Hat Google die Sparks beerdigt?

Veröffentlicht am 17. Oktober 2011 von Mark Pohlmann

Ich stelle gerade eher zufällig fest, dass eine der wichtigsten Innovationen von Plus, die Sparks, entweder noch nicht freigeschaltet, abgeschaltet, kastriert oder nur US-Nutzern vorbehalten sind. Ich weiß es nicht so genau wo sie hin sind. Jedenfalls sind sie nicht da.

Sparks was? Sparks sind/waren Interessengebiete, die abonniert werden können. Sie gehören neben den Circles (Freundeskreise) und Hangouts (Videokonferenzen) zu den wichtigsten Innovationen von Google Plus. So sollen sie aussehen.

Nun, die Sparks sind schlicht verschwunden – jedenfalls für mich, in meinem Account. Sie gehören eigentlich in die linke Navigationsspalte. Jetzt heißt es, sie sind in die Suche verschwunden, wo der Name “Sparks” bei genauem hinsehen tatsächlich auftaucht. Nur sind Sparks dort weitestgehend sinnlos, weil sie nur noch auf eine webweite Suche verweisen. Von Vorschlägen zu passenden Interessegebieten oder gar Themensammlungen ist keine Rede mehr.

Wenn Google seine Sparks nicht vorantreibt, würde dies zweierlei bedeuten:

Erstens ist es erstaunlich, dass es niemanden interessiert. (Ich bin eher zufällig, während meiner Recherche für einen Vortrag über Google Plus versus Facebook gestoßen. Ich nutze Google Plus gerne, aber nur sporadisch und bin auf keinen Fall Heavy User). Dies würde zeigen, dass es auch niemand vermisst.

Zweitens würde Google damit zeigen, dass es entweder halbherzig oder kurzfristig agiert. Das würde Rückschlüsse auf die politische Großwetterlage zum Plus-Projekt erlauben, die ja schon durch die Lästereien der eigenen Mitarbeiter belastet ist.

Warum sind Sparks aber überhaupt so wichtig?

In Netzwerken spielen übergeordnete Themen prinzipiell keine große Rolle. Auf den üblichen Pinnwänden wird mir angezeigt, worüber meine Freunde gerade reden. Das alles ist sehr situativ und versprenkelt. Wenn ich Segeln mag, aber nur wenige Segelfreunde habe, erfahre ich so gut wie nichts über diesen Sport. Dafür sind vor allem Foren tauglich.

Google wollte mit Sparks die Energie, die in den Millionen Foren liegt, in sein Netzwerk holen. Ein großer Gedanke, wie ich finde.

Diese inhaltliche Schwäche ist in Wahrheit die große Achillesverse von allen Netzwerken. Auch (und gerade) von Facebook – egal wie groß der Freundeskreis ist, er ist eben nur begrenzt Neuem oder relevantem aufgeschlossen. Letztlich reproduziert man sich selbst.

Hat Google Plus denn überhaupt eine Chance gegen Facebook?

Nun, ist das nicht so ganz einfach zu beantworten, weil hier ein 50 Mio. Nutzer starkes Nezwerk gegen ein 800Mio. großes antritt. Technisch sind sie auf den ersten Blick nahezu identisch. Wozu die ganze Aufregung, wenn sich, wie Mark Zuckerberg vor wenigen Tagen mitteilte, sich mittlerweile bis zu eine halbe Milliarde Menschen gleichzeitig auf der Seite befinden und Facebook damit die gleiche Nutzerzahl hat wie das gesamte Internet 2004. Auch der Trafficvergleich, den Sascha Lobo aufststellte, lässt keine großen Zweifel aufkommen: Facebook ist sehr, sehr erfolgreich. Danach kommt lange gar nichts. Und dann noch immer kein Google Plus.

Ich gebe Google Plus weiter eine reale Chance. Google Plus ist schlicht das offenste oder “plattformneutralste” Netzwerk, das seinen Nutzern das Recht am eigenen Inhalt erhält. (Oder wer hat schonmal versucht, seine Facebook-Fotos zu exportieren? Mit Google geht das). Letzlich basiert Plus auf der Idee, seinen Nutzern eine Art “Mediencontainer” an die Hand zu geben, der sich weitestgehend den eigenen Inhalteansprüchen anpasst. Es wird genug Menschen geben, die dies zu schätzen wissen.

Eine Antwort zu “Hat Google die Sparks beerdigt?”

  1. Niggo

    Hey,

    die Sparks in der Suche sind genau das gleiche wie sie es vorher auch waren. Der gleiche Algorithmus liefert die gleichen Ergebnisse wie zuvor. Nur der Ort hat sich geändert und mit “Suche speichern” kannst du deine Interessen auch wieder an die linke Leiste pinnen.

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