Archiv für die Kategorie ‘Journalisten’

Feindselig

Veröffentlicht am 19. April 2006 von Mark Pohlmann | Journalisten

Verlage werden das Internet und seine Bewohner wohl nie mögen. Zitat heise.de zu “10 Jahre heise-Newsticker”:

Blogger, das sind Personen, die 5 Minuten googlen und dann ihre Wahrheit verkünden.

Kontrolle und Autorität

Veröffentlicht am 08. März 2006 von Mark Pohlmann | Journalisten

Mir aus der Seele spricht Stefan Niggemeier, Medienredakteur der FAZ-Sonntagszeitung (das Original schnell lesen, ist schon sechs Wochen alt):

Es
wird nicht damit getan sein, die neuen Kommunikationstechnologien als
schöne Attrappen in das eigene Angebot zu stellen. Einige Versuche von
Zeitungen, den Hype um Blogs nicht zu verpassen, sind Zeugen eines
großes Mißverständnisses. Das Neue an dieser Technik ist nicht, daß
Journalisten nun auch unter der modischen Rubrik „Blog” Artikel
schreiben können, die dann statt in der Zeitung im Internet erscheinen.
Neu ist die Möglichkeit, ungefiltert, mutig und schnell zu schreiben,
Nicht-Journalisten eine Stimme zu geben, in einen echten Dialog mit
Lesern einzutreten, auf andere Seiten zu verlinken und zu reagieren.

Die „Süddeutsche Zeitung” (um nur ein Beispiel zu nennen) nutzt diese
Möglichkeiten ungefähr so gut wie jemand, der in ein Flugzeug steigt,
um damit schön über die Autobahn zu rollen. Vierzehn Blogs hat die
„SZ”, die meisten Autoren schreiben einmal im Monat etwas rein und
ignorieren dann, was andere dazu schreiben. Das Medium, das dafür
besser geeignet wäre, ist schon erfunden und heißt „Buch”.

Erfolg ist, wenn der richtige Name drauf steht

Veröffentlicht am 20. Dezember 2005 von Mark Pohlmann | Journalisten

Aldi_logoJahresenddepression, anders kann ich es mir nicht erklären, warum hunderte Medien, auch FAZ, FTD oder Stern, so begeistert wie unreflektiert die vermeintliche Erfolgsmeldung übernehmen, Aldi habe in der ersten Woche "schon" 60.000 Mobilfunkverträge verkauft. Ein Erfolg? Vielleicht. Kein Medium jedoch stellt die Vertriebsmacht von Aldi in Relation: über 4.000 Läden haben die Karte im Sortiment. Das macht also ganze 15 Karten pro Laden, bei sechs verkaufsoffenen Tagen sind es 2,5 pro Filiale und Tag. Der Wahnsinn. Der nur zu erklären ist mit dem Reflex, daß alles, was von Aldi kommt, ein Abräumer zu sein hat. Hierfür wiederum gebührt dem Unternehmen voller Respekt.

Workshop Wirtschaftspresse, Erkenntnisse I

Veröffentlicht am 13. Dezember 2005 von Mark Pohlmann | Journalisten

Am vergangenen Freitag fand zum ersten Mal der Workshop Wirtschaftspresse statt. Vielen Dank nochmal an die Teilnehmer, vielen Dank an die Referenten Christian Rickens (Manager Magazin) und Volker Müller (Financial Times Deutschland). Wir planen für das kommende Jahr neue Veranstaltungen, die an dieser Stelle natürlich rechtzeitig bekanntgegeben werden. 

Von heute an werde ich in unregelmäßigen Abständen über die im Workshop gewonnenen Erkenntnisse berichten.

1. Teil: Was Journalisten wirklich brauchen

Wwp_mueller1_4

Nun ist es ja nicht so, daß ein prinzipieller Erkenntnismangel herrscht. Bloß die Dringlichkeit einiger fundamentaler Gesetze des Redaktionsalltages ist nicht immer klar. Dies gilt beispielsweise für das Themenraster einer Zeitung. Wenn die FTD keine Produktvorstellungen macht ("Noch nie"), dann kann man sich jede Meldung in diese Richtung fortan sparen. Eigentlich. Denn noch immer herrscht eine Art Vollkaskomentalität bei den Aussendern nach dem Motto "Könnte ja doch irgendwie interessant sein". Volker Müller sagt, das Gegenteil sei der Fall. Ein jahrelang penetrierter Journalist ist unzugänglicher für wirklich relevante Meldungen: "Ich zucke dann schon zusammen, sobald ich Ihren Firmennamen lese". Der Ausweg lautet: Mut zum kleinen Verteiler, manchmal sogar der komplette Verzicht auf einen Presseaussand.

