Archiv für September 2009

Dort fischen, wo die Fische schwimmen

Veröffentlicht am 30. September 2009 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Web 2.0

Michael Donnelly Group Director-Worldwide Interactive bei Coca-Cola erklärt in der Advertising Age, wie die Wahrnehmung von Marken im Web sich verändert:

For years brands built [web] pages and expected people to come to them. Then you had Second Life and brands went out and built islands and expected people to come to them. Well, people don’t actually do that. Whatever they’re doing on the web, they’re not there to be hijacked and taken to wherever you want to take them. This is why Coke fishes where the fish are.

Weg mit der Social Media Firewall

Veröffentlicht am 29. September 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Peer-to-Peer, Soziale Netzwerke, Web 2.0

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Markets do not want to talk to flacks and hucksters. They want to participate in the conversations going on behind the corporate firewall.

Wie das berühmt berüchtigte Cluetrain Manifesto in These #62 festhält, tun sich zahlreiche Unternehmen immer noch schwer damit, eine “offene” Konversation Online anzubieten und ihren Kunden den direkten Zugang zu denjenigen zu verschaffen, die hinter der Marke stehen. Die Angst vor negativem Feedback, zu viel Transparenz und Kontrollverlust führt dazu, dass die Zielgruppen nicht teilhaben am Geschehen “hinter den Kulissen”.

Nicht ganz zu unrecht werden PR-Abteilungen nervös, wenn ihre Mitarbeiter bloggen, wie das Handelsblatt schreibt. Zwar sind sie keine offiziellen Botschafter des Unternehmens, dennoch repräsentieren sie ihren Arbeitgeber. Wolfgang Lünenburger-Reichenbach sieht aktive Angestellte, die Inhalte publizieren, als Pressesprecher im weitesten Sinne:

Das prägt das Bild, das Außenstehende über das Unternehmen haben, oftmals stärker, als es die Pressestelle vermag.

Für den Abeitgeber bedeutet das, die Mauern einzureißen, indem er seine Mitarbeiter zwar Regeln für den Umgang mit Social Media auferlegt, ihnen aber ausreichend Freiräume lässt. Höchstes Gebot der Kommunikation 2.0 ist es, ehrliche Dialoge anzubieten und zwar auf Peer-to-Peer-Ebene. Konsumenten sind treu, wenn die Marke menschlich ist, kritisierfähig, anfassbar und präsent. Anstatt sich also hinter einer Schutzwand zu verstecken, sollten Unternehmen eine offensive Haltung einnehmen, findet auch Otto-Sprecher Thomas Voigt.

Fest steht, Social Media wird nicht durch Marketing und PR abgedeckt, sondern ist eine immer professioneller werdende neue Ära für Organisationen. Das Potential, Kunden an sich zu binden, ist enorm, wenn man es richtig anpackt!

Twitter-Wa(h)l der Deutschen

Veröffentlicht am 25. September 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Online-Relations, Web 2.0

701227Gut gemeint und schlecht gekonnt? So richtig konnten die deutschen Politker nicht in Obamas Fußstapfen treten, was den Einsatz von Social Media für ihren Wahlkampf angeht. Eigentlich kein Wunder, wenn man sich mal das Feedback in Medien und Politik anschaut. Johannes B. Kerner findet Twitter doof – dann sollten wir ihm wohl in seiner Meinung folgen ;) .

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) kritisiert soziale Medien ebenfalls stark, indem er sie als oberflächlich bezeichnet:

Die ständige Erreichbarkeit und die schnelle Kommunikation führen zu einem Zwang zur sofortigen Reaktion. Für eine wohlüberlegte, abgewogene Antwort ist oft kein Platz mehr. Soziale Netzwerke bergen die Chance zu einer neuen Kommunikation, aber auch zu Vereinzelung. Wir brauchen Werte und Orientierung, damit uns die scheinbar grenzenlose Freiheit unserer Gesellschaft nicht überfordert.

