Archiv für die Kategorie ‘Werbung’

Facebook weiß, wie glücklich wir sind

Veröffentlicht am 14. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Bloggerei, Soziale Netzwerke, Trends, Web 2.0, Werbung

Mit über 300 Millionen Nutzern ist Facebook das größte Netzwerk weltweit. Im September 2009 machten 8,80 Millionen Unique Visitors hierzulande Facebook zum beliebtesten sozialen Netzwerk. Diese Masse an Menschen bedeutet gleichzeitig ein Meer an Informationen, die für Recherche-Zwecke sinnvoll eingesetzt werden können.

Bild 4 So kann die Wortwahl und Tonalität eines Tweets oder Status-Updates auf Facebook Auskunft darüber geben, in welcher Stimmung sich eine Person befindet – das zumindest behaupten Experten und Psychologen. Deshalb werteten Researcher anhand von 100 US-Profilen aus, wie fröhlich sich die User zu welchem Zeitpunkt gaben. Der “Gross National Happiness Index” repräsentiert die Daten der letzten zwei Jahre. “Glück-Worte” sind da “happy,” “yay”, “awesome”, Nachrichten mit trauriger Stimmung enthalten “sad,” “doubt”, “tragic.”

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass derartige Untersuchungen durchaus die Stimmung einer Nation widerspiegeln: Am Ende der Woche sind die Menschen einfach glücklicher als Montags. Auch geben sich die Amerikaner sind besonders erfreut an Feiertagen wie dem vierten July oder Thanksgiving und eher traurig, wenn die Todesnachricht von Stars wie Michael Jackson oder Heath Ledger öffentlich wird.

Sind also Facebook-Daten verwertbar für Unternehmen und Marken, um Reaktionen zu bestimmten Ereignissen und auch der Grundeinstellung ihrer Konsumenten und Kunden zu überprüfen? Ist ein Status-Update repräsentativ? Der optimistische Adam D. I. Kramer erklärt in seinem Eintrag auf dem Facebook-Blog nicht nur, dass er zu 72 Prozent glücklicher ist, als dier Durchschnitts-User:

When people in their status updates use more positive words—or fewer negative words—then that day as a whole is counted as happier than usual.

Kramer glaubt gar, Facebook könnte der erste Schritt sein, um das Selbstwertgefühl einer gesamten Nation neu zu evaluieren:

We have tracked the economic health of the nation for a long time. The reason we track those things is that the government is full of economists, not psychologists.

Verstärkt gibt es die Diskussion, dass Länder falsche Erhebungen nutzen, um Gesetze aufzustellen. Eine deartige Kommission gründete Nicolas Sarkozy unter anderem mit Nobelpreisträger und Wirtschafts-Guru Joseph Stiglitz. Sie will bessere Modelle finden, um die wiritschaftliche Leistung und den sozialen Fortschritt zu bewerten. Das Ergebnis: auch Faktoren wie das WohlergehenBild 5 der Bürger sollten miteinbezogen werden.

Das würde für den Glücks-Index sprechen, der auf den ersten Blick sinnvoll erscheint. Tatsächlich ist es doch nicht mehr als ein Aktienindex, der genauso gut oder schlecht die Stimmung und Wirtschaftlichkeit eines Landes darstellt. Dabei zeichnet sich auf den diversen sozialen Netzwerken immer stärker eine Klassengesellschaft ab: Während auf Facebook die Besserverdienenden unterwegs sind, wird Myspace zum “Social Media Ghetto”, so die Ergebnisse einer Nielsen-Befragung unter 200.000 US-Nutzern. Allein deshalb sind wohl Status-Updates auf Facebook genauso aussagekräftig wie ein Wahlergebnis, an dem nur 20 Prozent der wohlhabenderen Bevölkerung teilnehmen würde.

Cameron Marlow, Leiter des Facebook-Research Teams, ist dennoch überzeugt davon, dass sein Social Network wertvollere Daten zu bieten hat als der Suchgigant Google. Klar – die meistgenutzte Suchmaschine liefert Informatoinen zum Suchverhalten der Menscheit und versucht, so effizient wie möglich die gewünschten Suchtreffer zu liefern. Facebook dagegen trifft Aussagen zum Umfang, zur Ausbreitung und zur Veränderung von Beziehungen und will wissen, wie Freundschaften entstehen und bestehen bleiben:

The type of things that people reveal on Facebook are the kind of things that sociologists have tried to collect through surveys for decades. Say I want to understand how the divorce rate is changing — for a social scientist to produce a report on this, it would take a team of researchers, a company to collect the data.

