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24. März 2010
von
Anna Friedrich
Soziale Netzwerke sind die neue Aktionsbühne für das Volk. Während der Konsument sich der digitalen Revolution voll und ganz hingibt, sind Qualitätsmedien längst nicht so weit. Sie sehen sich auf der Suche nach profitablen Online-Geschäftsmodellen als Konkurrenz. Dabei sollten sie vielmehr gemeinsam gesellschaftspolitische Verantwortung übernehmen, so der ZDF-Intendant Markus Schächter an den Mainzer Tagen der Fernsehkritik.
In seiner Eröffnungsrede (PDF) warnt er vor der Vermengung von Blogs, sozialen Netzwerken und klassischen Medien. In einer Welt “digitaler Kakophonie” besteht die Gefahr, dass die Glaubwürdigkeit der Medien im Kampf um die Klickraten auf der Strecke bleibt. User-generierte Inhalte in den sozialen Netzwerken, so eine seiner Thesen, dürfen aufgrund ihrer Laienhaftigkeit professionellen Journalismus nicht ersetzen. Im Gegenteil: sie sind Anlass für Qualitätsmedien, sich in sozialen Netzwerken neu zu (er)finden. Echtheit trotz Echtzeit – keine einfache Aufgabe. Schächter fragt als journalistischer Stellvertreter nach der neuen Rolle der Medien:
Wie kann aus Zufalls-, Individualitäts- und Begegnungs-Journalismus die für unsere Gesellschaft so wichtige Glaubwürdigkeits-Publizität werden? Wo bleiben die Axiome eines bisher selbstverständlich dominanten Ethos von Information, bei dem journalistische Professionalität als Glaubwürdigkeitsagentur fungierte? Es ist alles andere als selbstverständlich, dass klassischer Journalismus auch in der digitalen Welt seine gesellschaftlichen Aufgaben wahrnehmen kann.
Anders als in USA hat es Qualitätsjournalismus im Netz hierzulande schwerer. Das liegt nicht nur an der Akzeptanz, sondern auch am Fehlen eines sinnvollen Erlösmodells für Medienkonzerne und -verlage. Der ZDF-Intendant erklärt daher den Wandel des Journalismus zum Gesellschaftsproblem, für dessen Lösung letzendlich neben den öffentlich rechtlichen Sendern auch die Politik verantwortlich ist:
Im opulenten Vollbesitz aller technischen Möglichkeiten darf eine Mediengesellschaft das kostbare Gut medialer Seismographen als soziales Frühwarnsystem für die relevanten Themen und Probleme nicht verantwortungslos verschleudern. Die soziale Verantwortung und Herausforderung liegt nicht alleine bei den Qualitätsmedien, sondern wesentlich auch in den medienpolitischen Rahmenbedingungen.
Das Internet ist eine Schatzsammlung für Quellen aller Art – hierzulande leider nur teilweise als solche geschätzt. Journalisten sollten von dem Fundus in Blogs und auf Twitter profitieren, das befürwortet auch der für seine Recherchen ausgezeichnete Guardian-Journalist Paul Lewis:
I wasn’t convinced about Twitter at first, but it quickly turned out to be quite useful for investigating. Twitter is not just a website and not micro-blogging, it is an entirely different medium- like email, fax ore even newspapers. The way in which information travels on Twitter – the shape of it – is different to anything that we’ve previously known.
Die digitale Informationsflut vernichtet den Wunsch der Bürger nach Qualitätsjournalismus. Für Schächter gibt es entsprechend der Einstellung von Lewis nur eine Quintessenz:
Wir können, sollen und müssen vielem im Netz misstrauen, aber wir müssen uns selbst ins Netz trauen – und uns dort auch etwas zutrauen -, damit uns am Ende vor allem die Menschen vertrauen.
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18. März 2010
von
Anna Friedrich
Journalisten sind neutral und unabhängig, so zumindest der Berufsethos. Aber “erst kommt das Fressen und dann die Moral.” Denn dem Australian Centre for Independent Journalism (ACIJ) und dem Medienportal Crikey liegen andere Befunde vor, nach denen Medienmacher durchaus beeinflussbar. Eine ausführliche Medienanalyse ergab, dass über die Hälfte (55 Prozent) der untersuchten Texte unter PR-Einfluss entstanden. In der größten australischen Boulevardzeitung, The Daily Telegraph, waren durchschnittlich gar 70 Prozent aller Inhalte das Ergebnis von PR. Die etwas seriösere Tageszeitung, The Sydney Morning Herald kommt vergleichsweise glimpflich davon mit etwa 42 Prozent ge”spin”ter Artikel.
