Archiv für die Kategorie ‘Presseschau’

Die Kunst der Media Relations: Be unexpected

Veröffentlicht am 25. Januar 2012 von Anna Friedrich | Medien 1.0, Medien 2.0, PR 1.0, Presseschau

Konsumenten werden von allen Seiten überfrachtet mit der Sehnsucht der Marketiers, Absatz zu generieren, wie Goodbuzz bemerkt. Das gilt aber nicht nur für die Werbebranche. Auch Medienvertreter fühlen sich häufig bombardiert mit “Nachrichten” von Pressearbeitern.

Deshalb gilt für die PR: Standard ist out. Klar gibt es Unternehmensnachrichten, die nicht besonders brisant sind, aber in die Schlagzeilen gehören. Pressemitteilungen ohne jeglichen Neuigkeits- und Innovationsgehalt sind vor allem unerwünscht. Hier ein paar beachtenswerte PR-Regeln:

  1. (1) Gibt es aktuelle Themen, die indirekt mit dem eigenen Produkt oder der eigenen Dienstleistung in Verbindung stehen? Dann ist jetzt die Chance, aktuelle Aufhänger zum Surfen auf der Wahrnehmungswelle zu nutzen und so ins Gespräch zu kommen.
  2. (2) Denn die pure Existenz eines Unternehmens ist meist keine Nachricht - es sei denn, es heißt Apple.
  3. (3) Journalisten denken in Überschriften: Marken- und Unternehmensnamen haben da nur am Rande etwas zu suchen. Im Fokus der Berichterstattung steht stets der Informationswert. Sie dienen also nicht dem Unternehmen, sondern dem Leser.
  4. (4) Pressemittelungen können ein Kanal sein, um Informationen zu verbreiten. Nichts ist jedoch wichtiger, eindrucksvoller und nachhaltiger als ein persönliches Gespräch mit dem Gründer, CEO oder dem Pressesprecher.
  5. (5) Und der individuelle Kontakt bringt gleich noch ein wichtiges Thema für den Journalismus auf den Punkt: Exklusivität. Wer etwas Spannendes zu berichten hat, biete dieses vor dem Aussand seinen wichtigsten Kontakten an. Das bedeutet nicht, dass man eine News Mehreren gleichzeitig anbietet, sondern dezidiert eine Reaktion abwartet und gegebenenfalls bei Absage einen weiteren Journalisten fragt.
  6. (6) Beachtet das Zeitfenster eines Journalisten: Er sitzt nicht da und wartet, bis Ihr anruft. Er hat eine volle Inbox, ein Telefon, das ständig klingelt, ein Redaktionsmeeting (meist Vormittags), auf dem er Vorschläge und Ergebnisse präsentieren muss oder Themen aufnehmen, die die Redaktionsplanung vorsieht und einen Chefredakteur, der wegen des Redaktionsschlusses im Dreieck springt.
  7. (7) Weniger ist mehr: Sorgfältig selektierte Verteiler sind weitaus effizienter als umfangreiche. Schlimmer, als ein Medium zu vergessen, ist es, das falsche Ressort oder gar ein komplett unpassendes Zielmedium zu adressieren.
  8. (8) Hartnäckigkeit gehört manchmal zum Berufsalltag eines PRlers, sollte aber nicht in Nervigkeit ausarten. Ein Mal nachzufragen ist “ok”, wenn es vorher noch kein klares Nein gab. Im Optimalfall kommt aber der Journalist zu euch, genau dann, wenn Ihr es nicht erwartet.

 

BP sucht vergebens die Tankstelle zur Image-Politur

Veröffentlicht am 26. Mai 2010 von Anna Friedrich | PR 1.0, Presseschau, Soziale Netzwerke, Storytelling, Web 2.0

Der Ölgigant BP kann weder das Meer, noch sich selbst vor Problemen retten. Mit jedem der hundertausend Liter Öl, die seit einem Monat minütlich in den Golf von Mexiko strömen, verschlechtert sich der Ruf des Konzerns dramatisch. Eine logische Konsequenz auf den Verursacher einer der schlimmsten Umweltkatastrophen, die die Welt gesehen hat.

