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20. August 2010
von
Mark Pohlmann

Ja, so elaboriert wie Deutschlands Vorzeigewerber kann man sich auch mit dem Thema auseinandersetzen. Muss man aber nicht. Hier mal eine kleine Handreichung zwischen den Blindwütigen und den Verständnislosen.
(1) Nur weil man etwas nicht versteht, muss man nicht dafür sein. Wo kämen wir denn dahin? Wer dürfte dann noch wählen, gegen die Schulreform, den Krieg oder das schlechte Wetter sein? Ich muss hier mal ganz grundsätzlich Partei für die Macht der Ahnungslosen ergreifen – etwas, das sogar für Politiker gilt. So unverständlich das für manchen sein mag, aber das Recht zur Meinungsäußerung erwirbt man sich nicht erst durch den Gebrauch von Google und Twitter. Ich wünsche mir gerade von den Befürwortern radikaler Meinungsdemokratie mehr Freude an der Meinungsverschiedenheit.
(2) Predigt nicht zu den Gläubigen, sondern den Ungläubigen. Lieber Amir, und alle anderen, die vor lauter Selbstgewissheit kaum um die Kurve kommen: Erfolg hat nicht der, der in seinem Wohnzimmer ausruft, dass es keinen Gott gibt, sondern der in die Kirchen geht und die Zweifler besiegt. Das ist aber anstrengender, zugegeben.
(3) Meinungen sind Tatsachen. Es ist eine subtile Angst oder Unwohlsein vor der Veröffentlichung von Privatem, das die Streetview-Zweifler zu Gegnern macht. Auch wenn man die Meinung nicht teilt, sollte man sie als Tatsache anerkennen können. Politiker reagieren auf subjektive Tatsachen. Werber und PRler tun das ja auch. Wir machen alle nur unseren Job. Und werden abgewählt, wenn wir ihn nicht erfüllen.
(4) Macht ist niemals harmlos. Google ist das einflussreichste Unternehmen des 21. Jahrhhunderts. Es vereint soviele Daten und Nutzer wie kein anderes auf der Welt. Ein bisschen Distanz zu einem Unternehmen, das den Machtmissbrauch schon im Selbstverständnis thematisiert (“Don’t be Evil”), ist nie verkehrt. Und von Menschen mit einem intellektuellem Selbstverständnis erst recht nicht.
(5) Empathie schadet nie . Es ist schön für die digitale Bohemè, dass sie der Welt gerne ihre stylischen Quartiere zeigt. Aber was ist mit denen, die sich ihrer Herberge schämen? Oder sie wenigstens nicht öffentlich zeigen wollen? Eine andere Perspektive öffnet manchmal neue Räume.
(6) Streetview ist vollkommen überbewertet. Jetzt mal im ernst: das bisschen verpixelte Hausfassade bringt einen ganzen Hofstaat dazu, so aus der Fassung zu geraten? Wo noch nicht mal Google überbordende Reaktionen zeigt (von einer Zeitungsanzeige einmal abgesehen), sollten wir als Speerspitze des digitalen Fortschritts auch mehr Gelassenheit zeigen. Und hinausgehen und den Menschen zeigen, was das neue Spielzeug denn nun wirklich kann.
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30. Juli 2010
von
Anna Friedrich
Die 71 Jahre alte Duschgelmarke Old Spice verschafft sich mit der neuen Viralkampagne ein neu gewürztes Image im Web 2.0. Mit dem zum Erkennungsmerkmal gewordenen ehemaligen NFL-Spieler Isaiah Mustafa alias “The Man Your Man Could Smell Like” punktet die Procter & Gamble Marke und trifft dank gelungener Rezeptur den den Nerv der Zeit. Nach dem Cannes prämierten Old Spice Werbesport sorgen die Procter & Gamble Marketiers mit einem Social Media-Booster für Reichweite.