Unbestritten – aber Facebook spricht nun einmal nur für einen Teil der sozialen Schichten. Noch weniger repräsentativ wird Facebook, wenn man sich die Markteinteile in USA anschaut: Knapp 59% aller Seitenbesuche auf Social Networks kassiert Facebook. Immerhin 30 Prozent der Klicks kommen auf MySpace. Ausserdem sind Frauen in fast allen Netzwerken in der Überzahl (Frauen tratschen, Männer posen – auch im Web).

Selbst Psychologieprofessor James W. Pennebaker, der für die Wertung der Worte auf Facebook verantwortlich war, räumt ein:

I could imagine it would allow us to look at a group of people, get a sense of what their concerns are, how insecure they feel. It could be an advertiser’s dream. Yes, it is creepy from a government perspective, but it is even creepier from an advertising perspective.

Für Marketiers ist der Stoff auf Facebook also ebenfalls kaum verwertbar. Dabei sind Social Networks gerade für Marken besonders interessant: Freunde sind gleichzeitig diejenigen, deren Empfehlungen zu Produkten und Dienstleistungen wir vertrauen. Dafür braucht es allerdings mehr, als die Auswertung verwendeter Worte der Nutzer.

Werbung im Wandel

Veröffentlicht am 09. Oktober 2009 von Anna Friedrich | Werbung

advertising 2009

via Thinkaloud

Social Media vs. Werbung = Dating vs. One-night-stand

Veröffentlicht am 04. September 2009 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Web 2.0, Werbung

Jeder spricht darüber. Und doch sind die Erwartungen von Unternehmen an Social Media überzogen, wie Avinash Kaushik in seinem berühmt gewordenen Tweet feststellt:

Social media is like teen sex. Everyone wants to do it. No one actually knows how. When finally done, there is surprise its not better.

Unternehmen erwarten meist die gleichen Effekte wie beim klassischen Marketing. Um diese Online-Konversationen von Werbung zu unterscheiden, zieht Rich Nadworny einen schönen Vergleich: Werbeanzeigen sind wie ein One-night-Stand und Social Media entspricht eher einer Dating-Phase.
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Wer abends loszieht, kann ganz unverbindlich Kontakte knüpfen. Wo auch immer man hingeht, man weiß: “Irgendwen werde ich treffen.” Genauso verhält es sich mit einer Werbeanzeige: sie ist breit gestreut und richtet sich relativ wahllos an ein breites Publikum. Sie kann auf die richtigen Rezipienten treffen, muss aber nicht. Ihre Eigenschaften: oberflächlich, kurzfristig und nicht verpflichtend. Die Chancen auf eine langfristige Beziehung zum Konsumenten strebt hier, wie bei einem One-night-Stand, gegen Null.

Beim Dating gehen wir wählerischer vor. Schließlich geht es um langfristige(re) Intentionen – das heißt auch, dass man sich mehr Zeit lässt und gegebenenfalls seine Strategie anpassen muss, wenn das Verhalten nicht zum gewünschten Erfolg führt. Für den Einsatz von Social Media in Unternehmen gilt ebenfalls: wer eine dauerhafte Bindung seiner Kunden an eine Marke erreichen will, muss Geduld mitbringen. Das Ergebnis ist eine ehrlichere Bindung mit einer Zielgruppe, die ernsthaft interessiert ist.

Nadworny hat auch noch ein paar Tipps auf Lager, wie Firmen sich auf das Social Media Glatteis begeben:

1. Die Welt dreht sich nicht um dich – Immer wieder stellen Unternehmen fest, wie wenig Konversationen doch zu ihrer Marke online statt finden – es sei denn, es handelt sich um Brands mit einem hohen Bekanntheitsgrad. Es gibt spannendere Themen, über die sich Nutzer unterhalten wollen. Selbstzentrierte Dater sind genauso unbeliebt wie penetrante Unternehmen. Beide müssen sich erstmal interessant machen, damit Menschen auch bereit sind, mit Ihnen zu sprechen.Bild 7

2. Selbstdarsteller kommen arrogant rüber und langweilen – Ein beliebter Fehler – sowohl beim Daten als auch bei Social Media, sei aus Nervosität oder übersteigertem Selbstbewusstsein: viele fangen einfach damit an, über sich selbst zu sprechen. Wer bei Facebook, Twitter und Co. nur über seine Marke spricht, wird häufig als Spam deklariert. Richtig macht es hier beispielsweise der Mobilfunkanbieter simyo, für dessen Fanseite MAVENS verantwortlich ist. simyo ermöglicht Gespräche rund um Mobilfunkthemen und stellt sich den Konversationen. Wer seinen ersten Auftritt “versaut”, wie es beispielsweise Vodafone getan hat, wird kaum ein zweites Date erhaschen.

