So wie Daniel Fiene, Jahrgang 1982, seinen Tag beginnt, ergeht es mehr und mehr Menschen, vor allem den Digital Natives (Generation ab 1980). Das Internet strukturiert unser Leben und mehr noch: es ist auf dem sicheren Weg, für uns die Informationsquelle Nr. 1. Bereits 56 Prozent aller 20- bis 39 jährigen mit höherem Bildungsstand verlassen sich auf das Internet, um auf dem laufenden zu bleiben. Dies ergibt die neue Allensbacher Technik- und Computer-Analyse (ACTA 2009).
Ein anderes Licht auf das Internet wirft die Nutzung des Internets insgesamt als Informationsmedium: Die Befragung der 14- bis 64-Jährigen ergibt, dass das Internet immer noch eine untergeordnete Rolle spielt. Klassische Medien, wie Fernsehen, Zeitung und Radio sind noch deutlich belieber.
Die rasant ansteigende Nutzung des Internet führt zu einer unaufhaltsamen Datenmasse. Von der fühlen sich gerade ältere Surfer überfordert, die eben nicht mit diesem WWW aufgewachsen sind. Positiv ist aber insgesamt, dass verglichen auch die ältere Generation, vor allem die 50- 64-Jährigen vermehrt an den Rechner trauen und auch das Internet für sich entdecken.
Auch für Facebook liefert ACTA 2009 äußerst positive Ergebnisse. Das soziale Netzwerk konnte die Anzahl der Mitglieder innerhalb von einem Jahr vervierfachen. Und gerade hier machen sich die Silversurfer bemerkbar: 120 000 von insgesamt 4,3 Millionen Facebook-Nutzern in Deutschland sind über 50 Jahre alt.
Interessant ist auch, wie hoch frequentliert Weblogs mittlerweile sind. Laut ACTA 2009 sind 880.000 der Deutschen “regelmäßig oder häufiger” auch Blog-Autoren. 900.000 geben an “regelmäßig oder häufiger” Kommentare zu posten. Insgesamt lesen 16,9 Millionen Menschen in Deutschland nach eigenen Angaben Blogs (von “selten” bis “häufiger”).
Das bedeutet, auch Blogs werden immer stärker als Informationsquelle genutzt. Der Jack Wolfskin-Skandal hat einmal mehr gezeugt, dass Blogs flexibler sind als große Nachrichtenblätter und können daher schneller über neue Eregnisse berichten: Bereits am Samstag Nachmittag gab es auf dem bekannten Werbeblog Werbeblogger einen ersten Beitrag zu den Abmahnungen der DaWanda-Verkäuferinnen. Spiegel online dagegen konnte erst am Montag einen Artikel zum Thema online stellen.
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15. Juni 2009
von
Anna Friedrich
Twitter, Email, Facebook, Spiegel Online, Tagesschau, FAZ, Wirtschaftswoche und Co. Wer kennt das nicht: man will ein bestimmtes Thema bei Google recherchieren, landet aber plötzlich auf einer interessanten Internetseite, die rein gar nichts mit dem eigentlichen Vorhaben zu tun hat. Kurze Zeit später findet man sich bei Amazon oder Ebay wieder, um sich eventuell ein Buch oder einen Artikel dazu zu bestellen. Im Labyrinth des Informationswirrwars verirren wir uns nur zu gerne. Wie viel kann unser Hirn eigentlich in dieser rasant wachsenden Welt an Informationen noch aufnehmen?
Wissenschaftler glauben, dass die digitale “Flut” der 24-Stunden-Berichterstattung und des Non-Stop-Infotainments uns stark beeinflussen. Den Überblick haben wir demnach längst verloren. Die Informationsmassen versetzen uns in Stress und führen dazu, dass wir nicht mehr logisch denken oder uns nicht mehr in andere hineinversetzen können.
Untersuchungen deuten an, dass wir jetzt den historischen Punkt in der menschlichen Evolution erreicht haben: die von uns geschaffene digitale Welt fängt an, die Fähigkeit unserer Neuronen, Informationen zu überarbeiten, zu überholen.
