Archiv für die Kategorie ‘Medien 1.0’

Gib und dir wird gegeben: Revolutionäre der digitalen Kultur

Veröffentlicht am 06. Juli 2012 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0

Die Medien- und Unterhaltungsindustrie steckt in der Krise: Urheberrechte, Open-Source-Ansätze, Social Media und viele andere Faktoren lassen sich schwer in traditionelle Strukturen integrieren. Doch ein Umbruch funktioniert nur, wenn auch die “Schaffenden” aktiv dazu beitragen – genauso wie ein Unternehmen nur durch die Produktivität seiner Mitarbeiter eine Daseinsberechtigung hat.

Paulo Coelho steht für den Schriftsteller 2.0 des 21. Jahrhunderts und führt selbst den Begriff “Internetuelle” für diese neue Generation der Intellektuellen ein. Er appelliert im ZEIT-Interview an seine Kollegen, auch Blogs, Twitter, Apps und Co. als Kanäle für Publikationen zu begreifen und anzunehmen. Dabei ist er selbst das beste Beispiel:

Ich habe über acht Millionen Fans auf Facebook, mein Blog lesen zwei Millionen Menschen im Monat. Ich kann dort direkt zu meinen Lesern sprechen. Die Verlage haben keine Ahnung davon, wie wichtig so etwas ist. Trotzdem ist die traditionelle Marketingmacht der Verlage und der Buchläden weiterhin unverzichtbar. Das können wir Autoren nicht allein stemmen.

Das Versäumnis der Verleger darf nicht das Versäumnis der Autoren sein. Sie sollten sie sich als eigene Marke verstehen und im Web etablieren. Wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Konsumenten ist, können sie bei Marken im Social Web live mitverfolgen. Wer zunächst nicht an sein Portemonnaie, sondern an die Leidenschaft für die eigene “Kunst” denkt, wird belohnt, davon ist Coelho überzeugt:

Wenn du nicht geizig bist, wird dein Einsatz belohnt.

Das höchste Ziel meines Lebens ist es, gelesen zu werden. (…) Wenn man Opfer einer Piraterie wird, dann ist das eine Auszeichnung, eine Medaille!

Auch die Musikindustrie kämpft mit (oder gegen?) das Zeitalter der Digitalisierung. Warum hat sie nicht bereits vor 10 Jahren etwas wie iTunes geschaffen, fragt Jan Delay im Spiegel-Streitgespräch mit dem Pirat Christoph-Lauer.

“Internetuelle” Musiker mischen längst mit. So hat 50 Cent gerade sein brandneues Album “Murder By Numbers” zum Download für null Cent bereitgestellt. Die Idee “Free” ist nicht neu, aber sie zeigt einmal mehr, dass die Kostenloskultur keinen automatischen Verzicht auf Qualität bedeutet.

Der deutsche Rapper Cro nutzt das Social Web vorbildlich als Publicity-Kanal. Mit fast einer Million Fans auf Facebook, rappte sich der Newcomer mit seiner Panda-Maske erst in die Youtube- und anschließend in die iTunes-Charts. Von 22,5 Millionen Klicks auf Youtube können die Web 2.0-Angsthasen unter den Künstlern nur träumen. Cros Single “Du” rangiert derzeit auf Platz zwei der iTunes Top10 Songs in Deutschland – Coelho behält recht.

Die Kunst der Media Relations: Be unexpected

Veröffentlicht am 25. Januar 2012 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0, PR 1.0, Presseschau

Konsumenten werden von allen Seiten überfrachtet mit der Sehnsucht der Marketiers, Absatz zu generieren, wie Goodbuzz bemerkt. Das gilt aber nicht nur für die Werbebranche. Auch Medienvertreter fühlen sich häufig bombardiert mit “Nachrichten” von Pressearbeitern.

