Sonntag, 14. März 2010
  • The Next Big Thing

    Die Revolution der Märkte heißt: Zuhören. Die Macher von MAVENS Empfehlungsmarketing, Mark Pohlmann und Anna Friedrich, berichten an dieser Stelle über Unternehmen, die ihren Kunden zuhören, bevor sie selbst reden.
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Medienkonsum 2.0: Überall und partizipativ

Veröffentlicht am 1. März 2010 von Anna Friedrich

Promiscuity is the new reality, ubiquity is the new exclusivity.

Auch Ariana Huffington ist sich dessen bewusst: im Internetzeitalter sie sind überall – nicht Ratten, sondern Nachrichten. Im World Wide Web gibt es jede News in allen denkbaren Versionen auf einer Vielzahl von Plattformen. Die Auswahl an Informanten ist schier unbegrenzt, schließt man Blogs als “offizielle” Quelle mit ein.

Die neue Internet-Studie des Forschungsinstituts Pew berichtet, dass 92 Prozent aller US-Amerikaner mehrere dieser Kanäle nutzen, um sich über Aktuelles zu informieren: von lokalen und nationalen TV-Sendern über das Internet hin zu lokalen und nationalen Zeitungen hin zum Radio sind alle Medien vertreten, die zum Informationsspektrum gehören. 46 Prozent der Befragten geben an, “nur” vier bis sechs davon zu nutzen. Gerade einmal sieben Prozent nutzen lediglich eine einzige Medienquelle, um sich auf dem Laufenden zu halten.

Persönliches Multi-Chanelling
Knapp zwei Drittel (59 Prozent) der Amerikaner nutzen laut Pew On- und Offline-Resourcen gleichermaßen. Newsportale sind an dritter Stelle der Beliebtheitsskala und zwar nach lokalen und nationalen TV-Sendern. Online nutzen die meisten Befragten zwei bis fünf News-Seiten, 65 Prozent bevorzugen keinen Anbieter. Lediglich 21 Prozent verlassen sich auf eine einzige Quelle.

Die Kanäle, die zur Auswahl stehen, sind vielfältig. Mit der steigenden Anzahl an Möglichkeiten verändert sich die Beziehung des Menschen zum Nachrichtenkonsum: Aktuelles wird ortsunabhängig, personalisiert und motiviert jederzeit die (An)Teilnahme der Leser.

News im Pocket-Format
33 Prozent der befragten US-Handy-Nutzer rufen Nachrichten mobil ab, 28 Prozent nutzen personalisierte Startseiten im Netz und 37 Prozent tragen aktiv zu Nachrichten bei – z.B. über Kommentare oder das Teilen des Links. Dabei interessant ist: Konsumenten, die Nachrichten auf dem Handy lesen, lesen mit 50-Prozent höherer Wahrscheinlichkeit auch die gedruckte Version nationaler Zeitungen.

Neutrale und lokale Berichterstattung ade
Nachrichten müssen objektiv? Knapp die Hälfte der Studienteilnehmer (49 Prozent) sagt aus, dass sie gerne Quellen nutezn, die eine Meinung zum Thema äußern. 31 Prozent lesen gerne diejenigen Autoren, die ihren Standpunkt vertreten, 11 Prozent bevorzugen widersprüchliche Ansichten.

smallgqvoguewirednyttmock1Pew fand auch heraus, dass lokale Nachrichten keineswegs zu den bevorzugten Informatoinskanälen gehören. Beliebtestes Online-Thema ist – worüber spricht man auch, wenn man sonst nichts zu reden weiß – das Wetter. Dem folgen die Themen Internet (81 Prozent), nationale Ereignisse (73 Prozent), Gesundheit und Medizin (66 Prozent). Die ausführlichen Ergebnisse gibt es im Studien-Bericht zum Nachlesen.

Das Ende der klassischen Werbeanzeigen?
Für Pew-Projektleiter Tom Rosenstiel stellen die Ergebnisse ganz klar klassische Geschäftsmodelle in Frage:

The data suggest that the notion of a primary news source is almost obsolete. People graze. I think it’s increasingly clear that conventional popups and display advertising aren’t going to work.

Wie wird dann erst der Launch des iPads die Medienlandschaft verändern? Und was stellt es mit uns als Konsumenten an?

