Archiv für die Kategorie ‘Medien 2.0’

Mach’s kurz: Der 15 Sekunden Wahlkampf

Veröffentlicht am 20. September 2013 von Sonja Petersmeier | Journalisten, Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0

Degenierierte Scham im Social Web?

Veröffentlicht am 24. Juni 2013 von Anna Friedrich | Bloggerei, Facebook, Journalisten, Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Storytelling

Erst lief es gut für Lars: Die Medien liebten seine kreative Idee, über die Webpräsenz Obdachlars nach einer Wohnung in Hamburg zu suchen. Was medial Anfang April 2013 noch positive Aufmerksamkeit brachte, schlug durch die Leserschaft in einen Shitstorm um, auf den Lars nicht gefasst war (und es auch nicht sein konnte). Statt Unterstützung bei der Wohnungssuche erntete Lars fiese Kommentare und Anschuldigungen – nur, weil er äußerte, dass er sehr gerne im Szeneviertel St. Pauli wohnen bleiben würde. Die Wohnungssuche in Hamburg ist hart und vielleicht hat die Mopo Lars arrogant wirken lassen. Nichts jedoch befugt dazu, Privatpersonen wie ihn derart zu beleidigen – auch Plattformen wie Facebook sollten nicht dazu motivieren. Sie machten “L. unfreiwillig zu einer Symbolfigur für Gentrifizierung und Preistreiberei”, wie SPON es auf den Punkt bringt.

Markenskandale wie kürzlich Dextro Energy oder vor längerem Nestlé zeigen, dass ein derartiger Shirtstorm häufig nicht verhindert werden kann, weil die “Wut” der Community zwar (im Nachhinein) verständlich, deren Ausmaß aber schlecht vorhersehbar ist. Spannend war auch der absurde #Neuland-Eklat der Netzgemeinde, der durch Merkels durchaus berechtige Äußerung entstand, dass das Web für viele eben Neuland ist. Eine Masse gegen ein Unternehmen oder gegen die Politik ist eine Sache. Was aber, wenn dieser Hass – in dem Fall auf die prekäre Hamburger Mietsituation – an eine Privatperson geht? Ein gestandener Mann wie Lars kann vielleicht damit umgehen, aber Cyberstalking endet bei Jugendlichen nicht selten mit Selbstmord, wie die Kanadierin Amanda im vorangegangenen Jahr bewiesen hat.

Degeneriert das Social Web unsere Scham? Oder gibt es nur all denjenigen einen Kanal, die uns auch auf der offenen Straße ankeifen würden? Vermutlich würden sie sich auf offener Straße nicht trauen, haben aber im (halb)anonymen Modus kein Problem mit geschmackloser Pöbelei. Wir sind nicht gegen Kritik, doch sie sollte auch in den sozialen Netzen fair und offen sein. Wer anonym meckert, hat etwas zu verbergen und weiß gleichzeitig, dass es nicht richtig ist, was er gerade tut. Denn bei offener Kritik kann ein Dialog mit den Fans entstehen und Unternehmen wie auch Privatpersonen haben die Möglichkeit, Fakten richtig zu stellen, sich ggf. zu entschuldigen oder die Sache wieder gutzumachen – sollten die Zweifel gerechtfertigt sein.

Influencer Relations: Der Wert authentischer Markenbotschafter

Veröffentlicht am 22. April 2013 von Sonja Petersmeier | Allgemein, Medien 2.0, Online-Relations, Soziale Netzwerke, Virales Marketing

Ist jemand glaubwürdig, nur weil er bekannt ist? Hören wir Promis mehr zu? Und wenn ja, beeinflusst uns das Gesagte wirklich positiv? Und wie wichtig ist jemand, den wir nicht kennen, der aber auf Basis von Wissen und Erfahrung und in tiefer Überzeugung für eine Marke eintritt? Wer von beiden ist der wahre Influencer?

Chelsea Hickey, Marketing Manager bei Zuberance, hat dazu vor kurzem im Social Media Club einen interessanten Artikel veröffenlicht. Den Erkenntnissen können wir aus der Erfahrung unser täglichen Arbeit nur zustimmen.

  • Überzeugte Markenbotschafter sind 74 Prozent glaubwürdiger als allgemein reichweitenstarke Influencer
  • Die oft kurzlebigen Botschaften von Influencern beeinflussen eher den Verlauf von Nachrichten, die so in kurzer Zeit hohe Reichweiten erzielen können (z. B. Product Launches)
  • Nur authentische Markenbotschafter erzielen langfristigen Mehrwert für Unternehmen
  • Das Anwerben und Aktivieren nachhaltiger Markenbotschafter braucht Zeit

Hier geht es zum Artikel Influencers Versus Advocates – Who Really Matters? von Chelsey Hickey.

Online-Kauf mit Twitter-Hashtag

Veröffentlicht am 12. Februar 2013 von Stefan | Allgemein, E-Commerce, Game Changer, Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Twitter

Twitter IconTwitter und American Express kooperieren für ein Experiment im Online-Shopping. Kunden können mit Hilfe von Hashtags über Twitter einkaufen, indem sie ein speziell generiertes Hashtag tweeten. Dafür müssen Amex-Kunden ihr Konto vorab einmal mit Twitter verknüpfen. Das Angebot schließt im Moment Produkte von Amazon, Sony, Urban Zen und Xbox 360 sein. Der Einkauf von weiteren Produkten per Twitter, den ich in Deutschland Tweinkauf nennen würde, Kollegen von mir eher Twittkauf, wird ab 13. Februar möglich sein, wenn die komplette Liste der speziellen Produkt-Hastags auf der @AmericanExpress Twitter- Seite veröffentlicht wird. Wird der Service später auch bei uns eingeführt, gibt es eine Möglichkeit mehr, in der U-Bahn einen Amazon Kindle Fire HD oder eine Xbox 360 mit wenigen Klicks zu erwerben. Die Kaufwilligen müssen dafür nach dem Twittern des Angebots-Hashtags noch einen Tweet mit dem Bestätigungs-Hashtag von @AmexSync innerhalb von 15 Minuten senden, um den Kauf zu bestätigen. Die Einkäufe werden dann kostenfrei an die Rechnungsadresse der Kartenbesitzer verschickt – vermutlich nur innerhalb der USA (eine Anfrage bei der PR-Abteilung von Amex läuft noch).

Laptop-Nutzerin / Bild: Barbara Reichart  / pixelio.de

Bild: Barbara Reichart  / pixelio.de

Eine gestern veröffentlichte Studie  besagt übrigens, dass sich etwa 60 Prozent der 200 Millionen Nutzer mobil bei Twitter einloggen. Die Studie versorgt uns neben erwarten Ergebnissen wie der Tatsache, dass Mobilnutzer jünger als der Durchschnitt bei Twitter sind noch mit Detailinformationen wie der um 169 % erhöhten Wahrscheinlichkeit gegenüber Desktop-Nutzern, dass sie Online-Käufe tätigen. Weitere Ergebnisse: Die Smartphone-Twitterati nutzen den Dienst sehr viel öfter direkt nach dem Aufstehen und bevor sie ins Bett gehen – und träumen dann sicher auch oft mit Hashtags ;-) . Mobile Neutzer seien zudem “amplifiers” – Verstärker von Botschaften, in dem sie das Engagement voranbringen und originäre Inhalte kreieren, die Rich Media, Links und oft starke Handlungsaufforderungen enthalten (“call to actions”). Wenn Tweets die Worte “Please retweet” enthalten, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen Re-Tweet um das 23-fache so Buddy Media. Gute Nachricht für Marken: Der durchschnittliche Twitternutzer folgt fünf oder mehr Marken, die zunehmende Zahl mobiler Nutzer dagegen elf und mehr. Der ”Advertiser Tip” der Autoren für Ladenbesitzer: Informationen twittern, die mobile Nutzer suchen: Echtzeit-Informationen, die im Alltag  unterwegs unmittelbar helfen (können) wie aktuelle Angebote umgebender Läden. Hierfür eignen sich Dienste wie Foursquare allerdings besser, da Nutzer hier über einen “check in” ihren Standort preisgeben und so das  Geo-Fencing viel einfacher möglich ist. Vielversprechende neue Dienste wie Geoloqui können hier sicher in Zukunft viel eher punkten als Twitter. Highlight and Glancee versuchen ebenfalls besser zu sein als der zunächst von Facebook übernommen und dann stillgelegte Dienst Gowalla. Das Wachstumspotential der Geo-Social-Apps ist noch groß: Erst 5% der Mobilnutzer verwendeten diese Apps Ende 2011; wöchentlich  - also halbwegs regelmäßig – gar nur 0,25%.