Old Spice deckt alle Social Media Kanäle ab und ruft seine “Fans” zu Interaktionen auf. Der Twitter-Account hat mittlerweile fast 100.000 Follower, die Facebook-Seite über 370.000 Fans. Allein auf Youtube finden sich über 100 eigens produzierte Video Clips mit insgesamt rund 120 Millionen Aufrufen. Das immer gleiche Setting – der gut gebaute Isaiah Mustafa mit seiner dunklen Stimme im Badezimmer – schafft Wiedererkennungswert und eine Identifikation mit der Marke Old Spice. Er ist charmant, arrogant und humorvoll. Die Episoden schaffen Emotionen, die wir gerne mit anderen teilen. Um den “Virus” weiterzutragen, ist das die Basis.
Mit Botschaften an Stars wie Alyssa Milano oder Ashton Kutsher stellt Old Spice einen persönlichen Bezug her und aktiviert Influencer, die öffentliches Interesse schaffen. Der virale Coup gelang durch die Videoantwort an Digg-Gründer Kevin Rose, der über seine Krankheit zwitscherte. Rose fand den persönlichen Genesungswunsch so genial, dass er es an seine fast 1,2 Millionen Follower bei Twitter schickte.
Während die adressierten Prominenten gute Multiplikatoren sind, vergisst die virale Idee nicht den Otto Normalbürger. Auch für den ein oder anderen Twitterer mit gerade einmal 100 Followern hat Mr. Old Spice eine Antwort parat. Mashable hat die lustigsten Clips als Top10 zusammengefasst. Spike Jones bezeichnet das als wichtigstes Learning der Kampagne:
So the lesson here is don’t forget about the everyday Joes. Don’t forget that they are the ones that actually buy your stuff. People. Not celebrities. People are your customers – not celebrities. The everyday Joes that Old Spice took the time to respond to will more than likely talk a lot more and a lot longer about how they were recognized yesterday than Ashton and Ellen will. So remember that next time you’re engaging the public – and your fans in particular.
Die Marke verbündet sich mit ihren Konsumenten und schafft Gesprächsanlässe. Das Geniale: Mr. Old Spice greift interessante Kommentare in der Social Media Landschaft auf und startet damit einen Wettbewerb, um auch involviert zu werden. Dies passiert auch durch die Old Spice Voicemail – die individuelle Botschaft auf dem Anrufbeantworter ist ein weiteres Gimmick, um sich mit den Konsumenten zu verbinden. Eine gute Zusammenfassung der USPs der Kampagne finden sich im Reuters-Artikel Lessons from the Old Spice Man.
Für das Image von Old Spice haben die Virals Wunder bewirkt. Was aber hat der Erfolg zum Abverkauf beigetragen? Laut SymphonyIRI stiegen die Verkaufszahlen zwar teilweise um mehr als 100 Prozent an.
Ist der Erfolg der Kampagne reproduzierbar? Was bedeutet der virale Hype für die Zukunft? US-Autor und Journalist Tom Foremski hat es im Januar diesen Jahres vorhergesagt: The media Tsunami is coming. Das Old Spice Phänomen zeigt, dass sich klassische Medien warm anziehen müssen, um in der immer kleinteiliger werdenden Medienlandschaft zu bestehen. Vorbei an den “Standards” bedient sich die virale Kampagne der gesamten Social Media Klaviatur. Wertvoll und geldbringend für die Marke sind Twitter, Youtube, Facebook und Co. und damit der Konsument als direkter Empfänger der Botschaft – eine deutliche Verschiebung der Wertigkeit.
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27. Juni 2010
von
Anna Friedrich
Es ist die erste Weltmeisterschaft seit Beginn der Social Media Ära. Die Begeisterung auf Facebook und Twitter ist weltweit unaufhaltsam. Letzeres war zu Beginn des Fussball-Spektales völlig überlastet und verärgerte durch seine Zusammenbrüche die Zwitscherer. Jetzt schrieb es vor zwei Tagen einen Rekord von 2.283 Tweets pro Sekunde (TPS) – im Durschnitt rechnete der Microblogging-Dienst gerade mal mit 750 TPS. In den Twitter-Trend-Topics von Adage führt der Worldcup deutlich vor den anderen Themen.

