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6. Juli 2010
von
Anna Friedrich
Ob iPad oder iPhone 4, die Apple-Produkte werden gehyped wie nie zuvor. Bisher konnte sich der Konzern auf seine Fan-Gemeinde verlassen. Doch angesichts der extremen Empfangsproblemen beim iPhone-Modell der vierten Generation war für die Addicts Schluss mit lustig: Sie verklagten Apple auf Schadenersatz.
Das Problem tausender Nutzer: Wer das Gerät beim Telefonieren links oben am äußeren Rahmen hielt, hatte geringen bis keinen Empfang, da die Antenne zu stark isoliert war. Offenbar war man aber bei Apple nicht auf deartige Vorwürfe vorbereitet.
Empfehlenswert für eine Reaktion in einer solchen “Krise” ist es, den Fehler erst eimal einzugestehen. Davon aber war bei den Kommunikatoren von Steve Jobs keine Spur. Sie dementierten den Fehler und sagten, diese Probelme seien eine “Gegebenheit des Lebens bei jedem Mobiltelefon“. Aber, dem war nicht genug. Im letzten “Brief von Apple” heißt es gar:
We have discovered the cause of this dramatic drop in bars, and it is both simple and surprising. (…) Users observing a drop of several bars when they grip their iPhone in a certain way are most likely in an area with very weak signal strength, but they don’t know it because we are erroneously displaying 4 or 5 bars. Their big drop in bars is because their high bars were never real in the first place.

Ist doch logisch! Weil die ursprüngliche Emfpangsstärke als zu hoch angezeigt wird, bilden sich die User ein, dass er von 5 Balken auf 0 geht. Netterweise fügt Apple dann noch hinzu, dass die Käufer, die trotz der optimalen Leistung der vierten Generation unzufrieden sind, von ihrem Rückgaberecht Gebrauch machen können.
Apples Balken-Mathematik, wie sie die FTD nennt, könnte nicht nur die Anwälte auf neue Gedanken bringen. Sie zeigt vor allem die Arroganz des Unternehmens und den Versuch, einen offensichtlichen Fehler mit einer fraglichen Messung zu vertuschen. Abgesehen davon, dass es um viel Geld geht ist man sich seiner Fans so sicher, dass man ihre Beschwerden verleugnet.
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8. Januar 2010
von
Anna Friedrich
Ein PR-Desaster, wie es im Buche steht: Während im Big Apple hunderte von Obdachlosen in der klirrenden Kälte erfrieren, schmeißt H&M ungetragene Ware einfach weg. Anstatt die Kleidung an Bedürftige zu geben, entsorgt die Filiale am Herald Square in der 35th Street nicht verkaufte Produkte lieber auf der Straße.
Das entdeckte eine Studentin aus New York City, Cynthia Magnus, zufällig beim Schlendern auf der 35th Street, fotografiert mit einem absichtlich zerlöcherten Shirt, das noch mit einem Preisschild versehen war.
NYT-Autor Dwyer bringt den Skandal auf den Punkt:
It is winter. A third of the city is poor. And unworn clothing is being destroyed nightly.
Auf Twitter das H&M vor zwei Tagen DAS Trend-Thema No. 1, die Tweets zum unfassbaren Wegwerfen nehmen noch immer kein Ende.
H&M kommuniziert das gängige langweilige Bedauern über den Vorfall und lässt verlauten, dass so etwas nicht mehr vorkommen wird:
It will not happen again. (…) We are committed 100 percent to make sure this practice is not happening anywhere else, as it is not our standard practice.
Die Unternehmenssprecherin, Nicole Christie, gibt an, dass die Ware überlicherweise an Hilfsorganisationen gespendet wird und sie nicht weiß, warum dies im Falle des Ladens in der 34th Street nicht der Fall ist.Wal-Mart scheint die gleichen Praktiken zu pflegen. Ganze Müllsäcke voll von Klamotten aus dem Kleidungsdiscounter wurden gefunden. Natürlich erregte auch dieser Skandal nicht weniger Aufsehen in der Twitter-Gemeinde. Unternehmens-Sprecherin Melissa Hill erklärte, dass sie nicht wüsste, warum die Waren zerstört wurde. Angeblich seien auch hier alle nichtverkauften Neuwaren für gute Zwecke gespendet oder zumindest ordnungsgemäß recycled.
