Archiv für die Kategorie ‘PR 1.0’

Die Kunst der Media Relations: Be unexpected

Veröffentlicht am 25. Januar 2012 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0, PR 1.0, Presseschau

Konsumenten werden von allen Seiten überfrachtet mit der Sehnsucht der Marketiers, Absatz zu generieren, wie Goodbuzz bemerkt. Das gilt aber nicht nur für die Werbebranche. Auch Medienvertreter fühlen sich häufig bombardiert mit “Nachrichten” von Pressearbeitern.

Deshalb gilt für die PR: Standard ist out. Klar gibt es Unternehmensnachrichten, die nicht besonders brisant sind, aber in die Schlagzeilen gehören. Pressemitteilungen ohne jeglichen Neuigkeits- und Innovationsgehalt sind vor allem unerwünscht. Hier ein paar beachtenswerte PR-Regeln:

  1. (1) Gibt es aktuelle Themen, die indirekt mit dem eigenen Produkt oder der eigenen Dienstleistung in Verbindung stehen? Dann ist jetzt die Chance, aktuelle Aufhänger zum Surfen auf der Wahrnehmungswelle zu nutzen und so ins Gespräch zu kommen.
  2. (2) Denn die pure Existenz eines Unternehmens ist meist keine Nachricht - es sei denn, es heißt Apple.
  3. (3) Journalisten denken in Überschriften: Marken- und Unternehmensnamen haben da nur am Rande etwas zu suchen. Im Fokus der Berichterstattung steht stets der Informationswert. Sie dienen also nicht dem Unternehmen, sondern dem Leser.
  4. (4) Pressemittelungen können ein Kanal sein, um Informationen zu verbreiten. Nichts ist jedoch wichtiger, eindrucksvoller und nachhaltiger als ein persönliches Gespräch mit dem Gründer, CEO oder dem Pressesprecher.
  5. (5) Und der individuelle Kontakt bringt gleich noch ein wichtiges Thema für den Journalismus auf den Punkt: Exklusivität. Wer etwas Spannendes zu berichten hat, biete dieses vor dem Aussand seinen wichtigsten Kontakten an. Das bedeutet nicht, dass man eine News Mehreren gleichzeitig anbietet, sondern dezidiert eine Reaktion abwartet und gegebenenfalls bei Absage einen weiteren Journalisten fragt.
  6. (6) Beachtet das Zeitfenster eines Journalisten: Er sitzt nicht da und wartet, bis Ihr anruft. Er hat eine volle Inbox, ein Telefon, das ständig klingelt, ein Redaktionsmeeting (meist Vormittags), auf dem er Vorschläge und Ergebnisse präsentieren muss oder Themen aufnehmen, die die Redaktionsplanung vorsieht und einen Chefredakteur, der wegen des Redaktionsschlusses im Dreieck springt.
  7. (7) Weniger ist mehr: Sorgfältig selektierte Verteiler sind weitaus effizienter als umfangreiche. Schlimmer, als ein Medium zu vergessen, ist es, das falsche Ressort oder gar ein komplett unpassendes Zielmedium zu adressieren.
  8. (8) Hartnäckigkeit gehört manchmal zum Berufsalltag eines PRlers, sollte aber nicht in Nervigkeit ausarten. Ein Mal nachzufragen ist “ok”, wenn es vorher noch kein klares Nein gab. Im Optimalfall kommt aber der Journalist zu euch, genau dann, wenn Ihr es nicht erwartet.

 

Facebook engagiert Agentur für Googles Negativ-PR

Veröffentlicht am 12. Mai 2011 von Anna Friedrich | Medien 2.0, PR 1.0, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Seit Dienstag steht eine der fünf größten PR Agenturen weltweit, Burson-Marsteller, am Pranger: Wie USA Today berichtete, versuchten zwei BM-Vertreter, Negativgerüchte über Google zu streuen. Sie behaupteten, Googles “Social Circle” verstoße gegen diverse Datenschutzgesetze.