Medien 2.0, Web 2.0
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Das Internet in Zahlen

Veröffentlicht am 26. Februar 2010 von Anna Friedrich

The State of The Internet from Jesse Thomas

Medien 2.0, Web 2.0
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Nicht ohne mein Facebook

Veröffentlicht am 4. Februar 2010 von Anna Friedrich

cofee_my_morning_wouldnt_be_the_same_withou_mug-p1682999007271388572om5b_400Vom größten sozialen Netzwerk der Welt kommt man so schnell nicht los. Hier und da taucht Abhilfe zum Thema Selbstmord 2.0 auf. Ehrlicherweise können wir alle nicht ohne die Gesichtsbuch-Gemeinde. Eine aktuelle Untersuchung belegt: ihr Suchtfaktor ist gigantisch.

Wir haben Facebook in unserem Alltag integriert wie Zähneputzen und Frühstücken. Es gibt uns ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Nähe, auch wenn wir allein im Büro, im Zug oder auf der heimischen Couch sitzen. Und Freunde, die kein Facebook-Profil haben, sind irgendwie nicht von dieser Welt. Letztendlich melden sie sich doch an, weil alle genervt haben – so wächst und wächst die Community immer weiter. Beängstigenderweise schafft des das soziale Netzwerk, auch über nicht angemeldete Nutzer jede Menge Informationen zu aggregieren.

Attraktiv ist Facebook aber auch durch seine Offenheit: von Videos über Fotos, Links, Tests, Spielchen hin zu sonstigen Diensten können User alles hochladen und verlinken. Die Möglichkeiten der Selbstdarstellung scheinen schier unbegrenzt. In der Tat ist Facebook wie eine Sekte, wie auch SZ-Autor Mark Felix Serao bemerkt.

Die Schweizer Agentur Rod Kommunikation hat ein spannendes Experiment gestartet. 50 Probanden im Alter von 17 bis 52 Jahren, die eigentlich Heavy User sind, lebten für die Untersuchung “Facebookless: Mein Monat ohne Facebook” ohne die Plattform. Auch wenn nicht repräsentativ, so sind die Ergebnisse doch aufschlussreich. Ein “Facebook-loser” hat überraschend starke Verlustgefühle und:

  • empfindet soziale Ausgrenzung,
  • arbeitet konzentrierter und effizienter,
  • hat das Gefühl, seine Kontakt-Pflichten zu vernachlässigen,
  • kommuniziert kaum noch mit seinem Freundeskreis,
  • fokusiert sich anstelle der Kommunikation mit anderen auf eigene Freizeitaktivitäten,
  • führt wenige, aber dafür bewusstere Konversationen per Telefon, SMS oder E-Mail,
  • nutzt seinen Rechner seltener für private Zwecke, da er keine Zeit mehr auf Facebook verbirngt
    vermisst ein Kompensations-Medium.

(via www.persoenlich.com)

Für keinen der auf Entzug Gesetzten kam in Frage, für immer auf Facebook zu verzichten. Einen Extremfall, den Wirtschaftspsychologe und Studienautor Dominik Orth beschreibt, ist eine junge Frau, die sich ohne die Community fühlte “wie ein Kind, dessen Mutter gestorben ist”. Immerhin: die Teilnehmer machten sich anhand der “Entzugsphase” bewusst, wie viel sinnlose Zeit sie auf Facebook vergeudeten. Von sozialen Netzwerken wie Facebook profitiert, wer sich auch im realen Leben vernetz und die Plattform nicht zum Lebensmittelpunkt macht.

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iPad und die PR läuft von selbst

Veröffentlicht am 27. Januar 2010 von Anna Friedrich

hpMediumEs ist da. Die Geeks dieser Welt sollten heute wieder beruhigt schlafen können. Steve Jobs stellte soeben die technologische Innovation vor: das iPad, eine Kreuzung aus iPhone und Macbook. Seit fast 10 Jahren haben sich Entwickler laut Apple mit der Entwicklung des Tablet-PCs ohne Tastatur beschäftigt.

Es soll unsere Mediennutzung revolutionieren und wird genau deshalb von aller Welt gehyped. Entsprechend überwältigend ist auch die Aufmerksamkeit der Medien, die sich der geheimnisvollen Produktpräsentation nach dem Motto “vorher nachher” widmen.

