Archiv für die Kategorie ‘Bloggerei’

Blogs vs. Microblogs = Apfel vs. Birne?

Veröffentlicht am 27. November 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Game Changer, Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0

Bloggen ist nach wie vor in, dieses Fazit ergab sich aus dem Beitrag Der Kampf um die digitale Aufmerksamkeit. Noch vor einem Jahr glaubten Experten wie Wired-Autor Paul Boutin den baldigen Tod der Web-Tagebücher vorherzusehen:

The blogosphere, once a freshwater oasis of folksy self-expression and clever thought, has been flooded by a tsunami of paid bilge. Cut-rate journalists and underground marketing campaigns now drown out the authentic voices of amateur wordsmiths. It’s almost impossible to get noticed, except by hecklers. And why bother? The time it takes to craft sharp, witty blog prose is better spent expressing yourself on Flickr, Facebook, or Twitter.

Totgesagte leben länger: Blogs sind wieder auf dem Vormarsch, wie aktuelle Comscore-Ergebnisse belegen. Die Anzahl der Besucher auf Blogs steigt rasanter an als die auf den Microblogs. Für Twitter.com kommt nach dem starken Wachstum in diesem Jahr jetzt erstmals die Ernüchterung: statt der 48,4 Millionen noch im September zählt Comscore nur noch 48,3 Millionen Besucher auf der gehypten Microblog-Seite (angemerkt sei, dass Clients wie Seesmic keinen Rückgang verzeichnen). WordPress, der größte Blogbetreiber dagegen, allein konnte innerhalb von einem Monat ganze 10 Millionen Besucher hinzugewinnen – mit 151,8 Millionen also deutlich stärker besucht als Twitter.

Bildschirmfoto 2009-12-04 um 12.03.08

Äpfel lassen sich nun einmal nicht mit Birnen vergleichen. In eine 140-Zeichen-Nachricht verpackt man prägnante Inhalte, die in Blogs ausgearbeitet werden können. Blogs ergänzen Twitter und umgekehrt. Entsprechend arbeiten auch die meisten Unternehmen, die in Social Media unterwegs sind, mit beiden Tools.

Twitter ist also ebenfalls nicht tot. Der betrachtete Zeitraum ist zu gering, um auf einen Trend zu schließen. Kurze Botschaften spiegeln den Zeitgeist des “Realtime”. Wir nehmen das wahr, was gerade in den Strom unserer Aufmerksamkeit fällt, alle anderen Informationen gehen in der Masse. Eric Schonfeld von Techcrunch merkt außerdem an, dass die neuen Twitter-Features “Listen” und “Retweet Button” erste verheißungsvolle Verbesserungen für Twitter sind. Er glaubt, dass die geplante Implementierung der “Geolocation“  Twitter zu weiterem Wachstum verhelfen werden. Sicherlich hat Evan Williams mit seinem 140-Zeichen-Imperium noch andere Erweiterungen in petto. Nicht umsonst ist im nächsten Jahr ein IPO anvisiert…

Wenn Marken Fehler machen (oder Pepsi an Frauen denkt)

Veröffentlicht am 24. November 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Soziale Netzwerke, Virales Marketing

091019pepsi_ampupFrauen kann man ab sofort mit dem iPhone klarmachen. „Amp up before you score“ heißt das Wunderpgoramm von Pepsi. Aber bevor Sie jetzt den iTunes Store stürmen: die Koffeinbrause-Getränkemarke musste das Program für experimentierfreudige oder gar frustrierte männliche iPhone-Besitzer wieder vom Markt nehmen.

Der Grund: Anstatt die Herzen von Cyber-Casanovas zu erobern, empörte die achso geniale Idee vor allem die Damenwelt. Warum die Aufregung? Die Applikation kategorisiert Frauen nach Vorlieben, Aussehen und Persönlichkeit: Von der Punk-Queen, zum Cougar, über die Baumumarmerin hin zur Jungschauspielerin liefert sie 24 Frauen(stereo)typen inklusive Background-Informationen und eben den erprobten Flirts-Sprüchen (hier geht’s zum Video). Wer erfolgreich beim Anmachen war, kann damit sogar direkt bei Twitter prahlen, so die geniale Idee von “Amp up before you score”.

