Archiv für Oktober 2010

Soziales Dinner

Veröffentlicht am 26. Oktober 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Online-Relations

(via Digitalbuzz)

Das Image der klassischen Energieversorger, allem voran Vattenfall, ist auch hierzulande schlecht. Umso genialer ist die Idee des Design-Studenten Luong Lu, die er für Vattenfall entwickelt hat. Es ist kein Geheimnis, dass die steigende Anzahl an Single-Haushalten höhere Energiekosten je Einwohner mit sich bringt. Zudem neigen einsame Menschen laut Studien eher zu Alkohol-, Fett- und Nikotinsucht.

Neighbor Dining ist das Konzept über ein Abendessen-Treff für Singles. Über eine Foursquare-Anbindung finden Alleinstehende Dinner in der Umgebung und können selbst ihre Nachbarn einladen. Damit wird der Abend sozial und energieeffizient für alle Beteiligten. Auch, wenn die Umsetzung der Applikation den Ruf von Vattenfall nicht umkehren wird, so wäre sie doch ein Anfang!

Pinocchios auf Twitter und Co.

Veröffentlicht am 25. Oktober 2010 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Web 2.0

Wer sich hinter einem Bildschirm versteckt, dem fällt es leichter, zu lügen als im persönlichen Kontakt, besonders auf Twitter. Dies belegt der “Straight Talking Report”, durchgeführt von der Versicherungsfirma Direct Line.

Demnach sind von 2.000 Befragten nur 20 Prozent komplett ehrlich auf Twitter oder in Kurznachrichten. 31 Prozent bleiben nur im realen Leben komplett bei der Wahrheit. Insgesamt flunkern vor allem Männer gerne mal in Kurznachrichten – nur 17 Prozent der Männer, aber 21 Prozent der Frauen sind auch beim Schreiben ehrlich.

Dafür sind die männlichen Genossen im realen Leben angeblich eher authentisch. Laut Ergebnissen beanspruchen dies 12 Prozent mehr Männer als Frauen für sich. Die Studie lässt Psychologe Glenn Wilson erklären:

Modern technologies, such as smartphones, social networking and instant messaging have been hailed as innovations in the way people interact, removing obstacles to conversation and allowing for openness of discourse. However, we sometimes use these means of communication rather than a face-to-face encounter or a full conversation when we want to be untruthful, as it is easier to fib to someone when we don’t have to deal with their reactions or control our own body language.

Umgekehrt heißt das, wir sollten Menschen, die wir nicht persönlich kennen, online nicht vertrauen. Die Vorsicht wird zur Umsicht, wenn es um die eigene Privatsphäre geht. Denn, wer selbst lügt, nutzt auch ungefragt die Informationen anderer. Abgesehen davon, dass Systeme wie Facebook zahlreiche Sicherheitslücken aufweisen, schrecken Nutzer nicht davor zurück, persönliche Informationen für Stalking- oder Spionage-Zwecke zu nutzen.

So geschah es im Falle des Rutgers-Studenten in USA, der sich umbrachte, weil sein Mitbewohner ihn über einen Video-Post als schwul outete. Jeff Jarvis, der sich intensiv mit den Auswirkungen des Internets auf unsere Privatsphäre auseinandersetzt, hat eine schöne Idealvorstellung:

Privacy is the responsibility of the person who receives information about someone. Once you know something about me, the weight lies with you as you decide how to use that information, whether to spread it, in what light.

Die Macht des Teilens

Veröffentlicht am 13. Oktober 2010 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Soziale Netzwerke

Social Media ist ein elementarer Bestandteil von Marketing. Bei der Wahrnehmung von Nachrichten spielen Empfehlungen eine zunehmend große Rolle, wie es auch eine CNN-Studie bestätigt. 27 Prozent derjenigen, die häufig Inhalte teilen, sind für 87 Prozent aller im Internet geteilten News verantwortlich. Hier zeigt sich, wie wichtig die “Influencer” und damit die Mavens für die Mundpropaganda sind.

Wie aber werden die Inhalte geteilt? Laut CNN laufen sie in 43 Prozent der Fälle über Social Media Kanäle, 30 Prozent per Email, 15 per SMS und 12 Prozent via Messenger. SocialTwist, ein amerikanisches Marketingunternehmen, hat ähnliches herausgefunden. Zwar werden demnach nur 26 Prozent der Links per Social Media verbreitet (gegenüber 55 Prozent via Email), dennoch liegt die Click Through Rate hier am höchsten mit 60 Prozent (gegenüber 31 bei Email).

