Werbung, die schockt

Veröffentlicht am 25. Februar 2010 von Anna Friedrich

Bildschirmfoto 2010-02-25 um 11.35.16Amerika ist bekannt dafür, aussergewöhnliche Werbebotschaften zu zensieren oder zu verbieten. Jetzt sorgt eine provokative Anti-Raucher-Kampagne der französischen Nichtraucher-Organisation DNF (Droits des non-fumeurs) für Aufruhr im Sechseck. Politiker wie die französische Familienministein Nadine Morano forderten, die Kampagne aufgrund der sexuellen Anspielung zu stoppen.

Denn die Jungen bzw. die junge Frau auf den Fotos sind in einer eindeutig zweideutigen Situation abgebildet mit dem bezeichnenden Claim: “Smoking means being a slave to tobacco.” DNF-Chef Rémi Parola verantwortet die Kampagne und sieht die konservativen Argumente der Gegner nicht und besteht drauf, dass die Intention der Idee nicht auf Sex basiert:

Traditional advertisements targeting teens don’t affect them. Talking about issues of health, illness or even death, they don’t get it. However, when we talk about submission and dependence, they listen. (…) The visuals have a sexual connotation, that I can’t deny, but it’s really a way to start a discussion with young people to get them to understand the dangers of smoking.

Selten gelingt es Kampagnen, für ein verdrängtes Gesundheitsthema wie Rauchen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erlangen. Dabei braucht es das dringend: 40 Prozent aller Raucher zwischen 12 und 25 sind süchtig, jährlich Sterben allein in Frankreich 66.000 an den Folgen des Nikotinkonsums.
Jetzt, wo es die Nichtraucher-Organisation mit ein wenig Provokation schafft, bietet die französische Regierung Paroli. Die Darstellungen seien unanständig und anstößig, heißt es und es gäbe bessere Wege, um Teenager vom Rauchen abzuhalten.

Noch existieren die Fotos nur im Internet und in den zahlreichen Medienberichten, die Resultat der heißen Debatte sind. Heute beschloss DNF, die Kampagne auzugeben. Doch hat sie mit dem enormen Media-Buzz schon mehr erreicht, als erwartet.

Der Zweck heiligt die Mittel. Wie würde man hierzulande auf eine solche Kampagne reagieren? Wenn sich die Mehrheit über eine betrunkene Margot Käßmann am Steuer aufregt, würden unsere Politiker wohl auch an dieser Kampagne kein gutes Haar lassen. Vielleicht spielen steuerzahlende Tabakkonzerne ebenfalls eine nicht unwesentliche Rolle im Interesse der Regierungen.

6 Antworten zu “Werbung, die schockt”

  1. lokalreporter

    finde die kampagne ganz gut, mit anspielungen kriegt man jugendliche im rauchfähigen alter vermutlich am ehesten .. was kann pubertierende in unserer zeit schon noch schocken?

  2. Anna Friedrich

    Sehe ich auch so und kann die Aufregung gar nicht nachvollziehen.

  3. Matthias

    Französische Werbung ist bekannt für die üppige Verwendung von erotischen Motiven, sei es für Autos, Airlines oder Schokoriegel.
    Hier wird mit drastischen Bildern Aufmerksamkeit für eine gute Sache erzielt. Die Aufregung ist scheinheilig und unangebracht, zumal die Bilder der Nichtraucherkampagne nicht mit vordergründigen erotischen Signalen arbeiten, sondern mit Metaphern.

  4. Björn Wagener

    Sicherlich gut um Aufmerksamkeit zu generieren, aber meines Erachtens auch ein wenig zu anzüglich. Das Thema “Sklave” hätte man auch anders darstellen können und dennoch provokativ sein können.

  5. uberVU - social comments

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    This post was mentioned on Twitter by mspitzenberg: Werbung die Schockt? Aber eine gute Nichtraucher Kampagne http://bit.ly/cT8gPK

  6. Christina Hansen

    Es wird immer populärer die Menschen mit schockierenden Werbungen zu beeindrucken. Zwar ist die hier aufgeführte Kampagne eine durchaus gelungene aber es stellen sich die Fragen: Wie lange hält der Erfolg an ? Was kann den modernen Menschen noch schockieren?

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