Das Ergebnis: unsere Gehirne sind vollgemüllt mit Daten und werden gleichgültig gegenüber den Problemen und Nachrichten der Welt. Wir fliehen statt dessen in “einfache” Welten, wie dem Kontest der Germany’s Next Topmodels beispielsweise. Der Informationsüberfluss versetzt unser Hirn in eine Art Jetlag. Angstzustände und Depressionen sind die Folge, so die Forscher. Mehr dazu gibt es in diesem Times-Artikel.
Bill Farren hat diese Problematik in einem schönen Film über unsere Pseudo-Informationsgesellschaft zusammengefasst. Ein sehr treffendes Zitat daraus:
We’ve never had so much information about this planet. Yet our ability to live well on it continues to decline.
Nach dem Domino-Prinzip kündigen mehr und mehr Zeitungen ihr Ende an. Und das nicht zuletzt, weil ihnen aufgrund der Finanzkrise die Anzeigenkunden ausbleiben. Aber auch die Printmedien haben gute Chancen, zu überleben. Sie müssen nur die richtigen Taktiken anwenden, glaubt man einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC. Der Clue für die – meist eingefahrenen – Zeitungshäuser: offen für neue Strategien und Geschäftsmodelle sein. Hier ein paar Trends aus der Untersuchung Auf dem Weg ins digitale Zeitalter: Zeitungsverlage auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen:
Umsatzquellen erweitern
Das Medienverhalten ändert sich und die junge Leserschaft bevorzugt andere Medienkanäle. Daher sollten Zeitungen ihre Inhalte weiterverkaufen an andere Printmedien, Websites oder Anbieter von mobilen Anwendungen beispielsweise. Sie sichern sich so Marktanteile und bleiben im Massenmarkt – eines der wichtigsten Argumente für die Anzeigenkunden. Ganz nach dem Motto “Content is king” bleibt der Inhalt die Basis für die Zeitungen – bloß die Distributionskanäle müssen vervielfältigt werden.
Nischenmärkte bedienen
Der Trend bewegt sich immer weiter weg vom Massen- hin zu Nischenmarkt. Wer spezialisierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu einem bestimmten Thema zu bieten hat, erreicht auch spezifische Zielgruppen. Der Streuverlust bleibt gering und die Werbepreise geraten nicht so stark unter Druck.
Kosten einsparen
Ganz klar müssen die Kosten sinken. Damit haben die meisten Verlage ja bereits angefangen – sei es durch Entlassungen oder sonstige Einsparungen. Viele Medienhäuser nutzen nun mehrere Kanäle, anstatt sich nur auf gedruckte Versionen zu konzentrieren. Fokus ist und bleibt aber das Erstellen von hochwertigen Informationen.
Trotzdem: Print wird noch viele Jahre die wichtigste Einnahmequelle für die Verlagshäuser sein. Auch wenn die Ausgaben für die Online-Werbung weiter wachsen. Laut Bitkom stiegen die Ausgaben der Werber im ersten Quartal 2009 immerhin um 11,9 Prozent an.
Dass die Branche sich in einem grundlegenden Wandel befindet, deuten auch Studienergebnisse aus den USA an. Demnach bestellten 22 Prozent der Internetnutzer ihr Zeitungsabonnement ab, weil ihnen das Internet ähnliche Informationen liefert. Dafür schätzen 61 Prozent der befragten Onliner es nach wie vor, ihre klassische Zeitung zu lesen.
Wie man es auch dreht und wendet – die Zeitungen müssen sich “öffnen” für Online-Angebote. Nur so können sie ihre Leser halten und von ihrer Qualität überzeugen.
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6. April 2009
von
Anna Friedrich
Die Suchanfrage per Google ist heute mehr als selbstverständlich (s. Blogbeitrag Ich google – also bin ich?). Noch vor 15 Jahren hätten wir uns – ohne Internet – wohl eher per Post an Google wenden müssen, wie diese ironische Darstellung vom niederländischen Postkartendienst Boomerang treffend zeigt.
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18. Februar 2009
von
Mark Pohlmann
Print zerrint – so betitelte heute turi2 sehr treffend das Aus für das People-Magazin Vanity Fair. Was kommt als nächstes? Hier ein paar lose Gedanken:
- Der Verfall der Celibrity Press ist in erster Linie ein Niedergang der Stars und des Starkultes. Vanity Fair, Park Avenue (die ich persönlich sehr vermisse, obwohl ich auch sie kaum gekauft habe) – sie hatten kein Futter, keine Sensationen und konnten damit zu wenig Nachfrage erzeugen. Das ist deutsche Realität und damit sind die Probleme für diese Mediengattung auch ein Problem der deutschen Gesellschaft. Wir sind dann in der Summe wohl zu langweilig, um interessant darüber zu berichten. Wann – und wie – trifft es Stern, Focus, Bunte & Co.?.
