Archiv für die Kategorie ‘Game Changer’

Online-Kauf mit Twitter-Hashtag

Veröffentlicht am 12. Februar 2013 von Stefan | Allgemein, E-Commerce, Game Changer, Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Twitter

Twitter IconTwitter und American Express kooperieren für ein Experiment im Online-Shopping. Kunden können mit Hilfe von Hashtags über Twitter einkaufen, indem sie ein speziell generiertes Hashtag tweeten. Dafür müssen Amex-Kunden ihr Konto vorab einmal mit Twitter verknüpfen. Das Angebot schließt im Moment Produkte von Amazon, Sony, Urban Zen und Xbox 360 sein. Der Einkauf von weiteren Produkten per Twitter, den ich in Deutschland Tweinkauf nennen würde, Kollegen von mir eher Twittkauf, wird ab 13. Februar möglich sein, wenn die komplette Liste der speziellen Produkt-Hastags auf der @AmericanExpress Twitter- Seite veröffentlicht wird. Wird der Service später auch bei uns eingeführt, gibt es eine Möglichkeit mehr, in der U-Bahn einen Amazon Kindle Fire HD oder eine Xbox 360 mit wenigen Klicks zu erwerben. Die Kaufwilligen müssen dafür nach dem Twittern des Angebots-Hashtags noch einen Tweet mit dem Bestätigungs-Hashtag von @AmexSync innerhalb von 15 Minuten senden, um den Kauf zu bestätigen. Die Einkäufe werden dann kostenfrei an die Rechnungsadresse der Kartenbesitzer verschickt – vermutlich nur innerhalb der USA (eine Anfrage bei der PR-Abteilung von Amex läuft noch).

Laptop-Nutzerin / Bild: Barbara Reichart  / pixelio.de

Bild: Barbara Reichart  / pixelio.de

Eine gestern veröffentlichte Studie  besagt übrigens, dass sich etwa 60 Prozent der 200 Millionen Nutzer mobil bei Twitter einloggen. Die Studie versorgt uns neben erwarten Ergebnissen wie der Tatsache, dass Mobilnutzer jünger als der Durchschnitt bei Twitter sind noch mit Detailinformationen wie der um 169 % erhöhten Wahrscheinlichkeit gegenüber Desktop-Nutzern, dass sie Online-Käufe tätigen. Weitere Ergebnisse: Die Smartphone-Twitterati nutzen den Dienst sehr viel öfter direkt nach dem Aufstehen und bevor sie ins Bett gehen – und träumen dann sicher auch oft mit Hashtags ;-) . Mobile Neutzer seien zudem “amplifiers” – Verstärker von Botschaften, in dem sie das Engagement voranbringen und originäre Inhalte kreieren, die Rich Media, Links und oft starke Handlungsaufforderungen enthalten (“call to actions”). Wenn Tweets die Worte “Please retweet” enthalten, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen Re-Tweet um das 23-fache so Buddy Media. Gute Nachricht für Marken: Der durchschnittliche Twitternutzer folgt fünf oder mehr Marken, die zunehmende Zahl mobiler Nutzer dagegen elf und mehr. Der ”Advertiser Tip” der Autoren für Ladenbesitzer: Informationen twittern, die mobile Nutzer suchen: Echtzeit-Informationen, die im Alltag  unterwegs unmittelbar helfen (können) wie aktuelle Angebote umgebender Läden. Hierfür eignen sich Dienste wie Foursquare allerdings besser, da Nutzer hier über einen “check in” ihren Standort preisgeben und so das  Geo-Fencing viel einfacher möglich ist. Vielversprechende neue Dienste wie Geoloqui können hier sicher in Zukunft viel eher punkten als Twitter. Highlight and Glancee versuchen ebenfalls besser zu sein als der zunächst von Facebook übernommen und dann stillgelegte Dienst Gowalla. Das Wachstumspotential der Geo-Social-Apps ist noch groß: Erst 5% der Mobilnutzer verwendeten diese Apps Ende 2011; wöchentlich  - also halbwegs regelmäßig – gar nur 0,25%.

iPad und die PR läuft von selbst

Veröffentlicht am 27. Januar 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Game Changer, Medien 2.0

hpMediumEs ist da. Die Geeks dieser Welt sollten heute wieder beruhigt schlafen können. Steve Jobs stellte soeben die technologische Innovation vor: das iPad, eine Kreuzung aus iPhone und Macbook. Seit fast 10 Jahren haben sich Entwickler laut Apple mit der Entwicklung des Tablet-PCs ohne Tastatur beschäftigt.

