Das Klamottenlabel French Connection (FCUK) hat als erste Marke eine Social Media Kampagne gestartet, die den neuesten und vielleicht auch abartigsten Schrei im Netz einsetzt. Chatroulette ist eine Plattform für Videochats nach dem Zufallsprinzip. Die Systematik ist ganz einfach: Man startet Chatroulette und bekommt den ersten Videopartner. Ist dieser nicht interessant, klicken die Chatter auf “next” und schon geht das Spiel von vorne los.
Erfinder des Chat-Experiments der 17-jährige Russe Andrej Ternowskij – er suchte eine Möglichkeit, mit seinen Freunden online per Video zu kommunizieren. Gut 1,5 Millionen Nutzer weltweit, davon ein Drittel aus USA, suchen mittlerweile auf Chatroulette die etwas anderem Art der Konversation. Im Gegensatz zum Aussterben der Privatsphäre auf den gängigen sozialen Netzwerken, kann man sich hier völlig anonym von Webcam zu Webcam hangeln.
Bei einem Männeranteil von über 70 Prozent ist klar, wer die größere Auswahl hat. Und hier greift die FCUK-Idee MANIFESTO an:
Männer werden aufgefordert, dort eine Frau zu verführen und dies entsprechend als Beweis aufzunehmen. Der Gewinn ist ein Gutschein für FCUK-Kleidung im Wert von 250 Pfund. Eine ausgefallene und vor allem mutige Aktion, um Fans zu involvieren: die FCUK-Klientel ist sicherlich weit entfernt vom Großteil eines 08/15 Chatroulette-Nutzers. Laut Mashable sind es 14 Prozent Perverslinge – will sich die Marke wirklich mit solchen Menschen auf eine Stufe stellen? Oder kommt es darauf gar nicht an? Auf dem Blog der Kampagne finden sich einige lustige Versuche von Bewerbern.
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9. Februar 2010
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Anna Friedrich
Dass “Freunde” die Quelle unseres Vertrauens sind, wollen aktuelle Ergebnisse des Edelman Trust Barometers widerlegen. Laut der Befragung von 4.875 informierten Menschen auf fünf Kontinenten nimmt unser Vertrauen in unsere eigenen Freunde ab. Nur noch ein Viertel der Studienteilnehmer geben an, dass die Meinung ihrer Freunde für sie zählt.
Hier ist die Definition des Begriffes “Freund” äußerst missverständlich. Er hat in Zeiten von Social Networks eine völlig neue Bedeutng: die amerikanische Oberflächigkeit hat auf die deutsche Übersetzung von “Friend” abgefärbt. Ein Freund bei Facebook oder gar Twitter ist nicht gleichbedeutend mit dem Freund im echten Leben. Online vernetzen wir uns auch mit weniger guten Bekannten. Das Leben ist schnelllebig, wir ziehen häufiger um und treffen überall auf der Welt Menschen, mit denen wir uns “unverbindlich” auf Social Networks verbinden (ein Oxymoron an sich). Dass wir sie in unsern Kontakten haben, macht sie aber nicht zu einer vertrauenswürdigen Person. Ihre Meinung interessiert uns kaum im Vergleich zu langjährigen Freunden, mit denen wir regelmäßig kommuniziern.
Dementsprechend falsch ist auch die Schlussfolgerung der Studie. Die gängige Social Media Marketing Philosophie geht nicht auf, heißt es. Richard Edelman, CEO, persönlich ist der Überzeugung, dass Marketiers umdenken müssen. Peer-to-peer Netzwerke sind die falsche Quelle, um virale Botschaften zu verbreiten und Konsumenten glauben Dinge nur noch, wenn sie sie über mindestens fünf verschiedenen Kanälen erfahren. Er sagt weiter:
5.000 Studienteilnehmer sind nicht repräsentativ für die Welt und haben sicherlich auch ein unterschiedliches Verständnis von einem “Freund”. Wie hoch der Grad der gegenseitigen Bekanntheit ist, das definiert die Studie leider nicht.
