Archiv für Juli 2009

What the … is Twitter?

Veröffentlicht am 29. Juli 2009 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0

Diese Frage stellen sich viele, die beruflich nicht im Web 2.0, Marketing oder PR-Bereich unterwegs sind. Eine aktuelle Studie von Harris Poll und LinkedIN (PDF) bestätigt, dass das Microblogging-Dings bei den Konsumenten wenig bekannt ist.

In der jüngeren Generation scheint der Dienst gar nicht angekommen zu sein. Einem Morgan Stanley Report zufolge ist er für Teenager eher “uncool”:

Teenagers don’t use Twitter, the short-form Web messaging service, adding they realize that their ‘tweets’ are pointless as no one is viewing their profile.

Während das Gros der Werber es für ein sehr wichtiges Marketing-Tool hält, wissen 69 Prozent der gut 2.000 befragten Konsumenten nach eigenen Aussagen nicht genug über Twitter, um den Service zu beurteilen. Dagegen konnten lediglich 17 Prozent der Marketiers wenig mit der Microblogging-Seite anfangen.

Reasons that US Internet Users* Use Twitter, by Gender and Age, Q2 2009 (% of respondents in each group)

Wer nutzt Twitter wie und warum? Das “Consumer Internet Barometer” von TNS in Zusammenarbeit mit dem The Conference Board, hat untersucht, warum Menschen überhaupt Twittern. Ihre Untersuchung ergab: knapp 42 Prozent der Nutzer wollen auf diesem Weg mit Freunden in Kontakt bleiben. 29 Prozent nutzen Tweets dazu, ihren Status bekannt zu geben, 26 Prozent finden über den Service Nachrichten und halten sich auf dem Laufenden. 22 Prozent der Befragten setzen es für berufliche und 9 Prozent für Recherche-Zwecke ein.

Spannend hierzu auch die leicht unterschiedliche Nutzungsweise von männlichen und weiblichen Twitterern. Typisch: Männer sind besonders Organizations/People Whom US Internet Users* Interact with on Twitter, by Gender and Age, Q2 2009 (% of respondents in each group)interessiert daran, Nachrichten zu finden, während Frauen eher das Mitteilungsbedürfnis haben, ihren Status zu aktualisieren.

Im Umkehrschluss heißt das: ich twittere nur, wenn auch meine Freunde dies tun – so verhält sich die Nutzung auch bei sozialen Netzwerken, in denen sich nur bestimmte “Gruppierungen” aufhalten (s. Blogbeitrag Dein Netzwerk weiß, was du tust). Biz Stone aus dem Gründungsteam sieht selbst ein, dass Twitter-Neulinge sich mit der Seite schwer tun:

We need to do a better job of explaining ourselves to people who hear about us and then have no idea what do to.

Genau deshalb positioniert sich Twitter neu. Statt eines sozialen Netzwerkes soll die Seite nun wiederspiegeln, was die Welt bewegt. Nur wer auf Twitter ist, erfährt die aktuellen Trends, wie Mashable zusammenfasst:

Branding Twitter as the one place where you are plugged in to the collective world makes it tougher to ignore. You can say “I don’t feel like updating people on my life,” but it’s far tougher to say “I don’t care about what’s happening in the world.” Welcome to Twitter, the hotspot of cultural and global relevance. Welcome to Twitter, Version 2.

Der erste Schritt dazu scheint die heute gelaunchte neue Startseite, die auch neue Nutzer zum Zwitschern animieren soll.

Trotzdem ist unklar, ob der “Welt-Ansatz” Twitter nun zum King des Webs machen kann. Wenn fast drei Viertel der Amerikaner nichts die 140 Zeichen-Welt sinnlos finden, sehen deutsche Konsumenten das sicherlich nicht anders. Der neue Share-Dienst Posterous dagegen könnte auch für weniger Web-affine leicht zu nutzen sein. Social Wayne glaubt, es ist “the next big thing”.

Das Netz des Teilens

Veröffentlicht am 27. Juli 2009 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Web 2.0

Was wir einst in Freundschaftsbüchern, Poesie- und Fotoalben sammelten, veröffentlichen wir heute Social Networks. Dort geben wir neben unseren Interessen, Fotos, Vorlieben und Links unseren “Status” bekannt – unsere Gedanken und all das, was wir gerade tun oder erlebt haben. Kurz: wir teilen unser Leben mit unseren (Online)Freunden. Mark Zuckerberg hat einmal gesagt:

People are learning how to use the site and what’s OK to share. As time goes on, people will learn what’s appropriate, what’s safe for them — and learn to share accordingly.