- Mediale Arroganz verkauft nicht. Gut, Ulf Poschardt war eigentlich nicht lange genug dabei, aber das von ihm geprägte Großkotz-Image der Zeitschrift hielt sich tapfer: arrogant, laut, verschwenderisch. Das fing bei den Auflagenankündigungen an und hörte nicht bei den Designertischchen in der Redaktion auf. So in sich selbst verliebt dürfen heute Medienarbeiter nicht mehr auftreten. Denn das macht hässliche Flecken im designten Lebenslauf.
- Billig zieht nicht. Ich habe die Zeitschrift genau einmal gekauft. Damals, als sie sich im Copy-Preiskrieg mit der Park Avenue befand und nur 1 Euro gekostet hat. Dann, als sie wieder 2,50 Euro (glaube ich) kostete war sie mir zu teuer. Merke: Einmal billig, immer billig. Wer es nicht schafft, mit seinem Produkt zu überzeugen, wird es auch über den Preis nicht schaffen. Das ist auch sonst so.
- Es gibt noch immer zu viele Zeitschriften. Magazine werden gegründet, um Werbetreibenden die Rückseite für ihre Anzeigen zu liefern. Das ist legitim. Aber wenn schon reichweitenstarke Qualitätstitel wie Spiegel und Wirtschaftswoche mit historisch dünnen Heftchen rauskommen, wie steht es dann um die ganzen bunten Blätter? Wenn die Capital nur noch 4.000 Kioskkäufer findet, was sollen dann die anderen sagen? Was kommt dann noch auf uns zu?
- Print lebt. Das hoffe ich jedenfalls. Das Digitale ist zwar effizienter, aber Kultur und distributorische Effizienz sind zweierlei. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass genau die Verlage, die jahrzehntelang hohe zweistellige Renditen auswiesen, jetzt die ersten sind, die ihre Mitarbeiter vor die Tür setzen. Wahrscheinlich brauchen wir vor allem neue Verlage oder Verleger, bevor Print wieder eine Perspektive bekommt.
- Digital ist keine Alternative. Mir ist kein Online-Titel eines größeren Verlages bekannt, der überhaupt Geld verdient. Wie sollen sie auch, wenn Spiegel Online 100 Mitarbeiter hat, aber einen TKP von um 2,5 Euro herausholt? Da kann man wachsen wie man will – die Kosten wachsen schneller. Und: Es solle doch niemand glauben, dass das digitale Medienangebot das gleiche bleibt, wenn Print erst einmal geschlagen ist. Noch lebt Internetjournalismus als gigantische Quersubvention. Und wenn im Print kein Geld fließt, ist Online auch am Bettelstab.
- Die Printkrise ist eine Me-too-Krise. Eine Formatkrise. Eine Innavotionskrise. Wo ist die gelebte Berechtigung zwischen Web und TV? Dass Vanity Fair nicht mehr ist, ist eigentlich ein gutes Zeichen. Ich behaupte, dass die Kunden klüger als erhofft waren, denn Vanity Fair war eben doch nicht so neu, wie die Macher selbst es glauben wollten. Neue Nischen werden ständig und immer kleinteiliger bedient, aber wo bleiben die neuen Formate? Wer schreibt die Geschichten, die die Menschen wirklich lesen wollen?
- Das Internet steht sich mit seiner Arroganz selbst im Weg. Die Selbstzufriedenheit ob der Printkrise, die einem von der digitalen Bohème entgegenschlägt, geht mir mächtig auf den Zeiger. Wer nicht versteht, dass wir alle unsere Werbewirksamkeit täglich neu unter Beweis stellen müssen, weil wir sonst nichts mehr auf den Teller kriegen, sollte sich nicht überlegen fühlen. Das Web wird das gleiche Problem wie jetzt Print erleben, wenn sich mobile Formate von dem Internet emanzipiert haben. Wie unabhängige journalistische Qualität ohne Einnahmen funktionieren soll, ist jedenfalls bislang nicht gelöst. 140 Zeichen sind ihre Zukunft jedenfalls nicht.
