Archiv für die Kategorie ‘Werbung’

Hell no. Amen.

Veröffentlicht am 15. September 2011 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Storytelling, Web 2.0, Werbung

Amen ist das neu gehypte Start-up aus Berlin. Die App erinnert an einen virtuellen Schulhof: man äußert seine Meinung zu einer Person, einem Ort oder aber einer Sache. Ganz banal nach dem “Hot or not”-Prinzip segnen die Kontakte im Netzwerk diese mit “Amen” ab oder sie wiedersprechen mit dem “Hell no!” Button.

Aus den Bewertungen wird eine persönliche Topliste generiert, die das Leben offenbar vereinfachen soll. Ziel sei ”Quoten für alle Themen der Menschheit” zu etablieren. Der Titel des Welt-Artikels: Die Welt ist voller Flops. Amen fasst den Zweifel über die Notwendigkeit gut aus. Andererseits: Wer hätte vor vier Jahren geglaubt, dass Twitter sich derart mainstreamig entwickelt?

Das Potential für Marken und Unternehmen ist durchaus vorhanden. Bei großer Nutzerschaft könnte sich Amen zu einer reinen Statistikdatenbank entwickeln, deren Daten teuer verkäuflich sind. Nichts ist wichtiger, als zu wissen, welche Produkte, welche Hersteller, welche Hypes die jeweiligen Märkte gerade dominieren, wie hier im Beispiel der derzeit uncoolsten Fashiontrends. Und nichts ist einfacher, als eine Vorliebe über “Ja/Nein” bzw. “Richtig/Falsch” auszudrücken – ohne komplizierte Kommentare und Optionen.

Gleiches gilt für die Gastronomie, die über die “Places”-Funktion, die im übrigen mit Facebook-Places und/oder Foursquare verbunden zu sein scheint. Beim Klick auf “Places” kennt das System bei aktivierter Ortungsfunktion sofort den Namen der Location.

Superbowl: 4.064 Tweets pro Sekunde

Veröffentlicht am 10. Februar 2011 von Anna Friedrich | Virales Marketing, Web 2.0, Werbung

Diesen neuen Rekord verkündet Twitter heute anlässlich des diesjährigen Super Bowls. Das alljährlich gehypte Finale der US-amerikanischen National Football League (NFL) wurde in diesem Jahr von 162,9 Millionen Menschen im TV live verfolgt und ist damit das TV Event mit den höchsten Einschaltquoten je her.

Die Zwitscherer schafften es ganze sechs Mal im Laufe der Spiele auf dieses (fast) Allzeithoch, wie die Grafik illustriert. Eines konnte der Superbowl nicht toppen: den Weltrekord von 6.939 TPS am Silvesterabend in Japan ( ja, Twitter nutzt eine eigene Einheit: Tweets per second).

Laut Twitter verursachte der Auftritt von Usher, der als UsherRaymondIV twittert, während der Halbzeit-Show der Black Eyed Peas, das zweit größte hoch in der Anzahl der Tweets. Er war auch die Person, über die am meisten geredet wurde. Auch häufig diskutiert wurden die Black Eyed Peas sowie die Stars Slash, Eminem und Christina Aguilera. Erst dann kommt im Ranking der NFL-Spieler Aaron Rodgers.

Was aber wäre der Super Bowl ohne all die viralen Spots, die bereits seit Wochen durch das Web kursieren. Am meisten geredet wurde bei Twitter über den Doritos-Spot:

Markengeflüster

Veröffentlicht am 20. September 2010 von Anna Friedrich | Allgemein, Bloggerei, Medien 2.0, Themenmanagement, Werbung

What’s true at cocktail parties is also true in marketing i.e. If you want to be boring, talk about yourself. If you want to be interesting, talk about something else.

Hugh McLeod’s “Cocktail Party Rule” trifft es auf den Punkt. Eine Marke ist nur dann interessant, wenn sie Gesprächsanlässe schafft, nicht jedoch sich selbst zum Inhalt der Diskussionen macht. So definiert sich das Paradeexempel Zappos über Glück (Happiness) und nicht über Schuhe, dem eigentlichen Verkaufsstoff. limango (MAVENS-Kunde) macht das Einkaufen auf der Plattform zum Shopping-Erlebnis für Frauen, z.B. über die DaWanda-Anbindung, über die Shopperinnen passend zum Marken-Schnäppchen handgefertigte Accessoires angeboten bekommen.

