist tot.
- UMTS ist langsam und unzuverlässig. Ich bin enttäuscht, vermute den Fehler aber eher in den Telekom-Netzen als im iPhone.
- Die virtuelle Tastatur funktioniert so leidlich, die Worterkennung ist ein Graus. Mit Sicherheit der größte Nachteil des ganzen Prinzips iPhone.
- Die Akkulaufzeigen halten nicht, was sie versprechen. Bei intensiver Nutzung ist nach 4-5 Stunden Schluss.
- Google Maps ist nicht in der Lage (oder: ich bin nicht in der Lage...), mir meinen Standpunkt anzuzeigen. Was ist da los?
- Der Prozessor wird bei viel Aktivität warm, manche Programme geraten in seltenen Fällen ins Stocken.
- Alles andere (YouTube, Twitter, iPod, Internet, SMS, VoiceMail) sind schlicht sensationell.
- Ein Wort zu den Tarifen: ich zahle für 1.000 Minuten, Quasi-Datenflatrate (5GB), die ich auch auf anderen Geräten nutzen kann und hinrissig viele SMS (ich glaube, 500) 75 Euro netto, das iPhone selbst ist stark subventioniert (habe 19 Euro für das 16GB-Modell bezahlt). Ich finde den Preis fair.

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Netzwerke als Zeitvernichter

Veröffentlicht am 15. August 2008 um 12:53 Uhr von Mark Pohlmann

Menschen ohne eigenes Netzwerk empfinden Communities als Zeitverschwendung, weil sie sich nicht die Zeit nehmen, eines aufzubauen. Jüngstes Beispiel: Friedhelm Weidelich, Autor eines großen Xing-Selbstversuches für die FAZ, fand nur mit Blessuren der Nichtbeachtung wieder heraus.

Nun, vielleicht ist Xing auch nicht die beste aller Communities, um Geschäftskontakte zu knüpfen, ist es doch eher für seine Qualitäten als digitales Adressbuch bekannt. Aber das ist ein anderes Thema. Das Fazit des Autoren:

Das Web-2.0-Konstrukt Xing, glauben wir, hat die besten Zeiten schon hinter sich. Aus unserer Sicht ist es ein unterhaltsames Panoptikum für alle Themen der Welt, ein vielseitiges Flirt- und Hobby-Forum, in dem man Freund und Lebenspartner finden kann. Für berufliche Zwecke erscheint uns Xing kaum geeignet, denn Kontrakte und Kontakte machen wir immer noch persönlich und am Telefon. Daran hat auch Web 2.0 nichts geändert. Die virtuelle Gemeinschaft vermittelt nur das Gefühl, ein wenig näher am Geschäft zu sein. Das Gegenteil ist der Fall.
Den ganzen Artikel lesen.

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Selbst große Netzwerke bleiben regional

Veröffentlicht am 15. August 2008 um 12:26 Uhr von Mark Pohlmann

Sehr interessant ist, welche Informationen über die Nutzung von Social Networks Martin Weigert auf dem Blog Netzwertig aus dem neuen Google-Tool "Search Insights" herausgepresst hat: Die durchaus eklatanten regionalen Schwerpunkte selbst großer und reichweitenstarker Communities wie Lokalisten oder Xing. Nicht auszudenken also, wie groß beispielsweise Wer-kennt-Wen werden könnte, wenn sie aus ihrer südwestdeutschen Ecke herauskämen. Andererseits ist genau das das Geheimnis der vieler Communities: Dass eben eine tatsächliche Bekanntschaft der Nutzer untereinander aus dem nichtdigitalen Leben vorliegt. Und die sind eben regional beschränkt.

Hier die Zusammenfassung. Der Originalbeitrag weist für jedes Netzwerk noch eine sehr übersichtliche Verteilungsgrafik aus.

- studiVZ, schülerVZ, MySpace, spin.de, Xing: deutschlandweit
- wer-kennt-wen.de, Piczo: Schwerpunkt Südwestdeutschland
- KWICK!: Schwerpunkt Baden-Württemberg
- lokalisten: Schwerpunkt Bayern
- Facebook: Schwerpunkt Hessen
- joinR: Schwerpunkt Hamburg und Norddeutschland
- JUX.de: Schwerpunkt Ostdeutschland
- Jappy: Schwerpunkt Berlin

Danke noch einmal an Martin für diese sehr aufschlussreiche Übersicht.

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Kurzes Lebenszeichen und die nächsten Termine

Veröffentlicht am 15. August 2008 um 9:30 Uhr von Mark Pohlmann

Neben Urlaub, einem privaten Umzug, kleineren Vorträgen und einigen größeren neuen Kundenprojekten hält mich momentan vor allem der wunderschöne Auftrag der feinen Kulturzeitschrift "DU" davon ab, hier mehr zu bloggen. Die Du behandelt in einer ihrer nächsten Ausgaben das Phänomen Helden. In meinem Part geht es die Frage, wie das Internet den Umgang mit Helden verändert.

