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20. Januar 2010
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Anna Friedrich
Erst denken, dann twittern. Der 26-jährige Brite Paul Chambers hat sich geärgert über die Schließung des Robin Hood Flughafens in Doncaster, Nordengland. Er machte seinem Ärger auf Twitter Luft und dachte, es sei lustig, wenn er verlauten ließe, dass er den Flughafen einfach in die Luft sprengt. Britische Behörden nahmen die Terror-Drohung jedoch ernst. Chambers wurde von einer Anti-Terror-Polizeieinheit verhört, sogar sein Arbeitgeber suspendierte ihn.
Auch Facebook outet Menschen, nicht wenige haben aufgrund unbedachter Postings ihren Job verloren. Das Video Do you have a Facebook? veranschaulicht, wie transparent uns das größte soziale Netzwerk eigentlich macht. Umso beängstigender ist die Aussage des Facebook-Machers Zuckerberg selbst, dass Privatssphäre nicht zeitgemäß sei. Damit rechtfertigt er eine neue Default-Einstellung, die alle Profil-Informationen für jeden sichtbar macht:
Ein anonymer Facebook-Mitarbeiter berichtet, dass das Netzwerk jeden einzelnen Schritt aufzeichnet und damit irgendwie mehr über uns weiß, als wir selbst. Aus Angst vor Datenschützern hat das VZ-Netzwerk nun nach mehreren Skandalen ein TÜV-Siegel eingeführt. Anstatt sich auf dieses Zertifikat zu verlassen, rät Falk Lüke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) eher dazu, sich bei jedem einzelnen Post bei Twitter, StudiVZ und Co. zu fragen:
Gefährlich wird die Publizität im Netz auch und gerade für Prominente, in deren Privatleben sich Journalisten, Blogger und Twitterer adhoc einmischen. So jüngst geschehen auch im Fall des Fremdgehers Tiger Woods – der Online-Redaktion der Sun wurde zugetragen, dass er sich gerade in einer Sex-Therapie begab. Der Transparenz im Internet zum Opfer fiel auch David Letterman. NYT-Autor Robert Wright hat so recht, wenn er resümiert:
Lügen haben kurze Beine – auch wenn der Exhibitionismus online dazu verführt, Unwahrheiten zu erzählen (s. Artikel (K)ein Spiegelbild in sozialen Netzwerken). Das Tracken und Auswerten von Online-Daten dient zu unserem eigenen Schutz einerseits, macht uns gleichzeitig jedoch zum gläsernen Bürger, WENN wir ehrlich sind. Zudem wecken Online-Profile und Status-Updates Begehrlichkeiten: wir sind neugierig auf andere, recherchieren im Netz und entwickeln im schlimmsten Fall Stalker-Manien.
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14. Januar 2010
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Anna Friedrich
Online-Profile entsprechen dem wahren Ich? Das zumindest fand noch im November eine Studie der Universität Mainz heraus. Laut Autoren gab es keine Anzeichen der Selbstidealisierung. Dabei dient das Netz doch als Bühne für Selbstdarsteller – gleiches haben wir im Blogbeitrag Jeder ist sich selbst der Nächste debattiert.
Eine Untersuchung des BITKOM in Kooperation mit dem Forsa-Insitut will es nun mit diesem Ergebnis beweisen: 12 Millionen Deutsche lügen in sozialen Netzwerken. Das bedeutet, beinahe jeder Vierte ab 14 Jahren (23 Prozent) bleibt online nicht immer bei der Wahrheit. Geflunkert wird vor allem bei Themen wie Namen und Alter, aber auch bei Kontaktdaten wie der Mail-Adresse oder Telefonnummer, dem Geschlecht, dem Gehalt oder Körper-Attributen. Was die Internetnutzer zur Manipulation der eigenen Angaben animiert?
So interpretiert BITKOM-Chef Prof. Scheer die Befunde. Über die Hälfte der bekennenden Lügner (58 Prozent) haben kein Vertrauen in die Sicherheit des Internets und fast 50 Prozent der Befragten scheuen ungewollte Werbemaßnahmen.
Jeder sechste Schummler aber faked absichtlich sein Online-Ich, um sich „im Internet auszuleben ohne negative Folgen“. 10 Prozent suchen inkognito einen Partner und fünf Prozent scheinen – traurigerweise – Spaß daran zu haben, andere zu verarschen (interessant wäre hier eine Betrachtung der Geschlechter).
