Archiv für die Kategorie ‘Bloggerei’

iPad und die PR läuft von selbst

Veröffentlicht am 27. Januar 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Game Changer, Medien 2.0

hpMediumEs ist da. Die Geeks dieser Welt sollten heute wieder beruhigt schlafen können. Steve Jobs stellte soeben die technologische Innovation vor: das iPad, eine Kreuzung aus iPhone und Macbook. Seit fast 10 Jahren haben sich Entwickler laut Apple mit der Entwicklung des Tablet-PCs ohne Tastatur beschäftigt.

Es soll unsere Mediennutzung revolutionieren und wird genau deshalb von aller Welt gehyped. Entsprechend überwältigend ist auch die Aufmerksamkeit der Medien, die sich der geheimnisvollen Produktpräsentation nach dem Motto “vorher nachher” widmen.

Heiß diskutiert wird auch auf Twitter. Die Apple-Fangemeinde wartet gespannt auf das mysteriöse neue Produkt. Vor der tatsächlichen Pressekonferenz ist die Gerüchteküche und die Aufmerksamkeit von beiden Seiten, Medien und Konsumenten, enorm. Da wird um Produktnamen wie Magicslate, Apple Tablet,  iSlate spekuliert, welchen Preis es haben wird und welche Größe es wohl haben wird.

Warum wir Apple so toll finden und der Konzern es immer wieder zu bahnbrechenden Produkten bringt, beschreibt Jeff Jarvis in einem Interview mit der Wirtschaftswoche so:

Steve Jobs versucht, unsere Gedanken zu lesen, damit wir als Benutzer nicht selbst denken müssen. Microsoft hingegen will, dass wir so denken wie sie. Jedes Mal, wenn Sie Word benutzen, müssen Sie in Bill Gates Kopf hineinschlüpfen – ich wünschte, ich könnte das. Das Google-Phone ist irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Philosophien – aber an das iPhone kommt es nicht heran.

Apple gelingt es immer wieder extrem gut, den Spannungsbogen um die Entwicklung eines revolutionären Produkts aufzubauen und kurz vor der Veröffentlichung zur Spitze zu treiben. Google Insights illustriert, wie häufig der Begriff “iPad” gegoogelt wurde – da Anfragen wachsen immer noch exponentiell. Vielleicht bricht die Berichterstattung in diesem Fall auch alle Rekorde, nicht weniger ist für die Verkaufszahlen zu erwarten, sobald das iPad in 60 Tagen auf dem freien Markt zur Verfügung steht.

(K)ein Spiegelbild in sozialen Netzwerken

Veröffentlicht am 14. Januar 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Personen-PR, Soziale Netzwerke

Online-Profile entsprechen dem wahren Ich? Das zumindest fand noch im November eine Studie der Universität Mainz heraus. Laut Autoren gab es keine Anzeichen der Selbstidealisierung. Dabei dient das Netz doch als Bühne für Selbstdarsteller – gleiches haben wir im Blogbeitrag Jeder ist sich selbst der Nächste debattiert.

Eine Untersuchung des BITKOM in Kooperation mit dem Forsa-Insitut will es nun mit diesem Ergebnis beweisen: 12 Millionen Deutsche lügen in sozialen Netzwerken. Das bedeutet, beinahe jeder Vierte ab 14 Jahren (23 Prozent) bleibt online nicht immer bei der Wahrheit. Geflunkert wird vor allem bei Themen wie Namen und Alter, aber auch bei Kontaktdaten wie der Mail-Adresse oder Telefonnummer, dem Geschlecht, dem Gehalt oder Körper-Attributen. Was die Internetnutzer zur Manipulation der eigenen Angaben animiert?

In erster Linie sind Falschangaben eine Abwehrreaktion gegenüber den zahlreichen Datenabfragen im Internet.

So interpretiert BITKOM-Chef Prof. Scheer die Befunde. Über die Hälfte der bekennenden Lügner (58 Prozent) haben kein Vertrauen in die Sicherheit des Internets und fast 50 Prozent der Befragten scheuen ungewollte Werbemaßnahmen.

