Michael Jackson: Vom Pop- zum Twitter-Idol
Veröffentlicht am 26. Juni 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Medien 2.0, Personen-PR, Web 2.0Zur Legende wird man erst, wenn man stirbt. Jacko’s Tod schafft globale Betroffenheit im Netz. Die gestrige Schreckensnachricht über das plötzliche Sterben von Michael Jackson verbreitete sich wie ein Lauffeuer – auch und gerade über Twitter. Gestern Abend kollabierten zudem Dienste wie Google News und Wikipedia. Mit der Masse an Nachrichten zur Hiobsbotschaft kam das Web nicht zurecht.
Aktuell schafft das Thema es bei Twitter auf knapp 200 Tweets pro Minute. 200 Menschen auf der ganzen Welt beschäftigen sich innerhalb von 60 Sekunden nur mit dem tragischen Sterben des Pop-Idols. Das ist absoluter Wahnsinn. Die 140-Zeichen variieren von tiefster Betroffenheit und Unfassbarkeit wie “I can’t believe Michael Jackson is not here anymore. He’s the all time music legend, miss his music.. R.I.P! You will ALWAYS be in my heart!” über ironische Kommentare wie “Do you think they will cremate michael jackson or recycle?” hin zu eher Geschmacklosem wie “Kinderpornosperren zeigen erste Wirkung: Michael Jacksin tot!“.
Pete Cashmore von Mashable hat sich die Statistik einmal angeschaut
und stellt fest, dass sich ein Drittel der Tweets (!) zu dieser Zeit allein mit dem King of Pop beschäftigten. Eine beeindruckende Zahl, wenn man beachtet, dass es weltweit 18,2 Millionen aktive Twitterer gibt. Kam es jemals bei einer Naturkatastrophe oder anderen tragischen Unfällen, wir kürzlich der Absturz des Air France-Fliegers im brasilianischen Pazifik, zu einem solchen Twitter-Tsunami?
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie man mit Sterbefällen im Netz umgehen sollte. Gerade gestern sind wir auf den offenbar verstorbenen Twitterer DocKlaus aufmerksam geworden. Seine Geliebte oder Verlobte scheint sein Account jetzt als Kanal für ihre Trauer zu nutzen. In gebrochenem Deutsch und ab und zu auch auf Englisch schickt sie ihm Botschaften.
Der Tod – ob von einem Popstar oder einem in Vietnam gestrandeten deutschen Arzt – hat aus meiner Sicht mehr Würde verdient. Twitter ist zwar geeignet, um die Nachricht zu verbreiten und vielleicht auch, um seine Kondolenz zum Ausdruck zu bringen. Unangebracht ist es jedoch, sich im Nachhinein über den Davongeschiedenen auszulassen. Dazu ist weder Twitter noch der Rest des Webs der geeignete Ort. In diesem Fall gilt eher nicht: “Don’t stop ’till you get enough!”

