Archiv für November 2009

Blogs vs. Microblogs = Apfel vs. Birne?

Veröffentlicht am 27. November 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Game Changer, Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0

Bloggen ist nach wie vor in, dieses Fazit ergab sich aus dem Beitrag Der Kampf um die digitale Aufmerksamkeit. Noch vor einem Jahr glaubten Experten wie Wired-Autor Paul Boutin den baldigen Tod der Web-Tagebücher vorherzusehen:

The blogosphere, once a freshwater oasis of folksy self-expression and clever thought, has been flooded by a tsunami of paid bilge. Cut-rate journalists and underground marketing campaigns now drown out the authentic voices of amateur wordsmiths. It’s almost impossible to get noticed, except by hecklers. And why bother? The time it takes to craft sharp, witty blog prose is better spent expressing yourself on Flickr, Facebook, or Twitter.

Totgesagte leben länger: Blogs sind wieder auf dem Vormarsch, wie aktuelle Comscore-Ergebnisse belegen. Die Anzahl der Besucher auf Blogs steigt rasanter an als die auf den Microblogs. Für Twitter.com kommt nach dem starken Wachstum in diesem Jahr jetzt erstmals die Ernüchterung: statt der 48,4 Millionen noch im September zählt Comscore nur noch 48,3 Millionen Besucher auf der gehypten Microblog-Seite (angemerkt sei, dass Clients wie Seesmic keinen Rückgang verzeichnen). WordPress, der größte Blogbetreiber dagegen, allein konnte innerhalb von einem Monat ganze 10 Millionen Besucher hinzugewinnen – mit 151,8 Millionen also deutlich stärker besucht als Twitter.

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Äpfel lassen sich nun einmal nicht mit Birnen vergleichen. In eine 140-Zeichen-Nachricht verpackt man prägnante Inhalte, die in Blogs ausgearbeitet werden können. Blogs ergänzen Twitter und umgekehrt. Entsprechend arbeiten auch die meisten Unternehmen, die in Social Media unterwegs sind, mit beiden Tools.

Twitter ist also ebenfalls nicht tot. Der betrachtete Zeitraum ist zu gering, um auf einen Trend zu schließen. Kurze Botschaften spiegeln den Zeitgeist des “Realtime”. Wir nehmen das wahr, was gerade in den Strom unserer Aufmerksamkeit fällt, alle anderen Informationen gehen in der Masse. Eric Schonfeld von Techcrunch merkt außerdem an, dass die neuen Twitter-Features “Listen” und “Retweet Button” erste verheißungsvolle Verbesserungen für Twitter sind. Er glaubt, dass die geplante Implementierung der “Geolocation“  Twitter zu weiterem Wachstum verhelfen werden. Sicherlich hat Evan Williams mit seinem 140-Zeichen-Imperium noch andere Erweiterungen in petto. Nicht umsonst ist im nächsten Jahr ein IPO anvisiert…

Wenn Marken Fehler machen (oder Pepsi an Frauen denkt)

Veröffentlicht am 24. November 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Soziale Netzwerke, Virales Marketing

091019pepsi_ampupFrauen kann man ab sofort mit dem iPhone klarmachen. „Amp up before you score“ heißt das Wunderpgoramm von Pepsi. Aber bevor Sie jetzt den iTunes Store stürmen: die Koffeinbrause-Getränkemarke musste das Program für experimentierfreudige oder gar frustrierte männliche iPhone-Besitzer wieder vom Markt nehmen.

Der Grund: Anstatt die Herzen von Cyber-Casanovas zu erobern, empörte die achso geniale Idee vor allem die Damenwelt. Warum die Aufregung? Die Applikation kategorisiert Frauen nach Vorlieben, Aussehen und Persönlichkeit: Von der Punk-Queen, zum Cougar, über die Baumumarmerin hin zur Jungschauspielerin liefert sie 24 Frauen(stereo)typen inklusive Background-Informationen und eben den erprobten Flirts-Sprüchen (hier geht’s zum Video). Wer erfolgreich beim Anmachen war, kann damit sogar direkt bei Twitter prahlen, so die geniale Idee von “Amp up before you score”.

Bildschirmfoto 2009-11-24 um 15.29.43Die zwar witzig gemeinte iPhone-Software sollte ein netter Bonus zur neuen Pepsi-Kampagne des Amp Energy Drinks werden. Statt werden Kunden dem Cola-Brause-Produzenten aber Sexismus und schlechten Geschmack vor. Der Konzern hat sich immerhin – wie passend – auch über Twitter für seinen frauenfeindlichen Fauxpas entschuldigt.