Bildschirmfoto 2009-11-24 um 15.29.43Die zwar witzig gemeinte iPhone-Software sollte ein netter Bonus zur neuen Pepsi-Kampagne des Amp Energy Drinks werden. Statt werden Kunden dem Cola-Brause-Produzenten aber Sexismus und schlechten Geschmack vor. Der Konzern hat sich immerhin – wie passend – auch über Twitter für seinen frauenfeindlichen Fauxpas entschuldigt.

Vielen Marken fehlt auch im Social Media Bereich häufig das Feingefühl dafür, was ihre Konsumenten wünschen. Und: Programmierer sind nun einmal überwiegend männlich! Oder verstehen wir keinen Spaß Unternehmen lernen dank Social Media konstant vom Feeedback ihrer Konsumenten. Wenigstens macht sie das menschlich. Wichtig ist dabei, offen zu seinen Fehlern zu stehen, wie Pepsi es getan hat:

Online-Sein oder nicht Online-Sein, das ist nicht die Frage

Veröffentlicht am 02. November 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Journalisten, Medien 2.0, Personen-PR, Web 2.0

Darauf hat die Welt gewartet: Ab sofort kann ich mit dem MySkyStatus meinen Twitter- und Facebook-Kontakten mitteilen, wann ich wo mit welchem Lufthansa-Flug über den Wolken bin. Die Web 2.0-Generation lebt und liebt ihre digitale Identität – manchmal mehr als alles andere. Doch gleichzeitig gibt sie mit jedem weiteren Foto, Kommentar oder Status ein Stück ihrer Privatsphäre auf und macht sich damit verfolgbar, immitierbar und vor allen Dingen öffentlich.

Wie bei Talentshows à la DSDS oder “Das Supertalent” kann man sich durch Exhibitionismus im Internet profilieren oder aber glimpflich scheitern (und so oder so auch schnell wieder vergessen werden). Wer keine Inhalte teilt, der existiert jedoch nicht, das betont Mashable-CEO Pete Cashmore:

We’re living at a time when attention is the new currency. (…) Those who insert themselves into as many channels as possible look set to capture the most value. They’ll be the richest, the most successful, the most connected, capable and influential among us.

Die “Dauerveröffentlicher” im Netz sollten aber daran denken, dass das Netz – im Gegensatz zur DSDS-schauenden TV-Meute – nichts vergisst: Einmal Publiziertes ist kaum zu entfernen. Tweets beispielsweise werden zwar aus dem eigene Profil gelöscht, sind aber über die Twitter-Suche immer noch zu finden. Mit negativen bzw. nachteiligen Social Media-Einträgen können nicht nur Unternehmen wie Jack Wolfskin ihren Ruf ruinieren, sondern auch Privatpersonen.

Insbesondere Bewerber können ihre Online-Präsenz als Türöffner zur beruflichen Entwicklung nutzen. Wenn sie es aber falsch angehen, verbauen sie sich häufig Chancen. Dass der eigene Ruf online kriegsentscheidend wird, bestätigt auch Jochen Mai, Karriere-Experte und Redakteur der WirtschaftsWoche:

Es geht nicht mehr so sehr darum, wen du kennst, sondern darum, wer dich kennt. Wer im Netz nicht gefunden wird, hat künftig das Nachsehen. Und wessen Online-Profil keinen seriösen oder kompetenten Eindruck macht, auch.

Das heißt umgekehrt nicht, dass Angestellte sich um ihre digitale Identität kümmern müssen. Im Gegenteil: wie Pete Cashmore feststellt, haben viele Journalisten unabhängig von der Website ihrer Zeitung eigene Publikationskanäle, die sie wiederum (oder gerade deshalb) unentbehrlich für ihren Arbeitgeber machen können.

So gibt es auch hierzulande zahlreiche renommierte Journalisten, die sich auf Twitter einen breiten Zuhörerkreis aufgebaut haben und teilweise auch privat bloggen. Die Internetgemeine betrachtet Thomas Knüwer, Holger Schmidt, Jochen Mai, Mario Sixtus, Olaf Kohlbrück & Co. gleichzeitig Follower als Vertreter des jeweiligen Mediums an (hier meine Journalisten-Twitter-Liste).

Aufmerksamkeit heißt die neue Währung. Denn je mehr Informationen auf allen Kanälen, von TV über Video hin zum Internet verbreitet werden, desto schwieriger ist es, in einem Meer von Daten hervorzustechen. Deshalb gilt: participate or fade into a lonely obscurity.