Facebook wird am häufigsten zum Teilen von Inhalten genutzt, ergeben die SocialTwist-Befunde. 78 Prozent der User setzen es ein, nur 5 Prozent wählen Twitter. Dafür ist der Microblogging-Dienst bei der Click Trough Rate unschlagbar: während Twitter durchschnittlich 19,04 Klicks produziert, schafft es Facebook nur auf 2,87.

Das zeigt, wie wertvoll Twitter als Marketingtool ist, wenn es um die Verbreitung von Inhalten geht. Dick Costolo, neuer CEO, behauptet gar, Twitter “cracked the code on a new form of advertising, and we feel like we’ve got a hit on our hands.”

Online-Vermarkter GoViral behauptet in seiner Studie, Facebook sei für für Viral-Videos das effektivste Tool. Dank des im zweiten Quartal eingeführten “Like”-Buttons, sei es besonders einfach für Nutzer, Links ihrem eigenen Newsfeed hinzuzufügen. Entsprechend stiegen seitdem die Aktivitäten auf Video-Inhalten.

Während in Q3 je 1.000 Seitenansichten 5,64 Interaktionen auf Facebook folgen, sind es auf Twitter nur 0,75. Immerhin, die Zahlen vor der “Like”-Ära sprechen für sich: im ersten Quartal ergaben 1.000 Videoansichten lediglich 1,19 Facebook-Interaktionen, im zweiten waren es mit 2,27 schon doppelt so viele. Klar erleichtert die Einfachheit des “Likes” das Teilen und schafft vielleicht auch eine längerfristige Beziehung, wovon Produkt-Direktor Nick Roveta von GoViral überzeugt ist.

Es kommt also darauf an, welche Inhalte im Netz geteilt werden. Glaubt man den Studien von CNN und SocialTwist, so ist Facebook das beliebteste Tool zur Verbreitung, während Twitter eher die meisten Klicks auf die jeweiligen Links produziert. Gemäß GoViral eignet sich für Viral-Videos dennoch Facebook am besten.

Insgesamt werden weder Facebook noch Twittter allein Strategie für Marken sein können. Unternehmen müssen ihre Coroporate- und Kampagnen Social Media kompatibel gestalten, vom “Like”-Button über alle möglichen Email- und Bookmarking-Dienste hin zur “Twitter”-Share Option. Die Zahlen zeigen jedenfalls, dass die “Likeability” nicht mehr wegzudenken ist, um Empfehlungen für die eigene Marke sinnvoll zu nutzen.

Apples Text-Zensur

Veröffentlicht am 13. Oktober 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Storytelling

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Deshalb schuf Apple ein gerade bewilligtes Patent auf eine Anti-Sexting Applikation. Die Systematik verhindert, dass perverse, anzügliche Sms geschrieben und verschickt werden können. Typisch amerikanisch wird natürlich keines der Worte im offiziellen Patent verwendet. Es nennt sich “Text-based communication control for personal communication device”. Hintergrund ist, dass es bisher keine Möglichkeit gibt, gewollte oder ungewollte sexuelle Inhalte in Kurznachrichten zu kontrollieren. Entsprechend können Eltern in einer Kontrolleinstellung über den Grad der “Zensur” bestimmen und damit schlimme Inhalte im Schriftverkehr ihrer kleinen verhindern, so zitiert TechCrunch die Patentbeschreibung.

Doch: Verbotene Früchte schmecken süßer. Die amerikanischen Teenies, werden – wie auch bei allen anderen Verboten – garantiert einen Weg finden, die Kontrollfunktion zu umgehen. Und sei es mit einem neuen Slang, der alle Verbotenen Worte umgeht. Wie sieht es mit dem Verhindern “unpässlicher” Telefonaten aus? Bestimmt arbeitet der Cupertino-Konzern gerade an der Sprachzensur – damit die Eltern auch sicher gehen können, dass ihre Kinder keine schmutzigen Worte aus dem Hörer vernehmen. :D

Online-Glückseligkeit?

