Archiv für die Kategorie ‘Storytelling’

Nackt im Netz

Veröffentlicht am 19. April 2010 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Presseschau, Soziale Netzwerke, Storytelling, Web 2.0

Er nennt es das German Privacy Paradox. Jeff Jarvis analysiert das deutsche Phänomen, dass wir ungeniert in die gemischte Sauna und an den FKK-Strand gehen, aber online mehr als verklemmt sind:

Germans protect the privacy of everything but their private parts.

Der WWGD-Populist fragt sich, wo der Unterschied zwischen der eigenen Nacktheit “offline” und “online” ist (hier sein Vortrag auf der republica). Wer nackt in einem Schwitzkasten sitzt, sollte auch keine Probleme haben, im Internet offen mit den eigenen Informationen umzugehen. Doch die deutschen Kontrollfreaks halten von Transparenz im Internet wenig. Wir kämpfen gegen Google Streetview, Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner legt sich mit dem Facebook-Chef persönlich an und überhaupt geben wir uns im Internet eher verklemmt gegenüber den Amerikanern.

public_private„Wir müssen die Öffentlichkeit verteidigen, nicht die Privatsphäre“. Wer sich nicht für seine Körperteile schämt, so Jarvis’ Theorie, kann auch unverblümt peinliche Fotos von sich ins Netz stellen können. Je mehr Menschen Daten zu sich selbst Preis geben, desto mehr verwischt unsere eigene Definition von Peinlichkeit und wir werden toleranter gegenüber Dingen, die nur menschlich sind. Jarvis ist äußerst optimistisch und glaubt, dass in wenigen Jahren Personalchefs peinliche Fotos ignorieren werden und alle Journalisten auch Blogger sind. Er fordert, dass Transparenz in unserer Gesellschaft Standard wird, auch für Unternehmen:

Das Internet ist kein Medium, so Jarvis, es ist ein Treffpunkt, an dem sich Menschen verbinden. Bedingung zur Vernetzung ist aber das Teilen von Informationen – wer sich nicht öffnet, gehört nicht dazu. Transparenz mit eigenen Erlebnissen erweitert den eigenen Horizont - Jarvis weiß wovon er spricht. Indem er öffentlich auf Buzzmachine über seine Erkrankung an Prostatakrebs schrieb, profitierte er vom Feedback der anderen und gewann an Erkenntnis und Anerkennung.

In the company of nudists, no one is naked and there is nowhere to hide.(…) That is the principle of transparency that I want companies and governments to heed: that openness in their information and actions must become their default, that holding secrets only breeds mistrust and robs them and us of the value that comes from sharing.

Aber interessieren mich denn die Krankheiten, Kommentare, Befindlichkeiten und wilden Fotos von anderen? Wohin soll denn dieser Exhibitionismus führen? Jarvis appelliert zu mehr Offenheit, mahnt aber gleichzeitig, dass das nur zu einer Verblödung der Webinhalte à la Idiocracy beiträgt, wenn wir uns entsprechend verhalten:

Die Welt ist voller dummer Leute, und das Netz ist immer so dumm wie seine Nutzer. Aber das ruiniert das Internet nicht. Die Herausforderung ist, das gute und intelligente Zeugs zu finden. Manchmal helfen da Redakteure.

“Influencer” als Markenbotschafter

Veröffentlicht am 01. April 2010 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Storytelling, Web 2.0, Werbung

screenDie Studie “The Influencer: A Consumer Voice with Legs” (PDF) belegt jetzt erneut die, wie effektiv Word-of-Mouth (WOM) ist. Epsilon Targeting, nach eigenen Angaben ein führender Dienstleister für “consumer information for targeted solutions”, befragte hierzu 7000 amerikanische und kanadische Konsumenten.

Dass Fans perfekte Markenbotschafter sind, ist nicht neu. Die Typologie dieses “Influencers” muss aber verstanden, so Gillian MacPherson von Epsilon:

It is critical that we also understand their attributes, channel preferences, and behavior. Only then will marketers be able to effectively communicate with this valuable segment of the population.

Laut Untersuchung existieren die Botschafter lediglich innerhalb besitmmter Produktkategorien und nicht produktübergreifend. Insgesamt kann man “Influencer” nicht in bestimmte demografische Gruppe einordnen: sie stammen aus allen Altersklassen, sind unabhängig von Geschlecht, Einkommen und gebrauchen unterschiedliche Kommunikationskanäle.