FAZ greift Stern-Kampagne auf

Veröffentlicht am 11. November 2005 von Mark Pohlmann | Journalisten

Faz_stern_hm3Gestern im Themenblog, und heute schon auf FAZ.net. Das ist Themenmanagement ;-)

"Politikredakteur in Damenbluse"
Daß sich die
Stella-Kollektion zu einem „Hype” entwickeln werde, sei Grund genug für
„Stern.de”, in dieser Weise auf das „Ereignis” einzugehen. Aus rein
„journalistischem Antrieb heraus”, so Plümer. Die Redaktion habe die
Kleider selbst erworben und sehe sich durch „zahlreiche positive
Resonanzen” in ihrer Arbeit bestätigt. Zudem trage man damit der
„Tatsache Rechnung, daß im Online-Bereich eine größere und direktere
persönliche Auseinandersetzung mit den jeweiligen Redakteuren als in
der Print-Welt stattfindet”. Ganzer Artikel hier.

stern findet H&M fabelhaft

Veröffentlicht am 10. November 2005 von Mark Pohlmann | Journalisten

Von Bild.de lernen heißt siegen lernen? Gruner+Jahr läßt sich scheinbar gerne inspirieren und stellt eine neue Qualitätsstufe in der Verbandelung von Berichterstattung und Marketing vor: Stern.de-Redakteure finden die Mode von H&M "fabelhaft", lassen sich als H&M-Model ablichten und werden so selbst zum Kampagnen-Element des Bekleidungshauses. Für einen Verlag, der die journalistische Unabhängigkeit betont wie kaum ein anderer, ist dieser harmlos daherkommende Beitrag ein Paradigmenwechsel, oder irre ich mich? Am Ende wird die Redaktion auch noch beteuern, aus lauter Begeisterung vor die Linse gesprungen zu sein…

Stern_hm_2
"Die Teile sind ja fabelhaft." Das Urteil der
stern.de-Redakteurinnen
über die neue Stella McCartney-Kollektion von H&M war eindeutig.
Beim exklusiven Foto-Shooting präsentiert jede ihr Lieblings-Teil."


————————————–

Nachtrag vom 15.11.2005. Der Stern hat seine Kampagne mittlerweile vom Netz genommen. Deswegen verlinkt das Bild nicht mehr auf stern.de, sondern zeigt das Original in groß.


Wo ist Stoiber? Wir gucken Kanzlerin!

Veröffentlicht am 10. Oktober 2005 von Mark Pohlmann | Journalisten

Großes Tennis & ein schönes Beispiel, wie sogar ein einzelner sich per Themenmanagement in die Weltpolitik einklinken kann. Einziges Problem: Schreiben muß man schon können. Hier die aktuelle Referenz aus Süddeutsche Online: "Wo ist Stoiber? Wir gucken Kanzlerin!" (Unten ist der Anfang.)

In eigener Sache: Die Sache mit der Qualität der Medienarbeit

Veröffentlicht am 20. September 2005 von Mark Pohlmann | Journalisten

Einladung

Wirtschaftsjournalisten diskutieren einen Tag lang mit Unternehmen neue Wege der PR

"Anspruch und Wirklichkeit in der Pressearbeit" lautet das Thema einer neuen Seminarreihe, die der Interactive-Dienstleister SinnerSchrader in Kooperation mit dem Bundesverband Digitale Wirtschaft veranstaltet. Zwei Wirtschaftsjournalisten, Christian Rickens vom Manager Magazin und Volker Müller von der Financial Times Deutschland (FTD), stellen sich in drei Städten jeweils einen Tag der Diskussion mit Führungskräften und PR-Profis.