Doch viele Unternehmen verstehen noch immer nicht viel davon, ihre Botschaft anders als in Werbebudgets zu verpacken. In Zeiten des Web 2.0 vertreiben Sie ihre Konsumenten mit billigen Werbebotschaften mehr, als dass sie sie überzeugen. Das sieht Amir Kassai ähnlich:

Man kann die Kunden heute nicht mehr verarschen. Ein schlechtes Produkt hat es heute viel schwerer, einen Markt zu finden. Und das ist auch gut so.

Das ist nicht neu. Medien, Blogger und Agenturen gleichermaßen predigen schon seit Jahren, die neue Macht des Konsumenten ernst zu nehmen. Der Schlüssel liegt nicht darin, die Verbraucher von der Einmaligkeit des Produkts oder der Dienstleistung zu überzeugen. Im Gegenteil: Sie wollen Spannendes, Aufregendes, Leidenschaftliches hören. Geschichten, die sie weitererzählen können und KEINE 08/15 Werbesprüche mit Pseudo-Botschaften von Daniela Katzenberger oder Boris Becker. Journalisten wie auch Konsumenten erzählen die Geschichte weiter, wenn sie gut ist. So auch MIT-Professor Henry Jenkins: If it doesn’t spread, it’s dead.


Tom Fishburne, Zeichner dieser fantastischen Karikatur, verweist auf die Unterteilung der Medien in bezahlte, verdiente, eigene und selbst geschaffene Berichterstattung (Einheiten, über die sich interaktive Marketingagenturen wie TBWA definieren). Klar: jedes Unternehmen will Geld sparen und fordert “kostenloses” Marketing in Form von PR – gleichzeitig ist diese Verwechslung das größte und schlimmste Missverständnis aller Zeiten. Ein Bericht in den Medien kann niemals ähnliche Wirkung und Bedeutung haben wie bezahlte Berichterstattung bzw. Werbeanzeigen. Marken, die ohne Budget in die Medien gelangen wollen, sollten statt dessen darüber nachdenken, welche Themen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit – optimalerweise im positiven Sinne – erregen könnten.

Selbstkreierte Medien sind ähnlich und verglichen zu bezahlten sehr viel bedeutsamer für das Marken-Image: Über eigene Kanäle sollte das Unternehmen Themen für die Konsumenten aufgreifen, die nicht direkt mit dem Brand in Verbindung stehen. Der Dialog mit den Kunden zu Themen, die auf die Marke zurückfallen, seht im Vordergrund. Wer mehr investiert, darf gleichzeitig nicht glauben, dass auch ein besseres Ergebnis dabei rumkommt. Generell geht es um eine kreative Idee, die muss nicht unbedingt viel kosten. Wunder können Medien dabei nicht bewirken – die Geschichte muss berichtenswert sein. Media is just an accelerant, betont Fishburne. Wie sich die Medientypen genau unterscheiden, darüber gibt Forrester einen guten Überblick:

Virales Wunder: And the winner is…

Veröffentlicht am 11. August 2010 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Virales Marketing, Werbung

Old Spice. Die erste Kampagne, die sogar den viralen Erfolg von Obama zu Zeiten der Präsidentschaftswahl übertrifft. Innerhalb von sechs Monaten schafft es Old Spice in den USA auf Platz 1 der Körperpflege-Marken für Männer. Und wow! Bei den Zahlen sollten Marketiers die Luft anhalten – als meistgeklickter Youtube-Kanal aller Zeiten schreibt Old Spice bereits jetzt Geschichte:

6 Millionen Abrufe am ersten Tag, 20 Millionen nach drei Tagen und doppelt so viele in der ersten Woche der Kampagne. Sechs Monate nach Launch wurden sage und schreibe 1,4 Milliarden Seitenaufrufe generiert. Auch die Verkaufszahlen sind beachtlich: Im letzten Monat stiegen sie um über 100 Prozent, in den letzten drei Monaten um 55 Prozent und über den Zeitraum von sechs Monaten sind es 27 Prozent Steigerung. Old Spice hat wohl alle Preise für Cannes und Co. bereits jetzt in der Tasche. Hier eine fantastische Zusammenfassung:

via Digital Buzz

“Influencer” als Markenbotschafter

Veröffentlicht am 01. April 2010 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Soziale Netzwerke, Storytelling, Web 2.0, Werbung

screenDie Studie “The Influencer: A Consumer Voice with Legs” (PDF) belegt jetzt erneut die, wie effektiv Word-of-Mouth (WOM) ist. Epsilon Targeting, nach eigenen Angaben ein führender Dienstleister für “consumer information for targeted solutions”, befragte hierzu 7000 amerikanische und kanadische Konsumenten.

