Pinocchios auf Twitter und Co.

Veröffentlicht am 25. Oktober 2010 von Anna Friedrich

Wer sich hinter einem Bildschirm versteckt, dem fällt es leichter, zu lügen als im persönlichen Kontakt, besonders auf Twitter. Dies belegt der “Straight Talking Report”, durchgeführt von der Versicherungsfirma Direct Line.

Demnach sind von 2.000 Befragten nur 20 Prozent komplett ehrlich auf Twitter oder in Kurznachrichten. 31 Prozent bleiben nur im realen Leben komplett bei der Wahrheit. Insgesamt flunkern vor allem Männer gerne mal in Kurznachrichten – nur 17 Prozent der Männer, aber 21 Prozent der Frauen sind auch beim Schreiben ehrlich.

Dafür sind die männlichen Genossen im realen Leben angeblich eher authentisch. Laut Ergebnissen beanspruchen dies 12 Prozent mehr Männer als Frauen für sich. Die Studie lässt Psychologe Glenn Wilson erklären:

Modern technologies, such as smartphones, social networking and instant messaging have been hailed as innovations in the way people interact, removing obstacles to conversation and allowing for openness of discourse. However, we sometimes use these means of communication rather than a face-to-face encounter or a full conversation when we want to be untruthful, as it is easier to fib to someone when we don’t have to deal with their reactions or control our own body language.

Umgekehrt heißt das, wir sollten Menschen, die wir nicht persönlich kennen, online nicht vertrauen. Die Vorsicht wird zur Umsicht, wenn es um die eigene Privatsphäre geht. Denn, wer selbst lügt, nutzt auch ungefragt die Informationen anderer. Abgesehen davon, dass Systeme wie Facebook zahlreiche Sicherheitslücken aufweisen, schrecken Nutzer nicht davor zurück, persönliche Informationen für Stalking- oder Spionage-Zwecke zu nutzen.

So geschah es im Falle des Rutgers-Studenten in USA, der sich umbrachte, weil sein Mitbewohner ihn über einen Video-Post als schwul outete. Jeff Jarvis, der sich intensiv mit den Auswirkungen des Internets auf unsere Privatsphäre auseinandersetzt, hat eine schöne Idealvorstellung:

Privacy is the responsibility of the person who receives information about someone. Once you know something about me, the weight lies with you as you decide how to use that information, whether to spread it, in what light.

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