Wer die richtigen Hashtags abonniert hat, informiert sich in Echtzeit bestens über Twitter. Lobenswert ist hier die Twitter-Worldcup-Seite, über die man die Live Tweets zu einzelnen Spielen oder Ländern abrufen kann. Ein weiteres nettes Feature, das sich Twitter ausgedacht hat, ist die Länderflagge, die automatisch zum entsprechenden Hasthag, z.B. #ger oder #eng angezeigt wird:

Die Facebook-Gruppe “Mein Herz schlägt schwarz, rot, gold” ist nur eine von vielen Fanpages, aber mit fast 381.000 deutschen Fans. Da sieht die offizielle internationale FB-Seite des World Cups eher traurig aus: Weniger als 35.000 Menschen “liken” sie. Die Fifa-Seite liegt brach und damit eher überflüssig. Im Wirrwarr von mehr als 1.000 Seiten gibt es keine zentrale Anlaufstelle für WM-Fans, wie auch der Facebookmarketing-Blog feststellt.
Dann wäre da noch die Sache mit den lauten nervigen Tröten, den Vuvuzelas. Über die empört sich auch die Social Media Gemeinde. Manch Facebook-Protest-Gruppe hat 320.000 Anhänger. Inhaltlich scheint aber eher das Spiel, als das Lieblings-Utensil der Fans diskutiert zu werden.
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1. Februar 2010
von
Mark Pohlmann

“Einer weiß immer, wie es geht” – Unter diesem Motto startet Bosch mit 1-2-do.com in diesen Tagen eine eigene Brand Community. Sie richtet sich an Heimwerker und Kreative und macht ganz im Sinne des Web 2.0 Wissen sichtbar und vernetzt Menschen. Wenige Wochen nach dem inoffiziellen Start sind knapp 2.000 Heimwerker-Enthusiasten auf der Plattform aktiv. (Disclaimer: MAVENS unterstützt Bosch beim Community Building von 1-2-do).
Wer gerne an Baumarktregalen langflaniert und im Kriechschritt durch die Wohnung tackert, ist hier genau richtig. Denn anders als bei den Liebsten Zuhause, die das eigene Können oftmals frevelhaft ignorieren, bietet 1-2-do genau die richtige Bühne um zu sagen: “Schaut mal, das habe ICH gemacht”. Schon jetzt findet sich in der Community eine große Auswahl privat vorgestellter Projekte, die viel Resonanz bekommen und zum Nachbauen oder Bessermachen anregen. Ein Forum sowie ein Produkt- und Material-Wiki komplettieren das Angebot.
Drei wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Brand Community, die 1-2-do meines Erachtens sehr gut umgesetzt hat, möchte ich hervorheben:
Erstens: Markenneutrale Diskussionen, aber markenbezogener Service. Neutralität heißt nicht Gleichgültigkeit. Wer will, kann hier die Menschen hinter der Marke sehr wohl treffen und sich beispielsweise mit Geräteexperten von Bosch über die richtige Bedienung austauschen. Auch richtiger Kundendienst wird auf Nachfrage angeboten.
Zweitens: Die Marke hört zu und reagiert, wenn dies gewünscht ist. Diese Nähe schafft Sympathie und Vertrauen, die beiden wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine Marke in Zeiten einer Überfülle konkurrierender Angebote.
Drittes: der Spaß an der Sache. Auf 1-2-do geht es erstmal ums Hämmern, Bohren und Dekorieren. Und sonst gar nichts. Dementsprechend stehen die Menschen und ihre Leidenschaft im Vordergrund. Sie kann man hier richtig kennenlernen. Viele Fragen müssen deswegen auch gar nicht mehr von Mitarbeitern beantwortet werden, weil die Community sich selbst hilft. Wenn diese Form der Vernetzung durch eine Marke geschaffen wird, hat sie ihrem Leistungsversprechen einen riesigen neuen Mehrwert hinzugefügt, der auch jenseits laufender Werbekampagnen für Aufmerksamkeit sorgt.