Sie haben das Bedürfnis, mit anderen über Produkte, Dienstleistungen und Ereignisse zu sprechen und bevorzugen persönliche Gespräche – offline. Zahlreiche Studien belegen, dass 90 Prozent von WOM-Aktivitäten tatsächlich live und in Farbe oder per Telefon weitergetragen werden (z.B. Keller Fay, 2008). Während die Konversionsrate bei klassischen Marketingkampagnen gerade mal bei rund 12 Prozent liegt, schafft es Mundpropaganda auf 80 bis 90 Prozent (via Gary Vaynerchuck).

Mundpropaganda ist der Weg, um viel Wirkung mit relativ wenig Aufwand zu erzielen. Aber Marketiers müssen also ihre Multiplikatoren verstehen. Die Marken-Advokaten sind offen für “volksnahe”, simple Inhalte, auch exklusiv und per Newsletter. Dann tragen sie die Botschaft an ihre Freunde weiter.

Zwar findet der erste WOM-Prozess eher offline statt. Social Media Aktivitäten auf Facebook und Co. sind dennoch wirksam, um die neu generierten Fans (rechts ganz unten im Bild) weiterhin zu involvieren. Über eine Facebook-Seite bewies der Hersteller und Entwickler neofonie die Viralität seiner Botschaft. Eine breitangelegte Guerilla-Kampagne à la Apple hätte in diesem Fall wohl kaum funktioniert. Die Rechnung von Markenpräsenzen auf dem Größten deutschen Netzwerk (8,5 Millionen Nutzer allein in Deutschland) geht anscheinend auch auf. Zumindest sind amerikanische Facebook-Fans eher geneigt, zu kaufen, wenn sie im Sozialen Netzwerk mit der Marke connected sind, wie emarketer verkündet:

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Brands are friends

Veröffentlicht am 22. Juli 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Storytelling, Virales Marketing, Web 2.0

Soziale Medien verändern den Weg zur Kaufentscheidung. Wer sich über ein Produkt informiert, legt Wert auf die Empfehlungen anderer. Dieser Film veranschaulicht, wie ein Konsument “tickt”, wenn er sich für eine Marke interessiert und sich zum Kauf entscheidet. So wird ein zufriedener Kunde ganz leicht selbst zum Markenbotschafter:

Mehr zum Thema Produktsuche im Netz gibt es im Themenblog-Artikel Wer findet, der sucht.

Netzwerke als Zeitvernichter

Veröffentlicht am 15. August 2008 von Mark Pohlmann | Storytelling

Menschen ohne eigenes Netzwerk empfinden Communities als Zeitverschwendung, weil sie sich nicht die Zeit nehmen, eines aufzubauen. Jüngstes Beispiel: Friedhelm Weidelich, Autor eines großen Xing-Selbstversuches für die FAZ, fand nur mit Blessuren der Nichtbeachtung wieder heraus.

Nun, vielleicht ist Xing auch nicht die beste aller Communities, um Geschäftskontakte zu knüpfen, ist es doch eher für seine Qualitäten als digitales Adressbuch bekannt. Aber das ist ein anderes Thema. Das Fazit des Autoren:

Das Web-2.0-Konstrukt Xing, glauben wir, hat die besten Zeiten schon hinter sich. Aus unserer Sicht ist es ein unterhaltsames Panoptikum für alle Themen der Welt, ein vielseitiges Flirt- und Hobby-Forum, in dem man Freund und Lebenspartner finden kann. Für berufliche Zwecke erscheint uns Xing kaum geeignet, denn Kontrakte und Kontakte machen wir immer noch persönlich und am Telefon. Daran hat auch Web 2.0 nichts geändert. Die virtuelle Gemeinschaft vermittelt nur das Gefühl, ein wenig näher am Geschäft zu sein. Das Gegenteil ist der Fall.
Den ganzen Artikel lesen.

Buzzword Bingo

Veröffentlicht am 20. Juni 2008 von Mark Pohlmann | Storytelling


Welche Chancen hält Web 2.0 für Ihr Business bereit?
13 informative Cisco-Podcasts bringen es auf den Punkt: Unified Communications und netzwerkbasierte Collaboration verändern unsere Lebens- und Arbeitswelt. Verpassen Sie nicht die Chance, die sich daraus für Ihre Geschäftstätigkeit ergibt.

Podcasten für den Weltfrieden. Da weißte Bescheid.

Weisheit. Zusammenhanglos.

