Vor einer möglichen Pandemie des Schweine-Virus haben fürchtet sich jeder – mit der Angst scheinen gerade die Zwitscherer besonders infiziert zu sein. Seitdem die Nachricht zirkuliert, dass die Schweinegrippe in Mexiko ausgebrochen ist, machen sich viele auf Twitter verückt und “pushen” damit die Panik. Die aktuelle Verrücktmacherei kann über die Twitter-Suche swine flu, swineflu, Schwein und Schweinegrippe mitverfolgt werden. Es gibt sogar einen Twitter-Account eigens für das Virus @H1N1Virus. Neue Nachrichten treffen hier im Sekundentakt ein. Hier ein zwei deutsche Beispiele:
1600! Schweinegrippe-Verdachtsfälle alleine in Mexiko,öffentliches Leben lahm gelegt,mehr als 100 Tote..langsam werd ich nervös..#Epidemie ?
Schweinegrippe: Tödliche Virusproben verschwunden http://www.mmnews.de/index.php/200904272829/MM-News/Todliche-Virusproben-verschwunden.html
In der Tat stellen die 140-Zeichen-Botschaften zu diesem Thema den Enthusiasmus über Twitter in Frage. Die “Weisheit der Vielen” hat sich hier irgendwie in eine reine Panikmacherei von Millionen von Menschen umgekehrt. Und Twitter spielt bei der Verbereitung des Angstvirus eine zentrale Rolle. Das Gros der Tweets spiegelt reine Spekulationen, Missinformationen und Panikmacherei wieder – zusammenhagslose Aussagen, für die keinerlei Beweise bestehen.
Die 140-Zeichenwelt wird zur schlechten Flüsterpost bis es dann am Ende des Tages heißt: “Schweinevirus überall – wir müssen alle sterben!”? Twitter ist hier also alles andere als eine zuverlässige Informationsquelle. Evgeny Morozov spricht in diesem Zusammenhang von der Macht Twitters, fehlzuinformieren und erklärt:
In moments like this, one is tempted to lament the death of broadcasting, for it seems that the information from expert sources – government, doctors, and the like – should probably be prioritized over everything else and have a higher chance of being seen that the information from the rest of one‘s Twitter-feed, full of speculation, misinformation, and gossip.
Morozov hat recht: Jetzt, wo sich die ganze Bevölkerung verrückt macht, ist es doch die Rolle von Regierungen, Ärzten und sonstigen staatlichen Institutionen, mit korrekten Informationen der Angstmache entgegen zu wirken. Sie müssen doch auf Twitter präsenter sein als die unwissenden “kleinen Leute”, die falsche Informationshäppchen aufschnappen und weiterverwerten.
Einige wenige Vertreter, wie das auf Krankheitsnotfälle spezialisierte Centers for Disease Control and Prevention CDC Emergency aus dem US-amerikanischen Atlanta twittern. Wo aber ist die WHO oder die amerikanische Regierung? Jedenfalls nicht auf Twitter. Es gibt natürlich auch zuverlässige Quellen im Netz abseits vom Microblogging-Tool, wie sie TechCrunch sehr schön zusammenfasst.
Morozov glaubt, dass internetaffine Cyberterroisten Twitter bald zur Panikmache für ihre Zwecke nutzen könnten. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie uns über die nächste Epidemie verrückt machen und die Öffentlichkeit in Angst und Schrecken versetzen werden. Das könne sogar die gesamte Wirtschaft lahm legen. Ein Cyberkrieg sei, so Morozov, häufig sogar noch wirksamer und fataler als Attacken in der “realen” Welt.
Gut, dass es auch Menschen gibt, die den ganzen Aufruhr um die Schweinegrippe mit Humor nehmen, z.B. Twitterer Heck2009 und Karikaturist Randall Munroe:
