Archiv für die Kategorie ‘Bloggerei’

Degenierierte Scham im Social Web?

Veröffentlicht am 24. Juni 2013 von Anna Friedrich | Bloggerei, Facebook, Journalisten, Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Storytelling

Erst lief es gut für Lars: Die Medien liebten seine kreative Idee, über die Webpräsenz Obdachlars nach einer Wohnung in Hamburg zu suchen. Was medial Anfang April 2013 noch positive Aufmerksamkeit brachte, schlug durch die Leserschaft in einen Shitstorm um, auf den Lars nicht gefasst war (und es auch nicht sein konnte). Statt Unterstützung bei der Wohnungssuche erntete Lars fiese Kommentare und Anschuldigungen – nur, weil er äußerte, dass er sehr gerne im Szeneviertel St. Pauli wohnen bleiben würde. Die Wohnungssuche in Hamburg ist hart und vielleicht hat die Mopo Lars arrogant wirken lassen. Nichts jedoch befugt dazu, Privatpersonen wie ihn derart zu beleidigen – auch Plattformen wie Facebook sollten nicht dazu motivieren. Sie machten “L. unfreiwillig zu einer Symbolfigur für Gentrifizierung und Preistreiberei”, wie SPON es auf den Punkt bringt.

Markenskandale wie kürzlich Dextro Energy oder vor längerem Nestlé zeigen, dass ein derartiger Shirtstorm häufig nicht verhindert werden kann, weil die “Wut” der Community zwar (im Nachhinein) verständlich, deren Ausmaß aber schlecht vorhersehbar ist. Spannend war auch der absurde #Neuland-Eklat der Netzgemeinde, der durch Merkels durchaus berechtige Äußerung entstand, dass das Web für viele eben Neuland ist. Eine Masse gegen ein Unternehmen oder gegen die Politik ist eine Sache. Was aber, wenn dieser Hass – in dem Fall auf die prekäre Hamburger Mietsituation – an eine Privatperson geht? Ein gestandener Mann wie Lars kann vielleicht damit umgehen, aber Cyberstalking endet bei Jugendlichen nicht selten mit Selbstmord, wie die Kanadierin Amanda im vorangegangenen Jahr bewiesen hat.

Degeneriert das Social Web unsere Scham? Oder gibt es nur all denjenigen einen Kanal, die uns auch auf der offenen Straße ankeifen würden? Vermutlich würden sie sich auf offener Straße nicht trauen, haben aber im (halb)anonymen Modus kein Problem mit geschmackloser Pöbelei. Wir sind nicht gegen Kritik, doch sie sollte auch in den sozialen Netzen fair und offen sein. Wer anonym meckert, hat etwas zu verbergen und weiß gleichzeitig, dass es nicht richtig ist, was er gerade tut. Denn bei offener Kritik kann ein Dialog mit den Fans entstehen und Unternehmen wie auch Privatpersonen haben die Möglichkeit, Fakten richtig zu stellen, sich ggf. zu entschuldigen oder die Sache wieder gutzumachen – sollten die Zweifel gerechtfertigt sein.

Wann werden Online-Inhalte öfter viral verteilt?

Veröffentlicht am 22. Januar 2013 von Stefan | Allgemein, Bloggerei, Journalisten, Medien 2.0, Online-Relations, Soziale Netzwerke, Storytelling, Trends, Virales Marketing, Web 2.0

Bild ViralDie beiden Professoren der University of Pennsylvania Jonah Berger and Katherine L. Milkman haben die Statistiken des Onlineangebotes der New York Times untersucht. Die beiden Professoren erhielten für die Studie “What Makes Online Content Viral?” Zugang auf die Auswertungen der “per Mail weiterempfehlen”-Funktion der New York Times. Die Studienautoren ermittelten auf Grundlage dieser Zahlenbasis, wie ein Artikel rein statistisch beschaffen sein muss, damit er von den Lesern häufig geteilt wird.

Das sind ihre Ergebnisse:

1. Auf die Länge kommt es an

Je länger ein Artikel ist, desto häufiger wird er erstaunlicherweise geteilt. Könnte man doch denken, dass die beklagte geringere Aufmerksamkeitsspanne dazu führt, dass diese Artikel sowieso niemand liest. Die Ergebnisse der beiden Autoren weisen aus, dass längere Artikel häufiger als kurze Artikel geteilt werden. Die Zahlen sind aber insbesondere für Journalisten beruhigend: Der größere Aufwand für längere Artikel lohnt.

2. Ärger, Ehrfurcht und Besorgnis helfen, traurige Inhalte nicht
Inhalte, die längere auf der Homepage verbleiben, werden öfter viral verteilt. Soweit nicht überraschend. Interessant wird es, betrachtet man die Gefühle, die Artikel auslösen: Wenn diese Ärger, Ehrfurcht oder Besorgnis (“anger, awe, or anxiety”) auslösen, werden die Inhalte häufiger geteilt. Traurige Leser teilen weniger. Den besten Viraleffekt erzeugt Ärger. Carson Ward schreibt in seiner Zusammenfassung der Studie im Blog eines SEO-Spezialisten in Seattle:

„Anger wins the award as the most viral emotion studied. Before belittling and insulting your readers, note that anger is typically directed at the topic – not the author or publication. Inciting anger in readers typically requires some tolerance for dealing with controversial topics.“

Auch wenn Ärger auslösende Artikel gemäß der Studie doppelt so viele Kommentare als andere Artikel erhalten, werden Marken weiterhin vorsichtig sein, in ihrer Kommunikation solche Themen anzuschneiden, vermuten die Autoren. Wir stimmen überein. Ihr wisst warum, ohne dass wir hier das Buzzword des Jahres 2012 nennen…McDonald‘s, ProSieben, H&M und Vodafone…genau!

Wenn Inhalte Ehrfurcht erzeugen oder die Leser  beeindrucken, ist das der zuverlässigste und sicherste Weg zu viralem Content.  Das überrascht nicht nur die Autoren der Studie. Allerdings spielen hier die gleichen Mechanismen eine Rolle, mit der uns spannende Filme und übermenschliche Filmhelden in ihren Bann ziehen („it’s the reason we can’t stop watching movies with big explosions and larger-than-life heroes“).

3. Zeigen Sie, dass Sie mitfühlen
Artikel und Posts, die ehrliche Emotionen enthalten, werden mehr geteilt. Diese Inhalte als professioneller Texter oder Journalist zu erzeugen, sei aber schwieriger als man meinen könnte. Gewollt emotionale Inhalte von Unternehmen gelingen selten, so die Autoren. Gleichzeitig gäbe es aber Massen an guten durchdachten Inhalten, für die sich niemand interessiert – einfach weil sie zu farblos und emotionslos sind. Eine schwierige Aufgabe also für alle Berufskommunikatoren da draußen.

4. Überraschend, interessant und mit Nutzwert
Das sicherlich am wenigsten überraschende Ergebnis, den das lernt man in jedem Social-Media-Seminar in den ersten Stunden, nützliche, überraschende und interessante Meldungen verbreiten sich stärker. Die Autoren ermittelten für diese Faktoren eine Rangfolge für die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte mit diesen Elementen geteilt werden: Mit +34% der praktische Nutzwert, gefolgt von „interessant“ mit + 29% und „überraschend“ mit 16%.

5. Prominente Autoren
Artikel von namhaften Autoren werden öfter weitergeleitet als Artikel unbekannter Autoren. Erstaunlich dabei: Ein bekannter Autor hilft sogar ein wenig mehr als guter Content. Dieses Ergebnis kann nicht alle überrascht haben, denn der US-Bloger Luke Clum schrieb bereits jüngst im Distilled blog:

…a common misconception has developed amongst SEO’s – mainly that good content speaks entirely for itself. While content is innately influential, it usually only carries the authority of its creator or publisher.

6. Weibliche Autoren
Texte weiblicher Autoren werden öfter geteilt. Die Gründe bleiben unklar: Werden die „besseren“ Themen gewählt? Lohnt es sich für Online-Redaktionen und Agenturen jetzt mehr Frauen einzustellen? Die Antwort muss diese Studie schuldig bleiben.