Bildschirmfoto 2010-05-26 um 16.10.24

Des Einen Leid ist jedoch des Anderen Freud. Unter dem Namen BPGlobalPR entpuppt sich ein Twitterer als sarkastischer BP-Kritiker. Mit subtiler Ironie mischt er, meist unter den Hashtag bpcares, die Webgemeinde auf. Und das mit vollem Erfolg: fast 40.000 Follower hat der Fake-Account, während gerade mal 5.600 die echten PR-Tweets von BP America lesen. Sogar T-Shirts bietet der falsche Zwitscherer mittlerweile an. Der lustige Unbekannte versteht es, seinen Profit aus dem Drama zu schlagen.

Für BP birgt ein solches Account Gefahren. Viele halten die Tweets für “echt” und empören sich über die humorvolle Stimmung in der ausweglosen Situation. Die Macht des falschen Absenders macht deutlich, dass Unternehmen ihre Botschaften in sozialen Netzwerken nur schwer kontrollieren können. Der nüchterne Kommentar eines BP-Sprechers gegenüber dem Wallstreet Journal zeigt, dass der Konzern kaum Aktivismus und noch weniger Social Media Kompetenz besitzt:

It’s a shame, but obviously people are entitled to their views.

Was unternehmt ihr “gegen” den Twitterer? Könnt ihr ihn für euch aktivieren oder wenigstens auf ihn reagieren? Auch den Begriff PR scheint BP missverstanden zu haben. Die Tourismus-Industrie in den betroffenen US-Staaten Alabama, Mississippi and Florida ist seit der Katastrophe quasi tod. Deshalb dachte sich der Konzern, er müsse sich seinen guten Ruf durch verdeckte PR-Kampagnen erkaufen.

So drehte man einen TV-Spot namens “Love to See Ya!“, der die sauberen Strände und die Verfügbarkeit von frischen Meeresfrüchten verherrlicht. Selbstverständlich wird der produzierende Geldgeber BP mit keinem Wort erwähnt. Aber kommt noch schlimmer: BP händigte seinen Mitarbeitern vor Ort Blankoschecks aus, damit diese negative Kommentare unterlassen bzw. verwischen (Quelle: AdAge).

Auf Druck der US-Regierung und der Bevölkerung hin wird jetzt das riskante “Top Kill” sowie die Tests hierzu live übertragen. Die Maßnahme ist der Versuch, die Öl-Teppiche mit Tonnen von Schlamm auszulöschen. Vielleicht denken sich die Kunden von BP bzw. hierzulande auch Aral in ein paar Jahren: “Schlamm drüber”?

Facebook: Die soziale Datenbankzentrale

Veröffentlicht am 22. April 2010 von Anna Friedrich | Presseschau, Soziale Netzwerke, Web 2.0

500 million Unique Visitors im Monat März (comscore) und über 400 Millionen registrierte Nutzer (bald scheint die 500er-Grenze erreicht), die 25 Milliarden Objekte monatlich mit anderen Usern teilen. Facebook regiert die (Netz)Welt. Was aber wäre ein König, der nicht regelmäßig die Regeln in seinem Reich verändert?

Deshalb verkündet Mark Zuckerberg, Chef des Netzwerkgiganten, auf seiner gestrigen Entwicklerkonferenz F8, wie genau sich Facebook weiter öffnen wird und damit die Daten seiner Nutzer (noch) transparenter macht. Sein Claim:

We are building a Web where the default is social.

Die Bezeichnung “Fans” hatte das Netzwerk bereits vor zwei Tagen eliminiert. Mittlerweile können Nutzer Objekte – Seiten, Fotos, Kommentare, Links – “nur” noch loben, was vermutlich auch die Hemmschwelle zum “Like”-Klick verringern soll. Ganz nebenbei erwähnt Zuckerbeg, dass das Gesetz ab, Daten nur für 24 Stunden zu speichern, abgeschafft ist.