Social Media läuft und läuft und läuft

Veröffentlicht am 16. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Web 2.0



via Mercedes Bunz

Facebook weiß, wie glücklich wir sind

Veröffentlicht am 14. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0, Werbung

Mit über 300 Millionen Nutzern ist Facebook das größte Netzwerk weltweit. Im September 2009 machten 8,80 Millionen Unique Visitors hierzulande Facebook zum beliebtesten sozialen Netzwerk. Diese Masse an Menschen bedeutet gleichzeitig ein Meer an Informationen, die für Recherche-Zwecke sinnvoll eingesetzt werden können.

Bild 4 So kann die Wortwahl und Tonalität eines Tweets oder Status-Updates auf Facebook Auskunft darüber geben, in welcher Stimmung sich eine Person befindet – das zumindest behaupten Experten und Psychologen. Deshalb werteten Researcher anhand von 100 US-Profilen aus, wie fröhlich sich die User zu welchem Zeitpunkt gaben. Der “Gross National Happiness Index” repräsentiert die Daten der letzten zwei Jahre. “Glück-Worte” sind da “happy,” “yay”, “awesome”, Nachrichten mit trauriger Stimmung enthalten “sad,” “doubt”, “tragic.”

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass derartige Untersuchungen durchaus die Stimmung einer Nation widerspiegeln: Am Ende der Woche sind die Menschen einfach glücklicher als Montags. Auch geben sich die Amerikaner sind besonders erfreut an Feiertagen wie dem vierten July oder Thanksgiving und eher traurig, wenn die Todesnachricht von Stars wie Michael Jackson oder Heath Ledger öffentlich wird.

Sind also Facebook-Daten verwertbar für Unternehmen und Marken, um Reaktionen zu bestimmten Ereignissen und auch der Grundeinstellung ihrer Konsumenten und Kunden zu überprüfen? Ist ein Status-Update repräsentativ? Der optimistische Adam D. I. Kramer erklärt in seinem Eintrag auf dem Facebook-Blog nicht nur, dass er zu 72 Prozent glücklicher ist, als dier Durchschnitts-User:

When people in their status updates use more positive words—or fewer negative words—then that day as a whole is counted as happier than usual.

Kramer glaubt gar, Facebook könnte der erste Schritt sein, um das Selbstwertgefühl einer gesamten Nation neu zu evaluieren:

We have tracked the economic health of the nation for a long time. The reason we track those things is that the government is full of economists, not psychologists.

Verstärkt gibt es die Diskussion, dass Länder falsche Erhebungen nutzen, um Gesetze aufzustellen. Eine deartige Kommission gründete Nicolas Sarkozy unter anderem mit Nobelpreisträger und Wirtschafts-Guru Joseph Stiglitz. Sie will bessere Modelle finden, um die wiritschaftliche Leistung und den sozialen Fortschritt zu bewerten. Das Ergebnis: auch Faktoren wie das WohlergehenBild 5 der Bürger sollten miteinbezogen werden.

Das würde für den Glücks-Index sprechen, der auf den ersten Blick sinnvoll erscheint. Tatsächlich ist es doch nicht mehr als ein Aktienindex, der genauso gut oder schlecht die Stimmung und Wirtschaftlichkeit eines Landes darstellt. Dabei zeichnet sich auf den diversen sozialen Netzwerken immer stärker eine Klassengesellschaft ab: Während auf Facebook die Besserverdienenden unterwegs sind, wird Myspace zum “Social Media Ghetto”, so die Ergebnisse einer Nielsen-Befragung unter 200.000 US-Nutzern. Allein deshalb sind wohl Status-Updates auf Facebook genauso aussagekräftig wie ein Wahlergebnis, an dem nur 20 Prozent der wohlhabenderen Bevölkerung teilnehmen würde.

Cameron Marlow, Leiter des Facebook-Research Teams, ist dennoch überzeugt davon, dass sein Social Network wertvollere Daten zu bieten hat als der Suchgigant Google. Klar – die meistgenutzte Suchmaschine liefert Informatoinen zum Suchverhalten der Menscheit und versucht, so effizient wie möglich die gewünschten Suchtreffer zu liefern. Facebook dagegen trifft Aussagen zum Umfang, zur Ausbreitung und zur Veränderung von Beziehungen und will wissen, wie Freundschaften entstehen und bestehen bleiben:

The type of things that people reveal on Facebook are the kind of things that sociologists have tried to collect through surveys for decades. Say I want to understand how the divorce rate is changing — for a social scientist to produce a report on this, it would take a team of researchers, a company to collect the data.