7. Humor hilft (fast) immer
Auch wenig überraschend haben humorvolle Inhalte eine höhere Chance, viral verteilt zu werden. Interessant ist aber die von den beiden Professoren angeführte Studie “From subservient chickens to brawny men”. Sie zeigte, dass 60 % der Werbung, die eine hohe Viralität hatte, von kleineren Firmen geschaltet wurde, obwohl insgesamt 62 % aller Spots von den Fortune 500-Unternehmen kamen. Die Autoren erklären es sich damit, dass kleinere Unternehmen mehr Mut haben, ungewöhnlichere und überraschendere Ideen umzusetzen. Humor hilft nicht immer, aber ist sehr oft Element viraler Inhalte.

Abschließend noch eine Checklist, um zu prüfen, ob Eure Inhalte eine gute Chance haben, sich viral zu verbreiten:

 Die „Viral-Checkliste“

  • Wird das Thema umfangreich genug beschrieben? Ist der Artikel lang genug? (24)
  • Wird ein Gefühl wie Ehrfurcht, Ärger oder Besorgnis erzeugt? (18)
  • Erzeugt die Tonalität des Textes Emotion(en)? (12)
  • Ist der Inhalt praktisch nutzbar? (16)
  • Ist er interessant? (14)
  • Ist er überraschend? (8)
  • Ist der/die Autor(in) bekannt oder genießt er/sie eine hohe Glaubwürdigkeit? (8)
  • Wenn es lustig sein soll – ist es tatsächlich lustig? Seid Ihr sicher, dass Eure Kollegen oder Freunde nicht nur nett sein wollen? (∞)

Da nicht alle Faktoren erfüllt werden können (Bitte in den Kommentaren gerne Links zu Texten, die vermeintlich doch alles erfüllen), haben die beiden Professoren noch einen Maximalwert des Faktors in Klammern angeben, um die Faktoren zu priorisieren. Ist die Gesamtpunktzahl nahe 100 ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Ihr einen viral erfolgreichen Text geschaffen habt.

Krümelmonster singt “Share it maybe”

Veröffentlicht am 10. Juli 2012 von Anna Friedrich | Bloggerei, Soziale Netzwerke, Virales Marketing

Auch das Krümelmonster aus der Sesamstraße weiß, wie man teilt. Fantastische Parodie des Songs “Call me maybe”:

Vier gute Gründe für Google+ Pages

Veröffentlicht am 10. November 2011 von Carsten Skansen | Bloggerei, Facebook, Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0

Die Firmenseiten für Google+ sind da. Sie nennen sich (wie bei Facebook) Pages, und bieten im Moment wenig überraschende Neuerungen. Dennoch sollte man diese Seiten jetzt nicht mit einem Schulterzucken abtun. Auch wenn man schon viel in die eigene Facebook-Seite gesteckt hat, gibt es einige gute Argumente für eine Google+ Page, die über die reine Präsenz im neuen Netzwerk hinausgeht.

1. Es ist gut vorstellbar, dass die Google+ Seiten bei einer Google-Suche weit besser gefunden werden, als die entsprechende Facebook-Seite. Zusätzlich kann man die Google+ Pages durch “Direct Connect” leicht in der normalen Google-Suche finden. Die Suchmaschine wurde dazu verändert: Wenn Nutzer ihrem Suchbegriff ein “+” voranstellen, kommen sie direkt auf die entsprechende Google+ Seite, sofern vorhanden.

2. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Google+ Seiten inhaltsbezogen sind. Viele Firmen sind nicht übermäßig gut für soziales Netzwerken geeignet. Sie haben kein Produkt, welches ständig besprochen werden muss. Sie haben nicht das Bedürfnis, jeden Tag etwas zu sagen, und gehen leicht im Grundrauschen von Facebook unter. Dennoch möchten auch solche Firmen ihre relevanten Informationen an den Kunden bringen. Google+ kann hier zu einer eleganteren Form des Newsletters oder Firmenblogs werden.