Dennoch ist es um Brand Communities stiller geworden. Das hat zwei vermeintlich einleuchtende Gründe: Sie können scheitern. Ob sich die Kunden dauerhaft um die Marke scharen wollen, weiß derzeit niemand. Brand Communities sind also immer Chance und Risiko für den Markenwert. Und sie haben kein festes Business Model. Ihre Nutzung ist kostenlos und werbefrei, Premium-Modelle existieren nicht.
Haben Communities einen ROI? Ja. Wenn man ihr Potential richtig nutzt. Eine eigene Community ist der effizienteste Kommunikationskanal zum Kunden für eine Marke, deren Kundenbeziehung eigentlich über Dritte, bei Bosch ist es der Einzelhandel, geht. Bosch erfährt ungefiltert und aus erster Hand, wie zufrieden seine Kunden sind, welche Ideen sie haben und wo es hakt. Das Zusammenspiel zwischen Marke und Kunde hat großes Entwicklungspotential, noch befinden sich die meisten Marken hier im Experimentierstadium. Viel wichtiger noch der unmittelbare Vorteil: Bosch kann antworten und wird gehört. Das geht nur in Netzwerken, die man selbst betreibt, denn hier läßt sich die Kommunikation sinnvoll bündeln und zu anderen Orten referenzieren. Probleme lassen sich jetzt erstmals effizient lösen, Neuerungen schneller kommunizieren und Missverständnisse leichter aus der Welt schaffen. Die schönste Aussicht aber ist, dass die Aktiven auf der Plattform schnell wichtige Ansprechpartner und Multiplikatoren sein werden.
Wir wünschen Bosch viel Erfolg mit 1-2-do.com!
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16. November 2009
von
Mark Pohlmann
Ich mag dieses Zitat von Clay Shirky: “Tools don’t geht socially interesting until they get technologically boring”.
Source
Posted via email from Mark Pohlmann
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10. Juli 2009
von
Mark Pohlmann
Eben noch bereitete sich das Internet auf das Sommerloch vor, da beendet Vodafone dieses mit der aufwendigsten, integriertesten und stimmigsten Web-2.0-Kampagne, die wir in Deutschland bislang erlebt haben. Vordergründug geht es darum, die Marke Arcor zu beerdigen. Glaubt man Vodafone, wollen sie das Thema Internetzugang aber nicht irgendwie an die eigene Markenarithmetik anflanschen, sondern gleich über die “Generation Uplaod” zum wichtigsten Treiber des gesamten Geschäftes aufbauen. “Es ist deine Zeit” lautet der Claim, für den sich viel Web-Prominenz als Sympathieträger zur Verfügung gestellt hat. Begleitend hat Vodafone einen Blog gestartet und ist auf Myspace, Twitter, Facebook und StudiVZ präsent. Als erster Höhepunkt wurde die Pressekonferenz zur Vorstellung der Dachmarkenkampagne mit zwei Geschäftsführern und dem Marketingleiter von Vodafone Deutschland live im Internet übertragen und konnte öffentlich und vor Ort von jedermann verfolgt und kommentiert werden. Vodafone macht also genau das, was die Internetgemeinde seit Jahren von Unternehmen fordert.
Ob Vodafone für seinen Mut belohnt wird, ist dennoch ungewiss. Zuerst einmal ist Vodafone von den 2.000 Kommentaren während der PK “schier überwältigt“. Wer diese allerdings liest, erfährt, dass die Social Media Szene hauptsächlich Kübel des Spotts über die Kampagne ausschüttet.