Ein gesundes Misstrauen ist also beim Treffen auf Unbekannte im Netz mehr als angebracht – das ist nichts Neues. Gerade Jugendliche haben meist eine naivere Herangehensweise und sollten ausreichend geschützt und gewarnt werden. Umgekehrt gilt auch die eigene Achtsamkeit, was die Einstellungen der Privatssphäre angeht. Getrackt wird aber beispielsweise auf Facebook sowieso alles, das sagte eine unbekannte Facebook-Mitarbeiterin der Presse.
Neben Kulturpessimisten gibt es zahlreiche weitere kritische Stimmen zum Thema Offenheit und Aktivität in sozialen Netzwerken. Während Martin Weigert dazu rät, Facebook nicht in das eigene Beziehungsleben zu involvieren, warnt Welt-Autor Martin Simons vor Realitätsverlust durch die Social Media-Präsenzen:
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13. Dezember 2009
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Anna Friedrich
Sich als Marke zu etablieren, dauert Jahre – egal, ob es sich um eine Person oder ein Produkt handelt. Den eigenen Ruf dagegen kann man mit nur einem Ereignis, das die Konsumenten “verletzt”, zunichte machen.
So auch im Falle von Tiger Woods, einem der bekanntesten Sportler aller Zeiten. Einst Symbol für Perfektion und Erfolg, hat der US-Golfstar mit seinen Sexaffairen innerhalb kurzer Zeit sein Ansehen komplett verloren.
Vorbei mit dem Saubermann-Image. Erst leugnete er, seine Frau betrogen zu haben. Als die Spekulationen, Diskussionen und Verurteilungen in den Medien kein Ende nahmen, gab Tiger Woods (erst) gestern auf seiner offiziellen Website bekannt:
Genau hier liegt das Problem: Konsumenten vergessen nicht und sie unterscheiden nicht zwischen einer Marke und einer Person die dahinter steht. Sie erwarten vertrauenswürdige Menschen und Unternehmen. Markenexperte Rubinson unterstreicht:
Woods war ein Salesman. Einer, der als charismatische Person mit Vorbildcharakter Bewegungen massentauglich machen konnte (und auf gut deutsch die Sales in die Höhe trieben). Neben Connectors und Mavens, sind Salesmen einer von drei Multiplikatoren, die nach Malcom Gladwells “Tipping Point” Trends weitertragen. Genau dafür wurde Woods als renommierter Sport-Promi von vielen Werbepartnern engagiert und honoriert.
Entsprechend sind große Marken wie Nike, Pepsi oder Gillette, für die Woods mit seinem Namen steht, sauer und besorgt wegen der Negativ-Schlagzeilen. Kein Produkt verkauft sich mit einem, der als Lügner und Betrüger die Runde gemacht hat. Das Standing des Golf-Genies als Werbeikone und damit sein Marktwert scheinen dank der neuesten Ereignisse vernichtet:
So nimmt Brause-Produzent PepsiCo prompt das eigens nach dem Golfer benannten Sportgetränk “Gatorade Tiger” vom Markt. Ein Werbeträger wie Woods, mit dem eine komplette Werbekampagne gestrickt wurde, ist nicht mehr gewünscht.
Gillette gehört zu den Hauptsponsoren des Sportlers. Die Markenstrategen des Procter&Gamble-Rasier-Imperiums reduzieren die Werbeanzeigen und sind entsprechend ebenso wenig an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert.
Accenture hat den Mann, der einst für das Beratungsunternehmen Integrität und Bestleistung personifizierte, ebenfalls sorgfälitgerweise von der Startseite entfernt. Mit Anzeigen wie diesen, wird Accenture sich zukünftig wohl kaum idenitifzieren.
In der Tat sollte sich Herr Woods keine Sorgen um seine Finanzen zu machen. Erst kürzlich wurde er von Forbes zum “Eine-Millionen-Dollar-Mann” gekürt. Analysten vermuten aber, dass im Prinzip alle Werbepartner dank Moralitäts-Klausel abspringen könnten. Entsprechend berechnen sie, dass ein Jahr Golf-Pause ihn 180 Millionen Dollar kosten könnten.