3. Ansonsten wird es bei Google+ auch Funktionen geben, die aus den Verbindungen mit bestehenden Google-Produkten ihren Nutzen schöpfen. Die Möglichkeit, eine Firmenseite gleich als Ort anzulegen, bietet lokalen Unternehmen durch Google Maps immensen Mehrwert, und wird sicher noch ausgebaut werden.

4. Auch die Integration der Google+ Pages in Google Analytics ist vorteilhaft, da viele Firmen mit dem Tool schon vertraut sind.

Es ist zu erwarten, dass Google in der Zukunft weitere Funktionen für Google+ auf den Markt bringen wird – und wir werden darüber berichten.

Soziales Dinner

Veröffentlicht am 26. Oktober 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Online-Relations

(via Digitalbuzz)

Das Image der klassischen Energieversorger, allem voran Vattenfall, ist auch hierzulande schlecht. Umso genialer ist die Idee des Design-Studenten Luong Lu, die er für Vattenfall entwickelt hat. Es ist kein Geheimnis, dass die steigende Anzahl an Single-Haushalten höhere Energiekosten je Einwohner mit sich bringt. Zudem neigen einsame Menschen laut Studien eher zu Alkohol-, Fett- und Nikotinsucht.

Neighbor Dining ist das Konzept über ein Abendessen-Treff für Singles. Über eine Foursquare-Anbindung finden Alleinstehende Dinner in der Umgebung und können selbst ihre Nachbarn einladen. Damit wird der Abend sozial und energieeffizient für alle Beteiligten. Auch, wenn die Umsetzung der Applikation den Ruf von Vattenfall nicht umkehren wird, so wäre sie doch ein Anfang!

Apples Text-Zensur

Veröffentlicht am 13. Oktober 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Storytelling

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Deshalb schuf Apple ein gerade bewilligtes Patent auf eine Anti-Sexting Applikation. Die Systematik verhindert, dass perverse, anzügliche Sms geschrieben und verschickt werden können. Typisch amerikanisch wird natürlich keines der Worte im offiziellen Patent verwendet. Es nennt sich “Text-based communication control for personal communication device”. Hintergrund ist, dass es bisher keine Möglichkeit gibt, gewollte oder ungewollte sexuelle Inhalte in Kurznachrichten zu kontrollieren. Entsprechend können Eltern in einer Kontrolleinstellung über den Grad der “Zensur” bestimmen und damit schlimme Inhalte im Schriftverkehr ihrer kleinen verhindern, so zitiert TechCrunch die Patentbeschreibung.

Doch: Verbotene Früchte schmecken süßer. Die amerikanischen Teenies, werden – wie auch bei allen anderen Verboten – garantiert einen Weg finden, die Kontrollfunktion zu umgehen. Und sei es mit einem neuen Slang, der alle Verbotenen Worte umgeht. Wie sieht es mit dem Verhindern “unpässlicher” Telefonaten aus? Bestimmt arbeitet der Cupertino-Konzern gerade an der Sprachzensur – damit die Eltern auch sicher gehen können, dass ihre Kinder keine schmutzigen Worte aus dem Hörer vernehmen. :D

Markengeflüster

Veröffentlicht am 20. September 2010 von Anna Friedrich | Allgemein, Bloggerei, Medien 2.0, Themenmanagement, Werbung

What’s true at cocktail parties is also true in marketing i.e. If you want to be boring, talk about yourself. If you want to be interesting, talk about something else.

Hugh McLeod’s “Cocktail Party Rule” trifft es auf den Punkt. Eine Marke ist nur dann interessant, wenn sie Gesprächsanlässe schafft, nicht jedoch sich selbst zum Inhalt der Diskussionen macht. So definiert sich das Paradeexempel Zappos über Glück (Happiness) und nicht über Schuhe, dem eigentlichen Verkaufsstoff. limango (MAVENS-Kunde) macht das Einkaufen auf der Plattform zum Shopping-Erlebnis für Frauen, z.B. über die DaWanda-Anbindung, über die Shopperinnen passend zum Marken-Schnäppchen handgefertigte Accessoires angeboten bekommen.