Hierzu nahmen 40 Studenten im Zeitraum von sieben Tagen 2203 Artikel aus 10 Tageszeitungen unter die Lupe. Sie analysierten und kritisierten Sie die Inhalte und befragten jeden einzelnen Journalisten persönlich, um einen möglichen PR-Effekt zu beurteilen. Größtenteils fühlten sich die Schreiber angegriffen von den Fragen. Was aber ist dabei, wenn Unternehmen bzw. ihre PR-Vertreter mit den Medien in Kontakt stehen und sie auf dem Laufenden halten? Es dient ihnen zur Image-Pflege und verkürzt die ohnehin knappe Recherche-Zeit des Redakteurs.Die einst “rasenden Reporter” kämpfen in einer Branche, die voll unter der Krise leidet. Spin Doctors wissen, wie der Markt läuft und haben spannende Geschichten in petto. Eigentlich eine Win-Win-Situation, wäre es denn so einfach.

Chris Mitchell, Chefredakteur von The Australian, war einer der wenigen ehrlichen Kandidaten. Er verteidigt das Verhalten mit dem Wandel des Journalismus:
It’s very difficult I think, given the way resources have drifted from journalism to public relations over the past 30 years, to break away as much as you really want to … I guess I’m implying, the number of people who go to communications school and go into PR over the years has increased and the number in journalism has shrunk even more dramatically.
Die Gratiskultur im Netz erschwert die materielle Unabhängigkeit für Medienmacher deutlich. Informationen in Blogs, Foren und soziale Netzwerken verwischen die Grenzen zu “offiziellen” Quellen sowieso. Noch gibt es den unabhängige Journalisten, allerdings stirbt die Wertschätzung für hochwertige Beiträge aus, so die Fernsehmoderatorin und Journalistin. Doch ist Unabhängigkeit ein unbedingtes Muss, um Qualitätsjournalismus am Leben zu erhalten, davon ist Maybritt Illner überzeugt:
Journalismus ist etwas anderes: ein Handwerk. Seine Grundlage ist die gründliche Recherche, die Informationen prüft und gewichtet und anschließend auch kommentiert.
Der Bedarf an Inhalten steigt, während die Anzahl von Journalisten, die von ihrem Job leben können, stetig abnimmt. Ein funktionierendes Gebührenmodell für Online-Medien gibt es (immer noch) nicht. Auch deshalb findet eine Verschiebung statt, die “rasenden Reporter” werden zu dankbaren Abnehmern von Geschichten, die Ihnen quirlige PR-Berater liefern. Das bestätigt auch Frau Illners Aussage:
Wussten Sie, dass es in den USA schon lange und jetzt auch in Berlin mehr PR-Leute, Pressesprecher und Werber gibt als Journalisten? (…) In den USA erleben wir ein Massensterben von Qualitätsmedien (vor allem Zeitungen), in Frankreich stützt der Staat Zeitungen und Online-Medien mit Milliarden.
Staatliche Subventionen brauchen, um das Überleben des Journalismus zu sichern? Ein Journalist ist immer noch unabhängig, wenn er selbst darüber entscheidet, ob eine ihm zugetragene News interessant und relevant ist. Mit welcher Tonalität und aus welchem Standpunkt er diese aufbereitet, obliegt nach wie vor ihm.
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2. November 2009
von
Anna Friedrich
Darauf hat die Welt gewartet: Ab sofort kann ich mit dem MySkyStatus meinen Twitter- und Facebook-Kontakten mitteilen, wann ich wo mit welchem Lufthansa-Flug über den Wolken bin. Die Web 2.0-Generation lebt und liebt ihre digitale Identität – manchmal mehr als alles andere. Doch gleichzeitig gibt sie mit jedem weiteren Foto, Kommentar oder Status ein Stück ihrer Privatsphäre auf und macht sich damit verfolgbar, immitierbar und vor allen Dingen öffentlich.
Wie bei Talentshows à la DSDS oder “Das Supertalent” kann man sich durch Exhibitionismus im Internet profilieren oder aber glimpflich scheitern (und so oder so auch schnell wieder vergessen werden). Wer keine Inhalte teilt, der existiert jedoch nicht, das betont Mashable-CEO Pete Cashmore:
We’re living at a time when attention is the new currency. (…) Those who insert themselves into as many channels as possible look set to capture the most value. They’ll be the richest, the most successful, the most connected, capable and influential among us.