Our goal is to use the open graph so people can have instantly social experiences wherever they go.

All das sind wertvolle informationen, nicht nur für unsere “Freunde”, sondern für Unternehmen und Marketiers dieser Welt. Zuckerberg’s abschließenden Sätze klingen alles andere als devot:

The world can be a lot better and we’re going to make it that way. (…) If heaven is where all your friends are, then meet the new St. Peter.

Mit dem “Open Graph Protokoll” könne Facebook eine Milliarde “Likes” innerhalb von 24 Stunden generieren, verspricht Zuckerberg. Jede Website kann über ein Social Plugin den “Gefällt-mir-Knopf” zu integrieren. Besuche ich also eine Homepage, sehe ich gleichzeitig, wer aus meinem Netzwerk welche Artikel bereits gelesen und für gut empfunden hat. Umgekehrt sehe ich auch alle diese “Likes” auf Facebook. Es geht noch weiter: Der Docs gemeinsam mit Mircosoft direkt die Konkurrenzlösung Google-Documents an. Zukünftig, so viel steht fest, werden wir unsere Dokumente nur noch “in der Wolke” verwalten. Facebook, davon ist auch MG Siegler von TechCrunch überzeugt, verändert das Web mit diesen neuen Regeln komplett und er äußert seine Bedenken: 23668_10150180590285484_591250483_12217121_1060345_n

Its claws for pulling in outside content are now razor-sharp. It’s going to be very hard for anyone to escape.

Vielleicht wird Facebook nicht gleich die Weltherrschaft übernehmen, aber immer mehr wird deutlich wie groß die Macht Facebook ist. Jetzt, wo es für jeden von uns selbstverständlich ist, ein Facebook-Profil zu haben, ist die Plattform auch für Marken ein “Must be”.

Nackt im Netz

Veröffentlicht am 19. April 2010 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Presseschau, Soziale Netzwerke, Storytelling, Web 2.0

Er nennt es das German Privacy Paradox. Jeff Jarvis analysiert das deutsche Phänomen, dass wir ungeniert in die gemischte Sauna und an den FKK-Strand gehen, aber online mehr als verklemmt sind:

Germans protect the privacy of everything but their private parts.

Der WWGD-Populist fragt sich, wo der Unterschied zwischen der eigenen Nacktheit “offline” und “online” ist (hier sein Vortrag auf der republica). Wer nackt in einem Schwitzkasten sitzt, sollte auch keine Probleme haben, im Internet offen mit den eigenen Informationen umzugehen. Doch die deutschen Kontrollfreaks halten von Transparenz im Internet wenig. Wir kämpfen gegen Google Streetview, Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner legt sich mit dem Facebook-Chef persönlich an und überhaupt geben wir uns im Internet eher verklemmt gegenüber den Amerikanern.

public_private„Wir müssen die Öffentlichkeit verteidigen, nicht die Privatsphäre“. Wer sich nicht für seine Körperteile schämt, so Jarvis’ Theorie, kann auch unverblümt peinliche Fotos von sich ins Netz stellen können. Je mehr Menschen Daten zu sich selbst Preis geben, desto mehr verwischt unsere eigene Definition von Peinlichkeit und wir werden toleranter gegenüber Dingen, die nur menschlich sind. Jarvis ist äußerst optimistisch und glaubt, dass in wenigen Jahren Personalchefs peinliche Fotos ignorieren werden und alle Journalisten auch Blogger sind. Er fordert, dass Transparenz in unserer Gesellschaft Standard wird, auch für Unternehmen:

Das Internet ist kein Medium, so Jarvis, es ist ein Treffpunkt, an dem sich Menschen verbinden. Bedingung zur Vernetzung ist aber das Teilen von Informationen – wer sich nicht öffnet, gehört nicht dazu. Transparenz mit eigenen Erlebnissen erweitert den eigenen Horizont - Jarvis weiß wovon er spricht. Indem er öffentlich auf Buzzmachine über seine Erkrankung an Prostatakrebs schrieb, profitierte er vom Feedback der anderen und gewann an Erkenntnis und Anerkennung.