An dieser Stelle möchte ich wenigstens kurz auf die nächsten Termine hinweisen. Da ist das Testertreffen für unseren Kunden carmondo am 20. September in Hamburg. Wer sich gerne in Auto-Communities aufhält und Lust hat, ein paar PS-lastigere Neuwagen aus der Sixt-Flotte zu testen, darf sich die Details unserer Testertreffen, die wir regelmäßig quer durch ganz Deutschland veranstalten, gerne einmal anschauen.

Danach kommt das Brand Community Forum am 29. September, ebenfalls in Hamburg. Dort werde ich einen Vortrag über die Wirkungsweise von Communities auf Marken und die Möglichkeiten der Beeinflussung von Meinungen in diesen Umfeldern halten. Mit Nils Andres (BSI), Markus Beele (Warner Music) und Sven Markschläger (Jägermeister) gibt es weitere spannende Referenten.

Weiter geht es mit dem 1. AktienCamp, das wir für die Finanzcommunity Stockflock am 18. Oktober in München veranstalten. Hier wird es in den nächsten Tagen auch noch eine Pressemitteilung und einiges mehr an Informationen geben. Wer sich für die sehr außergewöhliche Mischung aus Aktien und Barcamp interessiert und aus der Gegend kommt, sollte auf jeden Fall vorbeischauen.

Noch ein bisschen Zeit bis zum 5./6. Mai 2009 ist es für die Next09, deren Programm wir auch im nächsten Jahr mitbetreuen. Die Next wird erstmals auf zwei Tage ausgebaut Hier gilt ab sofort ein Friends-Tarif von 390 Euro, die Anmeldung ist auf der Website bereits möglich.

Achja, und Christine Donner, das Genie, wenn es darum geht, für unsere Kunden die besten Mavens zu finden (deswegen gerne von mir auch respektvoll "Mavenator" genannt. Jedenfalls, wenn sie es nicht hören kann), heiratet am 11. September im Rathaus Altona. Das soll nicht unerwähnt bleiben ;-)

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Die Welt ist klein und Netzwerke sind mächtig

Veröffentlicht am 7. August 2008 um 17:33 Uhr von Anna Friedrich

Spätestens mit dem Boom der Sozialen Netzwerke sind die "Six degrees of seperation" bekannt. Geprägt hat sie bereits Ende der 60er Jahre der Sozialforscher Stanley Milgram mit einem Experiment zum Kleine-Welt-Phänomen. Er versandte Briefe, die keine genaue Anschrift hatten und daher über Bekannte weitergeleitet werden mussten. Im Ergebnis lag die durchschnittliche Verbindungskette bis zum tatsächlichen Adressaten bei 6,2 Personen - das heißt, dass jeder jeden über sechs Ecken kennt.

Applikationen wie MySpace, Facebook, Friendster, Xing und Co. helfen, die eigenen Verbindungen sichtbar zu machen. Facebook bietet die Ansicht der "6 Degrees of Seperation" Applikation gegen Bezahlung. Bei Xing sieht man kostenlos, über wieviele Ecken man wen kennt.

Dieser Sechs-Grad-These sind Eric Horvitz und Jure Leskovec, Wissenschaftler bei Microsoft, in einer umfangreichen Studie auf den Grund gegangen. Ihre Ergebnisse aus der erstmaligen Untersuchung eines sozialen Netzwerkes weltweit bestätigen im Kern, dass die Milgram-Theorie auch im Web 2.0 Gültigkeit hat.

Sie analysierten 30 Milliarden (!) anonymisierte Nachrichten, die 240 Millionen Nutzer im Juni 2006 über den Microsoft Messenger verschickt haben. Dies sei ungefähr 50 Prozent der Instant-Messenger-Kommunikation weltweit. Insgesamt sei das größte soziale Netzwerk erstellt worden, das in diesem Umfang jemals empirisch untersucht worden ist. Durchschnittlich sind es 6,6 Schritte, die zwischen zwei beliebigen Nutzern liegen. Bei knapp der Hälfte der Personen ergibt sich eine Verbindung in 6 Schritten, bei rund 80 Prozent in sieben - allerdings lagen manchmal auch 29 Schritte zwischen einer Verbindung. Deshalb schlagen die Wissenschaftler Horvitz und Leskovec als Fazit "Seven degrees of separation" vor.

Im Vordergrund der Analyse standen demografische Faktoren wie Alter, Geschlecht und Herkunft/Ort, Sprache und IP-Adresse. Die Studie fand heraus, dass Menschen mehr miteinander kommunizieren, wenn sie einander in vielen Punkten ähnlich sind. Geschlechterübergreifende Unterhaltungen kommen sehr viel häufiger vor und sind länger, als mit dem gleichen Geschlecht.