Die Kunst der Pressemittelung: Gute Inhalte statt SEO

Veröffentlicht am 23. Januar 2013 von Anna Friedrich | Medien 2.0, The Work, Virales Marketing, Web 2.0

Das Herz des leidenschaftlichen PRlers schlägt nicht für SEO, sondern für Inhalte, gute Stories und spannende Texte. Nichtsdestotrotz müssen sie das Thema im Hinterkopf behalten oder gar in die Taktiken der Kommunikationsstrategie integrieren – erst recht dann, wenn es sich um eCommerce-Geschäftsmodelle und/oder Online-Communities handelt.

Haben Pressemitteilungen nun einen positiven Effekt auf das SEO eines Unternehmens – ja oder nein? PR Newswire glaubt, die Antwort zu haben. Noch vor Jahren galt: Je mehr Links in der versendeten Pressemittelung integriert waren, desto mehr Backlinks als Resultat  - ergo desto höher die Sichtbarkeit der jeweiligen Website bei Google & Co. Doch, die Suche ist weitaus intelligenter geworden. Sie richtet sich nicht mehr nach Masse, sondern nach Klasse. SEO-spezialisierte Pressemitteilungen werden zwar indiziert, fallen aber aus dem Suchraster bei der Bewertung der Inhalte.

Auch, wenn Ihr hartnäckiger SEO-Berater Ihenn etwas anderes erzählt und die PR-Verbreitungsplattformen, die gerne Knebelverträge anbieten, das Gegenteil behaupten. Google selbst bestätigt, dass Links von Pressemitteilungen den Page Rank nicht beeinflussen. Nun gut, natürlich nicht direkt! Dennoch verarbeiten die Crawler der Suchmaschinen Inhalte von gut bewerteten Beiträgen – egal, ob es sich um Blogbeiträge, Pressemitteilungen oder sonstigen Posts handelt. Wie also Facebook-Posts und Tweets, können auch Pressemitteilungen das SEO  beeinflussen, doch verlagert sich der Anspruch auf die Qualität: Nur Inhalte, die gefallen, gefallen auch Google. Rod Nicolson von PR Newswire rät deshalb, was wir schon immer wussten:

Our advice is that we should write for our audience first, and then work to make the press release findable. By sharing information that your audience needs, or providing them with something else they want you’ll be using best practice that is as old as press releases themselves.

Es gibt also keine 08/15-Formel, nach der man das SEO pushen kann? Wunderbar! Das MAVENS PR-Team gibt nur Pressemitteilungen heraus, wenn es einen tatsächlichen Nachrichtenwert gibt, der die Chance hat, von Journalisten und Webnutzern aufgenommen und optimalerweise geteilt zu werden.

Wann werden Online-Inhalte öfter viral verteilt?

