Frauen tratschen, Männer posen – auch im Web

Veröffentlicht am 07. Oktober 2009 von Anna Friedrich

Die Damenwelt ist stärker in sozialen Netzwerken aktiv (s. Artikel Frauen networken mehr als Männer). Sie twittert und shoppt auch anders als ihr männlicher Gegenpart. Brian Solis, der als Social Media Guru sicherlich nicht diesem Klischee entspricht, wertete die Geschlechterverteilung in den sozialen Netzwerken via Google Ad Planner aus. Weniger überraschend sind die Ergebnisse, die das gesellschaftliche Stereotyp unterstreichen. Denn fast außnahmslos regiert das kommunikativere weibliche Geschlecht auf den Plattformen.

Spitzenreiter mit fast 70 Prozent Frauenanteil ist die im englischsprachigen Raum verbreitete Networking-Seite bebo. Bei Facebook und Twitter sind sie mit sieben Prozent mehr ebenfalls jeweils in der Überzahl. Das einzige “Netzwerk”, was mit mehr männlichen Nutzern punkten kann, ist digg. Irgendwie typisch Mann funktioniert digg ganz simpel: die Community postet Videos, Artikel, Links, über die dann abgestimmt wird. Dialog unter den Nutzern findet in diesem Netzwerk eher indirekt statt und ist Nebensache.

Gleich verteilt sind die beiden Geschlechter dagegen bei gängigen Business-Netzwerken wie LinkedIn, beim Videoportal Youtube und dem Bookmarking-Dienst Delicious. Das verstärkt deutschsprachige Netzwerk Xing soll allerdings männer-dominant sein: lediglich 35 Prozent aller User sind weiblich.

Was unterschiedliche Nutzungsweise von Mann und Frau andeutet, bestätigt die Untersuchung der Uni Potsdam vom Februar: sie wollen (auch) online einfach nicht das gleiche. Jungs suchen auf StudiVZ Dates, während Mädchen reden wollen (s. Artikel StudiVZ: Männer und Frauen finden nicht zueinander).

Heißt das umgekehrt, dass Frauen auch die besseren Multiplikatoren für Empfehlungen sind? Nein, ergibt der “Women’s Survey” von Q Interactive. Zwar sind in Amerika mehr als die Hälfte aller Frauen aktiv in sozialen Medien, aber 75 Prozent lassen sich nicht in ihrer Kaufentscheidung beeinflussen. Entscheidender sind da beispielsweise Coupons und sonstige Diskount-Angebote, so die Ergebnisse der Studie. Hier spiegelt sich wohl doch der Sammel-Instinkt des Weibleins wieder. (Klassische Rollenverteilung beim E-Shopping).

Q interactive-CEO Matt Wise erklärt die Befunde so:

We found that there’s a substantial disconnect between women’s interactions online and the impact of brand perceptions there. So we’ve got women online, controlling the purchasing process and interacting in huge numbers with social networks, and yet they’re not being influenced by those networks to make purchases. We see a huge opportunity in that for marketers.

Soziale Netzwerke werden immer wertvoller, um mit KonsumentInnen in Kontakt zu treten. Um diese Diskrepanz zu brechen sollten sich Marketiers vor allem eins zur Aufgabe machen: ihre KundInnen verstehen lernen, um sie dann online “zu erobern”.

Eine Antwort zu “Frauen tratschen, Männer posen – auch im Web”

  1. Themenblog » Frau vs. Mann: Der “soziale” Unterschied

    [...] 2009 gab es den Beweis: Frauen tratschen eben gern und Männer sind eher die pragmatischen Poser (Beitrag aus 2009). Eine Frage, die bleibt: Ist nach Sprachen und Regionen die geschlechterspezifische [...]

Hinterlasse eine Antwort