Wie viel aber ist “ok”? Wo die Grenze des Online-Sharing ist, lässt sich schwer definieren (hierzu auch der Blogartikel Die Sucht nach dem “Status-Update”). Schnell kann Social Networking auch zur Sucht werden. Nicht umsonst sprechen Drogenbeauftragte des Bundesministeriums für Gesundheit im Bericht “Pathologischer Internetgebrauch – eine Übersicht zum Forschungsstand” von Computer- bzw. Onlinesucht als einer ernst zu nehmenden Erkrankung, die sich mit dem Heranwachsen junger Generationen weiter verbereiten wird.

Beliebtestes Portal zum Teilen ist Facebook: von allen geteilten Inhalten Online führt Facebook mit 24 Prozent deutlich das Rennen an. Immerhin folgen Email und Twitter als Share-Dienste mit jeweils 11 und 10 Prozent. Facebook sollte sich also vor allem vor Twitter in Acht nehmen – der Microbloggingdienst könnte bald einige Marktanteile rauben. Warum das wichtig ist? Die Autoren vom Silicon Valley Insider erklären es so:

Content-sharers are the human crawlers that power both Facebook and Twitter’s real-time search engines–which could turn out to be the way both startups end up making big money.

Brands are friends

Veröffentlicht am 22. Juli 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Storytelling, Virales Marketing, Web 2.0

Soziale Medien verändern den Weg zur Kaufentscheidung. Wer sich über ein Produkt informiert, legt Wert auf die Empfehlungen anderer. Dieser Film veranschaulicht, wie ein Konsument “tickt”, wenn er sich für eine Marke interessiert und sich zum Kauf entscheidet. So wird ein zufriedener Kunde ganz leicht selbst zum Markenbotschafter:

Mehr zum Thema Produktsuche im Netz gibt es im Themenblog-Artikel Wer findet, der sucht.

Ab in den Twitterhimmel

Veröffentlicht am 16. Juli 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Das Microblogging-Unternehmen will hoch hinaus. Twitter will bis Ende des Jahres 25 Millionen Nutzer gewinnen. Bis 2010 sollen es bereits 100 Millionen, und für 2011 träumt der Kurznachrichtendienst von 350 Millionen Anmeldungen.

Dieses ambitionierte Ziel entspräche fast der Einwohnerzahl von den USA und UK zusammen! Nachvollziehbar ist die Prognose nur bedingt – immerhin sind es aktuell gerade mal gut 18 Millionen Nutzer weltweit. Laut TechCrunch sollen es bis 2013 gar 1 Milliarde User werden.

Einer Berechnung von eMarketer zufolge werden es in Amerika bis zum Ende des Jahres 12 Millionen Nutzer sein, bis 2010 gerade 18 Millionen. Analyst Paul Verna hält die Wachstumsziele von Twitter für völlig unrealistisch:

A global projection of 25 million users by year-end would assume that US users make up only 40% of the total. That seems unlikely given the US-centric nature of the service.

Hindernisse für eine derart virale Verbreitung des 140-Zeichen-Dienstes gibt es sicherlich viele. Eines davon ist die hohe Anzahl an Nutzern, die nach ihrer Anmeldung nur kurz oder gar nicht aktiv sind. Laut einer Studie von Nielsen Online liegt die “Abbrecherquote” bei 40 Prozent.

Im Netz gilt auch immer noch das Paretoprinzip: 80 Prozent des Inhaltes kommt von 20 Prozent der Nutzer. Zumindest kommt der Großteil der Inhalte online von einer vergleichbar geringen Nutzerschaft. Wie eine Untersuchung der Harvard Business School berichtet, liefern 10 Prozent der Twitterer 90 Prozent des Contents. Über 50 Prozent twittern dafür im Durschnitt nur alle 74 Tage und die meisten Menschen, so die Harvad-Studie, schreiben einmal in ihrem Leben einen Tweet. Absolvent Bill Heil, der die Untersuchung leitete erklärt:

Based on the numbers, Twitter is certainly not a service where everyone who has seen it has instantlyloved it.