Daher glaube ich nur bedingt an das Fazit von Herrn Edelman. Ja, eine Empfehlung ist umso plausibler, je öfter man sie hört. Dennoch geht es in unserem persönlichen Netzwerken niemals um Quantität. Von meiner Schulfreundin, die ich 20 Jahren kenne, nehme ich eher eine Meinung an als von drei relativ neuen Bekanntschaften, deren Urteilsvermögen ich schlecht einschätzen kann. Das bestätigt auch Zocalo-CEO Paul Rand, der auch Präsident der Word-of-Mouth Marketing Association ist:
Die Glaubwürdigkeit unserer Freunde insgesamt mag mit den stetig wachsenden Netzwerken und der damit verbundenen “Überinformation” sinken. Dennoch wird sich unser Grundvertrauen in die (wenigen) guten Beziehungen dadurch nicht ändern. Und vor allem wird es sie immer geben: die Mavens, die Meinungsführer in einem bestimmten Expertengebiet, deren Überzeugungskraft und Einfluss uns zum Nachahmen animiert. Marketiers müssen nur wissen, wo sie diese “Influencer” finden, so auch Consumer Practice-Chefin Christina Smedley:
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4. Februar 2010
von
Anna Friedrich
Vom größten sozialen Netzwerk der Welt kommt man so schnell nicht los. Hier und da taucht Abhilfe zum Thema Selbstmord 2.0 auf. Ehrlicherweise können wir alle nicht ohne die Gesichtsbuch-Gemeinde. Eine aktuelle Untersuchung belegt: ihr Suchtfaktor ist gigantisch.
Wir haben Facebook in unserem Alltag integriert wie Zähneputzen und Frühstücken. Es gibt uns ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Nähe, auch wenn wir allein im Büro, im Zug oder auf der heimischen Couch sitzen. Und Freunde, die kein Facebook-Profil haben, sind irgendwie nicht von dieser Welt. Letztendlich melden sie sich doch an, weil alle genervt haben – so wächst und wächst die Community immer weiter. Beängstigenderweise schafft des das soziale Netzwerk, auch über nicht angemeldete Nutzer jede Menge Informationen zu aggregieren.
Attraktiv ist Facebook aber auch durch seine Offenheit: von Videos über Fotos, Links, Tests, Spielchen hin zu sonstigen Diensten können User alles hochladen und verlinken. Die Möglichkeiten der Selbstdarstellung scheinen schier unbegrenzt. In der Tat ist Facebook wie eine Sekte, wie auch SZ-Autor Mark Felix Serao bemerkt.
Die Schweizer Agentur Rod Kommunikation hat ein spannendes Experiment gestartet. 50 Probanden im Alter von 17 bis 52 Jahren, die eigentlich Heavy User sind, lebten für die Untersuchung “Facebookless: Mein Monat ohne Facebook” ohne die Plattform. Auch wenn nicht repräsentativ, so sind die Ergebnisse doch aufschlussreich. Ein “Facebook-loser” hat überraschend starke Verlustgefühle und:
empfindet soziale Ausgrenzung,
arbeitet konzentrierter und effizienter,
hat das Gefühl, seine Kontakt-Pflichten zu vernachlässigen,
kommuniziert kaum noch mit seinem Freundeskreis,
fokusiert sich anstelle der Kommunikation mit anderen auf eigene Freizeitaktivitäten,
führt wenige, aber dafür bewusstere Konversationen per Telefon, SMS oder E-Mail,
nutzt seinen Rechner seltener für private Zwecke, da er keine Zeit mehr auf Facebook verbirngt
vermisst ein Kompensations-Medium.