Während noch Apple und Microsoft in Verdacht gerieten, steht seit heute fest: Absender der Hetzkampagne ist Google-Feind Facebook. Ein Sprecher des Social Networks erklärt die Motivation für dieses schäbige Vorhaben damit, dass Facebook glaubt, Google’s Netzwerk-Aktivitäten seine privatsphäretechnisch bedenklich und zudem, weil man glaube, dass Google die Facebook-eigenen Daten nutze:

We are concerned that Google may be improperly using data they have scraped about Facebook users

Burson-Marsteller hatte bisher einen tadellosen Ruf – nicht ganz unwichtig als PR-Agentur, die unter anderem die Clintons vertritt. Peinlich ist der Vorfall für beide Seiten: Facbeook präsentierte sich bisher als vertrauenswürdig und leidet derzeit noch unter anderen öffentlich gewordenen Datenpannen. Empfehlenswert wäre hier nur Philosophie “DO what you sell” anstelle von “Fight the enemy”.

BP sucht vergebens die Tankstelle zur Image-Politur

Veröffentlicht am 26. Mai 2010 von Anna Friedrich | PR 1.0, Presseschau, Soziale Netzwerke, Storytelling, Web 2.0

Der Ölgigant BP kann weder das Meer, noch sich selbst vor Problemen retten. Mit jedem der hundertausend Liter Öl, die seit einem Monat minütlich in den Golf von Mexiko strömen, verschlechtert sich der Ruf des Konzerns dramatisch. Eine logische Konsequenz auf den Verursacher einer der schlimmsten Umweltkatastrophen, die die Welt gesehen hat.

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Des Einen Leid ist jedoch des Anderen Freud. Unter dem Namen BPGlobalPR entpuppt sich ein Twitterer als sarkastischer BP-Kritiker. Mit subtiler Ironie mischt er, meist unter den Hashtag bpcares, die Webgemeinde auf. Und das mit vollem Erfolg: fast 40.000 Follower hat der Fake-Account, während gerade mal 5.600 die echten PR-Tweets von BP America lesen. Sogar T-Shirts bietet der falsche Zwitscherer mittlerweile an. Der lustige Unbekannte versteht es, seinen Profit aus dem Drama zu schlagen.

Für BP birgt ein solches Account Gefahren. Viele halten die Tweets für “echt” und empören sich über die humorvolle Stimmung in der ausweglosen Situation. Die Macht des falschen Absenders macht deutlich, dass Unternehmen ihre Botschaften in sozialen Netzwerken nur schwer kontrollieren können. Der nüchterne Kommentar eines BP-Sprechers gegenüber dem Wallstreet Journal zeigt, dass der Konzern kaum Aktivismus und noch weniger Social Media Kompetenz besitzt:

It’s a shame, but obviously people are entitled to their views.

Was unternehmt ihr “gegen” den Twitterer? Könnt ihr ihn für euch aktivieren oder wenigstens auf ihn reagieren? Auch den Begriff PR scheint BP missverstanden zu haben. Die Tourismus-Industrie in den betroffenen US-Staaten Alabama, Mississippi and Florida ist seit der Katastrophe quasi tod. Deshalb dachte sich der Konzern, er müsse sich seinen guten Ruf durch verdeckte PR-Kampagnen erkaufen.

So drehte man einen TV-Spot namens “Love to See Ya!“, der die sauberen Strände und die Verfügbarkeit von frischen Meeresfrüchten verherrlicht. Selbstverständlich wird der produzierende Geldgeber BP mit keinem Wort erwähnt. Aber kommt noch schlimmer: BP händigte seinen Mitarbeitern vor Ort Blankoschecks aus, damit diese negative Kommentare unterlassen bzw. verwischen (Quelle: AdAge).