Die “Dauerveröffentlicher” im Netz sollten aber daran denken, dass das Netz – im Gegensatz zur DSDS-schauenden TV-Meute – nichts vergisst: Einmal Publiziertes ist kaum zu entfernen. Tweets beispielsweise werden zwar aus dem eigene Profil gelöscht, sind aber über die Twitter-Suche immer noch zu finden. Mit negativen bzw. nachteiligen Social Media-Einträgen können nicht nur Unternehmen wie Jack Wolfskin ihren Ruf ruinieren, sondern auch Privatpersonen.
Insbesondere Bewerber können ihre Online-Präsenz als Türöffner zur beruflichen Entwicklung nutzen. Wenn sie es aber falsch angehen, verbauen sie sich häufig Chancen. Dass der eigene Ruf online kriegsentscheidend wird, bestätigt auch Jochen Mai, Karriere-Experte und Redakteur der WirtschaftsWoche:
Es geht nicht mehr so sehr darum, wen du kennst, sondern darum, wer dich kennt. Wer im Netz nicht gefunden wird, hat künftig das Nachsehen. Und wessen Online-Profil keinen seriösen oder kompetenten Eindruck macht, auch.
Das heißt umgekehrt nicht, dass Angestellte sich um ihre digitale Identität kümmern müssen. Im Gegenteil: wie Pete Cashmore feststellt, haben viele Journalisten unabhängig von der Website ihrer Zeitung eigene Publikationskanäle, die sie wiederum (oder gerade deshalb) unentbehrlich für ihren Arbeitgeber machen können.
So gibt es auch hierzulande zahlreiche renommierte Journalisten, die sich auf Twitter einen breiten Zuhörerkreis aufgebaut haben und teilweise auch privat bloggen. Die Internetgemeine betrachtet Thomas Knüwer, Holger Schmidt, Jochen Mai, Mario Sixtus, Olaf Kohlbrück & Co. gleichzeitig Follower als Vertreter des jeweiligen Mediums an (hier meine Journalisten-Twitter-Liste).
Aufmerksamkeit heißt die neue Währung. Denn je mehr Informationen auf allen Kanälen, von TV über Video hin zum Internet verbreitet werden, desto schwieriger ist es, in einem Meer von Daten hervorzustechen. Deshalb gilt: participate or fade into a lonely obscurity.
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8. Juni 2009
von
Anna Friedrich
Kaum lässt eine plausible Quelle im Internet eine “News” verlauten, so verbreitet sich diese in Windeseile. Dabei schenken wir Alpha-Blogs häufig genauso viel Glauben wie einer renommieten Zeitung. Aber sowohl Blogger als auch Journalisten können irren. Genau darum dreht sich die aktuelle Diskussion, die gerade zwischen der NYT und der amerikanischen Blogossphäre, darunter Jeff Jarvis und Michael Arrington, statt findet.
Die Liste von verbreiteten Gerüchten im Netz ist lang. So verkündete Michael Arrington kürzlich, dass Apple erwäge, Twitter zu kaufen. Dabei griff er aber lediglich auf eine Diskussion auf Gawker zurück “Could Apple by Twitter?“, die in der Kategorie “Rumormanga” veröffentlicht wurde.
Für Damon Darlin ist diese Art der Berichterstattung unvertretbar. Er findet, dass ihre Inhalte keine Kredibilität haben und beschuldigt solche Blogger in der Sonntagsausgabe der NYT indirekt der “Sensationsgeilheit“:
Such news judgment is not unusual among blogs covering tech. For some blogs, rumors are their stock in trade. (…) But seeking credibility may be a less-important strategy for the blogs at this stage. (…) Mr. Arrington and the other bloggers see this not as rumor-mongering, but as involving the readers in thereporting process.
Eine ähnlich fragwürdige Verbreitung von Gerüchten entsteht im Netz häufig bei aktuellen Ereignissen wie dem Amoklauf in Winnenden vor wenigen Monaten (mehr dazu im Blogbeitrag Glaubst du dem Internet?) oder aber der Schweinegrippe (Pandemisches Treiben auf Twitter).