- Was uns droht, wenn Print denn erst einmal stirbt und Online nicht profitabel wird ( weil sich auch im Internet schon heute niemand für Werbung interessiert) ist – siehe oben – das Monopol der Nachplapperer (bitte nicht zu verwechseln mit Schwarmintelligenz, also der Weisheit der Vielen): Medien, ob User Generated oder nicht, die sich darin genügen, Dinge, die woanders auch schonmal standen, neu zu verpacken. Das ist dann zwar auch irgendwie unterhaltsam, aber eben genauso wenig relevant wie das, was Capital und Vanity Fair heute schon bieten. Aber immerhin: es ist billiger. Das hilft, denn es wird auch hierfür in Zukunft niemand bereit sein, auch nur einen Cent zu zahlen.
- Was ist noch was wert? Keine Ahnung. Aber ich hätte da ein paar Wünsche: Wo bleibt denn überhaupt der Diskurs? Wer bekommt die feigen Banker zum Sprechen? Oder Ypsilanti? Oder wer führt mal die Linken vor? Wer streitet für intelligente Verteilungs- und Motivationsmodelle? Wer bricht Tabus (und wärmt nicht stattdessen alte wieder lauwarm auf wie die Zeit gerade mit ihren Abtreibungsmännern)? Ich würde gerne mehr unbequeme Wahrheiten lesen und unbequem denkende Menschen kennenlernen. Aber was soll’s. Ist wahrscheinlich doch kein Massenmarkt.
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19. September 2008
von
Anna Friedrich
Die Macht des Internetgiganten Google wirkt sich sogar auf die Marktkapitalisierung von Unternehmen aus. Letzte Woche vermeldete der Newsservice “Google News” den Konkurs von United Airlines – dass die Meldung schon sechs Jahre alt war, wusste zu diesem Zeitpunkt Niemand, zumindest nicht der Chicago Tribune.
Als Reaktion auf diese Konkursmeldung veröffentlichte die Onlineausgabe der Tageszeitung Sun Sentinel einen Artikel – mit verheerenden Auswirkungen. Die Aktie der United Airlines fiel innerhalb von 12 Minuten um 75 Prozent von von 12 auf 4,05 US-Dollar, mehr als eine Milliarde Dollar (!) wurden vernichtet. Und das alles wegen einer Falschmeldung. Denn der Airlinebetreiber hatte keineswegs Konkurs angemeldet. Die Meldung von vor sechs Jahren wurde versehentlich von einem Google-Computerprogramm als neu ausgegeben.
Nachdem der Fehler aufgefallen war, entfernte der Chicago Tribune den Artikel sofort von seiner Seite und entschuldigte sich in einem Pressestatement:
Bei der Schuldfrage geht es nicht darum, wer versagt hat. Klar war es ein Fehler, die Konkursmitteilung und darauf aufbauend den Kurssturz nicht näher zu analysieren. Zwischen der Tribune-Gruppe und Google ist ein Streit entfacht. Ein Sprecher von Tribune spricht von der “Unfähigkeit des automatischen Google-Systems” spricht und macht Google für das Auftauchen der Falsch-Nachricht verantwortlich. Google wiederum spielt den Ball zurück und behauptet gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass der Artikel eindeutig datiert gewesen sei, da er sonst nicht in das Nachrichtenangebot aufgenommen worden wäre.
Aber, das Problem ist doch ein ganz anderes. Nämlich, wer macht die News? Mensch oder Maschine? Thomas Schuler von der Süddeutschen Zeitung schreibt hierzu:
Woher also nehmen wir die News? Wem schenken wir größeres Vertrauen?
Google News ist nicht verlässlich, weil ein mathematischer Suchalgorithmus fehlbar ist. Ausserdem ist das, was Google uns präsentiert, Mainstream. Bloß, weil es die vielgelesenen Artikel zum Thema sind, kann man nicht darauf vertrauen, dass die Informationen richtig oder wahr sind. Oder sollen wir in diesem Fall der Schwarmintelligenz vertrauen?
Journalisten recherchieren häufig nicht gründlich genug. Das liegt sicherlich auch am Zeitdruck – denn Zeitungen müssen Kosten einsparen. Dass Irren menschlich ist, wissen wir bereits seit Homer. Und der Fall von United Airlines hat die Auswirkungen von “blinder” Akzeptanz der klassichen Nachrichtenberichterstattung einmal mehr unter Beweis gestellt.
In einem Interview mit der SZ nahm John Lloyd, Medienexperte und Direktor am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford Universität Stellung zum Verhältnis von Journalisten zu Google News:
Immerhin scheint sogar Google selbst sich Sorgen zu machen – spätestens nach der provkanten Veröffentlichung von Nicolas Carr “Is Google making us Stupid?“. Auf einer Konferenz äußerte sich Google-CEO Eric E. Schmidt kürzlich skeptisch gegenüber der Zukunft des Journalismus. Er befürchtet, dass investigativer Journalismus ausstirbt und zwar zusammen mit der Zeitungsindustrie, die einst ihr Verfechter war. Gegenüber der New York Times sagte er, dass Google von qualitativ hochwertigen Inhalten lebt – womit er ja auch recht hat.
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23. Juli 2008
von
Anna Friedrich
Das Internet hat ein Aufmerksamkeitsproblem, so Norbert Bolz gestern in einem Interview mit dem Branchenfernsehen turi2.tv. Deshalb glaubt der Professor der Medienwirtschaft auch nicht daran, dass das Web Printmedien ersetzen wird. Im Gegenteil werden Zeitungen & Co. die Nische für seriöse, anspruchsvolle Medien weiterhin für sich beanspruchen können:
Steve Rubel stellt Überlegungen an, die eher gegen rosige Aussichten der Printbranche sprechen: v.a. aus ökologischen Gründen glaubt er, dass sich immer mehr Nutzer sich für Online-Medien entscheiden werden. Nicht umsonst bemühen sich die großen Blätter verstärkt darum, Web 2.0-fähig zu sein.
Trotzdem liefert das Netz zu viele Informationen, die den Nutzer überfordern können. Und sie können die Produktivität senken, wenn man sich als Süchtiger nur noch in Sozialen Netzwerken und Co. “herumtreibt”. Das Filtern von relevanten Informationen im Datenjungel ist für die Meisten ein Ding der Unmöglichkeit.
Versucht man, sich auf die Informationsflut voll und ganz einzulassen, so kann man unter Umständen unnötig seine Zeit verbummeln. Nina Simon illustriert treffend, was in einer Web 2.0-Woche realisierbar ist – abhängig davon, wie viel Zeit Einem zur Verfügung steht. Um im Netz “verrückt” zu werden, braucht man demnach lange:
Aus Norbert Bolz’ Sicht stehen Printmedien nicht in Konkurrenz mit dem Internet: aufgrund der unterschiedlichen Formate finde kein Kanibalismus statt. Denn Massenmedien, so der Medienwissenschaftler, können keine Aufmerksamkeit produzieren. Er fordert deshalb:
Wie war das nochmal? Blogger sind keine Journalisten? Stimmt. Aber Journalisten arbeiten zunehmend wie Blogger, denn sie nutzen zu oft Sekundärquellen, sprich: das Internet. Und hier sind es dann wieder die alten Bekannten: Andere Medien. Und Google. Haben wir es nicht immer schon gewußt? Jetzt weiß es auch eine Studie der Landesanstalt für Medien NRW.
Journalisten greifen bei ihrer Recherche im Netz vornehmlich auf andere journalistische Erzeugnisse zurück anstatt auf Primärquellen wie etwa Websites von politischen, wissenschaftlichen oder kulturellen Einrichtungen. Eine Überprüfung von Online-Quellen findet nur selten statt.
Google kanalisiert bei professionellen Kommunikatoren die Aufmerksamkeit.
Das Telefon ist nach wie vor das wichtigste Rechercheinstrument der Journalisten. Doch gerade bei der Ermittlung von Zusatzquellen – wenn Journalisten also das auf ihren Schreibtisch eingehende Material erweitern wollen – kommen die Suchmaschinen im Internet zum Einsatz. Und hier dominiert auch bei den Medienschaffenden eindeutig Google den Markt. Wer bei Google beispielsweise zu einem aktuellen journalistischen Thema als Experte unter den ersten zehn Treffern gelistet wird, hat größte Chancen, wiederum von Journalisten interviewt zu werden.