Die Vorsitzende einer Art Altkleidersammlung namens New York Clothing Bank, Mary Lanning meint:
I would welcome H & M, Wal-Mart and every enterprise that presently is destroying new clothing to call me immediately. We use a method of ‘defacing’ each garment that does not impair itswearability, but does remove any potential street value in the underground market. We operate a full clothing warehouse and distribution center right under their noses.
Alternativen zur sinnlosen Wegwerf-Aktion gibt es sicherlich en Masse. Die Chance, wenigstens jetzt einen PR-Gag aus dem Skandal nach dem Motto “dumm gelaufen” zu machen,
hat H&M offenbar verpasst. Vielleicht sind große Konzerne wie die schwedische Mode-Kette aber einfach nicht gewappnet für eine spontane adäquate Krisen-Kommunikation, die mehr als Standardfloskeln zu bieten hat.
Wenigstens im Nachhinein hätte der Konzern spasseshalber behaupten können, dass das Wegwerfen und Zerlöchern der Klamotten eine PR-Aktion für den neuen Voodoo-Trend “Project Black Book” sein sollte…
Ernstaft, H&M sollte sich überlegen, es sich Bredouille manövrieren kann, z.B: “Denkt endlich an eure Konsumenten und euren Ruf als Hersteller. Startet eine Charity-Aktion. Macht etwas positives aus dem Fauxpas anstatt jetzt einfach so zu tun, als wärt ihr nur mal aus Versehen schwarz gefahren.”
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17. November 2009
von
Anna Friedrich
Don Ed Hardy ist weltweit berühmt für seine kreativen Tattoos. Dazu verholfen hat ihm nicht nur seine eigene Reputation als Tätowierer. Der französische Designer Christian Audigier hat aus Hardys inspirierender Idee eine ganze Mode-Bewegung gemacht. Mit Christian Audigiers Kleider-Kollektion wird das eingravierte Design, das eine Haltung gegen eine langweilige Klassengesellschaft symbolisiert, plötzlich zur Style- und Trendbewegung und bedeutet keine Entscheidung mehr auf ewig.
Ed Hardy-Anteilseigner Neil Cole von der Iconix Brand Group ist überzeugt: die Marke ist ein einem Stadium, in dem sie besonders “cool und fashionable” bleiben muss. Doch hier liegt das Problem: die digitale Präzenz der Marke aus San Francisco wird ihr zum Verhängnis. Google, der quasi in der Nachbarschaft liegende Suchriese, ebnet Produktpiraten den Weg.
Unterstützer der Tattoo-Marke kämpfen gegen Copycats, die in Windeseile täuschend echte Kopien der Original-Website an die Spitze der Suchergebnisse treiben und sogar die Google Ad Systeme manipulieren. Sie verhökern dort ihre Falschware aus China, die nur dann (blind) gekauft wird, wenn Google die Seiten mit einer gewissen Echtheit versieht. Hoch im Googlerang und sogar mit Werbeanzeige versehen, fällt fast jeder Kunde auf die Täuschung herein.
Ab wann wird eine Marke auch zum Allgemeingut und hat kein “Recht” mehr auf Alleinherrschaft?
Offenbar ist die Kontrolle über das Hardy-Produktsortiment längst aus den Rudern gelaufen. Auf allen Kontinenten haben Gegner die Idee für sich beansprucht, sogar in San Francisco, dem Entstehungsort der Trendbewegung selbst.
Der Online-Klau ist dabei die größte und mächtigste Bedrohung. Teilweise wird die Original-Website von Ed Hardy 1:1 kopiert. Wer nach konkreten Produkten googelt, findet meist erst einmal ein riesiges Repertoire an Fake-Produkten (ohne dies zu wissen). In zahlreichen Fällen versuchten Anwälte, den Ad-Word-Kauf gerichtlich zu verbieten, wenn die Suchbegriffe mit einer bestimmten Marke in Verbindung stehen. Aber hier hat das Recht auf geistiges Eigentum wohl seine Grenzen, das Gesetz jedenfalls ist in diesen Bereichen sehr offen.