In the company of nudists, no one is naked and there is nowhere to hide.(…) That is the principle of transparency that I want companies and governments to heed: that openness in their information and actions must become their default, that holding secrets only breeds mistrust and robs them and us of the value that comes from sharing.

Aber interessieren mich denn die Krankheiten, Kommentare, Befindlichkeiten und wilden Fotos von anderen? Wohin soll denn dieser Exhibitionismus führen? Jarvis appelliert zu mehr Offenheit, mahnt aber gleichzeitig, dass das nur zu einer Verblödung der Webinhalte à la Idiocracy beiträgt, wenn wir uns entsprechend verhalten:

Die Welt ist voller dummer Leute, und das Netz ist immer so dumm wie seine Nutzer. Aber das ruiniert das Internet nicht. Die Herausforderung ist, das gute und intelligente Zeugs zu finden. Manchmal helfen da Redakteure.

Wie eine Marke aufersteht

Veröffentlicht am 12. April 2010 von Anna Friedrich | Bloggerei, Presseschau, Soziale Netzwerke, Web 2.0

Ihren Ruf kann eine Marke innerhalb von wenigen Tagen mit Negativschlagzeilen ruinieren. Das Herz des Konsumenten erneut zu erobern, ist dagegen meist ein langer Prozess und gelingt nur selten. Personenbrand Tiger Woods taucht nach seinem Sexskandal vor viereinhalb Monaten wieder am Werbehimmel auf (Woods Ende als Personal Brand und Salesman). Seine Image-Berater haben sich einen schönen Nike-Spot für ihn ausgedacht. “Did you learn anything?” fragt darin der Sprecher, der seinen verstorbenen Vater simuliert, den nach sieben Tage Regenwetter aussehenden Woods. Die Kampagne erregt so viel Aufsehen in den Medien, wie keine andere und das mit einem überraschend positiven Grundtonus.pander 02

Konsumgüter-Brands fallen immer häufiger Social Media Kampagnen und damit der Wut des Konsumenten 2.0 zum Opfer (s. Artikel Wie verliere ich meine Kunden – in 10 Tagen?). Öffentlichkeitswirksam ist die aktuelle Greenpeace-Kampage gegen KitKat. Palmöl, so die Umweltorganisation in einem provokanten Video-Spot, tötet nicht nur die Wälder, sondern auch die Tiere. Ein denkbar ungünstiger Zug des herstellenden Konzerns Nestlé: er veranlasste Youtube panisch, das Video zu löschen und zeigt damit, wie man es eben NICHT machen sollte – hier auch illustriert von Hugh McLeod.

Die PR-Katstrophe nimmt ihren Lauf: Nun waren die Aktivisten erst recht motiviert, zum Boykott aufzurufen. Rasend schnell verbreitete sich der Skandal im Netz und in den Medien. Unilever und Kraft, die ebenfalls mit dem verantwortlichen Palmöl-Lieferanten Sinar Mas unter Vertrag standen, reagierten prompt und kündigten die Zusammenarbeit. Damit wuchs der Druck der Öffentlichkeit.

Der Nestlé-Konzern sah sich erst dann gezwungen, den Vertrag mit der Palmöl-Firma ebenfalls zu kündigen. Dass damit das Problem vom Tisch ist, bleibt jedoch ein Trugschluss. Es existieren zahlreiche indirekte Verträge mit Zwischenhändlern. Die Umweltorganisation fordert die komplette Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Palmöl-Riesen und ist empört:

Bisher setzt das Unternehmen auf eine Verzögerungstaktik – und ist mit daran schuld, dass die illegale Abholzung des Regenwalds weiter geht.