Average Number of Tweets per Day Among Twitter Users Worldwide, May 2009

Wie kommt also Twitter selbst zu dem Schluss, dass sich Twitter plötzlich zum Mainstream für die Welt entwickeln wird? Noch gibt es keinen schlüssigen Weg, um aus den Massen auch Umsätze zu machen. Es sei denn Gründer Mark Evans hat noch ein Ass im Ärmel…

Dein Netzwerk weiß, was du tust

Veröffentlicht am 13. Juli 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Online-Relations, Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke sind ein gefundenes Fressen für die Marketiers dieser Welt. Längst ist auch bei ihnen das Bewusstsein angekommen, dass der Konsument von heute sich eher auf Tipps seiner Freunde bzw. seines Netzwerkes verlässt, als irgendwelchen Werbemaßnahmen zu vertrauen. Im digitalen Informationsdschungel geht es den Marken um eines: die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Was wir in Netz tun, mit wem wir “verbunden” sind, wem wir folgen und welche Dialoge wir wo führen – all das sind wertvolle Daten, die auf unser Verbraucherverhalten schließen lassen. Deshalb suchen Unternehmen eifrig nach Korrelationen und Kategorien in den Netzwerken, damit sie die Informationen für ihre Zwecke nutzen können.

Eine Umfrage von Anderson Analytics verrät, was das Lieblings-Netzwerk des Konsumenten über seine Interessen, Kaufgewohnheiten und die Medien-Nutzung aussagt: Twitterer sind demnach eher interessiert an Sex als der durchschnittliche Facebook-, MySpace- oder LinkedIn-Nutzer. Wer LinkedIn mag, steht auf Seifenopern und MySpace-Fans treiben weniger Sport. Mehr zu den Ergebnissen gibt es hier.

Social Network Forscherin Danah Boyd kommt zu markanteren Ergebnissen. Sie glaubt, dass die sozialen Netzwerke eine immer größere Kluft schaffen anstatt Orte für Konversationen zu bieten:

MySpace entwickle sich mehr und mehr zum Netzwerk der Unterprivilegierten, während Facebook die akademisch gebildete, überwiegend weiße Mittel- und Oberschicht der USA anspreche.

Boyd hat sich nicht nur mit Teenagern unterhalten, sondern auch Daten Herkunft, Bildungsstand etc. erhoben. Dieses Material gibt, so die Forscherin, Auskunft darüber, welchem sozialen Netzwerk eine Person angehört. Ähnliche Verhaltensweisen zeigten sich bereits bei einer Studie von der Kommunikationswissenschaftlerin Eszter Hargittai unter Erstsemestern an amerikanischen Colleges. Mehr zu Boyds Spaltungstheorie erklärt ein Artikel der New York Times.

Social networking

Genauso spannend wie die Kategorisierung der Netzwerke selbst sind die Korrelationen innerhalb der Freundeskreise. Auf welche (Online-)Freunde hören wir wirklich, wenn es um Kaufentscheidungen geht? Welches sind die einflussreichsten Verbindungen?

Zunächst einmal gibt es eine unterschiedliche Auffassung des Begriffs “Freunde”? Im englischen Sinne sind die “friends” alle Kontakte im Netzwerk. Hierzulande sehen wir in einem “Freund” gemäß der Herkunft des Wortes eher einen “persönlichen Vertrauten, Kamerad”.

Freunde haben gleiche Interessen und verhalten sich entsprechend ähnlich beim Kauf von Produkten. Das liegt nahe und ist statistisch bewiesen. Klar: je enger die Freundschaft, desto höher das Vertrauen. Trotzdem sagt die Häufigkeit der Kommunikation sagt nur bedingt über das gegenseitige Vertrauen aus. Auch wenn man seiner Mutter weniger häufig emailt, als Freunden, ist sie eine Person, der man eher vertraut. Genauso verlässt man sich auch auf die Meinung eines “Freundes” aus dem weiteren Bekanntenkreis, wenn es um eine bestimmte Expertise geht.

Wissenschaftler Cameron A. Marlow aus Palo Alto hat die Freundschaften unter den 200 Millionen Facebook-Nutzern studiert. Trotz seiner Beliebtheit hat das weltweit größte soziale Netzwerk noch keine Profitabilität erreicht: Werbeanzeigen werden kaum geklickt und bringen entsprechend keinen Umsatz.

