Bahn: Fake-PR für ein besseres Image
Veröffentlicht am 28. Mai 2009 von Anna FriedrichNach dem Debakel um den Datenmissbrauch gerät die Deutsche Bahn nun noch weiter in Verruf in der Öffentlichkeit. Der Konzern soll falsche Beiträge in Internet-Foren initiiert und Radiobeiträge bezahlt haben, dies ergab eine Anfrage des PR-kritischen Vereinigung LobbyControl laut SPIEGEL. Und das Alles um des Image’s Willen. Konzern-Chef Dr. Rüdiger Grube beuftargte bereits letzte Woche eine Sonderprüfung beauftragt. Das Ergebnis, wie es in der heutigen Pressemeldung der Bahn veröffentlicht wurde, löst Kopfschütteln aus:
Grube reagiert empört und erklärt seine Distanzierung zu einer solchen Vorgehensweise. Es sei, so der Bahn-Chef, mit personellen Konsequenzen zu rechnen. Allerdings kann das den Image-Schaden, den die gekünstelte PR nun angerichtet hat, nicht beheben. Ob die Medien-Berater schlecht informiert waren oder einfach nur unüberlegt handelten: dass PR-Lügen kurze Beine haben, hat sich bisher in den Medien immer erwiesen (siehe Blogbeitrag Twitter-PR: Im Social Web haben Lügen kurze Beine). Vielleicht wären die 1,3 Millionen Euro besser in einer Social Media Strategie angelegt gewesen?
28. Mai 2009 um 16:38
[...] man Geld für Fake-PR ausgibt, statt in eine vernünftige Strategie zu investieren gibt es beim Themenblog zu lesen. Verantwortlich dafür zeigt sich mal wieder die Bahn, und weckt irgendwie mein Mitleid [...]
29. Mai 2009 um 10:11
[...] Themenblog hat sich gestern, wie einige andere Blogs, dem PR-Fake der Deutschen Bahn angenommen. Diese hatte [...]
29. Mai 2009 um 11:31
Ich bin mir nicht ganz sicher, wie genau die Wirkung für die persönliche Reputation Grubers ist. Immerhin kann er sich nun als Aufklärer und ehrliche offene Haut präsentieren.
Das ist der Vorteil, wenn der CEO reputationstechnisch so eng mit dem Unternehmen verbunden ist wie es bei Mehdorn der Fall war. Geht es schief, nimmt er eben auch die zerstörte Reputation mit und das Unternehmen hat eine Chance auf einen Neuanfang.
Gruber macht das so schon ganz gut, in meinen Augen.
29. Mai 2009 um 11:38
Naja, fast gut, dass er Grube und nicht Gruber heißt, muss ich dann auch noch lernen
29. Mai 2009 um 12:01
@Christine
“Das ist der Vorteil, wenn der CEO reputationstechnisch so eng mit dem Unternehmen verbunden ist wie es bei Mehdorn der Fall war. Geht es schief, nimmt er eben auch die zerstörte Reputation mit und das Unternehmen hat eine Chance auf einen Neuanfang.”
Das ist wirklich ein guter und sehr interessanter Ansatz, ehrlich. Im Falle der Bahn dürfte das meiner Meinung nach aber nicht stimmen. Es ist passiert, der Datenmissbrauch und auch wenn wenige dafür verantwortlich waren, nur weil diese gegangen wurden, ist es weiterhin ein Problem der Bahn. Und das muss es auch sein.
Die Deutsche Bahn braucht keinen Neuanfang. Sie ist Monopol in Deutschland, fast. Unangefochten in jedem Fall. Sie bieten Leistungen an für die es keine Alternative gibt. Die Deutsche Bahn benötigt natürlich keinen Ruf, wie es ein Startup oder ein anderer Großkonzern benötigt.
