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30. Juli 2010
von
Anna Friedrich
Die 71 Jahre alte Duschgelmarke Old Spice verschafft sich mit der neuen Viralkampagne ein neu gewürztes Image im Web 2.0. Mit dem zum Erkennungsmerkmal gewordenen ehemaligen NFL-Spieler Isaiah Mustafa alias “The Man Your Man Could Smell Like” punktet die Procter & Gamble Marke und trifft dank gelungener Rezeptur den den Nerv der Zeit. Nach dem Cannes prämierten Old Spice Werbesport sorgen die Procter & Gamble Marketiers mit einem Social Media-Booster für Reichweite.
Old Spice deckt alle Social Media Kanäle ab und ruft seine “Fans” zu Interaktionen auf. Der Twitter-Account hat mittlerweile fast 100.000 Follower, die Facebook-Seite über 370.000 Fans. Allein auf Youtube finden sich über 100 eigens produzierte Video Clips mit insgesamt rund 120 Millionen Aufrufen. Das immer gleiche Setting – der gut gebaute Isaiah Mustafa mit seiner dunklen Stimme im Badezimmer – schafft Wiedererkennungswert und eine Identifikation mit der Marke Old Spice. Er ist charmant, arrogant und humorvoll. Die Episoden schaffen Emotionen, die wir gerne mit anderen teilen. Um den “Virus” weiterzutragen, ist das die Basis.
Mit Botschaften an Stars wie Alyssa Milano oder Ashton Kutsher stellt Old Spice einen persönlichen Bezug her und aktiviert Influencer, die öffentliches Interesse schaffen. Der virale Coup gelang durch die Videoantwort an Digg-Gründer Kevin Rose, der über seine Krankheit zwitscherte. Rose fand den persönlichen Genesungswunsch so genial, dass er es an seine fast 1,2 Millionen Follower bei Twitter schickte.
Während die adressierten Prominenten gute Multiplikatoren sind, vergisst die virale Idee nicht den Otto Normalbürger. Auch für den ein oder anderen Twitterer mit gerade einmal 100 Followern hat Mr. Old Spice eine Antwort parat. Mashable hat die lustigsten Clips als Top10 zusammengefasst. Spike Jones bezeichnet das als wichtigstes Learning der Kampagne:
So the lesson here is don’t forget about the everyday Joes. Don’t forget that they are the ones that actually buy your stuff. People. Not celebrities. People are your customers – not celebrities. The everyday Joes that Old Spice took the time to respond to will more than likely talk a lot more and a lot longer about how they were recognized yesterday than Ashton and Ellen will. So remember that next time you’re engaging the public – and your fans in particular.
Die Marke verbündet sich mit ihren Konsumenten und schafft Gesprächsanlässe. Das Geniale: Mr. Old Spice greift interessante Kommentare in der Social Media Landschaft auf und startet damit einen Wettbewerb, um auch involviert zu werden. Dies passiert auch durch die Old Spice Voicemail – die individuelle Botschaft auf dem Anrufbeantworter ist ein weiteres Gimmick, um sich mit den Konsumenten zu verbinden. Eine gute Zusammenfassung der USPs der Kampagne finden sich im Reuters-Artikel Lessons from the Old Spice Man.
Für das Image von Old Spice haben die Virals Wunder bewirkt. Was aber hat der Erfolg zum Abverkauf beigetragen? Laut SymphonyIRI stiegen die Verkaufszahlen zwar teilweise um mehr als 100 Prozent an.
Ist der Erfolg der Kampagne reproduzierbar? Was bedeutet der virale Hype für die Zukunft? US-Autor und Journalist Tom Foremski hat es im Januar diesen Jahres vorhergesagt: The media Tsunami is coming. Das Old Spice Phänomen zeigt, dass sich klassische Medien warm anziehen müssen, um in der immer kleinteiliger werdenden Medienlandschaft zu bestehen. Vorbei an den “Standards” bedient sich die virale Kampagne der gesamten Social Media Klaviatur. Wertvoll und geldbringend für die Marke sind Twitter, Youtube, Facebook und Co. und damit der Konsument als direkter Empfänger der Botschaft – eine deutliche Verschiebung der Wertigkeit.