Marlow und sein Team wollten deshalb wissen, wie stark User mit ihren Online-Freunden verbunden sind und untersuchten das Nutzerverhalten: wie oft klicken Kontakte auf die Neuigkeiten und Fotos von Freunden, wie oft kommunizieren sie und ist die Kommunikation beidseitig. Glaubt man den Ergebnissen, so steht ein User gerade mal mit zehn von 500 (!) “Freunden” in engem Kontakt und kommuniziert regelmäßig mit 20 davon. Durchschnittlich sind es 40 Kontakte, deren Newsfeeds er liest. Die Ergebnisse zeigen den klaren Trend, wie wir heute mit Netzwerk-Freundschaften umgehen, erläutert Marlow:

Die 500 “Freunde” in unserem Netzwerk haben also im Endeffekt wenig Bedeutung. Wirklich relevant sind für uns nur diejenigen, mit denen wir in regelmäßigem Kontakt stehen.

Trotz ihrer Virtualität verhalten wir uns in Netzwerken so menschlich und ursprünglich wie in der Offline-Welt: wir tauschern Informationen aus, verbinden uns und tun dem anderen einen Gefallen, indem wir beispielsweise Emfpehlungen aussprechen. Und es sind immer nur wenige gute Freunde, die uns wichtig sind. Ähnliches gilt auch für die Aufteilung der Gesellschaft in verschieden “Räume” also in diverse soziale Netzwerke. Bleibt abzuwarten, welchen Mehrwert Unternehmen aus unseren Online-Verhaltensweisen ziehen können.

Das Medium als Botschaft

Veröffentlicht am 10. Juli 2009 von Mark Pohlmann | Allgemein

Eben noch bereitete sich das Internet auf das Sommerloch vor, da beendet Vodafone dieses mit der aufwendigsten, integriertesten und stimmigsten Web-2.0-Kampagne, die wir in Deutschland bislang erlebt haben. Vordergründug geht es darum, die Marke Arcor zu beerdigen. Glaubt man Vodafone, wollen sie das Thema Internetzugang aber nicht irgendwie an die eigene Markenarithmetik anflanschen, sondern gleich über die “Generation Uplaod” zum wichtigsten Treiber des gesamten Geschäftes aufbauen. “Es ist deine Zeit” lautet der Claim, für den sich viel Web-Prominenz als Sympathieträger zur Verfügung gestellt hat. Begleitend hat Vodafone einen Blog gestartet und ist auf Myspace, Twitter, Facebook und StudiVZ präsent. Als erster Höhepunkt wurde die Pressekonferenz zur Vorstellung der Dachmarkenkampagne mit zwei Geschäftsführern und dem Marketingleiter von Vodafone Deutschland live im Internet übertragen und konnte öffentlich und vor Ort von jedermann verfolgt und kommentiert werden. Vodafone macht also genau das, was die Internetgemeinde seit Jahren von Unternehmen fordert.

Ob Vodafone für seinen Mut belohnt wird, ist dennoch ungewiss. Zuerst einmal ist Vodafone von den 2.000 Kommentaren während der PK “schier überwältigt“. Wer diese allerdings liest, erfährt, dass die Social Media Szene hauptsächlich Kübel des Spotts über die Kampagne ausschüttet.

Während im Prinzip die digitalen Kanäle richtig integriert und eingesetzt wurden und der reibungslose Ablauf  Standards setzt, wurden Fehler gemacht, die sich in einem Kernvorwurf zusammenfassen lassen: Vodafone skandiert den offenen Dialog, simuliert ihn dann aber als werbliche Fassade. So ist es einfach ungeschickt, eine Pressekonferenz, die sich zuerst an Werbefachjournalisten richtet, für eine meinungsaktive Klientel zu öffnen, die nicht mit der Liturgie dieser Branche vertraut ist, und dann nicht ein Jota von der seit Jahrzehnten eingespielten Dramaturgie einer Fachveranstaltung abzuweichen. Die Präsentationen waren langatmig, gespickt mit unklaren Anglizismen und blumigen Phrasen. Genauso war es ein Fehler,  Journalisten auf kleinen Hockern vor sich kauern zu lassen und diese Bilder dann in die Welt zu schicken. Interessante Fragen aus dem öffentlichen Chat wurden nicht in die PK aufgenommen. Wozu dann diese Funktion? Am Ende fühlten sich wohl beide, Journalisten und die Web-2.0-Szene, falsch auf der Veranstaltung. Nicht nur das, selbst den Akteuren auf der Bühne merkte man ein Unbehagen an.

