Gib und dir wird gegeben: Revolutionäre der digitalen Kultur

Veröffentlicht am 06. Juli 2012 von Anna Friedrich

Die Medien- und Unterhaltungsindustrie steckt in der Krise: Urheberrechte, Open-Source-Ansätze, Social Media und viele andere Faktoren lassen sich schwer in traditionelle Strukturen integrieren. Doch ein Umbruch funktioniert nur, wenn auch die “Schaffenden” aktiv dazu beitragen – genauso wie ein Unternehmen nur durch die Produktivität seiner Mitarbeiter eine Daseinsberechtigung hat.

Paulo Coelho steht für den Schriftsteller 2.0 des 21. Jahrhunderts und führt selbst den Begriff “Internetuelle” für diese neue Generation der Intellektuellen ein. Er appelliert im ZEIT-Interview an seine Kollegen, auch Blogs, Twitter, Apps und Co. als Kanäle für Publikationen zu begreifen und anzunehmen. Dabei ist er selbst das beste Beispiel:

Ich habe über acht Millionen Fans auf Facebook, mein Blog lesen zwei Millionen Menschen im Monat. Ich kann dort direkt zu meinen Lesern sprechen. Die Verlage haben keine Ahnung davon, wie wichtig so etwas ist. Trotzdem ist die traditionelle Marketingmacht der Verlage und der Buchläden weiterhin unverzichtbar. Das können wir Autoren nicht allein stemmen.

Das Versäumnis der Verleger darf nicht das Versäumnis der Autoren sein. Sie sollten sie sich als eigene Marke verstehen und im Web etablieren. Wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Konsumenten ist, können sie bei Marken im Social Web live mitverfolgen. Wer zunächst nicht an sein Portemonnaie, sondern an die Leidenschaft für die eigene “Kunst” denkt, wird belohnt, davon ist Coelho überzeugt:

Wenn du nicht geizig bist, wird dein Einsatz belohnt.

Das höchste Ziel meines Lebens ist es, gelesen zu werden. (…) Wenn man Opfer einer Piraterie wird, dann ist das eine Auszeichnung, eine Medaille!

Auch die Musikindustrie kämpft mit (oder gegen?) das Zeitalter der Digitalisierung. Warum hat sie nicht bereits vor 10 Jahren etwas wie iTunes geschaffen, fragt Jan Delay im Spiegel-Streitgespräch mit dem Pirat Christoph-Lauer.

“Internetuelle” Musiker mischen längst mit. So hat 50 Cent gerade sein brandneues Album “Murder By Numbers” zum Download für null Cent bereitgestellt. Die Idee “Free” ist nicht neu, aber sie zeigt einmal mehr, dass die Kostenloskultur keinen automatischen Verzicht auf Qualität bedeutet.

Der deutsche Rapper Cro nutzt das Social Web vorbildlich als Publicity-Kanal. Mit fast einer Million Fans auf Facebook, rappte sich der Newcomer mit seiner Panda-Maske erst in die Youtube- und anschließend in die iTunes-Charts. Von 22,5 Millionen Klicks auf Youtube können die Web 2.0-Angsthasen unter den Künstlern nur träumen. Cros Single “Du” rangiert derzeit auf Platz zwei der iTunes Top10 Songs in Deutschland – Coelho behält recht.

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