Wie viele Konzerne in einer solchen Web 2.0-Attacke, fühlte sich Nestlé offenbar überrollt und reagierte definitiv falsch. Allein die Facebook-Seite eskalierte, wie Till Eichinger analysiert.Scheuklappen sind allerdings die verkehrte Strategie in Krisensituationen. Die Klagenden fordern schließlich die Stellungnahme des Konzerns: So erklärt Sandra Dusch Silva von der gemeinnützigen Organisation „Kampagne für saubere Kleidung“ im Handelsblatt, dass der Dialog explizit gewünscht wird.

Unternehmen sollten eine solche Krisen-Situation als Chance begreifen, sich und damit die Marke neu zu erfinden. Rehabilitiert ist es erst dann, wenn die Probleme richtig erkannt und aktiv bekämpft werden. Die wichtigste Erkenntnis ist, dem Konsumenten recht zu geben – er hat die Kontrolle über die Marke und nicht umgekehrt.

Marken können sogar gestärkt aus einer Krise hervorgehen, wie der Economist schreibt. Bereits 1985 versetzte beispielsweise Coca-Cola mit seiner neue Rezeptur die Verbraucher in Rage. Innerhalb von drei Monaten stellte der Brausehersteller wieder auf die ursprüngliche Mischung um. Verbraucher fühlten sich erhört und damit noch mehr mit Coca-Cola verbunden, als zuvor. Emotionen können also doch direkt die Verkaufszahlen beeinflussen.

Armutszeugnis? H&M wirft neue Kleidung in die Mülltonne

Veröffentlicht am 08. Januar 2010 von Anna Friedrich | Corporate Publishing, Online-Relations, Presseschau, Web 2.0

Ein PR-Desaster, wie es im Buche steht: Während im Big Apple hunderte von Obdachlosen in der klirrenden Kälte erfrieren, schmeißt H&M ungetragene Ware einfach weg. Anstatt die Kleidung an Bedürftige zu geben, entsorgt die Filiale am Herald Square in der 35th Street nicht verkaufte Produkte lieber auf der Straße.

Das entdeckte eine Studentin aus New York City, Cynthia Magnus, zufällig beim Schlendern auf der 35th Street, fotografiert mit einem absichtlich zerlöcherten Shirt, das noch mit einem Preisschild versehen war.

NYT-Autor Dwyer bringt den Skandal auf den Punkt:

It is winter. A third of the city is poor. And unworn clothing is being destroyed nightly.

Auf Twitter das H&M vor zwei Tagen DAS Trend-Thema No. 1, die Tweets zum unfassbaren Wegwerfen nehmen noch immer kein Ende.

H&M kommuniziert das gängige langweilige Bedauern über den Vorfall und lässt verlauten, dass so etwas nicht mehr vorkommen wird:

It will not happen again. (…) We are committed 100 percent to make sure this practice is not happening anywhere else, as it is not our standard practice.

Die Unternehmenssprecherin, Nicole Christie, gibt an, dass die Ware überlicherweise an Hilfsorganisationen gespendet wird und sie nicht weiß, warum dies im Falle des Ladens in der 34th Street nicht der Fall ist.Wal-Mart scheint die gleichen Praktiken zu pflegen. Ganze Müllsäcke voll von Klamotten aus dem Kleidungsdiscounter wurden gefunden. Natürlich erregte auch dieser Skandal nicht weniger Aufsehen in der Twitter-Gemeinde. Unternehmens-Sprecherin Melissa Hill erklärte, dass sie nicht wüsste, warum die Waren zerstört wurde. Angeblich seien auch hier alle nichtverkauften Neuwaren für gute Zwecke gespendet oder zumindest ordnungsgemäß recycled.

Die Vorsitzende einer Art Altkleidersammlung namens New York Clothing Bank, Mary Lanning meint:

I would welcome H & M, Wal-Mart and every enterprise that presently is destroying new clothing to call me immediately. We use a method of ‘defacing’ each garment that does not impair itswearability, but does remove any potential street value in the underground market. We operate a full clothing warehouse and distribution center right under their noses.