3. Langfristig denken – Um die Social Media Tools einzusetzen, ist eine gute Planung nötig. Es macht wenig Sinn, beim ersten Date Champagner und Trüffel zu servieren – dann bleiben keine Ideen mehr fürs nächste Mal. Es geht darum, Geschichten zu erzählen, die kontinuierlich für Gesprächstoff sorgen und aufeinander aufbauen. Dafür braucht es vor allem Personal, das die Geschichten liefert und ein Gefühl dafür entwickelt, was wann veröffentlicht wird. Das ist der Teil, der am meisten Arbeit bringt für den Dater wie auch für die Mitarbeiter.

4. Belohnung – Wer etwas gutes tut, soll auch belohnt werden. Entsprechend braucht es ein System, das realastisch ist und zum Weitermachen anspornt.

5. Fehler eingestehen – Wichtig ist bei allem, was man tut: authentisch sein. Wer einen Fehler gemacht hat, sollte diesen eingestehen, bevor das Ganze “falsch herum” an die Öffentlichkeit gerät. Diese Details sind kriegsentscheidend für eine echte Beziehung – deshalb braucht es hier einen festgelegten Prozess.

Das schöne daran ist: sobald man diese anfängliche Phase geschafft hat, fühlt man sich sicher und kann die wahre Beziehung eingehen und ausbauen. Unternehmen, die ohne jegliche emotionale Bindung einfach nur schnelle Erfolge (à la One-night-stand) haben wollen, sollten besser die Finger noch Social Media lassen.

Marken müssen sprechen lernen

Veröffentlicht am 12. August 2009 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Trends, Werbung

Werbung nervt. So kreativ ein Slogan auch sein mag: selten motiviert er uns, das beworbene Produkt zu kaufen. Unser Kaufverhalten verändert sich – insbesondere durch die Sozialisierung des Netzes. Hugh MacLeod bringt es mit seiner Illustration auf den Punkt:

Auf die neuen Bedürfnisse der Kunden reagieren die Marketiers dieser Welt: allerorts beißen sie in den sauren Apfel und reduzieren die Budgets für klassische Werbung. Laut den Marktbeobachtungen von Nielsen Global AdView schrumpften die Werbeausgaben für Kommunikationsmaßnahmen in den klassischen Medien weltweit im ersten Quartal 2009 um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Etwa 88,4 Milliarden US-Dollar wurden für Inserate, TV-Spots und Radio-Werbung ausgegeben. Prognosen in Amerika setzen auf einen weiteren Rückgang der Werbespendings. Nielsen Media Deutschland berichtet heute erstmals überraschend von einem Zuwachs in Deutschland um 2,2 Prozent.

Viel stärker beeinflusst Konsumenten die Meinung von Bekannten und Freunden. Von allen Internetnutzern, die in USA ein Produkt aufgrund einer Empfehlung kauften, stammte der Rat bei 34 Prozent vom direkten Kontaktnetzwerk (Mintel). Ein Viertel hörte auf die Empfehlung des (Ehe)Partners. Patrick Quinn von PQ Media bestätigt:

The most influential marketer in a consumer’s life is someone they know and trust, such as a family member, friend or colleague.

Marken haben das Potential, Mundpropaganda im Netz für ihre Zwecke einzusetzen, längst erkannt. Online-Kanäle finden immer mehr Nutzer und machen Word-of-Mouth Initiativen genau deshalb so interessant: Blogs, soziale Netzwerke und Communities sind DER Ort, an dem sich eine wachsende Anzahl an Konsumenten über Produkte austauschen.

US Word-of-Mouth Marketing Spending, by Segment, 2008 & 2009 (millions, % change and % share) So investieren US-Marketiers vergleichsweise mehr Geld in Word-of-Mouth Marketing, wie eine Untersuchung von PQ Media bestätigt. 2008 wuchsen die Ausgaben hier um gut 14 Prozent auf mehr als 1,5 Millarden Dollar. Zwar sollen Ausgaben in Mundpropaganda in diesem Jahr “nur” gut 10 Prozent wachsen. Insgesamt rechnet das Analyseinstitut aber mit einem weiterhin starken Wachstum im Segement auf 3 Milliarden Dollar in 2013.

CEO Quinn glaubt, der Trend zum Menschen als Sprachrohr für Marken steht erst am Anfang:

Despite impressive growth in the industry, word-of-mouth remains just a fraction of the overall advertising and marketing landscape. (…) But double-digit growth in this economic environment is a strong sign of an increasingly prevalent role in the future.

Wird die Klassik untergehen? Amir Kassai spricht in einem Spiegel-Interview aus, was sich bisher kaum einer getraut hat:

Verändert sich aber die Werbebranche nicht, wird sie wie die Musikindustrie untergehen. Die klassische Werbeagentur kann nicht überleben. Aber die Bettdecke, unter der man liegt, ist eben noch lauwarm, und man scheut sich, freiwillig raus in den Regen zu gehen. Für manche kommt aber auch der lauteste Schuss zu spät.