Heiß diskutiert wird auch auf Twitter. Die Apple-Fangemeinde wartet gespannt auf das mysteriöse neue Produkt. Vor der tatsächlichen Pressekonferenz ist die Gerüchteküche und die Aufmerksamkeit von beiden Seiten, Medien und Konsumenten, enorm. Da wird um Produktnamen wie Magicslate, Apple Tablet,  iSlate spekuliert, welchen Preis es haben wird und welche Größe es wohl haben wird.

Warum wir Apple so toll finden und der Konzern es immer wieder zu bahnbrechenden Produkten bringt, beschreibt Jeff Jarvis in einem Interview mit der Wirtschaftswoche so:

Steve Jobs versucht, unsere Gedanken zu lesen, damit wir als Benutzer nicht selbst denken müssen. Microsoft hingegen will, dass wir so denken wie sie. Jedes Mal, wenn Sie Word benutzen, müssen Sie in Bill Gates Kopf hineinschlüpfen – ich wünschte, ich könnte das. Das Google-Phone ist irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Philosophien – aber an das iPhone kommt es nicht heran.

Apple gelingt es immer wieder extrem gut, den Spannungsbogen um die Entwicklung eines revolutionären Produkts aufzubauen und kurz vor der Veröffentlichung zur Spitze zu treiben. Google Insights illustriert, wie häufig der Begriff “iPad” gegoogelt wurde – da Anfragen wachsen immer noch exponentiell. Vielleicht bricht die Berichterstattung in diesem Fall auch alle Rekorde, nicht weniger ist für die Verkaufszahlen zu erwarten, sobald das iPad in 60 Tagen auf dem freien Markt zur Verfügung steht.

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Tue Gutes und rede darüber

Veröffentlicht am 11. Januar 2010 von Anna Friedrich

Daisy ist in Deutschland im vollen Gange. Wir haben – trotz Krise – nichts zu fürchten vor der unsäglichen Kälte. Und so regen wir uns über Textilunternehmen auf, die ihre nicht verkaufte Ware zerstören, anstatt sie den Armen zu spenden.

Sich mokieren und nichts tun, das können wir gut. Deshalb wollen wir es jetzt mit einer Charity-Aktion, ins Leben gerufen von Daniela Kunde, die soziale Kälte bekämpfen. In der Facebook-Gruppe Kleidung gegen Kälte ruft sie auf, nicht benötigte Kleidung an Hilfsorganisationen in der Nähe zu spenden.

Das ganze funktioniert Social Media gerecht: jeder geht seine Schränke durch und fotografiert alle Fundstücke, die er für wohltätige Zwecke abgeben möchte. Nach dem Upload der Bilder auf Facebook geht’s dann ab in die nächste Annahmestelle der Diakonie, caritas oder einer anderen Hilfsorganisation in Eurer Nähe (genaue Infos finden sich auf Facebook).

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Woods Ende als Personal Brand und Salesman

Veröffentlicht am 13. Dezember 2009 von Anna Friedrich

Sich als Marke zu etablieren, dauert Jahre – egal, ob es sich um eine Person oder ein Produkt handelt. Den eigenen Ruf dagegen kann man mit nur einem Ereignis, das die Konsumenten “verletzt”, zunichte machen.

So auch im Falle von Tiger Woods, einem der bekanntesten Sportler aller Zeiten. Einst Symbol für Perfektion und Erfolg, hat der US-Golfstar mit seinen Sexaffairen innerhalb kurzer Zeit sein Ansehen komplett verloren.

Vorbei mit dem Saubermann-Image. Erst leugnete er, seine Frau betrogen zu haben. Als die Spekulationen, Diskussionen und Verurteilungen in den Medien kein Ende nahmen, gab Tiger Woods (erst) gestern auf seiner offiziellen Website bekannt:

I have decided to take an indefinite break from professional golf. I need to focus my attention on being a better husband, father, and person.

Gleichzeitig bittet er um die nowendige Privatssphäre, um genau das zu tun. Fastcompany-Autor Joel Rubinson moquiert seine Aussage:

Sorry, private citizens don’t make tens of millions of dollars in endorsements. You are public. Brands exist in the mind of consumers that don’t like being lied to.