Der Dialog ist dringend nötig, denn PR schadet nach Einschätzung der Journalisten oft mehr, als sie nützt. Während Kommunikationschefs und Agenturen gerne ihren strategischen Anspruch unterstreichen, leiden die Redaktionen täglich unter einer Flut irrelevanter Unternehmensinformationen. Die Folge: Das Interesse an PR-Themen ist so gering wie nie zuvor. Den Schaden haben die Auftraggeber. Diese Beobachtung trifft nicht nur auf kleine Agenturen oder dem vermeintlich medienunerfahrenen Mittelstand zu. Selbst DAX-30-Unternehmen werden im alltäglichen Umgang nicht unbedingt den Anforderungen der Journalisten gerecht.

Volker Müller kennt als Redakteur der FTD und ehemaliger Bitkom-Sprecher beide Seiten des Schreibtisches. Vieles scheitere schon an handwerklichen Fehlern. "Kommunikatoren kommen oft nicht auf den Punkt", urteilt Müller. Er fordert auch von marktführenden Unternehmen, sich stärker mit dem Wettbewerb auseinanderzusetzen und die Unterschiede zu akzentuieren. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, findet auch Christian Rickens vom Manager Magazin: "Öffentlichkeitsarbeiter müssen lernen, sich in die Denkweise von Journalisten hineinzuversetzen.“ Die Unternehmen betreiben seiner Ansicht nach zu viel Nabelschau und sind oft nicht in der Lage, verwertbare Fakten zusammenzustellen.

Die Seminarreihe will den Unternehmen helfen, ihre Pressearbeit auf inhaltlicher und handwerklicher Ebene kritisch zu überprüfen. Die Referenten geben detaillierte Einblicke in Arbeitsweise, Ansprüche und Zwänge großer Wirtschaftsredaktionen. Fallbeispiele vermitteln pragmatische Tipps, wie die Pressearbeit mit einfachen Mitteln zu verbessern ist. Moderiert wird das Seminar von Mark Pohlmann, Unternehmenssprecher SinnerSchrader Aktiengesellschaft.

Veranstalter ist SinnerSchrader in Kooperation mit dem Bundesverband Digitale Wirtschaft, dem rund 1.000 Unternehmen aus IT und Medien angehören.

Die Termine:
28. Oktober in Hamburg
11. November in Frankfurt
25. November in München
Jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr.

Die Teilnahmekosten betragen 375 Euro inkl. Verpflegung. Mehr Informationen hier oder über Mark Pohlmann, 040/398855-180

Google hat Deutungshoheit

Veröffentlicht am 25. April 2005 von Mark Pohlmann | Journalisten

Google_adwordsNur Google kann die gängigsten Formate der Webwelt als neu verkaufen. Um es kurz zu machen: Google kann jetzt auch nach Tausenderkontaktpreis abrechnen und Banner plazieren. Interessant daran ist, daß die FTD, heise.de & Co. die Google-Sprachregelung unreflektiert übernehmen. Deutungshoheit über Begriffe zu haben, das ist wahre Macht.

Politik statt Sex

Veröffentlicht am 19. Februar 2005 von Mark Pohlmann | Journalisten

Einen interessanten Trend hat der gerade geschaßte RTL-Geschäftsführer Marc Conrad in einem Interview mit dem Medieninformationsdienst epd beschrieben:

"Früher hat RTL den
Zuschauern "das Korsett geöffnet". Heute ist ,Politik der neue Sex’,
damit meine ich alles, was unsere Gesellschaft betrifft."

Dieser Gedanke ist mehrfach interessant. Erstens. Sex ist wichtig, aber für einen Sender wie RTL nicht massenkompatibel genug. Zweitens. Conrad dokumentiert, wie weit die Uminterpretation des Politischen fortgeschritten ist. Politik ist eben nicht das, was uns angeht, sondern was uns aufregt. Der Quotendruck serviert wohltemperierte Erregungshäppchen, die sich beliebig an- und abschalten lassen. Wirkliche gesellschaftliche Relevanz läßt sich schwer auf die gängigen Quotenformate übertragen. Und wo traut sich ein Programmchef an wirkliche Reizthemen ran, gar welche, die Werbekunden beunruhigt? Drittens. Da hat RTL aber noch einen weiten Weg vor sich, wenn es Politik als Sex behandeln will. Das Programm sieht nämlich anders aus – siehe die "Neustarts" des Senders. Ich behaupte mal, daß Conrad auch gehen mußte, weil der Sender mit den Konsequenzen dieser Diagnose (derzeit?) überfordert ist.