Nielsen fasst die Social Media-Positionierung von Tiger Woods vor und nach dem Skandal in einer Brand Association Map zusammen. Untersucht wurden hierzu mehr als 60.000 Einträge:
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2. November 2009
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Anna Friedrich
Darauf hat die Welt gewartet: Ab sofort kann ich mit dem MySkyStatus meinen Twitter- und Facebook-Kontakten mitteilen, wann ich wo mit welchem Lufthansa-Flug über den Wolken bin. Die Web 2.0-Generation lebt und liebt ihre digitale Identität – manchmal mehr als alles andere. Doch gleichzeitig gibt sie mit jedem weiteren Foto, Kommentar oder Status ein Stück ihrer Privatsphäre auf und macht sich damit verfolgbar, immitierbar und vor allen Dingen öffentlich.
Wie bei Talentshows à la DSDS oder “Das Supertalent” kann man sich durch Exhibitionismus im Internet profilieren oder aber glimpflich scheitern (und so oder so auch schnell wieder vergessen werden). Wer keine Inhalte teilt, der existiert jedoch nicht, das betont Mashable-CEO Pete Cashmore:
Die “Dauerveröffentlicher” im Netz sollten aber daran denken, dass das Netz – im Gegensatz zur DSDS-schauenden TV-Meute – nichts vergisst: Einmal Publiziertes ist kaum zu entfernen. Tweets beispielsweise werden zwar aus dem eigene Profil gelöscht, sind aber über die Twitter-Suche immer noch zu finden. Mit negativen bzw. nachteiligen Social Media-Einträgen können nicht nur Unternehmen wie Jack Wolfskin ihren Ruf ruinieren, sondern auch Privatpersonen.
Insbesondere Bewerber können ihre Online-Präsenz als Türöffner zur beruflichen Entwicklung nutzen. Wenn sie es aber falsch angehen, verbauen sie sich häufig Chancen. Dass der eigene Ruf online kriegsentscheidend wird, bestätigt auch Jochen Mai, Karriere-Experte und Redakteur der WirtschaftsWoche:
Das heißt umgekehrt nicht, dass Angestellte sich um ihre digitale Identität kümmern müssen. Im Gegenteil: wie Pete Cashmore feststellt, haben viele Journalisten unabhängig von der Website ihrer Zeitung eigene Publikationskanäle, die sie wiederum (oder gerade deshalb) unentbehrlich für ihren Arbeitgeber machen können.
So gibt es auch hierzulande zahlreiche renommierte Journalisten, die sich auf Twitter einen breiten Zuhörerkreis aufgebaut haben und teilweise auch privat bloggen. Die Internetgemeine betrachtet Thomas Knüwer, Holger Schmidt, Jochen Mai, Mario Sixtus, Olaf Kohlbrück & Co. gleichzeitig Follower als Vertreter des jeweiligen Mediums an (hier meine Journalisten-Twitter-Liste).
Aufmerksamkeit heißt die neue Währung. Denn je mehr Informationen auf allen Kanälen, von TV über Video hin zum Internet verbreitet werden, desto schwieriger ist es, in einem Meer von Daten hervorzustechen. Deshalb gilt: participate or fade into a lonely obscurity.
Die neue Art des “Teilens” von eigenen Inhalten im Netz birgt Risiken und Chancen zugleich. Clay Shirky’s Statement bedeutet auch, dass wir im Umgang mit eigenen Daten und Inhalten online vorsichtig sein müssen. Im Web verschmelzen berufliche und private Präsenzen – anders als in der Offline-Welt können Nutzer ihre Aktivitäten nicht mehr trennen. Wer peinliche Party-Fotos auf Facebook einstellt und Mitglied von StudiVZ-Gruppen wie „Sex am Arbeitsplatz fördert die Arbeitsmoral“ ist, braucht sich nicht wundern, wenn er keine Einladung zum Bewerbungsgespräch erhält. Denn das Gros der Arbeitgeber googelt seine Bewerber, wie Studien aus Deutschland und den USA jetzt belegen.
Laut einer Untersuchung von Harris Interactive nutzen 45 Prozent von rund 2.700 befragten personalverantwortlichen Managern soziale Netzwerke, um sich ein umfassendes Bild von möglichen zukünftigen Mitarbeitern zu machen. Auftraggegeber der Befragung ist die amerikanische Berufsplattform Careerbuilder.