Vielleicht hat die Generation von Kerner und Schäuble nicht erkannt, welche Chancen ihnen mit diesen neuen Tools offen stehen. Und, was sie sich verbauen, wenn sie sie ablehnen und nicht dort sind, wo ihre Zielgruppen sich über sie unterhalten. Einige Politiker und Parteien zeigen da mehr Mut im Wahlkampf 2.0. Der Focus findet, dass die Grünen ihre Sache online ganz gut meistern. Grünen-Sprecherin Melanie Haas preist die Online-Kampagne ihrer Partei:

Direkte Kommunikation, das passt zur grünen Parteikultur.

Was vor den Wahlen noch harmlos, spaßig und manchen auch sinnlos erscheint, kann WÄHREND der Wahlen noch gefährlich werden. Das zumindest befürchten Wissenschaftler und Politiker  Der Kurznachrichtendienst könnte nämlich der Veröffentlichung der ersten Prognosen ab 18 Uhr einen Strich durch die Rechnung machen wird. Bereits bei den Landtagswahlen im Saarland, Thüringen und in Sachsen Ende August waren die ersten Ergebnisse der Wähler-Befragungen nach Stimmabgabe bekannt geworden. Dabei gilt: die Wahlforschungsinstitute dürfen ihre Exit-Polls keinesfalls vor Schließung der Wahlbüros veröffentlichen, auch wenn sie im kleinen Kreis bereits vorher bekannt sind. Wer entgegen dem Bundeswahlgesetz handelt, muss mit Geldstafen bis zu 50.000 Euro rechnen.

Jeder Bürger soll so unbeeinflusst wie möglich sein Kreuzchen machen, so die Begründung der Vorschrift. Im schlimmsten Fall könnte durch die frühzeitige Veröffentlichung der Umfrage-Ergebnisse die Wahl angefochten werden. Doch Verfassungsrechtler schätzen einen derartigen Einspruch eher als erfolglos ein. Ein eindeutiger Nachweis, dass das Wahlergebnis ohne diese Information abweichen würde, gibt es nicht.

Benimm’ dich auf Facebook!

Veröffentlicht am 16. September 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Gestern gab Facebook-CEO Zuckerberg bekannt, die 300 Millionen Marke geknackt zu haben. Wenn Facebook ein Land wäre, so wäre es das viertgrößte Land der Erde (Social Media Revolution). Noch haben die USA aktuell 2:24 Stunden durchschnittlich im Monat am höchsten – LinkedIn z.B. schenken wir lediglich 3 Minuten im Monat. Dass wir immer mehr Zeit in den Networks verbringen, impliziert: was im realen Leben an Verhaltensregeln gilt, wird online zur Etiquette 2.0:

#1: Den “Beziehungsstatus” sollte man nicht ändern, ohne die andere Person zu fragen.
#2: Peinliche Fotos von Bekannten zu veröffentlichen, ist völlig daneben – schließlich will man auch selbst keine üblen Party-Bilder von sich selbst im Netz finden.
#3: Diskretion ist angesagt, wenn man Nachrichten auf der Pinnwand von Freunden postet.
#4: “Klau”nicht die Freunde der anderen.
#5: Bitte nicht den Hass auf (ehemalige) Freunde online ausleben: “Hass-Gruppen” sind absolut uncool und können böse Folgen haben (siehe Video).

Social Media vs. Werbung = Dating vs. One-night-stand

Veröffentlicht am 04. September 2009 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Web 2.0, Werbung

Jeder spricht darüber. Und doch sind die Erwartungen von Unternehmen an Social Media überzogen, wie Avinash Kaushik in seinem berühmt gewordenen Tweet feststellt:

Social media is like teen sex. Everyone wants to do it. No one actually knows how. When finally done, there is surprise its not better.

