Die Welt ist klein und Netzwerke sind mächtig

Veröffentlicht am 07. August 2008 von Anna Friedrich

Spätestens mit dem Boom der Sozialen Netzwerke sind die “Six degrees of seperation” bekannt. Geprägt hat sie bereits Ende der 60er Jahre der Sozialforscher Stanley Milgram mit einem Experiment zum Kleine-Welt-Phänomen. Er versandte Briefe, die keine genaue Anschrift hatten und daher über Bekannte weitergeleitet werden mussten. Im Ergebnis lag die durchschnittliche Verbindungskette bis zum tatsächlichen Adressaten bei 6,2 Personen – das heißt, dass jeder jeden über sechs Ecken kennt.

Applikationen wie MySpace, Facebook, Friendster, Xing und Co. helfen, die eigenen Verbindungen sichtbar zu machen. Facebook bietet die Ansicht der “6 Degrees of Seperation” Applikation gegen Bezahlung. Bei Xing sieht man kostenlos, über wieviele Ecken man wen kennt.

Dieser Sechs-Grad-These sind Eric Horvitz und Jure Leskovec, Wissenschaftler bei Microsoft, in einer umfangreichen Studie auf den Grund gegangen. Ihre Ergebnisse aus der erstmaligen Untersuchung eines sozialen Netzwerkes weltweit bestätigen im Kern, dass die Milgram-Theorie auch im Web 2.0 Gültigkeit hat.

Sie analysierten 30 Milliarden (!) anonymisierte Nachrichten, die 240 Millionen Nutzer im Juni 2006 über den Microsoft Messenger verschickt haben. Dies sei ungefähr 50 Prozent der Instant-Messenger-Kommunikation weltweit. Insgesamt sei das größte soziale Netzwerk erstellt worden, das in diesem Umfang jemals empirisch untersucht worden ist. Durchschnittlich sind es 6,6 Schritte, die zwischen zwei beliebigen Nutzern liegen. Bei knapp der Hälfte der Personen ergibt sich eine Verbindung in 6 Schritten, bei rund 80 Prozent in sieben – allerdings lagen manchmal auch 29 Schritte zwischen einer Verbindung. Deshalb schlagen die Wissenschaftler Horvitz und Leskovec als Fazit “Seven degrees of separation” vor.

Im Vordergrund der Analyse standen demografische Faktoren wie Alter, Geschlecht und Herkunft/Ort, Sprache und IP-Adresse. Die Studie fand heraus, dass Menschen mehr miteinander kommunizieren, wenn sie einander in vielen Punkten ähnlich sind. Geschlechterübergreifende Unterhaltungen kommen sehr viel häufiger vor und sind länger, als mit dem gleichen Geschlecht.

Deshalb korrigieren die Wissenschaftler die These von der kleinen Welt dahingehend, dass die räumliche Distanz nicht egal ist. Je größer sie ist, desto niedriger die Kommunikationsdichte. Interessant ist, dass bei größere Entfernung häufiger und länger gechattet wird. Weitere Details gibt es in der vollständigen Studie selbst.

Zurecht fragt sich die Washington Post, warum überhaupt wichtig sein soll, dass Menschen auf dem Globus so eng miteinander verbunden sind. Die Wissenschaftler geben an, dass das Wissen z.B. für politische Organisationen, Caritas-Aktionen, Naturkatastrophen und für die Suche nach vermisste Personen angewendet werden kann. Eric Horvitz erklärt, warum die Macht der “Seven degrees of seperations” nicht unterschätzt werden sollte:

They could create large meshes of people who could be mobilized with the touch of a return key.

Eine Antwort zu “Die Welt ist klein und Netzwerke sind mächtig”

  1. Themenblog » Blog Archiv » Immer dem Schwarm nach

    [...] sechs Ecken kennen, belegt Milgram’s Theorie “Six Degrees of Influence” (siehe Die Welt ist klein und Netzwerke sind mächtig). Deshalb der Connected!-Claim: Wir können mit der sozialen Ansteckung die halbe Welt erreichen! [...]

Hinterlasse eine Antwort