Erst, wenn der erste Reputations-Check im Netz bestanden ist, kommt der Bewerber demnach überhaupt erst in die “zweite Runde”. Bei 35 Prozent der Personaler war das Suchergebnis zur Person ein Ausschlusskriterium für eine Anstellung – sei es wegen unpassender oder provokativer Fotos (53 Prozent), wegen Inhalten, die auf Alkohol- oder Drogenkonsum schließen lassen (44 Prozent) oder aber Lästereien zu Arbeitgebern, Kollegen oder Kunden (35 Prozent).
Ähnliche Ergebnisse liefert eine Dimap-Studie im Auftrag von Verbraucherministerin Ilse Eigner: demnach nutzt gut ein Viertel der deutschen Firmen beim Auswahlverfahren Informationen zum Bewerber in sozialen Netzwerken bevor er überhaupt “vorsprechen” darf. Die Befragung ergab, dass 25 Prozent der Recruiter Personen aufgrund ihrer Webinhalte vom weiteren Bewerbungsprozess ausschließen. 76 Prozent der Arbeitgeber bewerteten einen Kandidaten besonders negativ, wenn er seine aktuelle oder vergangene berufliche Lage kritisierte. 43 Prozent der befragten Unternehmen sehen zudem persönliche Inhalte wie Party-Fotos als nachteilig und unangemessen an. Falk Lüke, Referent der Verbraucherzentrale, erklärt im Deutschlandfunk:
Für Jobsuchende heißt das umgekehrt: sie sollten sich eine “reine Weste” im Netz zulegen. Personalverantwortliche verlangen weitaus mehr, als einen aalglatten Lebenslauf und ein professionelles Anschreiben. Peinlichkeiten und Unpässlichkeiten jeder Art sollten niemals in Verbindung mit dem Profil zur eigenen Person stehen. Laut Harris Interactive war Facebook die beliebteste Recherche-Plattform für Arbeitgeber, gefolgt von LinkedIn und MySpace. Immerhin sieben Prozent der Befragten verfolgten auch das Treiben der Kandidaten bei Twitter. Für den deutschen Raum kommt noch das StudiVZ-Netzwerk als einer der Datenquellen hinzu.
Noch besser kommt es bei den HRlern an, wenn ein Bewerber sich mit einem professionellen Erscheinungsbild im Netz präsentiert. Bei all seinen Risiken bietet Internet vor allem eine Bühne für Selbstdarsteller: indem sich Karriereinteressierte mit ihrem Know-how, ihren Erfahrungen und Alleinstellungsmerkmalen zeigen, schaffen sie Aufmerksamkeit. Eine gute Möglichkeit zum Personal Branding bietet myON-ID (MAVENS-Kunde). Jeder kann sich auf der Plattform mit seinen sozialen Netzwerkprofilen und eigenen Inhalten aus dem Web präsentieren. Das Profil ist individuell gestaltbar und hebt von der Masse ab – auch durch das aktive Suchmaschinenmarketing, das dafür sorgt, dass das eigene Profil bei Google unter den ersten Treffern gerankt wird.
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26. Juni 2009
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Anna Friedrich
Zur Legende wird man erst, wenn man stirbt. Jacko’s Tod schafft globale Betroffenheit im Netz. Die gestrige Schreckensnachricht über das plötzliche Sterben von Michael Jackson verbreitete sich wie ein Lauffeuer – auch und gerade über Twitter. Gestern Abend kollabierten zudem Dienste wie Google News und Wikipedia. Mit der Masse an Nachrichten zur Hiobsbotschaft kam das Web nicht zurecht.
Pete Cashmore von Mashable hat sich die Statistik einmal angeschaut und stellt fest, dass sich ein Drittel der Tweets (!) zu dieser Zeit allein mit dem King of Pop beschäftigten. Eine beeindruckende Zahl, wenn man beachtet, dass es weltweit 18,2 Millionen aktive Twitterer gibt. Kam es jemals bei einer Naturkatastrophe oder anderen tragischen Unfällen, wir kürzlich der Absturz des Air France-Fliegers im brasilianischen Pazifik, zu einem solchen Twitter-Tsunami?
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie man mit Sterbefällen im Netz umgehen sollte. Gerade gestern sind wir auf den offenbar verstorbenen Twitterer DocKlaus aufmerksam geworden. Seine Geliebte oder Verlobte scheint sein Account jetzt als Kanal für ihre Trauer zu nutzen. In gebrochenem Deutsch und ab und zu auch auf Englisch schickt sie ihm Botschaften.