Vielen Marken fehlt auch im Social Media Bereich häufig das Feingefühl dafür, was ihre Konsumenten wünschen. Und: Programmierer sind nun einmal überwiegend männlich! Oder verstehen wir keinen Spaß Unternehmen lernen dank Social Media konstant vom Feeedback ihrer Konsumenten. Wenigstens macht sie das menschlich. Wichtig ist dabei, offen zu seinen Fehlern zu stehen, wie Pepsi es getan hat:

Die Welt ist so klein… wie Facebook

Veröffentlicht am 23. November 2009 von Antoniya Stankova | The Work

“Antoniya, wolltest Du Dich nicht im Themenblog vorstellen?” Ja, stimmt. Auch wenn ich seit knapp vier Monaten bei MAVENS arbeite, für eine Vorstellung ist es noch nicht zu spät.

Was ich bei MAVENS mache? Community Building & Management. Oder wie eine Marke Botschafter gewinnt, wie man mit ihnen gemeinsam eine Community aufbaut und erweitert. Die richtigen Nutzer aufspüren, sie begeistern und schließlich für sie da sein. Diskussionen initiieren, Markengespräche verfolgen und helfen, wo es brennt.

Was aber ist so spannend an Communities? Wie sie Menschen zusammenbringen, am liebsten zufällig. 2006 lief auf RTL2 die sechste Staffel Big Brother. Meine Mitbewohnerin kannte einen Teilnehmer, doch sie wusste nicht, woher. Bis sie diesen Sommer eine Freundschaftsanfrage auf Facebook bekam: “Hey, waren wir nicht zusammen auf derselben Grundschule?” Tja, die Welt ist klein… wie Facebook.

Viele von uns haben etwas Ähnliches erlebt. Via Facebook habe ich von unserem Klassentreffen in meiner Heimatstadt erfahren. Ich habe Freunde wiedergesehen, die ich sonst nicht getroffen hätte. Dank Facebook vergesse ich keine Geburtstage und erfahre, wie es anderen ergeht – Kleinigkeiten, die Kontakte pflegen. So funktionieren Online Communities: Sie machen weite Entfernungen nah und vernetzen Menschen überall auf der Welt.

Darum bin ich Online Communities verfallen. Auch wenn ich am Anfang nicht verstehen konnte, warum Menschen ihre Zeit mit solchen Plattformen vergeuden.

Ähnliches beschäftigt mich auch heute. Nur der Blickwinkel ist ein anderer: Was macht eine Community so attraktiv, dass Menschen ihre Zeit dort verbringen? Wie können Unternehmen Soziale Netzwerke als Kommunikationswege nutzen, um mit ihren Kunden zu sprechen?

Die Antworten finde ich bei unseren Projekten. Zum Start der Bosch Heimwerker-Plattform 1-2-do.com haben wir zum Beispiel die Nutzer der ersten Stunde rekrutiert: Menschen, die ihr Wissen teilen, von anderen lernen wollen und mit ihrem Einsatz den Kern der Gemeinde bilden. Bei unserem Projekt für simyo gehöre ich zum Community Team: Wir bieten den Dialog mit dem Unternehmen dort an, wo sich die simyo Kunden in Social Media austauschen – bei Facebook, in Foren und Blogs.

Eins ist dabei wichtig: Im Mitmach-Web funktionieren Dialoge. Hier wird Menschen und Erfahrungen zugehört. Damit eine Community fortdauert, braucht sie Enthusiasten, die sie lebendig halten. Der Erfolg besteht nicht nur darin, sie für sich zu gewinnen, sondern sie auch zu behalten.

Es gibt keinen Social Media ROI

Veröffentlicht am 18. November 2009 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, The Work, Virales Marketing

Immer mehr Unternehmen sind bereit, sich aufs Glatteis zu begeben: sie wollen unbedingt präsent sein in sozialen Netzwerken. Denkfehler No. 1 dabei ist meist: “Je mehr Geld ich investiere, desto erfolgreicher bin ich.”

Soziale Medien funktionieren aber nicht wie die freie Wirtschaft. Es geht hier um die Begeisterung der Menschen, der Enthusiasten einer Marke, der Mavens. Die Kunden mitzureißen und interessante Dialoge mit ihnen und für sie zu schaffen, ist unbezahlbar. Es ist ein Spiel, auf das sich Unternehmen einlassen müssen, findet Alex Bogusky, Vorsitzender von Crispin Porter + Bogusky:

You can’t buy attention anymore. Having a huge budget doesn’t mean anything in social media… The old media paradigm was PAY to PLAY. Now you get back what you authentically put in. You’ve got to be willing to PLAY to PLAY.