Veröffentlicht am 05. März 2008 von Mark Pohlmann | Storytelling

“Pubertät ist, wenn die Alten anfangen nicht mehr richtig zu ticken”.

Kontinentaldrift

Veröffentlicht am 15. November 2007 von Mark Pohlmann | Corporate Publishing, Online-Relations, Peer-to-Peer, Personen-PR, PR 1.0, Soziale Netzwerke, Storytelling, The Work

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Kommunikatoren wandeln zwischen den Welten. Sie vermitteln zwischen Interessengruppen, wecken Verständnis. Und Neugierde. Als ein solcher Mediator bin ich derzeit viel auf Kongressen und sehe anderen beim Ringen um den Sinn partizipativer Medien zu.

Doch die Diskussionen ändern sich. Während wir noch vor 12 Monaten alle vereint am Steg saßen und staunend die Möglichkeiten bewunderten, die sich da dunstig am Horizont bildeten, sind die einen längst in ihren kleinen Booten aufgebrochen. Die anderen blieben zurück und hadern seitdem damit, auf welcher Seite des Ozeans das Gras grüner ist.

Genauso spielen sich auch die Diskussionen auf den Konferenzen ab. Während auf Veranstaltungen wie den Medientagen München vor allem die Rechtfertigung im Vordergrund steht, warum es richtig ist, nicht jetzt schon aufzubrechen, dazu noch in so kleinen Booten und wahrscheinlich ohne Ahnung, in welche Richtung es zu paddeln gilt, beginnen die, die auf Kongressen wie der Sime in Stockholm (auf dem ich derzeit gerade weile) rumschippern, die Zurückgebliebenen zu vergessen. Die Tektonik der Kommunikation verändert sich. Nicht nur für die, die sich auf das Neue einlassen. Es findet ein Kontinentaldrift statt, den die nicht merken, die auf der wegtreibenden Platte stehen.

Die Auswirkungen sind verheerend. Denn wir hören in diesen Tagen auf, die selbe Sprache zu sprechen. Während in den wankenden Booten gestaunt wird, wie gut Wikipedia schon ist, wird an Land vor allem wahrgenommen, wie riskant es ist. Nicht nur die Wirtschaft selbst spaltet sich in digitale und analoge Apologeten. Auch die Kommunikationswirtschaft spaltet sich in zwei Lager: Die einen begreifen die durch die Digitalisierung entstandene Partizipation an der Ressource Aufmerksamkeit als Chance, die anderen als Krise. So einfach ist das. Wir haben Mutige und Ängstliche.

Die Angst führt zu absurden Verweigerungshaltungen, wie die von Agentur-Chef Lars Cords, der seine gesamte Agentur mit einem Denkverbot in Sachen Mitmach-Medien belegt hat (“99,99% des Inhalts im Web 2.0 ist das Ergebnis von egozentrischen Selbstreflektierern und hat das Niveau von Teenager-Tagebüchern” Quelle). Gut, Herr Cords äußert damit nur das, was seine Kunden denken. Die Kunden, die in Reichweite denken und Umsatz von der Kommunikation verlangen.

Diese Menschen übersehen, wie weit die Kunden ihrer Kunden schon sind. Das Mitmachen ist längst Teil des Alltages. Hier ist jeder Kunde Teil der Aufmerksamkeitsökonomie, jeder steht selbst im Mittelpunkt seines eigenen Interesses. Hier sind Menschen die Epizentren, nicht die Unternehmen.

Die Mutigen unter den Kommunikatoren fragen nicht mehr nach dem Nutzen von einzelnen Tools. Die Diskussion dreht sich schon längst nicht mehr um die Frage, ob ein Corporate Blog Sinn macht oder nicht. Wir Kommunikatoren haben heute eine weite Palette unterschiedlichster Technologien zur Verfügung. Jede hat ihre Stärken, ihre Grenzen. Es hängt von den Zielen ab, von der Kultur eines Unternehmens, was wo zum Einsatz kommt. Wir müssen den Kunden folgen, das ist alles. Ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, darf gerne bezweifelt werden. Nur die Alternative bietet sich nicht. Denn dort, wo die Unternehmen ihre Instant-Kommunikation plazieren, sind eben keine – oder nicht mehr ausreichend- Kunden.