Der Tod – ob von einem Popstar oder einem in Vietnam gestrandeten deutschen Arzt – hat aus meiner Sicht mehr Würde verdient. Twitter ist zwar geeignet, um die Nachricht zu verbreiten und vielleicht auch, um seine Kondolenz zum Ausdruck zu bringen. Unangebracht ist es jedoch, sich im Nachhinein über den Davongeschiedenen auszulassen. Dazu ist weder Twitter noch der Rest des Webs der geeignete Ort. In diesem Fall gilt eher nicht: “Don’t stop ’till you get enough!”
So kritisierte Brian Solis letzte Woche auf der next09 übereifrige Zwitscherer, die seiner Meinung nach zu viele Informationen teilen. Der so genannte Mr. PR 2.0 ist der Meinung, Twitter ist eine Chance, um relevante News zu verbreiten. Nicht aber, um Belanglosigkeiten auszutauschen.
Mit dem Drang zum “Status-Update” beschäftigt sich auch der folgende Amateurfilm aus den USA. Die Twitter Cops verfolgen alles und jeden, der kund tut, wo er gerade ist und was er isst.
Was hier parodiert wird, hat allerdings einen wahren Hintergrund: Das “Zuviel” an Nachrichten schadet häufig mehr als es nutzt. Viele Twitter-Fanatiker “verraten” sich durch ihre Updates. Da schreibt beispielsweise ein Kontakt fleißig darüber, was er gerade tut – auf Anrufe oder Emails reagiert er aber nicht.
Viel schlimmer aber, als regelmäßig Irrelevantes von sich zu geben ist doch aber die Aufmerksamkeit, die dadurch verloren geht. Die Folge davon: der “Absender” wird nicht mehr ernst genommen und unter Umständen auch an “Followern” verlieren. In einem Interview mit Der Zeit erklärt Solis: “You’re not going to keep your followers if they don’t find value in what it is that you’re sharing.”
WAS wir da verbreiten, ist in der Tat alles Andere als egal, das betont der berühmte Social Media Experte Brian Solis in seinem next09-Vortrag:
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29. Januar 2009
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Anna Friedrich
Sie ist jung, sexy und vor allem: sie weiß, das Web gekonnt für ihr Image einzusetzen. Die Journalistin Julia Allison hat sich in ihrem Blog XoJulia, ihrem Twitter-Account und ihrer Online-Show zum It-Girl der Internetszenegemausert.
Ihre Online Dating-Kolumne, die Sie für die Seite NonSociety schreibt, ist laut eigener Aussage stark inspiriert durch den SATC-Star CarryBradshaw. Was Paris Hilton in der Offline-Welt für die Partyszene dieses Globus ist, stellt die erst 27-jährige NewYorkerinals neue Stilikone des Netzes dar. Denn so richtig weiß keiner, warum Allison dermaßen gehyped wird. Aber so ist das nunmal bei Stars – im Web verhält sich das wohl nicht anders.
10.000 Besucher verfolgen das Leben der – laut “New York Observer” – bekanntesten jungen Journalistin NewYorks täglich in den Lifecasts auf ihrem Blog. Die junge Frau ist immer und überall, natürlich auch auf Facebook, Flickr, MySpace und Videokanälen wie YouTube und Vimeo.
Zwar sagt das It-Girl auf dem DLD selbst, das Alles sie “ein großes Experiment”. Sie dokumentiert jeden Schritt ihres Lebens, um ein breites Publikum erreichen zu können, für sie ist ihr Tagebuch ihre “Unterhaltung mit der Welt“. Ob mit gepunktetem Schwimmring singend als Arielle die Meerjungfrau im Wasser, beim Lady GagaRodeo reiten oder der Amtsernennung von Obama – keine Situation ist ihr zu peinlich.Ihre Webpräsenz gleicht insgesamt einer Reality Show und hat etwas von einer Art Exhibitionistmus 2.0. Entsprechend sind die Diskussionen und die Anerkennung Allisons im Netz sind endlos.