Genau hier liegt das Problem: Konsumenten vergessen nicht und sie unterscheiden nicht zwischen einer Marke und einer Person die dahinter steht. Sie erwarten vertrauenswürdige Menschen und Unternehmen. Markenexperte Rubinson unterstreicht:

In an era of social media, the table-stakes of branding are honesty, openness, and transparency. We all knew something happened, and we knew brand Woods should talk about it, explain it, let us forgive him for it. And we probably would have forgiven him, but now we can’t even consider that…

Woods war ein Salesman. Einer, der als charismatische Person mit Vorbildcharakter Bewegungen massentauglich machen konnte (und auf gut deutsch die Sales in die Höhe trieben). Neben Connectors und Mavens, sind Salesmen einer von drei Multiplikatoren, die nach Malcom Gladwells “Tipping Point” Trends weitertragen. Genau dafür wurde Woods als renommierter Sport-Promi von vielen Werbepartnern engagiert und honoriert.

Entsprechend sind große Marken wie Nike, Pepsi oder Gillette, für die Woods mit seinem Namen steht, sauer und besorgt wegen der Negativ-Schlagzeilen. Kein Produkt verkauft sich mit einem, der als Lügner und Betrüger die Runde gemacht hat. Das Standing des Golf-Genies als Werbeikone und damit sein Marktwert scheinen dank der neuesten Ereignisse vernichtet:

So nimmt Brause-Produzent PepsiCo prompt das eigens nach dem Golfer benannten Sportgetränk “Gatorade Tiger” vom Markt. Ein Werbeträger wie Woods, mit dem eine komplette Werbekampagne gestrickt wurde, ist nicht mehr gewünscht.

Gillette gehört zu den Hauptsponsoren des Sportlers. Die Markenstrategen des Procter&Gamble-Rasier-Imperiums reduzieren die Werbeanzeigen und sind entsprechend ebenso wenig an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert.


Accenture hat den Mann, der einst für das Beratungsunternehmen Integrität und Bestleistung personifizierte, ebenfalls sorgfälitgerweise von der Startseite entfernt. Mit Anzeigen wie diesen, wird Accenture sich zukünftig wohl kaum idenitifzieren.

In der Tat sollte sich Herr Woods keine Sorgen um seine Finanzen zu machen. Erst kürzlich wurde er von Forbes zum “Eine-Millionen-Dollar-Mann” gekürt. Analysten vermuten aber, dass im Prinzip alle Werbepartner dank Moralitäts-Klausel abspringen könnten. Entsprechend berechnen sie, dass ein Jahr Golf-Pause ihn 180 Millionen Dollar kosten könnten.

Nielsen fasst die Social Media-Positionierung von Tiger Woods vor und nach dem Skandal in einer Brand Association Map zusammen. Untersucht wurden hierzu mehr als 60.000 Einträge:

precontroversary
postcontroversary

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Die Copycats von Ed Hardy

Veröffentlicht am 17. November 2009 von Anna Friedrich

Don Ed Hardy ist weltweit berühmt für seine kreativen Tattoos. Dazu verholfen hat ihm nicht nur seine eigene Reputation als Tätowierer. Der französische Designer Christian Audigier hat aus Hardys inspirierender Idee eine ganze Mode-Bewegung gemacht. Mit Christian Audigiers Kleider-Kollektion wird das eingravierte Design, das eine Haltung gegen eine langweilige Klassengesellschaft symbolisiert, plötzlich zur Style- und Trendbewegung und bedeutet keine Entscheidung mehr auf ewig.

Ed Hardy-Anteilseigner Neil Cole von der Iconix Brand Group ist überzeugt: die Marke ist ein einem Stadium, in dem sie besonders “cool und fashionable” bleiben muss. Doch hier liegt das Problem: die digitale Präzenz der Marke aus San Francisco wird ihr zum Verhängnis. Google, der quasi in der Nachbarschaft liegende Suchriese, ebnet Produktpiraten den Weg.

Bildschirmfoto 2009-11-17 um 14.05.23Unterstützer der Tattoo-Marke kämpfen gegen Copycats, die in Windeseile täuschend echte Kopien der Original-Website an die Spitze der Suchergebnisse treiben und sogar die Google Ad Systeme manipulieren. Sie verhökern dort ihre Falschware aus China, die nur dann (blind) gekauft wird, wenn Google die Seiten mit einer gewissen Echtheit versieht. Hoch im Googlerang und sogar mit Werbeanzeige versehen, fällt fast jeder Kunde auf die Täuschung herein.

Ab wann wird eine Marke auch zum Allgemeingut und hat kein “Recht” mehr auf Alleinherrschaft?