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27. Juli 2010
von
Anna Friedrich
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6. Juli 2010
von
Anna Friedrich
Ob iPad oder iPhone 4, die Apple-Produkte werden gehyped wie nie zuvor. Bisher konnte sich der Konzern auf seine Fan-Gemeinde verlassen. Doch angesichts der extremen Empfangsproblemen beim iPhone-Modell der vierten Generation war für die Addicts Schluss mit lustig: Sie verklagten Apple auf Schadenersatz.
Das Problem tausender Nutzer: Wer das Gerät beim Telefonieren links oben am äußeren Rahmen hielt, hatte geringen bis keinen Empfang, da die Antenne zu stark isoliert war. Offenbar war man aber bei Apple nicht auf deartige Vorwürfe vorbereitet.
Empfehlenswert für eine Reaktion in einer solchen “Krise” ist es, den Fehler erst eimal einzugestehen. Davon aber war bei den Kommunikatoren von Steve Jobs keine Spur. Sie dementierten den Fehler und sagten, diese Probelme seien eine “Gegebenheit des Lebens bei jedem Mobiltelefon“. Aber, dem war nicht genug. Im letzten “Brief von Apple” heißt es gar:
We have discovered the cause of this dramatic drop in bars, and it is both simple and surprising. (…) Users observing a drop of several bars when they grip their iPhone in a certain way are most likely in an area with very weak signal strength, but they don’t know it because we are erroneously displaying 4 or 5 bars. Their big drop in bars is because their high bars were never real in the first place.

Ist doch logisch! Weil die ursprüngliche Emfpangsstärke als zu hoch angezeigt wird, bilden sich die User ein, dass er von 5 Balken auf 0 geht. Netterweise fügt Apple dann noch hinzu, dass die Käufer, die trotz der optimalen Leistung der vierten Generation unzufrieden sind, von ihrem Rückgaberecht Gebrauch machen können.
Apples Balken-Mathematik, wie sie die FTD nennt, könnte nicht nur die Anwälte auf neue Gedanken bringen. Sie zeigt vor allem die Arroganz des Unternehmens und den Versuch, einen offensichtlichen Fehler mit einer fraglichen Messung zu vertuschen. Abgesehen davon, dass es um viel Geld geht ist man sich seiner Fans so sicher, dass man ihre Beschwerden verleugnet.
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20. Mai 2010
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Anna Friedrich
Der Konsumgüterriese Procter&Gamble sorgt aktuell für großes Aufsehen in der Webszene. Wie ein Lauffeuer verbreiten wütende Eltern in Blogs, sozialen Netzwerken und Foren seit kurzem, dass die Windelserie mit der “Dry-Max-Technologie” Verätzungen und Ausschläge bei ihren Babys verursachen. Knapp 10.000 Mitglieder hat die Facebook-Gruppe Pampers bring back the OLD CRUISERS/SWADDLERS innerhalb von weniger als einer Woche. Auch in den anderen Gruppen machen Mamas ihrem Ärger über den Konsumgütergiganten Luft und fordern den Rückruf dieser Schwindel-Windeln.
Wer im Glashaus sitzt, sollte allerdings nicht mit Steinen werfen. P&G greift mit seiner Reaktion am 6. Mai völlig daneben: Die Vorwürfe der Tausenden von Mamas seien schlichtweg falsch und nicht nachweisbar, so das offizielle Statement. Damit initiiert der Konzern den Krieg gegen die Mommy-Blogger und zeigt, wie inkompetent er in Social Media Fragen ist.
Konsumenten, die sich online selbst organisieren, sind mächtiger denn je. Einen Kampf nach dem Motto “Einer gegen alle?” mit der eigenen Fangemeinde einzugehen, verspricht Rufschäden par excellence. Das schlichte Verleugnen des Problems, entsetzt die Eltern und zerstört ihr jahrelanges Vertrauen in die Marke Pampers. Auch Joanna Ravlin Dye fühlt sich als eine von Tausenden veräppelt und missverstanden:
They’re … denying that mothers and parents know their own babies and are smart enough to know that it’s not a normal diaper rash.