Alternativen zur sinnlosen Wegwerf-Aktion gibt es sicherlich en Masse. Die Chance, wenigstens jetzt einen PR-Gag aus dem Skandal nach dem Motto “dumm gelaufen” zu machen, hat H&M offenbar verpasst. Vielleicht sind große Konzerne wie die schwedische Mode-Kette aber einfach nicht gewappnet für eine spontane adäquate Krisen-Kommunikation, die mehr als Standardfloskeln zu bieten hat.

Wenigstens im Nachhinein hätte der Konzern spasseshalber behaupten können, dass das Wegwerfen und Zerlöchern der Klamotten eine PR-Aktion für den neuen Voodoo-Trend “Project Black Book” sein sollte…

Ernstaft, H&M sollte sich überlegen, es sich Bredouille manövrieren kann, z.B: “Denkt endlich an eure Konsumenten und euren Ruf als Hersteller. Startet eine Charity-Aktion. Macht etwas positives aus dem Fauxpas anstatt jetzt einfach so zu tun, als wärt ihr nur mal aus Versehen schwarz gefahren.”

Sind Journalisten Alpha und Blogger Beta – oder umgekehrt?

Veröffentlicht am 08. Juni 2009 von Anna Friedrich | Journalisten, Medien 2.0, Presseschau, Web 2.0

Kaum lässt eine plausible Quelle im Internet eine “News” verlauten, so verbreitet sich diese in Windeseile. Dabei schenken wir Alpha-Blogs häufig genauso viel Glauben wie einer renommieten Zeitung. Aber sowohl Blogger als auch Journalisten können irren. Genau darum dreht sich die aktuelle Diskussion, die gerade zwischen der NYT und der amerikanischen Blogossphäre, darunter Jeff Jarvis und Michael Arrington, statt findet.

Die Liste von verbreiteten Gerüchten im Netz ist lang. So verkündete Michael Arrington kürzlich, dass Apple erwäge, Twitter zu kaufen. Dabei griff er aber lediglich auf eine Diskussion auf Gawker zurück “Could Apple by Twitter?“, die in der Kategorie “Rumormanga” veröffentlicht wurde.

Für Damon Darlin ist diese Art der Berichterstattung unvertretbar. Er findet, dass ihre Inhalte keine Kredibilität haben und beschuldigt solche Blogger in der Sonntagsausgabe der NYT indirekt der “Sensationsgeilheit“:

Such news judgment is not unusual among blogs covering tech. For some blogs, rumors are their stock in trade. (…) But seeking credibility may be a less-important strategy for the blogs at this stage. (…) Mr. Arrington and the other bloggers see this not as rumor-mongering, but as involving the readers in thereporting process.

Eine ähnlich fragwürdige Verbreitung von Gerüchten entsteht im Netz häufig bei aktuellen Ereignissen wie dem Amoklauf in Winnenden vor wenigen Monaten (mehr dazu im Blogbeitrag Glaubst du dem Internet?) oder aber der Schweinegrippe (Pandemisches Treiben auf Twitter).

Dennoch gibt es doch genauso viel schlecht recherchierte Beiträge von Journalisten wie auch von Bloggern. Gizmodo deckte beispielsweise den falschen CNBC-Report über Steve Jobs’ angeblichen Rücktritt auf. Und genauso verbreitet auch die NYT bewusst Gerüchte: Martin Margiela to exit Margiela?. Sensationsfokussierte Medien wie Bild, InTouch & Co. sind zwar kein adäquater Vergleich, da ihr Anspruch auf Qualitätsjournalismus gering ist. Dennoch zeigt doch die Wirkung deren Nachrichtenverbreitung, wie leicht es ist, Gerüchte in die Welt zu streuen. Ob das nun aus der Feder eines Bloggers oder eines Journalisten stammt – ist das am Ende des Tages noch wichtig?

Auf der next09 wird “Share Economy” zur Realität

Veröffentlicht am 08. Mai 2009 von Anna Friedrich | Presseschau, The Work, Web 2.0

1.300 Teilnehmer lauschten diese Woche, am 5. und 6. Mai, den bunt gemischten Vorträgen und Diskussionen von 130 namhaften Moderatoren und Referenten auf dem Hamburger Kampnagel-Gelände. Wir sind stolz und glücklich, zusammen mit dem SinnerSchrader-Team eine fantastische next09 auf die Beine gestellt zu haben.