Jeder sechste Schummler aber faked absichtlich sein Online-Ich, um sich „im Internet auszuleben ohne negative Folgen“. 10 Prozent suchen inkognito einen Partner und fünf Prozent scheinen – traurigerweise – Spaß daran zu haben, andere zu verarschen (interessant wäre hier eine Betrachtung der Geschlechter).

Ein gesundes Misstrauen ist also beim Treffen auf Unbekannte im Netz mehr als angebracht – das ist nichts Neues. Gerade Jugendliche haben meist eine naivere Herangehensweise und sollten ausreichend geschützt und gewarnt werden. Umgekehrt gilt auch die eigene Achtsamkeit, was die Einstellungen der Privatssphäre angeht. Getrackt wird aber beispielsweise auf Facebook sowieso alles, das sagte eine unbekannte Facebook-Mitarbeiterin der Presse.

Neben Kulturpessimisten gibt es zahlreiche weitere kritische Stimmen zum Thema Offenheit und Aktivität in sozialen Netzwerken. Während Martin Weigert dazu rät, Facebook nicht in das eigene Beziehungsleben zu involvieren, warnt Welt-Autor Martin Simons vor Realitätsverlust durch die Social Media-Präsenzen:

Es ist paradox: Auf der Suche nach Beachtung und Selbstausdruck stülpen viele im Internet, dieser Öffentlichkeit für jedermann, ihr Innenleben nach außen – und verkümmern dadurch als Individuum. Als jemand, der nicht für sich selbst und schon gar nicht für jemand anderen durchschaubar ist.

Wie weit entfernt soziale Netzwerke von der Realität sind, bringt diese Parodisierung auf den Punkt. Facebook ins wirkliche Leben übertragen:

Tue Gutes und rede darüber

Veröffentlicht am 11. Januar 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Virales Marketing

Daisy ist in Deutschland im vollen Gange. Wir haben – trotz Krise – nichts zu fürchten vor der unsäglichen Kälte. Und so regen wir uns über Textilunternehmen auf, die ihre nicht verkaufte Ware zerstören, anstatt sie den Armen zu spenden.

Sich mokieren und nichts tun, das können wir gut. Deshalb wollen wir es jetzt mit einer Charity-Aktion, ins Leben gerufen von Daniela Kunde, die soziale Kälte bekämpfen. In der Facebook-Gruppe Kleidung gegen Kälte ruft sie auf, nicht benötigte Kleidung an Hilfsorganisationen in der Nähe zu spenden.

Das ganze funktioniert Social Media gerecht: jeder geht seine Schränke durch und fotografiert alle Fundstücke, die er für wohltätige Zwecke abgeben möchte. Nach dem Upload der Bilder auf Facebook geht’s dann ab in die nächste Annahmestelle der Diakonie, caritas oder einer anderen Hilfsorganisation in Eurer Nähe (genaue Infos finden sich auf Facebook).

Blogs vs. Microblogs = Apfel vs. Birne?

Veröffentlicht am 27. November 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Game Changer, Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0

Bloggen ist nach wie vor in, dieses Fazit ergab sich aus dem Beitrag Der Kampf um die digitale Aufmerksamkeit. Noch vor einem Jahr glaubten Experten wie Wired-Autor Paul Boutin den baldigen Tod der Web-Tagebücher vorherzusehen:

The blogosphere, once a freshwater oasis of folksy self-expression and clever thought, has been flooded by a tsunami of paid bilge. Cut-rate journalists and underground marketing campaigns now drown out the authentic voices of amateur wordsmiths. It’s almost impossible to get noticed, except by hecklers. And why bother? The time it takes to craft sharp, witty blog prose is better spent expressing yourself on Flickr, Facebook, or Twitter.

