Immer dem Schwarm nach

Veröffentlicht am 03. Mai 2010 von Anna Friedrich

Bildschirmfoto 2010-05-03 um 09.19.55Was in der Tierwelt funktioniert, ist auch beim Menschen nicht zu verleugnen: wir sind Herdentiere. Die Ära der Social Networks macht immer deutlicher, wie sehr wir uns meist unbewusst auf die Schwarmintelligenz – das “Wissen” unserer Freunde – verlassen.

So ist es ein Netzwerkprozess, eine Norm zu akzeptieren. Wenn meine Freunde sagen, dass es “ok” ist, nehme ich diese Meinung auch an. Die Connected!-Autoren Nicholas Christakis und James Fowler vergleichen unseren Denkprozess mit einer Epidemie: Entscheidungen sind das Ergebnis aus einer Epidemie von Einstellungen. Die wird nicht über Viren oder Bakterien weitergetragen, sondern eben über soziale Netzwerke. Das bedeutet nicht, dass wir Oper unseres Netzwerkes sind. Aber wir sind das, was unser soziales Netzwerk uns vorgibt. Wichtig dabei ist, wie wir uns selbst dort positionieren. Spielen wir eine zentrale Rolle oder sind wir Mitläufer hoch 10? “Are you the life of the party or a wall flower?” fragen die Forscher.

Über drei Ecken wird in sozialen Netzwerken eine Botschaft weitergetragen, so beschreiben es die Autoren. Dass wir jeden Menschen über sechs Ecken kennen, belegt Milgram’s Theorie “Six Degrees of Influence” (siehe Die Welt ist klein und Netzwerke sind mächtig). Deshalb der Connected!-Claim: Wir können mit der sozialen Ansteckung die halbe Welt erreichen! Demnach beeinflusst unser Verhalten Menschen, die wir noch nicht einmal kennen und vermutlich auch nie treffen werden. Sie ist die Erklärung für unverständliche Hyps wie Farmville, Maffia Wars und Co.

stossel-600Die Beeinflussung über drei Verbindungen ist nachweisbar. Hierzu werteten die Forscher Facebook-Profile aus, die auf das Verhalten schließen ließen (interessant hierzu Facebook weiß, wie glücklich wir sind). Wer mit einer glücklichen Person verbunden ist, hat selbst eine 15 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, ebenfalls glücklich zu sein. Wer über zwei Ecken mit einer glücklichen Person verbunden ist, ist selbst eine 10 Prozent eher glücklich. Bei einer Bekanntschaft um drei Ecken lieget die Wahrscheinlichkeit bei sechs Prozent. Umgekehrt verringert jeder unglückliche Freund die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst glücklich ist um sieben Prozent.

Schön illustriert wird der Effekt hier (Video) am Beispiel “Übergewicht”, das sich laut Fowler und Christakis wie eine Seuche ausbreitet. Interessant wird dieser Ripple-Effekt vor allem für Unternehmen. Sie können vom positiven Buzz der Fans profitieren – nichts begünstigt den mehr als die Like Economy.

Eine Antwort zu “Immer dem Schwarm nach”

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