Für keinen der auf Entzug Gesetzten kam in Frage, für immer auf Facebook zu verzichten. Einen Extremfall, den Wirtschaftspsychologe und Studienautor Dominik Orth beschreibt, ist eine junge Frau, die sich ohne die Community fühlte “wie ein Kind, dessen Mutter gestorben ist”. Immerhin: die Teilnehmer machten sich anhand der “Entzugsphase” bewusst, wie viel sinnlose Zeit sie auf Facebook vergeudeten. Von sozialen Netzwerken wie Facebook profitiert, wer sich auch im realen Leben vernetz und die Plattform nicht zum Lebensmittelpunkt macht.
Autor Alain de Botton findet auf Twitter treffende Worte für das Kommunikationsdesaster von heute: immer und überall sind wir erreichbar, “always on”. Das klassische Sender-Empfänger-Modell steht einer unüberschaubaren Menge an Kommunikationskanälen gegenüber.
Die Internetnutzung wächst und damit unsere digitale Verfügbarkeit, vor allem in sozialen Netzwerken. Hinzu kommt der Mobilfunk, der den Analoganschluss mehr und mehr überflüssig macht. Wenn wir heute jemanden treffen, sieht das ungefähr so aus:
Wie verschiebt sich mit dieser Erreichbarkeit unser Kommunikationsverhalten? Die sozialen Netzwerke wissen Bescheid über unsere Vorlieben und die unserer Freunde. Tools wie Facebook Connect erlauben es uns, unseren “sozialen Graphen” problemlos überall hin zu tragen.
Dies ermöglicht personalisierte Werbung und beeinflusst nicht nur deshalb unsere Kaufentscheidungen. Marken haben eine breite Spielwiese, um dieses Thema noch weiter zu spinnen. Eines der Szenarien, welches der Economist beschreibt:
Möglich macht das die Mobilität der sozialen Netzwerke via Handy. So fand eine Opera-Trendanalyse heraus, dass allein die mobile Nutzung von Facebook im vergangenen Jahr um satte 619 Prozent zulegte (!) und damit das am häufigsten mobil genutzte Social Network weltweit ist. Unschlagbar ist Twitter mit einem Wachstum von 2859 Prozent. Das mobile Surfen ist bereits auf dem Weg, die Internetnutzung via Computer zu überholen. Laut Berechnungen von eMarketer werden in nur drei Jahren über 600 Millionen Menschen ihr Handy zum sozialen Netzwerken einsetzen. 2009 waren es noch 140 Millionen User. Auch fürs Shopping finden mobile Endgeräte verstärkten Einsatz. Eine Motorola-Studie belegt: während der Feiertage Ende 2009 haben über die Hälfte der Nutzer bevorzugt per Handy eingekauft.
Ein klarer Trend, der sich aus der Mobilisierung unserer eigenhändig gespinnten Online-Netze ergibt: location-based services. Applikationen von AkaAki über Gowalla hin zu Foursquare, das als “The next big thing” gehandelt wird, lokalisieren unseren Standort. Sie bedienen uns mit Angeboten in der Umgebung, zeigen uns an, welche Personen aus unserem Netzwerk sich in der Nähe befinden. Während die einen vom “Ortsstatus” nicht genug bekommen können – schließlich kann man spontan Treffen arangieren – ist es ein Alptraum à la Bigbrother für Skeptiker, wie der Economist es beschreibt:
Utopie? Ein Leben im kontinuierlichen “Status-Update” ist aus meiner Sicht unvorstellbar. Deshalb stimme ich Alain de Botton zu – wir brauchen einen Weg aus dem Trubel der Konnektivität hinaus zu einem gesunden Maß zwischen “on” und “off”. Die Social-Media-Müdigkeit verstärkt den Wunsch nach etwas weniger Digitalität.