Die studierte Politikwissenschaftlerin kam mit dem Ziel, berühmt zu werden in den Big Apple und hat es geschafft: Sie ist zum Vorbild und Gespräch der Medienwelt geworden, in der Blogosphäre und den Medien diskutiert man über sie und ihren phänomenalen Ruhm. Google wirft 2.060.000 Treffer für ihren Namen aus. Vielleicht macht sie das ja zur “Medienpersönlichkeit in den USA”, wie sie sich selbst bezeichnet. Allisson erklärt ihre Beliebtheit mit der Neugier ihrer Zuschauer:
Eines ihrer größten Kritiker ist das Celebrity-Portal Gawker. Dessen ehemaliger Chefredakteur, ChoireSicha, beschreibt ihren phänomenalen Aufstieg zur Stilikone des Webs so:
Das Wired Magazin, ein wichtiges US-Technologieblatt, machte im August 2008 eine Cover-Story aus dem schönen IT-Szenegirl. In der Ausgabe, die sich zum Verkaufsschlager entpuppte, wird sie als die Verkörperung des Warholischen Ideals tituliert:
Die PR-Maschine jungen Autorin rollt und rollt. Am 22. Januar 2009 erst brachte sie mehr als 820.000 UniqueVisitors auf XoJulia. Von solchen Quoten träumt so manch Marketier!
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9. Dezember 2008
von
Anna Friedrich
Narzissmus wird im Internet zur Medienregel. Wert legen die Nutzer alle nur auf eines: Ich, ich und nochmal ich. Je peinlicher der Auftritt online, desto sicherer die Aufmerksamkeit der anderen. Das Web ist ein Paradies zur Selbstinszenierung, zur (Neu-)Konstruktion des eigenen Ichs.
Über Klickraten, Bewertungen und Kommentare bekommen die Selbstdarsteller Feedback vom Zuschauer – das legitimiert alles. Von einer Hemmschwelle, wer welche Informationenvon Fotos über Filme hin zu Status-Updates sehen kann, keine Spur. Ironisch bezeichnet Welt-Redakteurin Silke Wichert diese “Lohnabrechnung” als gerecht. “Nie war Egopflege einfacher und transparenter“, schreibt sie.
Menschen, die ohne erkennbare Begabung berühmt werden, sind ein Phänomen. Gerade sie nutzen das Internet perfekt. Vom Obama-Girl, einer US-Schauspielerin, die die Obamania erfolgreich als Karriereschub einsetzen konnte, haben wir bereits berichtet (–> Obama sammelt Wähler im Netz). Britney Spears versucht verzweifelt, durch ihre Aktivitäten online ihre alte Bekanntheit wieder zu beleben.
Auf MySpace “tourt” Tila Tequila. Die vorher unbekannte bi-sexuelle Asiatin hat es über MySpace geschafft, eine ganze MTV-Serie ins Leben zu rufen, die besser ankommt als die von Britney Spears. Hier hat sie jetzt schon die zweite Staffel namens “A Shot in Love II” gestartet: eine Reality Soap, in der Sie die Liebe ihres Lebens sucht. Ob Mann oder Frau? Das weiß sie natürlich noch nicht. Die kürzlich im deutschen Kanal ausgestrahlte achte Folge der Staffel zeigt einmal mehr die unglaubliche Exhibitionsbereitschaft der Mitwirkenden. Alle Serien sind selbstverständlich online.
US-Psychologin Jean Twenge von der University of San Diego bezeichnet die heutige Generation amerikanischer Jugendlicher und Studenten als die selbstverliebteste überhaupt. Sie hat mit einem Fragebogen im Jahr 2006 den Grad des Narzissmus unter amerikanischen College-Studenten gemessen. Die Werte lagen um fast ein Drittel höher als vor 25 Jahren. Nach ihrem Buch “Generation Me” veröffentlicht sie bald das nächste, in dem sie das Phänomen der Selbstverherrlichung thematisiert: “The Narcissism Epidemic”.
Damit sei, so Franck gegenüber der Welt, die Sozialdemokratie doch noch beim Volk angekommen. Ganz unrecht hat er damit nicht. Die Webwelt kann aber auch echte Talente zum Vorschein bringen: die Sängerin Ingrid Michaelson wurde ebenfalls über ihr MySpace-Profil berühmt. Ihre Entdeckerin hat ihre Musik für die beliebte Arztserie “Grey’s Anatomy” lizenzieren lassen und machte sie damit über Nacht zum Star.
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24. November 2008
von
Mark Pohlmann
Die Nachricht des Tages war zweifellos der Rücktritt des Xing-Gründers Lars Hinrichs. Ich wundere mich, dass ein Aspekt so gar nicht in die Gratulationsbekundungen Eingang gefunden hat:
Warum tritt ein Gründer freiwillig aus seinem eigenen Unternehmen aus?