Deine Marke ist die Summe ihrer Interaktionen

Veröffentlicht am 03. August 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Online-Relations, PR 1.0, Web 2.0, Werbung

Warum finden wir eine Marke gut? Es ist ein Gefühl, das sich nicht anhand von Fakten beschreiben lässt. Der Konsument muss ihr vertrauen schenken – das geht nicht mit den leeren Worthülsen der Werbeslogans. Soziale Netzwerke verändern unsere Anforderungen an die Kommunikation eines Brands. Authentisch ist, wer in vielen kleinen Botschaften zeigt, dass das Kundenfeedback im Mittelpunkt steht.

David Armano formuliert in einer Präsentation sehr treffend, warum es so wichtig für Marken ist, über “Micro-Interaktionen” ihre Zielgruppen direkt zu involvieren in den Kommunikationsprozess:

“We live in a world where the little things really do matter. Each encounter no matter how brief is a micro interaction which makes a deposit or withdrawal from our rational and emotional subconscious. The sum of these interactions and encounters adds up to how we feel about a particular product, brand or service. Little things. Feelings. They influence our everyday behaviours more than we realize.”

Das heißt auch: weniger kann mehr sein, wenn der richtige Kommunikationskanal genutzt wird. Anstatt die Kunden vollzuschütten mit Informationen und Dialogangeboten müssen Marken zur richtigen Zeit am richtigen Ort da sein – genau da, wo die Konversationen statt finden.

Das veränderte Bewusstsein des Konsumenten führt direkt zur Kluft zwischen Marketing, Public Relations, Werbung und Branding. Direktmarketing nach dem Motto “Kauf das, weil es gut ist” wirkt unglaubwürdig. Warum sollten wir fremden Menschen mehr glauben als unserem eigenen Netzwerk? Public Relations fungiert als Mediator zwischen Marke und Konsument und hilft, Vertrauen und Renomée aufzubauen. Fans bringt die PR allein jedoch wenige. Sich ständig wiederholende Werbesprüche nerven mehr, als sie nutzen. Schließlich hat es erst beim Konsumenten “Klick” gemacht, wenn er selbst die Marke erlebt hat und deshalb versteht, warum sie so genial ist.

Der Königsweg ist wohl der richtige Mix aus allen Elementen. Dass viel Werbung auch schaden kann, hat Vodafone gerade vorgemacht. Von der neuen Imagekampagne “Es ist deine Zeit” fühlt sich die eigentliche Zielgruppe, die Digitale Bohème, hinter der Vodafone die “Generation Upload” vermutet, nicht angesprochen. FAZ-Autorin Judith Lembke hat eine Erklärung für den Versuch des Mobilfunkbetreibers parat:

Dem Trend einer immer emotionaleren Ansprache des Konsumenten folgend, versucht die Werbung nicht bloß, Kunden für ein Produkt zu gewinnen, sondern Fans. Sie sollen sich im Idealfall zu Fan-Gemeinschaften im Internet zusammenschließen und mit ihrem Enthusiasmus auch andere potentielle Kunden von dem Produkt überzeugen – so zumindest die Theorie.

Wo sind die Fans von Vodafone? In der Praxis scheint dieser (grundsätzlich richtige) Ansatz nicht aufzugehen. So ist ein Tool der Kampagne die Vodafone-Fanseite auf Facebook. Die zählt noch nicht einmal 1.700 Freunde. Sascha Lobo, bezahlter Chief Evangelist für Vodafone, hat allein auf Twitter 16.600 Follower. Seine Anhänger müssten doch annähernd auch der Vodafone-Zielgruppe entsprechen, auch wenn die nicht 1:1 auf Facebook konvertieren kann. Den “24-Stunden-Surfer” konnte die Kampagne (noch) nicht begeistern.

Marken leiden unter gekürzten Budgets

Veröffentlicht am 06. April 2009 von Anna Friedrich | Werbung

Die Konsumindustrie, so sollte man meinen, kann der Wirtschaftskrise am ehesten entkommen. Allerdings gilt dies vor allem dann, wenn Unternehmen nicht – wie in allen anderen Bereichen – am Werbebudget sparen. Zu diesen Implikationen führt die aktuelle Studie von TNS Media Intelligence für Sanford C. Bernstein. Glaubt man den Ergebnissen, so kann weniger Werbung sich durchaus negativ auf die Marktanteile auswirken.