Offenbar ist die Kontrolle über das Hardy-Produktsortiment längst aus den Rudern gelaufen. Auf allen Kontinenten haben Gegner die Idee für sich beansprucht, sogar in San Francisco, dem Entstehungsort der Trendbewegung selbst.

Der Online-Klau ist dabei die größte und mächtigste Bedrohung. Teilweise wird die Original-Website von Ed Hardy 1:1 kopiert. Wer nach konkreten Produkten googelt, findet meist erst einmal ein riesiges Repertoire an Fake-Produkten (ohne dies zu wissen). In zahlreichen Fällen versuchten Anwälte, den Ad-Word-Kauf gerichtlich zu verbieten, wenn die Suchbegriffe mit einer bestimmten Marke in Verbindung stehen. Aber hier hat das Recht auf geistiges Eigentum wohl seine Grenzen, das Gesetz jedenfalls ist in diesen Bereichen sehr offen.

Beim Verfolgen der Kopierer dreht sich alles im Kreis. Sobald das Team von der Hardy Way Lizenzfirma einen der Piraten entdeckt, entsteht innerhalb weniger Minuten eine neue Seite. Die Jagd nach den Dieben entspricht dem Schwimmen gegen den Strom: Die unaufhaltsame Kopie-Manie einer Marke.

Kaum eine Marke bleibt verschont von den bösen Copycats. Gleichzeitig zeigt sich der Erfolg einer Marke darin, dass andere versuchen, sie nachzuahmen. Das räumt auch Cole ein:

The better the brand is the worse the problem is.

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Online-Sein oder nicht Online-Sein, das ist nicht die Frage

Veröffentlicht am 2. November 2009 von Anna Friedrich

Darauf hat die Welt gewartet: Ab sofort kann ich mit dem MySkyStatus meinen Twitter- und Facebook-Kontakten mitteilen, wann ich wo mit welchem Lufthansa-Flug über den Wolken bin. Die Web 2.0-Generation lebt und liebt ihre digitale Identität – manchmal mehr als alles andere. Doch gleichzeitig gibt sie mit jedem weiteren Foto, Kommentar oder Status ein Stück ihrer Privatsphäre auf und macht sich damit verfolgbar, immitierbar und vor allen Dingen öffentlich.

Wie bei Talentshows à la DSDS oder “Das Supertalent” kann man sich durch Exhibitionismus im Internet profilieren oder aber glimpflich scheitern (und so oder so auch schnell wieder vergessen werden). Wer keine Inhalte teilt, der existiert jedoch nicht, das betont Mashable-CEO Pete Cashmore:

We’re living at a time when attention is the new currency. (…) Those who insert themselves into as many channels as possible look set to capture the most value. They’ll be the richest, the most successful, the most connected, capable and influential among us.

Die “Dauerveröffentlicher” im Netz sollten aber daran denken, dass das Netz – im Gegensatz zur DSDS-schauenden TV-Meute – nichts vergisst: Einmal Publiziertes ist kaum zu entfernen. Tweets beispielsweise werden zwar aus dem eigene Profil gelöscht, sind aber über die Twitter-Suche immer noch zu finden. Mit negativen bzw. nachteiligen Social Media-Einträgen können nicht nur Unternehmen wie Jack Wolfskin ihren Ruf ruinieren, sondern auch Privatpersonen.

Insbesondere Bewerber können ihre Online-Präsenz als Türöffner zur beruflichen Entwicklung nutzen. Wenn sie es aber falsch angehen, verbauen sie sich häufig Chancen. Dass der eigene Ruf online kriegsentscheidend wird, bestätigt auch Jochen Mai, Karriere-Experte und Redakteur der WirtschaftsWoche:

Es geht nicht mehr so sehr darum, wen du kennst, sondern darum, wer dich kennt. Wer im Netz nicht gefunden wird, hat künftig das Nachsehen. Und wessen Online-Profil keinen seriösen oder kompetenten Eindruck macht, auch.

Das heißt umgekehrt nicht, dass Angestellte sich um ihre digitale Identität kümmern müssen. Im Gegenteil: wie Pete Cashmore feststellt, haben viele Journalisten unabhängig von der Website ihrer Zeitung eigene Publikationskanäle, die sie wiederum (oder gerade deshalb) unentbehrlich für ihren Arbeitgeber machen können.

