Brand Communities - Brands best Friends?

Veröffentlicht am 30. September 2008 um 11:28 Uhr von Mark Pohlmann

Diesen Vortrag habe ich gestern als Eröffnung des Brand Community Forums gehalten und möchte ihn selbstverständlich der Restöffentlichkeit nicht vorenthalten.

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Deutsche Internetnutzer googlen wie die Weltmeister

Veröffentlicht am 25. September 2008 um 17:50 Uhr von Anna Friedrich

Wer sucht, der findet - in Deutschland am liebsten über Google. 80 Prozent der 3,8 Milliarden Suchanfragen der Deutschen im Monat Juli kommen dem Suchmaschinengiganten Google zugute. Das entspricht gut drei Milliarden Suchanfragen. Dies ergibt eine Messung des Marktforschers Comscore. Allerdings ist laut Holger Schmidt der Marktanteil von Google sogar noch höher - er schätzt ihn auf rund 90 Prozent. Denn Webseiten wie T-Online und AOL haben die Google-Suchmaschine auf ihren Portalen integriert.

Vom großen Kuchen lässt Google wenig übrig für die restlichen Anbieter. eBay landet im Suchreport mit einem Anteil von 6,1 Prozent auf dem zweiten Platz. 3,4 Prozent entfallen auf die Yahoo-Suche innerhalb von StudiVZ, die zur Georg von Holzbrink-Verlagsgruppe gehört. ProSiebenSat1-Seiten werden bei 2,1 Prozent der Suchanfragen genutzt. Microsoft kann gerade mal ein Prozent Marktanteil für sich behaupten und Yahoo nur 0,9 Prozent.

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Japanerinnen daten Avatare

Veröffentlicht am 24. September 2008 um 10:21 Uhr von Anna Friedrich

Skurril ist der neueste Hype: auf Webkare erobern Japannerinnen digitale Herzen. Das Internetportal kombiniert eine Dating-Simulation mit einem sozialen Netzwerk. Übersetzt heißt Webkare soviel wie "Internetfreund". Sensationell sind die Userzahlen - bereits fünf Tage, nachdem die Site live ging, nutzen 10.000 Mädchen und junge Frauen das kostenlose Netzwerk. Im gleichen Zeitraum werden 3,5 Millionen Page Views gezählt. Die Hälfte der Nutzerinnen ist zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Ziel des Dating-"Spiels" ist es, bei den digitalen Partnern so gut anzukommen, dass sie eine Beziehung mit ihnen eingehen. Virtuell. Hierzu reden sie mit den vier zur Auswahl stehenden Charakteren. Sie versuchen, einen der vier Typen, den Sportlichen, Intellektuellen, Frauenschwarm oder den Softie zu treffen. Dabei arbeiten sie auch mit anderen Mitgliedern zusammen, um dann optimalerweise das Herz des Schwarms zu erobern. Die Erfinder von Webkare haben eine Highschool zum Ort der Geschehnisse gemacht. Dort findet der erste Kontakt statt.

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Allerdings sind die Möglichkeiten, mit den Wunschdates zu interagieren, beschränkt. Die jungen Damen können keinen Text eingeben oder tatsächlich mit den Comicfiguren sprechen. Webkare spielt einen kurzen Cartoon ab, sobald man auf den Jungen klickt, den man mag. Von da an nimmt die prätentiöse Liebesgeschichte ihren Lauf. Wichtige Erlebnisse in der Entwicklung der "Beziehung" kann man dann in einer Art Poesiealbum speichern. Insgesamt ist die Plattform einfach gestrickt.

Ähnlich einem regulären Netzwerk haben die Webkare-Fans ein eigenes Profil. Dort können sie Nachrichten verschicken, in Foren diskutieren und Kurznachrichten veröffentlichen (à la Twitter). Selbstverständlich wird auf der Profilseite der jeweilige digitale Freund angezeigt.

TechCrunch lobt die Geschäftsidee von Webkare:

It's pretty weird but clever. Dating simulations have been popular in Japan for quite a while now, but Webkare marks the first time the concept has been brought online and combined with social networking functionality.