Was hätte das Konsumgüterimperium tun sollen, um seine KundInnen zu besänftigen? Richtig gewesen wäre eine proaktive und direkte Antwort auf den ersten CNN Bericht gewesen – nicht 28 Stunden später. Wenn es noch keine Lösung für das Problem gibt, so kann P&G zumindest ankündigen, dass man sich kümmert und bis zu einem bestimmten Datum eine öffentliche Erklärung abgibt. Wichtig für die Konsumenten ist zunächst die Botschaft: “Wir hören euch zu und nehmen euch ernst.”
Inhaltlich hätte P&G Verständnis für die besorgten Mütter kommunizieren müssen. Unabhängig von Studienergebnissen muss man den “Feind” besänftigen und ins eigene Boot überführen: “Liebe Kunden, es tut uns leid, ihr habt recht und wir reagieren, indem wir das Produkt vom Markt nehmen.” Stattdessen ging das börsennotierte US-Unternehmen von Anfang an mit seiner Argumentation in die Defensive. Die Situation wurde herunter gespielt mit der Aussage, es seien nur einige wenige Eltern betroffen.
Positiv hätte sich auch der persönliche Kontakt mit den Betroffenen ausgewirkt – Interviews, Events, Telefonate… Hat ein aufgebrachter Kunde die Möglichkeit, direkt mit den Mitarbeitern zu sprechen, fühlt sich gleich viel besser. Um plausibel zu wirken, schickt das Unternehmen lieber Sprecherinnen mit Doktortitel auf YouTube. So unterstellt Dr. Kimberly Thompson von Kids Risk Inc. (vermutlich Partner von P&G) auf YouTube, dass die Eltern sich auf Facebook und Co. nur gegenseitig pushen und dadurch eine falsche Wahrnehmung der Wirkungsweise der Dry Max Pampers entsteht. Die Anzahl der Ausschläge sei auch beim alten Produkt gleich häufig. Ein weiteres virales Video liefert Expertinnen, die gänzlich abstreiten, dass ein Baby aufgrund einer bestimmten Windel wund wird.
Der Konzern springt auf das falsche Schiff und verpasst es zudem, die komplette Social Media Klaviatur zu spielen. Die P&G Marketiers platzieren die Videos nur auf dem YouTube-Kanal? Die Konsumenten dagegen beschweren sich in Blogs und Facebook-Gruppen und wollen auch genau dort eine Reaktion des “Gegners”! Eine Marke muss dort sein, wo ihre Zielgruppe ist. Zumindest so viel sollte auch in einem traditionellen Konzern wie P&G bekannt sein.
Denn was, liebes Consumer Relations-Team, bringt es euch, wenn ihr sachlich recht behaltet, eure Kunden jedoch von euren Produkten nichts mehr wissen wollen?

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26. April 2010
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Anna Friedrich
Letzten Donnerstag schaffte es Blippy, in zwei New York Times Artikeln erwähnt zu werden. Auf der in USA gehypten Social Shopping Plattform kann man seine Freunde an den eigenen Einkaufsaktivitäten online teilhaben lassen. Bei Datenschützern stellen sich die Nackenhaare auf und dennoch ist die brandneue Community, die erst im Januar ihre Beta-Phase beendete, jenseits des großen Teiches der letzte Schrei.
Gleich zwei Clippings in einem der reichweitenstärksten Online-Medien – besser könnte es gar nicht laufen. Blöd nur, dass einen Tag später Kreditkarteninformationen direkt bei Google auffindbar waren. Und alle US-Technik-Blogs berichteten entsprechend böse.
Blippy’s Reaktion via Blog: der Fehler sei schon länger bekannt und die 196 (!) Fundstellen bei Google beträfen lediglich vier Nutzer aus der Betaversion. Die erste Reaktion von Co-Founder & CEO Ashvin Kumar:
We have asked Google to reindex the entire Blippy website, or at the least remove Blippy from their cache.