Wohlgemerkt: Xing ist erfolgreich, kerngesund und profitabel. Lars Hinrichs ein angesehener Unternehmer. Es könnte alles nicht besser sein. Und dennoch scheint es ihm nicht gereicht zu haben.
Persönliche Bereicherung scheidet als Motivation aus. Er bleibt größter Einzelaktionär. Ich höre an dieser Stelle schon die Rufe: “Ein Gründer muss loslassen können!” Ich kann darauf nur antworten: Das könnte er auch, wenn er geblieben wäre!
Bei mir werden alte Erinnerungen wach: Vor ungefähr sechs Jahren, im tiefsten Dunkel der frisch geplatzten New Economy, ging mein damaliger Chef Oliver Sinner von Bord der SinnerSchrader Aktiengesellschaft. Damals waren die Zeiten noch andere: Am Anfang waren Online-Gründer Popstars, danach gefallene Helden. Oliver Sinner ging, als “Excel statt Powerpoint” gefragt war. Matthias Schrader hat alleine weitergemacht, und das ist bis heute so geblieben. Oliver hat nie wieder den Weg zurück ins Online-Business gefunden (oder wohl besser: gewollt), sondern hat ein neues Leben mit Hotels, Bauernhöfen und Restaurants in seinem Heimatort begonnen.
Ich hätte mir damals gewünscht, dass er nicht in den Sack gehauen hätte. Mit seinem Weggang war die Identifikationsfigur unserer Agentur von heute auf morgen weg. Es hat lange gedauert, bis “das Gehirn” Matthias Schrader auch “das Gesicht” von SinnerSchrader wurde (an dieser Stelle meine Hochachtung dafür, dass er dies geschafft hat).
Noch so einer, der in diese Riege passt, ist der Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski. Auch er ging, weil er für sich selbst keine Zukunft mehr in seinem eigenen Unternehmen sah. Andere sollten es anders, irgendwie besser machen. Lukasz hilft jetzt lieber neuen Unternehmen auf die Beine als seinem eigenen. Spreadshirt ohne Lukasz aber ist nur noch “just another t-shirt-printer”. Das Magische ist vorbei.
Warum gratuliert man also einem Gründer zu seinem Austritt?
Es ist wohl so, dass Gründer allgemein sehr gerne aufbauen und sich an der Geschwindigkeit der Entwicklung berauschen können. Aber von Herzen ungerne treiben sie täglich neu das kleinteilige, unaufregende Tagesgeschäft an. Wer interessiert sich schon für Renditeoptimierung oder dafür unaufgeregte Strategien mit ruhigem Auge über lange Zeiträume zu verfolgen, der aus dem Nichts einen Millionenmarkt geschaffen hat?
Und hey – Lars ist 32! Er hat gerade sein zweites Kind bekommen! (Herzlichen Glückunsch den Eltern hierzu) Wer wollte ihm vergönnen, diese Zeit, diesen Moment des Erfolges zu genießen und sie genau jetzt zu konservieren?
Fakt ist doch: Gründer sind die Seele ihrer Firma. Ihre Firmen sind wie ein Körperteil oder wie Kinder: Untrennbar verbunden. Deswegen haben sie eine viel größere Verantwortung als Manager, die nur Leiharbeiter sind. Weglaufen gilt einfach nicht. Es geht immer auch die Seele der Firma mit.
Was also wird aus Xing? Die Herausforderungen für börsennotierte soziale Netzwerke werden in rezessiven Zeiten nicht kleiner. Neue Werbemodelle werden überall gesucht. Facebook drängelt, Linkedin kommt. Ob das geniale Abomodell von Xing noch in drei Jahren so gut funktioniert wie in den letzten fünf? Lars hinterläßt ein bestelltes Haus. Ob es wetterfest ist, weiß man nicht.
Sicher ist hingegen, dass Xing für den Moment seine Mitte verloren hat. Ab sofort ist Xing ein ganz normales Unternehmen. Es gibt keinen Magier mehr, der immer noch einen Trick im Hut hat. Der neue Chef, seine Mitarbeiter und die Kunden werden Zeit brauchen, das Xing nach Lars zu formen. Gibt aber der Markt Xing die Zeit, die es jetzt braucht? Die Zukunft von Xing ist seit heute noch ein bisschen offener ist, als sie das sowieso für alle in diesem Markt ist.