Auf Druck der US-Regierung und der Bevölkerung hin wird jetzt das riskante “Top Kill” sowie die Tests hierzu live übertragen. Die Maßnahme ist der Versuch, die Öl-Teppiche mit Tonnen von Schlamm auszulöschen. Vielleicht denken sich die Kunden von BP bzw. hierzulande auch Aral in ein paar Jahren: “Schlamm drüber”?

Die Macht der Spin Doctors

Veröffentlicht am 18. März 2010 von Anna Friedrich | Journalisten, Medien 1.0, Medien 2.0, PR 1.0

Journalisten sind neutral und unabhängig, so zumindest der Berufsethos. Aber “erst kommt das Fressen und dann die Moral.” Denn dem Australian Centre for Independent Journalism (ACIJ) und dem Medienportal Crikey liegen andere Befunde vor, nach denen Medienmacher durchaus beeinflussbar. Eine ausführliche Medienanalyse ergab, dass über die Hälfte (55 Prozent) der untersuchten Texte unter PR-Einfluss entstanden. In der größten australischen Boulevardzeitung, The Daily Telegraph, waren durchschnittlich gar 70 Prozent aller Inhalte das Ergebnis von PR. Die etwas seriösere Tageszeitung, The Sydney Morning Herald kommt vergleichsweise glimpflich davon mit etwa 42 Prozent ge”spin”ter Artikel.

Hierzu nahmen 40 Studenten im Zeitraum von sieben Tagen 2203 Artikel aus 10 Tageszeitungen unter die Lupe. Sie analysierten und kritisierten Sie die Inhalte und befragten jeden einzelnen Journalisten persönlich, um einen möglichen PR-Effekt zu beurteilen. Größtenteils fühlten sich die Schreiber angegriffen von den Fragen. Was aber ist dabei, wenn Unternehmen bzw. ihre PR-Vertreter mit den Medien in Kontakt stehen und sie auf dem Laufenden halten? Es dient ihnen zur Image-Pflege und verkürzt die ohnehin knappe Recherche-Zeit des Redakteurs.Die einst “rasenden Reporter” kämpfen in einer Branche, die voll unter der Krise leidet. Spin Doctors wissen, wie der Markt läuft und haben spannende Geschichten in petto. Eigentlich eine Win-Win-Situation, wäre es denn so einfach.

SPINNINGTHEMEDIAbanner

Chris Mitchell, Chefredakteur von The Australian, war einer der wenigen ehrlichen Kandidaten. Er verteidigt das Verhalten mit dem Wandel des Journalismus:

It’s very difficult I think, given the way resources have drifted from journalism to public relations over the past 30 years, to break away as much as you really want to … I guess I’m implying, the number of people who go to communications school and go into PR over the years has increased and the number in journalism has shrunk even more dramatically.

Die Gratiskultur im Netz erschwert die materielle Unabhängigkeit für Medienmacher deutlich. Informationen in Blogs, Foren und soziale Netzwerken verwischen die Grenzen zu “offiziellen” Quellen sowieso. Noch gibt es den unabhängige Journalisten, allerdings stirbt die Wertschätzung für hochwertige Beiträge aus, so die Fernsehmoderatorin und Journalistin. Doch ist Unabhängigkeit ein unbedingtes Muss, um Qualitätsjournalismus am Leben zu erhalten, davon ist Maybritt Illner überzeugt:

Journalismus ist etwas anderes: ein Handwerk. Seine Grundlage ist die gründliche Recherche, die Informationen prüft und gewichtet und anschließend auch kommentiert.