Totgesagte leben länger: Blogs sind wieder auf dem Vormarsch, wie aktuelle Comscore-Ergebnisse belegen. Die Anzahl der Besucher auf Blogs steigt rasanter an als die auf den Microblogs. Für Twitter.com kommt nach dem starken Wachstum in diesem Jahr jetzt erstmals die Ernüchterung: statt der 48,4 Millionen noch im September zählt Comscore nur noch 48,3 Millionen Besucher auf der gehypten Microblog-Seite (angemerkt sei, dass Clients wie Seesmic keinen Rückgang verzeichnen). WordPress, der größte Blogbetreiber dagegen, allein konnte innerhalb von einem Monat ganze 10 Millionen Besucher hinzugewinnen – mit 151,8 Millionen also deutlich stärker besucht als Twitter.

Bildschirmfoto 2009-12-04 um 12.03.08

Äpfel lassen sich nun einmal nicht mit Birnen vergleichen. In eine 140-Zeichen-Nachricht verpackt man prägnante Inhalte, die in Blogs ausgearbeitet werden können. Blogs ergänzen Twitter und umgekehrt. Entsprechend arbeiten auch die meisten Unternehmen, die in Social Media unterwegs sind, mit beiden Tools.

Twitter ist also ebenfalls nicht tot. Der betrachtete Zeitraum ist zu gering, um auf einen Trend zu schließen. Kurze Botschaften spiegeln den Zeitgeist des “Realtime”. Wir nehmen das wahr, was gerade in den Strom unserer Aufmerksamkeit fällt, alle anderen Informationen gehen in der Masse. Eric Schonfeld von Techcrunch merkt außerdem an, dass die neuen Twitter-Features “Listen” und “Retweet Button” erste verheißungsvolle Verbesserungen für Twitter sind. Er glaubt, dass die geplante Implementierung der “Geolocation“  Twitter zu weiterem Wachstum verhelfen werden. Sicherlich hat Evan Williams mit seinem 140-Zeichen-Imperium noch andere Erweiterungen in petto. Nicht umsonst ist im nächsten Jahr ein IPO anvisiert…

Wenn Marken Fehler machen (oder Pepsi an Frauen denkt)

Veröffentlicht am 24. November 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Soziale Netzwerke, Virales Marketing

091019pepsi_ampupFrauen kann man ab sofort mit dem iPhone klarmachen. „Amp up before you score“ heißt das Wunderpgoramm von Pepsi. Aber bevor Sie jetzt den iTunes Store stürmen: die Koffeinbrause-Getränkemarke musste das Program für experimentierfreudige oder gar frustrierte männliche iPhone-Besitzer wieder vom Markt nehmen.

Der Grund: Anstatt die Herzen von Cyber-Casanovas zu erobern, empörte die achso geniale Idee vor allem die Damenwelt. Warum die Aufregung? Die Applikation kategorisiert Frauen nach Vorlieben, Aussehen und Persönlichkeit: Von der Punk-Queen, zum Cougar, über die Baumumarmerin hin zur Jungschauspielerin liefert sie 24 Frauen(stereo)typen inklusive Background-Informationen und eben den erprobten Flirts-Sprüchen (hier geht’s zum Video). Wer erfolgreich beim Anmachen war, kann damit sogar direkt bei Twitter prahlen, so die geniale Idee von “Amp up before you score”.

Bildschirmfoto 2009-11-24 um 15.29.43Die zwar witzig gemeinte iPhone-Software sollte ein netter Bonus zur neuen Pepsi-Kampagne des Amp Energy Drinks werden. Statt werden Kunden dem Cola-Brause-Produzenten aber Sexismus und schlechten Geschmack vor. Der Konzern hat sich immerhin – wie passend – auch über Twitter für seinen frauenfeindlichen Fauxpas entschuldigt.