Doch die Wackler in der Live-Performance sind Petitessen gegen den zentralen Fehler: Eine Kampagne zur Nachricht aufzubauschen, ohne dem Volke das zu geben, nach dem es verlangt: Produkte, die dem Gesagten Taten folgen lassen. Lieber beließ man das Medium selbst als Botschaft. Das “Ankommen im Web 2.0″ wird nicht als Aufbruch verstanden, sondern schon als Ergebnis zelebriert.

Das kann nicht gutgehen. Warum nicht, erklärt Claudia Sommer treffend in einem Komentar zum selben Thema auf Indiskretionen Ehrensache:

Web 2.0 taugt nicht für die Hochglanz Werbung, sondern fürs CRM – Direkte Kommunikation mit seinen Kunden eben. Leider sind ja die, die direkt mit dem Kunden sprechen nicht in der Kommunikationsabteilung angesiedelt, sondern zu 90% outgesourced und arbeiten für 7,50 als sogenannte Call Center Agents.

Es ist ein weiter Weg von der Erkenntnis zur Umsetzung selbst für die, die ihr Wollen zum Leitthema machen. Konsequenterweise versäumte es Vodfone auch nach der PK, ihr Gesprächsangebot wahr zu machen. Seit das Unternehmen gesagt hat, was es zu sagen hatte, herrscht wieder Schweigen im Walde. Keiner der sonst so gesprächigen Akteure hat sich bislang durchringen können, den vielen Stimmen zu antworten.

Meine Befürchtung: die negative Energie, die sich in den Diskussionen breitmacht, könnte dazu führen, dass andere Unternehmen es sich dreimal überlegen, bevor sie so etwas wie Vodafone wagen. Die Furcht, es nicht allen recht machen zu können, wird wieder stärker sein als die Hoffnung, durch Innnovation einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Das wäre schade. Diesen Unternehmen sei der Rat gegeben, es nicht gleich mit der großen Packung zu versuchen, sondern mit ganz einfachen Gesprächsangeboten dort, wo sich die eigene Kundschaft aufhält. Und erst dann, wenn man spürt, wie die Erwartungen mit den eigenen Möglichkeiten in Einklang zu bringen sind, es an die große Glocke zu hängen. Man könnte auch sagen, einfach den ersten Schritt vor dem zweiten zu tun und nicht umgekehrt.

Zur Inspiration mal ein beispielhafter Link auf eine unsere Aktivitäten für simyo als “simyo Community Team” Es kann so einfach sein. Im Internet ist es wie im richtigen Leben. Wer sein Gegenüber ernst nimmt, wird ernst genommen.

Die Entmythisierung von Social Media

Veröffentlicht am 06. Juli 2009 von Anna Friedrich | Online-Relations, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Es ist ein Irrglaube, den viele Marketing Manager haben: Social Media kostet nichts und bringt viel. Sie verwechseln die Anwendungen mit Direkt-Marketing-Aktivitäten und erwarten, völlig neue Zielgruppen aus dem Nichts erschließen zu können.

Dass sich aus der reinen Präsenz ihrer Marke ein positiver Effekt für ihre Marke ergibt – und das völlig ohne eigene Bemühungen – ist ein Mythos. Nicht umsonst haben diese Medien das Adjektiv “sozial”. Wichtig ist, dass Unternehmen in Social Media tatsächlich zu einem wertvollen Dialog mit ihren Zielgruppen und Kunden beitragen. Der Social Business Design Experte David Armano betont:

Being social means having real live people who actively participate in your initiatives. It’s difficult to automate and a challenge to scale, but it can also help move your business forward in ways that produce leveraged outcomes such as new/better products or services.

Die Kosten für eine wirksame Social Media Strategie werden da meist unterschätzt. Unternehmensaccount, wie z.B. eine Facebook-Fanpage oder ein Twitter-Account, “nährt” sich nicht von alleine. Es braucht Fans, Enthusiasten, die mitmachen. Wer bei Twitter beispielsweise nur Werbebotschaften und Newsletter-Inhalte abfeuert, hat in der Community bereits verloren. Ein ausgeprägterer Dialog-Charakter ist wichtig auf allen Kanälen des Social Webs.