So haben US-Marketiers im letzten Jahr das Werbebudget bei Körperpflege-, Beauty- und Haushaltsprodukten stärker (um 8,8 Prozent) gekürzt als dies im Vergleich zum Gesamtwerbemarkt der Fall war (5 Prozent). Eine Untersuchung der University of North Carolina von Marketing-Professor Jan-Benedict E.M. Steenkamp besagt, dass Firmen, deren Werbeausgaben gleich blieben oder erhöht wurden, in Rezessionsphasen zwischen 1985 und 2005 Marktanteile an Handelsmarken verloren haben.

Unternehmen und Marken, die ihr Budget an Auf- und Abschwung angepasst haben aber, mussten noch mehr Anteile an Handelsmarken abgeben: sowohl kurz- als auch langfristig gesehen. Bei Konzernen, deren Ausgaben sich nicht an der wirtschaftlichen Lage orientierten, stiegen die Aktienpreise von 1986 bis 2006 um durchschnittlich 1,3 Prozent im Jahr. Dies ergibt eine von Steenkamp durchgeführte Analyse von weltweit 26 Marketiers in diversen Branchen. Sein Fazit:

Companies and categories that are able to turn a recession into an advantage are [those] goingagainst economic trends. (…) Ultimately, it takes courage. But it pays off in share and in termsof the stock market.

Laut dem Marketingprofessor wird ungefähr die Hälfte der verlorenen Marktanteile in Rezessionsphasen nie zurückgewonnen. Deshalb, so seine These, müssen Unternehmen den Mut haben, gegen den Strom des Abschwungs zu schwimmen und weiter kräftig in Werbung zu investieren.

Unternehmen bewegen sich weg von der klassichen Werbung hin zu Social Media

Veröffentlicht am 30. März 2009 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Web 2.0, Werbung

Die Ausgaben für Online-Werbung könnten im ersten Quartal 2009 um fünf Prozent fallen, so das Researchunternehmen IDC. Klassische Werbung funktioniert nicht mehr, erst recht nicht im Internet. Darüber philosophierte erst kürzlich Eric Clemons, Professor für Operations and Information Management, auf TechCrunch. Seine These:

The problem is not the medium, the problem is the message, and the fact that it is not trusted, not wanted, and not needed.

Konsumenten scharen sich auf Blogs, Wikis, Facebook, Twitter und Co. Das haben endlich auch die Unternehmen erkannt. Sie integrieren die sozialen Netzwerke in ihren Kommunikationsmix und machen ihre Kunden über den direkten Dialog zum Sprachrohr für ihre Marke.

Branchenführende Firmen weltweit investieren einen wachsenden Anteil ihres Marketingbudgets in soziale Netzwerke und sonstige nutzergenerierte Inhalte, dies ergibt eine Studie der Aberdeen Group mit dem Titel The ROI on Social Media Marketing: Why It Pays to Drive Word of Mouth. 68 Prozent der befragten 275 Unternehmen planen im Jahr 2009 ihre Ausgaben für Social Media zu erhöhen.

Die Untersuchung zeigt, dass erfolgreiche Organisationen über die notwendigen Anwendungen und Methoden verfügen, um ihren Kunden zuzuhören und von ihren Vorschlägen zu lernen. Sie hören auf die Konsumenten und erhöhen ihren Marketing ROI (Return of investment) damit erheblich.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Allerdings haben viele Unternehmen noch Schwierigkeiten damit, den Erfolg ihrer Aktivitäten in den sozialen Medien zu messen. 39 Prozent gaben an, dass sie es schwierig finden, Social Media Marketing in einen Business Case umzusetzen, 20 Prozent finden es sehr schwierig.

Um im Social Media Marekting gewünschte Ziele zu erreichen, rät die Studie, nicht nur auf die richtigen Technologien zu setzen, sondern stratische und organisatorische Fähigkeiten zu kombinieren. Unternehmen müssen in der Lage sein, die sozialen Medien zu überwachen. Nur so können sie ihre Meinungsführer identifizieren und deren Wirkung messen. Ausserdem müssen sie ihre Marketingaktivitäten in Social Media in ihre Marketing-Strategie integrieren und die restlichen Taktiken und Hilfsmittel entsprechend anpassen.

Letzendlich muss die Symapathie der Kunden sich im Umsatz zeigen. Im Gegensatz zu den Nachzüglern, wie sie in der Untersuchung bezeichnet werden, investieren branchenführende Unternehmen, doppelt so viel Zeit in Social Media Marketing. Sie haben beispielsweise bereits definierte Prozesse etabliert, um die Effektivität des Social Media Marketing zu messen. Studienleiter Jeff Zabin fasst die Ergebnisse so zusammen:

Companies on the whole have becoming increasingly sophisticated when it comes to leveraging word of mouth to raise brand awareness, drive marketing improvement and, ultimately, increase shareholder value. The benefits of social media marketing have become increasingly clear and compelling over the past year, even if the metrics for measuring success are still evolving, and more companies today are viewing social media as a lead-in to a marketing plan as opposed to an afterthought.