Clever deshalb, weil Webcare sich mit Online-Werbung finanziert. Und je mehr Klicks die Nutzerinnen produzieren, desto mehr Geld lässt sich mit der - bisher - für Frauen kostenlosen Plattform machen. Webkare bietet nach Einschätzung von TechCrunch vielfältige Möglichkeiten: etwa durch virales Merchandising oder den Verkauf virtueller Ware (z.B: Klamotten, um den Schwarm zu beeindrucken). Ausserdem könnte bald eine gebührenpflichtige mobile Version mit mehr Funktionen angeboten werden.

Dass Webkare auch in Amerika, Europa oder Deutschland einschlagen könnte, wie eine Bombe, wage ich zu bezweifeln. Eine Seite für simuliertes Dating würde hierzulande sicherlich sehr viel mehr moralische Kritik erzeugen.

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Google News verursacht Kurssturz bei United Airlines

Veröffentlicht am 19. September 2008 um 19:04 Uhr von Anna Friedrich

Die Macht des Internetgiganten Google wirkt sich sogar auf die Marktkapitalisierung von Unternehmen aus. Letzte Woche vermeldete der Newsservice "Google News" den Konkurs von United Airlines - dass die Meldung schon sechs Jahre alt war, wusste zu diesem Zeitpunkt Niemand, zumindest nicht der Chicago Tribune.

Als Reaktion auf diese Konkursmeldung veröffentlichte die Onlineausgabe der Tageszeitung Sun Sentinel einen Artikel - mit verheerenden Auswirkungen. Die Aktie der United Airlines fiel innerhalb von 12 Minuten um 75 Prozent von von 12 auf 4,05 US-Dollar, mehr als eine Milliarde Dollar (!) wurden vernichtet. Und das alles wegen einer Falschmeldung. Denn der Airlinebetreiber hatte keineswegs Konkurs angemeldet. Die Meldung von vor sechs Jahren wurde versehentlich von einem Google-Computerprogramm als neu ausgegeben.

Nachdem der Fehler aufgefallen war, entfernte der Chicago Tribune den Artikel sofort von seiner Seite und entschuldigte sich in einem Pressestatement:

A Chicago Tribune story written in December 2002 regarding the United Airlines bankruptcy filing that year was apparently picked up by an investment advisory and research firm and republished as though it was current, (...) The story was located in the archive section of the Web site of the Sun Sentinel in South Florida. The story contains information that would clearly lead a reader to the conclusion that it was related to events in 2002. In addition, the comments posted along with the story are dated 2002.

Bei der Schuldfrage geht es nicht darum, wer versagt hat. Klar war es ein Fehler, die Konkursmitteilung und darauf aufbauend den Kurssturz nicht näher zu analysieren. Zwischen der Tribune-Gruppe und Google ist ein Streit entfacht. Ein Sprecher von Tribune spricht von der "Unfähigkeit des automatischen Google-Systems" spricht und macht Google für das Auftauchen der Falsch-Nachricht verantwortlich. Google wiederum spielt den Ball zurück und behauptet gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass der Artikel eindeutig datiert gewesen sei, da er sonst nicht in das Nachrichtenangebot aufgenommen worden wäre.

Aber, das Problem ist doch ein ganz anderes. Nämlich, wer macht die News? Mensch oder Maschine? Thomas Schuler von der Süddeutschen Zeitung schreibt hierzu:


Niemand kontrollierte und hinterfragte die Aktualisierung. Die Aktie wurde für einige Stunden aus dem Handel genommen. Bis zum Abend war sie stabilisiert, die Börsenaufsicht SEC kündigte eine Untersuchung an. Damit schien das Problem an der Börse geregelt, nicht aber das Problem des Journalismus.

Woher also nehmen wir die News? Wem schenken wir größeres Vertrauen?

Google News ist nicht verlässlich, weil ein mathematischer Suchalgorithmus fehlbar ist. Ausserdem ist das, was Google uns präsentiert, Mainstream. Bloß, weil es die vielgelesenen Artikel zum Thema sind, kann man nicht darauf vertrauen, dass die Informationen richtig oder wahr sind. Oder sollen wir in diesem Fall der Schwarmintelligenz vertrauen?

Journalisten recherchieren häufig nicht gründlich genug. Das liegt sicherlich auch am Zeitdruck - denn Zeitungen müssen Kosten einsparen. Dass Irren menschlich ist, wissen wir bereits seit Homer. Und der Fall von United Airlines hat die Auswirkungen von "blinder" Akzeptanz der klassichen Nachrichtenberichterstattung einmal mehr unter Beweis gestellt.