Seit heute gibt es dann noch eine ausführliche Erklärung über die Daten-Katastrophe. Neben dem “Blah Blah” über die Geschehnisse liefert Kumar Lösungsansätze. Blippys Reaktion zeigt aber, wie unvorbereitet man war. Die Negativ-PR war unnötig und hat eventuell so einige (potentielle) Usern verprellt.

Das Startup ist nicht das einzige Jungunternehmen, das schlecht auf Krisensituationen vorbereitet ist. Jacob Morgen illustriert, wie wichtig es ist, beides, eine Micro- und eine Macro-Antwort zu liefern. Nur so werden sowohl Einzelpersonen als auch die breite Öffentlichkeit angesprochen. Auf der Microebene soll das Unternehmen die Betroffenen direkt angehen, sei es via Twitter, Email oder Telefon. Übergeordnet wird ein öffentliches Posting und ggf. Medien-Interviews die gesamte Nutzerschaft adressiert.
ReadwriteWeb hat ein paar Tipps parat:
- Umgehend ein Statement zum Vorfall veröffentlichen.
- Eine ausführliche Schilderung anbieten.
- Deutliche und prägnante Formulierung der Situation.
- Den Fehler und die eigene Schuld eingestehen und sich dafür entschuldigen.
Wer die Probleme einfach verdeckt in der Hoffnung, es falle nicht auf, verspielt sich leicht das Vertrauen seiner Kunden. Glaubhaft ist nur, wer offen über Schwierigkeiten spricht – das gilt für Unternehmen genauso wie für Privatpersonen oder solche, die in der Öffentlichkeit stehen.
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19. April 2010
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Anna Friedrich
Er nennt es das German Privacy Paradox. Jeff Jarvis analysiert das deutsche Phänomen, dass wir ungeniert in die gemischte Sauna und an den FKK-Strand gehen, aber online mehr als verklemmt sind:
Germans protect the privacy of everything but their private parts.
Der WWGD-Populist fragt sich, wo der Unterschied zwischen der eigenen Nacktheit “offline” und “online” ist (hier sein Vortrag auf der republica). Wer nackt in einem Schwitzkasten sitzt, sollte auch keine Probleme haben, im Internet offen mit den eigenen Informationen umzugehen. Doch die deutschen Kontrollfreaks halten von Transparenz im Internet wenig. Wir kämpfen gegen Google Streetview, Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner legt sich mit dem Facebook-Chef persönlich an und überhaupt geben wir uns im Internet eher verklemmt gegenüber den Amerikanern.
„Wir müssen die Öffentlichkeit verteidigen, nicht die Privatsphäre“. Wer sich nicht für seine Körperteile schämt, so Jarvis’ Theorie, kann auch unverblümt peinliche Fotos von sich ins Netz stellen können. Je mehr Menschen Daten zu sich selbst Preis geben, desto mehr verwischt unsere eigene Definition von Peinlichkeit und wir werden toleranter gegenüber Dingen, die nur menschlich sind. Jarvis ist äußerst optimistisch und glaubt, dass in wenigen Jahren Personalchefs peinliche Fotos ignorieren werden und alle Journalisten auch Blogger sind. Er fordert, dass Transparenz in unserer Gesellschaft Standard wird, auch für Unternehmen:
Das Internet ist kein Medium, so Jarvis, es ist ein Treffpunkt, an dem sich Menschen verbinden. Bedingung zur Vernetzung ist aber das Teilen von Informationen – wer sich nicht öffnet, gehört nicht dazu. Transparenz mit eigenen Erlebnissen erweitert den eigenen Horizont - Jarvis weiß wovon er spricht. Indem er öffentlich auf Buzzmachine über seine Erkrankung an Prostatakrebs schrieb, profitierte er vom Feedback der anderen und gewann an Erkenntnis und Anerkennung.
In the company of nudists, no one is naked and there is nowhere to hide.(…) That is the principle of transparency that I want companies and governments to heed: that openness in their information and actions must become their default, that holding secrets only breeds mistrust and robs them and us of the value that comes from sharing.