Der Bedarf an Inhalten steigt, während die Anzahl von Journalisten, die von ihrem Job leben können, stetig abnimmt. Ein funktionierendes Gebührenmodell für Online-Medien gibt es (immer noch) nicht. Auch deshalb findet eine Verschiebung statt, die “rasenden Reporter” werden zu dankbaren Abnehmern von Geschichten, die Ihnen quirlige PR-Berater liefern. Das bestätigt auch Frau Illners Aussage:

Wussten Sie, dass es in den USA schon lange und jetzt auch in Berlin mehr PR-Leute, Pressesprecher und Werber gibt als Journalisten? (…) In den USA erleben wir ein Massensterben von Qualitätsmedien (vor allem Zeitungen), in Frankreich stützt der Staat Zeitungen und Online-Medien mit Milliarden.

Staatliche Subventionen brauchen, um das Überleben des Journalismus zu sichern? Ein Journalist ist immer noch unabhängig, wenn er selbst darüber entscheidet, ob eine ihm zugetragene News interessant und relevant ist. Mit welcher Tonalität und aus welchem Standpunkt er diese aufbereitet, obliegt nach wie vor ihm.

Expedia UK vergrault Online-Kunden

Veröffentlicht am 11. August 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, PR 1.0, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Wie gut der Ruf eines Unternehmens auch ist, so schnell kann er im Internet auch zerstört werden. Wer etwas zu verkaufen hat, versucht meist auch die Viralität des Netzes zu nutzen, um mehr Kunden zu gewinnen.

Dazu muss ein Unternehmen wissen, wie Internetnutzer ticken und darf die Macht von Social Media nicht unterschätzen. Das Reiseportal Expedia aber hat in UK gezeigt, wie man es nicht tut. Zunächst war der Plan genial: die Expedia-Marketiers distribuierten Gutscheine übers Netz.

Für jeden versandten 20-Pfund-Gutschein an seine Freunde sollte ein Kunde einen Gutschein in Höhe von 40 Pfund erhalten, wenn der jeweilige Freund tatsächlich bucht. Die Aktion verbreitete sich rasend schnell in Online-Netzwerken und über Mundpropaganda.

Was aber wie eine gelungene virale Kampagne aussah, entpuppte sich schnell als Verhängnis. Denn plötzlich änderte Expedia die Konditionen – anscheinend wegen der hohen Nachfrage: ein 20-Pfund-Gutschein durfte nur noch bei Buchungen ab 200 Euro eingelöst werden, der 40-Pfund-Voucher erforderte die Mindestausgabe von 300 Pfund. Von Sparen konnte also keine Rede mehr sein.

Das Resultat: die Teilnehmer der Aktion fühlen sich veräppelt. Über alle möglichen Social Media Kanäle beschimpfen die unzufriedenen Kunden die Online-Reisevermittlung. Mit einem solchen Bashing bei Twitter, Facebook, in Blogs, Foren und Co. hat Expedia wohl kaum gerechnet. Vom “Drecksladen” ist da die Rede. Der Blogger Rick akaFrugal Travel Guy” beispielsweise fordert seine Leser auf, Beschwerde-Mails an Expedia zu schicken und macht seinen Unmut mit diese Worten an das Portal deutlich:

The Expedia.uk 40 GBP voucher was represented one way when we sent you the referrals, and now after we have done our part, you decide to change the rules? Your website talks about being “Honest”? and being “User Friendly”. Your action seems to be neither to me. And I really don’t care if you give me the line that you have the right to change the terms and conditions anytime. Hopefully you realize that you are not being honest nor user friendly with this change. Try a different tactic. Try “Doing the Next Right Thing”

Roadtrip-Man schreibt im flyertalk-Forum:

Anstatt Kunden zu gewinnen hat Expedia mit der gut gemeinten Kampagne einen extrem negativen Buzz im Netz erzeugt. Das Blatt hat sich gewendet: Kunden “lassen ihren Dampf dort ab, wo Expedia punkten wollte – im Internet“, wie der Welt-Autor Lars Winckler es zusammenfasst.

