Sind Journalisten Alpha und Blogger Beta – oder umgekehrt?
Kaum lässt eine plausible Quelle im Internet eine “News” verlauten, so verbreitet sich diese in Windeseile. Dabei schenken wir Alpha-Blogs häufig genauso viel Glauben wie einer renommieten Zeitung. Aber sowohl Blogger als auch Journalisten können irren. Genau darum dreht sich die aktuelle Diskussion, die gerade zwischen der NYT und der amerikanischen Blogossphäre, darunter Jeff Jarvis und Michael Arrington, statt findet.
Die Liste von verbreiteten Gerüchten im Netz ist lang. So verkündete Michael Arrington kürzlich, dass Apple erwäge, Twitter zu kaufen. Dabei griff er aber lediglich auf eine Diskussion auf Gawker zurück “Could Apple by Twitter?“, die in der Kategorie “Rumormanga” veröffentlicht wurde.
Für Damon Darlin ist diese Art der Berichterstattung unvertretbar. Er findet, dass ihre Inhalte keine Kredibilität haben und beschuldigt solche Blogger in der Sonntagsausgabe der NYT indirekt der “Sensationsgeilheit“:
Eine ähnlich fragwürdige Verbreitung von Gerüchten entsteht im Netz häufig bei aktuellen Ereignissen wie dem Amoklauf in Winnenden vor wenigen Monaten (mehr dazu im Blogbeitrag Glaubst du dem Internet?) oder aber der Schweinegrippe (Pandemisches Treiben auf Twitter).
Dennoch gibt es doch genauso viel schlecht recherchierte Beiträge von Journalisten wie auch von Bloggern. Gizmodo deckte beispielsweise den falschen CNBC-Report über Steve Jobs’ angeblichen Rücktritt auf. Und genauso verbreitet auch die NYT bewusst Gerüchte: Martin Margiela to exit Margiela?. Sensationsfokussierte Medien wie Bild, InTouch & Co. sind zwar kein adäquater Vergleich, da ihr Anspruch auf Qualitätsjournalismus gering ist. Dennoch zeigt doch die Wirkung deren Nachrichtenverbreitung, wie leicht es ist, Gerüchte in die Welt zu streuen. Ob das nun aus der Feder eines Bloggers oder eines Journalisten stammt – ist das am Ende des Tages noch wichtig?












Am 8. Juni 2009 um 08:59 Uhr
Ganz recht. Guter Artikel.
Ich glaube ja, dass es am Ende egal ist, wer den Beitrag geschrieben hat. In den USA ist das vielleicht noch was anderes, aber hierzulande nicht mehr. Und das Blogger-Bashing seitens der Journalisten ist überflüssig. Meistens zumindest.
Das eine ergänzt heute das andere. Journalisten leben von Bloggern. Weil Blogger es verbreiten. Ich finde, das kann man so einfach zusammenfassen.
Am 8. Juni 2009 um 09:16 Uhr
Hi Sebastian,
danke – finde dein Fazit sehr treffend. Blöd, dass sich viele Blogger und Journalisten trotzdem als Konkurrenz ansehen anstatt zusammen zu arbeiten. Da spielt wohl der Druck zu hohen Klickraten keine unwesentliche Rolle.
Und, ich bin überzeugt davon, beide sich bei korrekten Meldungen die Frage stellen: “Und wer hat’s gefunden?”
Am 8. Juni 2009 um 09:22 Uhr
@Anna Friedrich
Ja, völlig richtig. Da spielt sicherlich noch mit rein, dass Journalisten einiges zu verlieren haben – und bereits verlieren – Blogger können jedoch nur gewinnen: Aufmerksamkeit. Blogger sind ruppiger, schlechter organisiert. Arrogant sind viele A-Blogger, eben wie viele Journalisten, die ihre Gatekeeper-Funktionen schwinden sehen. Wie bockige Kinder verteufeln sie Entwicklungen wie Twitter und Blogs und nutzen sie selbst. Und genau das sollten sie tun, diese Entwicklungen nutzen, davon profitieren. Mit ihrem Know-How.
Das mit den Klickraten ist auch völlig richtig. Bezahlt-Content funktioniert nicht im Netz. Schon allein aus Klickraten-Gründen und Verbreitungsmöglichkeiten.