Erik Qualman, der Autor von Socialnomics, stellt den (vermeintlichen) Social Media ROI mit anschaulichen Beispielen dar:

Die Copycats von Ed Hardy

Veröffentlicht am 17. November 2009 von Anna Friedrich | Corporate Publishing, Medien 2.0

Don Ed Hardy ist weltweit berühmt für seine kreativen Tattoos. Dazu verholfen hat ihm nicht nur seine eigene Reputation als Tätowierer. Der französische Designer Christian Audigier hat aus Hardys inspirierender Idee eine ganze Mode-Bewegung gemacht. Mit Christian Audigiers Kleider-Kollektion wird das eingravierte Design, das eine Haltung gegen eine langweilige Klassengesellschaft symbolisiert, plötzlich zur Style- und Trendbewegung und bedeutet keine Entscheidung mehr auf ewig.

Ed Hardy-Anteilseigner Neil Cole von der Iconix Brand Group ist überzeugt: die Marke ist ein einem Stadium, in dem sie besonders “cool und fashionable” bleiben muss. Doch hier liegt das Problem: die digitale Präzenz der Marke aus San Francisco wird ihr zum Verhängnis. Google, der quasi in der Nachbarschaft liegende Suchriese, ebnet Produktpiraten den Weg.

Bildschirmfoto 2009-11-17 um 14.05.23Unterstützer der Tattoo-Marke kämpfen gegen Copycats, die in Windeseile täuschend echte Kopien der Original-Website an die Spitze der Suchergebnisse treiben und sogar die Google Ad Systeme manipulieren. Sie verhökern dort ihre Falschware aus China, die nur dann (blind) gekauft wird, wenn Google die Seiten mit einer gewissen Echtheit versieht. Hoch im Googlerang und sogar mit Werbeanzeige versehen, fällt fast jeder Kunde auf die Täuschung herein.

Ab wann wird eine Marke auch zum Allgemeingut und hat kein “Recht” mehr auf Alleinherrschaft?

Offenbar ist die Kontrolle über das Hardy-Produktsortiment längst aus den Rudern gelaufen. Auf allen Kontinenten haben Gegner die Idee für sich beansprucht, sogar in San Francisco, dem Entstehungsort der Trendbewegung selbst.

Der Online-Klau ist dabei die größte und mächtigste Bedrohung. Teilweise wird die Original-Website von Ed Hardy 1:1 kopiert. Wer nach konkreten Produkten googelt, findet meist erst einmal ein riesiges Repertoire an Fake-Produkten (ohne dies zu wissen). In zahlreichen Fällen versuchten Anwälte, den Ad-Word-Kauf gerichtlich zu verbieten, wenn die Suchbegriffe mit einer bestimmten Marke in Verbindung stehen. Aber hier hat das Recht auf geistiges Eigentum wohl seine Grenzen, das Gesetz jedenfalls ist in diesen Bereichen sehr offen.

Beim Verfolgen der Kopierer dreht sich alles im Kreis. Sobald das Team von der Hardy Way Lizenzfirma einen der Piraten entdeckt, entsteht innerhalb weniger Minuten eine neue Seite. Die Jagd nach den Dieben entspricht dem Schwimmen gegen den Strom: Die unaufhaltsame Kopie-Manie einer Marke.

Kaum eine Marke bleibt verschont von den bösen Copycats. Gleichzeitig zeigt sich der Erfolg einer Marke darin, dass andere versuchen, sie nachzuahmen. Das räumt auch Cole ein:

The better the brand is the worse the problem is.

FAZ: Kein Marketing ohne Internet

Veröffentlicht am 17. November 2009 von Mark Pohlmann | Allgemein

Obwohl nur knapp 10 Prozent der Werbebudgets ins Internet fließen, haben Suchmaschinen, Anbieterseiten, Kommentare anderer Nutzer, Produktvergleichsseiten und die Online-Werbung für deutsche Konsumenten inzwischen eine doppelt so hohe Relevanz für Kaufentscheidungen wie das zweitplazierte Medium Fernsehen, hat die Studie „Digital Influence Index Study” von Harris Interactive ergeben. Mittlerweile sind es 97 Prozent aller Konsumenten, die sagen, dass ihr Verhältnis zu einer Marke im Netz beeinflusst werde – unabhängig von einem Kauf. „Das Internet ist also nicht nur ein Platz, um eine Marke zu bilden. Man kann eine Marke dort auch zerstören”, lautet eine Schlussfolgerung. Die Nutzer wollten mit der Marke interagieren – egal ob die Marke das möchte oder nicht.

So sieht es aus.

Posted via web from Mark Pohlman