Während im Prinzip die digitalen Kanäle richtig integriert und eingesetzt wurden und der reibungslose Ablauf Standards setzt, wurden Fehler gemacht, die sich in einem Kernvorwurf zusammenfassen lassen: Vodafone skandiert den offenen Dialog, simuliert ihn dann aber als werbliche Fassade. So ist es einfach ungeschickt, eine Pressekonferenz, die sich zuerst an Werbefachjournalisten richtet, für eine meinungsaktive Klientel zu öffnen, die nicht mit der Liturgie dieser Branche vertraut ist, und dann nicht ein Jota von der seit Jahrzehnten eingespielten Dramaturgie einer Fachveranstaltung abzuweichen. Die Präsentationen waren langatmig, gespickt mit unklaren Anglizismen und blumigen Phrasen. Genauso war es ein Fehler, Journalisten auf kleinen Hockern vor sich kauern zu lassen und diese Bilder dann in die Welt zu schicken. Interessante Fragen aus dem öffentlichen Chat wurden nicht in die PK aufgenommen. Wozu dann diese Funktion? Am Ende fühlten sich wohl beide, Journalisten und die Web-2.0-Szene, falsch auf der Veranstaltung. Nicht nur das, selbst den Akteuren auf der Bühne merkte man ein Unbehagen an.
Doch die Wackler in der Live-Performance sind Petitessen gegen den zentralen Fehler: Eine Kampagne zur Nachricht aufzubauschen, ohne dem Volke das zu geben, nach dem es verlangt: Produkte, die dem Gesagten Taten folgen lassen. Lieber beließ man das Medium selbst als Botschaft. Das “Ankommen im Web 2.0″ wird nicht als Aufbruch verstanden, sondern schon als Ergebnis zelebriert.
Das kann nicht gutgehen. Warum nicht, erklärt Claudia Sommer treffend in einem Komentar zum selben Thema auf Indiskretionen Ehrensache:
Web 2.0 taugt nicht für die Hochglanz Werbung, sondern fürs CRM – Direkte Kommunikation mit seinen Kunden eben. Leider sind ja die, die direkt mit dem Kunden sprechen nicht in der Kommunikationsabteilung angesiedelt, sondern zu 90% outgesourced und arbeiten für 7,50 als sogenannte Call Center Agents.
Es ist ein weiter Weg von der Erkenntnis zur Umsetzung selbst für die, die ihr Wollen zum Leitthema machen. Konsequenterweise versäumte es Vodfone auch nach der PK, ihr Gesprächsangebot wahr zu machen. Seit das Unternehmen gesagt hat, was es zu sagen hatte, herrscht wieder Schweigen im Walde. Keiner der sonst so gesprächigen Akteure hat sich bislang durchringen können, den vielen Stimmen zu antworten.
Meine Befürchtung: die negative Energie, die sich in den Diskussionen breitmacht, könnte dazu führen, dass andere Unternehmen es sich dreimal überlegen, bevor sie so etwas wie Vodafone wagen. Die Furcht, es nicht allen recht machen zu können, wird wieder stärker sein als die Hoffnung, durch Innnovation einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Das wäre schade. Diesen Unternehmen sei der Rat gegeben, es nicht gleich mit der großen Packung zu versuchen, sondern mit ganz einfachen Gesprächsangeboten dort, wo sich die eigene Kundschaft aufhält. Und erst dann, wenn man spürt, wie die Erwartungen mit den eigenen Möglichkeiten in Einklang zu bringen sind, es an die große Glocke zu hängen. Man könnte auch sagen, einfach den ersten Schritt vor dem zweiten zu tun und nicht umgekehrt.
Zur Inspiration mal ein beispielhafter Link auf eine unsere Aktivitäten für simyo als “simyo Community Team” Es kann so einfach sein. Im Internet ist es wie im richtigen Leben. Wer sein Gegenüber ernst nimmt, wird ernst genommen.
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11. Juni 2009
von
Anna Friedrich
Auf dem Digital Multimedia Kongress in Berlin hat die Agentur Zucker.Kommunikation ihr neu entwickeltes Buzzword für den Verbraucher von heute vorgestellt: PARKO schimpft sich der Begriff, der liebevoll den PARtizipativen KOnsumenten bezeichnet. PARKOs schreien nach mehr als den Standardformen der Kommunikation: sie fordern den aktiven Dialog.