So gibt es auch hierzulande zahlreiche renommierte Journalisten, die sich auf Twitter einen breiten Zuhörerkreis aufgebaut haben und teilweise auch privat bloggen. Die Internetgemeine betrachtet Thomas Knüwer, Holger Schmidt, Jochen Mai, Mario Sixtus, Olaf Kohlbrück & Co. gleichzeitig Follower als Vertreter des jeweiligen Mediums an (hier meine Journalisten-Twitter-Liste).

Aufmerksamkeit heißt die neue Währung. Denn je mehr Informationen auf allen Kanälen, von TV über Video hin zum Internet verbreitet werden, desto schwieriger ist es, in einem Meer von Daten hervorzustechen. Deshalb gilt: participate or fade into a lonely obscurity.

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Wissensdurst im Netz befriedigen

Veröffentlicht am 22. Oktober 2009 von Anna Friedrich

Ich klappe mein Notebook auf und lese als erstes Emails. Während die runterladen, schaue ich auch schon bei Facebook, was sich da über Nacht getan hat: Wer hat eine Freundschaftsanfrage gestellt, wer hat mir eine Seite vorgeschlagen oder mir eine Kurznachricht geschickt? Während ich meinen Kaffee trinke gucke ich in meinem RSS Reader, was die anderen Seiten – Blogs oder Nachrichtenangebote geschrieben haben und verschaffe mir so einen ersten Überblick (…). Erst dann gehe ich zum Briefkasten und hole die Zeitung.

So wie Daniel Fiene, Jahrgang 1982, seinen Tag beginnt, ergeht es mehr und mehr Menschen, vor allem den Digital Natives (Generation ab 1980). Das Internet strukturiert unser Leben und mehr noch: es ist auf dem sicheren Weg, für uns die Informationsquelle Nr. 1. Bereits 56 Prozent aller 20- bis 39 jährigen mit höherem Bildungsstand verlassen sich auf das Internet, um auf dem laufenden zu bleiben. Dies ergibt die neue Allensbacher Technik- und Computer-Analyse (ACTA 2009).

Ein anderes Licht auf das Internet wirft die Nutzung des Internets insgesamt als Informationsmedium: Die Befragung der 14- bis 64-Jährigen ergibt, dass das Internet immer noch eine untergeordnete Rolle spielt. Klassische Medien, wie Fernsehen, Zeitung und Radio sind noch deutlich belieber.

Die rasant ansteigende Nutzung des Internet führt zu einer unaufhaltsamen Datenmasse. Von der fühlen sich gerade ältere Surfer überfordert, die eben nicht mit diesem WWW aufgewachsen sind. Positiv ist aber insgesamt, dass verglichen auch die ältere Generation, vor allem die 50- 64-Jährigen vermehrt an den Rechner trauen und auch das Internet für sich entdecken.

Auch für Facebook liefert ACTA 2009 äußerst positive Ergebnisse. Das soziale Netzwerk konnte die Anzahl der Mitglieder innerhalb von einem Jahr vervierfachen. Und gerade hier machen sich die Silversurfer bemerkbar: 120 000 von insgesamt 4,3 Millionen Facebook-Nutzern in Deutschland sind über 50 Jahre alt.

Interessant ist auch, wie hoch frequentliert Weblogs mittlerweile sind. Laut ACTA 2009 sind 880.000 der Deutschen “regelmäßig oder häufiger” auch Blog-Autoren. 900.000 geben an “regelmäßig oder häufiger” Kommentare zu posten. Insgesamt lesen 16,9 Millionen Menschen in Deutschland nach eigenen Angaben Blogs (von “selten” bis “häufiger”).

Das bedeutet, auch Blogs werden immer stärker als Informationsquelle genutzt. Der Jack Wolfskin-Skandal hat einmal mehr gezeugt, dass Blogs flexibler sind als große Nachrichtenblätter und können daher schneller über neue Eregnisse berichten: Bereits am Samstag Nachmittag gab es auf dem bekannten Werbeblog Werbeblogger einen ersten Beitrag zu den Abmahnungen der DaWanda-Verkäuferinnen. Spiegel online dagegen konnte erst am Montag einen Artikel zum Thema online stellen.

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Wie verliere ich meine Kunden – in 10 Tagen?

