Das Web als Nacktscanner für Personaler

Veröffentlicht am 24. August 2009 von Anna Friedrich

The ways in which the information we give off about our selves, in photos and e-mails and MySpace pages and all the rest of it, has dramatically increased our social visibility and made it easier for us to find each other but also to be scrutinized in public.

Die neue Art des “Teilens” von eigenen Inhalten im Netz birgt Risiken und Chancen zugleich. Clay Shirky’s Statement bedeutet auch, dass wir im Umgang mit eigenen Daten und Inhalten online vorsichtig sein müssen. Im Web verschmelzen berufliche und private Präsenzen – anders als in der Offline-Welt können Nutzer ihre Aktivitäten nicht mehr trennen. Wer peinliche Party-Fotos auf Facebook einstellt und Mitglied von StudiVZ-Gruppen wie „Sex am Arbeitsplatz fördert die Arbeitsmoral“ ist, braucht sich nicht wundern, wenn er keine Einladung zum Bewerbungsgespräch erhält. Denn das Gros der Arbeitgeber googelt seine Bewerber, wie Studien aus Deutschland und den USA jetzt belegen.

Laut einer Untersuchung von Harris Interactive nutzen 45 Prozent von rund 2.700 befragten personalverantwortlichen Managern soziale Netzwerke, um sich ein umfassendes Bild von möglichen zukünftigen Mitarbeitern zu machen. Auftraggegeber der Befragung ist die amerikanische Berufsplattform Careerbuilder.

Erst, wenn der erste Reputations-Check im Netz bestanden ist, kommt der Bewerber demnach überhaupt erst in die “zweite Runde”. Bei 35 Prozent der Personaler war das Suchergebnis zur Person ein Ausschlusskriterium für eine Anstellung – sei es wegen unpassender oder provokativer Fotos (53 Prozent), wegen Inhalten, die auf Alkohol- oder Drogenkonsum schließen lassen (44 Prozent) oder aber Lästereien zu Arbeitgebern, Kollegen oder Kunden (35 Prozent).

Ähnliche Ergebnisse liefert eine Dimap-Studie im Auftrag von Verbraucherministerin Ilse Eigner: demnach nutzt gut ein Viertel der deutschen Firmen beim Auswahlverfahren Informationen zum Bewerber in sozialen Netzwerken bevor er überhaupt “vorsprechen” darf. Die Befragung ergab, dass 25 Prozent der Recruiter Personen aufgrund ihrer Webinhalte vom weiteren Bewerbungsprozess ausschließen. 76 Prozent der Arbeitgeber bewerteten einen Kandidaten besonders negativ, wenn er seine aktuelle oder vergangene berufliche Lage kritisierte. 43 Prozent der befragten Unternehmen sehen zudem persönliche Inhalte wie Party-Fotos als nachteilig und unangemessen an. Falk Lüke, Referent der Verbraucherzentrale, erklärt im Deutschlandfunk:

Das ist Teil der schönen und teilweise auch nicht so schönen neuen Welt im Netz. Viele Menschen haben nicht so sehr im Hinterkopf, dass wenn sie etwas im Internet veröffentlichen, egal an welcher Stelle es tatsächlich eigentlich so wäre, als wenn sie es auf die Titelseite ihrer Zeitung drucken würden, aber die Zeitung, die morgens am Frühstückstisch liegt, da würde auch niemand gerne die Partyfotos von vorgestern drin sehen können auf der Titelseite.

Für Jobsuchende heißt das umgekehrt: sie sollten sich eine “reine Weste” im Netz zulegen. Personalverantwortliche verlangen weitaus mehr, als einen aalglatten Lebenslauf und ein professionelles Anschreiben. Peinlichkeiten und Unpässlichkeiten jeder Art sollten niemals in Verbindung mit dem Profil zur eigenen Person stehen. Laut Harris Interactive war Facebook die beliebteste Recherche-Plattform für Arbeitgeber, gefolgt von LinkedIn und MySpace. Immerhin sieben Prozent der Befragten verfolgten auch das Treiben der Kandidaten bei Twitter. Für den deutschen Raum kommt noch das StudiVZ-Netzwerk als einer der Datenquellen hinzu.

Noch besser kommt es bei den HRlern an, wenn ein Bewerber sich mit einem professionellen Erscheinungsbild im Netz präsentiert. Bei all seinen Risiken bietet Internet vor allem eine Bühne für Selbstdarsteller: indem sich Karriereinteressierte mit ihrem Know-how, ihren Erfahrungen und Alleinstellungsmerkmalen zeigen, schaffen sie Aufmerksamkeit. Eine gute Möglichkeit zum Personal Branding bietet myON-ID (MAVENS-Kunde). Jeder kann sich auf der Plattform mit seinen sozialen Netzwerkprofilen und eigenen Inhalten aus dem Web präsentieren. Das Profil ist individuell gestaltbar und hebt von der Masse ab – auch durch das aktive Suchmaschinenmarketing, das dafür sorgt, dass das eigene Profil bei Google unter den ersten Treffern gerankt wird.

3 Antworten zu “Das Web als Nacktscanner für Personaler”

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  2. 50hz

    Schade, schade, dass auch ihr nun einigermaßen unreflektiert in diese Mainstream-Kerbe schlagt. Sind die Argumente von Wolfgang (http://www.haltungsturnen.de/2009/08/verrohung-der-sitten.html) und Stöcker (http://www.50hz.de/karrierefalle-das-internet-ist-auch-ein-privater-raum/) an Euch vorübergezogen?

    Nacktscnanner sind ein No Go. Am Flughafen und im Personalbüro.

  3. Anna Friedrich

    Hallo Djure,

    danke für deine Meinung! Was Wolfgang schreibt, ist richtig. Keiner WILL einen Job bekommen, der allein auf der “Auswertung” irgendwelcher Google-Daten und damit der Online-Reputation basiert. Der “Mainstream” der Personaler, wie du ihn recht treffend nennst, recherchiert aber genau so nach geeigneten Jobkandidaten. Wer mit seiner Bewerbung auf dem aktuell heiß umkämpften Arbeitsmarkt punkten will, der sollte wissen, wie er sich online darstellen kann und muss. Ich finde es wichtig, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Natürlich ist das im ersten Moment oberflächlich, wie Wolfgang es indirekt beschreibt. Schon gar nicht kann es den persönlichen Eindruck und ein Gespräch face-to-face ersetzen. Letzendlich zählt ja die gegenseitige Sympathie!

    Trotzdem ist doch Wolfgang aus meiner Sicht ein geniales Beispiel für ein Personal Brand, wie ich es im Artikel dargestellt habe. Oder hast du schon negative Einträge zu seiner Person im Netz gefunden? Er ist doch derjenige, der dank seines guten Rufes – auch online – eine Social Media Position bei achtung! erhalten hat und dafür von seinem renommierten Arbeitgeber Edelman wechselt.

    Hier ein Auszug aus einem echt lesenswerten Artikel zum Thema. Das kann ich nur unterschreiben:

    But Bowman admits that social media isn’t a magic bullet. “Its biggest drawback in recruiting is that it won’t help you appreciate nonverbal communication dynamics,” he says. “While Facebook, LinkedIn and Twitter can provide a wealth of information about a potential job candidate, they aren’t substitutes for face-to-face communication.”

    In diesem Sinne ein schönes Wochenende :)

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