Dass Fans perfekte Markenbotschafter sind, ist nicht neu. Die Typologie dieses “Influencers” muss aber verstanden, so Gillian MacPherson von Epsilon:

It is critical that we also understand their attributes, channel preferences, and behavior. Only then will marketers be able to effectively communicate with this valuable segment of the population.

Laut Untersuchung existieren die Botschafter lediglich innerhalb besitmmter Produktkategorien und nicht produktübergreifend. Insgesamt kann man “Influencer” nicht in bestimmte demografische Gruppe einordnen: sie stammen aus allen Altersklassen, sind unabhängig von Geschlecht, Einkommen und gebrauchen unterschiedliche Kommunikationskanäle.

Sie haben das Bedürfnis, mit anderen über Produkte, Dienstleistungen und Ereignisse zu sprechen und bevorzugen persönliche Gespräche – offline. Zahlreiche Studien belegen, dass 90 Prozent von WOM-Aktivitäten tatsächlich live und in Farbe oder per Telefon weitergetragen werden (z.B. Keller Fay, 2008). Während die Konversionsrate bei klassischen Marketingkampagnen gerade mal bei rund 12 Prozent liegt, schafft es Mundpropaganda auf 80 bis 90 Prozent (via Gary Vaynerchuck).

Mundpropaganda ist der Weg, um viel Wirkung mit relativ wenig Aufwand zu erzielen. Aber Marketiers müssen also ihre Multiplikatoren verstehen. Die Marken-Advokaten sind offen für “volksnahe”, simple Inhalte, auch exklusiv und per Newsletter. Dann tragen sie die Botschaft an ihre Freunde weiter.

Zwar findet der erste WOM-Prozess eher offline statt. Social Media Aktivitäten auf Facebook und Co. sind dennoch wirksam, um die neu generierten Fans (rechts ganz unten im Bild) weiterhin zu involvieren. Über eine Facebook-Seite bewies der Hersteller und Entwickler neofonie die Viralität seiner Botschaft. Eine breitangelegte Guerilla-Kampagne à la Apple hätte in diesem Fall wohl kaum funktioniert. Die Rechnung von Markenpräsenzen auf dem Größten deutschen Netzwerk (8,5 Millionen Nutzer allein in Deutschland) geht anscheinend auch auf. Zumindest sind amerikanische Facebook-Fans eher geneigt, zu kaufen, wenn sie im Sozialen Netzwerk mit der Marke connected sind, wie emarketer verkündet:

Bildschirmfoto 2010-04-01 um 17.32.01

Werbung, die schockt

Veröffentlicht am 25. Februar 2010 von Anna Friedrich | Virales Marketing, Werbung

Bildschirmfoto 2010-02-25 um 11.35.16Amerika ist bekannt dafür, aussergewöhnliche Werbebotschaften zu zensieren oder zu verbieten. Jetzt sorgt eine provokative Anti-Raucher-Kampagne der französischen Nichtraucher-Organisation DNF (Droits des non-fumeurs) für Aufruhr im Sechseck. Politiker wie die französische Familienministein Nadine Morano forderten, die Kampagne aufgrund der sexuellen Anspielung zu stoppen.

Denn die Jungen bzw. die junge Frau auf den Fotos sind in einer eindeutig zweideutigen Situation abgebildet mit dem bezeichnenden Claim: “Smoking means being a slave to tobacco.” DNF-Chef Rémi Parola verantwortet die Kampagne und sieht die konservativen Argumente der Gegner nicht und besteht drauf, dass die Intention der Idee nicht auf Sex basiert:

Traditional advertisements targeting teens don’t affect them. Talking about issues of health, illness or even death, they don’t get it. However, when we talk about submission and dependence, they listen. (…) The visuals have a sexual connotation, that I can’t deny, but it’s really a way to start a discussion with young people to get them to understand the dangers of smoking.