Unbestritten – aber Facebook spricht nun einmal nur für einen Teil der sozialen Schichten. Noch weniger repräsentativ wird Facebook, wenn man sich die Markteinteile in USA anschaut: Knapp 59% aller Seitenbesuche auf Social Networks kassiert Facebook. Immerhin 30 Prozent der Klicks kommen auf MySpace. Ausserdem sind Frauen in fast allen Netzwerken in der Überzahl (Frauen tratschen, Männer posen – auch im Web).

Selbst Psychologieprofessor James W. Pennebaker, der für die Wertung der Worte auf Facebook verantwortlich war, räumt ein:

I could imagine it would allow us to look at a group of people, get a sense of what their concerns are, how insecure they feel. It could be an advertiser’s dream. Yes, it is creepy from a government perspective, but it is even creepier from an advertising perspective.

Für Marketiers ist der Stoff auf Facebook also ebenfalls kaum verwertbar. Dabei sind Social Networks gerade für Marken besonders interessant: Freunde sind gleichzeitig diejenigen, deren Empfehlungen zu Produkten und Dienstleistungen wir vertrauen. Dafür braucht es allerdings mehr, als die Auswertung verwendeter Worte der Nutzer.

Frauen tratschen, Männer posen – auch im Web

Veröffentlicht am 07. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Online-Relations, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Die Damenwelt ist stärker in sozialen Netzwerken aktiv (s. Artikel Frauen networken mehr als Männer). Sie twittert und shoppt auch anders als ihr männlicher Gegenpart. Brian Solis, der als Social Media Guru sicherlich nicht diesem Klischee entspricht, wertete die Geschlechterverteilung in den sozialen Netzwerken via Google Ad Planner aus. Weniger überraschend sind die Ergebnisse, die das gesellschaftliche Stereotyp unterstreichen. Denn fast außnahmslos regiert das kommunikativere weibliche Geschlecht auf den Plattformen.

Spitzenreiter mit fast 70 Prozent Frauenanteil ist die im englischsprachigen Raum verbreitete Networking-Seite bebo. Bei Facebook und Twitter sind sie mit sieben Prozent mehr ebenfalls jeweils in der Überzahl. Das einzige “Netzwerk”, was mit mehr männlichen Nutzern punkten kann, ist digg. Irgendwie typisch Mann funktioniert digg ganz simpel: die Community postet Videos, Artikel, Links, über die dann abgestimmt wird. Dialog unter den Nutzern findet in diesem Netzwerk eher indirekt statt und ist Nebensache.

Gleich verteilt sind die beiden Geschlechter dagegen bei gängigen Business-Netzwerken wie LinkedIn, beim Videoportal Youtube und dem Bookmarking-Dienst Delicious. Das verstärkt deutschsprachige Netzwerk Xing soll allerdings männer-dominant sein: lediglich 35 Prozent aller User sind weiblich.

Was unterschiedliche Nutzungsweise von Mann und Frau andeutet, bestätigt die Untersuchung der Uni Potsdam vom Februar: sie wollen (auch) online einfach nicht das gleiche. Jungs suchen auf StudiVZ Dates, während Mädchen reden wollen (s. Artikel StudiVZ: Männer und Frauen finden nicht zueinander).

Heißt das umgekehrt, dass Frauen auch die besseren Multiplikatoren für Empfehlungen sind? Nein, ergibt der “Women’s Survey” von Q Interactive. Zwar sind in Amerika mehr als die Hälfte aller Frauen aktiv in sozialen Medien, aber 75 Prozent lassen sich nicht in ihrer Kaufentscheidung beeinflussen. Entscheidender sind da beispielsweise Coupons und sonstige Diskount-Angebote, so die Ergebnisse der Studie. Hier spiegelt sich wohl doch der Sammel-Instinkt des Weibleins wieder. (Klassische Rollenverteilung beim E-Shopping).