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20. Januar 2010
von
Anna Friedrich
Erst denken, dann twittern. Der 26-jährige Brite Paul Chambers hat sich geärgert über die Schließung des Robin Hood Flughafens in Doncaster, Nordengland. Er machte seinem Ärger auf Twitter Luft und dachte, es sei lustig, wenn er verlauten ließe, dass er den Flughafen einfach in die Luft sprengt. Britische Behörden nahmen die Terror-Drohung jedoch ernst. Chambers wurde von einer Anti-Terror-Polizeieinheit verhört, sogar sein Arbeitgeber suspendierte ihn.
Auch Facebook outet Menschen, nicht wenige haben aufgrund unbedachter Postings ihren Job verloren. Das Video Do you have a Facebook? veranschaulicht, wie transparent uns das größte soziale Netzwerk eigentlich macht. Umso beängstigender ist die Aussage des Facebook-Machers Zuckerberg selbst, dass Privatssphäre nicht zeitgemäß sei. Damit rechtfertigt er eine neue Default-Einstellung, die alle Profil-Informationen für jeden sichtbar macht:
Ein anonymer Facebook-Mitarbeiter berichtet, dass das Netzwerk jeden einzelnen Schritt aufzeichnet und damit irgendwie mehr über uns weiß, als wir selbst. Aus Angst vor Datenschützern hat das VZ-Netzwerk nun nach mehreren Skandalen ein TÜV-Siegel eingeführt. Anstatt sich auf dieses Zertifikat zu verlassen, rät Falk Lüke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) eher dazu, sich bei jedem einzelnen Post bei Twitter, StudiVZ und Co. zu fragen:
Gefährlich wird die Publizität im Netz auch und gerade für Prominente, in deren Privatleben sich Journalisten, Blogger und Twitterer adhoc einmischen. So jüngst geschehen auch im Fall des Fremdgehers Tiger Woods – der Online-Redaktion der Sun wurde zugetragen, dass er sich gerade in einer Sex-Therapie begab. Der Transparenz im Internet zum Opfer fiel auch David Letterman. NYT-Autor Robert Wright hat so recht, wenn er resümiert:
Lügen haben kurze Beine – auch wenn der Exhibitionismus online dazu verführt, Unwahrheiten zu erzählen (s. Artikel (K)ein Spiegelbild in sozialen Netzwerken). Das Tracken und Auswerten von Online-Daten dient zu unserem eigenen Schutz einerseits, macht uns gleichzeitig jedoch zum gläsernen Bürger, WENN wir ehrlich sind. Zudem wecken Online-Profile und Status-Updates Begehrlichkeiten: wir sind neugierig auf andere, recherchieren im Netz und entwickeln im schlimmsten Fall Stalker-Manien.
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14. Januar 2010
von
Anna Friedrich
Online-Profile entsprechen dem wahren Ich? Das zumindest fand noch im November eine Studie der Universität Mainz heraus. Laut Autoren gab es keine Anzeichen der Selbstidealisierung. Dabei dient das Netz doch als Bühne für Selbstdarsteller – gleiches haben wir im Blogbeitrag Jeder ist sich selbst der Nächste debattiert.
Eine Untersuchung des BITKOM in Kooperation mit dem Forsa-Insitut will es nun mit diesem Ergebnis beweisen: 12 Millionen Deutsche lügen in sozialen Netzwerken. Das bedeutet, beinahe jeder Vierte ab 14 Jahren (23 Prozent) bleibt online nicht immer bei der Wahrheit. Geflunkert wird vor allem bei Themen wie Namen und Alter, aber auch bei Kontaktdaten wie der Mail-Adresse oder Telefonnummer, dem Geschlecht, dem Gehalt oder Körper-Attributen. Was die Internetnutzer zur Manipulation der eigenen Angaben animiert?
So interpretiert BITKOM-Chef Prof. Scheer die Befunde. Über die Hälfte der bekennenden Lügner (58 Prozent) haben kein Vertrauen in die Sicherheit des Internets und fast 50 Prozent der Befragten scheuen ungewollte Werbemaßnahmen.