Doch viele Unternehmen verstehen noch immer nicht viel davon, ihre Botschaft anders als in Werbebudgets zu verpacken. In Zeiten des Web 2.0 vertreiben Sie ihre Konsumenten mit billigen Werbebotschaften mehr, als dass sie sie überzeugen. Das sieht Amir Kassai ähnlich:

Man kann die Kunden heute nicht mehr verarschen. Ein schlechtes Produkt hat es heute viel schwerer, einen Markt zu finden. Und das ist auch gut so.

Das ist nicht neu. Medien, Blogger und Agenturen gleichermaßen predigen schon seit Jahren, die neue Macht des Konsumenten ernst zu nehmen. Der Schlüssel liegt nicht darin, die Verbraucher von der Einmaligkeit des Produkts oder der Dienstleistung zu überzeugen. Im Gegenteil: Sie wollen Spannendes, Aufregendes, Leidenschaftliches hören. Geschichten, die sie weitererzählen können und KEINE 08/15 Werbesprüche mit Pseudo-Botschaften von Daniela Katzenberger oder Boris Becker. Journalisten wie auch Konsumenten erzählen die Geschichte weiter, wenn sie gut ist. So auch MIT-Professor Henry Jenkins: If it doesn’t spread, it’s dead.


Tom Fishburne, Zeichner dieser fantastischen Karikatur, verweist auf die Unterteilung der Medien in bezahlte, verdiente, eigene und selbst geschaffene Berichterstattung (Einheiten, über die sich interaktive Marketingagenturen wie TBWA definieren). Klar: jedes Unternehmen will Geld sparen und fordert “kostenloses” Marketing in Form von PR – gleichzeitig ist diese Verwechslung das größte und schlimmste Missverständnis aller Zeiten. Ein Bericht in den Medien kann niemals ähnliche Wirkung und Bedeutung haben wie bezahlte Berichterstattung bzw. Werbeanzeigen. Marken, die ohne Budget in die Medien gelangen wollen, sollten statt dessen darüber nachdenken, welche Themen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit – optimalerweise im positiven Sinne – erregen könnten.

Selbstkreierte Medien sind ähnlich und verglichen zu bezahlten sehr viel bedeutsamer für das Marken-Image: Über eigene Kanäle sollte das Unternehmen Themen für die Konsumenten aufgreifen, die nicht direkt mit dem Brand in Verbindung stehen. Der Dialog mit den Kunden zu Themen, die auf die Marke zurückfallen, seht im Vordergrund. Wer mehr investiert, darf gleichzeitig nicht glauben, dass auch ein besseres Ergebnis dabei rumkommt. Generell geht es um eine kreative Idee, die muss nicht unbedingt viel kosten. Wunder können Medien dabei nicht bewirken – die Geschichte muss berichtenswert sein. Media is just an accelerant, betont Fishburne. Wie sich die Medientypen genau unterscheiden, darüber gibt Forrester einen guten Überblick:

Mir rast der Blogger…

Veröffentlicht am 20. Mai 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Storytelling, Virales Marketing

Der Konsumgüterriese Procter&Gamble sorgt aktuell für großes Aufsehen in der Webszene. Wie ein Lauffeuer verbreiten wütende Eltern in Blogs, sozialen Netzwerken und Foren seit kurzem, dass die Windelserie mit der “Dry-Max-Technologie” Verätzungen und Ausschläge  bei ihren Babys verursachen. Knapp 10.000 Mitglieder hat die Facebook-Gruppe Pampers bring back the OLD CRUISERS/SWADDLERS innerhalb von weniger als einer Woche. Auch in den anderen Gruppen machen Mamas ihrem Ärger über den Konsumgütergiganten Luft und fordern den Rückruf dieser Schwindel-Windeln.

Wer im Glashaus sitzt, sollte allerdings nicht mit Steinen werfen. P&G greift mit seiner Reaktion am 6. Mai völlig daneben: Die Vorwürfe der Tausenden von Mamas seien schlichtweg falsch und nicht nachweisbar, so das offizielle Statement. Damit initiiert der Konzern den Krieg gegen die Mommy-Blogger und zeigt, wie inkompetent er in Social Media Fragen ist.