Vielen Marken fehlt auch im Social Media Bereich häufig das Feingefühl dafür, was ihre Konsumenten wünschen. Und: Programmierer sind nun einmal überwiegend männlich! Oder verstehen wir keinen Spaß Unternehmen lernen dank Social Media konstant vom Feeedback ihrer Konsumenten. Wenigstens macht sie das menschlich. Wichtig ist dabei, offen zu seinen Fehlern zu stehen, wie Pepsi es getan hat:

Online-Sein oder nicht Online-Sein, das ist nicht die Frage

Veröffentlicht am 02. November 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Journalisten, Medien 2.0, Personen-PR, Web 2.0

Darauf hat die Welt gewartet: Ab sofort kann ich mit dem MySkyStatus meinen Twitter- und Facebook-Kontakten mitteilen, wann ich wo mit welchem Lufthansa-Flug über den Wolken bin. Die Web 2.0-Generation lebt und liebt ihre digitale Identität – manchmal mehr als alles andere. Doch gleichzeitig gibt sie mit jedem weiteren Foto, Kommentar oder Status ein Stück ihrer Privatsphäre auf und macht sich damit verfolgbar, immitierbar und vor allen Dingen öffentlich.

Wie bei Talentshows à la DSDS oder “Das Supertalent” kann man sich durch Exhibitionismus im Internet profilieren oder aber glimpflich scheitern (und so oder so auch schnell wieder vergessen werden). Wer keine Inhalte teilt, der existiert jedoch nicht, das betont Mashable-CEO Pete Cashmore:

We’re living at a time when attention is the new currency. (…) Those who insert themselves into as many channels as possible look set to capture the most value. They’ll be the richest, the most successful, the most connected, capable and influential among us.

Die “Dauerveröffentlicher” im Netz sollten aber daran denken, dass das Netz – im Gegensatz zur DSDS-schauenden TV-Meute – nichts vergisst: Einmal Publiziertes ist kaum zu entfernen. Tweets beispielsweise werden zwar aus dem eigene Profil gelöscht, sind aber über die Twitter-Suche immer noch zu finden. Mit negativen bzw. nachteiligen Social Media-Einträgen können nicht nur Unternehmen wie Jack Wolfskin ihren Ruf ruinieren, sondern auch Privatpersonen.

Insbesondere Bewerber können ihre Online-Präsenz als Türöffner zur beruflichen Entwicklung nutzen. Wenn sie es aber falsch angehen, verbauen sie sich häufig Chancen. Dass der eigene Ruf online kriegsentscheidend wird, bestätigt auch Jochen Mai, Karriere-Experte und Redakteur der WirtschaftsWoche:

Es geht nicht mehr so sehr darum, wen du kennst, sondern darum, wer dich kennt. Wer im Netz nicht gefunden wird, hat künftig das Nachsehen. Und wessen Online-Profil keinen seriösen oder kompetenten Eindruck macht, auch.

Das heißt umgekehrt nicht, dass Angestellte sich um ihre digitale Identität kümmern müssen. Im Gegenteil: wie Pete Cashmore feststellt, haben viele Journalisten unabhängig von der Website ihrer Zeitung eigene Publikationskanäle, die sie wiederum (oder gerade deshalb) unentbehrlich für ihren Arbeitgeber machen können.

So gibt es auch hierzulande zahlreiche renommierte Journalisten, die sich auf Twitter einen breiten Zuhörerkreis aufgebaut haben und teilweise auch privat bloggen. Die Internetgemeine betrachtet Thomas Knüwer, Holger Schmidt, Jochen Mai, Mario Sixtus, Olaf Kohlbrück & Co. gleichzeitig Follower als Vertreter des jeweiligen Mediums an (hier meine Journalisten-Twitter-Liste).

Aufmerksamkeit heißt die neue Währung. Denn je mehr Informationen auf allen Kanälen, von TV über Video hin zum Internet verbreitet werden, desto schwieriger ist es, in einem Meer von Daten hervorzustechen. Deshalb gilt: participate or fade into a lonely obscurity.