Dennoch gibt es doch genauso viel schlecht recherchierte Beiträge von Journalisten wie auch von Bloggern. Gizmodo deckte beispielsweise den falschen CNBC-Report über Steve Jobs’ angeblichen Rücktritt auf. Und genauso verbreitet auch die NYT bewusst Gerüchte: Martin Margiela to exit Margiela?. Sensationsfokussierte Medien wie Bild, InTouch & Co. sind zwar kein adäquater Vergleich, da ihr Anspruch auf Qualitätsjournalismus gering ist. Dennoch zeigt doch die Wirkung deren Nachrichtenverbreitung, wie leicht es ist, Gerüchte in die Welt zu streuen. Ob das nun aus der Feder eines Bloggers oder eines Journalisten stammt – ist das am Ende des Tages noch wichtig?
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19. September 2008
von
Anna Friedrich
Die Macht des Internetgiganten Google wirkt sich sogar auf die Marktkapitalisierung von Unternehmen aus. Letzte Woche vermeldete der Newsservice “Google News” den Konkurs von United Airlines – dass die Meldung schon sechs Jahre alt war, wusste zu diesem Zeitpunkt Niemand, zumindest nicht der Chicago Tribune.
Als Reaktion auf diese Konkursmeldung veröffentlichte die Onlineausgabe der Tageszeitung Sun Sentinel einen Artikel – mit verheerenden Auswirkungen. Die Aktie der United Airlines fiel innerhalb von 12 Minuten um 75 Prozent von von 12 auf 4,05 US-Dollar, mehr als eine Milliarde Dollar (!) wurden vernichtet. Und das alles wegen einer Falschmeldung. Denn der Airlinebetreiber hatte keineswegs Konkurs angemeldet. Die Meldung von vor sechs Jahren wurde versehentlich von einem Google-Computerprogramm als neu ausgegeben.
Nachdem der Fehler aufgefallen war, entfernte der Chicago Tribune den Artikel sofort von seiner Seite und entschuldigte sich in einem Pressestatement:
A Chicago Tribune story written in December 2002 regarding the United Airlines bankruptcy filing that year was apparently picked up by an investment advisory and research firm and republished as though it was current, (…) The story was located in the archive section of the Web site of the Sun Sentinel in South Florida. The story contains information that would clearly lead a reader to the conclusion that it was related to events in 2002. In addition, the comments posted along with the story are dated 2002.
Bei der Schuldfrage geht es nicht darum, wer versagt hat. Klar war es ein Fehler, die Konkursmitteilung und darauf aufbauend den Kurssturz nicht näher zu analysieren. Zwischen der Tribune-Gruppe und Google ist ein Streit entfacht. Ein Sprecher von Tribune spricht von der “Unfähigkeit des automatischen Google-Systems” spricht und macht Google für das Auftauchen der Falsch-Nachricht verantwortlich. Google wiederum spielt den Ball zurück und behauptet gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass der Artikel eindeutig datiert gewesen sei, da er sonst nicht in das Nachrichtenangebot aufgenommen worden wäre.
Aber, das Problem ist doch ein ganz anderes. Nämlich, wer macht die News? Mensch oder Maschine? Thomas Schuler von der Süddeutschen Zeitung schreibt hierzu:
Niemand kontrollierte und hinterfragte die Aktualisierung. Die Aktie wurde für einige Stunden aus dem Handel genommen. Bis zum Abend war sie stabilisiert, die Börsenaufsicht SEC kündigte eine Untersuchung an. Damit schien das Problem an der Börse geregelt, nicht aber das Problem des Journalismus.
Woher also nehmen wir die News? Wem schenken wir größeres Vertrauen?
Google News ist nicht verlässlich, weil ein mathematischer Suchalgorithmus fehlbar ist. Ausserdem ist das, was Google uns präsentiert, Mainstream. Bloß, weil es die vielgelesenen Artikel zum Thema sind, kann man nicht darauf vertrauen, dass die Informationen richtig oder wahr sind. Oder sollen wir in diesem Fall der Schwarmintelligenz vertrauen?
Journalisten recherchieren häufig nicht gründlich genug. Das liegt sicherlich auch am Zeitdruck – denn Zeitungen müssen Kosten einsparen. Dass Irren menschlich ist, wissen wir bereits seit Homer. Und der Fall von United Airlines hat die Auswirkungen von “blinder” Akzeptanz der klassichen Nachrichtenberichterstattung einmal mehr unter Beweis gestellt.