Aber interessieren mich denn die Krankheiten, Kommentare, Befindlichkeiten und wilden Fotos von anderen? Wohin soll denn dieser Exhibitionismus führen? Jarvis appelliert zu mehr Offenheit, mahnt aber gleichzeitig, dass das nur zu einer Verblödung der Webinhalte à la Idiocracy beiträgt, wenn wir uns entsprechend verhalten:
Die Welt ist voller dummer Leute, und das Netz ist immer so dumm wie seine Nutzer. Aber das ruiniert das Internet nicht. Die Herausforderung ist, das gute und intelligente Zeugs zu finden. Manchmal helfen da Redakteure.
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1. April 2010
von
Anna Friedrich
Die Studie “The Influencer: A Consumer Voice with Legs” (PDF) belegt jetzt erneut die, wie effektiv Word-of-Mouth (WOM) ist. Epsilon Targeting, nach eigenen Angaben ein führender Dienstleister für “consumer information for targeted solutions”, befragte hierzu 7000 amerikanische und kanadische Konsumenten.
Dass Fans perfekte Markenbotschafter sind, ist nicht neu. Die Typologie dieses “Influencers” muss aber verstanden, so Gillian MacPherson von Epsilon:
It is critical that we also understand their attributes, channel preferences, and behavior. Only then will marketers be able to effectively communicate with this valuable segment of the population.
Laut Untersuchung existieren die Botschafter lediglich innerhalb besitmmter Produktkategorien und nicht produktübergreifend. Insgesamt kann man “Influencer” nicht in bestimmte demografische Gruppe einordnen: sie stammen aus allen Altersklassen, sind unabhängig von Geschlecht, Einkommen und gebrauchen unterschiedliche Kommunikationskanäle.
Sie haben das Bedürfnis, mit anderen über Produkte, Dienstleistungen und Ereignisse zu sprechen und bevorzugen persönliche Gespräche – offline. Zahlreiche Studien belegen, dass 90 Prozent von WOM-Aktivitäten tatsächlich live und in Farbe oder per Telefon weitergetragen werden (z.B. Keller Fay, 2008). Während die Konversionsrate bei klassischen Marketingkampagnen gerade mal bei rund 12 Prozent liegt, schafft es Mundpropaganda auf 80 bis 90 Prozent (via Gary Vaynerchuck).
Mundpropaganda ist der Weg, um viel Wirkung mit relativ wenig Aufwand zu erzielen. Aber Marketiers müssen also ihre Multiplikatoren verstehen. Die Marken-Advokaten sind offen für “volksnahe”, simple Inhalte, auch exklusiv und per Newsletter. Dann tragen sie die Botschaft an ihre Freunde weiter.
Zwar findet der erste WOM-Prozess eher offline statt. Social Media Aktivitäten auf Facebook und Co. sind dennoch wirksam, um die neu generierten Fans (rechts ganz unten im Bild) weiterhin zu involvieren. Über eine Facebook-Seite bewies der Hersteller und Entwickler neofonie die Viralität seiner Botschaft. Eine breitangelegte Guerilla-Kampagne à la Apple hätte in diesem Fall wohl kaum funktioniert. Die Rechnung von Markenpräsenzen auf dem Größten deutschen Netzwerk (8,5 Millionen Nutzer allein in Deutschland) geht anscheinend auch auf. Zumindest sind amerikanische Facebook-Fans eher geneigt, zu kaufen, wenn sie im Sozialen Netzwerk mit der Marke connected sind, wie emarketer verkündet:

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25. März 2010
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Anna Friedrich

Tom Fishburne bringt in seiner Illustration auf den Punkt, wie man einen Tag nach dem verbringen kann, ohne produktiv zu sein (siehe auch Themenblog-Artikel Und täglich grüßt die Informationsflut). David Hieatt bringt das auf die Formel eines umgekehrten Pareto-Prinzips. Demnach verbringen wir 80 Prozent der Zeit mit Dingen, in denen wir nicht gut sind oder die uns keinen Schritt weiterbringen. Ein Ende setzen könne man, wenn man sich auf die konzentriert, in denen man wirklich brilliert:
You don’t need more time in the day. You don’t need to work longer hours. You don’t need to work weekends. You just need to spend more time on what you are brilliant at. And less time on all that other stuff.