Lufthansa beispielsweise wollte auch in der 140-Zeichen-Welt aktiv sein. Leider finden auffällig wenige Konversationen mit Nutzern statt, was der Marke mehr schaden als nutzen könnte. Überraschenderweise führt die Fluggesellschaft mit über 3.500 Followern die Top 100 der twitternden deutschen Unternehmen an! Das Twitter-Account von Leica dagegen beschäftigt sich auch tatsächlich inhaltlich mit Themen im Netz, die mit dem Produkt zu tun haben. myON-ID, die Plattform für Eigenmarketing und einem Mavens-Kunde, kommuniziert mit der Twitter-Gemeinde.

David Armano glaubt daran, dass es Regeln gibt für einen gekonnten Auftritt in den sozialen Medien. Zwar gibt es kein Patentrezept, doch jede Social Media Aktivität verläuft nach seiner Idee in drei Stufen abläuft:

1. “Seeding”: Die Basis für ein gut funktionierendes soziales System sind die richtigen Menschen, die Zielgruppe des Unternehmens. Aus ihnen entsteht, so Armano, ein “gesundes Ökosystem”. Wir nennen sie Mavens – Enthusiastien, die so begeistert bei der Sache sind, dass sie leicht aktiviert werden können und andere zum Nachahmen animieren.

2. “Feeding”: Alle Tools, von Communities, über Wikis hin zu Fanpages, brauchen gute und kontinuierliche Inhalte. Optimalerweise ist ein Teil davon automatisiert und ein anderer stammt von den Nutzern selbst. Armano betont, dass ein Feedback-Bereich hier sehr wichtig ist.

3. “Weeding”: Nachdem die Samen für die erste Generation der Nutzer gestreut sind, die Frage nach den Inhalten geklärt, gilt es nun, “Unkraut” zu jäten. Armano’s Vergleich von Social Media mit einem Garten passt ganz gut: Inhalte, die der Produktivität schaden, müssen aussortiert werden. Und da funktionieren automatische Prozesse nunmal nur bedingt.

Damit der Ablauf der Stufen reibungslos ist, braucht es ausreichend Community-Mitarbeiter. Nimmt das Unternehmen zu wenig teil und geht kaum auf seine seine Fans ein, dann hat die vermeintlich soziale Präsenz wenig Sinn und Wirksamkeit. So relativiert Armano den Mythos, dass soziale Medien schnell, billig und leicht sind. Eine gelungene Umsetzung von Web 2.0-Aktivitäten erfordert ein umfangreiches Budget, Durchsetzungsvermögen und vor allem: das Know-how der Macher selbst!

ÖkoLOGISCH? Trendstudie zur Zukunft des Ethischen Konsums

Veröffentlicht am 03. Juli 2009 von Anna Friedrich | The Work, Themenmanagement, Trends

Wir kaufen den Bio-Käse bei Aldi, den Bio-Kaffe bei Tchibo und die ökologische H&M-Baumwoll-Kollektion. Längst hat der Öko-Trend sich in allen Bereichen der Konsum-Industrie durchgesetzt. Wer die wachsende Generation der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) begeistern will von seiner Marke, muss nachhaltig denken und handeln.

Nach der OTTO-Trendstudie Konsum-Ethik 2007 (pdf) startet das Trendbüro nun eine Neuauflage der Untersuchung zum Thema Nachhaltigkeit. Der Hamburger Online-Versand-Riese will darin die Zukunft des Ethischen Konsums genauer unter die Lupe nehmen. Fünf erarbeitete Herausforderungen sollen in den kommenden beiden Wochen auf der kooperierenden Utopia-Community, der Internet-Plattform für strategischen Konsum, thematisiert werden. Die ersten drei davon sind:

1. Herausforderung: Von der Elite zur Masse
Ist ethischer Konsum ein Luxusphänomen?

2. Herausforderung: Vom Wissen zum Handeln

Können wir die breite Masse dazu bewegen, ethisch(er) zu konsumieren?

3. Herausforderung: Von Produkten zu Beziehungen

Wie können wir unser reichhaltiges Wissen und Alltagserfahrungen stärker bei Unternehmen einbringen?

Ihre Meinung zum Thema ist gefragt! In der Diskussionsgruppe-Gruppe „Die Zukunft des ethischen Konsums“ auf Utopia können Sie loswerden, was aus Ihrer Sicht Sache ist!