Selten gelingt es Kampagnen, für ein verdrängtes Gesundheitsthema wie Rauchen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erlangen. Dabei braucht es das dringend: 40 Prozent aller Raucher zwischen 12 und 25 sind süchtig, jährlich Sterben allein in Frankreich 66.000 an den Folgen des Nikotinkonsums.
Jetzt, wo es die Nichtraucher-Organisation mit ein wenig Provokation schafft, bietet die französische Regierung Paroli. Die Darstellungen seien unanständig und anstößig, heißt es und es gäbe bessere Wege, um Teenager vom Rauchen abzuhalten.

Noch existieren die Fotos nur im Internet und in den zahlreichen Medienberichten, die Resultat der heißen Debatte sind. Heute beschloss DNF, die Kampagne auzugeben. Doch hat sie mit dem enormen Media-Buzz schon mehr erreicht, als erwartet.

Der Zweck heiligt die Mittel. Wie würde man hierzulande auf eine solche Kampagne reagieren? Wenn sich die Mehrheit über eine betrunkene Margot Käßmann am Steuer aufregt, würden unsere Politiker wohl auch an dieser Kampagne kein gutes Haar lassen. Vielleicht spielen steuerzahlende Tabakkonzerne ebenfalls eine nicht unwesentliche Rolle im Interesse der Regierungen.

Dumm klickt gut

Veröffentlicht am 18. Februar 2010 von Anna Friedrich | Web 2.0, Werbung

Klingt logisch und ist auch so. Je höher der IQ eines Internetnutzers, desto weniger klickt er sich durchs Netz – er weiß wo er hin will und surft gezielt. Das belegen Ergebnisse des US-Werbenetzwerkes Chitika.

Maßstab war das Bildungslevel der US-Staaten. Die Korrelationen waren eindeutig: Je gebildeter der Staat im Durchschnitt, desto schwieriger wird es, ihn mit Werbung zu beglücken, so die Untersuchung. Massachusetts und Washington hatten die niedrigsten Klickraten auf Werbung – gleichzeitig haben beide Staaten einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Bürgern mit College-Abschluss. Die höchste Klickrate produzierte West Virginia. Hier lebt auch der geringste Anteil an College-Graduierten.

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Für die Werbebranche bedeutet das hartes Brot, um am die vermutlich kaufkräftigere Klientel heranzukommen. Gebildete Konsumenten blenden Online-Werbung mehr oder weniger aus, indem sie sie erst gar nicht anklicken. Folglich zielen Werbebanner inhaltlich vielmehr auf die “blödelnde Masse”.

Studienleiter Daniel Ruby sieht die durchaus repräsentativen Ergebnisse als Chance auch für reine Werbung an, Inhalte in den Vordergrund zu stellen:

Obviously, if you’re targeting a more educated demographic, you need to do a better job of making your ad worthwhile. This, like everything, is an opportunity to push the industry towards the idea of content first, sales pitch second, even among advertisements.

Was er dabei nicht beachtet, sind die Orte, an denen Werbung platziert wird. Das Prinzip “Dumm klickt gut” spiegelt sich auch auf deutschen Newssites wider, betrachtet man die Startseite der Bild komplett mit Bannern bepackt gegenüber fast werbefreien Startseiten wie FAZ.net oder Sueddeutsche.de. Während Bild die gemeinsame Familien-Aktion mit Landliebe und die Oral-B Volks-Zahnbürste (!) bewirbt, findet sich auf der Süddeutschen eine Anzeige zum neuen Kinofilm Invictus mit Morgan Freeman und Matt Damon. Mehr gibt es zur Wertigkeit von Inhalten eigentlich nicht zu sagen.

Woods Ende als Personal Brand und Salesman

Veröffentlicht am 13. Dezember 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Personen-PR, Werbung

Sich als Marke zu etablieren, dauert Jahre – egal, ob es sich um eine Person oder ein Produkt handelt. Den eigenen Ruf dagegen kann man mit nur einem Ereignis, das die Konsumenten “verletzt”, zunichte machen.