Veröffentlicht am 01. Oktober 2010 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Storytelling, Web 2.0

“Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt”, diese Weisheit bekommt im Internet eine ganz andere Bedeutung: Wir teilen mit Spaß und Freude unsere digitale Identität mit anderen, vom gekauften Schnäppchen über die aktuelle Gemütslage hin zum aktuellen Ortsstatus. Doch: Das Netz bringt uns dazu, uns ständig in Beziehung zu anderen zu setzen, anstatt auch mal das Alleinsein zu genießen. Wir begeben uns in Abhängigkeit dieser Technologie und geben unsere Privatssphäre auf.

So steht der Literaturwissenschaftler William Deresiewicz der zunehmenden Vernetzung online sehr kritisch gegenüber. Man tauscht, davon ist er überzeugt, vielmehr die Qualität einer Freundschaft gegen eine Quantität ein. Verbindungen sprich Freundschaften sind oberflächlich und deshalb aus seiner Sicht wenig erfüllend, erklärt er das Missverhältnis in “Faux Friendships”:

Das Merkwürdige ist doch, dass wir immer glauben, dass eine neue Technik ein vorhandenes Bedürfnis befriedigt. Tatsächlich schafft sie dieses Bedürfnis oft erst. In diesem Fall ist das der Wunsch, 24 Stunden am Tag zu wissen, was unsere Freunde machen. Aber darum geht es in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht. Ein Freund ist nicht der, der mir jeden blödsinnigen Gedanken mitteilt, der ihm im Kopf herum geht – ein Freund ist der, den ich sechs Monate nicht sehe, für den ich mir aber dann ein ganzes Wochenende Zeit für Gespräche mit ihm nehme.

Dass wir den Begriff Freundschaft dank Facebook und Co. gänzlich neu definiert haben, zeigt auch die Tatsache, dass die Entfreundung auf dem sozialen Netzwerk bei Menschen zu einem Gefühl der Einsamkeit führt. Sie bringt absurderweise fast genauso viel Stress für die Betroffenen, wie eine echte Kündigung der Freundschaft.
Eine Studie der British Computer Society (BCS) will jedoch beweisen: Das Internet macht glücklich. Das Netz bietet ein unerschöpfliches Repertoire und Wissen, Informationen und Zugang zu anderen Kulturen. Damit gibt es Nutzern ein stärkeres Freiheits- und Kontrollgefühl, was sich wiederum positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkt, so die Quintessenz der BCS-Analysten. Besonders trifft dies auf Frauen, geringer verdienende Schichten sowie User mit niedrigerem Bildungsniveau zu. “IT empowers the desimpowered”, schlussfolgert der Bericht. Vorsitzende des BCS, Elizabeth Sparrow, betont, dass Informationstechnologien umsonst mit negativen Assoziationen versehen werden:

Too often conventional wisdom assumes IT has a negative impact on life satisfaction, but the research has found the opposite to be true. IT has a direct positive impact on life satisfaction, even when controlling for income and other factors known to be important in determining well-being.

Eine Legitimation für Nerds sind die Befunde wohl kaum. Auf der ankündigenden Pressekonferenz sagte Paul Flatters vom durchführenden Befragungsinstitut Trajectory Partnership:

Facebook makes us happier. Given the immediate uplift in life satisfaction that people experience when using social networking, teaching people about how to use services like Facebook could be a more effective way of bridging the digital divide and getting people online.

Kurzfristig mag das wohl stimmen. Wir bleiben mit Freunden und Marken in Kontakt – oberflächlich – und teilen unser sonst so einsames Leben. Doch sollten wir, wie Deresiewicz zu recht bemängelt, einmal überlegen, wie viel mehr wir von einer wahren Freundschaft und den “echten” Kontakten im Leben haben.

So hat kürzlich der Versuch der Harrisburg University of Science and Technology in Pennsylvania, USA gezeigt, wozu der Facebook-Entzug von 800 Studenten führen kann. Zu Beginn der einwöchigen Enthaltsamkeit kämpften die Probanden schwer damit, sich nicht digital mitteilen zu dürfen. Doch mit der Zeit gewöhnten sie sich und konzentrierten sich besser aufs Studium. Eric Darr, Hochschuldirektor, freute sich darüber, dass viele Studienteilnehmer die persönliche Kommunikation wieder mehr wertschätzten und ihren Alltag insgesamt als weniger stressig empfanden:

Only by stopping and paying attention can we understand. We may not even be aware that social media plays a big part in what we do and how we do it. Face-to-face meetings and relating through Facebook is probably the way to go.