Social Media läuft und läuft und läuft

Veröffentlicht am 16. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Web 2.0



via Mercedes Bunz

Facebook weiß, wie glücklich wir sind

Veröffentlicht am 14. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0, Werbung

Mit über 300 Millionen Nutzern ist Facebook das größte Netzwerk weltweit. Im September 2009 machten 8,80 Millionen Unique Visitors hierzulande Facebook zum beliebtesten sozialen Netzwerk. Diese Masse an Menschen bedeutet gleichzeitig ein Meer an Informationen, die für Recherche-Zwecke sinnvoll eingesetzt werden können.

Bild 4 So kann die Wortwahl und Tonalität eines Tweets oder Status-Updates auf Facebook Auskunft darüber geben, in welcher Stimmung sich eine Person befindet – das zumindest behaupten Experten und Psychologen. Deshalb werteten Researcher anhand von 100 US-Profilen aus, wie fröhlich sich die User zu welchem Zeitpunkt gaben. Der “Gross National Happiness Index” repräsentiert die Daten der letzten zwei Jahre. “Glück-Worte” sind da “happy,” “yay”, “awesome”, Nachrichten mit trauriger Stimmung enthalten “sad,” “doubt”, “tragic.”

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass derartige Untersuchungen durchaus die Stimmung einer Nation widerspiegeln: Am Ende der Woche sind die Menschen einfach glücklicher als Montags. Auch geben sich die Amerikaner sind besonders erfreut an Feiertagen wie dem vierten July oder Thanksgiving und eher traurig, wenn die Todesnachricht von Stars wie Michael Jackson oder Heath Ledger öffentlich wird.

Sind also Facebook-Daten verwertbar für Unternehmen und Marken, um Reaktionen zu bestimmten Ereignissen und auch der Grundeinstellung ihrer Konsumenten und Kunden zu überprüfen? Ist ein Status-Update repräsentativ? Der optimistische Adam D. I. Kramer erklärt in seinem Eintrag auf dem Facebook-Blog nicht nur, dass er zu 72 Prozent glücklicher ist, als dier Durchschnitts-User:

When people in their status updates use more positive words—or fewer negative words—then that day as a whole is counted as happier than usual.

Kramer glaubt gar, Facebook könnte der erste Schritt sein, um das Selbstwertgefühl einer gesamten Nation neu zu evaluieren:

We have tracked the economic health of the nation for a long time. The reason we track those things is that the government is full of economists, not psychologists.

Verstärkt gibt es die Diskussion, dass Länder falsche Erhebungen nutzen, um Gesetze aufzustellen. Eine deartige Kommission gründete Nicolas Sarkozy unter anderem mit Nobelpreisträger und Wirtschafts-Guru Joseph Stiglitz. Sie will bessere Modelle finden, um die wiritschaftliche Leistung und den sozialen Fortschritt zu bewerten. Das Ergebnis: auch Faktoren wie das WohlergehenBild 5 der Bürger sollten miteinbezogen werden.

Das würde für den Glücks-Index sprechen, der auf den ersten Blick sinnvoll erscheint. Tatsächlich ist es doch nicht mehr als ein Aktienindex, der genauso gut oder schlecht die Stimmung und Wirtschaftlichkeit eines Landes darstellt. Dabei zeichnet sich auf den diversen sozialen Netzwerken immer stärker eine Klassengesellschaft ab: Während auf Facebook die Besserverdienenden unterwegs sind, wird Myspace zum “Social Media Ghetto”, so die Ergebnisse einer Nielsen-Befragung unter 200.000 US-Nutzern. Allein deshalb sind wohl Status-Updates auf Facebook genauso aussagekräftig wie ein Wahlergebnis, an dem nur 20 Prozent der wohlhabenderen Bevölkerung teilnehmen würde.