Positives Feedback erhalten wir auf allen Kanälen: von der next09 als DER “Messe für Trends im Internetgewerbe” ist in der ZEIT die Rede. Trendsetter sind all diejenigen, die dazu beigetragen haben: Marketiers aus den großen und kleinen Markenhäusern, Buchautoren, Start-up-Gründer, VC’s und Fachjournalisten. Sie alle haben mit dem Teilen ihrer Gedanken unter Beweis gestellt, dass sie unser diesjähriges Motto “Share Economy” leben.

We are what we share – treffender hätte es kein anderer als Brian Solis formulieren können. Spiegel Online hat berichtet, US-Blogger Dennis Howlett, Olaf Kolbrück von der HORIZONT, Robin Wauters von TechCrunch, das t3n magazin und viele mehr. Da bleibt uns am Ende nur eines – sich über das deutlich positive Feedback, wie hier von Thomas Knüwer, zu freuen:

(…) ein ausdrücklicher Glückwunsch an das Organisationsteam. An dem kann sich jeder Veranstalter von Kongressen und Seminaren ein Beispiel nehmen.

Alle Vorträge und Sprecher der next09 gibt es auf SpeakerRate. Den fröhlichen Twitter-Stream zur Konferenz können Sie sich hier ansehen. Sevenload hat für uns alle next09-Vorträge auf Video mitgeschnitten.

Wie Agenturen Erfolg steuern.

Veröffentlicht am 19. Juni 2008 von Mark Pohlmann | Presseschau

Leseempfehlung SZ Magazin Jetzt: “Falscher Ruhm im Netz. Die gekaufte Weisheit der Vielen: Wie Agenturen den Erfolg von YouTube-Videos steuern”

Nachtrag, 20.6.2006, 16:00

Björn Ognibeni, der in dem Artikel erwähnt wird, weist auf einige krasse und vom Autor anscheinend wissentlich in Kauf genommene Missverständlichkeiten im Text hin:

- Wenn man den Artikel liest, könnte man den Eindruck bekommen, dass man hierzulande für 300.000 Euro garantierte 1 Mio Views auf Youtube einkaufen könnte. In Wirklichkeit verhält es sicher aber anders: bei der in dem Text erwähnten Firma Goviral bekommt man für virale Videos tatsächlich eine Garantie für die Anzahl von Views, diese sind aber immer länderbezogen. Für Deutschland sind das z.B. nur 100.000 und keine 1 Mio. Und das eben nicht auf Youtube (s.u.). Es wird auch nicht eine fixe Anzahl von eingekauft, sondern Goviral verspricht nur das ein von ihnen angenommenes Video mindestens 100.000 mal gesehen wird. Klappt das nicht, bekommt der Kunde Geld zurück. Eine Garantie für 1 Mio kann man auch bekommen, aber dann z.B. über 10 grosse Länder verteilt.

- Den im Text erwähnten fixen Preis pro View von 30 Cent gibt es so nicht. In Wirklichkeit bekommt Goviral ein festes Projektbudget aus dem sich zusammen mit der garantierten View-Zahl bloss rein rechnerisch ein Preis von 30 Cent/View ergibt. Diesen zahlen die Kunden nur bis zu der garantierten Zahl von Views!!! Alles darüber ist für den Kunden kostenfrei. Wird ein Video also z.b. 500.000 mal gesehen, reduziert sich der tatsächliche Preis pro View auf nur noch 6 Cent. Falls aber die Garantie nicht erreicht wird, bekommen die Kunden entsprechend 30 Cent/View zurück. Das Risiko dafür liegt bei Goviral