So auch im Falle von Tiger Woods, einem der bekanntesten Sportler aller Zeiten. Einst Symbol für Perfektion und Erfolg, hat der US-Golfstar mit seinen Sexaffairen innerhalb kurzer Zeit sein Ansehen komplett verloren.

Vorbei mit dem Saubermann-Image. Erst leugnete er, seine Frau betrogen zu haben. Als die Spekulationen, Diskussionen und Verurteilungen in den Medien kein Ende nahmen, gab Tiger Woods (erst) gestern auf seiner offiziellen Website bekannt:

I have decided to take an indefinite break from professional golf. I need to focus my attention on being a better husband, father, and person.

Gleichzeitig bittet er um die nowendige Privatssphäre, um genau das zu tun. Fastcompany-Autor Joel Rubinson moquiert seine Aussage:

Sorry, private citizens don’t make tens of millions of dollars in endorsements. You are public. Brands exist in the mind of consumers that don’t like being lied to.

Genau hier liegt das Problem: Konsumenten vergessen nicht und sie unterscheiden nicht zwischen einer Marke und einer Person die dahinter steht. Sie erwarten vertrauenswürdige Menschen und Unternehmen. Markenexperte Rubinson unterstreicht:

In an era of social media, the table-stakes of branding are honesty, openness, and transparency. We all knew something happened, and we knew brand Woods should talk about it, explain it, let us forgive him for it. And we probably would have forgiven him, but now we can’t even consider that…

Woods war ein Salesman. Einer, der als charismatische Person mit Vorbildcharakter Bewegungen massentauglich machen konnte (und auf gut deutsch die Sales in die Höhe trieben). Neben Connectors und Mavens, sind Salesmen einer von drei Multiplikatoren, die nach Malcom Gladwells “Tipping Point” Trends weitertragen. Genau dafür wurde Woods als renommierter Sport-Promi von vielen Werbepartnern engagiert und honoriert.

Entsprechend sind große Marken wie Nike, Pepsi oder Gillette, für die Woods mit seinem Namen steht, sauer und besorgt wegen der Negativ-Schlagzeilen. Kein Produkt verkauft sich mit einem, der als Lügner und Betrüger die Runde gemacht hat. Das Standing des Golf-Genies als Werbeikone und damit sein Marktwert scheinen dank der neuesten Ereignisse vernichtet:

So nimmt Brause-Produzent PepsiCo prompt das eigens nach dem Golfer benannten Sportgetränk “Gatorade Tiger” vom Markt. Ein Werbeträger wie Woods, mit dem eine komplette Werbekampagne gestrickt wurde, ist nicht mehr gewünscht.

Gillette gehört zu den Hauptsponsoren des Sportlers. Die Markenstrategen des Procter&Gamble-Rasier-Imperiums reduzieren die Werbeanzeigen und sind entsprechend ebenso wenig an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert.


Accenture hat den Mann, der einst für das Beratungsunternehmen Integrität und Bestleistung personifizierte, ebenfalls sorgfälitgerweise von der Startseite entfernt. Mit Anzeigen wie diesen, wird Accenture sich zukünftig wohl kaum idenitifzieren.

In der Tat sollte sich Herr Woods keine Sorgen um seine Finanzen zu machen. Erst kürzlich wurde er von Forbes zum “Eine-Millionen-Dollar-Mann” gekürt. Analysten vermuten aber, dass im Prinzip alle Werbepartner dank Moralitäts-Klausel abspringen könnten. Entsprechend berechnen sie, dass ein Jahr Golf-Pause ihn 180 Millionen Dollar kosten könnten.

Nielsen fasst die Social Media-Positionierung von Tiger Woods vor und nach dem Skandal in einer Brand Association Map zusammen. Untersucht wurden hierzu mehr als 60.000 Einträge:

precontroversary
postcontroversary

Marken, die wahren Stars im Netz

Veröffentlicht am 12. November 2009 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Web 2.0, Werbung

Wie verliere ich meine Kunden – in 10 Tagen?