Veröffentlicht am 22. Januar 2013 von Stefan | Allgemein, Bloggerei, Journalisten, Medien 2.0, Online-Relations, Soziale Netzwerke, Storytelling, Trends, Virales Marketing, Web 2.0

Bild ViralDie beiden Professoren der University of Pennsylvania Jonah Berger and Katherine L. Milkman haben die Statistiken des Onlineangebotes der New York Times untersucht. Die beiden Professoren erhielten für die Studie “What Makes Online Content Viral?” Zugang auf die Auswertungen der “per Mail weiterempfehlen”-Funktion der New York Times. Die Studienautoren ermittelten auf Grundlage dieser Zahlenbasis, wie ein Artikel rein statistisch beschaffen sein muss, damit er von den Lesern häufig geteilt wird.

Das sind ihre Ergebnisse:

1. Auf die Länge kommt es an

Je länger ein Artikel ist, desto häufiger wird er erstaunlicherweise geteilt. Könnte man doch denken, dass die beklagte geringere Aufmerksamkeitsspanne dazu führt, dass diese Artikel sowieso niemand liest. Die Ergebnisse der beiden Autoren weisen aus, dass längere Artikel häufiger als kurze Artikel geteilt werden. Die Zahlen sind aber insbesondere für Journalisten beruhigend: Der größere Aufwand für längere Artikel lohnt.

2. Ärger, Ehrfurcht und Besorgnis helfen, traurige Inhalte nicht
Inhalte, die längere auf der Homepage verbleiben, werden öfter viral verteilt. Soweit nicht überraschend. Interessant wird es, betrachtet man die Gefühle, die Artikel auslösen: Wenn diese Ärger, Ehrfurcht oder Besorgnis (“anger, awe, or anxiety”) auslösen, werden die Inhalte häufiger geteilt. Traurige Leser teilen weniger. Den besten Viraleffekt erzeugt Ärger. Carson Ward schreibt in seiner Zusammenfassung der Studie im Blog eines SEO-Spezialisten in Seattle:

„Anger wins the award as the most viral emotion studied. Before belittling and insulting your readers, note that anger is typically directed at the topic – not the author or publication. Inciting anger in readers typically requires some tolerance for dealing with controversial topics.“

Auch wenn Ärger auslösende Artikel gemäß der Studie doppelt so viele Kommentare als andere Artikel erhalten, werden Marken weiterhin vorsichtig sein, in ihrer Kommunikation solche Themen anzuschneiden, vermuten die Autoren. Wir stimmen überein. Ihr wisst warum, ohne dass wir hier das Buzzword des Jahres 2012 nennen…McDonald‘s, ProSieben, H&M und Vodafone…genau!

Wenn Inhalte Ehrfurcht erzeugen oder die Leser  beeindrucken, ist das der zuverlässigste und sicherste Weg zu viralem Content.  Das überrascht nicht nur die Autoren der Studie. Allerdings spielen hier die gleichen Mechanismen eine Rolle, mit der uns spannende Filme und übermenschliche Filmhelden in ihren Bann ziehen („it’s the reason we can’t stop watching movies with big explosions and larger-than-life heroes“).

3. Zeigen Sie, dass Sie mitfühlen
Artikel und Posts, die ehrliche Emotionen enthalten, werden mehr geteilt. Diese Inhalte als professioneller Texter oder Journalist zu erzeugen, sei aber schwieriger als man meinen könnte. Gewollt emotionale Inhalte von Unternehmen gelingen selten, so die Autoren. Gleichzeitig gäbe es aber Massen an guten durchdachten Inhalten, für die sich niemand interessiert – einfach weil sie zu farblos und emotionslos sind. Eine schwierige Aufgabe also für alle Berufskommunikatoren da draußen.

4. Überraschend, interessant und mit Nutzwert
Das sicherlich am wenigsten überraschende Ergebnis, den das lernt man in jedem Social-Media-Seminar in den ersten Stunden, nützliche, überraschende und interessante Meldungen verbreiten sich stärker. Die Autoren ermittelten für diese Faktoren eine Rangfolge für die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte mit diesen Elementen geteilt werden: Mit +34% der praktische Nutzwert, gefolgt von „interessant“ mit + 29% und „überraschend“ mit 16%.