Beim Verfolgen der Kopierer dreht sich alles im Kreis. Sobald das Team von der Hardy Way Lizenzfirma einen der Piraten entdeckt, entsteht innerhalb weniger Minuten eine neue Seite. Die Jagd nach den Dieben entspricht dem Schwimmen gegen den Strom: Die unaufhaltsame Kopie-Manie einer Marke.
Kaum eine Marke bleibt verschont von den bösen Copycats. Gleichzeitig zeigt sich der Erfolg einer Marke darin, dass andere versuchen, sie nachzuahmen. Das räumt auch Cole ein:
The better the brand is the worse the problem is.
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20. Oktober 2009
von
Anna Friedrich
Eine Marke entsteht nicht über Nacht, auch wenn Werber sich das gerne wünschen. Sich auf eine langfristig etablierte Unternehmenstradition zu verlassen, reicht nicht aus, um Kunden an sich zu binden. Eine Marke ist nur so viel wert, wie die Gespräche, die über sie und mit ihr geführt werden.
Wie man den Ruf seiner Marke, der sich über Jahre hin entwickelt hat, mit einem Schlag erfolgreich ruiniert, machte jüngst – nach dem vieldiskutierten Jako-Skandal – Jack Wolfskin vor. Der Outdoor-Hersteller mahnte alle geschäftlichen Anbieter auf dem Marktplatz DaWanda ab, die Produkte mit Pfotenabdrücken im Sortiment hatten, die (angeblich) stark an die Jack Wolfskin Tatze erinnerten. Denn solche Produkte verletzen das Markenrecht der beliebten Tatze, so das Argument der Anwälte.
Das Problem: Jack Wolfskin ist zwar eine etablierte Marke, aber nicht mit Marken-Riesen wie Nivea, Coca-Cola, McDonalds & Co. zu messen. In einer Social Media Welt, in der Marken Konversationen sind, müssen auch Markenrechtler ein Gefühl dafür haben, welche Folgen derartige Klagen für den Ruf der Marke selbst haben können. Adage-Autor Gunnar Brune vergleicht die Markendimension von Jack Wolfskin mit David aus der Bibel:
Like Jako, Jack Wolfskin is a sympathetic David Last week they decided it would be better to act like Goliath.
Was für jeden Social Media Berater vorhersehbar war, scheint nicht in den Köpfen der Jack Wolfskin-Marketiers (und schon gar nicht in denen der schlauen Anwälte) präsent gewesen zu sein. Das Aufsehen in der “Szene” über die Abmahnungswelle, ausgelöst durch den ersten Bericht auf Werbeblogger, ist enorm.
Der Server des bekannten Marketing-Blogs war überfordert und schnell griffen andere Autoren das Thema für Diskussionen auf. Twitter, Facebook und natürlich auch die Medien berichteten. Mittlerweile hat sich eine Gruppe auf Twitter gebildet, die aus Protest eine Tatze als
Profilfoto einsetzt.
Ein Blick auf die Google Trends zeigt, wie extrem die Webwelt reagierte:

Brune erklärt die Wut der Konsumenten auch damit, dass gerade Digital Natives Outdoor-Klamotten tragen. Völlig unabhängig davon, ob Jack Wolfskin nun im Recht ist oder nicht hat der Hersteller mit dieser Aktion das erzielt, was jegliche Kunden-Loyalität ins Nichts auflöst: Seine Konsumenten fühlen sich verletzt und hintergangen. Bevor also rechtliche Schritte überhaupt erst in Erwägung gezogen werden müssen Marken den Dialog suchen. Sicherlich hätte Jack Wolfskin die Verkäufer einfach freundlich darauf hinweisen können, dass die Tatze ihrem Logo ähnelt und sie mit der Verwendung nicht einverstanden sind.
Der beanstandete Abmahnungs-Betrag werde, so die Rechtfertigung der offiziellen Stellungnahme des Unternehmens, lediglich zur Deckung der Anwaltskosten eingesetzt:
Wenn verhältnismäßig kleine Unternehmer abgemahnt werden, wird darauf geachtet, die Kosten möglichst gering zu halten. Normalerweise berechnen sich die Kosten eines Abmahnschreibens nach dem zugrunde liegenden Gegenstandswert, der anhand der verletzten Marke bestimmt wird. Dieser wurde in den vorliegenden Fällen so gering wie möglich angesetzt. Die sich daraus ergebenen Kosten in Höhe von € 991,00 sind für einen Kleinunternehmer noch immer verhältnismäßig hoch, jedoch ist dieser für die Entstehung der Kosten verantwortlich, da er markenverletzende Ware verkauft hat und Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war.