In einem Interview mit der SZ nahm John Lloyd, Medienexperte und Direktor am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford Universität Stellung zum Verhältnis von Journalisten zu Google News:
Google News” ist derzeit eher unser Feind als Verbündeter. Und zwar weil dort Nachrichten nicht selbst produziert, sondern einfach Anderen weggenommen werden. Dadurch wird die Anziehungskraft derer geschwächt, die fürs Nachrichtensammeln bezahlen müssen. Die stellen Google unfreiwillig ihre Ressourcen zur Verfügung und bekommen nichts zurück.
Immerhin scheint sogar Google selbst sich Sorgen zu machen – spätestens nach der provkanten Veröffentlichung von Nicolas Carr “Is Google making us Stupid?“. Auf einer Konferenz äußerte sich Google-CEO Eric E. Schmidt kürzlich skeptisch gegenüber der Zukunft des Journalismus. Er befürchtet, dass investigativer Journalismus ausstirbt und zwar zusammen mit der Zeitungsindustrie, die einst ihr Verfechter war. Gegenüber der New York Times sagte er, dass Google von qualitativ hochwertigen Inhalten lebt – womit er ja auch recht hat.
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29. August 2008
von
Anna Friedrich
Always on und zwar auf dem gesamten Globus – das sind zur Zeit auch die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain. Nie waren Diskussionen zu Politikern so präsent in Weblogs, Foren und Netzwerken wie in den aktuellen Wahlen in den Vereinigten Staaten.
Die Wahlkampfmanager setzen eifrigst Web 2.0-Anwendungen als Kommunikationsmöglichkeit mit den Wählern ein. Gleichzeitig sehen sie sich durch die nutzergenerierten Webinhalte konfrontiert mit einer vorher nie da gewesenen Macht von Wählern, die ihre Meinung online in Blogs und Co. kund tun. Digitale Mundpropaganda von Tagebuchschreibern beeinflusst die Stimmung sehr viel stärker als die Berichterstattung – vermeintlich neutraler – klassischer Journalisten. US-Wähler informieren sich bevorzugt über “inoffizielle” Quellen, die Meinung der Anderen im Web. Das ist bei den Wahlkampfstrategen angekommen.
Auf dem Parteitag in Denver beispielsweise wurde eigens für Blogger ein Zentrum errichtet. Ein Symbol für das Ausmaß der Macht der Blogschreiber, aber auch für die Legitimierung des Mediums “Blog” für die Berichterstattung. Einer der ersten und einflussreichsten Blogs in den USA ist POLITICAL WIRE. Weitere politische US-Blogger sind unter anderem Amanda Michel, Mayhill Fowler oder Adam Doster. Auch in Deutschland schenkt man den beiden US-Kandidaten reichlich Beachtung im Netz. Dass das ZDF für den amerikanischen Wahlkampf einen Blog eingerichtet hat, ist nur eines von vielen Beispielen.
Die Marktforscher von Ethority haben das Phänomen “US-Wahlkampf 2.0″ in ihrer aktuellen Analyse genauer unter die Lupe genommen. Dazu haben sie etwa 90.000 Nutzermeinungen zu den beiden US-Kandidaten im Web untersucht. Sie wollten wissen, wie Wahlkampfthemen in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wahrgenommen und reflektiert werden und wie hoch das Gesamtgesprächsaufkommen, der Buzz, je Kandidat ist. Auch analysierten sie, ob die Personen Barack und McCain sowie deren Inhalte in diversen Sprachräumen unterschiedlich wahrgenommen werden.
Demokrat Obama wird, so die Ergebnisse der Untersuchung, in Weblogs, Online-Foren und Newssites aus dem deutsch-, englisch- und spanischsprachigen Raum stärker diskutiert als sein Konkurrent, Republikaner John McCain. Was die Tonalität der Gespräche angeht, so liegt McCain unter den Deutsch- und Spanischsprachigen nur geringfügig hinter Obama. Anders bei den Angelsachsen: sie sehen beide potentielle US-Präsidenten positiver.

Insgesamt finden die digitalen Kommunikationskanäle für politische Diskussionen zur US-Präsidentschaftswahl vor allem in den USA Anklang, doch auch der deutsch- und Spanischsprachige Raum setzt die Web 2.0 Tools intensiv ein. Sicherlich werden deutsche Wahlkampfstrategien sich zukünftig stärker an nutzergenerierten Kommunikationskanälen orientieren müssen, um ihre Zielgruppen zu erreichen. Mehr zu den Ergebnissen berichtet die FTD.