Cameron Marlow, Leiter des Facebook-Research Teams, ist dennoch überzeugt davon, dass sein Social Network wertvollere Daten zu bieten hat als der Suchgigant Google. Klar – die meistgenutzte Suchmaschine liefert Informatoinen zum Suchverhalten der Menscheit und versucht, so effizient wie möglich die gewünschten Suchtreffer zu liefern. Facebook dagegen trifft Aussagen zum Umfang, zur Ausbreitung und zur Veränderung von Beziehungen und will wissen, wie Freundschaften entstehen und bestehen bleiben:

The type of things that people reveal on Facebook are the kind of things that sociologists have tried to collect through surveys for decades. Say I want to understand how the divorce rate is changing — for a social scientist to produce a report on this, it would take a team of researchers, a company to collect the data.

Unbestritten – aber Facebook spricht nun einmal nur für einen Teil der sozialen Schichten. Noch weniger repräsentativ wird Facebook, wenn man sich die Markteinteile in USA anschaut: Knapp 59% aller Seitenbesuche auf Social Networks kassiert Facebook. Immerhin 30 Prozent der Klicks kommen auf MySpace. Ausserdem sind Frauen in fast allen Netzwerken in der Überzahl (Frauen tratschen, Männer posen – auch im Web).

Selbst Psychologieprofessor James W. Pennebaker, der für die Wertung der Worte auf Facebook verantwortlich war, räumt ein:

I could imagine it would allow us to look at a group of people, get a sense of what their concerns are, how insecure they feel. It could be an advertiser’s dream. Yes, it is creepy from a government perspective, but it is even creepier from an advertising perspective.

Für Marketiers ist der Stoff auf Facebook also ebenfalls kaum verwertbar. Dabei sind Social Networks gerade für Marken besonders interessant: Freunde sind gleichzeitig diejenigen, deren Empfehlungen zu Produkten und Dienstleistungen wir vertrauen. Dafür braucht es allerdings mehr, als die Auswertung verwendeter Worte der Nutzer.

Frauen tratschen, Männer posen – auch im Web

Veröffentlicht am 07. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Online-Relations, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Die Damenwelt ist stärker in sozialen Netzwerken aktiv (s. Artikel Frauen networken mehr als Männer). Sie twittert und shoppt auch anders als ihr männlicher Gegenpart. Brian Solis, der als Social Media Guru sicherlich nicht diesem Klischee entspricht, wertete die Geschlechterverteilung in den sozialen Netzwerken via Google Ad Planner aus. Weniger überraschend sind die Ergebnisse, die das gesellschaftliche Stereotyp unterstreichen. Denn fast außnahmslos regiert das kommunikativere weibliche Geschlecht auf den Plattformen.

Spitzenreiter mit fast 70 Prozent Frauenanteil ist die im englischsprachigen Raum verbreitete Networking-Seite bebo. Bei Facebook und Twitter sind sie mit sieben Prozent mehr ebenfalls jeweils in der Überzahl. Das einzige “Netzwerk”, was mit mehr männlichen Nutzern punkten kann, ist digg. Irgendwie typisch Mann funktioniert digg ganz simpel: die Community postet Videos, Artikel, Links, über die dann abgestimmt wird. Dialog unter den Nutzern findet in diesem Netzwerk eher indirekt statt und ist Nebensache.

Gleich verteilt sind die beiden Geschlechter dagegen bei gängigen Business-Netzwerken wie LinkedIn, beim Videoportal Youtube und dem Bookmarking-Dienst Delicious. Das verstärkt deutschsprachige Netzwerk Xing soll allerdings männer-dominant sein: lediglich 35 Prozent aller User sind weiblich.

Was unterschiedliche Nutzungsweise von Mann und Frau andeutet, bestätigt die Untersuchung der Uni Potsdam vom Februar: sie wollen (auch) online einfach nicht das gleiche. Jungs suchen auf StudiVZ Dates, während Mädchen reden wollen (s. Artikel StudiVZ: Männer und Frauen finden nicht zueinander).