Das PR-Debakel erinnert an die Pannen der Deutschen Bahn (Bahn: Fake-PR für ein besseres Image) und Vodafone (Das Medium als Botschaft) natürlich. Genauso schnell, wie Firmen im Netz Fans finden können, wird ihre Beliebtheit auch wieder zur Nichte gemacht. Online-PR-Professor Thomas Pleil glaubt, dass wie auch Expedia viele andere “unterschätzen, was das Internet für eine Reichweite erzeugen kann“. Im Artikel Die Entmythisierung von Social Media habe ich beschrieben, wie Unternehmen Missverständnisse umgehen können. Aber wie heißt es doch so schön: “Ist der Ruf erst einmal ruiniert, leb es sich gänzlich ungeniert.”?

Deine Marke ist die Summe ihrer Interaktionen

Veröffentlicht am 03. August 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Online-Relations, PR 1.0, Web 2.0, Werbung

Warum finden wir eine Marke gut? Es ist ein Gefühl, das sich nicht anhand von Fakten beschreiben lässt. Der Konsument muss ihr vertrauen schenken – das geht nicht mit den leeren Worthülsen der Werbeslogans. Soziale Netzwerke verändern unsere Anforderungen an die Kommunikation eines Brands. Authentisch ist, wer in vielen kleinen Botschaften zeigt, dass das Kundenfeedback im Mittelpunkt steht.

David Armano formuliert in einer Präsentation sehr treffend, warum es so wichtig für Marken ist, über “Micro-Interaktionen” ihre Zielgruppen direkt zu involvieren in den Kommunikationsprozess:

“We live in a world where the little things really do matter. Each encounter no matter how brief is a micro interaction which makes a deposit or withdrawal from our rational and emotional subconscious. The sum of these interactions and encounters adds up to how we feel about a particular product, brand or service. Little things. Feelings. They influence our everyday behaviours more than we realize.”

Das heißt auch: weniger kann mehr sein, wenn der richtige Kommunikationskanal genutzt wird. Anstatt die Kunden vollzuschütten mit Informationen und Dialogangeboten müssen Marken zur richtigen Zeit am richtigen Ort da sein – genau da, wo die Konversationen statt finden.

Das veränderte Bewusstsein des Konsumenten führt direkt zur Kluft zwischen Marketing, Public Relations, Werbung und Branding. Direktmarketing nach dem Motto “Kauf das, weil es gut ist” wirkt unglaubwürdig. Warum sollten wir fremden Menschen mehr glauben als unserem eigenen Netzwerk? Public Relations fungiert als Mediator zwischen Marke und Konsument und hilft, Vertrauen und Renomée aufzubauen. Fans bringt die PR allein jedoch wenige. Sich ständig wiederholende Werbesprüche nerven mehr, als sie nutzen. Schließlich hat es erst beim Konsumenten “Klick” gemacht, wenn er selbst die Marke erlebt hat und deshalb versteht, warum sie so genial ist.

Der Königsweg ist wohl der richtige Mix aus allen Elementen. Dass viel Werbung auch schaden kann, hat Vodafone gerade vorgemacht. Von der neuen Imagekampagne “Es ist deine Zeit” fühlt sich die eigentliche Zielgruppe, die Digitale Bohème, hinter der Vodafone die “Generation Upload” vermutet, nicht angesprochen. FAZ-Autorin Judith Lembke hat eine Erklärung für den Versuch des Mobilfunkbetreibers parat:

Dem Trend einer immer emotionaleren Ansprache des Konsumenten folgend, versucht die Werbung nicht bloß, Kunden für ein Produkt zu gewinnen, sondern Fans. Sie sollen sich im Idealfall zu Fan-Gemeinschaften im Internet zusammenschließen und mit ihrem Enthusiasmus auch andere potentielle Kunden von dem Produkt überzeugen – so zumindest die Theorie.

Wo sind die Fans von Vodafone? In der Praxis scheint dieser (grundsätzlich richtige) Ansatz nicht aufzugehen. So ist ein Tool der Kampagne die Vodafone-Fanseite auf Facebook. Die zählt noch nicht einmal 1.700 Freunde. Sascha Lobo, bezahlter Chief Evangelist für Vodafone, hat allein auf Twitter 16.600 Follower. Seine Anhänger müssten doch annähernd auch der Vodafone-Zielgruppe entsprechen, auch wenn die nicht 1:1 auf Facebook konvertieren kann. Den “24-Stunden-Surfer” konnte die Kampagne (noch) nicht begeistern.

Bahn: Fake-PR für ein besseres Image

Veröffentlicht am 28. Mai 2009 von Anna Friedrich | Corporate Publishing, Medien 2.0, Online-Relations, PR 1.0

Nach dem Debakel um den Datenmissbrauch gerät die Deutsche Bahn nun noch weiter in Verruf in der Öffentlichkeit. Der Konzern soll falsche Beiträge in Internet-Foren initiiert und Radiobeiträge bezahlt haben, dies ergab eine Anfrage des PR-kritischen Vereinigung LobbyControl laut SPIEGEL. Und das Alles um des Image’s Willen. Konzern-Chef Dr. Rüdiger Grube beuftargte bereits letzte Woche eine Sonderprüfung beauftragt. Das Ergebnis, wie es in der heutigen Pressemeldung der Bahn veröffentlicht wurde, löst Kopfschütteln aus:

Im Jahr 2007 wurde für sogenannte “no badge”-Aktivitäten ein Betrag von knapp 1,3 Millionen Euro ausgegeben. Unter “no badge”-Aktivitäten versteht man u.a. blog-Beiträge, Leserbriefe, Meinungsäußerungen in Foren, Meinungsumfragen oder vorproduzierte Medienbeiträge, bei denen der Urheber bzw. Auftraggeber nicht erkennbar ist.

Grube reagiert empört und erklärt seine Distanzierung zu einer solchen Vorgehensweise. Es sei, so der Bahn-Chef, mit personellen Konsequenzen zu rechnen. Allerdings kann das den Image-Schaden, den die gekünstelte PR nun angerichtet hat, nicht beheben. Ob die Medien-Berater schlecht informiert waren oder einfach nur unüberlegt handelten: dass PR-Lügen kurze Beine haben, hat sich bisher in den Medien immer erwiesen (siehe Blogbeitrag Twitter-PR: Im Social Web haben Lügen kurze Beine). Vielleicht wären die 1,3 Millionen Euro besser in einer Social Media Strategie angelegt gewesen?

Kontinentaldrift

Veröffentlicht am 15. November 2007 von Mark Pohlmann | Corporate Publishing, Online-Relations, Peer-to-Peer, Personen-PR, PR 1.0, Soziale Netzwerke, Storytelling, The Work

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Kommunikatoren wandeln zwischen den Welten. Sie vermitteln zwischen Interessengruppen, wecken Verständnis. Und Neugierde. Als ein solcher Mediator bin ich derzeit viel auf Kongressen und sehe anderen beim Ringen um den Sinn partizipativer Medien zu.

Doch die Diskussionen ändern sich. Während wir noch vor 12 Monaten alle vereint am Steg saßen und staunend die Möglichkeiten bewunderten, die sich da dunstig am Horizont bildeten, sind die einen längst in ihren kleinen Booten aufgebrochen. Die anderen blieben zurück und hadern seitdem damit, auf welcher Seite des Ozeans das Gras grüner ist.

Genauso spielen sich auch die Diskussionen auf den Konferenzen ab. Während auf Veranstaltungen wie den Medientagen München vor allem die Rechtfertigung im Vordergrund steht, warum es richtig ist, nicht jetzt schon aufzubrechen, dazu noch in so kleinen Booten und wahrscheinlich ohne Ahnung, in welche Richtung es zu paddeln gilt, beginnen die, die auf Kongressen wie der Sime in Stockholm (auf dem ich derzeit gerade weile) rumschippern, die Zurückgebliebenen zu vergessen. Die Tektonik der Kommunikation verändert sich. Nicht nur für die, die sich auf das Neue einlassen. Es findet ein Kontinentaldrift statt, den die nicht merken, die auf der wegtreibenden Platte stehen.

Die Auswirkungen sind verheerend. Denn wir hören in diesen Tagen auf, die selbe Sprache zu sprechen. Während in den wankenden Booten gestaunt wird, wie gut Wikipedia schon ist, wird an Land vor allem wahrgenommen, wie riskant es ist. Nicht nur die Wirtschaft selbst spaltet sich in digitale und analoge Apologeten. Auch die Kommunikationswirtschaft spaltet sich in zwei Lager: Die einen begreifen die durch die Digitalisierung entstandene Partizipation an der Ressource Aufmerksamkeit als Chance, die anderen als Krise. So einfach ist das. Wir haben Mutige und Ängstliche.

Die Angst führt zu absurden Verweigerungshaltungen, wie die von Agentur-Chef Lars Cords, der seine gesamte Agentur mit einem Denkverbot in Sachen Mitmach-Medien belegt hat (“99,99% des Inhalts im Web 2.0 ist das Ergebnis von egozentrischen Selbstreflektierern und hat das Niveau von Teenager-Tagebüchern” Quelle). Gut, Herr Cords äußert damit nur das, was seine Kunden denken. Die Kunden, die in Reichweite denken und Umsatz von der Kommunikation verlangen.

Diese Menschen übersehen, wie weit die Kunden ihrer Kunden schon sind. Das Mitmachen ist längst Teil des Alltages. Hier ist jeder Kunde Teil der Aufmerksamkeitsökonomie, jeder steht selbst im Mittelpunkt seines eigenen Interesses. Hier sind Menschen die Epizentren, nicht die Unternehmen.

Die Mutigen unter den Kommunikatoren fragen nicht mehr nach dem Nutzen von einzelnen Tools. Die Diskussion dreht sich schon längst nicht mehr um die Frage, ob ein Corporate Blog Sinn macht oder nicht. Wir Kommunikatoren haben heute eine weite Palette unterschiedlichster Technologien zur Verfügung. Jede hat ihre Stärken, ihre Grenzen. Es hängt von den Zielen ab, von der Kultur eines Unternehmens, was wo zum Einsatz kommt. Wir müssen den Kunden folgen, das ist alles. Ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, darf gerne bezweifelt werden. Nur die Alternative bietet sich nicht. Denn dort, wo die Unternehmen ihre Instant-Kommunikation plazieren, sind eben keine – oder nicht mehr ausreichend- Kunden.

Thomas Knüwer erzählte jüngst die Geschichte eines Franchise-Unternehmens, das ein internes Wiki einsetzt, in dem alles niedergeschrieben wird, was für die angeschlossenen Händler von Belang ist. Jeder kann alles ändern, auch die Formulierungen der Konditionen, ja, sogar die Konditionen selbst. Das tat die Auszubildende: Sie vereinfachte kurzerhand das Margensystem, und alle fanden es besser danach. Sicher, eine Geschichte, die sich anhört aus 1001 Nacht. Aber diese Geschichten gibt es tausendfach. Alles wird besser, wenn wir miteinander reden.

Twitter ist so ein Ding, das auch niemand verstehen will, der es nicht kennt. Öffentliche Kurznachrichten in der Länge einer SMS, die jeder abonnieren kann. Seitdem ich Twitter nutze, halte ich einen kleinteiligen und alltäglichen Kontakt zu rund 80 Menschen aus meinem Bekanntenkreis. Jeder kann meine “Tweets” lesen und so mitverfolgen, wo ich bin, was ich mache und was ich denke. Derzeit lesen rund 1.500 Personen regelmäßig diesen Blog, knapp 80 verfolgen meine Twitter-Einträge. Sie alle, darunter Journalisten, Kunden und andere Multiplikatoren, interessieren sich aus eigenem Antrieb für meine Themen. Sie werden nicht gezwungen, sie werden nicht bezahlt. Diese Form der Kommunikation ist längst effizienter geworden als das Verfassen einer Mail oder Pressemitteilung. Nur verstehen das die Menschen auf der wunderbar langsam umherdriftenden Kontinentalplatte nicht mehr. Erst wollten sie es nicht verstehen. Nun können sie nicht mehr.

PR: Meister der Verdrehung

Veröffentlicht am 02. August 2006 von Mark Pohlmann | PR 1.0

… nennt der Spiegel seine aktuelle Reportage über die Welt der PR. 40 Prozent aller Medieninformationen basierten bereits auf PR.

“Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit” lautet ein bekanntes Bonmot. Und Krieg gibt es nicht nur im Krieg, sondern auch in der Wirtschaft. Auch hier geht es ums Gewinnen und Überleben, glücklicherweise fließt meist kein Blut. Aber so ist es nunmal: Information ist immer auch Desinformation. Für die PR ist beides alltägliches Handwerkszeug. Sie arbeitet mit Auslassungen, Verharmlosungen, Inszenierungen, was weiß ich. Das muß aber auch so sein. Schließlich ist sie bezahlte Auftragsarbeit und folgt einem dem Auftraggeber präzise zuordbarem Interesse. Wichtig bei PR ist lediglich, daß der Absender deutlich erkennbar ist. Dann ist PR ein ganz normales Kommunikationsinstrument. Nur eines sollten wir alle beharrlich verweigern: zu lügen.

Was mich stört an Artikeln wie dem des Spiegel ist nicht, PRlern ihre Verfehlungen vorzuhalten. Sondern die Annahme, daß nur die eine Seite, die PR, so funktioniert. Die Journalisten sitzen im gleichen Boot. Ohne sie funktioniert das Spiel der PR nicht. Auch hier geht es ums Geld, um Interessen, um Aufmerksamkeit und Meinungsmache. Manchmal haben Journalisten die gleichen Ziele wie die PR. Dann kommen Lobeshymnen dabei heraus, manchmal nicht. Dann ist die Wirtschaft / Politik / Gesellschaft das Kontrastmittel zum Guten, sprich: zur Auflagensteigerung. Noch kann kein Medium ohne Anzeigenkunden überleben. (Viel schlimmer: Die Öffentlich-Rechtlichen, die diese Unabhängigkeit wenigstens gegenüber der Wirtschaft haben könnten, werfen sich dieser mit der gleichen Vervé an den Hals wie die Privaten. Weil auch sie den Hals nicht vollbekommen können – siehe Tour de France)

Unabhängigkeit existiert in Medien einfach nicht. Das sollte man wissen und sich seine kritische Distanz erhalten. Dann ist die Enttäuschung auch nicht so groß.

Nachtrag 4.8.2006
Der Haltungsturner wies mich soeben darauf hin, daß in der Brand eins-Community von OpenBC eine hitzige Diskussion um den Spiegel-Artikel entbrannt ist. Ich zitiere hier mal Edelman-Deutschland Chefin Cornelia Kunze, die in dem Artikel mehrfach erwähnt worden ist:

Ich jedenfalls glaube weiter an wahrhaftige, offene und kritische Auseinandersetzung – und daran, dass Unternehmen ihre Meinung vertreten dürfen und sogar müssen, um ihre Aufgaben wahrzunehmen und um Mehrwert zu schaffen.

Wer mitdiskutieren möchte, ist dort also bestens aufgehoben.

Wortmüll

Veröffentlicht am 04. Mai 2006 von Mark Pohlmann | PR 1.0

“Ohne Issues Management ist Themensetting undenkbar”

Quelle: Sprecherszene, der Newsletter des Pressesprecherverbandes