Q interactive-CEO Matt Wise erklärt die Befunde so:

We found that there’s a substantial disconnect between women’s interactions online and the impact of brand perceptions there. So we’ve got women online, controlling the purchasing process and interacting in huge numbers with social networks, and yet they’re not being influenced by those networks to make purchases. We see a huge opportunity in that for marketers.

Soziale Netzwerke werden immer wertvoller, um mit KonsumentInnen in Kontakt zu treten. Um diese Diskrepanz zu brechen sollten sich Marketiers vor allem eins zur Aufgabe machen: ihre KundInnen verstehen lernen, um sie dann online “zu erobern”.

Michael Jackson: Vom Pop- zum Twitter-Idol

Veröffentlicht am 26. Juni 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Medien 2.0, Personen-PR, Web 2.0

Zur Legende wird man erst, wenn man stirbt. Jacko’s Tod schafft globale Betroffenheit im Netz. Die gestrige Schreckensnachricht über das plötzliche Sterben von Michael Jackson verbreitete sich wie ein Lauffeuer – auch und gerade über Twitter. Gestern Abend kollabierten zudem Dienste wie Google News und Wikipedia. Mit der Masse an Nachrichten zur Hiobsbotschaft kam das Web nicht zurecht.

Aktuell schafft das Thema es bei Twitter auf knapp 200 Tweets pro Minute. 200 Menschen auf der ganzen Welt beschäftigen sich innerhalb von 60 Sekunden nur mit dem tragischen Sterben des Pop-Idols. Das ist absoluter Wahnsinn. Die 140-Zeichen variieren von tiefster Betroffenheit und Unfassbarkeit wie “I can’t believe Michael Jackson is not here anymore. He’s the all time music legend, miss his music.. R.I.P! You will ALWAYS be in my heart!” über ironische Kommentare wie “Do you think they will cremate michael jackson or recycle?” hin zu eher Geschmacklosem wie “Kinderpornosperren zeigen erste Wirkung: Michael Jacksin tot!“.

Pete Cashmore von Mashable hat sich die Statistik einmal angeschaut und stellt fest, dass sich ein Drittel der Tweets (!) zu dieser Zeit allein mit dem King of Pop beschäftigten. Eine beeindruckende Zahl, wenn man beachtet, dass es weltweit 18,2 Millionen aktive Twitterer gibt. Kam es jemals bei einer Naturkatastrophe oder anderen tragischen Unfällen, wir kürzlich der Absturz des Air France-Fliegers im brasilianischen Pazifik, zu einem solchen Twitter-Tsunami?

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie man mit Sterbefällen im Netz umgehen sollte. Gerade gestern sind wir auf den offenbar verstorbenen Twitterer DocKlaus aufmerksam geworden. Seine Geliebte oder Verlobte scheint sein Account jetzt als Kanal für ihre Trauer zu nutzen. In gebrochenem Deutsch und ab und zu auch auf Englisch schickt sie ihm Botschaften.

Der Tod – ob von einem Popstar oder einem in Vietnam gestrandeten deutschen Arzt – hat aus meiner Sicht mehr Würde verdient. Twitter ist zwar geeignet, um die Nachricht zu verbreiten und vielleicht auch, um seine Kondolenz zum Ausdruck zu bringen. Unangebracht ist es jedoch, sich im Nachhinein über den Davongeschiedenen auszulassen. Dazu ist weder Twitter noch der Rest des Webs der geeignete Ort. In diesem Fall gilt eher nicht: “Don’t stop ’till you get enough!”

Kontrollinstanz im Netz: Verbot von Magersucht-Blog

Veröffentlicht am 27. Januar 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Web 2.0

Erstmals in Deutschland wurde der Privatblog eines minderjährigen Mädchens gesperrt, die ihr “Zutode-Hungern” auf ihrem Online-Tagebuch dokumentierte. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) begründet die Indizierung damit, dass die offensichtliche Verfechterin der “ProAna”-Bewegung (Pro-Anorexie) andere Jugendliche gefährdet.

Heranwachsende könnten sich duch das Online-Tagebuch ermutigt fühlen, der Essgestörten in ihrem von einem gestörten Selbstbild geprägten Schlankheitswahn nachzueifern, so die Prüfstelle in ihrer Grundsatzentscheidung (pdf):

Das vorliegende Internetangebot enthält frei zugänglich Texte, die ein extremes Schlankheitsideal und eine sehr problematische Einstellung dem eigenen Körper gegenüber propagieren.