In einem Interview mit der SZ nahm John Lloyd, Medienexperte und Direktor am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford Universität Stellung zum Verhältnis von Journalisten zu Google News:

Google News" ist derzeit eher unser Feind als Verbündeter. Und zwar weil dort Nachrichten nicht selbst produziert, sondern einfach Anderen weggenommen werden. Dadurch wird die Anziehungskraft derer geschwächt, die fürs Nachrichtensammeln bezahlen müssen. Die stellen Google unfreiwillig ihre Ressourcen zur Verfügung und bekommen nichts zurück.

Immerhin scheint sogar Google selbst sich Sorgen zu machen - spätestens nach der provkanten Veröffentlichung von Nicolas Carr "Is Google making us Stupid?". Auf einer Konferenz äußerte sich Google-CEO Eric E. Schmidt kürzlich skeptisch gegenüber der Zukunft des Journalismus. Er befürchtet, dass investigativer Journalismus ausstirbt und zwar zusammen mit der Zeitungsindustrie, die einst ihr Verfechter war. Gegenüber der New York Times sagte er, dass Google von qualitativ hochwertigen Inhalten lebt - womit er ja auch recht hat.

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Soziale Netzwerke sind sexy

Veröffentlicht am 19. September 2008 um 9:26 Uhr von Anna Friedrich

Sex sells? Im Internet stimmt das wohl nicht mehr so ganz. Anstatt auf Pornoseiten zu surfen, sind Internetnutzer viel lieber in sozialen Netzwerken unterwegs. Dies will Bill Tancer, Manager beim Researchunternehmen Hitwise und selbsternannter Datenfreak herausgefunden haben. Er analysierte über 10 Millionen Internetnutzer mit dem Fazit, dass das Online-Nutzerverhalten widerspiegelt, wie wir (auch offline) kommunizieren und wie sich die Gesellschaft verändert. Anhand seiner Ergebnisse betrachtet er daher in seiner neuesten Veröffentlichung "Click: What Millions of People are Doing Online and Why It Matters" die Veränderung des gesellschaftlichen Verhaltens.

Auffällig bei der Datenanalyse ist laut Tancer vor allem das gesunkene Interesse an pornographischen oder sonstigen Unterhaltungsseiten für Erwachsende. Insbesondere die Altersgruppe zwischen 18 und 24 sucht weniger nach Pornos. Insgesamt fallen nur rund 10 Prozent auf Suchen nach Pornos. Vor 10 Jahren ging es noch bei jeder fünften Internetrecherche um "das Eine". Dagegen surfen Nutzer heute nun stark nach sozialen Netzwerkseiten. Diesen Wandel führt Tancer auf die steigenden Userzahlen zurück:

As social networking traffic has increased, visits to porn sites have decreased. (...) My theory is that young users spend so much time on social networks that they don't have time to look at adult sites.
Interessant ist, dass Tancer hierin ein Zeichen für den Wandel der Gesellschaft in den letzten fünf Jahren sieht. Vor allem Marketiers sollten dem Beachtung schenken...

Die Daten ergaben auch, womit sich Menschen beschäftigen - je nach aktuellen Ereignissen. So stieg die Suchanzahl nach tropischen Stürmen seit Katrina rasant in die Höhe. Ausserdem scheinen sich viele Internetnutzer für Hollywood-Berühmtheiten und deren Lebensstil zu interessieren. Diese "Celebrity-Mentalität" habe sich auch im aktuellen Wahlkampf stark gezeigt - die Suchen nach den Präsidentschaftskandidaten und VizepräsedentschaftskandidatInnen haben stark zugenommen. In der Regel ginge es den Suchenden vor allem um bildliche Darstellungen, optische Aspekte und familiäre Hintergründe der Kandidaten.

Wichtig aus meiner Sicht ist Tancer's Feststellung, dass vor allem die Nutzer es sind, die innerhalb von kurzer Zeit Informationen im Netz verbreiten. Die Rolle der Medien ist es dann, diese - bereits zirkulierten - News zu dokumentieren und Fakten zu liefern. Eine Art offizielle Berichterstattung zu dem, was wir bereits erfahren haben? Oder eher eine Richtigstellung dessen?