Leider zeigt das gestern publizierte Statement, dass Jack Wolfskin so gar nicht gelernt hat aus dem Fall! Anstatt die Aufmerksamkeit dafür zu nutzen, den “Buzz” ins Positive zu wenden, macht sich die Outdoor-Marke nur doppelt lächerlich. Übrigens, auch die Markenrechte von Puma werden hier verletzt
:

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28. August 2009
von
Anna Friedrich
“Dell lies. Dell sucks”, schrieb Jeff Jarvis bereits 2005 über den großen Computerkonzern. Er wurde als Meinungsmacher und gleichzeitig größter Dell-Kritiker mit seinem Blog Buzzmachine berühmt. Doch Dell hörte zu und lernte aus der Kontroverse mit Jarvis. Den Vorsprung hat das Unternehmen sinnvoll genutzt, denn heute ist es ein gern genommenes Exempel für vorbildlichen Einsatz von Social Media. Dell twittert mit über zwanzig Accounts weltweit, bietet zahlreiche Facebook-Gruppen und -Seiten für seine Kunden, bloggt und ist einfach überall dort vertreten, wo seine Kunden sich über die Produkte unterhalten. Um es in den Worten von Scott Monty, Social Media-Experte bei Ford, zu sagen:
I believe that people would rather have a conversation with a person than a brand.
Laut Umfrageergebnissen von Equation Research nutzen 60 Prozent der US-Firmen Blogs, Foren und sozialen Netzwerken als Marketingtool. Die Hälfte der Marketiers nannten dabei besonders Facebook, Twitter, Blogs und Online Videos als genutzte Tools. Doch 37 Prozent der Befragten wissen bei sozialen Medien nicht, wo sie anfangen sollen und weitere 37 Prozent gaben an, dass sie keinen guten Weg kennen, um seine Effektivität zu messen. Ein Viertel der Befragten hatten auch Probleme mit der Budgetierung.
Was jenseits des großen Teichs recht gut funktioniert, ist hierzulande ein Problem. Deutsche Unternehmen tun sich schwer, soziale Medien in den Geschäftsablauf zu integrieren. Während ein Teil bereits willig ist, sind nur wenige Konzerne erfolgreich dabei. Die Weisheit macht sich auch hierzulande breit, dass Kunden nicht mit Marken, sondern mit Gleichgesinnten sprechen wollen. Mit sozialen Netzwerken erschließt sich ein ganzes Set an einfach zu bedienbaren Tools. Nur muss man wissen, wie das geht (s. Die Entmythisierung von Social Media) .
Tim Halloran, Chef der Werbeagentur Brand Illumination und Marketing-Dozent in Atlanta, erklärt den “digitalen Schneeballeffekt”, den soziale Netzwerke auslösen, so:
Soziale Netzwerke geben einer Marke die Chance, mit ihren Konsumenten zu kommunizieren. (…) Ein loyaler Kunde trägt die Botschaft in sein Netzwerk aus Familie, Freunden, Kollegen; die wiederum tragen die Botschaft in ihr Netzwerk und so weiter.
In Deutschland sind Schätzungen zufolge gerade einmal 30 Prozent der Firmen in sozialen Netzwerken aktiv. Wie immer sind die USA ein weites Stück voraus, wie auch bei all den anderen IT-Neuerungen, so bestätigt auch Medienwissenschaftler Norbert Bolz.
Eine Befragung von 350 Führungskräften in deutschen Unternehmen belegt, dass mehr als 20 Prozent mit dem Begriff Web 2.0 nichts anfangen können. 34 Prozent nutzen Xing zum Networken, Personen suchen und Bewerber analysieren. Firmen-Blogs sind tendentiell eher uninteressant – ganze 12 Prozent der Chefs wissen noch nicht einmal, was ein Blog ist. Schockierend ist auch das Ergebnis, dass die Hälfte der Unternehmen auch in Zukunft nicht vor hat, Social Media für ihre Zwecke einzusetzen. Sicherlich fehlt hier vielen Entscheidungsträgern das Know-how über die Wirkungskraft der Netzwerke, wie die Brain Injection Studie schreibt.