Über 80 Prozent der PARKOs erwarten von Unternehmen, nicht nur offen gegenüber Kritikern sind, sondern auch eine Konversation zu ihnen, den Kunden, herstellen. 78 Prozent der über 1.000 Befragten können mit der Scheinwelt der Werbung nichts anfangen und 70 Prozent halten die klassische Werbung gar für komplett unglaubwürdig. Deshalb vertrauen 72 Prozent eher der Meinung anderer Konsumenten als der Firma selbst.
Ein Fazit der Studie: Angeblich sind bei einer breiten Fassung des Begriffs 21 Prozent der Bevölkerung PARKOs – das sind 13 Millionen! Jeder fünfte Deutschebeteiligt sich also aktiv im Netz an Diskussionen, schreibt Kommentare und interagiert mit anderen?
TechCrunch markiert Facebook mit seinen 2 Millionen Mitgliedern in Deutschland als das größte soziale Netzwerk hierzulande. Das entspräche gerade einmal rund 2,5 Prozent der Bevölkerung. Tatsächlich das größte soziale Netzwerk aber Wer-kennt-wen: 6,1 Millionen Mitglieder und damit 7,4 Prozent der Bevölkerung sind hier aktiv. Dem folgt im Ranking direkt StudiVZ mit 5,6 Millionen und damit 6,8 Prozent der Deutschen. Betrachtet man das gesamte VZ-Netzwerk (inklusive SchülerVZ und MeinVZ), sind es laut eigenen Aussagen gar fast 14 Millionen aktive User. Bezogen auf die Gesamtpopulation sind das immerhin 17 Prozent “Beteiligung” hierzulande.
Glaubt man den Ergebnissen der PARKO-Studie, stellt sich die Frage, wie die übrigen Prozent am Netz teilnehmen. Wer sich bei Facebook u. Co. registriert, hat in der Regel bereits eine hohe Netzaffinität und ist auch auf anderen Plattformen aktiv, so dass die Schnittmengen hoch sind. Sind User, die in Foren, Blogs und auf anderen Communities partizipieren, nicht bei mindestens einem Social Network angemeldet?
Daran, dass der Konsument sich immer stärker den Austausch mit Unternehmen wünscht, gibt es – trotz der optimistischen 21 Prozent der “PARKOs” – keinen Zweifel. Dazu muss man sich nur die Trends in der heranwachsenden Generation anschauen: 84 Prozent der Zwölf- bis Neunzehnjährigen nehmen aktiv am Web 2.0 teil, so die Aussage von Ilse Aigner, der Bundesverbraucherschutzministerin, im Rahmen der Bewusstseins-Kampagne Watch Your Web.
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18. März 2009
von
Anna Friedrich
Der Kaufrausch der deutschen Konsumenten hat dem E-Commerce im Jahr 2008 eine Umsatzsteigerung von 19 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro gebracht. Dies ergibt das WebScope-Panel der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zum Kaufverhalten der Deutschen im Internet.
Die Zahlen machen deutlich, wie wichtig das World Wide Web als am stärksten wachsender Vertriebskanal ist. Obwohl im vergangenen Jahr bei Nonfood-Artikeln im Allgemeinen der Umsatz zurückging, wuchsen die Online-Umsätze deutlich.
Konsumenten kaufen bevorzugt im Web ein: mittlerweile nutzen allein in Deutschland 29,5 Millionen Menschen das Internet als Einkaufsmöglichkeit – das sind 12 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Ähnlich häufig wie im Jahr 2007 kaufte eine Person im Durchschnitt im Jahr 9,4 mal online ein, gab aber durchschnittlich mit 49 Euro sieben Prozent mehr für die Produkte aus.