Tancer warnt vor der Verbreitung von Falschinformationen im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten:

With the explosion of this type of false information on the Internet I think we will see someone come forward and develop a new type of software that can filter for the most accurate information. (...) Maybe accuracy is the next thing we will all search for.

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Spontane Lyrik

Veröffentlicht am 18. September 2008 um 16:19 Uhr von Mark Pohlmann

Das sind so die kleinen verborgenene Sternstunden des Internets: Wenn sich aus einem Blogbeitrag ein spontanes Kommentar-Kunstwerk wird.

Ich hatte 'nen Lover in Tennessee
Auch der zählt natürlich für bild.de
Ich hatte 'nen Lover in Connecticut
Selbst der steht morgen im Springer-Blatt..

Das verstehen Sie nicht? In den Kommentaren von Stefan Niggemeiners letztem Beitrag findet sich die Auflösung.

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OMD... und nächstes Jahr?

Veröffentlicht am 18. September 2008 um 9:34 Uhr von Mark Pohlmann

Der Besuch der OMD (Online Marketingmesse Düsseldorf, die Leitmesse für die digitale Werbeindustrie) hat sich gelohnt. Sie war exzellent besucht, inhaltlich differenziert und von den Ausstellerzahlen groß wie nie. Es waren alle da. Und tatsächlich spürte man überall den Wunsch nach besserer Werbung, und manche bemühen sich auch tatsächlich, Lösungen zu zeigen. Und das allerbeste: Sogar der Eingang war ausgeschildert - im letzten Jahr irrte ich noch mit vielen anderen hilflos auf dem Gelände herum.

Der OMD geht es also gut. Wenn... ja, wenn da nicht die DMEX wäre, die nächstes Jahr in Köln ins Rennen geht. Die AGOF und der OVK, die beiden Hauptorganisationen der Online-Vermarkter, werden mit ihren angeschlossenen Unternehmen nächstes Jahr der OMD den Rücken kehren und die DMEX als ihre Leitmesse nutzen. Damit fallen wohl rund 40 Prozent der jetzigen Aussteller auf der OMD weg.

Die restlichen 60 Prozent der Branche reiben sich verwundert die Augen, wie es hinter den Kulissen, ohne große öffentliche Diskussion, zu einer so entschiedenen Abkehr vom Vertrauten kommen konnte. Niemand hat Lust, innerhalb weniger Tage auf zwei ähnlich gelagerten Messen vertreten zu sein. Es ist eine Zerreißprobe, die herzlich überflüssig erscheint.

Man würde gerne die Gründe verstehen, warum die OMD nicht mehr gut genug für die Online-Vermarkter ist. Wir alle haben uns den Hintern gewärmt in den OMD-Hallen, während der dunklen Jahre, nach dem Platzen der Blase. Zwischen 2002 und 2004 gab es niemanden sonst, der noch einen Pfifferling auf die Onliner gegeben hat. Ist die Igedo zu teuer gewesen? Zu unflexibel? Geht es um Pfründe, Macht oder eben doch nur um den schnöden Mammon? Und warum musste es ausgerechnet Köln werden? Köln ist kein Werbestandort, die dortige Messe ohne Profil am Markt.

Wahrscheinlich wird man es nicht erfahren. Sicher hingegen ist, dass der OVK der Branche mit Ihrer Entscheidung einen schlechten Dienst erweist. Ohne Not wird eine funktierende Messe fallengelassen und eine neue mit unsicherer Akzeptanz unterstützt. Das Internet ist größer als der Teil, den die etablierten Vermarkter repräsentieren. Ziehen die restlichen 60 Prozent mit oder bleiben sie in Düsseldorf? Es droht die Spaltung.

Und was macht die OMD? Sie hat jetzt die Chance zur Neuausrichtung. Ich wünsche mir, dass sie noch viel stärker zu einer Messe wird, die sich die Formatfrage statt der Plazierungsfrage stellt. Alle Nutzerdaten der Vermarkter helfen nichts, wenn die Werbebotschaft den Kunden nicht interessiert. Das ist noch immer viel zu oft der Fall. Die Werberelevanz ist jedoch nichts, was in den Händen der Vermarkter liegt. Das Problem haben zuallererst die Werbetreibenden.