Das Marktforschungsinstitut Nielsen zählt allein in Deutschland 1,99 Millionen Nutzer im Juli diesen Jahres. Davon sind aber die meisten private Twitterer. Diejenigen Unternehmen, die bei Twitter aktiv waren, sind hauptsächlich kleine und mittelständische deutsche Unternehmen. Eine Münchner Beratungsagentur fand heraus, dass 22 der 30 Dax-Unternehmen twittern, die meisten aber eher vorsichtig. Dabei ist Twitter ein geeignetes Marketinginstrument, gerade für kleine Unternehmen. Mediaguru Halloran glaubt, dass das digitale Equivalent für Word-of-Mouth Twitter ist. Bolz findet es auch sinnvoll, wenn Firmen zwitschern:
Bei Twitter und Co. ist Marketing nicht mit der sonst üblichen Zwangsbeglückung verbunden. Es ist ein unaufdringlicher und eleganter Weg, Kontakt zum Kunden zu halten.
Der Konsument wird im Web 2.0 endlich greifbar und engagiert sich aus freien Stücken für eine Marke oder eine Sache. Dennoch: ob die Social Media-Aktivitäten “richtig” oder “falsch” sind, finden Unternehmen meist erst raus, wenn das Publikum reagiert. Planbar und skalierbar sind sie nicht. Halloran findet:
Die Wirkung von viralem Marketing kann – und ich betone bewusst: kann – spektakulär sein, wenn die Botschaft für den Kunden interessant und unterhaltsam ist.
Wie Nils Andres beim heutigen Social Web Breakfast mit dem Thema Warum Unternehmen und Social Media (eigentlich) nicht zusammenpassen? zusammenfasste, müssen Unternehmen erst einmal umdenken, um bereit zu sein für den Einsatz sozialer Medien.
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28. Mai 2009
von
Anna Friedrich
Nach dem Debakel um den Datenmissbrauch gerät die Deutsche Bahn nun noch weiter in Verruf in der Öffentlichkeit. Der Konzern soll falsche Beiträge in Internet-Foren initiiert und Radiobeiträge bezahlt haben, dies ergab eine Anfrage des PR-kritischen Vereinigung LobbyControl laut SPIEGEL. Und das Alles um des Image’s Willen. Konzern-Chef Dr. Rüdiger Grube beuftargte bereits letzte Woche eine Sonderprüfung beauftragt. Das Ergebnis, wie es in der heutigen Pressemeldung der Bahn veröffentlicht wurde, löst Kopfschütteln aus:
Im Jahr 2007 wurde für sogenannte “no badge”-Aktivitäten ein Betrag von knapp 1,3 Millionen Euro ausgegeben. Unter “no badge”-Aktivitäten versteht man u.a. blog-Beiträge, Leserbriefe, Meinungsäußerungen in Foren, Meinungsumfragen oder vorproduzierte Medienbeiträge, bei denen der Urheber bzw. Auftraggeber nicht erkennbar ist.
Grube reagiert empört und erklärt seine Distanzierung zu einer solchen Vorgehensweise. Es sei, so der Bahn-Chef, mit personellen Konsequenzen zu rechnen. Allerdings kann das den Image-Schaden, den die gekünstelte PR nun angerichtet hat, nicht beheben. Ob die Medien-Berater schlecht informiert waren oder einfach nur unüberlegt handelten: dass PR-Lügen kurze Beine haben, hat sich bisher in den Medien immer erwiesen (siehe Blogbeitrag Twitter-PR: Im Social Web haben Lügen kurze Beine). Vielleicht wären die 1,3 Millionen Euro besser in einer Social Media Strategie angelegt gewesen?
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15. November 2007
von
Mark Pohlmann

Kommunikatoren wandeln zwischen den Welten. Sie vermitteln zwischen Interessengruppen, wecken Verständnis. Und Neugierde. Als ein solcher Mediator bin ich derzeit viel auf Kongressen und sehe anderen beim Ringen um den Sinn partizipativer Medien zu.