Es soll unsere Mediennutzung revolutionieren und wird genau deshalb von aller Welt gehyped. Entsprechend überwältigend ist auch die Aufmerksamkeit der Medien, die sich der geheimnisvollen Produktpräsentation nach dem Motto “vorher nachher” widmen.

Heiß diskutiert wird auch auf Twitter. Die Apple-Fangemeinde wartet gespannt auf das mysteriöse neue Produkt. Vor der tatsächlichen Pressekonferenz ist die Gerüchteküche und die Aufmerksamkeit von beiden Seiten, Medien und Konsumenten, enorm. Da wird um Produktnamen wie Magicslate, Apple Tablet,  iSlate spekuliert, welchen Preis es haben wird und welche Größe es wohl haben wird.

Warum wir Apple so toll finden und der Konzern es immer wieder zu bahnbrechenden Produkten bringt, beschreibt Jeff Jarvis in einem Interview mit der Wirtschaftswoche so:

Steve Jobs versucht, unsere Gedanken zu lesen, damit wir als Benutzer nicht selbst denken müssen. Microsoft hingegen will, dass wir so denken wie sie. Jedes Mal, wenn Sie Word benutzen, müssen Sie in Bill Gates Kopf hineinschlüpfen – ich wünschte, ich könnte das. Das Google-Phone ist irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Philosophien – aber an das iPhone kommt es nicht heran.

Apple gelingt es immer wieder extrem gut, den Spannungsbogen um die Entwicklung eines revolutionären Produkts aufzubauen und kurz vor der Veröffentlichung zur Spitze zu treiben. Google Insights illustriert, wie häufig der Begriff “iPad” gegoogelt wurde – da Anfragen wachsen immer noch exponentiell. Vielleicht bricht die Berichterstattung in diesem Fall auch alle Rekorde, nicht weniger ist für die Verkaufszahlen zu erwarten, sobald das iPad in 60 Tagen auf dem freien Markt zur Verfügung steht.

Mitarbeiter sind das Social Media-Kapital

Veröffentlicht am 16. Dezember 2009 von Anna Friedrich | Game Changer, Online-Relations, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Tony Hsieh, Gründer von Zappos ist ein Visionär und ein Game Changer – in einem Blogbeitrag vergleicht er seine Geschäftsstrategie mit dem Pokern. Mit seiner Idee, online Schuhe zu verkaufen, hat er statt an Profit zunächst an seine Angestellten gedacht und damit alles richtig gemacht.

Hsieh weiß, dass ein Mensch nur das tut, was ihn glücklich macht. Also motivierte er seine Mitarbeiter, Sprachrohr des Unternehmens zu werden. Dazu schickt er sie alle – egal welche Position sie haben – zu speziellen Schulungen, so der Jungunternehmer auf der LeWeb letzte Woche. Wenn sie die Kundenorientierung und Firmenkultur leben und lieben, spiegelt sich das auch in der Kunden-Zufriedenheit wieder:

Customer service shouldn’t be a department, it should be an entire company.

Wenn jeder Einzelne Philosophie verinnerlicht, davon ist Hsieh überzeugt, liegt die Inspiration jenseits von sonst gepredigten Umsatz-Zielen. Das Zappos-Personal lebt Hsiehs Anspruch: “Don’t chase the money, chase the vision.” Seine Strategie geht auf: 75 Prozent der Bestellungen stammen von wiederkehrenden Kunden und Mundpropaganda. Zappos ist DAS Vorzeigebeispiel, wenn es um gelungene Social Media-Präsenzen geht. Mittlerweile hat Amazon den äußerst erfolgreichen Online-Shop für 1,2 Milliarden Dollar übernommen.