Hier gibt es den Report kostenlos zum Download.

The Twitter takes it all…

Veröffentlicht am 20. März 2009 von Anna Friedrich | Soziale Netzwerke, Trends, Werbung

Twitter nimmt bei Konsumenten und auch auf Unternehmensseite eine immer wichtigere Stellung ein. Die Welt der 140 Zeichen ist nicht nur ein Portal, um mit Freunden in Echtzeit zu kommunizieren. Sie hat sich als wichtiges Element der Markenkommunikation etabliert. Alle wollen mitmachen beim Zwitscher-Hype.

Innerhalb des letzten Jahres ist Twitter um 1.392 Prozent gewachsen – von 475.000 Unique Visitors im Februar 2008 auf 7 Millionen im Februar 2009. Damit ist der Microblogging-Dienst das am schnellsten wachsende Web 2.0-Portal in den USA. Der Wiki-Dienst Zimbio folgt im Ranking mit einem Wachstum von 240 Prozent und Facebook mit 228 Prozent.

Diese Zahlen liefert das Marktforschungsinstitut Nielsen in seiner aktuellen Analyse zum Wachstum von Web 2.0-Plattformen. Twitter sahnt eindeutig den ersten Platz ab, obwohl lediglich PC-Daten miteinbezogen wurden. Das reale Wachstum wäre damit deutlich höher.

Dabei ist die Möglichkeit, von unterwegs aus Kurznachrichten über Twitter zu versenden einer der Erfolgsfaktoren des sozialen Netzwerkes. Allein im Januar nutzten 735.000 Personen in den USA Twitter von unterwegs mit dem Mobiltelefon. Im letzten Quartal schickten 812.000 Unique User Sms von AT&T und Verizon Mobilfunktelefone – durchschnittlich waren es 240 Nachrichten pro Person!

Die Bedeutung von Twitter, so die Nielsen-Analysten, könnte gerade in Zeiten der Rezession weiter zunehmen. Der Microblogging-Dienst wird von mehr und mehr Marken genutzt, um Aufmerksamkeit zu schaffen und mit ihren Kunden in Dialog zu treten.

Noch fehlt Twitter das richtige Geschäftsmodell. Dennoch ist das Interesse der Medien am Erfolg der Plattform und seinen Gründern Jack Dorsey und Biz Stone immens.

Die Lehre des Zuviel: Wie Leser und Medien zurück zu mehr Qualität finden.

Veröffentlicht am 02. Dezember 2008 von Anna Friedrich | Medien 2.0, Web 2.0, Werbung

In Foren, Communities, auf Newsportalen und Blogs werden Unmengen an Informationen geboten. Wir alle nehmen immer mehr auf, verarbeiten aber immer weniger. Gibt es einen Ausweg aus dem Informationsüberfluss?

Die The Associated Press (AP) hat junge Konsumenten befragt, welche Rolle digitale Medien für sie spielen. Fast alle gaben an, dass sie sich zwar mehr detaillierte Nachrichten wünschen, jedoch nicht wissen, wie sie an sie heran kommen. Im Ergebnis waren die Jugendlichen überfordert von der Anzahl und Häufigkeit der Nachrichten. Die Masse an Informationen ermüde sie. Umso mehr werden die befragten Jugendlichen laut AP passiv und hilflos:

The irony in news fatigue is that these consumers felt helpless to change their news consumption at a time when they have more control and choice than ever before. When the news wore them down, participants in the study showed a tendency to passively receive versus actively seek news.

Heute gibt es gut 70 Millionen Blogs und 150 Millionen Webseiten. Täglich werden 210 Billionen Emails verschickt. Während 2006 noch 161 exabytes Daten im Netz versendet wurden ist, werden es bis 2010 vermutlich bereits 988 exabytes sein.

Gegen das “lost in translation”

Die unvorstellbaren Datenmengen haben drastische Auswirkungen darauf, wie Nachrichten erstellt und konsumiert werden. Dabei sind die Vorteile von Nachrichten im Internet – Transparenz, Zugänglichkeit und Demokratisierung nach den Prinzipien der “öffentlichen Meinung” – unbestritten.

Trotzdem ergab eine andere Befragung in den USA, dass Leser nicht besser informiert sind als vor der Internet-Ära. Unsere Aufmerksamkeit ist limitiert. Das wissen Kognitionspsychologen schon lange. Im Zeitalter der digitalen Information gilt es für Anbieter, um dieses selten gewordene Gut zu kämpfen – wenn sie nicht untergehen wollen.