Veröffentlicht am 20. Oktober 2009 von Anna Friedrich

Eine Marke entsteht nicht über Nacht, auch wenn Werber sich das gerne wünschen. Sich auf eine langfristig etablierte Unternehmenstradition zu verlassen, reicht nicht aus, um Kunden an sich zu binden. Eine Marke ist nur so viel wert, wie die Gespräche, die über sie und mit ihr geführt werden.

tazen dawandaWie man den Ruf seiner Marke, der sich über Jahre hin entwickelt hat, mit einem Schlag erfolgreich ruiniert, machte jüngst – nach dem vieldiskutierten Jako-Skandal – Jack Wolfskin vor. Der Outdoor-Hersteller mahnte alle geschäftlichen Anbieter auf dem Marktplatz DaWanda ab, die Produkte mit Pfotenabdrücken im Sortiment hatten, die (angeblich) stark an die Jack Wolfskin Tatze erinnerten. Denn solche Produkte verletzen das Markenrecht der beliebten Tatze, so das Argument der Anwälte.

Das Problem: Jack Wolfskin ist zwar eine etablierte Marke, aber nicht mit Marken-Riesen wie Nivea, Coca-Cola, McDonalds & Co. zu messen. In einer Social Media Welt, in der Marken Konversationen sind, müssen auch Markenrechtler ein Gefühl dafür haben, welche Folgen derartige Klagen für den Ruf der Marke selbst haben können. Adage-Autor Gunnar Brune vergleicht die Markendimension von Jack Wolfskin mit David aus der Bibel:

Like Jako, Jack Wolfskin is a sympathetic David Last week they decided it would be better to act like Goliath.

Was für jeden Social Media Berater vorhersehbar war, scheint nicht in den Köpfen der Jack Wolfskin-Marketiers (und schon gar nicht in denen der schlauen Anwälte) präsent gewesen zu sein. Das Aufsehen in der “Szene” über die Abmahnungswelle, ausgelöst durch den ersten Bericht auf Werbeblogger, ist enorm. JWlogoSpoof2Der Server des bekannten Marketing-Blogs war überfordert und schnell griffen andere Autoren das Thema für Diskussionen auf. Twitter, Facebook und natürlich auch die Medien berichteten. Mittlerweile hat sich eine Gruppe auf Twitter gebildet, die aus Protest eine Tatze als Profilfoto einsetzt.

Ein Blick auf die Google Trends zeigt, wie extrem die Webwelt reagierte:

Bild 7

Brune erklärt die Wut der Konsumenten auch damit, dass gerade Digital Natives Outdoor-Klamotten tragen. Völlig unabhängig davon, ob Jack Wolfskin nun im Recht ist oder nicht hat der Hersteller mit dieser Aktion das erzielt, was jegliche Kunden-Loyalität ins Nichts auflöst: Seine Konsumenten fühlen sich verletzt und hintergangen. Bevor also rechtliche Schritte überhaupt erst in Erwägung gezogen werden müssen Marken den Dialog suchen. Sicherlich hätte Jack Wolfskin die Verkäufer einfach freundlich darauf hinweisen können, dass die Tatze ihrem Logo ähnelt und sie mit der Verwendung nicht einverstanden sind.

Der beanstandete Abmahnungs-Betrag werde, so die Rechtfertigung der offiziellen Stellungnahme des Unternehmens, lediglich zur Deckung der Anwaltskosten eingesetzt:

Wenn verhältnismäßig kleine Unternehmer abgemahnt werden, wird darauf geachtet, die Kosten möglichst gering zu halten. Normalerweise berechnen sich die Kosten eines Abmahnschreibens nach dem zugrunde liegenden Gegenstandswert, der anhand der verletzten Marke bestimmt wird. Dieser wurde in den vorliegenden Fällen so gering wie möglich angesetzt. Die sich daraus ergebenen Kosten in Höhe von € 991,00 sind für einen Kleinunternehmer noch immer verhältnismäßig hoch, jedoch ist dieser für die Entstehung der Kosten verantwortlich, da er markenverletzende Ware verkauft hat und Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war.

Leider zeigt das gestern publizierte Statement, dass Jack Wolfskin so gar nicht gelernt hat aus dem Fall! Anstatt die Aufmerksamkeit dafür zu nutzen, den “Buzz” ins Positive zu wenden, macht sich die Outdoor-Marke nur doppelt lächerlich. Übrigens, auch die Markenrechte von Puma werden hier verletzt ;) :

Bild 8

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