- Es gibt auch keine, wie der Artikel suggeriert, geheimnisvolle Liste von 150 deutschen Bloggern, die für Geld Videos pushen. Stattdessen schreibt Goviral z.B. Blogger an, wenn diese über Videos von ihnen geschrieben haben. Sie werden dann gefragt, ob sie Interesse haben zukünftig über neue Kampagne vorab informiert zu werden. Manche mögen das als Spam sehen. Aber das geschieht persönlich, nicht als Massenmail und offen als Goviral und nicht verdeckt und konspirativ. Für Kampagnen werden dann gezielt die Personen über eine neue Kampagne informiert, die thematisch passen. Da die jeweils nur ein paar hundert Views bringen, fliesst hier auch kein Geld. Für Geld gebucht werden dagegen z.B. Plätze auf grösseren Fun- und Spassseiten, die aber im Vergleich zu Youtube & Co. relativ klein sind.

- Was der Artikel total unerwähnt lässt, ist die Tatsache, dass Goviral überall auf das Prinzip der Freiwilligkeit setzt: Inhalte werden nur vorgeschlagen, der jeweilige Blogger oder Seitenbetreiber entscheidet vollkommen frei, ob er ein Video annimmt oder nicht. Was nicht gefällt, wird abgelehnt und deshalb nimmt auch Goviral nicht jedes Video an.

- Interessant ist in dem Artikel auch der Fokus auf Youtube, der sich als roter Faden durch den gesamten Text zieht. Dem Autor scheint es vor allem darum zu gehen, aufzuzeigen, dass die Inhalte dort massiv manipuliert werden. Björn sagte mir aber, dass Goviral bei Youtube kaum aktiv ist, was einen einfachen Grund hat: da die ausgesprochenen Garantien immer bezogen auf bestimmte Länder sind, wird Goviral nur für Views bezahlt, die diesen Ländern zugeordnet werden können. Dies geht jedoch bei Youtube nicht, weil Youtube technisch nicht in das Tracking von Goviral eingebunden werden kann, mit der Folge, dass Goviral für Views auf Youtube kein Geld bekommt. Deshalb würden Manipulationen hier, selbst wenn sie möglich wären, für jemanden mit einem Geschäftskonzept wie Goviral überhaupt keinen Sinn machen. In dem Artikel bekommt man allerdings seltsamerweise einen komplett anderen Eindruck.

Ergänzend kann ich nur sagen, dass die SZ sich weiter mächtig schwer tut, das Internet so darzustellen wie es ist, dass aber in diesem Artikel dennoch das Mavens-Prinzip sehr schön vorgestellt wird. Vielleicht ein wenig zu simpel, aber trotzdem schön mythenumworben. Also: Lesen ;-)

Selbstkritisierende Unternehmen

Veröffentlicht am 12. Juni 2006 von Mark Pohlmann | Presseschau

Im Orignal viel schöner getitelt mit “I Like companies That Say: We Suck”, beschreibt Edelmans Edel-Blogger Steve Rubel, wie sehr er es schätzt, wenn Manager zu Selbstkritik in der Lage sind.

“Now that conversation is king it’s critical that companies begin to have these honest discussions with their customers and do it out in the open.”

In diesem Fall Yahoo360°-Manager Ernie Hsiung, der in seinem Blog über “Five things that bug me about Yahoo! 360t” schreibt. Der Schönste: Nicht einmal die eigenen Mitarbeiter nutzen die MySpace-Kopie von Yahoo.

So schön schonungslos geht es im ängstlichen Manager-Deutschland noch nicht zu. Aber es gibt Lichtblicke. Arena-Geschäftsführer Christoph Bellmer warnt bereits jetzt davon, daß der Senderstart nicht reibungslos laufen könnte (Quelle: FAS, hier zitiert aus heise.de). Bei 500.000 Neukunden in nicht ganz acht Wochen läßt sich natürlich auch gelassener mit Problemchen umgehen, die in der Zukunft liegen. Mal sehen, wie arena sich verhält, wenn beim Bundesliga-Anpfiff wirklich was schiefgehen sollte.

Vielleicht gibt das hiesige Wirtschaftsleben ja noch prägnantere Beispiele her?