Deshalb gilt für die PR: Standard ist out. Klar gibt es Unternehmensnachrichten, die nicht besonders brisant sind, aber in die Schlagzeilen gehören. Pressemitteilungen ohne jeglichen Neuigkeits- und Innovationsgehalt sind vor allem unerwünscht. Hier ein paar beachtenswerte PR-Regeln:

  1. (1) Gibt es aktuelle Themen, die indirekt mit dem eigenen Produkt oder der eigenen Dienstleistung in Verbindung stehen? Dann ist jetzt die Chance, aktuelle Aufhänger zum Surfen auf der Wahrnehmungswelle zu nutzen und so ins Gespräch zu kommen.
  2. (2) Denn die pure Existenz eines Unternehmens ist meist keine Nachricht - es sei denn, es heißt Apple.
  3. (3) Journalisten denken in Überschriften: Marken- und Unternehmensnamen haben da nur am Rande etwas zu suchen. Im Fokus der Berichterstattung steht stets der Informationswert. Sie dienen also nicht dem Unternehmen, sondern dem Leser.
  4. (4) Pressemittelungen können ein Kanal sein, um Informationen zu verbreiten. Nichts ist jedoch wichtiger, eindrucksvoller und nachhaltiger als ein persönliches Gespräch mit dem Gründer, CEO oder dem Pressesprecher.
  5. (5) Und der individuelle Kontakt bringt gleich noch ein wichtiges Thema für den Journalismus auf den Punkt: Exklusivität. Wer etwas Spannendes zu berichten hat, biete dieses vor dem Aussand seinen wichtigsten Kontakten an. Das bedeutet nicht, dass man eine News Mehreren gleichzeitig anbietet, sondern dezidiert eine Reaktion abwartet und gegebenenfalls bei Absage einen weiteren Journalisten fragt.
  6. (6) Beachtet das Zeitfenster eines Journalisten: Er sitzt nicht da und wartet, bis Ihr anruft. Er hat eine volle Inbox, ein Telefon, das ständig klingelt, ein Redaktionsmeeting (meist Vormittags), auf dem er Vorschläge und Ergebnisse präsentieren muss oder Themen aufnehmen, die die Redaktionsplanung vorsieht und einen Chefredakteur, der wegen des Redaktionsschlusses im Dreieck springt.
  7. (7) Weniger ist mehr: Sorgfältig selektierte Verteiler sind weitaus effizienter als umfangreiche. Schlimmer, als ein Medium zu vergessen, ist es, das falsche Ressort oder gar ein komplett unpassendes Zielmedium zu adressieren.
  8. (8) Hartnäckigkeit gehört manchmal zum Berufsalltag eines PRlers, sollte aber nicht in Nervigkeit ausarten. Ein Mal nachzufragen ist “ok”, wenn es vorher noch kein klares Nein gab. Im Optimalfall kommt aber der Journalist zu euch, genau dann, wenn Ihr es nicht erwartet.

 

Zeitungstod in Deutschland im Jahr 2030?

Veröffentlicht am 01. November 2010 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0, Trends

Ein Mann sieht schwarz für die Druckindustrie. Ganz klar, die Zeitung wird irgendwann aussterben. Bisher gibt es zahlreiche Spekulanten, aber kaum konkrete Vorhersagen. Der australische Zukunftsforscher Ross Dawson behauptet nun, weltweit sterbe die gedruckte Zeitung in 52 Ländern bis zum Jahr 2040 komplett aus. In den USA werden Zeitungen bereits innerhalb der nächsten sieben Jahre aussterben. In Großbritannien und Island gehen sie in 2019 unter, gefolgt von Kanada und Norwegen in 2020 und Australien in 2022. In Deutschland erlische  die Print-Version im Jahr 2030.

Faktoren, die er nach eigenen Angaben bei seiner globalen Prognose einkalkuliert hat: das steigende Preis-Leistungs-Verhältnis von Mobiltelefonen und E-Tablets, die Entwicklung der digitalen Zeitung, Veränderungen beim Zeitungspapier und bei den Produktionskosten, das Begreifen von Monetarisierungsmöglichkeiten für digitale Nachrichten, Trends im Bereich der Werbeausgaben und – etats sowie die Entwicklung offener Plattformen.

Auf nationaler Ebene hat er die Aufnahme von Technologien, die wirtschaftliche Entwicklung, Struktur der Industrie, demographische Gegebenheiten, die Regierung sowie das Konsumentenverhalten betrachtet. Hier sein Ergebnis:

Lediglich in Entwicklungsländern wie Afrika, Teilen von Südamerika und Asien sieht Dawson noch eine etwas längere Überlebenschance:

In the developed world, newspapers are in the process of becoming extinct, driven by rapidly changing use of media and revenues out of line with cost structures.