Konsumenten, die sich online selbst organisieren, sind mächtiger denn je. Einen Kampf nach dem Motto “Einer gegen alle?” mit der eigenen Fangemeinde einzugehen, verspricht Rufschäden par excellence. Das schlichte Verleugnen des Problems, entsetzt die Eltern und zerstört ihr jahrelanges Vertrauen in die Marke Pampers. Auch Joanna Ravlin Dye fühlt sich als eine von Tausenden veräppelt und missverstanden:

They’re … denying that mothers and parents know their own babies and are smart enough to know that it’s not a normal diaper rash.

Was hätte das Konsumgüterimperium tun sollen, um seine KundInnen zu besänftigen? Richtig gewesen wäre eine proaktive und direkte Antwort auf den ersten CNN Bericht gewesen – nicht 28 Stunden später. Wenn es noch keine Lösung für das Problem gibt, so kann P&G zumindest ankündigen, dass man sich kümmert und bis zu einem bestimmten Datum eine öffentliche Erklärung abgibt. Wichtig für die Konsumenten ist zunächst die Botschaft: “Wir hören euch zu und nehmen euch ernst.”

Inhaltlich hätte P&G Verständnis für die besorgten Mütter kommunizieren müssen. Unabhängig von Studienergebnissen muss man den “Feind” besänftigen und ins eigene Boot überführen: “Liebe Kunden, es tut uns leid, ihr habt recht und wir reagieren, indem wir das Produkt vom Markt nehmen.” Stattdessen ging das börsennotierte US-Unternehmen von Anfang an mit seiner Argumentation in die Defensive. Die Situation wurde herunter gespielt mit der Aussage, es seien nur einige wenige Eltern betroffen.

Positiv hätte sich auch der persönliche Kontakt mit den Betroffenen ausgewirkt – Interviews, Events, Telefonate… Hat ein aufgebrachter Kunde die Möglichkeit, direkt mit den Mitarbeitern zu sprechen, fühlt sich gleich viel besser. Um plausibel zu wirken, schickt das Unternehmen lieber Sprecherinnen mit Doktortitel auf YouTube. So unterstellt Dr. Kimberly Thompson von Kids Risk Inc. (vermutlich Partner von P&G) auf YouTube, dass die Eltern sich auf Facebook und Co. nur gegenseitig pushen und dadurch eine falsche Wahrnehmung der Wirkungsweise der Dry Max Pampers entsteht. Die Anzahl der Ausschläge sei auch beim alten Produkt gleich häufig. Ein weiteres virales Video liefert Expertinnen, die gänzlich abstreiten, dass ein Baby aufgrund einer bestimmten Windel wund wird.

Der Konzern springt auf das falsche Schiff und verpasst es zudem, die komplette Social Media Klaviatur zu spielen. Die P&G Marketiers platzieren die Videos nur auf dem YouTube-Kanal? Die Konsumenten dagegen beschweren sich in Blogs und Facebook-Gruppen und wollen auch genau dort eine Reaktion des “Gegners”! Eine Marke muss dort sein, wo ihre Zielgruppe ist. Zumindest so viel sollte auch in einem traditionellen Konzern wie P&G bekannt sein.

Denn was, liebes Consumer Relations-Team, bringt es euch, wenn ihr sachlich recht behaltet, eure Kunden jedoch von euren Produkten nichts mehr wissen wollen?

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Wie eine Marke aufersteht

Veröffentlicht am 12. April 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Presseschau, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Ihren Ruf kann eine Marke innerhalb von wenigen Tagen mit Negativschlagzeilen ruinieren. Das Herz des Konsumenten erneut zu erobern, ist dagegen meist ein langer Prozess und gelingt nur selten. Personenbrand Tiger Woods taucht nach seinem Sexskandal vor viereinhalb Monaten wieder am Werbehimmel auf (Woods Ende als Personal Brand und Salesman). Seine Image-Berater haben sich einen schönen Nike-Spot für ihn ausgedacht. “Did you learn anything?” fragt darin der Sprecher, der seinen verstorbenen Vater simuliert, den nach sieben Tage Regenwetter aussehenden Woods. Die Kampagne erregt so viel Aufsehen in den Medien, wie keine andere und das mit einem überraschend positiven Grundtonus.pander 02