Jeder sechste Schummler aber faked absichtlich sein Online-Ich, um sich „im Internet auszuleben ohne negative Folgen“. 10 Prozent suchen inkognito einen Partner und fünf Prozent scheinen – traurigerweise – Spaß daran zu haben, andere zu verarschen (interessant wäre hier eine Betrachtung der Geschlechter).
Ein gesundes Misstrauen ist also beim Treffen auf Unbekannte im Netz mehr als angebracht – das ist nichts Neues. Gerade Jugendliche haben meist eine naivere Herangehensweise und sollten ausreichend geschützt und gewarnt werden. Umgekehrt gilt auch die eigene Achtsamkeit, was die Einstellungen der Privatssphäre angeht. Getrackt wird aber beispielsweise auf Facebook sowieso alles, das sagte eine unbekannte Facebook-Mitarbeiterin der Presse.
Neben Kulturpessimisten gibt es zahlreiche weitere kritische Stimmen zum Thema Offenheit und Aktivität in sozialen Netzwerken. Während Martin Weigert dazu rät, Facebook nicht in das eigene Beziehungsleben zu involvieren, warnt Welt-Autor Martin Simons vor Realitätsverlust durch die Social Media-Präsenzen:
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12. Januar 2010
von
Anna Friedrich
Boom, Boom, Boom. Im vergangenen Jahr erlebten wir eine rasante “Social Mediasierung”. Mit mehr als 350 Millionen aktiven Usern dürfte Facebook der Gewinner 2009 gewesen sein. Allein in Deutschland finden sich rund sechs Millionen Nutzer, fast doppelt so viele wie noch im Vorjahr.
Das Non plus ultra ist die Vernetzung auf Facebook jedoch nicht. Denn, kaum ist der erste Social Media-Tsunami über uns hereingebrochen, fangen wir an zu zweifeln. Oder wir sind einfach nur heillos überfordert mit dieser Übervernetzung.
Jesse Stanchak stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, ob sich alles ins Gegenteil umkehren wird und Social Media vor einem Crash steht. Er glaubt, dass viele Unternehmen die Social Media Präsenz missverstehen. Indem sie keine wertvollen Inhalte liefern, turnen sie ihre Nutzer eher ab, anstatt ihre Präsenz für sich einzusetzen:
Huffington Post-Autorin Jasmine Boussem philosophiert darüber, ob sich unsere Übervernetzung im Privaten ins Gegenteil umkehren wird. Das Zuviel an Online-Kontakten verringert unsere Aufmerksamkeit und damit die Qualität unserer Kommunikation. Und wir sind zu beschäftigt damit, uns in dieser Welt darzustellen anstatt uns auf die eigene Präsenz und wenige wichtige Verbindungen im Netzwerk zu konzentrieren, so ihre These:
Relevanz geht verloren, wenn wichtiger Input mit der Masse an überflüssigen Botschaften vermischt ist. Es entsteht ein Gefühl der Seichtigkeit, in dem dennoch wichtige Informationen zur Nichte gemacht werden. Aus der Furcht heraus, den Überblick verloren zu haben, entstehen digitale Selbstmord-Dienste wie die “Digital Suicide Machine“.
Was tun? Völlig überfordert im Datenmeer schwimmen oder ans nächstgelegene Ufer retten? “Im Seichten kann man nicht ertrinken”, sagte einst Helmut Thoma und bezog sich damit eigentlich auf die massive Berieselung im Fernsehen.
Das Rezept, die Informationsperlen zu finden, ist individuell. Sicherlich gilt: Nur wichtige Kanäle zu aktivieren, nicht auf jeder Welle mitzusurfen und sich in den sozialen Netzwerken auf das zu besinnen, was für den persönlichen Kommunikationsfluss wirklich relevant ist.