Deshalb korrigieren die Wissenschaftler die These von der kleinen Welt dahingehend, dass die räumliche Distanz nicht egal ist. Je größer sie ist, desto niedriger die Kommunikationsdichte. Interessant ist, dass bei größere Entfernung häufiger und länger gechattet wird. Weitere Details gibt es in der vollständigen Studie selbst.

Zurecht fragt sich die Washington Post, warum überhaupt wichtig sein soll, dass Menschen auf dem Globus so eng miteinander verbunden sind. Die Wissenschaftler geben an, dass das Wissen z.B. für politische Organisationen, Caritas-Aktionen, Naturkatastrophen und für die Suche nach vermisste Personen angewendet werden kann. Eric Horvitz erklärt, warum die Macht der "Seven degrees of seperations" nicht unterschätzt werden sollte:

They could create large meshes of people who could be mobilized with the touch of a return key.

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Letzte Ausfahrt E-Commerce

Veröffentlicht am 6. August 2008 um 12:07 Uhr von Mark Pohlmann

Innerhalb von zwölf Monaten haben StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ zusammen ihre Nutzerzahlen von 4 auf 11 Millionen gesteigert. Atemberaubende 95 Prozent sind hiervon regelmäßig aktiv auf den Netzwerken unterwegs. "Unser Wachstum ist keine Eintagsfliege, sondern geplant", sagt StudiVZ-CEO Marcus Riecke im Interview mit der FAZ. Wer jetzt was geplant hat, ist eigentlich egal, schließlich heiligt der Erfolg alle Mittel, und viele Väter hat er sowieso.

Das Problem aber bleibt, dass das geplante Wachstum einfach nicht auf den Umsatz überspringen mag. Riecke windet sich im Interview um konkrete Zahlen herum, avisiert für 2009 eine "Verdreifachung des Umsatzes" auf einen dann "achtstelligen Betrag". Das kann nur heißen, dass dieser derzeit bei um 3 bis 4 Millionen Euro liegt. Bei 11 Millionen Mitgliedern sind das 27 Cent Umsatz pro Nutzer. Und da die Kosten um ein Vielfaches höher liegen dürften, ergibt sich grob kalkuliert und über den Daumen geschätzt einen mittlerer siebenstelliger bis vielleicht sogar achtstelligen Fehlbetrag im Jahr. Der Holtzbrinck Verlag als Eigner wird vor Freude juchzen.

Jetzt müssen also Einnahmen her, klar. Die Quell' der Unbill, immerhin, ist erkannt: Es ist die Werbung, die nicht funktioniert. Marcus Riecke erklärt, warum seine Nutzer diese als lästigen Störfaktor wahrnehmen

In einem Umfeld privater Kommunikation stört Werbung, die den Nutzer von der Kommunikation abhält. Wir werden Modelle finden, in denen wir es schaffen, Werbung zu platzieren, die von den Nutzern gewollt ist.

Was will aber der User? Riecke sagt: Shoppen. Als Paradebeispiel für gelungenes Internetmarketing nennt er die Kooperation zwischen StudiVZ und Brands4Friends. Sie funktioniere, weil das Angebot zum Interesse einer Shopping-Gruppe auf StudiVZ passe. Hier erhalten 90.000 Mitglieder Angebote für reduzierte Markenware. Dies gehe "in die Richtung Social Shopping", so der StudiVZ-Chef.

In Wahrheit ist die Einbindung eines Shops mit festem Sortiment ziemlich weit entfernt von der Idee des Social Shopping: Hier verbinden Produkte Menschen zu Gruppen und führen Empfehlungen zu Produkten. Das macht aber nichts. Fest steht, dass auch das größte Netzwerk Geld verdienen muss. Und irgendwie wird ja alles, was in einer Community passiert, zu etwas Sozialem.

Noch ist es keinem Unternehmen gelungenen, aus einem Inhalteanbieter ein E-Commerce-Unternehmen zu formen. Rieckes Rückfall in die Zeiten der New Economy, wo viele Verlage, darunter der Spiegel, ihre Zukunft im E-Commerce- sahen, wirkt wie ein Verzweiflungsakt.

Shoppen wird das Problem seiner fehlenden Einnahmen allerdings nicht lösen - denn dann wäre er ein Händler. Amazon gibt es aber schon. Und ob eine Community der bessere Händler ist? Wohl kaum. Es hilft alles nichts: Entweder Werbetreibende und Plattformen finden für den Nutzer attraktive Werbeformen, oder Plattformen wie StudiVZ verschwinden. Die Folge wäre nicht, dass sich Communities in Nichts auflösen. Sie würden sich nur weiter zersplittern. 11 Mio. Nutzer auf einen Streich erreichen zu können, ist eigentlich eine Steilvorlage für die Werbeindustrie. Diese Chance gibt es folglich nicht mehr allzu lange. Eine Schande, wenn diese es alleine vor dem Tor nicht schafft, den Ball über die Linie zu schieben.

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