Unsere Lösung im Informationsdschungel lautet Multitasking. Wir öffnen unzählig viele Tabs im Browserfenster, chatten nebenbei, schauen fern und schreiben gleichzeitig auch noch eine Email. Torkel Klingenberg vom Karolinska Institut in Schweden betont aber, dass wir nur durch gezielte Aufmerksamkeit Dinge lernen können:

If we do not focus our attention on something, we will not remember it.

Damit wir neue Informationen aufnehmen können, müssen wir es also schaffen, uns auf eine Sache zu fokussieren und “Störquellen” zu ignorieren. Ansonsten haben wir zwar von allem schonmal etwas gehört, aber verstanden haben wir es längst nicht. Effizient aufnehmen können wir nur das, was wir mit ganzer – und nicht wie beim Multitasking mit geteilter – Aufmerksamkeit beachten.

Die Qualität im Netz wahren

Für Medien heißt das, dass sie Inhalte liefern müssen, die so gut sind, dass wir sie im überladenen Internet überhaupt wahrnehmen.

Viele Nachrichtenkanäle bieten dagegen immer MEHR Informationen. Sie produzieren viel Inhalt auf immer mehr Unterseiten und Kategorien. Ein Teufelskreis, der es für den Konsumenten nur noch schlimmer macht, die Orientierung zu wahren.

Interessant ist, was Pablo Boczkowski, Kommunikationswissenschaftler der Northwestern University, herausgefunden hat. Seine Studien zeigen, dass wir sehr viel weniger Zeit für Nachrichten im Internet aufwenden als wir dies für gedruckte Inhalte tun. Ausserdem wird online mehr nutzergenerierter Content konsumiert. Noch komplizierter machen es die ganzen Werbebanner, so der Forscher. Und selbst, wenn wir es schaffen, diese auszublenden sind wir angesichts der zahlreichen Artikel, Schlagzeilen, Video- und Audio-Feeds überfordert. Wohin mit der Aufmerksamkeit, diese Frage stellt sich der Konsument.

Nachrichtenmedien kämpfen dagegen um genau diese. Sie konkurrieren nicht nur untereinander, sondern auch mit den Werbeanzeigen, ohne die sie ironischerweise nicht überleben können. Dass die Medienlandschaft sich im kompletten Wandel befindet, steht außer Frage.

Niklas Hofmann spricht heute in der Süddeutsche Zeitung am Beispiel der Berichterstattung zu den Anschlägen in Mumbai davon, dass durch den Microbloggingdienst Twitter eine völlig neue Nachrichtenkultur entsteht. Den Umbruch verdeutliche auch die Online-Berichterstattung zur Finanzkrise und natürlich die zur US-Präsidentschaftswahl.

Journalismusexperte und -dozent Stephen B. Shepard will mit seiner “Graduate School of Journalism” den Qualitätsjournalismus in Amerika fördern. Er propagiert den “interaktiven Journalisten” Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung macht er klar, dass ein mögliches Ende der gedruckten Zeitungsausgabe ja nicht bedeutet, dass Journalisten aufhören zu arbeiten – im Gegenteil:

Wir haben hunderte Möglichkeiten, einen zukunftsfähigen Journalismus zu betreiben – einen multimedialen Journalismus, einen interaktiven Journalismus, einen Journalismus, der das Publikum mit einbezieht. Dieser neue Journalismus wäre ein Prozess, nicht mehr nur ein Produkt, er würde zu einem Gespräch zwischen Produzenten und Nutzern.

Shepard lehnt Bürgerjournalismus und -beteiligung nicht ab. Trotzdem ist der digitale Konsum von Nachrichten anders. Hier ist kein Platz für qualitativ hochwertige, ausführlich recherchierte Features und Hintergrundgeschichten, so der Wissenschaftler.

Jeder, der denkt, Qualitätsjournalismus beschränke sich auf’s Wörterzählen, hat nichts kapiert. (…) Journalismus mit Fließbandproduktion gleichzusetzen, ist eine fundamentale Verkennung dessen, was er sein kann und auch sein sollte.

Der Journalismusguru will seine Journalisten in einem Hybrid-Modell – Online- und Offline-Kompetenzen – ausbilden. Sie sind dann eine Art Allrounder und:

(…) müssen beides beherrschen: Das traditionelle Schreiben und die technische Seite, also Bilderstrecken, Interaktivität, Video. Wir akzeptieren keine Trennlinien.

Um den Qualitätsjournalismus zu finanzieren, dass die Preise für Werbung erhöht werden. Wer die Inhalte weiterverarbeitet, solle zudem dafür bezahlen – also auch Suchmaschinen. Am Ende des Tages ist er überzeugt davon, dass sich Finanzierungsmechanismen ergeben werden. Denn:

Das Bedürfnis nach Informationen, Verständnis und Selbstbestimmung wird nicht verschwinden. Und genau deshalb wird auch der Journalismus nicht verschwinden.