Doch die Diskussionen ändern sich. Während wir noch vor 12 Monaten alle vereint am Steg saßen und staunend die Möglichkeiten bewunderten, die sich da dunstig am Horizont bildeten, sind die einen längst in ihren kleinen Booten aufgebrochen. Die anderen blieben zurück und hadern seitdem damit, auf welcher Seite des Ozeans das Gras grüner ist.
Genauso spielen sich auch die Diskussionen auf den Konferenzen ab. Während auf Veranstaltungen wie den Medientagen München vor allem die Rechtfertigung im Vordergrund steht, warum es richtig ist, nicht jetzt schon aufzubrechen, dazu noch in so kleinen Booten und wahrscheinlich ohne Ahnung, in welche Richtung es zu paddeln gilt, beginnen die, die auf Kongressen wie der Sime in Stockholm (auf dem ich derzeit gerade weile) rumschippern, die Zurückgebliebenen zu vergessen. Die Tektonik der Kommunikation verändert sich. Nicht nur für die, die sich auf das Neue einlassen. Es findet ein Kontinentaldrift statt, den die nicht merken, die auf der wegtreibenden Platte stehen.
Die Auswirkungen sind verheerend. Denn wir hören in diesen Tagen auf, die selbe Sprache zu sprechen. Während in den wankenden Booten gestaunt wird, wie gut Wikipedia schon ist, wird an Land vor allem wahrgenommen, wie riskant es ist. Nicht nur die Wirtschaft selbst spaltet sich in digitale und analoge Apologeten. Auch die Kommunikationswirtschaft spaltet sich in zwei Lager: Die einen begreifen die durch die Digitalisierung entstandene Partizipation an der Ressource Aufmerksamkeit als Chance, die anderen als Krise. So einfach ist das. Wir haben Mutige und Ängstliche.
Die Angst führt zu absurden Verweigerungshaltungen, wie die von Agentur-Chef Lars Cords, der seine gesamte Agentur mit einem Denkverbot in Sachen Mitmach-Medien belegt hat (“99,99% des Inhalts im Web 2.0 ist das Ergebnis von egozentrischen Selbstreflektierern und hat das Niveau von Teenager-Tagebüchern” Quelle). Gut, Herr Cords äußert damit nur das, was seine Kunden denken. Die Kunden, die in Reichweite denken und Umsatz von der Kommunikation verlangen.
Diese Menschen übersehen, wie weit die Kunden ihrer Kunden schon sind. Das Mitmachen ist längst Teil des Alltages. Hier ist jeder Kunde Teil der Aufmerksamkeitsökonomie, jeder steht selbst im Mittelpunkt seines eigenen Interesses. Hier sind Menschen die Epizentren, nicht die Unternehmen.
Die Mutigen unter den Kommunikatoren fragen nicht mehr nach dem Nutzen von einzelnen Tools. Die Diskussion dreht sich schon längst nicht mehr um die Frage, ob ein Corporate Blog Sinn macht oder nicht. Wir Kommunikatoren haben heute eine weite Palette unterschiedlichster Technologien zur Verfügung. Jede hat ihre Stärken, ihre Grenzen. Es hängt von den Zielen ab, von der Kultur eines Unternehmens, was wo zum Einsatz kommt. Wir müssen den Kunden folgen, das ist alles. Ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, darf gerne bezweifelt werden. Nur die Alternative bietet sich nicht. Denn dort, wo die Unternehmen ihre Instant-Kommunikation plazieren, sind eben keine – oder nicht mehr ausreichend- Kunden.
Thomas Knüwer erzählte jüngst die Geschichte eines Franchise-Unternehmens, das ein internes Wiki einsetzt, in dem alles niedergeschrieben wird, was für die angeschlossenen Händler von Belang ist. Jeder kann alles ändern, auch die Formulierungen der Konditionen, ja, sogar die Konditionen selbst. Das tat die Auszubildende: Sie vereinfachte kurzerhand das Margensystem, und alle fanden es besser danach. Sicher, eine Geschichte, die sich anhört aus 1001 Nacht. Aber diese Geschichten gibt es tausendfach. Alles wird besser, wenn wir miteinander reden.