29. Mai 2009 um 19:14
@Christine
Was die Reputation von Bahn-Chef Grube angeht, so muss ich Sebastian beipflichten. Ganz klar ist er als erst “junger” Amtsinhaber theoretisch nicht verantwortlich. Dennoch steht er mit seinem Namen für einen Großkonzern, der ein Quasimonopol innehat. Da ist eine Distanzierung vom persönlichen Ruf aus meiner Sicht eher schwierig. Immerhin hat er durch die Entlassung des verantwortlichen Marketing-Managers bewiesen, dass er sich konsequent von dem Vorfall distanziert, was seinem Image sicherlich zu Gute kommt (s. z.B. FTD).
31. Mai 2009 um 18:48
@Themenblog: Das viele Geld wäre in fast allem besser angelegt gewesen, als in diesem unsäglichen Astroturfing. Eine Social Media Strategie allein hätte es, fürchte ich, nicht verhindern können, denn eine in so großem Umfang angelegte bewusste Täuschung der Öffentlichkeit zeugt von einer grundsätzlich defekten Haltung zum Thema Kommunikation insgesamt.
Ein Unternehmen in dem Mitarbeiter, Lieferanten und andere über Jahre systematisch ausspäht wurden, handelt eben so, als sei auch die Kommunikation mit der Öffentlichkeit ein jederzeit vom Unternehmen selbst kontrollierbar. Transparenz kommt in diese Sichtweise nicht vor. Die aber wäre Voraussetzung dafür, dass eine Kommunikationsstrategie unter Einbeziehung von Social Media nach deren Gesetzen überhaupt funktionieren könnte.
01. Juni 2009 um 09:35
@Tapio
Vielen Dank für deine Anmerkung. Ganz recht – die Social Media Strategie allein hätte wohl nicht geholfen. Der Vorfall zeigt, wie groß das Missverständnis der PR-Verantwortlichen ist, die Bahn als bedeutsamen Konzern in der Öffentlichkeit zu repräsentieren anstatt ihr Image zu faken.
Dazu würde es doch schon helfen, sich in den Bürger hinein zu versetzen und ihm mit “ehrlichen” Mitteln begegnen. Nur, wenn ein solcher Konzern auch negatives Feedback zulässt und darauf eingeht, kann sie in ihrer Kommunikation nach aussen auch AUTHENTISCH wirken. Das ist eigentlich das Grundverständnis von Öffentlichkeitsarbeit.
Um jetzt endlich mal für ein positives Image zu sorgen, muss die Bahn mehr tun, als ihre Strategie zu ändern. Das Problem fängt ja schon damit an, dass viele potentielle gute Mitarbeiter gar kein Interesse daran haben, bei einem Arbeitgeber mit einer derart schlechten Reputation anzuheuern.
Die Bahn sollte sich als eigenständiges, selbstverantwortliches Unternehmen begreifen – doch sie stellt sich gerne in den Schutz des Staates als Monopolist. Dass sie theoretisch noch nicht einmal auf die öffentliche Meinung angewiesen ist, beflügelt die alt eingefahrene Denkweise der Bahn nicht gerade!
01. Juni 2009 um 16:33
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08. Juni 2009 um 11:40
Hallo,
also durch ein fake die leute zu missbrauchen und dazu noch 1,3 Mio für sowas ausgeben finde ich von der DB auch richtig daneben.
Wenn man bedenkt dass die Preise für tickets sich immer hochverjagen finde ich dass bei der DB irgendwas nicht auf den gleisen läuft.
Social Media Strategie finde ich würde in diesem Fall auch nicht viel bringen.
17. Juni 2009 um 22:06
[...] mancher war der Meinung, es niemandem mehr recht machen zu können. So dachten nach unangenehmer Kritik wohl auch PR-Verantwortliche der Deutschen Bahn. Man war es Leid, immer das Falsche zu tun. [...]
02. Januar 2010 um 12:03
Da sieht man mal wieder, wofür die Bahn so alles Geld hat. Da brauch man sich nicht wundern, das ständig die Ticket Preise steigen.