Twitter-Wa(h)l der Deutschen

Veröffentlicht am 25. September 2009 von Anna Friedrich

701227Gut gemeint und schlecht gekonnt? So richtig konnten die deutschen Politker nicht in Obamas Fußstapfen treten, was den Einsatz von Social Media für ihren Wahlkampf angeht. Eigentlich kein Wunder, wenn man sich mal das Feedback in Medien und Politik anschaut. Johannes B. Kerner findet Twitter doof – dann sollten wir ihm wohl in seiner Meinung folgen ;) .

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) kritisiert soziale Medien ebenfalls stark, indem er sie als oberflächlich bezeichnet:

Die ständige Erreichbarkeit und die schnelle Kommunikation führen zu einem Zwang zur sofortigen Reaktion. Für eine wohlüberlegte, abgewogene Antwort ist oft kein Platz mehr. Soziale Netzwerke bergen die Chance zu einer neuen Kommunikation, aber auch zu Vereinzelung. Wir brauchen Werte und Orientierung, damit uns die scheinbar grenzenlose Freiheit unserer Gesellschaft nicht überfordert.

Vielleicht hat die Generation von Kerner und Schäuble nicht erkannt, welche Chancen ihnen mit diesen neuen Tools offen stehen. Und, was sie sich verbauen, wenn sie sie ablehnen und nicht dort sind, wo ihre Zielgruppen sich über sie unterhalten. Einige Politiker und Parteien zeigen da mehr Mut im Wahlkampf 2.0. Der Focus findet, dass die Grünen ihre Sache online ganz gut meistern. Grünen-Sprecherin Melanie Haas preist die Online-Kampagne ihrer Partei:

Direkte Kommunikation, das passt zur grünen Parteikultur.

Was vor den Wahlen noch harmlos, spaßig und manchen auch sinnlos erscheint, kann WÄHREND der Wahlen noch gefährlich werden. Das zumindest befürchten Wissenschaftler und Politiker  Der Kurznachrichtendienst könnte nämlich der Veröffentlichung der ersten Prognosen ab 18 Uhr einen Strich durch die Rechnung machen wird. Bereits bei den Landtagswahlen im Saarland, Thüringen und in Sachsen Ende August waren die ersten Ergebnisse der Wähler-Befragungen nach Stimmabgabe bekannt geworden. Dabei gilt: die Wahlforschungsinstitute dürfen ihre Exit-Polls keinesfalls vor Schließung der Wahlbüros veröffentlichen, auch wenn sie im kleinen Kreis bereits vorher bekannt sind. Wer entgegen dem Bundeswahlgesetz handelt, muss mit Geldstafen bis zu 50.000 Euro rechnen.

Jeder Bürger soll so unbeeinflusst wie möglich sein Kreuzchen machen, so die Begründung der Vorschrift. Im schlimmsten Fall könnte durch die frühzeitige Veröffentlichung der Umfrage-Ergebnisse die Wahl angefochten werden. Doch Verfassungsrechtler schätzen einen derartigen Einspruch eher als erfolglos ein. Ein eindeutiger Nachweis, dass das Wahlergebnis ohne diese Information abweichen würde, gibt es nicht.

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