Anstatt sich in den Sog zu begeben, Nachrichten für den digitalen “Müllhaufen” zu produzieren, beginnen die Medien, die Digitalisierung ihrer Inhalte als Chance zu verstehen. “hybridfähig” ist das Zauberwort: Nachrichten verändern ihr Wesen je nach Trägermedium.

Ein schönes Beispiel für die Darstellung von News online ist die neue Website von BBC News. Geht man hier auf den Artikel Top Thai court ousts PM Somchai, fällt die Interaktivität ins Auge: BBC News liefert nicht nur einen Text, sondern gleichzeitig den dazugehörigen Video- und ein Audio-Cast. Am Ende des Artikels wird der Leser direkt nach seinen Erfahrungen zu den Protesten in Thailand gefragt. Sie können dann in der Kommentarfunktion berichtet werden. Bilder zur Lesergeschichte können dann an die angegebene Mail-Adresse geschickt oder direkt hochgeladen werden.

Social Media Myths

Veröffentlicht am 20. November 2008 von Mark Pohlmann | Web 2.0, Werbung

Das englischsprachige “Socialmediamagazine” hat eine interessante Liste der größten Vorurteile über den Einstieg in die Welt der Social Media geschrieben. Hier eine kurze, frei übersetzte Zusammenfassung.

1. Gut sein reicht nicht. Nicht alles, was gut ist, wird automatisch auch geklickt. Ohne eigene Reputation und aktive Vermarktung geht auch der beste Artikel ungelesen den Bach runter.

2. Klare Regeln. Die Community sieht genau, wer peinlich übertreibt , falsch zitiert oder grob bei der Konkurrenz klaut. Und zeigt mit dem Finger schamlos auf den Delinquenten.

3. Es gibt sie: Digitale Beziehungen. Wer glaubt, das über das Internet kein Vertrauen aufzubauen ist, irrt. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade im vernetzten und transparenten Internet wird klar, wer vertrauenswürdig ist.

4. Je mehr Freunde, umso besser. Tausende Freunde sind ein Faktor von vielen, die eine digitale Reputation ermöglichen. Aber bei weitem nicht die entscheidendste. Die Qualität schlägt glücklicherweise weiter die Quantität.

5. Social Media Marketing ist einfach. Siehe Punkt eins: Foren und Communities kann jeder bauen. Begeisterte Nutzer anzulocken und anzusiedeln, ist harte Arbeit. Das kann vor allem dann frustrierend sein, wenn über die ersten Wochen sich kaum jemand für das eigene Angebot interessiert. Hier hilft nur: Besser werden, aktiver kommunizieren.

6. Vergeudete Zeit. Die Fähigkeit, sich mit Kunden auszutauschen ist keine Zeitverschwendung, sondern eine zukünftig elementare Kulturtechnik für jedes Unternehmen. Je eher es anfängt, umso einfacher wird dieser Adaptionsprozess.

7. Social Media ist das Ende klassischen Marketings. Hierzu nur ein Wort: Quatsch.
Aber seine Bedeutung wird noch viel zu wenig erkannt.

8. Online-Kommunikation löst alle Probleme verfehlter Marketingpolitik, da es sich quasi von selbst verbreitet. Ist natürlich auch nicht richtig. (Hier würde ich allerdings sagen, das behauptet auch niemand). Die oft zu hörende Hoffnung, dass virales Marketing Media-Budgets unnötig macht, träumen viele Unternehmen. Das schaffen vielleicht ein Prozent.

9. Web 2.0 – das ist für die nächste Generation, die “Digital Natives”. Natürlich ist die heutige Teenager-Generation schon komplett digital sozialisiert und nutzt die Techniken in der Mehrheit viel intensiver als jede andere. Aber Fakt ist, dass die Hauptnutzung in absoluten Zahlen derzeit bei den über 30-Jährigen liegt. Und die meisten Reisen werden heute online gebucht – und das bestimmt nicht von Vierzehnjährigen.

10. Digg ist alles, was es braucht. Digg zeigt von Lesern empfohlene Texte und Webseiten an und ist im englischsprachigen Raum sehr verbreitet. Aber welches Marketingtool auch immer: Es gibt nicht “die” eine Lösung. Aber es gibt viele Wege, Aufmerksamkeit im Internet zu erzeugen. Das ist das Schöne am Internet: Die Anzahl der Marketinginstrumente hat exponential zugenommen. PR, Virale Videos, Blogs, Communities, Twitter, YouTube… die Liste ließe sich unendlich verlängern. Jetzt muss man nur noch wissen, welches zu den eigenen Zielen passt.