Unternehmen erwarten meist die gleichen Effekte wie beim klassischen Marketing. Um diese Online-Konversationen von Werbung zu unterscheiden, zieht Rich Nadworny einen schönen Vergleich: Werbeanzeigen sind wie ein One-night-Stand und Social Media entspricht eher einer Dating-Phase.
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Wer abends loszieht, kann ganz unverbindlich Kontakte knüpfen. Wo auch immer man hingeht, man weiß: “Irgendwen werde ich treffen.” Genauso verhält es sich mit einer Werbeanzeige: sie ist breit gestreut und richtet sich relativ wahllos an ein breites Publikum. Sie kann auf die richtigen Rezipienten treffen, muss aber nicht. Ihre Eigenschaften: oberflächlich, kurzfristig und nicht verpflichtend. Die Chancen auf eine langfristige Beziehung zum Konsumenten strebt hier, wie bei einem One-night-Stand, gegen Null.

Beim Dating gehen wir wählerischer vor. Schließlich geht es um langfristige(re) Intentionen – das heißt auch, dass man sich mehr Zeit lässt und gegebenenfalls seine Strategie anpassen muss, wenn das Verhalten nicht zum gewünschten Erfolg führt. Für den Einsatz von Social Media in Unternehmen gilt ebenfalls: wer eine dauerhafte Bindung seiner Kunden an eine Marke erreichen will, muss Geduld mitbringen. Das Ergebnis ist eine ehrlichere Bindung mit einer Zielgruppe, die ernsthaft interessiert ist.

Nadworny hat auch noch ein paar Tipps auf Lager, wie Firmen sich auf das Social Media Glatteis begeben:

1. Die Welt dreht sich nicht um dich – Immer wieder stellen Unternehmen fest, wie wenig Konversationen doch zu ihrer Marke online statt finden – es sei denn, es handelt sich um Brands mit einem hohen Bekanntheitsgrad. Es gibt spannendere Themen, über die sich Nutzer unterhalten wollen. Selbstzentrierte Dater sind genauso unbeliebt wie penetrante Unternehmen. Beide müssen sich erstmal interessant machen, damit Menschen auch bereit sind, mit Ihnen zu sprechen.Bild 7

2. Selbstdarsteller kommen arrogant rüber und langweilen – Ein beliebter Fehler – sowohl beim Daten als auch bei Social Media, sei aus Nervosität oder übersteigertem Selbstbewusstsein: viele fangen einfach damit an, über sich selbst zu sprechen. Wer bei Facebook, Twitter und Co. nur über seine Marke spricht, wird häufig als Spam deklariert. Richtig macht es hier beispielsweise der Mobilfunkanbieter simyo, für dessen Fanseite MAVENS verantwortlich ist. simyo ermöglicht Gespräche rund um Mobilfunkthemen und stellt sich den Konversationen. Wer seinen ersten Auftritt “versaut”, wie es beispielsweise Vodafone getan hat, wird kaum ein zweites Date erhaschen.

3. Langfristig denken – Um die Social Media Tools einzusetzen, ist eine gute Planung nötig. Es macht wenig Sinn, beim ersten Date Champagner und Trüffel zu servieren – dann bleiben keine Ideen mehr fürs nächste Mal. Es geht darum, Geschichten zu erzählen, die kontinuierlich für Gesprächstoff sorgen und aufeinander aufbauen. Dafür braucht es vor allem Personal, das die Geschichten liefert und ein Gefühl dafür entwickelt, was wann veröffentlicht wird. Das ist der Teil, der am meisten Arbeit bringt für den Dater wie auch für die Mitarbeiter.

4. Belohnung – Wer etwas gutes tut, soll auch belohnt werden. Entsprechend braucht es ein System, das realastisch ist und zum Weitermachen anspornt.

5. Fehler eingestehen – Wichtig ist bei allem, was man tut: authentisch sein. Wer einen Fehler gemacht hat, sollte diesen eingestehen, bevor das Ganze “falsch herum” an die Öffentlichkeit gerät. Diese Details sind kriegsentscheidend für eine echte Beziehung – deshalb braucht es hier einen festgelegten Prozess.

Das schöne daran ist: sobald man diese anfängliche Phase geschafft hat, fühlt man sich sicher und kann die wahre Beziehung eingehen und ausbauen. Unternehmen, die ohne jegliche emotionale Bindung einfach nur schnelle Erfolge (à la One-night-stand) haben wollen, sollten besser die Finger noch Social Media lassen.