Twitter ist so ein Ding, das auch niemand verstehen will, der es nicht kennt. Öffentliche Kurznachrichten in der Länge einer SMS, die jeder abonnieren kann. Seitdem ich Twitter nutze, halte ich einen kleinteiligen und alltäglichen Kontakt zu rund 80 Menschen aus meinem Bekanntenkreis. Jeder kann meine “Tweets” lesen und so mitverfolgen, wo ich bin, was ich mache und was ich denke. Derzeit lesen rund 1.500 Personen regelmäßig diesen Blog, knapp 80 verfolgen meine Twitter-Einträge. Sie alle, darunter Journalisten, Kunden und andere Multiplikatoren, interessieren sich aus eigenem Antrieb für meine Themen. Sie werden nicht gezwungen, sie werden nicht bezahlt. Diese Form der Kommunikation ist längst effizienter geworden als das Verfassen einer Mail oder Pressemitteilung. Nur verstehen das die Menschen auf der wunderbar langsam umherdriftenden Kontinentalplatte nicht mehr. Erst wollten sie es nicht verstehen. Nun können sie nicht mehr.
Veröffentlicht am
19. April 2007
von
Mark Pohlmann
Das Wirtschaftsmagazin”Capital” verkauft offiziell 204.000 Stück. Im Grosso aber war es etwa bei der Ausgabe sieben ein Allzeit-Tief von 6.200 Exemplaren: der Rest sind Abos, sonstige Verkäufe, Bordexemplare. Neugründung “Vanity Fair” lag mit Nummer 13 bei 64.000 Stück im Grosso – 219.000 Exemplare weniger als bei der ersten Ausgabe.” Quelle
6.200 Leser im Monat am Kiosk- das sind 200 am Tag. Da hat der Themenblog mehr Leser.
Veröffentlicht am
15. März 2007
von
Mark Pohlmann

Auf dem Bild: nugg.ad-Gründer Stephan Noller in seinem ersten Leben.
Robert Basic hatte sich vor einigen Wochen bereits mit dem Thema beschäftigt, daß bloggende Unternehmen schnell frustriert davon sind, daß Aufwand und Reichweite in keinem vernünftigen Verhältnis stehen. Wer wochenlang liebevoll Artikel um Artikel schreibt und dabei vielleicht ein, zwei Dutzend Leser am Tag gewinnt, der fragt sich schon, ob er die Zeit nicht sinnvoller investieren kann.
Solange handwerkliche Regeln berücksichtigt werden (die wichtigste: Es bloggen immer Menschen, nie Unternehmen), gibt es aber keine Alternative zum Bloggen. Nirgendwo sonst im Corporate-Publishing-Universum kann eine solche inhaltliche Intensität wie in einem Blog hergestellt werden. Verarbschieden muß man sich allerdings vom Traum einer großen Reichweite. Nicht möglichst viele, sondern genau die Richtigen zu bedienen ist das Ziel eines Blogs. Und wenn das 50 Personen sind, und diese den Blog lesen, ist alles erreicht. Wer es anders sieht, wird nicht lange durchhalten. Oder muß Horst Schlämmer engagieren.
Jetzt findet der Behavorial-Targeting-Dienstleister nugg.ad (Achtung, nugg.ad ist zwar Kunde von uns, aber gerade in dieser Sache vollkommen selbständig agierend) eine adäquate Antwort auf das Problem.
Das neue nugg.ad Blog wird also Abschied nehmen von redaktionellen Prozessen und Publikationsplänen sowie überhaupt von jeglicher Form der Kontrolle. Ein paar nugg.ads werden also in Zukunft über den Alltag in einem spannenden Startup, der Homebase der weltbesten Relevanzmaschine berichten.
Herzlichen Glückwunsch von meiner Seite. Genau DAS ist Corporate Blogging.
Veröffentlicht am
20. Oktober 2006
von
Mark Pohlmann

Wo ich gerade im Kongreß-Modus bin: Ziemlich beeindruckend, wen Burda Ende Januar auf seinem “Digital Lifestyle Day” zusammentrommelt.
Es sprechen u.a.:
Marissa Mayer (VP Google)
Nicklas Zennström (Founder Skype)
Martin Varsavsky (Founder FON)
Chris Bangle (Chief Designer BMW)
Craig Newmark (Founder Craigslist)
Rolf Sachs (Designer & Artist)
Christiane zu Salm and Oliver Samwer (Entrepreneurs) and
Thierry Antinori (CMO Lufthansa).