Vielleicht erleben wir ja dank der Teilung der Szene eine Renaissance der Inhalte und Formate. Manchmal weitet sich der Blick ja ganz wunderbar, wenn die Alten die Bühne verlassen.

Ergänzung:
Für alle, die sich zwischen Köln und Düsseldorf nicht entscheiden mögen, steht im nächsten Jahr im Mai auch die Next09 in Hamburg bereit. Nachdem die Sponsorenstände in diesem Jahr so gut besucht waren, werden wir erstmalig einen eigenen Ausstellerbereich anbieten.

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Einfach wunderschön: News Feeds

Veröffentlicht am 10. September 2008 um 15:28 Uhr von Anna Friedrich

Aus simplen Ideen entstehen meist die größten Dinge. Irgendwie erinnert die Geschichte von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die die NYT darstellt, an weltbewegende Erfindungen wie den Buchdruck, das Internet oder vielleicht noch treffender an die Erfolgsgeschichte von Google. Zum jüngsten Milliardär hat es aber nur Mark Zuckerberg geschafft.

"Sehr primitiv" sei das Netzwerk laut Zuckerberg gewesen. Ursprünglich mussten Nutzer seiner Seite jedes einzelne Freundesprofil besuchen, um zu erfahren, was der jeweilige Kumpane gerade zu berichten hat. Seine Idee, einen News Feed einzurichten, schlug ein wie eine Bombe: nicht nur die registrierten Nutzer waren begeistert. Massen von neuen Nutzern registrierten sich bei der Studentencommunity, die dann innerhalb von kurzer Zeit auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich war.

Ein viraler Effekt, der schier unglaublich erscheint. Heute, zwei Jahre später, zählt Facebook 100 Millionen Mitglieder. Die bahnbrechende Entwicklung ist dem amerikanischen Filmemacher Michael Moore sogar einen Blockbuster wert.

Der News Feed, darin ist sich Zuckerberg sicher, war das entscheidende Detail zum Erfolg. Er hat sich zum Freundesmedium entwickelt, das uns zu allen relevanten News aus unserem Netzwerk am Laufenden hält.

Trotzdem war es nicht so, dass sich die Nutzer diesen News Feed wünschten - im Gegenteil. Der junge Gründer glaubt, dass sie erst eine Hemmschwelle überwinden mussten, um sich für diese konstanten Mininachrichten darüber, was ihre Freunde gerade tun oder was sich verändert hat, zu interessieren. Dann aber wurden sie süchtig danach. Zuckerberg erklärt:

Facebook has always tried to push the envelope. And at times that means stretching people and getting them to be comfortable with things they aren't yet comfortable with. A lot of this is just social norms catching up with what technology is capable of.

Facebook ist mittlerweile längst nicht allein unter den sozialen Netzwerken. Im letzten Jahr hat sich ein Schwarm von neuen Applikationen entwickelt: Allen voran das Microblogging-Tool Twitter. Dann gibt es Dopplr und Tumblr, Loopt und viele mehr - viele sind in das Gigantennetz Facebook als Widgets eingebettet. Über die anderen großen Netzwerke haben wir hier schon ausführlich berichtet.

Allein in Deutschland sind laut eMarketer knapp 16 Prozent der Bevölkerung und damit 8,2 Millionen in sozialen Netzwerken aktiv. Die USA stellt im Vergleich dazu gute 23 Prozent und 43 Millionen Einwohner. Von den Holländern nutzen mehr als ein Drittel (36,4 Prozent und 3,7 Millionen) soziale Netzwerke.

Gar nicht so beeindruckend sind die Zahlen, wenn man sich allein den Hype um Facebook anschaut. Der Grund liegt auf der Hand: Social Networking und die damit verbundene digitale Offenheit und Vertrautheit sind auch eine Generationenfrage. Viele über 30-Jährige können sich mit den Tools nicht identifizieren. Viele sehen keinen Sinn darin, einfach so ihre Privatsphäre online zu publizieren und ihre Hemmschwelle ist entsprechend höher. Eine weltweite Studie von Synovative will herausgefunden haben, dass Web 2.0-Communities bei knapp 60 Prozent der Bevölkerung gar nicht bekannt sind.