5. Prominente Autoren
Artikel von namhaften Autoren werden öfter weitergeleitet als Artikel unbekannter Autoren. Erstaunlich dabei: Ein bekannter Autor hilft sogar ein wenig mehr als guter Content. Dieses Ergebnis kann nicht alle überrascht haben, denn der US-Bloger Luke Clum schrieb bereits jüngst im Distilled blog:

…a common misconception has developed amongst SEO’s – mainly that good content speaks entirely for itself. While content is innately influential, it usually only carries the authority of its creator or publisher.

6. Weibliche Autoren
Texte weiblicher Autoren werden öfter geteilt. Die Gründe bleiben unklar: Werden die „besseren“ Themen gewählt? Lohnt es sich für Online-Redaktionen und Agenturen jetzt mehr Frauen einzustellen? Die Antwort muss diese Studie schuldig bleiben.

7. Humor hilft (fast) immer
Auch wenig überraschend haben humorvolle Inhalte eine höhere Chance, viral verteilt zu werden. Interessant ist aber die von den beiden Professoren angeführte Studie “From subservient chickens to brawny men”. Sie zeigte, dass 60 % der Werbung, die eine hohe Viralität hatte, von kleineren Firmen geschaltet wurde, obwohl insgesamt 62 % aller Spots von den Fortune 500-Unternehmen kamen. Die Autoren erklären es sich damit, dass kleinere Unternehmen mehr Mut haben, ungewöhnlichere und überraschendere Ideen umzusetzen. Humor hilft nicht immer, aber ist sehr oft Element viraler Inhalte.

Abschließend noch eine Checklist, um zu prüfen, ob Eure Inhalte eine gute Chance haben, sich viral zu verbreiten:

 Die „Viral-Checkliste“

  • Wird das Thema umfangreich genug beschrieben? Ist der Artikel lang genug? (24)
  • Wird ein Gefühl wie Ehrfurcht, Ärger oder Besorgnis erzeugt? (18)
  • Erzeugt die Tonalität des Textes Emotion(en)? (12)
  • Ist der Inhalt praktisch nutzbar? (16)
  • Ist er interessant? (14)
  • Ist er überraschend? (8)
  • Ist der/die Autor(in) bekannt oder genießt er/sie eine hohe Glaubwürdigkeit? (8)
  • Wenn es lustig sein soll – ist es tatsächlich lustig? Seid Ihr sicher, dass Eure Kollegen oder Freunde nicht nur nett sein wollen? (∞)

Da nicht alle Faktoren erfüllt werden können (Bitte in den Kommentaren gerne Links zu Texten, die vermeintlich doch alles erfüllen), haben die beiden Professoren noch einen Maximalwert des Faktors in Klammern angeben, um die Faktoren zu priorisieren. Ist die Gesamtpunktzahl nahe 100 ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Ihr einen viral erfolgreichen Text geschaffen habt.

PR is…

Veröffentlicht am 05. September 2012 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Online-Relations

Gib und dir wird gegeben: Revolutionäre der digitalen Kultur

Veröffentlicht am 06. Juli 2012 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0

Die Medien- und Unterhaltungsindustrie steckt in der Krise: Urheberrechte, Open-Source-Ansätze, Social Media und viele andere Faktoren lassen sich schwer in traditionelle Strukturen integrieren. Doch ein Umbruch funktioniert nur, wenn auch die “Schaffenden” aktiv dazu beitragen – genauso wie ein Unternehmen nur durch die Produktivität seiner Mitarbeiter eine Daseinsberechtigung hat.