Interessant sind die einzelnen Verbrauchergruppen, die das GFK Panel Services Deutschland in sieben Online-Nutzer-Typen unterteilt hat: sie shoppen völlig unterschiedlich. Gut ein Drittel (35 Prozent) der Konsumenten, die als Selektivnutzer gelten, tragen gerade mal 13 Prozent des Umsatzes bei. Banker und Online-Shopper dagegen, die 20 Prozent aller Internetkäufer ausmachen, erwirtschafteten beinahe 35 Prozent des E-Commerce-Umsatzes.

Dass die E-Commerce-Sparte boomt, ist keine Überraschung. Gleichzeitig bedeutet das veränderte Einkaufverhalten für die Marketiers: um Produkte an den “Mann” zu bringen, müssen sie die Online-Welt verstehen und für sich nutzen. Mit dem Boom von Social Networks wie Facebook, Twitter und Co. gewinnt Social-Commerce immer mehr an Bedeutung: Empfehlungen von Freunden haben einen direkt Einfluss auf die Kaufentscheidung. Dies bestätigt Thomas Lipke vom Bundseverband des Deutschen Versandhandels (bvh), der Ende Februar eine E-Commerce-Studie mit ähnlichen Umsatzzahlen veröffenlichte:
Social-Commerce wird immer wichtiger, denn die Menschen möchten durch Empfehlungen oder Kommentare die Meinungen anderer Käufer in ihre Kaufentscheidung einbeziehen können.
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17. März 2009
von
Anna Friedrich
The Printed Blog, ein Start-up aus Chicago nutzt die Idee der kostenlosen Inhalte aus dem Web – allerdings mit einem ganz anderen Ansatz. Herausgeber Joshua Karp will gut funktionierende Systematiken aus dem Online-Bereich auf das Print-Modell seiner Zeitung übetragen, um eine kombinierte Strategie zu schaffen. Er bietet damit den US-Zeitungen mit weiter schrumpfenden Auflagen Paroli.

Ein Redaktionsteam von Freiwilligen wählt veröffenlichte Fotos und Blogbeiträge aus 300 Blogs aus. Das spart – mit Einwilligung der Autoren – die Kosten für professionelle Reporter. Natürlich kann man das Papier auch online als PDF herunterladen. Der kombinierte Ansatz funktoniert so:
The Printed Blog will publish blog posts alongside other Weblike content, like user-submitted photographs and readers’ comments. The paper will be printed on three or four 11-by-17-inch sheets of white paper and laid out like a blog instead of in columns.
Users will eventually be able to log on to its site, theprintedblog.com, to choose which blogs they want in their edition, and editors will decide which posts make the paper. A city the size of Chicago could have 50 separate editions tailored to individual neighborhoods.
Die Blogzeitung The Printed Blog wird aktuell zur Probe in New York, Chicago, San Francisco und Los Angeles kostenlos verteilt. Anschließend ist ein Roll-out geplant, so dass bis zu 50 Nachbarschafts-Editionen pro Stadt entstehen. Finanziert werden soll das Ganze über lokale Anzeigen.
Nach wie vor hat ein gedrucktes Blatt Papier eine ganz andere Wertigkeit als ein Text auf dem Bildschirm. Für die meisten Blogger bedeutet die Veröffentlichung im Printed Blog Ruhm und Anerkennung. Insofern profitieren alle von den gedruckten Blogbeiträgen. Klar können Blogger keinen Journalisten ersetzen, dennoch können sich die “Guten” in The Printed Blog von der Masse abheben.
Auch der berühmte Verleger Alfred Neven DuMont glaubt an die Zukunft des Print. Allerdings ist er der Meinung, dass sich die (konservative) Zeitung zukünftig eher an eine elitäre Gesellschaft richten wird:
Wir müssen besser werden, teurer werden. (…) Die Informationsgesellschaft im Gegensatz zur Konsumgesellschaft. Das Wort Elite darf ja in Deutschland nicht ausgesprochen werden. Nur hinter verschlossenen Türen, sonst macht man sich verdächtig.