Was interessiert es "die Anderen" also, wer was wann wo und mit wem...immer und überall? (s. Blogeintrag Hypervernetzte in der Welt des Micro-Blogging). NYT-Author Clive Thompson hat eine schöne Erklärung für dieses Paradoxon. Nicht die einzelne unbedeutende Nachricht ist es, die den Unterschied macht. Veränderung bringt der gesamte aggregierte Nachrichtenstrom:

This is the paradox of ambient awareness. Each little update -- each individual bit of social information -- is insignificant on its own, even supremely mundane. But taken together, over time, the little snippets coalesce into a surprisingly sophisticated portrait of your friends' and family members' lives, like thousands of dots making a pointillist painting.

Marc Davis, leitender Wissenschaftler bei Yahoo und ehemaliger Professor der Informationswissenschaften an der University of California at Berkeley erklärt weiter:

No message is the single-most-important message. It's sort of like when you're sitting with someone and you look over and they smile at you. You're sitting here reading the paper, and you're doing your side-by-side thing, and you just sort of let people know you're aware of them.

Deswegen, so Thompson weiter, kann man das Phänomen auch nur verstehen, wenn man es selbst erlebt hat. Interessant werden News Feeds und Twitter-Updates erst dann, wenn man ihnen kontinuierlich folgt. Nach einem Tag bereits ergeben sie eine Art Kurzgeschichte.

Unser Bedürfnis, ständig mit unseren Freunden online in Kontakt zu stehen, bezeichnen Sozialforscher als "Umgebungsbewusstsein". In der Offline-Welt nehmen wir aus dem Augenwinkel Stimmungen wahr, die Köpersprache, Seufzen etc. Online sind es eben die Kurznachrichten unserer Freunde darüber, was sie gerade tun oder wie sie sich fühlen.

Dieses Bewusstsein unterstützt uns dabei, schwache Bindungen aufrecht zu erhalten. Ein großes Netzwerk mit schwachen Kontakten ist in der Regel nützlicher, als ein kleines mit starken Bindungen, so die Sozialwissenschaftler.

Many maintained that their circle of true intimates, their very close friends and family, had not become bigger. Constant online contact had made those ties immeasurably richer, but it hadn't actually increased the number of them; deep relationships are still predicated on face time, and there are only so many hours in the day for that.
But where their sociality had truly exploded was in their "weak ties" -- loose acquaintances, people they knew less well. It might be someone they met at a conference, or someone from high school who recently "friended" them on Facebook, or somebody from last year's holiday party. In their pre-Internet lives, these sorts of acquaintances would have quickly faded from their attention. But when one of these far-flung people suddenly posts a personal note to your feed, it is essentially a reminder that they exist.

Dieser Mix aus Microupdates, Umgebungsbewusstsein und schwachen Bindungen macht es - ganz nebenbei - fast unmöglich, sich neu zu erfinden. Die Vergangenheit ist immer "da" und wir definieren uns mit über unsere Online-Präsenzen. Tantek Çelik hat auf der dConstruct gesagt, dass nach der Frage "Wer bist du?" direkt die Frage "Was ist dein Twittername?" folgt.

Eigentlich ist die Vorstellung beängstigend, wie viel "Datenmüll" sich mit all den Updates ansammelt und was vielleicht andere damit anfangen bzw. anfangen könnten. Und, wenn wir aufhören, unsere sozialen Netzwerkprofile zu nutzen, sterben wir den digitalen Tod.

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Seinen eigenen Namen zu googlen...

Veröffentlicht am 8. September 2008 um 18:28 Uhr von Mark Pohlmann

.... macht bekanntlich blind. Und man bekommt krumme Gliedmaßen. Vielleicht wußte Patrick Bernau dies nicht, als er seinen Selbstversuch für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung startete. Naja, so schlimm kann es nicht gewesen sein, denn er konnte seine Ergebnisse noch in diesen Artikel zusammenfassen.

Über die Risiken und Nebenwirkungen besser bescheid weiß Erik Weiner.

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Drei richtungsweisende Zukunftstrends für PR und Marketing

Veröffentlicht am 2. September 2008 um 16:21 Uhr von Anna Friedrich

The trend is your friend - das gilt nicht nur am Kapitalmarkt. Wie sich Web 2.0-Medien zukünftig entwickeln werden, ist vor allem wichtig für Kommunikationsabteilungen- und agenturen.