Paulo Coelho steht für den Schriftsteller 2.0 des 21. Jahrhunderts und führt selbst den Begriff “Internetuelle” für diese neue Generation der Intellektuellen ein. Er appelliert im ZEIT-Interview an seine Kollegen, auch Blogs, Twitter, Apps und Co. als Kanäle für Publikationen zu begreifen und anzunehmen. Dabei ist er selbst das beste Beispiel:

Ich habe über acht Millionen Fans auf Facebook, mein Blog lesen zwei Millionen Menschen im Monat. Ich kann dort direkt zu meinen Lesern sprechen. Die Verlage haben keine Ahnung davon, wie wichtig so etwas ist. Trotzdem ist die traditionelle Marketingmacht der Verlage und der Buchläden weiterhin unverzichtbar. Das können wir Autoren nicht allein stemmen.

Das Versäumnis der Verleger darf nicht das Versäumnis der Autoren sein. Sie sollten sie sich als eigene Marke verstehen und im Web etablieren. Wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Konsumenten ist, können sie bei Marken im Social Web live mitverfolgen. Wer zunächst nicht an sein Portemonnaie, sondern an die Leidenschaft für die eigene “Kunst” denkt, wird belohnt, davon ist Coelho überzeugt:

Wenn du nicht geizig bist, wird dein Einsatz belohnt.

Das höchste Ziel meines Lebens ist es, gelesen zu werden. (…) Wenn man Opfer einer Piraterie wird, dann ist das eine Auszeichnung, eine Medaille!

Auch die Musikindustrie kämpft mit (oder gegen?) das Zeitalter der Digitalisierung. Warum hat sie nicht bereits vor 10 Jahren etwas wie iTunes geschaffen, fragt Jan Delay im Spiegel-Streitgespräch mit dem Pirat Christoph-Lauer.

“Internetuelle” Musiker mischen längst mit. So hat 50 Cent gerade sein brandneues Album “Murder By Numbers” zum Download für null Cent bereitgestellt. Die Idee “Free” ist nicht neu, aber sie zeigt einmal mehr, dass die Kostenloskultur keinen automatischen Verzicht auf Qualität bedeutet.

Der deutsche Rapper Cro nutzt das Social Web vorbildlich als Publicity-Kanal. Mit fast einer Million Fans auf Facebook, rappte sich der Newcomer mit seiner Panda-Maske erst in die Youtube- und anschließend in die iTunes-Charts. Von 22,5 Millionen Klicks auf Youtube können die Web 2.0-Angsthasen unter den Künstlern nur träumen. Cros Single “Du” rangiert derzeit auf Platz zwei der iTunes Top10 Songs in Deutschland – Coelho behält recht.

Massenkommunikation ist keine PR

Veröffentlicht am 01. Juni 2012 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Online-Relations

Masse statt klasse, darauf legt zwar keine Agentur wert. Dennoch gibt es wenige wirklich akribisch gepflegte Datenbanken, die beim Aussand einer Pressemittelung ausschließlich relevante Journalisten adressieren. Doch genau hier liegt die Kunst der PR, eine “mediale” Selektion vorzunehmen. Dafür gibt es mindestens drei Pflichtteile, die jeder PRler täglich erledigen sollte: die Medien und damit die Erwähnungen der Kunden und der Themen beobachten; Veröffentlichungen von Journalisten lesen, die sich mit den eigenen Themen befassen und den regen Kontakt pflegen zu den entsprechenden Key-Personen.

 

Go for the millennials!

Veröffentlicht am 02. Februar 2012 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Online-Relations, Web 2.0

Ok, es ist nicht wirklich überraschend, aber dennoch beeindruckend: Im Jahr 2017 werden die Millennials – das sind die Teenager bis Mittdreißiger – eine höhere Kaufkraft haben als alle anderen Generationen. Denn keiner ist mehr vernetzt und interagiert mehr mit Marken, als die Generation Y, wie diese eindrucksvolle Grafik von Bazaarvoice zeigt. Was das bedeutet? Unternehmen müssen sich schleunigst darauf einstellen, die digital Nativen zu verstehen. Nur so hat deren Produkt bzw. Dienstleistung überhaupt eine Chance, in den “Relevant Set” zu gelangen.