Veröffentlicht am 20. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Corporate Publishing, Medien 2.0, Online-Relations, Soziale Netzwerke, Web 2.0, Werbung

Eine Marke entsteht nicht über Nacht, auch wenn Werber sich das gerne wünschen. Sich auf eine langfristig etablierte Unternehmenstradition zu verlassen, reicht nicht aus, um Kunden an sich zu binden. Eine Marke ist nur so viel wert, wie die Gespräche, die über sie und mit ihr geführt werden.

tazen dawandaWie man den Ruf seiner Marke, der sich über Jahre hin entwickelt hat, mit einem Schlag erfolgreich ruiniert, machte jüngst – nach dem vieldiskutierten Jako-Skandal – Jack Wolfskin vor. Der Outdoor-Hersteller mahnte alle geschäftlichen Anbieter auf dem Marktplatz DaWanda ab, die Produkte mit Pfotenabdrücken im Sortiment hatten, die (angeblich) stark an die Jack Wolfskin Tatze erinnerten. Denn solche Produkte verletzen das Markenrecht der beliebten Tatze, so das Argument der Anwälte.

Das Problem: Jack Wolfskin ist zwar eine etablierte Marke, aber nicht mit Marken-Riesen wie Nivea, Coca-Cola, McDonalds & Co. zu messen. In einer Social Media Welt, in der Marken Konversationen sind, müssen auch Markenrechtler ein Gefühl dafür haben, welche Folgen derartige Klagen für den Ruf der Marke selbst haben können. Adage-Autor Gunnar Brune vergleicht die Markendimension von Jack Wolfskin mit David aus der Bibel:

Like Jako, Jack Wolfskin is a sympathetic David Last week they decided it would be better to act like Goliath.

Was für jeden Social Media Berater vorhersehbar war, scheint nicht in den Köpfen der Jack Wolfskin-Marketiers (und schon gar nicht in denen der schlauen Anwälte) präsent gewesen zu sein. Das Aufsehen in der “Szene” über die Abmahnungswelle, ausgelöst durch den ersten Bericht auf Werbeblogger, ist enorm. JWlogoSpoof2Der Server des bekannten Marketing-Blogs war überfordert und schnell griffen andere Autoren das Thema für Diskussionen auf. Twitter, Facebook und natürlich auch die Medien berichteten. Mittlerweile hat sich eine Gruppe auf Twitter gebildet, die aus Protest eine Tatze als Profilfoto einsetzt.

Ein Blick auf die Google Trends zeigt, wie extrem die Webwelt reagierte:

Bild 7

Brune erklärt die Wut der Konsumenten auch damit, dass gerade Digital Natives Outdoor-Klamotten tragen. Völlig unabhängig davon, ob Jack Wolfskin nun im Recht ist oder nicht hat der Hersteller mit dieser Aktion das erzielt, was jegliche Kunden-Loyalität ins Nichts auflöst: Seine Konsumenten fühlen sich verletzt und hintergangen. Bevor also rechtliche Schritte überhaupt erst in Erwägung gezogen werden müssen Marken den Dialog suchen. Sicherlich hätte Jack Wolfskin die Verkäufer einfach freundlich darauf hinweisen können, dass die Tatze ihrem Logo ähnelt und sie mit der Verwendung nicht einverstanden sind.

Der beanstandete Abmahnungs-Betrag werde, so die Rechtfertigung der offiziellen Stellungnahme des Unternehmens, lediglich zur Deckung der Anwaltskosten eingesetzt:

Wenn verhältnismäßig kleine Unternehmer abgemahnt werden, wird darauf geachtet, die Kosten möglichst gering zu halten. Normalerweise berechnen sich die Kosten eines Abmahnschreibens nach dem zugrunde liegenden Gegenstandswert, der anhand der verletzten Marke bestimmt wird. Dieser wurde in den vorliegenden Fällen so gering wie möglich angesetzt. Die sich daraus ergebenen Kosten in Höhe von € 991,00 sind für einen Kleinunternehmer noch immer verhältnismäßig hoch, jedoch ist dieser für die Entstehung der Kosten verantwortlich, da er markenverletzende Ware verkauft hat und Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war.

Leider zeigt das gestern publizierte Statement, dass Jack Wolfskin so gar nicht gelernt hat aus dem Fall! Anstatt die Aufmerksamkeit dafür zu nutzen, den “Buzz” ins Positive zu wenden, macht sich die Outdoor-Marke nur doppelt lächerlich. Übrigens, auch die Markenrechte von Puma werden hier verletzt ;) :

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