Thomas Knüwer erzählte jüngst die Geschichte eines Franchise-Unternehmens, das ein internes Wiki einsetzt, in dem alles niedergeschrieben wird, was für die angeschlossenen Händler von Belang ist. Jeder kann alles ändern, auch die Formulierungen der Konditionen, ja, sogar die Konditionen selbst. Das tat die Auszubildende: Sie vereinfachte kurzerhand das Margensystem, und alle fanden es besser danach. Sicher, eine Geschichte, die sich anhört aus 1001 Nacht. Aber diese Geschichten gibt es tausendfach. Alles wird besser, wenn wir miteinander reden.

Twitter ist so ein Ding, das auch niemand verstehen will, der es nicht kennt. Öffentliche Kurznachrichten in der Länge einer SMS, die jeder abonnieren kann. Seitdem ich Twitter nutze, halte ich einen kleinteiligen und alltäglichen Kontakt zu rund 80 Menschen aus meinem Bekanntenkreis. Jeder kann meine “Tweets” lesen und so mitverfolgen, wo ich bin, was ich mache und was ich denke. Derzeit lesen rund 1.500 Personen regelmäßig diesen Blog, knapp 80 verfolgen meine Twitter-Einträge. Sie alle, darunter Journalisten, Kunden und andere Multiplikatoren, interessieren sich aus eigenem Antrieb für meine Themen. Sie werden nicht gezwungen, sie werden nicht bezahlt. Diese Form der Kommunikation ist längst effizienter geworden als das Verfassen einer Mail oder Pressemitteilung. Nur verstehen das die Menschen auf der wunderbar langsam umherdriftenden Kontinentalplatte nicht mehr. Erst wollten sie es nicht verstehen. Nun können sie nicht mehr.

Kurze Gedanken kurz vor dem Wochenende

Veröffentlicht am 05. Oktober 2007 von Mark Pohlmann | Storytelling

Freitag Nachmittag, die Woche geht zu Ende. Was hat die Woche gebracht?

- Die Frage, warum so wenig über den WOMday in Berlin gesprochen wird. An dem Event selbst kann es eigentlich nicht liegen. Der von TRND veranstaltete halbtätige Kongress war toll organisiert, in einer fantastischen Kuppel in der alten Posthalle auf der Oranienburger und ziemlich kurzweilig – soweit ich ihn mitbekommen habe ;-) Interessant war, das muss allerdings gesagt werden, dass die dort versammelten World-of-Mouth-Apologeten bei kritischen Nachfragen ziemlich in die Defensive gerieten – gerade, was die absatzfördernde Wirkung angeht. Aber das Problem kenne ich aus der PR seit vielen Jahren, und auch hier gibt es keine zufriedenstellenden Antworten – bis auf die Tatsche, dass keine PR noch viel schlechter ist als eine, deren Wirksamkeit nur interpretiert und nicht nachgewiesen werden kann.

Der für mich beste Vortrag war eindeutig der von Dr. Nils Andres, Brand Science Institute. Wer sich mal den Kopf waschen lassen will, warum es ohne WOM keine Aufmerksamkeit mehr gibt in vielen Zielgruppen – anrufen!

Ansonsten nochmal ganz herzlichen Dank an Martin Oetting und das TRND-Team für diese tollen, inspirierenden Tag und dafür, dass sie helfen, WOM auch in Deutschland auf die Agenda zu hieven. Es gibt noch viel zu tun. Auch das hat der Tag gezeigt.

- Meinen ganz, ganz großen Respekt ggü. Robert Basic und allen anderen, die sich um mehr Aufmerksamkeit für die Burma-Krise in und von der ansonsten wohl vollkommen unpolitischen Web-Szene erwünscht. Und mit viel Verve vorangeht.

- Woobby ist als beta online gegangen. Wer schon immer sein wissen in eine Reihenfolge setzen wollte, findet hier die passende Spielwiese.

- Qype funktioniert jetzt auch auf dem Handy. Und wird von Golem ausreichend gewürdigt.

- Twitter wird zunehmend zur Bedrohung für Blogger. Weil es einfacher ist, seine Gedanken stoßweise in 140 Anschlägen zu artikulieren als in zusammenhängenden Sätzen (wie diese Auflistung ja auch zeigt….)

- Die FAZ kommt heute den ersten Tag im neuen Layout – ohne die vertraute Frakturschrift in den Kommentarüberschriften, dafür mit Bilder auf Seite 1. Sieht für mich aus wie eine Kreuzung aus SZ und Welt. Der Spiegel fragt sich (zu recht), wann das Seite-1-Girl es auch in die FAZ schafft. Die Gründe, FAZ-Abonnent (34 Euro im Monat) zu sein, schwinden.

