Sind wir nicht alle ein bisschen Parko?

Veröffentlicht am 11. Juni 2009 von Anna Friedrich

Auf dem Digital Multimedia Kongress in Berlin hat die Agentur Zucker.Kommunikation ihr neu entwickeltes Buzzword für den Verbraucher von heute vorgestellt: PARKO schimpft sich der Begriff, der liebevoll den PARtizipativen KOnsumenten bezeichnet. PARKOs schreien nach mehr als den Standardformen der Kommunikation: sie fordern den aktiven Dialog.

Über 80 Prozent der PARKOs erwarten von Unternehmen, nicht nur offen gegenüber Kritikern sind, sondern auch eine Konversation zu ihnen, den Kunden, herstellen. 78 Prozent der über 1.000 Befragten können mit der Scheinwelt der Werbung nichts anfangen und 70 Prozent halten die klassische Werbung gar für komplett unglaubwürdig. Deshalb vertrauen 72 Prozent eher der Meinung anderer Konsumenten als der Firma selbst.

Ein Fazit der Studie: Angeblich sind bei einer breiten Fassung des Begriffs 21 Prozent der Bevölkerung PARKOs – das sind 13 Millionen! Jeder fünfte Deutschebeteiligt sich also aktiv im Netz an Diskussionen, schreibt Kommentare und interagiert mit anderen?

TechCrunch markiert Facebook mit seinen 2 Millionen Mitgliedern in Deutschland als das größte soziale Netzwerk hierzulande. Das entspräche gerade einmal rund 2,5 Prozent der Bevölkerung. Tatsächlich das größte soziale Netzwerk aber Wer-kennt-wen: 6,1 Millionen Mitglieder und damit 7,4 Prozent der Bevölkerung sind hier aktiv. Dem folgt im Ranking direkt StudiVZ mit 5,6 Millionen und damit 6,8 Prozent der Deutschen. Betrachtet man das gesamte VZ-Netzwerk (inklusive SchülerVZ und MeinVZ), sind es laut eigenen Aussagen gar fast 14 Millionen aktive User. Bezogen auf die Gesamtpopulation sind das immerhin 17 Prozent “Beteiligung” hierzulande.

Glaubt man den Ergebnissen der PARKO-Studie, stellt sich die Frage, wie die übrigen Prozent am Netz teilnehmen. Wer sich bei Facebook u. Co. registriert, hat in der Regel bereits eine hohe Netzaffinität und ist auch auf anderen Plattformen aktiv, so dass die Schnittmengen hoch sind. Sind User, die in Foren, Blogs und auf anderen Communities partizipieren, nicht bei mindestens einem Social Network angemeldet?

Daran, dass der Konsument sich immer stärker den Austausch mit Unternehmen wünscht, gibt es – trotz der optimistischen 21 Prozent der “PARKOs” – keinen Zweifel. Dazu muss man sich nur die Trends in der heranwachsenden Generation anschauen: 84 Prozent der Zwölf- bis Neunzehnjährigen nehmen aktiv am Web 2.0 teil, so die Aussage von Ilse Aigner, der Bundesverbraucherschutzministerin, im Rahmen der Bewusstseins-Kampagne Watch Your Web.


3 Antworten zu “Sind wir nicht alle ein bisschen Parko?”

  1. werner stickler

    Ich sehe es als Versuch, einen prägnanten Begriff zu finden, für die nachhaltige Veränderung der Konsumenten.

    Etwas Erklärungsintensivem, nicht konkret Greifbarem ein Label verpassen und das mit Image aufladen – so wie eine Marke.
    Die wenigsten würden sich aber selbst mit solchen Labels definieren.

    Aber es zeigt eine Tendenz auf: die strategischen Konsumenten gewinnen an Bedeutung und beeinflussen den Markt. Das erkennen auch Marktforscher wie die der Agentur Zucker – und sagens hoffentlich den Unternehmen, damit die wieder mehr auf ihre Kunden hören und weniger auf Ihre Aktionäre.

  2. PARKOs: Trend oder Troll » Veoliablog.de

    [...] ihrem Themenblog zu stoßen, der sich mit dem partizipativen Konsumenten beschäftigt. Sie schreibt am 11. Juni: Auf dem Digital Multimedia Kongress in Berlin hat die Agentur Zucker.Kommunikation ihr [...]

  3. Joerg

    Das Phänomen ist sicherlich richtig. Ethischer Konsum wurde bislang doch sehr stark in der herkömmlichen Produktorientierung gedacht. Die Öffnung der Unternehmen und die Einbindung des Kunden ist hier ein spannender neuer und wichtiger Ansatz. Aber ob nun der Parko die Lohas, die Bobos oder Ökos ablöst darf bezweifelt werden.

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