Die Print-Ausgaben werden, so der Forscher, durch digitale Zeitungen ersetzt werden, die Videos einbinden können, aber auch aufgewickelt und gefaltet werden. Er ist überzeugt davon, dass wir bald noch sehr viel handlichere Tools als iPhone, iPads und Co. haben werden:

The big overlay in all of this is we’ll get digital paper that combines all the qualities of print and the benefits of digital within the next decade.

Apple: Krisen-PR?

Veröffentlicht am 06. Juli 2010 von Anna Friedrich | Corporate Publishing, Medien 1.0, Medien 2.0

Ob iPad oder iPhone 4, die Apple-Produkte werden gehyped wie nie zuvor. Bisher konnte sich der Konzern auf seine Fan-Gemeinde verlassen. Doch angesichts der extremen Empfangsproblemen beim iPhone-Modell der vierten Generation war für die Addicts Schluss mit lustig: Sie verklagten Apple auf Schadenersatz.

Das Problem tausender Nutzer: Wer das Gerät beim Telefonieren links oben am äußeren Rahmen hielt, hatte geringen bis keinen Empfang, da die Antenne zu stark isoliert war. Offenbar war man aber bei Apple nicht auf deartige Vorwürfe vorbereitet.

Empfehlenswert für eine Reaktion in einer solchen “Krise” ist es, den Fehler erst eimal einzugestehen. Davon aber war bei den Kommunikatoren von Steve Jobs keine Spur. Sie dementierten den Fehler und sagten, diese Probelme seien eine “Gegebenheit des Lebens bei jedem Mobiltelefon“. Aber, dem war nicht genug. Im letzten “Brief von Apple” heißt es gar:

We have discovered the cause of this dramatic drop in bars, and it is both simple and surprising. (…) Users observing a drop of several bars when they grip their iPhone in a certain way are most likely in an area with very weak signal strength, but they don’t know it because we are erroneously displaying 4 or 5 bars. Their big drop in bars is because their high bars were never real in the first place.

dsc_2731

Ist doch logisch! Weil die ursprüngliche Emfpangsstärke als zu hoch angezeigt wird, bilden sich die User ein, dass er von 5 Balken auf 0 geht. Netterweise fügt Apple dann noch hinzu, dass die Käufer, die trotz der optimalen Leistung der vierten Generation unzufrieden sind, von ihrem Rückgaberecht Gebrauch machen können.

Apples Balken-Mathematik, wie sie die FTD nennt, könnte nicht nur die Anwälte auf neue Gedanken bringen. Sie zeigt vor allem die Arroganz des Unternehmens und den Versuch, einen offensichtlichen Fehler mit einer fraglichen Messung zu vertuschen. Abgesehen davon, dass es um viel Geld geht ist man sich seiner Fans so sicher, dass man ihre Beschwerden verleugnet.

Die Macht der Spin Doctors

Veröffentlicht am 18. März 2010 von Anna Friedrich | Journalisten, Medien 1.0, Medien 2.0, PR 1.0

Journalisten sind neutral und unabhängig, so zumindest der Berufsethos. Aber “erst kommt das Fressen und dann die Moral.” Denn dem Australian Centre for Independent Journalism (ACIJ) und dem Medienportal Crikey liegen andere Befunde vor, nach denen Medienmacher durchaus beeinflussbar. Eine ausführliche Medienanalyse ergab, dass über die Hälfte (55 Prozent) der untersuchten Texte unter PR-Einfluss entstanden. In der größten australischen Boulevardzeitung, The Daily Telegraph, waren durchschnittlich gar 70 Prozent aller Inhalte das Ergebnis von PR. Die etwas seriösere Tageszeitung, The Sydney Morning Herald kommt vergleichsweise glimpflich davon mit etwa 42 Prozent ge”spin”ter Artikel.

Hierzu nahmen 40 Studenten im Zeitraum von sieben Tagen 2203 Artikel aus 10 Tageszeitungen unter die Lupe. Sie analysierten und kritisierten Sie die Inhalte und befragten jeden einzelnen Journalisten persönlich, um einen möglichen PR-Effekt zu beurteilen. Größtenteils fühlten sich die Schreiber angegriffen von den Fragen. Was aber ist dabei, wenn Unternehmen bzw. ihre PR-Vertreter mit den Medien in Kontakt stehen und sie auf dem Laufenden halten? Es dient ihnen zur Image-Pflege und verkürzt die ohnehin knappe Recherche-Zeit des Redakteurs.Die einst “rasenden Reporter” kämpfen in einer Branche, die voll unter der Krise leidet. Spin Doctors wissen, wie der Markt läuft und haben spannende Geschichten in petto. Eigentlich eine Win-Win-Situation, wäre es denn so einfach.

SPINNINGTHEMEDIAbanner

Chris Mitchell, Chefredakteur von The Australian, war einer der wenigen ehrlichen Kandidaten. Er verteidigt das Verhalten mit dem Wandel des Journalismus:

It’s very difficult I think, given the way resources have drifted from journalism to public relations over the past 30 years, to break away as much as you really want to … I guess I’m implying, the number of people who go to communications school and go into PR over the years has increased and the number in journalism has shrunk even more dramatically.

Die Gratiskultur im Netz erschwert die materielle Unabhängigkeit für Medienmacher deutlich. Informationen in Blogs, Foren und soziale Netzwerken verwischen die Grenzen zu “offiziellen” Quellen sowieso. Noch gibt es den unabhängige Journalisten, allerdings stirbt die Wertschätzung für hochwertige Beiträge aus, so die Fernsehmoderatorin und Journalistin. Doch ist Unabhängigkeit ein unbedingtes Muss, um Qualitätsjournalismus am Leben zu erhalten, davon ist Maybritt Illner überzeugt:

Journalismus ist etwas anderes: ein Handwerk. Seine Grundlage ist die gründliche Recherche, die Informationen prüft und gewichtet und anschließend auch kommentiert.

Der Bedarf an Inhalten steigt, während die Anzahl von Journalisten, die von ihrem Job leben können, stetig abnimmt. Ein funktionierendes Gebührenmodell für Online-Medien gibt es (immer noch) nicht. Auch deshalb findet eine Verschiebung statt, die “rasenden Reporter” werden zu dankbaren Abnehmern von Geschichten, die Ihnen quirlige PR-Berater liefern. Das bestätigt auch Frau Illners Aussage:

Wussten Sie, dass es in den USA schon lange und jetzt auch in Berlin mehr PR-Leute, Pressesprecher und Werber gibt als Journalisten? (…) In den USA erleben wir ein Massensterben von Qualitätsmedien (vor allem Zeitungen), in Frankreich stützt der Staat Zeitungen und Online-Medien mit Milliarden.

Staatliche Subventionen brauchen, um das Überleben des Journalismus zu sichern? Ein Journalist ist immer noch unabhängig, wenn er selbst darüber entscheidet, ob eine ihm zugetragene News interessant und relevant ist. Mit welcher Tonalität und aus welchem Standpunkt er diese aufbereitet, obliegt nach wie vor ihm.

Wissensdurst im Netz befriedigen

Veröffentlicht am 22. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0, Web 2.0

Ich klappe mein Notebook auf und lese als erstes Emails. Während die runterladen, schaue ich auch schon bei Facebook, was sich da über Nacht getan hat: Wer hat eine Freundschaftsanfrage gestellt, wer hat mir eine Seite vorgeschlagen oder mir eine Kurznachricht geschickt? Während ich meinen Kaffee trinke gucke ich in meinem RSS Reader, was die anderen Seiten – Blogs oder Nachrichtenangebote geschrieben haben und verschaffe mir so einen ersten Überblick (…). Erst dann gehe ich zum Briefkasten und hole die Zeitung.

So wie Daniel Fiene, Jahrgang 1982, seinen Tag beginnt, ergeht es mehr und mehr Menschen, vor allem den Digital Natives (Generation ab 1980). Das Internet strukturiert unser Leben und mehr noch: es ist auf dem sicheren Weg, für uns die Informationsquelle Nr. 1. Bereits 56 Prozent aller 20- bis 39 jährigen mit höherem Bildungsstand verlassen sich auf das Internet, um auf dem laufenden zu bleiben. Dies ergibt die neue Allensbacher Technik- und Computer-Analyse (ACTA 2009).

Ein anderes Licht auf das Internet wirft die Nutzung des Internets insgesamt als Informationsmedium: Die Befragung der 14- bis 64-Jährigen ergibt, dass das Internet immer noch eine untergeordnete Rolle spielt. Klassische Medien, wie Fernsehen, Zeitung und Radio sind noch deutlich belieber.

Die rasant ansteigende Nutzung des Internet führt zu einer unaufhaltsamen Datenmasse. Von der fühlen sich gerade ältere Surfer überfordert, die eben nicht mit diesem WWW aufgewachsen sind. Positiv ist aber insgesamt, dass verglichen auch die ältere Generation, vor allem die 50- 64-Jährigen vermehrt an den Rechner trauen und auch das Internet für sich entdecken.

Auch für Facebook liefert ACTA 2009 äußerst positive Ergebnisse. Das soziale Netzwerk konnte die Anzahl der Mitglieder innerhalb von einem Jahr vervierfachen. Und gerade hier machen sich die Silversurfer bemerkbar: 120 000 von insgesamt 4,3 Millionen Facebook-Nutzern in Deutschland sind über 50 Jahre alt.

Interessant ist auch, wie hoch frequentliert Weblogs mittlerweile sind. Laut ACTA 2009 sind 880.000 der Deutschen “regelmäßig oder häufiger” auch Blog-Autoren. 900.000 geben an “regelmäßig oder häufiger” Kommentare zu posten. Insgesamt lesen 16,9 Millionen Menschen in Deutschland nach eigenen Angaben Blogs (von “selten” bis “häufiger”).

Das bedeutet, auch Blogs werden immer stärker als Informationsquelle genutzt. Der Jack Wolfskin-Skandal hat einmal mehr gezeugt, dass Blogs flexibler sind als große Nachrichtenblätter und können daher schneller über neue Eregnisse berichten: Bereits am Samstag Nachmittag gab es auf dem bekannten Werbeblog Werbeblogger einen ersten Beitrag zu den Abmahnungen der DaWanda-Verkäuferinnen. Spiegel online dagegen konnte erst am Montag einen Artikel zum Thema online stellen.

Und täglich grüßt die Informationsflut

Veröffentlicht am 15. Juni 2009 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Zeitungen bewegen sich auf dünnem Eis

Veröffentlicht am 19. Mai 2009 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0

Postkarte an Google?

Veröffentlicht am 06. April 2009 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0

Die Suchanfrage per Google ist heute mehr als selbstverständlich (s. Blogbeitrag Ich google – also bin ich?). Noch vor 15 Jahren hätten wir uns – ohne Internet – wohl eher per Post an Google wenden müssen, wie diese ironische Darstellung vom niederländischen Postkartendienst Boomerang treffend zeigt.

Vanity Fair ist nicht mehr

Veröffentlicht am 19. Februar 2009 von Mark Pohlmann | Allgemein, Medien 1.0

Print zerrint – so betitelte heute turi2 sehr treffend das Aus für das People-Magazin Vanity Fair. Was kommt als nächstes? Hier ein paar lose Gedanken:

- Der Verfall der Celibrity Press ist in erster Linie ein Niedergang der Stars und des Starkultes. Vanity Fair, Park Avenue (die ich persönlich sehr vermisse, obwohl ich auch sie kaum gekauft habe) – sie hatten kein Futter, keine Sensationen und konnten damit zu wenig Nachfrage erzeugen. Das ist deutsche Realität und damit sind die Probleme für diese Mediengattung auch ein Problem der deutschen Gesellschaft. Wir sind dann in der Summe wohl zu langweilig, um interessant darüber zu berichten. Wann – und wie – trifft es Stern, Focus, Bunte & Co.?.

- Mediale Arroganz verkauft nicht. Gut, Ulf Poschardt war eigentlich nicht lange genug dabei, aber das von ihm geprägte Großkotz-Image der Zeitschrift hielt sich tapfer: arrogant, laut, verschwenderisch. Das fing bei den Auflagenankündigungen an und hörte nicht bei den Designertischchen in der Redaktion auf. So in sich selbst verliebt dürfen heute Medienarbeiter nicht mehr auftreten. Denn das macht hässliche Flecken im designten Lebenslauf.

- Billig zieht nicht. Ich habe die Zeitschrift genau einmal gekauft. Damals, als sie sich im Copy-Preiskrieg mit der Park Avenue befand und nur 1 Euro gekostet hat. Dann, als sie wieder 2,50 Euro (glaube ich) kostete war sie mir zu teuer. Merke: Einmal billig, immer billig. Wer es nicht schafft, mit seinem Produkt zu überzeugen, wird es auch über den Preis nicht schaffen. Das ist auch sonst so.

- Es gibt noch immer zu viele Zeitschriften. Magazine werden gegründet, um Werbetreibenden die Rückseite für ihre Anzeigen zu liefern. Das ist legitim. Aber wenn schon reichweitenstarke Qualitätstitel wie Spiegel und Wirtschaftswoche mit historisch dünnen Heftchen rauskommen, wie steht es dann um die ganzen bunten Blätter? Wenn die Capital nur noch 4.000 Kioskkäufer findet, was sollen dann die anderen sagen? Was kommt dann noch auf uns zu?

- Print lebt. Das hoffe ich jedenfalls. Das Digitale ist zwar effizienter, aber Kultur und distributorische Effizienz sind zweierlei. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass genau die Verlage, die jahrzehntelang hohe zweistellige Renditen auswiesen, jetzt die ersten sind, die ihre Mitarbeiter vor die Tür setzen. Wahrscheinlich brauchen wir vor allem neue Verlage oder Verleger, bevor Print wieder eine Perspektive bekommt.

- Digital ist keine Alternative. Mir ist kein Online-Titel eines größeren Verlages bekannt, der überhaupt Geld verdient. Wie sollen sie auch, wenn Spiegel Online 100 Mitarbeiter hat, aber einen TKP von um 2,5 Euro herausholt? Da kann man wachsen wie man will – die Kosten wachsen schneller. Und: Es solle doch niemand glauben, dass das digitale Medienangebot das gleiche bleibt, wenn Print erst einmal geschlagen ist. Noch lebt Internetjournalismus als gigantische Quersubvention. Und wenn im Print kein Geld fließt, ist Online auch am Bettelstab.

- Die Printkrise ist eine Me-too-Krise. Eine Formatkrise. Eine Innavotionskrise. Wo ist die gelebte Berechtigung zwischen Web und TV? Dass Vanity Fair nicht mehr ist, ist eigentlich ein gutes Zeichen. Ich behaupte, dass die Kunden klüger als erhofft waren, denn Vanity Fair war eben doch nicht so neu, wie die Macher selbst es glauben wollten. Neue Nischen werden ständig und immer kleinteiliger bedient, aber wo bleiben die neuen Formate? Wer schreibt die Geschichten, die die Menschen wirklich lesen wollen?

- Das Internet steht sich mit seiner Arroganz selbst im Weg. Die Selbstzufriedenheit ob der Printkrise, die einem von der digitalen Bohème entgegenschlägt, geht mir mächtig auf den Zeiger. Wer nicht versteht, dass wir alle unsere Werbewirksamkeit täglich neu unter Beweis stellen müssen, weil wir sonst nichts mehr auf den Teller kriegen, sollte sich nicht überlegen fühlen. Das Web wird das gleiche Problem wie jetzt Print erleben, wenn sich mobile Formate von dem Internet emanzipiert haben. Wie unabhängige journalistische Qualität ohne Einnahmen funktionieren soll, ist jedenfalls bislang nicht gelöst. 140 Zeichen sind ihre Zukunft jedenfalls nicht.

- Was uns droht, wenn Print denn erst einmal stirbt und Online nicht profitabel wird ( weil sich auch im Internet schon heute niemand für Werbung interessiert) ist – siehe oben – das Monopol der Nachplapperer (bitte nicht zu verwechseln mit Schwarmintelligenz, also der Weisheit der Vielen): Medien, ob User Generated oder nicht, die sich darin genügen, Dinge, die woanders auch schonmal standen, neu zu verpacken. Das ist dann zwar auch irgendwie unterhaltsam, aber eben genauso wenig relevant wie das, was Capital und Vanity Fair heute schon bieten. Aber immerhin: es ist billiger. Das hilft, denn es wird auch hierfür in Zukunft niemand bereit sein, auch nur einen Cent zu zahlen.

- Was ist noch was wert? Keine Ahnung. Aber ich hätte da ein paar Wünsche: Wo bleibt denn überhaupt der Diskurs? Wer bekommt die feigen Banker zum Sprechen? Oder Ypsilanti? Oder wer führt mal die Linken vor? Wer streitet für intelligente Verteilungs- und Motivationsmodelle? Wer bricht Tabus (und wärmt nicht stattdessen alte wieder lauwarm auf wie die Zeit gerade mit ihren Abtreibungsmännern)? Ich würde gerne mehr unbequeme Wahrheiten lesen und unbequem denkende Menschen kennenlernen. Aber was soll’s. Ist wahrscheinlich doch kein Massenmarkt.