Jan Schmidt vom Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung beschäftigt sich mit Geschlechterunterschieden in der Blogosphäre. Obwohl zwei Drittel der Blogger in Deutschland weiblich sind, gibt es wenige weibliche Alpha-Blogger. Schmidt erklärt, dass Frauen Blogs eher als Tagebücher nutzen als männliche Autoren – sie wählen andere Themen und:

(…) bloggen in erster Linie, um ihre Gedanken für sich festzuhalten und sie mit anderen zu teilen. Männer hingegen wollen häufig ihr Wissen mit anderen teilen und bloggen deshalb über Themen, die für eine größere Masse relevant sind.

Was die weibliche Bloggerszene auch bewegt, sind Gewichtsprobleme, Diäten, Hungern. Im Falle der ProAna-Blogs verschwimmt die Grenze zwischen Publikationsfreiheit und Gefahr für die Öffentlichkeit. Das Sperren des Hungerblogs der unbekannten Minderjährigen jedenfalls hat in der Blogssphäre heiße Debatten ausgelöst, wie z.B. im Law- und im Beck-Blog.

Johnny Haeusler von Spreeblick sieht im BPjM-Urteil entgegen der weit verbreiteten Meinung alles andere als Willkür. Er betont, dass die Indizierung keine Zensur bedeute. Entgegen der Aussage eines seiner Kommentatoren, dass man ein Recht darauf habe, sich im Netz zu Tode zu hungern, appelliert der Spreeblick-Autor an das Verantwortungsbewusstsein der Netzwelt:

Gerade diejenigen, die sich besser auskennen, die täglich im Netz unterwegs sind, die technisch versiert sind, die ihre Meinung im Netz veröffentlichen – sie sind m.E. gefragt, eine gesellschaftliche Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen und ihren möglichen Wissenvorsprung nicht allein als Mantel zur Schau zu tragen, den man schnell als Arroganz einer Elite missverstehen kann.

Unklar bleibt, was das Indizieren dieses einen Magersucht-Blogs bewegen soll. Google deckt schnell auf, wie riesig die Anorexie-Bewegung im Internet zu sein scheint. Über Twitter bin ich bereits im Dezember auf einen Teil dieser Anorexie-Tagebücher aufmerksam und stutzig geworden.

Ein seltsamer Zufall, dass Blogs wie der von Sad Lady oder Leichtsinn88 heute nur noch über ein Passwort zugänglich sind! Die Tagebücher von Queenana zum Beispiel oder Anamiriam zum Beispiel lesen sich ähnlich: die beiden Mädchen im Alter von 15 und 17 Jahren verherrlichen das Abnehmen und Hungern. Und es gibt unzählige weiterer solcher Seiten, deren Inhalte äußerst bedenklich für Heranwachsende sind. Es macht wenig Sinn, den jungen Bloggerinnen ihre “freien Gedanken” zu verbieten. Das Problem:

Die Prüfstelle kann nur auf Antrag tätig werden, und den stellt natürlich niemand, der Tipps für extreme Schlankheit sucht.

Wo soll die Grenze für eine Indizierung von solchen Blogs anfangen und wo greift sie in das Recht zur Meinungsfreiheit ein? Kann der Staat die Unweiten des Netzes kontrollieren und wenn nicht er, wer dann? Es ist ein schmaler Grat. Und verbotene Früchte isst man bekanntlich besonders gern.

In a user generated world what role does a publisher have?

Veröffentlicht am 04. Oktober 2008 von Mark Pohlmann | Bloggerei, Medien 2.0

“60% of my readers have their own blogs”.
Mike Arrington (TechCrunch) at Web 2.0 Expo New York

Spontane Lyrik

Veröffentlicht am 18. September 2008 von Mark Pohlmann | Bloggerei, Virales Marketing

Das sind so die kleinen verborgenene Sternstunden des Internets: Wenn sich aus einem Blogbeitrag ein spontanes Kommentar-Kunstwerk wird.

Ich hatte ‘nen Lover in Tennessee
Auch der zählt natürlich für bild.de
Ich hatte ‘nen Lover in Connecticut
Selbst der steht morgen im Springer-Blatt..

Das verstehen Sie nicht? In den Kommentaren von Stefan Niggemeiners letztem Beitrag findet sich die Auflösung.