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11. Januar 2010
von
Anna Friedrich
Daisy ist in Deutschland im vollen Gange. Wir haben – trotz Krise – nichts zu fürchten vor der unsäglichen Kälte. Und so regen wir uns über Textilunternehmen auf, die ihre nicht verkaufte Ware zerstören, anstatt sie den Armen zu spenden.
Sich mokieren und nichts tun, das können wir gut. Deshalb wollen wir es jetzt mit einer Charity-Aktion, ins Leben gerufen von Daniela Kunde, die soziale Kälte bekämpfen. In der Facebook-Gruppe Kleidung gegen Kälte ruft sie auf, nicht benötigte Kleidung an Hilfsorganisationen in der Nähe zu spenden.
Das ganze funktioniert Social Media gerecht: jeder geht seine Schränke durch und fotografiert alle Fundstücke, die er für wohltätige Zwecke abgeben möchte. Nach dem Upload der Bilder auf Facebook geht’s dann ab in die nächste Annahmestelle der Diakonie, caritas oder einer anderen Hilfsorganisation in Eurer Nähe (genaue Infos finden sich auf Facebook).
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16. Dezember 2009
von
Anna Friedrich
Tony Hsieh, Gründer von Zappos ist ein Visionär und ein Game Changer – in einem Blogbeitrag vergleicht er seine Geschäftsstrategie mit dem Pokern. Mit seiner Idee, online Schuhe zu verkaufen, hat er statt an Profit zunächst an seine Angestellten gedacht und damit alles richtig gemacht.
Hsieh weiß, dass ein Mensch nur das tut, was ihn glücklich macht. Also motivierte er seine Mitarbeiter, Sprachrohr des Unternehmens zu werden. Dazu schickt er sie alle – egal welche Position sie haben – zu speziellen Schulungen, so der Jungunternehmer auf der LeWeb letzte Woche. Wenn sie die Kundenorientierung und Firmenkultur leben und lieben, spiegelt sich das auch in der Kunden-Zufriedenheit wieder:
Customer service shouldn’t be a department, it should be an entire company.
Wenn jeder Einzelne Philosophie verinnerlicht, davon ist Hsieh überzeugt, liegt die Inspiration jenseits von sonst gepredigten Umsatz-Zielen. Das Zappos-Personal lebt Hsiehs Anspruch: “Don’t chase the money, chase the vision.” Seine Strategie geht auf: 75 Prozent der Bestellungen stammen von wiederkehrenden Kunden und Mundpropaganda. Zappos ist DAS Vorzeigebeispiel, wenn es um gelungene Social Media-Präsenzen geht. Mittlerweile hat Amazon den äußerst erfolgreichen Online-Shop für 1,2 Milliarden Dollar übernommen.
Was bei einem vergleichsweise jungen Unternehmen funktionieren mag, lässt sich auf große, traditionsreiche Firmen nicht direkt übertragen. Chefs und Angstellte können nicht einfach ausgetauscht werden, und müssen lernen, sich auf Social Media einzulassen. Leider wird das von vielen Marken falsch verstanden, wie Tom Fishburne schön illustriert:
Der klassische Praktikant ist sicherlich die falsche Person, an die die Rolle des Kommunikators (allein) übergeben werden sollte. Wer ist geeignet? Ann Handley hat das in diesem Blogpost deliberiert. Grundsatzleih sollte doch aber jeder Mitarbeiter involviert sein in die SM-Strategie. Fishburne meint:
If there is citizen journalism there should also be CEO journalism. Let the top person go directly to the audience and not having to go through the communications team or PR agency.
Kurzum: Social Media Aktivitäten funktionieren auch in großen Unternehmen, wie beispielsweise IBM es vorbildlich lebt. Wichtig dabei sind die Offenheit der Führungsetage und gleichzeitig die richtige Motivierung des gesamten Teams, dann kann man auch vom kundenfreundlichsten Online-Shops aller Zeiten lernen. Diese Social Media Guidelines sind sicherlich ein guter Einstieg.