Konsumgüter-Brands fallen immer häufiger Social Media Kampagnen und damit der Wut des Konsumenten 2.0 zum Opfer (s. Artikel Wie verliere ich meine Kunden – in 10 Tagen?). Öffentlichkeitswirksam ist die aktuelle Greenpeace-Kampage gegen KitKat. Palmöl, so die Umweltorganisation in einem provokanten Video-Spot, tötet nicht nur die Wälder, sondern auch die Tiere. Ein denkbar ungünstiger Zug des herstellenden Konzerns Nestlé: er veranlasste Youtube panisch, das Video zu löschen und zeigt damit, wie man es eben NICHT machen sollte – hier auch illustriert von Hugh McLeod.

Die PR-Katstrophe nimmt ihren Lauf: Nun waren die Aktivisten erst recht motiviert, zum Boykott aufzurufen. Rasend schnell verbreitete sich der Skandal im Netz und in den Medien. Unilever und Kraft, die ebenfalls mit dem verantwortlichen Palmöl-Lieferanten Sinar Mas unter Vertrag standen, reagierten prompt und kündigten die Zusammenarbeit. Damit wuchs der Druck der Öffentlichkeit.

Der Nestlé-Konzern sah sich erst dann gezwungen, den Vertrag mit der Palmöl-Firma ebenfalls zu kündigen. Dass damit das Problem vom Tisch ist, bleibt jedoch ein Trugschluss. Es existieren zahlreiche indirekte Verträge mit Zwischenhändlern. Die Umweltorganisation fordert die komplette Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Palmöl-Riesen und ist empört:

Bisher setzt das Unternehmen auf eine Verzögerungstaktik – und ist mit daran schuld, dass die illegale Abholzung des Regenwalds weiter geht.

Wie viele Konzerne in einer solchen Web 2.0-Attacke, fühlte sich Nestlé offenbar überrollt und reagierte definitiv falsch. Allein die Facebook-Seite eskalierte, wie Till Eichinger analysiert.Scheuklappen sind allerdings die verkehrte Strategie in Krisensituationen. Die Klagenden fordern schließlich die Stellungnahme des Konzerns: So erklärt Sandra Dusch Silva von der gemeinnützigen Organisation „Kampagne für saubere Kleidung“ im Handelsblatt, dass der Dialog explizit gewünscht wird.

Unternehmen sollten eine solche Krisen-Situation als Chance begreifen, sich und damit die Marke neu zu erfinden. Rehabilitiert ist es erst dann, wenn die Probleme richtig erkannt und aktiv bekämpft werden. Die wichtigste Erkenntnis ist, dem Konsumenten recht zu geben – er hat die Kontrolle über die Marke und nicht umgekehrt.

Marken können sogar gestärkt aus einer Krise hervorgehen, wie der Economist schreibt. Bereits 1985 versetzte beispielsweise Coca-Cola mit seiner neue Rezeptur die Verbraucher in Rage. Innerhalb von drei Monaten stellte der Brausehersteller wieder auf die ursprüngliche Mischung um. Verbraucher fühlten sich erhört und damit noch mehr mit Coca-Cola verbunden, als zuvor. Emotionen können also doch direkt die Verkaufszahlen beeinflussen.

iProcrastinate

Veröffentlicht am 25. März 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Medien 2.0

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Tom Fishburne bringt in seiner Illustration auf den Punkt, wie man einen Tag nach dem verbringen kann, ohne produktiv zu sein (siehe auch Themenblog-Artikel Und täglich grüßt die Informationsflut). David Hieatt bringt das auf die Formel eines umgekehrten Pareto-Prinzips. Demnach verbringen wir 80 Prozent der Zeit mit Dingen, in denen wir nicht gut sind oder die uns keinen Schritt weiterbringen. Ein Ende setzen könne man, wenn man sich auf die konzentriert, in denen man wirklich brilliert:

You don’t need more time in the day. You don’t need to work longer hours. You don’t need to work weekends. You just need to spend more time on what you are brilliant at. And less time on all that other stuff.