Die Copycats von Ed Hardy

Veröffentlicht am 17. November 2009 von Anna Friedrich

Don Ed Hardy ist weltweit berühmt für seine kreativen Tattoos. Dazu verholfen hat ihm nicht nur seine eigene Reputation als Tätowierer. Der französische Designer Christian Audigier hat aus Hardys inspirierender Idee eine ganze Mode-Bewegung gemacht. Mit Christian Audigiers Kleider-Kollektion wird das eingravierte Design, das eine Haltung gegen eine langweilige Klassengesellschaft symbolisiert, plötzlich zur Style- und Trendbewegung und bedeutet keine Entscheidung mehr auf ewig.

Ed Hardy-Anteilseigner Neil Cole von der Iconix Brand Group ist überzeugt: die Marke ist ein einem Stadium, in dem sie besonders “cool und fashionable” bleiben muss. Doch hier liegt das Problem: die digitale Präzenz der Marke aus San Francisco wird ihr zum Verhängnis. Google, der quasi in der Nachbarschaft liegende Suchriese, ebnet Produktpiraten den Weg.

Bildschirmfoto 2009-11-17 um 14.05.23Unterstützer der Tattoo-Marke kämpfen gegen Copycats, die in Windeseile täuschend echte Kopien der Original-Website an die Spitze der Suchergebnisse treiben und sogar die Google Ad Systeme manipulieren. Sie verhökern dort ihre Falschware aus China, die nur dann (blind) gekauft wird, wenn Google die Seiten mit einer gewissen Echtheit versieht. Hoch im Googlerang und sogar mit Werbeanzeige versehen, fällt fast jeder Kunde auf die Täuschung herein.

Ab wann wird eine Marke auch zum Allgemeingut und hat kein “Recht” mehr auf Alleinherrschaft?

Offenbar ist die Kontrolle über das Hardy-Produktsortiment längst aus den Rudern gelaufen. Auf allen Kontinenten haben Gegner die Idee für sich beansprucht, sogar in San Francisco, dem Entstehungsort der Trendbewegung selbst.

Der Online-Klau ist dabei die größte und mächtigste Bedrohung. Teilweise wird die Original-Website von Ed Hardy 1:1 kopiert. Wer nach konkreten Produkten googelt, findet meist erst einmal ein riesiges Repertoire an Fake-Produkten (ohne dies zu wissen). In zahlreichen Fällen versuchten Anwälte, den Ad-Word-Kauf gerichtlich zu verbieten, wenn die Suchbegriffe mit einer bestimmten Marke in Verbindung stehen. Aber hier hat das Recht auf geistiges Eigentum wohl seine Grenzen, das Gesetz jedenfalls ist in diesen Bereichen sehr offen.

Beim Verfolgen der Kopierer dreht sich alles im Kreis. Sobald das Team von der Hardy Way Lizenzfirma einen der Piraten entdeckt, entsteht innerhalb weniger Minuten eine neue Seite. Die Jagd nach den Dieben entspricht dem Schwimmen gegen den Strom: Die unaufhaltsame Kopie-Manie einer Marke.

Kaum eine Marke bleibt verschont von den bösen Copycats. Gleichzeitig zeigt sich der Erfolg einer Marke darin, dass andere versuchen, sie nachzuahmen. Das räumt auch Cole ein:

The better the brand is the worse the problem is.

3 Antworten zu “Die Copycats von Ed Hardy”

  1. Jörg

    Hallo Themenblog
    Das Thema Fakes ist äußerst spannend. Ich habe zu Beginn des Jahres eine Studie namens Fakesumption dazu in China erarbeitet und auf der Lift in Genf vorgestellt.
    Interessant ist auch, dass es häufig schlimmer wird, wenn die Anwaltslegionen anrücken. Denn dann verschwinden die Kopierer in den Untergrund und sind noch schwerer habhaft zu machen.
    Die Kurzfassung der Studie gibt es hier:
    http://www.slideshare.net/TrendBuero/fakesumption
    Herzliche Grüße

  2. Anna Friedrich

    Hallo Jörg,

    klasse, Eure TrendBüro-Studie kannte ich noch gar nicht, vielen Dank. Vielleicht gibt es auch hier einen Weg, um “freundschaftlich” mit den Kopierern umzugehen, anstatt sie in den Untergrund zu vertreiben? Ähnelt ein wenig der Jack Wolfskin-Problematik auf Dawanda – allerdings im großen Stil!

    Herzlich
    Anna

  3. Lukas

    Naja, da muss man sich denke ich mal auch ein wenig in die Lage der Hersteller versetzen und mal überlegen wie man selbst handeln würde…

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