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24. März 2010
von
Anna Friedrich
Soziale Netzwerke sind die neue Aktionsbühne für das Volk. Während der Konsument sich der digitalen Revolution voll und ganz hingibt, sind Qualitätsmedien längst nicht so weit. Sie sehen sich auf der Suche nach profitablen Online-Geschäftsmodellen als Konkurrenz. Dabei sollten sie vielmehr gemeinsam gesellschaftspolitische Verantwortung übernehmen, so der ZDF-Intendant Markus Schächter an den Mainzer Tagen der Fernsehkritik.
In seiner Eröffnungsrede (PDF) warnt er vor der Vermengung von Blogs, sozialen Netzwerken und klassischen Medien. In einer Welt “digitaler Kakophonie” besteht die Gefahr, dass die Glaubwürdigkeit der Medien im Kampf um die Klickraten auf der Strecke bleibt. User-generierte Inhalte in den sozialen Netzwerken, so eine seiner Thesen, dürfen aufgrund ihrer Laienhaftigkeit professionellen Journalismus nicht ersetzen. Im Gegenteil: sie sind Anlass für Qualitätsmedien, sich in sozialen Netzwerken neu zu (er)finden. Echtheit trotz Echtzeit – keine einfache Aufgabe. Schächter fragt als journalistischer Stellvertreter nach der neuen Rolle der Medien:
Wie kann aus Zufalls-, Individualitäts- und Begegnungs-Journalismus die für unsere Gesellschaft so wichtige Glaubwürdigkeits-Publizität werden? Wo bleiben die Axiome eines bisher selbstverständlich dominanten Ethos von Information, bei dem journalistische Professionalität als Glaubwürdigkeitsagentur fungierte? Es ist alles andere als selbstverständlich, dass klassischer Journalismus auch in der digitalen Welt seine gesellschaftlichen Aufgaben wahrnehmen kann.
Anders als in USA hat es Qualitätsjournalismus im Netz hierzulande schwerer. Das liegt nicht nur an der Akzeptanz, sondern auch am Fehlen eines sinnvollen Erlösmodells für Medienkonzerne und -verlage. Der ZDF-Intendant erklärt daher den Wandel des Journalismus zum Gesellschaftsproblem, für dessen Lösung letzendlich neben den öffentlich rechtlichen Sendern auch die Politik verantwortlich ist:
Im opulenten Vollbesitz aller technischen Möglichkeiten darf eine Mediengesellschaft das kostbare Gut medialer Seismographen als soziales Frühwarnsystem für die relevanten Themen und Probleme nicht verantwortungslos verschleudern. Die soziale Verantwortung und Herausforderung liegt nicht alleine bei den Qualitätsmedien, sondern wesentlich auch in den medienpolitischen Rahmenbedingungen.
Das Internet ist eine Schatzsammlung für Quellen aller Art – hierzulande leider nur teilweise als solche geschätzt. Journalisten sollten von dem Fundus in Blogs und auf Twitter profitieren, das befürwortet auch der für seine Recherchen ausgezeichnete Guardian-Journalist Paul Lewis:
I wasn’t convinced about Twitter at first, but it quickly turned out to be quite useful for investigating. Twitter is not just a website and not micro-blogging, it is an entirely different medium- like email, fax ore even newspapers. The way in which information travels on Twitter – the shape of it – is different to anything that we’ve previously known.
Die digitale Informationsflut vernichtet den Wunsch der Bürger nach Qualitätsjournalismus. Für Schächter gibt es entsprechend der Einstellung von Lewis nur eine Quintessenz:
Wir können, sollen und müssen vielem im Netz misstrauen, aber wir müssen uns selbst ins Netz trauen – und uns dort auch etwas zutrauen -, damit uns am Ende vor allem die Menschen vertrauen.