Neue Medien kann man nur verstehen, indem man vorangegangene Trends beobachtet und daraus lernt. Steve Rubel glaubt, dadurch ihre zukünftige Entwicklung erahnen zu können und hat drei Megatrends identifiziert:

1.) Der Aufmerksamkeitscrash
Die täglich auf uns einströmende Informationsflut im Netz können wir nicht mehr verarbeiten. Aus der Überforderung heraus entsteht laut Rubel eine Art Antireaktion: je mehr Inhalte wir wahrnehmen sollen, desto mehr geht unsere Aufmerksamkeit verloren.

Zwar kann die heranwachsende Generation Y, die quasi mit der Maus in der Hand geboren wurde, schon besser mit dem Daten-Wirrwarr umgehen. Viel schwieriger ist es für die Medienmacher und Marketiers. Sie müssen im Irrgarten der Informationen
Etwas schaffen, was sich (trotzdem) einprägt. Dazu gilt die Regel: einfach, kurz und sichtbar.

Inhalte sollten digital so aufbereitet sein, dass sie sich von dem Datenmüll abheben und einfach zu verarbeiten sind. Nur dann können Marken, Medien und Individuen verhindern, dass die Aufmerksamkeit der Konsumenten komplett erlischt. Seiten wie Intel's News für IT-ler oder die Technology Newssite der NYT. Rubel nennt diese Übersichtsseiten "Digital Curators".

2.) Soziale Netzwerke Networks werden zum O2
Soziale Netzwerke befriedigen unser Bedürfnis, digital und global mit Anderen zu kommunizieren. Über die Technologien ist es ein Leichtes für Gleichgesinnte, sich zu vernetzen und zu ihren Interessen auszutauschen. Unabhängig davon, ob ihr Anliegen persönlich oder jobbezogen ist, steht meist das soziale Interesse im Vordergrund.

Zu den drei größten sozialen Netzwerken gehören laut Rubel Facebook, MySpace und LinkendIn. Daneben gibt es noch die kleineren, wie z.B. Twitter oder YouTube. In Deutschland liegen StudiVZ und Xing ganz vorne. Sie alle werden wohl auch weiter wachsen.

Bald aber machen Technologien, wie Open Social, es überflüssig, diese Seiten zu besuchen, um mit seinem Netzwerk zu kommunizieren. So müssen sich Konsumenten und Leute aus ihrem sozialen Umfeld nicht mehr für ein anderes Netzwerk anmelden, um Erfahrungen auf einer (neuen) Website auszutauschen.

Genau das müssen Marketiers auch berücksichtigen: dass Nutzer wenig bis gar nicht motiviert sein werden, sich bei mehr als ein bis zwei Netzwerken anzumelden. Wie verführerisch ein eigenes soziales Netzwerk auch sein mag - um ihre Zielgruppe zu erreichen, sollten die Marketiers vielmehr versuchen, den sozialen "Sauerstoff" aus den großen Netzwerken einzuatmen. So bleiben ihre Konsumenten innerhalb ihres Netzwerkes und die Hemmschwelle, sich irgendwo neu anzumelden, wird genommen.

3.) Google schafft einen guten Ruf
Exponential wächst auch die Wichtigkeit von Suchfunktionen, allem voran Google. Allein in Deutschland hat die Suchmaschine einen Marktanteil von 80 Prozent, in USA sind es mit 70 immer noch mehr als zwei Drittel.

Google is much more than a search engine. It's media.

Was Rubel damit sagen will, ist, dass Google's Macht nicht unterschätzt werden darf. Unsere Entscheidungen basieren häufig auf den Suchergebnissen des Giganten und deren Reihenfolge. Damit wird Google zum Meinungsmacher und Medium zugleich.

Sichtbarkeit auf Google ist zu einem Qualitätsmerkmal geworden, denn die Suchalgorithmen bevorzugen qualitativ hochwertiges Material, das von Medien, Marken und Individuen stammt. Wer nicht in der Hitlist auftaucht, ist also nicht nur gemäß Pagerank wenig wert.

Um nach oben zu kommen, müssen Kommunikatoren Inhalte schaffen, die gut sind. So gut, dass sie Google nicht einfach nur findet, sondern kontinuierlich sichtbar macht. Dann schaffen sie es vielleicht, Aufmerksamkeit zu schaffen.

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