Was bei einem vergleichsweise jungen Unternehmen funktionieren mag, lässt sich auf große, traditionsreiche Firmen nicht direkt übertragen. Chefs und Angstellte können nicht einfach ausgetauscht werden, und müssen lernen, sich auf Social Media einzulassen. Leider wird das von vielen Marken falsch verstanden, wie Tom Fishburne schön illustriert:

Der klassische Praktikant ist sicherlich die falsche Person, an die die Rolle des Kommunikators (allein) übergeben werden sollte. Wer ist geeignet? Ann Handley hat das in diesem Blogpost deliberiert. Grundsatzleih sollte doch aber jeder Mitarbeiter involviert sein in die SM-Strategie. Fishburne meint:

If yours is a brand that markets from the inside out, this voice should come naturally from what you are already doing. If instead your voice is applied externally from an agency, you may need a bigger overhaul. Social media exposes Cyrano de Bergerac. Your consumers are increasingly demanding a real and meaningful conversation with your brand. And they likely won’t have that conversation with an Intern.

Wie Matthias Lüfkens auf dem LeWeb-Panel How brands and marketing have to adapt to this new worldwide real time “word of mouth” richt bemerkt, wäre es doch traumhaft, wenn jeder CEO sich so für Twitter und Youtube begeistern würde wie Queen Raniah oder eben Tony Hsieh (der übrigens wenigstens selbst zwitschert). Damit eröffnen sie einen Dialog und sind auch auf einer persönlichen Ebene zugänglich. Lüfkens argumentiert:

If there is citizen journalism there should also be CEO journalism. Let the top person go directly to the audience and not having to go through the communications team or PR agency.

Kurzum: Social Media Aktivitäten funktionieren auch in großen Unternehmen, wie beispielsweise IBM es vorbildlich lebt. Wichtig dabei sind die Offenheit der Führungsetage und gleichzeitig die richtige Motivierung des gesamten Teams, dann kann man auch vom kundenfreundlichsten Online-Shops aller Zeiten lernen. Diese Social Media Guidelines sind sicherlich ein guter Einstieg.

Marken-Engagement: Die App buzzt nicht

Veröffentlicht am 08. Dezember 2009 von Anna Friedrich | Game Changer, Trends, Virales Marketing

Das iPhone macht es möglich: Plötzlich erleben Kunden Marken in Echtzeit. Jederzeit und überall können sie mit dem Brand interagieren und sich überraschen lassen. Frei nach dem Motto “Viel hilft viel” meint es manch ein Markenimperium aber zu gut.

iPhone-Applikationen gibt es wie Sand am Meer – bei den mehr als 100.000 Apps auf dem Markt verliert sich meist die Bedeutung einer einzelnen Anwendung. Was bringt diese App-Mania der Marke denn wirklich?
Mit einer iPhone-Anwendung allein gelingt es keinem Unternehmen, einen positiven Buzz zum Produkt zu erzeugen.

Das belegt jetzt eine Untersuchung von Porter Novelli zusammen mit Crimson Hexagon für das US-Marketingmagazin Ad Age. Eher ernüchternd, die Ergebnisse: Über die in diesem Jahr gelaunchten gebrandeten Apps wurde kaum gesprochen.Wenn Konversationen statt fanden, waren diese relativ neutral und verpufften schon bald nach dem Launch der Anwendung. Es ging mehr um die Tatsache, dass Marke X nun eine Applikation herausgebracht hat. Insgesamt nahmen Konsumenten die Marke nicht positiver wahr als zuvor.

The financial value we can extract from a brand perspective, at least in the two to three months post launch, seems very limited. There’s no remarkable impact corresponding to the iPhone app launch.

Dies erklärt Megan Costello, Managerin bei Crimson Hexagon, einem Unternehmen, das Konsumklimata misst. Für die besagte Studie prüfte Crimson Hexagon den Buzz zu den iPhone Apps von Barnes & Noble, Dunkin’ Donuts, Pizza Hut sowie Whole Foods vor, während und nach deren Launch. Insgesamt wurden 2,4 Milliarden Posts anaylisiert und die Konversationen, die darauf aufbauten.

Die Ergebnisse unterstreichen einmal mehr, dass Applikationen vielleicht eine kurzzeitige Aufmerksamkeit schaffen. Sie können die Kundenbindung vertiefen und vielleicht die Umsätze innerhalb eines kurzen Zeitraums steigern. Für eine langfristige Bindung an die Marke sind sie aber gänzlich ungeeignet.

Das liegt laut Porter Novelli-Chef Joe Russo auch an der Vielzahl der Anwendungen. John Makkar vom Digital Attention Blog zählt dato 270 Brand-Apps allein in USA (s. Google-Spreadsheet). Nicht zu vergessen, dass die Markteinteile des iPhone aktuell immer noch unter 10 Prozent liegen, so die Schätzung von Gartner-Analysten.