- Schon ein bisschen älter, aber in seiner Relevanz wohl noch überhaupt nicht wahrgenommen: Ning. Mit drei Klicks zum eigenen Social Netzwerk. Nach den Massennetzwerken mit Millionenzahlen steht auch hier die Mikromarktsegmentierung an. Und noch wenige Monate, dann wird jedes Unternehmen vor die Frage gestellt, ob auch sie sich ein eigenes Netzwerk aufbauen sollen. Nämlich dann, wenn dies ihre Kunden tun. Hier winkt schon der nächste Long Tail ;-)

In diesem Sinne allen ein schönes Wochenende!

PR ist toll. Reicht aber nicht.

Veröffentlicht am 04. September 2007 von Mark Pohlmann | Storytelling

Ein spannendes Interview, das Jochen Krisch mit der neuen Vorständin Jana Eggers bei Spreadshirt geführt hat. Sie nahm vor wenigen Wochen den Platz von Lukasz Gadowski ein, der den T-Shirt-Produzenten vor fünf Jahren gegründet hat.

Das Interview ist deswegen so spannend, weil Spreadshirt in einer außergewöhnlichen Situation steckt – die wahrscheinlich auch außergewöhnliche Maßnahmen erfordern wird. Denn kaum ein anderes Internet-Start-up ist in den letzten 24 Monaten derartig öffentlich zelebriert worden. Und gleichzeitig ist die Zukunft des Vorzeigeunternehmens offen. Denn trotz der wohl besten Personen-PR im Web 2.0 ist Spreadshirt kein Selbstläufer.

Die Zutaten für die Gründergeschichte 2.0 sind dabei traumhaft: Lukasz, gebürtiger Pole, ist sehr smart und symphatisch dazu. Und er hat den Osten nach Intershop ein zweites Mal mit dem Internet wachgeküßt. Heute produzieren rund 200 Menschen in Leipzig T-Shirts in Kleinstserien zu günstigen Preisen. Dahinter hängt ein tolles Geschäftsmodell, das jeden Käufer zu einem potentiellen Wiederverkäufer seiner eigenen T-Shirt-Designs macht. Und die Jobs sind endlich mal wieder welche in der Produktion. Er baut einen Ableger in Amiland auf und beliefert dort mit BoingBoing den wichtigsten Kulturblog mit Devotionalien. Wo Gadwoski einsteigt, scheint der Erfolg garantiert – siehe StudiVZ, dessen Startteam er betreute und das für gemunkelte 50 bis 80 Mio. Euro an Holtzbrinck ging.

Zurück zu Jana. Sie sieht Spreadshirt vor dem Abgrund. Dem zwischen Nischen- und Massenmarkt. Jetzt entscheidet sich, wieviel Potential das Unternehmen haben wird.

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Denn Spreadshirt ist so innovativ, dass es den Weg aus der Nische in den Mainstream nicht findet – und aus diesem Grund kaum wächst. In einem insgesamt boomenden Markt ein ernstes Krisenzeichen. In der Internetszene kennt Lukasz und Spreadshirt jeder. Außerhalb zu wenige.

Was lernen wir aus PR-Sicht daraus? Der Ruhm des Gründers strahlt nicht automatisch auf die Umsätze ab. Personen-PR ist toll, reicht aber nicht, wenn sie es nicht schafft, ein Bedürfnis nach dem Produkt zu wecken. Und das scheint – bei tiefem Respekt vor der PR-Leistung von Lukasz, Kolja & Co – in der Kommunikation zu kurz gekommen zu sein.

Ich gebe Start-ups an dieser Stelle folgenden Tipp: Jede Kommunikation sollte aus der Plattform heraus geführt werden. Alles, was ich offline von der Company höre, muss ich online wiederfinden. Dann kitten Gründergeschichten auch Angebot und Kunde zusammen.

Gründergene für Start-ups

Veröffentlicht am 29. August 2007 von Mark Pohlmann | Storytelling

Start-upper sollten das Themenriff von Martina Pickhardt lesen. Die Boom 1.0-Erfahrene und aktuelle Wiederholungstäterin arbeitet nicht nur das damals Erlebte in einer sehr eindringlichen Art und Weise auf, sondern vermittelt auch, wie sie das Gelernte bei ihrer aktuellen Neugründung anwendet. Inklusive Verhaltenstipps für die Freunde von Gründern!

Tina, alles, alles Gute von mir!