Heißt das umgekehrt, dass Frauen auch die besseren Multiplikatoren für Empfehlungen sind? Nein, ergibt der “Women’s Survey” von Q Interactive. Zwar sind in Amerika mehr als die Hälfte aller Frauen aktiv in sozialen Medien, aber 75 Prozent lassen sich nicht in ihrer Kaufentscheidung beeinflussen. Entscheidender sind da beispielsweise Coupons und sonstige Diskount-Angebote, so die Ergebnisse der Studie. Hier spiegelt sich wohl doch der Sammel-Instinkt des Weibleins wieder. (Klassische Rollenverteilung beim E-Shopping).

Q interactive-CEO Matt Wise erklärt die Befunde so:

We found that there’s a substantial disconnect between women’s interactions online and the impact of brand perceptions there. So we’ve got women online, controlling the purchasing process and interacting in huge numbers with social networks, and yet they’re not being influenced by those networks to make purchases. We see a huge opportunity in that for marketers.

Soziale Netzwerke werden immer wertvoller, um mit KonsumentInnen in Kontakt zu treten. Um diese Diskrepanz zu brechen sollten sich Marketiers vor allem eins zur Aufgabe machen: ihre KundInnen verstehen lernen, um sie dann online “zu erobern”.

Michael Jackson: Vom Pop- zum Twitter-Idol

Veröffentlicht am 26. Juni 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Medien 2.0, Personen-PR, Web 2.0

Zur Legende wird man erst, wenn man stirbt. Jacko’s Tod schafft globale Betroffenheit im Netz. Die gestrige Schreckensnachricht über das plötzliche Sterben von Michael Jackson verbreitete sich wie ein Lauffeuer – auch und gerade über Twitter. Gestern Abend kollabierten zudem Dienste wie Google News und Wikipedia. Mit der Masse an Nachrichten zur Hiobsbotschaft kam das Web nicht zurecht.

Aktuell schafft das Thema es bei Twitter auf knapp 200 Tweets pro Minute. 200 Menschen auf der ganzen Welt beschäftigen sich innerhalb von 60 Sekunden nur mit dem tragischen Sterben des Pop-Idols. Das ist absoluter Wahnsinn. Die 140-Zeichen variieren von tiefster Betroffenheit und Unfassbarkeit wie “I can’t believe Michael Jackson is not here anymore. He’s the all time music legend, miss his music.. R.I.P! You will ALWAYS be in my heart!” über ironische Kommentare wie “Do you think they will cremate michael jackson or recycle?” hin zu eher Geschmacklosem wie “Kinderpornosperren zeigen erste Wirkung: Michael Jacksin tot!“.

Pete Cashmore von Mashable hat sich die Statistik einmal angeschaut und stellt fest, dass sich ein Drittel der Tweets (!) zu dieser Zeit allein mit dem King of Pop beschäftigten. Eine beeindruckende Zahl, wenn man beachtet, dass es weltweit 18,2 Millionen aktive Twitterer gibt. Kam es jemals bei einer Naturkatastrophe oder anderen tragischen Unfällen, wir kürzlich der Absturz des Air France-Fliegers im brasilianischen Pazifik, zu einem solchen Twitter-Tsunami?

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie man mit Sterbefällen im Netz umgehen sollte. Gerade gestern sind wir auf den offenbar verstorbenen Twitterer DocKlaus aufmerksam geworden. Seine Geliebte oder Verlobte scheint sein Account jetzt als Kanal für ihre Trauer zu nutzen. In gebrochenem Deutsch und ab und zu auch auf Englisch schickt sie ihm Botschaften.

Der Tod – ob von einem Popstar oder einem in Vietnam gestrandeten deutschen Arzt – hat aus meiner Sicht mehr Würde verdient. Twitter ist zwar geeignet, um die Nachricht zu verbreiten und vielleicht auch, um seine Kondolenz zum Ausdruck zu bringen. Unangebracht ist es jedoch, sich im Nachhinein über den Davongeschiedenen auszulassen. Dazu ist weder Twitter noch der Rest des Webs der geeignete Ort. In diesem Fall gilt eher nicht: “Don’t stop ’till you get enough!”