Die USA liefern ein gutes Exempel für den Anbruch einer neuen Ära: der Einsatz von Weblogs, Online-Foren und Newssites schafft neue, vorher nicht da gewesene Partizipationsmöglichkeiten. Neutrale Berichterstattung wird zum Beiwerk bei politischen Diskussionen. Die “neue” Art Wahlkampf und die Einstellung der Wähler wird getrieben von nutzergenierten Meinungenn und Inhalten im Netz. Ethority-Sprecher David Nelles erklärt weiter:
Internetnutzer bewegen sich heute jenseits der Reichweitengrenzen klassischer Medien wie Print oder TV. War es in der Zeit vor dieser digitalen Kommunikation nur sehr schwer außerhalb klassischen Medien, Familie und Freundeskreis seine politische Meinung zu bilden, erweitert sich das willensbildende Forum durch YouTube & Co. exponentiell.
Diese Verschiebung in der Medienlandschaft, das Wichtigerwerden von nutzergenerierten Inhalten, könnte einen Wandel in der Demokratie bewirken. Die Leiterin des Instituts für Politik, Demokratie und Internet an der George-Washington-Universität, Julie Germany unterstreicht gegenüber dem ZDF:
Viele Spezialisten glauben, dass das Internet den politischen Prozess weiter demokratisiert, indem es den Wählern erlaubt, mit den Kandidaten zu kommunizieren, sich selbst einzubinden und ohne Mittelsmänner an Informationen zu kommen.
An diese Veränderung müssen sich die Wahlkampfstrategien und die Kandidaten – auch in Deutschland – anpassen, um bei ihren Wählern anzukommen. Allem voran geht SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der im Namen seiner Partei für neue Standards im Online-Wahlkampf sorgen will. Deshalb ist er eigens zum Parteitag nach Denver angereist, um über Twitter seine ganz persönliche Berichterstattung abzuliefern. Innerhalb der letzten vier Tage stieg die Anzahl seiner Follower von 12 auf 927! Daran zeigt sich doch, dass wir sie auch höeren wollen, diese indiskreten Kommentare von den Großen der Politik.
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27. Juni 2008
von
Mark Pohlmann
Gestern hat Julius Endert als Online-Chefredakteur handelsblatt.de relauncht und heute nun in seinem Blog seinen Weggang verkündet. Das Spannende an der Personalie ist das Wohin: Er entwickelt Formate für Videojournalismus.
Ich habe quasi einen persönlichen Relaunch vor mir, jedenfalls aus beruflicher Sicht.
Ab dem 1. August werde ich für das meiner Meinung nach erfolgversprechendste Startup in diesem Universum als freier Journalist, Formatentwickler und Projektmanager arbeiten. Es ist die von Mario Sixtus alias Elektrischer Reporter gegründete Videoproduktionsfirma Blinkenlichten, die sich nicht weniger vorgenommen hat, „als die deutsche Medienbranche durcheinanderzuwirbeln, den Weltfrieden zu erfinden und die Klimaerwärmung auf den Mars zu verbannen.” Das halte ich für eine sehr reizvolle und spannende Aufgabe und gemeinsam mit Mario für durchhaus machbar. Also, bleiben Sie dran! Oder auch: Yes, we can!
Von dieser Stelle allen Mitarbeitern von Blinkenlichten viel Erfolg! (Gründen ist das letzte Abenteuer dieser Zeit!)
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15. Mai 2007
von
Mark Pohlmann
Gastblogger. Mein erstes Mal. Bei der Axel Springer Journalistenakademie.
Traumberuf PR
Als Gastblogger möchte man ja den Ruhm des Mutterblogs mehren helfen. Nur: Was kann ich da tun? Schließlich habe ich nie eine Journalistenschule von innen gesehen. Ich gehöre noch zur Generation Autodidakt, der gesagt wurde, dass man alles studieren könne, bloß keinen Journalismus. Und dann studierte ich halt was anderes, nur um Journalist zu werden, was ich dann auch prompt nicht geworden bin. So war das damals. Weiterlesen
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5. April 2007
von
Mark Pohlmann
Gerade in einer alten Präsentation von mir gefunden. Ist aber immer noch schön:
36 Prozent aller Pressesprecher glauben, daß Journalisten PR-Praktikern vertrauen. Dies bestätigen 3 Prozent der Journalisten. (Quelle: BdP 2005)