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18. März 2010
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Anna Friedrich
Journalisten sind neutral und unabhängig, so zumindest der Berufsethos. Aber “erst kommt das Fressen und dann die Moral.” Denn dem Australian Centre for Independent Journalism (ACIJ) und dem Medienportal Crikey liegen andere Befunde vor, nach denen Medienmacher durchaus beeinflussbar. Eine ausführliche Medienanalyse ergab, dass über die Hälfte (55 Prozent) der untersuchten Texte unter PR-Einfluss entstanden. In der größten australischen Boulevardzeitung, The Daily Telegraph, waren durchschnittlich gar 70 Prozent aller Inhalte das Ergebnis von PR. Die etwas seriösere Tageszeitung, The Sydney Morning Herald kommt vergleichsweise glimpflich davon mit etwa 42 Prozent ge”spin”ter Artikel.
Hierzu nahmen 40 Studenten im Zeitraum von sieben Tagen 2203 Artikel aus 10 Tageszeitungen unter die Lupe. Sie analysierten und kritisierten Sie die Inhalte und befragten jeden einzelnen Journalisten persönlich, um einen möglichen PR-Effekt zu beurteilen. Größtenteils fühlten sich die Schreiber angegriffen von den Fragen. Was aber ist dabei, wenn Unternehmen bzw. ihre PR-Vertreter mit den Medien in Kontakt stehen und sie auf dem Laufenden halten? Es dient ihnen zur Image-Pflege und verkürzt die ohnehin knappe Recherche-Zeit des Redakteurs.Die einst “rasenden Reporter” kämpfen in einer Branche, die voll unter der Krise leidet. Spin Doctors wissen, wie der Markt läuft und haben spannende Geschichten in petto. Eigentlich eine Win-Win-Situation, wäre es denn so einfach.

Chris Mitchell, Chefredakteur von The Australian, war einer der wenigen ehrlichen Kandidaten. Er verteidigt das Verhalten mit dem Wandel des Journalismus:
It’s very difficult I think, given the way resources have drifted from journalism to public relations over the past 30 years, to break away as much as you really want to … I guess I’m implying, the number of people who go to communications school and go into PR over the years has increased and the number in journalism has shrunk even more dramatically.
Die Gratiskultur im Netz erschwert die materielle Unabhängigkeit für Medienmacher deutlich. Informationen in Blogs, Foren und soziale Netzwerken verwischen die Grenzen zu “offiziellen” Quellen sowieso. Noch gibt es den unabhängige Journalisten, allerdings stirbt die Wertschätzung für hochwertige Beiträge aus, so die Fernsehmoderatorin und Journalistin. Doch ist Unabhängigkeit ein unbedingtes Muss, um Qualitätsjournalismus am Leben zu erhalten, davon ist Maybritt Illner überzeugt:
Journalismus ist etwas anderes: ein Handwerk. Seine Grundlage ist die gründliche Recherche, die Informationen prüft und gewichtet und anschließend auch kommentiert.
Der Bedarf an Inhalten steigt, während die Anzahl von Journalisten, die von ihrem Job leben können, stetig abnimmt. Ein funktionierendes Gebührenmodell für Online-Medien gibt es (immer noch) nicht. Auch deshalb findet eine Verschiebung statt, die “rasenden Reporter” werden zu dankbaren Abnehmern von Geschichten, die Ihnen quirlige PR-Berater liefern. Das bestätigt auch Frau Illners Aussage:
Wussten Sie, dass es in den USA schon lange und jetzt auch in Berlin mehr PR-Leute, Pressesprecher und Werber gibt als Journalisten? (…) In den USA erleben wir ein Massensterben von Qualitätsmedien (vor allem Zeitungen), in Frankreich stützt der Staat Zeitungen und Online-Medien mit Milliarden.
Staatliche Subventionen brauchen, um das Überleben des Journalismus zu sichern? Ein Journalist ist immer noch unabhängig, wenn er selbst darüber entscheidet, ob eine ihm zugetragene News interessant und relevant ist. Mit welcher Tonalität und aus welchem Standpunkt er diese aufbereitet, obliegt nach wie vor ihm.