Die gute Nachricht der Studie: Marken brauchen nicht unbedingt eine App, wie Ed Schneider von Crimson Hexagon hervorhebt:

Apps may really be connecting with a really engaged segment of a brand’s audience, so [brands] could simply dip their toes in the water, gauge user feedback and not feel they have to launch a best-in-class experience right away.

Brian Solis glaubt, dass gerade große Unternehmen ihr Potential im Bereich der iPhone Apps bereits ausgeschöpft haben. Vielmehr liegt die Zukunft der mobilen Applikationen bei den zahlreichen kleinen, unbekannten Brands: sie haben so die Chance einen Kanal zu ihren Konsumenten zu schaffen:

The true opportunity for branded apps however, isn’t relegated to the corporate giants who will no doubt continue to experiment with portable experiences. The real promise lies in the potential for individuals and small businesses to participate in mobile branding and engagement. Whereas the social Web democratized the ability to create and publish content while equalizing the opportunity for influence, mobile apps represent the syndication channels that will propel content into the hands of potential customers, stakeholders and advocates wherever, whenever.

Solis integriert die Apps als Teil seines goldenen Dreiecks der Kommunikation, das in der komplexen Social Media Welt für unsere Aufmerksamkeit und Interakion mit der Marke sorgt. Das Engagement einer Marke verpackt in “Micro-Erlebnisse”:

Blogs vs. Microblogs = Apfel vs. Birne?

Veröffentlicht am 27. November 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Game Changer, Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0

Bloggen ist nach wie vor in, dieses Fazit ergab sich aus dem Beitrag Der Kampf um die digitale Aufmerksamkeit. Noch vor einem Jahr glaubten Experten wie Wired-Autor Paul Boutin den baldigen Tod der Web-Tagebücher vorherzusehen:

The blogosphere, once a freshwater oasis of folksy self-expression and clever thought, has been flooded by a tsunami of paid bilge. Cut-rate journalists and underground marketing campaigns now drown out the authentic voices of amateur wordsmiths. It’s almost impossible to get noticed, except by hecklers. And why bother? The time it takes to craft sharp, witty blog prose is better spent expressing yourself on Flickr, Facebook, or Twitter.

Totgesagte leben länger: Blogs sind wieder auf dem Vormarsch, wie aktuelle Comscore-Ergebnisse belegen. Die Anzahl der Besucher auf Blogs steigt rasanter an als die auf den Microblogs. Für Twitter.com kommt nach dem starken Wachstum in diesem Jahr jetzt erstmals die Ernüchterung: statt der 48,4 Millionen noch im September zählt Comscore nur noch 48,3 Millionen Besucher auf der gehypten Microblog-Seite (angemerkt sei, dass Clients wie Seesmic keinen Rückgang verzeichnen). WordPress, der größte Blogbetreiber dagegen, allein konnte innerhalb von einem Monat ganze 10 Millionen Besucher hinzugewinnen – mit 151,8 Millionen also deutlich stärker besucht als Twitter.

Bildschirmfoto 2009-12-04 um 12.03.08

Äpfel lassen sich nun einmal nicht mit Birnen vergleichen. In eine 140-Zeichen-Nachricht verpackt man prägnante Inhalte, die in Blogs ausgearbeitet werden können. Blogs ergänzen Twitter und umgekehrt. Entsprechend arbeiten auch die meisten Unternehmen, die in Social Media unterwegs sind, mit beiden Tools.

Twitter ist also ebenfalls nicht tot. Der betrachtete Zeitraum ist zu gering, um auf einen Trend zu schließen. Kurze Botschaften spiegeln den Zeitgeist des “Realtime”. Wir nehmen das wahr, was gerade in den Strom unserer Aufmerksamkeit fällt, alle anderen Informationen gehen in der Masse. Eric Schonfeld von Techcrunch merkt außerdem an, dass die neuen Twitter-Features “Listen” und “Retweet Button” erste verheißungsvolle Verbesserungen für Twitter sind. Er glaubt, dass die geplante Implementierung der “Geolocation“  Twitter zu weiterem Wachstum verhelfen werden. Sicherlich hat Evan Williams mit seinem 140-Zeichen-Imperium noch andere Erweiterungen in petto. Nicht umsonst ist im nächsten Jahr ein IPO anvisiert…